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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 3. Dezember 1837, Nro. 97</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher>Beata Mache</publisher>
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            <date type="publication">2014</date>
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            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="97">3. Dezember 1837, Nro. 97</title>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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         <p rend="UKZ 1 Titel">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/> 
            für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, 
            <lb/>katholischen, und israelitischen Deutschland's. <lb/>Frankfurt a. M., den 3. Dezember 1837. Nro. 97. </p>
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         <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Visitationsreise des päpstlichen Delegaten in <hi rend="italic">Syrien</hi> (Forts.) – </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi>
            <hi rend="italic"> Amerika. Grönland. Lichtenau</hi>; Zustand der herrenhutischen Mission. – <hi rend="italic">Schweiz. Zürich</hi>; Wahl eines neuen reform. Antistes; <hi rend="italic">Tholuck's</hi> Rede über die Zwistigkeiten der evangel. Kirche; Sektenwesen. <hi rend="italic">Schwyz</hi>; Organisation des Jesuiten Kollegiums; Belobung desselben vom heil. Vater. <hi rend="italic">Freiburg</hi>; Frequenz des Jesuiten-Collegs. <hi rend="italic">Luzern</hi> und <hi rend="italic">Solothurn</hi>; Einschreiten gegen die klösterlichen Instituten. <hi rend="italic">Neuenburg</hi>. Uebersetzung protest. Schriften in's Französische. – <hi rend="italic">Polen. Warschau</hi>; Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen zu griech. Schismatikern. – <hi rend="italic">Deutschland. Preußen. Frankfurt a. d. O.</hi>; die theol. Lesezirkel unter Aufsicht der Staatsbehörde. <hi rend="italic">Köln</hi>; über die gemischten Ehen; Bereitwilligkeit des Erzbischofs, seinen zeitlichen Gütern, nicht aber seinem Amte zu entsagen. <hi rend="italic">Minden</hi>; Ankunft des Erzbischofs von <hi rend="italic">Köln. Coblenz</hi>; Wahl eines Bisthums-Verwesers. <hi rend="italic">Bremen. Bremen</hi>; über das Verhältnis zwischen Kirche und Staat; wohltätige Anstalt. <hi rend="italic">Hessen-Darmstadt. Darmstadt</hi>; Corresp.-Ber. über isr. Angelegenheiten. – </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Prot. Abth.</hi> Gegenwärtiger Zustand und gegenseitiges Verhältnis der verschiedenen Offenbarungen des h. Geistes. Zweiter Artikel. – </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kath. Abth</hi>. A. <hi rend="italic">Müller</hi> Lehrbuch der Katechetik. – </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen. </hi>
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <p>(Ankündigung der neuen <hi rend="italic">Katholischen Kirchenzeitung</hi>, redigirt von Dr. J. V. <hi rend="italic">Hoeninghaus</hi>.)
            <lb/><hi rend="normalweight">|Sp. 1535|</hi ></p>
        </div>
         <div type="mantel">
         <head>
            Visitationsreise des päpstlichen Delegaten in Syrien.</head>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>„In welche Betrachtungen wird man versenkt, wenn man im Geiste die dazwischen liegenden Jahrhunderte hinwegnimmt, daß das arme und elende heutige <hi rend="italic">Sor</hi> jenes schöne, große, alte <hi rend="italic">Tyrus</hi> seyn soll! Wo sind heute jene Schiffe zusammengesetzt aus Tannen von Sanir, die nichts Anderes waren, als die Cedern des Libanon in anderer Gestalt? wo sind jene Ruder, aus den zahlreichen Pappeln von Bisan gearbeitet? Sieht man noch seine Matrosen, sitzend auf cyprischem Buchsbaum, seine Segel, gewebt aus dem schönen Gespinnste Aegyptens, und seine Gewänder, gefärbt im Hyacinth und Purpur von Hellas? Alles ist verschwunden. „„Du bist zu Grunde gerichtet, o Tyrus, und mit Dir zugleich Deine Matrosen, Deine Piloten, Deine Krieger und sämmtliches Volk, das Deine Mauern anfüllte. Deine Ruderer haben Deine Schiffe verlassen; Deine Schiffe liegen auf trockenem Boden; die Völker, denen Du Reichthümer zuführtest, die Könige, deren Begierde Du stilltest, haben, bestürzt über Deinen Fall, Töne der Verzweiflung, ausgestoßen; in ihrem Schmerze über Dich haben sie ihre Haare abgeschnitten, haben sie Asche auf ihre Häupter gestreut, haben sie sich im Staube gewälzt und haben gerufen: Du bist zu Grunde gegangen, o Tyrus! Du bist zu Nichts geworden, bist vernichtet auf immer. Ad nihilum deducta es, et non eris usque in perpetuum.““ (Ezech. XXVII. 36.) Man muß in Sor seyn, um die ganze Kraft und die ergreifende Wahrheit dieser erhabenen Bilder des Propheten zu empfinden. <hi rend="italic">Alexander der Große</hi> nahm es über sich, diese fürchterliche Vorhersagung über Tyrus in Erfüllung gehen zu lassen. Nach einer siebenmonatlichen Belagerung, welche über seinen Muth gesiegt hatte, wenn er nicht <hi rend="italic">Alexander</hi> gewesen wäre, nahm er diese Stadt ein und zerstörte sie. Nachdem sie sich von ihrer ersten Verwüstung etwas erholt hatte, wurde sie zur Zeit <hi rend="italic">Adrian's</hi> die Hauptstadt von Phönizien. Später bemächtigten sich ihrer die Kreuzfahrer, in deren Besitze sie eine Zeit lang blieb, worauf sie aber in die Gewalt der Türken fiel, in deren Händen sie sich noch heute befindet. Im 4. Jahrhundert wurde zu Tyrus eine Kirchenversammlung gehalten, in welcher der heilige Athanasius durch die Arianer verdammt wurde. Außer dieser fanden noch zwei andere Kirchenversammlungen, die eine im 5., die andere im 6. Jahrhunderte, daselbst statt. Man glaubt, daß zu Tyrus der berühmte <hi rend="italic">Origenes</hi> begraben liege.</p>
         <p>|Sp. 1536| Heute ist Tyrus, bekannt unter den Namen Sor, nur eine kleine Stadt, deren ganze Bevölkerung nicht mehr, als 1505 Seelen beträgt. Die Häuser sind hier, wie in allen türkischen Städten, schlecht gebaut, und die Gassen, so wie die längs dem Meere hinlaufenden Uferdämme, von einer auffallenden Unreinlichkeit. Die Lage dieser Stadt hat das Merkwürdige, daß sie sich in das Meer hinein erstreckt, als ob sie davon Besitz nehmen wollte; und diese vortheilhafte Lage ist es, welche ihren Hafen den Schiffen so zugänglich macht und welche für sie die Quelle eines ziemlich blühenden Handels wird.</p>
         <p>Zwei Stunden von Sor gelangt man, wenn man der Richtung einer alten Wasserleitung gefolgt ist, deren Arcaden, je weiter man vorwärts schreitet, immer enger und enger aneinander rücken, an jene, in der h. Schrift unter dem Namen Puteus aquarum viventium berühmte, und im Oriente nur unter dem Namen Rasel-Aen, <hi rend="italic">Kopf der Quelle</hi>, bekannten Wasserbehälter. Außer dem Hauptbehälter gibt es noch zwei von geringerer Größe und mehrere kleinere, welche alle zusammen ein dichtes Mauerwerk bilden, das weder aus behaltenen noch aus rohen Steinen, sondern aus einem mit einem Meerkies vermischten Kitte besteht.</p>
         <p>Bassa ist ein kleines Dorf, vier Stunden von St -Jean-d'Acre. Die Bewohner desselben, von der nahen bevorstehenden Ankunft des päpstlichen Delegaten in Kenntniß gesetzt, kamen unter Anführung des Pfarrers, eines griechisch-melchitischen Priesters vom Orden des Heilandes, ebenfalls uns entgegen. Wir fanden uns von der Frömmigkeit dieser guten Leute sehr erbaut, widmeten ihnen den übrigen Theil des Tages und begaben uns erst am folgenden Tage, nach der Messe, auf den Weg nach <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Jean-d'Acre</hi>.</p>
         <p>Acre, arabisch Acca, in den frühesten Zeiten bekannt unter dem Namen Aco, wurde in der Folge nach dem Könige Ptolomäus von Ägypten <hi rend="italic">Ptolomais</hi> genannt. Den Namen St. Jean-d'Acre erhielt die Stadt durch die Johanniter-Ritter, welche daselbst ihren Sitz hatten. Sie wurde zur Zeit des Kaisers <hi rend="italic">Claudius</hi> eine berühmte Colonie. Nachdem sie später von den Arabern genommen, wurde sie im Jahre 1104 von den Kreuzfahrern erobert und diesen wieder im J.1187 von <hi rend="italic">Saladin</hi> entrissen. Vier Jahre später bemächtigte sich ihrer <hi rend="italic">Philipp August</hi>, König von Frankreich; aber endlich fiel sie wieder in die Hände der Ungläubigen, in deren Besitz sie geblieben ist. Es war zu Ptolomais, wo <hi rend="italic">Jonathas Maccabäus</hi> nach hartnäckigem und ruhmvollen Widerstande das Leben verlor. Wegen |Sp. 1537| seiner glücklichen Lage und seines schönen Hafens wurde St.-Jean-d'Acre in den letzten Zeiten der Kreuzzüge zum Versammlungsorte fast aller katholischen Fürsten. Man zählte daselbst gegen 20 Fürsten oder deren Stellvertreter (unter andern auch den Legaten des Papstes, welcher 2500 Mann daselbst unterhielt). Jeder dieser Fürsten hatte seinen besondern, unabhängigen Stadtbezirk, wodurch eben so viele Parteien gebildet wurden; eine Trennung, welche den Verlust dieser Stadt zur Folge hatte. Die letzte Belagerung, welche sie im Jahre 1832 durch <hi rend="italic">Ibrahim Pascha </hi>erlitt und die 7 Monate währte, verwandelte sie in Trümmer. Seitdem ist man damit beschäftigt, sie mit schönen Festungswerken zu versehen. In den Hafen, tief innerhalb des Landes, 300 Schritte von der Stadt, mündet der Fluß Padiga oder Balus aus, aus welchem bisweilen Sand zur Glasbereitung nach Europa gebracht wurde.</p>
         <p>So gering auch die Bevölkerung von St.-Jean d'Acre ist, so hat sie doch drei katholische Kirchen: eine lateinische, eine griechische und eine für die Maroniten. Diese drei Nationen bilden vereint eine Gesammtzahl von beinahe tausend Seelen auf eine Bevölkerung von dreizehnhundert.</p>
         <p>Die maronitische Kirche ist sehr arm, oder, richtiger gesagt, es fehlt ihr an Allem. Sie besitzt keine anderen Ornamente, als die, welche ihr die Lateiner leihen. Wir haben uns beeilt, so weit es unsere Hilfsmittel gestatteten, sie mit dem zu versehen, dessen sie am dringendsten bedurfte.“</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
         </div>
         <div type="kn">
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Amerika.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Grönland.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Lichtenau,</hi> 11. Aug. (Aus einem Schreiben des herrnhut. Miss. <hi rend="italic">Ihrer</hi>): Die Gesammtzahl der zur hiesigen Mission gehörigen Glieder ist jetzt 673; darunter sind 304 Communikanten, so wie einige wenige noch Ungetaufte, sammt den von der Gemeinde Ausgeschlossenen. Indessen wohnt nur die kleinere Hälfte dieser Anzahl hier bei uns; die übrigen sind auf sechzehn mehr oder weniger entfernten Wohnplätzen umher zerstreut. Leider müssen wir sehen, daß manche Kranke und Schlafende unter ihnen sind; aber wir dürfen auch bezeugen, daß der Wächter Israel's nicht schläft noch schlummert, die mit Seinem eigenen Blute theuer erkauften Seelen als der gute Hirte zu suchen, zu heilen, und mit Seinen himmlischen Gütern zu stärken zum ewigen Leben. O möchte Er, das für uns geschlachtete Lamm Gottes, doch bald Ehre von Allen nehmen! Gegenwärtig sind hier die Geschwister <hi rend="italic">Ihrer</hi>, Geschwister Kögel, und der ledige Br. <hi rend="italic">Asbon</hi>. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Calwer Miss. -Blatt)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Schweiz.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Zürich</hi>, den 2. Nov. Der Antistes der Züricher'schen reformirten Kirche, <hi rend="italic">Geßner</hi>, Schwiegersohn Joh. Caspar <hi rend="italic">Lavater's</hi>, hat vor einiger Zeit wegen vorgerückten Alters seine Entlassung von dieser Stelle genommen. Die eben versammelte Synode der Züricher'schen Geistlichkeit hat nun dem großen Rathe, welchem die definitive Wahl des Antistes zusteht, den ihr zustehenden Dreiervorschlag aus den HH. Pfarrer <hi rend="italic">Füßli</hi> in Neumünster in Zürich, Dekan <hi rend="italic">Finster</hi> zu Wangen und Helfer <hi rend="italic">Fasi</hi> zu Zürich gebildet. Man zweifelt nicht, daß der Erstgenannte, der selbst Mitglied des großen Rathes ist, und vielfaches Vertrauen genießt und verdient, gewählt werde. Die Stelle eines Antistes ist, so weit ihre Geschäfte durch den äußern Organismus der Kirche bezeichnet sind, von geringer Bedeutung, indem derselbe lediglich als Präsident der Synode und des Kirchenrathes zu fungiren hat. Wenn dagegen ein bedeutender und kräftiger Mann die Stelle inne hat, so kann die Persönlichkeit desselben ihr eine sehr große Bedeutung geben Es wird zwar der Antistes nicht mehr den überwiegenden Einfluß auf Kirche und Staat auch mit den größten Talenten und der eifrigsten Thätigkeit sich erwerben können, wie im 16ten Jahrhundert; |Sp. 1538| aber er kann doch immer noch die kirchliche Richtung repräsentiren, und gegenüber der Geistlichkeit und Kirche sowohl, als gegenüber dem Staate eine faktische Stellung erlangen, welche für jene von großer positiver, für diesen wenigstens von negativer Wichtigkeit ist. Und so kann diese Wahl besonders in einer Zeit, wo zwischen Kirche und Radikalismus ein halb verborgener, halb offener Kampf geführt wird, der sich nothwendig noch viel deutlicher erzeigen und viel lebhafter werden wird, ein Ereigniß seyn, dessen Bedeutung für unsere Zustände sich erst in der Folge klar darstellen wird. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Ztg.)</p>
         <p>— Am Abend des zürcherischen Missionsfestes sprach Herr Prof. <hi rend="italic">Tholuck</hi> in einer zahlreichen Versammlung von Freunden der Mission noch höchst interessante Worte über manche auffallende Erscheinungen in der evangelischen Kirche, wovon wir unsern Lesern hiemit das Wesentlichste nachholen. — Wie erfreulich immer auf der einen Seite die Bemerkung ist, daß christliches Leben hie und da wieder erwacht, so betrübend ist es auf der andern, daß allenthalben Spaltungen und Zwistigkeiten sich unter den Gläubigen selbst offenbaren. So in Schlesien der Streit über Union und Lutherthum (worüber beiläufig bemerkt wurde, daß in neuern Zeiten in Preußen keine Gemeinde zur Union gezwungen, wohl aber, daß die Einführung der Agende obligatorisch gefordert werde); in Berlin die Frage, ob die Missionare wissenschaftliche Bildung erhalten sollen oder nicht? in England die Streitfragen über die Taufe, ob in derselben die Wiedergeburt selbst bestehe, oder ob jene nur Pfand und Vorbild der letztern sey; in den Niederlanden die Uneinigkeiten über die Gnadenwahl und über die reine und unreine Kirche. Als das beste Gegenmittel ist zu empfehlen: Man soll die Buße und die Rechtfertigung durch den Glauben an Christum recht kräftig hervorheben und andringen, und sich in Liebe auf diesen Grund recht feststellen, sodann die übrigen Punkte als Nebenpunkte nicht gleichgiltig aber ruhig erörtern; auch soll man die neu erwachten Christen sobald und soviel als möglich in's Gebiet des praktischen Christenthums, in die Arbeit der thätigen Liebe einführen, um sie vor müßigen Grübeleien zu bewahren. (Schweiz. ev. K.-Z.) — Oeffentliche Versammlungen von Sektirern, deren immerfort, besonders im Bezirke <hi rend="italic">Bülach</hi> vorkommen, begnügt sich der Polizeirath, mit aufmerksamem Auge zu bewachen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Schwyz</hi>. Der hochw .Pater Rektor des neubegründeten Jesuiten-Kollegiums von Schwyz hat folgende Bekanntmachung erlassen: Da das Zirkular, welches die Kommission der ersten HH. Unternehmer an die Mitglieder der Gesellschaft zur Begründung einer katholischen Erziehungsanstalt in Schwyz unterm 12. Aug. l. J. erlassen, die für das folgende Schuljahr vorzunehmende Erweiterung der Anstalt betreffend, von einigen unrichtig aufgefaßt worden ist, so findet sich der Unterzeichnete veranlaßt, das Nähere hiermit zur öffentlichen Kenntniß zu bringen: 1) der philosophische Lehrkurs wird auf zwei Jahre ausgedehnt und von drei Professoren gegeben werden. Der Inhalt desselben wird seyn: a) Logik, Methaphysik, und Moralphilosophie; b) Physik sammt Chemie; e) Mathematik, erster und zweiter Kurs; d) Geschichte der Philosophie. 2) Es wird auch den Alumnen der Physik ein zweckmäßiger Apparat zu Diensten stehen. 3) Die Gymnasialklassen werden in dem vorjährigen Zustande bleiben. 4) Auch eine Realschule wird hinzukommen zum Behufe derjenigen, welche sich für das Geschäftsleben heranzubilden wünschen.</p>
         <p>Dieses Jahr beginnt der erste Kurs derselben. dem über's Jahr der zweite folgen wird. Der Unterrichtsplan für diese Realschule ist folgender: a) Religionsunterricht; b) deutsche und französische Sprache, auch italienische, wofern Einige es verlangen) c) nothwendige Kenntniß und Uebung dessen, was im gemeinen Leben häufig vorkommt, als: Briefe, Nachrichten, Verträge u. s. w., d) Uebersicht, der allgemeinen Geschichte, besonders in Bezug auf Religion, vaterländische Geschichte; e) Geographie, allgemeine und besondere von der Schweiz und den angrenzenden Ländern; f) Arithmetik mit ihren praktischen Anwendungen, Buchhaltung; g) praktische Geometrie, insbesondere, Feldmeßkunst, Pläne aufzunehmen, Anfangsgründe der Baukunst; h) Naturkunde allgemeine Kenntnisse der Mineralogie, Botanik und Zoologie; i) Schönschreiben, Zeichnen und Musik, in welchen, auf Verlangen, von Privatlehrern unter Aufsicht des Kollegiums Unterricht er- |Sp. 1539| theilt wird. 5) Man hat dafür gesorgt, daß eine hinreichende Anzahl guter Kosthäuser den Zöglingen um billigen Preis offen stehen, wofür man sich nur an den Präfekten des Kollegiums wenden darf. 6) Die Gymnasialklassen, so wie die Realschule werden den 10. Okt., der erste und zweite Kurs der Philosophie den 20. eröffnet werden.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Der Rektor des Kollegiums der Gesellschaft Jesu in Schwyz</hi>. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schweiz.K.-Z.)</p>
         <p>— In einem durch Se. Eminenz den Hrn. Kardinal-Staatssekretär eingegangenen Schreiben belobt der heil. Vater den ausgezeichneten Eifer, mit welchem die übernommene Aufgabe der Errichtung einer neuen Lehranstalt in Schwyz gelös't wird, verdankt der Regierung den Schutz, den sie dieser neuen Anstalt angedeihen läßt, und bezeugt den hochwürdigen Vätern der Gesellschaft Jesu seine gänzliche Zufriedenheit über das Bestreben, mit welchem sie das in sie gesetzte Zutrauen, selbst über alle Erwartung, rechtfertigen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Religions- u. Krchfrd.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Freiburg</hi>. Auch in diesem Jahre zählt Freiburg wieder über 700 Studenten aus allen Weltgegenden, darunter 3 aus <hi rend="italic">Afrika</hi>; noch mehrere hundert Aufnahmegesuche für das Pensionat mußten aus Mangel an Raum wieder abgeschlagen werden. Aus Deutschland allein befinden sich über 40 Söhne aus fürstlichen und adeligen Geschlechtern hier, ungeachtet in einigen Reichen der Besuch der Jesuitenanstalten gänzlich, in andern zum Theil verboten ist. Aus den meisten Ländern Europas von Polen bis Portugal findet man hier Jünglinge. Und diese Anstalt, welcher Freiburg einen europäischen Namen und alle seine Merkwürdigkeiten verdankt, ist für den Staat vielleicht die wohlfeilste, die wir in der Schweiz haben, indem ein Professor nicht über 350 Fr. kostet. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schweiz. Kztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Luzern</hi>, den 23. September. Aus den neuesten Verhandlungen der Tagsatzung ist besonders die Klosterfrage von Interesse, denn wenn schon diese Abstimmung kein Resultat geliefert hat — es konnte für keine Meynung eine Mehrheit herauskommen, weil sich zu viele Stände das Protokoll offen behielten, oder ad referendum nahmen — so bleibt doch der bisherige Bestand der Sache unangefochten, und das ist auch ein Resultat. Zwei Kantone, Thurgau wegen des aufgehobenen Klosters Paradies, und Aargau wegen seiner Kloster-Maßregeln überhaupt, waren Gegenstand eines Angriffes von Seiten der Sarnerkantone. Dort drohte sich der Streit um die Frage, ob Paradies 1815 noch als Kloster bestanden habe, also Anspruch auf die Garantie des Vertrages von 1815 machen könne. Thurgau behauptete, es sey schon 1804 aufgehoben worden, nur sein Vermögen habe noch als ein Ganzes bisher fortbestanden, und da das Kloster schon verkauft ist, so darf die Sache als faktisch erledigt angesehen werden. Aargau gibt durch Maßregeln, welche die Aufhebung der Klöster im Hintergrunde sehen lassen, z. B. Entziehung der eigenen Vermögensverwaltung und Verbot der Novizen-Aufnahme, den katholischen Ständen Grund zur Besorgniß, und sie suchten daher aus dem Bundesvertrage auch die Ungerechtigkeit dieser Maßregeln nachzuweisen, fanden aber, wie gesagt, keine Mehrheit, so daß, wenn gleich ihr Begehren auch nicht förmlich abgewiesen ward, Aargau doch ungehemmt auf der betretenen Bahn fortgehen kann. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. M.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Solothurn</hi>. Der Kleine Rath hat in seiner Sitzung vom 16. d. M. in Ausführung eines frühern Großen Rathsbeschlusses die <hi rend="italic">Inventarisation sämmtlicher Klöster</hi> im Kanton Solothurn angeordnet, Sowohl in der vorberathenden Kommission als im Kleinen Rath war die Ansicht über die Art und Weise getheilt. Die <hi rend="italic">Einen</hi> wollten unter dem Wort Inventarisation bloß eine allgemeine Ausmittelung des Vermögens nach den bereits vorhandenen Dokumenten verstanden wissen; während die <hi rend="italic">Andern</hi> eine spezielle Ausschreibung an Ort und Stelle verlangten. Letztere Ansicht erhielt, wie zu erwarten, die Oberhand, und somit werden Abgeordnete in sämmtliche Gotteshäuser reisen, und all dort nicht nur Liegenschaften, Kapitalien etc. aufschreiben, sondern alles, Mobilien, Koch- und Hausgeschirr, bis auf die letzte Pfanne und Ofenkrücke notiren, und selbst alle Kirchengeräthe, Kelche, Monstranzen, heil. Reliquien, Meßornate inventarisiren. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schildwache a. Jura)</p>
         <p>|Sp. 1540| <hi rend="italic">Neuenburg</hi>. Hier will sich ein protest. Verein von Freunden des Evangeliums mit der Herausgabe von deutschen christlichen Werken beschäftigen, die in's Französische übersetzt wurden. Sie hoffen mit einer Übersetzung der „sechs Predigten <hi rend="italic">Krummacher's </hi>über das Hohelied“ zu beginnen, darauf soll desselben „Elias der Tisbiter“ folgen. Ferner beabsichtigt dieser Verein, an dessen Spitze Hr. <hi rend="italic">Friedr. von Rougemont</hi>, Mitglied des Rathes des Innern, steht, auch „<hi rend="italic">Tholuck's</hi> Lehre von der Sünde und vom Versöhner,“ „<hi rend="italic">Neander</hi> Gelegenheitsschriften“ und die Calwer „biblische Naturgeschichte“ französisch herauszugeben. Im Allgemeinen würden dem Comitee besonders Uebersetzungen christlicher Bibelkommentare, Schriften über die heil. Geschichte, über hebräische und christliche Alterthümer, Erbauungsschriften namentlich für Christen, die nach stärkerer Glaubensnahrung verlangen, christliche Biographien u. dgl. willkommen seyn. Möge diese beifallswerthe Unternehmung unsern französischen Brüdern reichen Segen bringen! </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schweiz. evang. Kztg.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Polen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Warschau</hi>. Die neue erzbischöfl schismat.-griech. Kirche in Warschau zeichnet sich durch sehr geschmackvolle Einrichtung und herrlichen Gesang aus. Die Gemeinde nimmt jährlich zu, da die Kinder aller schismat. Russen, welche Polinnen heirathen, was sehr oft vorkommt, <hi rend="italic">in der (schism.) griechischen Religion erzogen werden müssen</hi>. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(D. Bl.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Deutschland.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Preußen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Frankfurt</hi> a. d. Oder. Für die Geistlichen im Frankfurter Regierungs-Bezirke sind Statuten zur Bildung der <hi rend="italic">theol. Lese-Gesellschaften</hi> und der <hi rend="italic">Synodal-Bibliotheken</hi> erschienen. Diese Lesegesellschaften, zu denen außer den Geistlichen jeder Diözes auch die Predigtamts-Kandidaten gehören, sowie auch andere wissenschaftlich gebildete Männer, welche an theol. Literatur Antheil nehmen, zugelassen werden können, stehen <hi rend="italic">von nun an unter genauer Kontrolle der königl. Regierung</hi>, und dürften nunmehr in mancher Diözese sich in einer geregelteren Ordnung kund thut. </p>
         <list type="ordered">
            <item>K.-Z.)</item>
         </list>
         <p>
            <hi rend="italic">Köln</hi>, 13. Nov. Unten benanntes Blatt enthält folgenden beachtenswerthen, ersichtlich kurz vor Eintritt der jüngsten bekannten Ereignisse niedergeschriebenen Artikel:</p>
         <p>An der Sitze unserer Diözese, ereignen sich, wie verlautet, Dinge, welche jedes katholische Herz mit Bangen erfüllen. Wir wollen den Schleier, der sie noch verhüllt, nicht vor der Zeit lüften, sondern zu dem Mittel der Oeffentlichkeit nur greifen, um <hi rend="italic">diejenigen</hi>, welche in dieser traurigen Sache etwas vermögen, zu bitten und zu beschwören, nichts auf die Spitze zu treiben. Wir leben in schwierigen Zeiten; man weiß oft, von wo man ausgeht, nicht aber, wo man anlangen werde. Die Frage des Hermesianismus ist, wenn man Personen, die gut unterrichtet zu seyn scheinen, Glauben schenken darf, etwas in den Hintergrund getreten, und die Regierung ist trotz der wiederholten und nach allen vier Winden ausgestreuten Zeitungsnachrichten und Zeitungsanreizungen nicht geneigt, sagt man, die Sache der hermesianischen Professoren zur ihrigen zu machen; allein die Frage der <hi rend="italic">gemischten Ehen</hi> hat zwischen der Staatsregierung und unserm Hrn. Erzbischof leider zu Erörterungen geführt, welche weit entfernt zu seyn scheinen ein gedeihliches Resultat zur Folge zu haben. Wir kennen die hierauf bezüglichen Aktenstücke nicht genugsam, um von unserm Standpunkte aus untersuchen zu können, <hi rend="italic">wer</hi> in seinen Forderungen etwa zu weit gegangen seyn dürfte; wir sind sogar geneigt, anzunehmen, daß von Seiten des Hrn. Erzbischofs, dem eine für amtliche Wirksamkeit unglückliche Schroffheit eigen ist, bei anderweitigen großartigen Eigenschaften und Tugenden aber nachzusehen seyn dürfte, nicht die rechte Fügsamkeit und der rechte Takt bewiesen worden. Versuchen wir es, die Frage wegen der gemischten Ehen, in welche durch lange Verhandlung eher Verwirrung, als Licht gekommen ist, auf ihren einfachsten Ausdruck zurückzuführen. Gewiß ist, daß kein Streit bestehen würde, wenn die |Sp. 1541| Katholiken nur Katholiken, die Protestanten nur Protestanten ehelichten; der Zwist wird folglich nur dadurch aufgerecht, daß Mitglieder der einen Confession mit Mitgliedern der andern sich verheirathen wollen. Empfiehlt und begünstigt die <hi rend="italic">katholische Kirche</hi> solche Ehen? Sie empfiehlt und begünstigt dieselben nicht, folglich ist sie es wenigstens nicht, welcher der Streit zur Last gelegt werden darf. Wird durch die gemischten Ehen ein Proselytismus, welcher die Rechte oder Existenz der protestantischen Kirchengesellschaften gefährden könnte, ausgeübt, oder erblickt man dann einen solchen, so trifft die kathol Kirche kein Vorwurf; — denn sie wünscht, treibt und begünstigt diese Ehen nicht. Das sind Thatsachen, welche gegen alle Einrede feststehen. Wunderlich genug hat man aber gerade aus dem Bemühen der kathol. Kirche, solche Ehen möglichst zu vermeiden, eine Befeindung und Beeinträchtigung der protest. Kirchengesellschaften zu folgern und die Meynung zu verbreiten sich bemüht, sie halte die Ehen mit Protestanten für keine Ehe nach christlichem Begriffe. Es ist aber das baare Gegentheil der Fall; gerade weil die katholische Kirche die von und mit Protestanten eingegangene eheliche Verbindung für eine wahre Ehe erkennt, gestattet sie z. B. ihren Gliedern nicht mit geschiedenen, d. h. im Auge der kathol. Kirche noch gebundenen, Protestanten in eheliche Verbindungen zu treten. Was liegt fragen wir, in dieser ganzen Theorie und Praxis Verletzendes oder Gefährliches für die protest. Kirchengesellschaften und für die weltliche Regierung, daß man sich dadurch berechtigt oder bemüßigt sehen könnte, diese Theorie und Praxis zu ändern? „Aber, sag man, die kathol. Kirche ist ehelichen Verbindungen zwischen Personen von verschiedenem Glaubensbekenntnisse entgegen und in einem wohl organisirten Staate darf solche Trennung nicht geduldet werden. Warum zwei Herzen trennen, weil sie zufällig verschiedenen Confessionen angehören?“ Ohne auf das Tiefere einzugehen, bemerken wir hier bloß, daß wenn man dieses Prinzip anerkennen und durchführen wollte, die Ehe selber aufhören müßte. Warum dem Glücke zweier Herzen entgegenstehen, weil das eine davon oder beide zufällig <hi rend="italic">verheirathet</hi> sind? Ein wohl organisirter Staat kann und darf solche Ausschließungen und Sonderungen nicht dulden! Laßt uns wenigstens nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern konsequent zum St.-Simonismus, zur Emanzipation des Fleisches gelangen! Mehr noch; nach obigem Grundsatze dürfte in einem wohl organisirten Staate auch kein <hi rend="italic">Eigenthum</hi> bestehen. Man sehe wohl zu, wohin man mit <hi rend="italic">Grundsätzen</hi> kommt, wie man sie zur Vertheidigung der gemischten Ehen anführt und darauf basirt! Wenn die kathol. Kirche die ehelichen Verbindungen zwischen Personen verschiedenen Glaubens ungern sieht, und ihnen möglichst entgegen ist, so erweiset sie sich dadurch nur, abgesehen von dem tiefer liegenden Grunde, als wahre Beförderinn des Familienglücks und der Wohlfahrt des Staates. Wer jemals in der Lage war, solche Ehen in der Nähe zu beobachten, der wird einräumen müssen, daß, den Fall gänzlicher Indifferenz und gänzlicher Glaubenslosigkeit ausgenommen, unter drei solcher Ehen immer zwei sich finden, wo die Verschiedenheit der religiösen Ueberzeugungen und Gewohnheiten zu Verletzungen, Beeinträchtigungen und insbesondere zu Anstößen bei der Kinderzucht Anlaß werden. Es sey ferne von uns, die Schuld immer dem protestantischen Ehetheil aufzubürden; wir waren in dem Falle, mehrmals das Gegentheil zu beobachten, und zu sehen, wie der protest. Gatte vom katholischen seines Glaubens und Kultus wegen bespöttelt und gekränkt wurde. Ist der ein Gegner des Friedens, des Glückes der Familien und der darauf basirten Wohlfahrt des Staates, welcher solchen bedenklichen Verbindungen entgegen ist, so viel er vermag? In den höchsten Ständen, wo wenigstens mehr Höflichkeit, wenn auch nicht immer mehr Zartgefühl angetroffen wird, wo das Familienleben weniger innig ist, und wo die Erziehung der Kinder nicht immer von den Eltern, sondern von den Beauftragten besorgt wird, mögen solche Ehen weniger Inkonvenienzen haben; in den andern Ständen muß, individuelle Fälle ausgenommen, in der Regel abgerathen werden. Die katholische Kirche, welche von diesem Gesichtspunkte ausgeht, und von solchen ungleichartigen Vorbindungen abrathet und sie erschwert, gefährdet die <hi rend="italic">politische Societät</hi> dadurch nicht bloß nicht, sondern fördert vielmehr deren Ruhe und Gedeihen, da sie ein einiges, sittliches und religiöses <hi rend="italic">Familienleben</hi> zu befördern bemüht ist. Das ist's, was wir den Wortführern der ge- |Sp. 1542| mischten Ehen, gegen welche wir vom christlichen Standpunkte aus nichts einzuwenden haben, zu Gemüthe führen und sie bitten möchten, es rein und bloß den Individuen zu überlassen, ob sie eine solche Verbindung schließen zu können glauben. Thun sie es, so <hi rend="italic">hindert</hi> die kathol. Kirche sie nicht daran. Die Mitwirkung des Klerus der kathol. Kirche ist aber bei solchen Verbindungen nicht wesentlich. Was ist die kirchliche Trauung? Es ist der <hi rend="italic">Segen</hi>, welchen die Kirche durch ihr Organ, den Priestern, über die Verbindung ausspricht; sie <hi rend="italic">macht</hi> nicht die Ehe, welche auch ohne diesen Segen der Kirche zu Stande kommt, sondern heiligt sie bloß. Warum nun die kathol. Kirche nöthigen wollen, eine Vereinigung, eine Ehe zu segnen, in welcher sie und kein Unbefangener etwas Erfreuliches und Heilsames erblicken kann? Das ist, dünkt uns, Alles so klar und einfach, daß erst Verwirrung hineingebracht werden müßte, um Unbefangene gegen dieß Verfahren der katholischen Kirche einnehmen zu können. Oben an und fest steht: die kathol. Kirche wünscht solche Verbindungen nicht; sie hat sich aber nie geweigert, sie als gesetzliche <hi rend="italic">Ehen</hi> anzuerkennen; sie versagt ihnen deßwegen ihren Segen, es sey denn, daß sie die Brautleute in einer Disposition findet, welche für den Ehetheil ihrer Konfession günstig ist; was liegt in all' dem Störendes oder Gefährliches für die politische Societät? Wollte Gott, es fände sich Jemand, der dieß eben so einfach und klar unserm gerechten König und unserm Ministerium auseinandersetzte; uns dünkt, es wäre damit viel gewonnen. Suum cuique, ist im Politischen unser Wahlspruch, und da die Katholiken ihren protest. Brüdern nichts thun, nichts nehmen, nichts antasten; da sie des Königs treue Unterthanen sind: warum Aenderungen in ihren wohlhergebrachten religiösen Grundsätzen, Ordnungen und Rechten von ihnen verlangen? </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Herold d. Gl.)</p>
         <p>— Seit einigen Tagen spricht man hier fast von Nichts, als von dem <hi rend="italic">Streite</hi> zwischen dem Erzbischof und dem Ministerium. Als Veranlassung dazu nennt man die Bestimmung des Bischofs hinsichtlich der gemischten Ehen, daß nämlich nur dann ein Protestant mit einer Katholikinn, oder umgekehrt, getraut werden soll, wenn beide Theile vorher versprechen, daß die Kinder katholisch bleiben; so wie die Unterdrückung der Hermesischen Lehre und Absetzung einiger Professoren in Bonn und Lehrer hier in Köln durch den Erzbischof, und endlich einige andere Reformen, die dieser vorgenommen. Vielen ist wohl die in Darmstadt bei <hi rend="italic">Leske</hi> 1837 erschienene Flugschrift: Die Wahrheit in der Hermes'schen Sache etc., bekannt, die in großer Menge hieher gebracht und von den Gegnern des Bischofs begierig gelesen wurde. Darauf erschien die Beleuchtung dieser Flugschrift von einem Priester der Erzdiözese <hi rend="italic">Köln</hi>, die jene Schrift widerlegen will. Dieses letzte Büchelchen ist indeß, obwohl schon viele Tausende in der Stadt umlaufen, verboten worden. Geschrieben und mit großem altem Druck gedruckte Plakate, die in einer der letzten Nächte an die Ecken der Straßen geklebt wurden, sind natürlich abgenommen und kassirt worden. Das Ministerium hat den Erzbischof ersucht, entweder die bestehenden Reformen zu lassen, oder seine Entlassung zu nehmen. Dieser hat aber darauf erklärt, daß er so wenig das Eine thun könne, wie das Andere thun wolle; er sey von dem Papste in seiner Würde als Erzbischof bestätigt, und werde dieselbe deßhalb nicht freiwillig aufgeben. Er sey übrigens gerne erbötig, auf den Gehalt, 12,000 Thaler, den er von dem Staate beziehe, zu verzichten, und das kön. Gebäude, den erzbischöfl. Palast, den er bisher bewohnt, augenblicklich zu räumen. Er sey gewohnt, sparsam zu leben, und werde sich dann durch milde Geschenke zu unterhalten wissen. Dieser Krieg, der bisher doch nur als Federkrieg zu betrachten war, hat Streitlustige von beiderlei Confessionen hervorgerufen, die sich gestern Abend in der Herberge die Köpfe blutig geschlagen haben. Der Sieg ist der Mehrzahl, den evangelischen Schreinergesellen, geblieben. </p>
         <list type="ordered">
            <item>B.)</item>
         </list>
         <p>
            <hi rend="italic">Minden</hi>, 23. Nov. Gestern ist der Erzbischof von <hi rend="italic">Köln</hi> , der sich bekanntlich in Opposition gegen die Regierung, befindet, aus seinem Sprengel ab- und hierhergeführt; <hi rend="italic">er wird bewacht</hi>, um außer Verkehr mit seinen etwaigen Anhängern zu bleiben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(F. J.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Coblenz</hi>, den 1. Dez. Unter'm 29. Nov. macht der Oberpräsident der Rheinprovinz, <hi rend="italic">von Bodelschwingh</hi>, in unserer heutigen Zeitung Folgendes bekannt: |Sp. 1543 „Im Verfolg meiner Bekanntmachung vom 21. d. M. bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß Herr Dom-Dechant Dr. J<hi rend="italic">ohann Hüsgen</hi> unter dem 27.d.M. durch einstimmige Wahl des hochw. Metropolitan-Dom-Kapitels zum Kapitular-Verweser des Erzbisthums Köln bestellt ist, und diese Wahl heute die Staats-Genehmigung erhalten hat.“</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Cobl. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Bremen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Bremen</hi>. In Beziehung auf die, in der <hi rend="italic">Univ.-K.-Ztg</hi>. No. 46, näher besprochene Schrift des Hrn. <hi rend="italic">Thumsener</hi> liest man in unterzeichnetem hiesigen Blatte: </p>
         <p>So unangenehm und für das Gefühl oft verletzend die Kämpfe der Menschen mit einander sind, so muß man sie doch wie Sturm und Ungewitter zu den nothwendigen Uebeln rechnen, wodurch die Macht der Trägheit überwunden, die Gleichgiltigkeit gegen höhere als materielle Gegenstände verscheucht, die Menschen zum Lernen, Denken und Handeln angespornt werden, und der Wahrheit selbst durch den stärksten Widerstreit endlich ein um so glänzenderer Sieg bereitet wird. Es ist daher zu bedauern, daß diese Schrift keine Gegenschrift gefunden hat, und der hingeworfene Fehdehandschuh nicht von einem tüchtigen Gegner ist aufgenommen worden. Sie scheint nach kurzem Aufsehen, das ihre Erscheinung verursachte, bereits der Vergessenheit und Vergangenheit anheim gefallen zu seyn. Da aber die Frage über das Verhältniß des Staats zur Kirche sich durch die ganze Welt zieht und nicht nur einzelne Federn und Gemüther bewegt, sondern ganze Länder erschüttert und ganze Völker entzweit, so kann sie unmöglich in unserer Mitte als für immer erledigt betrachtet werden. Sie wird immer wieder erneuert und dann auch dieses Buch wieder aufgesucht und über wichtige Dinge zu Rathe gezogen werden. Eine endliche friedliche für Staat und Kirche gesegnete Ausgleichung der durch sie in Anregung und zur öffentlichen Kunde gebrachten Differenzen dürfen wir hoffen, und müssen unsere Seele in Geduld fassen bei einer Angelegenheit, wo auf wichtige Fragen die Antwort nicht leicht und daß stille Dulden oft schwerer und doch besser, als das rasche und rücksichtslose Handeln ist.</p>
         <p>— Die (hier gegründete) Zuchthausstätte für Jüngliche ist immer mehr der Mittelpunkt eines künftigen Stammes junger trefflicher Männer geworden, welchem sich diejenigen Jünglinge gern anschließen, denen das gewöhnliche Treiben der Welt, das verderbliche wilde Genuß- und Fleischesleben in Kneipen, Wirths-, Spiel- und Tanzhäusern ein Gräuel ist, und die zugleich Charakterstärke genug besitzen um den Spott zu ertragen, womit alles Gute und Ehrwürdige in dieser Welt von denen belegt wird, die in der Schande ihre Ehre suchen. Seit ihrer Stiftung ist sie schon von mehr, als 500 Jünglingen besucht und benutzt worden, von denen bereits Viele den hier genossenen Segen theils nach andern Orten hin, theils in die Heimath zurückgebracht haben. Auch steht sie nicht mehr allein, sondern ist die Veranlassung und das Muster für ähnliche Stiftungen im mehreren Städten Deutschlands, namentlich in Hamburg und Barmen geworden, und es ist zu hoffen, daß die Zeit einmal kommen wird, wo in allen Städten des evangelischen Deutschlands neben den Häusern der Lust und Sünde auch eine Zufluchtsstätte für solche Jünglinge sich finden wird, die sich nach einem Orte umsehen, wo sie von dem Strome des großen allgemeinen Verderbens nicht können erreicht und hinweggerissen werden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Bremer Kirchbote.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Hessen-Darmstadt.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">* Darmstadt</hi>, den 1. Nov. Im „Frankfurter Journal“ vom 25. Oktober 1837 wird in einem Artikel: „Aus dem Großherzogthum Hessen, 18. Oktober“ den jungen Rabbinern zu Gießen und Darmstadt der Vorwurf gemacht, daß sie den Fortschritt und die Reformen eher hemmen, als fördern wollten, daß es wenigstens Thatsache sey, daß der größte Theil der Gemeindeglieder in Gießen ganz bereit ist, viele der veralteten Satzungen abzustellen, und einen das Herz und das Gemüth inniger und kräftiger erbauenden Kultus, als den bisherigen zu instituiren, wenn nur der dortige Seelsorger die Hand dazu böte. ‒ ‒ ‒ Eine traurige Erscheinung, welche allerdings Niemanden gleichgiltig |Sp. 1544| sehn kann, in dessen Brust noch ein warmes Gefühl für die Religion der Väter lebt. Aber hat auch jener klagende Jeremias beherzigt, daß Herr Dr. <hi rend="italic">Levi</hi>, Rabbiner zu Gießen, in seinem Amtswirken vielleicht schon solche Erfahrungen gemacht hat, welche ihn zur Annahme eines solchen Systems der Stabilität nöthigten? Es ist bekannt, daß Hr. Dr. <hi rend="italic">Levi</hi> seiner Antrittspredigt Jerem. 1,10 als Text zu Grunde legte, daß er versprach, denselben als leitendes Prinzip in seinem Amtswirken stets vor Augen zu haben, daß er auch in den ersten Zeiten seines amtlichen Wirkens das Streben, diesem Versprechen zu genügen, auf mannichfache, erfreuliche Weise zeigte; daß er der erste jener drei Rabbiner war, welche dem Landrabbiner im Großherzogthum Westphalen, Herrn Joseph <hi rend="italic">Friedländer</hi>, zu der Unterlassung der Feier der nicht-mosaischen Festtage ihre schriftliche Zustimmung gaben, und daß er nicht nur in seiner Synagoge deutschen Choralgesang, in Begleitung von Instrumentalmusik öfters veranstaltete, sondern die israelitisch-religiöse Zulässigkeit desselben durch ein, eigens über dieses Thema verfaßte, Schriftchen mit genügender Sachkenntniß auseinandersetzte und bewies. Allein wer wird im neunzehnten Jahrhundert von einem jungen Manne fordern, daß er als Märtyrer seiner individuellen religiösen Ueberzeugung, wenn auch nicht sterbe, doch in andern Hinsichten gewissermaßen <hi rend="italic">verderbe</hi>? — Welches System bringt die noch meisten Sporteln und Geschenke? welches gewahrt mehr Ruhe und Gemächlichkeit? welches wird von der Majorität der Landjudenschaft und von gar vielen <hi rend="italic">reichen</hi> Städtern protegirt? welches befördert seine Candidaten schneller zu den bedeutendsten Stellen? Es ist das System der Stabilität, welches bei der Gesammtmasse bei Juden seine <hi rend="italic">meisten</hi>, freilich nicht seine <hi rend="italic">besten</hi>, Vertheidiger findet, und welches eben darum von den meisten Staatsregierungen, die bei der Abstimmung für einen Rabbiner mehr, das Quantitative, als das Qualitative in der israelitischen Gemeinde berücksichtigen, am öftesten begünstigt wird. Es ist das System der Stabilität, welches in Mainz und in Darmstadt siegte, und welches noch immer zu kämpfen hat in Worms. Wahr ist allerdings jene Prophezeihung, daß „die junge Generation sich <hi rend="italic">unmöglich</hi> mit dem alten, in den letzten Zügen liegenden rabbinischen Judenthum, noch weniger mit dem Einflüsse desselben auf das praktische Leben, auf Religion und Kirche befreunden kann, und daß sie, wenn sie in ihrer Erwartung von den jungen Seelsorgern sich getäuscht siehet,<hi rend="italic"> indifferent</hi> und <hi rend="italic">kalt wird</hi>, das Gute mit dem Schlechten wegwirft, das Kind mit dem Bade ausschüttet.“ Aber wo finden diese jungen Seelen Aufmunterung und Unterstützung, wo genügende Autorisation (das Großherzogthum Weimar ausgenommen) so zu wirken, wie Vernunft, religiöses Gefühl und das geoffenbarte, richtig interpretirte, Wort Gottes es fordert? — Es sollte freilich der für die Wahrheit wirklich begeisterte Volkslehrer lieber entbehren und entsagen, lieber kümmerlich und kärglich leben, als seiner wahren Ansicht untreu werden und — heucheln. Auch wollen wir in keiner Hinsicht behaupten, daß alle jungen, von den Hochschulen zurückgekehrten Rabbiner <hi rend="italic">anders</hi> handeln, als sie überzeugt sind, sondern daß manche glauben, daß Geist und Herz gebiete, sich so zu benehmen, wie sie sich benehmen. Aber das müssen wir behaupten, daß bestimmt viele Rabbiner kräftiger und selbstständiger auftreten, und dadurch wahre Frömmigkeit und feste Liebe zur <hi rend="italic">geoffenbarten</hi> Religion besser erzielen würden, wenn sie sich von den gebildeten Gemeindegliedern mehr und dauernder unterstützt, und von den Staatsregierungen mehr anerkannt und beaufsichtigt sehen würden. — Wollen wir klagen über diejenigen Israeliten, welche im Leben von dem Rabbinismus sich zwar lossagten, mit ihm aber auch fast alles Interesse für Religion aufgaben, welche, obgleich mit irdischen Gütern gesegnet von dem Herrn, dennoch der moralischen Kraft entbehren, einen auch nur winzigen Theil dieser Güter zur Wiederbelebung ihrer hinsterbenden Religion und zum geistigen Theile ihrer Glaubensgenossen zu verwenden? Wollen wir aber bitten und wünschen, nun so lasset uns bittend und wünschend das sehnende Auge zu dem Throne unseres geliebten Landesvaters emporheben, und flehen: daß uns nicht mehr, als Stiefkindern, die landesväterliche Sorgfalt versagt werde, deren sich unsere christlichen Mitbrüder zu erfreuen haben. Am 29. Oktober 1826 wurde in No. 32 des Regierungsblattes für das Großherzogthum Hessen eine allgemeine Verordnung erlassen, wodurch allen Gemeinden verboten wird, bei Erledigung von Pfarr- und Schulstellen gewisse |Sp. 1545| Personen durch schriftliche Anträge zur Wiederbesetzung solcher Stellen in Vorschlag zu bringen, unter der Bedrohung, daß alle etwaigen ferneren Anträge solcher Art nicht bloß unberücksichtigt bleiben, sondern auch alle Theilnehmer daran noch besonders bestraft werden würden. Eine Verordnung, welche die höchst weise und höchst liebevolle Sorgfalt der väterlich gesinnten großherzogl. hess. Landesregierung für das wahre Wohl ihrer christlichen Landeskinder in dem schönsten Lichte darstellt, weil sie sowohl die Gemeinden, als die Candidaten vor den nachtheiligsten Folgen schützt.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Vergl. „Unparteiische Universal-Kirchenzeitung“ vom 6. Sept. d. J., „Kaiserslautern, den 15. Aug.“ mit dem Commentar in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums“ vom 6. Okt. 1837, No. 81.</p>
            </note> — Nicht die Minorität der wahrhaft gebildeten Israeliten, sondern die Majorität des unwissenden, an Vorurtheilen noch hängenden, ungebildeten Juden wird bei der Wiederbesetzung einer Rabbiner- oder Lehrerstelle berücksichtigt, als ob das Judenthum nicht so gut wie das Christenthum der Bevormundung einer höchst weisen Staatsregierung bedürfe! — Darum lasset vereint uns bitten, daß eine höchst weise und höchst liebevolle Staatsregierung auch uns in dieser Hinsicht mit ihrer väterlichen Sorgfalt beglücke, und daß sie bei der Besetzung einer Rabbiner- und Lehrerstelle aus der Reihe der inländischen Candidaten denjenigen selbst wähle, welchen sie wegen seiner Intelligenz, seiner Moralität, vorzüglich wegen seines guten Willens, als den würdigsten findet. Es ist dieß eine Gnade, deren unser christlicher Nebenbruder sich schon längst erfreut, und von welcher der Jude den beseligendsten Einfluß für die Vervollkommnung seiner Religionswissenschaft und seines Religionslebens erwarten darf. Der israel. hess. Jüngling, welcher dem Studium seiner Theologie sich widmet, darf dann, eben so gut wie sein christlicher Commiliton der herrlichen Hoffnung leben, in seinem eignen Vaterlande, nicht verdrängt durch einen, von dem unwissenden, aber größern Theile der Gemeinde selbst gewählten, Ausländer, dem Wohle seiner Landsleute seine Kräfte zu widmen, zu deren allseitigen Ausbildung ihn eben diese Hoffnung begeistert; und die Gemeinde wird in dem ihr von der höchsten Staatsbehörde gewählten und bestätigten Volkslehrer nicht einen ihr subordinirten Miethling, sondern einen bei Entscheidungen religiöser Angelegenheiten höher stehenden, Vorgesetzten betrachten, welchem sie ihre Achtung und ihr Zutrauen gänzlich schenken kann, und welcher auch, da er keine gegnerische, feindlich gesinnte Partei findet, durch eine gewissenhafte Amtsverwaltung und durch ein offenes, fern von aller Heuchelei, wahrhaft religiöses Benehmen bald die Liebe aller seiner Gemeindeglieder sich erworben haben wird. — Nur auf die Weise können unsere Volkslehrer der Religion eine solche Gestalt geben, daß sie wahres Heil und himmlischen Segen bringe dem verlassenen Israel.</p>
         </div>
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie. </head>
         
         <div type="tapr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p><title>   <hi rend="bold">* Gegenwärtiger Zustand und gegenseitiges Verhältniß der verschiedenen
               Offenbarungen <lb/>des h. Geistes.</hi></title>
         
         </p>
         <p>Zweiter Artikel.</p>
         <p>Was die verschiedenen Offenbarungen des h. Geistes mit einander verbindet und zugleich von einander unterscheidet, das ist der <hi rend="italic">organische Zusammenhang</hi> von der Bewegung des humanen Gottesbewußtseyns, das, was wir „heilige Geschichte der Menschheit“ nennen. Diese Auffassung der Geschichte dürfte wohl eher, oder doch eben so gut „poetisch“, als „philosophisch“ genannt werden! Gewiß ist, daß jener innere Zusammenhang bei einer bloß äußerlichen, prosaischen Auffassung in der Geschichte so wenig, als in der Natur zu finden -- nur der beide durchdringende <hi rend="italic">Geist</hi> haucht Leben in die todten Massen des Raumes, bringt Einheit in die wirre Mannichfaltigkeit der Zeit. — Es gibt Leute die davon nichts wissen wollen, die dergleichen als subjektives, willkührliches Verfahren verwerfen. Wenn aber |Sp. 1546 auch zugegeben werden muß, daß das <hi rend="italic">willkürliche</hi> a priori Konstruiren verwerflich, da erscheint doch jene Historiographie, die sich auf dem Boden des verständigen Raisonnements bewegt, nicht minder unwissenschaftlich. Denn hier ist der subjektiven Willkür nicht weniger Spielraum gelassen, als dort, und das Wesen der Wissenschaft, die reingeistige Erkenntniß, vernichtet. Gehet alle jene Historiker durch, die sich so sehr gegen das philosophische Konstruiren in der Geschichte auflehnen, und Ihr werdet Euch wundern, wie Jeder seine eigne Weltansicht geltend macht, trotz <hi rend="italic">Hegel</hi> und seiner Schule. — „Die Wahrheit liegt in der Mitte!“ Das weiß Jeder, aber Keiner ist dadurch weiser. Was helfen Allgemeinheiten? Jeder nimmt sie für sich in Anspruch. Nur die That gibt Auskunft über den Geist: „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen!“ „Die Geistesreligion ist in allen ihren Phasen wesentlich nichts Anderes, als die Manifestation der fortschreitenden Menschscheit. Darin unterscheidet sie sich von den verschiedenen Arten der <hi rend="italic">Naturreligion</hi>, in denen sich kein Fortschritt, sondern der Kreislauf der Natur offenbart. Die Geistesreligion ist das bewegende, schöpferische, männliche – die Naturreligion das ruhende, empfangende, weibliche Prinzip. Der Geist hat sich einst innerlich, wie äußerlich, vom Urgottesbewußtseyn entfernt, indem er hervortrat aus der ursprünglichen Einheit von Natur und Geist, und sich gleichzeitig von Osten nach Westen bewegte.</p>
         <p> – – Diese Bewegung von Osten her, so wie die Differenz von Natur und Geist, begann mit dem Sündenfalle Adam's. Die Menschheit sonderte sich seitdem in Juden- und Heidenthum. — Vor diesem waren, wie noch jetzt in allen unbewußten Zuständen, Natur und Geist ungetrennt, aber auch noch unvermittelt. Mit dem Judenthume, das mit Adam beginnt, und bis Christus herabreicht, entwickelte sich jene Differenz. Denn das <hi rend="italic">Judenthum</hi> ward sich Gottes als eines einigen Geistes bewußt, und nur diesen einigen Gott oder Geist der Geschichte erkannte es an — während das <hi rend="italic">Heidenthum</hi> die Natur allein, nicht aber den heiligen Geist verehrte. — Die Relation, das Verhältniß des Geistes zur Natur, trat erst mit dem Christenthum ein. Denn nun erst zeigte es sich, wie die Geistesreligion die schöpferische, und ihre Bestimmung sey, die Naturreligion zu durchdringen. Nachdem in der alten Zeit die Differenz von Natur und Geist hervorgetreten, begann in der christlichen Kirche die <hi rend="italic">Vermittelung</hi> derselben, das Streben nach Wiedervereinigung. Dieses Streben ist aber wohl zu unterscheiden von der vollbrachten Einigung und vollendeten Einheit, wo das Ziel erreicht, und das Streben befriedigt ist. Dieser höhere Friede, dessen Keim wir in Adam vor dem Sündenfalle fanden, wurde erst dann in der Menschheit hergestellt, nachdem das Christenthum das Heidenthum mit seinem Geiste durchdrungen hatte. Das Gottesbewußtseyn, bis dahin gespalten, wurde nun wieder einig, war aber nicht mehr, wie im Anfange, ein noch unvermittelter, sondern ein solches, in dem die Einheit von Geist und Natur klar erkannt und ausgesprochen wurde.</p>
         <p>Die verschiedenen Offenbarungen des h. Geistes sind in der neuesten Zeit von zwei Seiten falsch aufgefaßt worden.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Hegel</hi> hat eine erhabene Philosophie gelehrt. Allein der Reichthum derselben wurde zersplittert, nachdem seine Erben, wie jene des großen Alexander, nur den eigenen egoistischen Vortheil berücksichtigend, das hinterlassene Weltreich stückweise an sich rissen. — Die in ihrer Ganzheit und Keuschheit große und kräftige Philosophie ist schwach und verächtlich in ihrer Buhlerei geworden! — Hegel war ein Newton für die Geisterwelt; er enthüllte ihr ewiges Gesetz dem staunenden Menschenblicke. Die <hi rend="italic">Hegel</hi>'sche Trinitätslehre, in allen frühern Offenbarungen des h. Geistes angedeutet, von ihm aber zum Begriffe erhoben, ist der Schlüssel zur Geschichte der Menschheit, zu jedem geistigen Prozesse. — Zur Spielerei wird aber jene Lehre, umfaßt man sie nicht mit Umsicht und heiligem Ernste. Mit ihr, wie mit jeder allgemeinen Theorie, läßt sich Alles zu Wege bringen. — So gibt es Theologen, die durch sie den sich selbst begreifenden oder selbstbewußten <hi rend="italic">höhern Pantheismus</hi> beseitigen wollen. Sie stellen ihn zu diesem Ende als einen unvermittelten Geisteszustand, die <hi rend="italic">Spinoza</hi>'sche Erkenntniß Gottes als eine solche dar, welche vor <hi rend="italic">Adam's</hi> Sündenfall geherrscht ... Durch den Sündenfall, fahren sie fort, habe sich dieses Gottesbewußtseyn gespalten, der Mensch sich als von Gott getrennt betrachtet. |Sp. 1547| Nachdem aber dergestalt das Bewußtseyn der Einheit Gottes und des Menschen (des Geistes und der Natur) verloren gegangen, sey mit <hi rend="italic">Christus</hi> jenes einer von Gott zwar getrennten, aber dennoch Gottes sich bewußten Menschheit entstanden. Das aber sey das wahre, das rechte Gottesbewuß seyn. Denn ohne das einer Verschiedenheit von Gott, sey auch nicht das Bewußtseyn eines Verhältnisses zu ihm, und ohne dieses keine Religion (kein wahres Gottesbewußtseyn gedenkbar, indem diese (Religion) nur in dem <hi rend="italic">Streben</hi> nach Gott bestehe, welches aber <hi rend="italic">aufhören </hi>müßte bei einer angenommenen Einheit Gottes und des Menschen, wie sie der Pantheismus lehrt ... Diese Theologen wollen, wie man sieht, vom <hi rend="italic">christlichen</hi> Standpunkte aus <hi rend="italic">philosophiren</hi>: das geht freilich schlecht! — Im Ganzen scheint hier die (christliche) Religion Prämisse zu seyn. Weil sie im Pantheismus aufhört, darum — ist dieser verwerflich. Das ist eine Logik aus der guten alten Zeit, die wir nicht näher beleuchten wollen.</p>
         <p>— Es wird sich überdieß in der Folge zeigen, daß nicht jede Religion, nicht jedes Gottesbewußtseyn mit dem christlichen aufhört. — Was die einzelnen Partieen dieses Raisonnements betrifft, so bedarf zuvörderst jene Behauptung, daß der Pantheismus, wie er gegenwärtig erscheine, noch der alte unvermittelte sey, keiner Widerlegung. — Im Uebrigen sagen diese Theologen selbst, der Charakter der (christlichen) Religion sey ein strebender</p>
         <p>— und doch soll der Geisteszustand, welcher nothwendig eintritt, wann das Ziel erreicht, und das Streben befriedigt ist, ein irreligiöser (gottloser) seyn. — Aber angenommen auch, das Strebeziel des Christenthums wäre noch nicht erreicht, könne auch auf Erden nie erreicht werden; angenommen für einen Augenblick, man müsse sich in der ganz ordinären Bedeutung des Wortes erst „begraben lassen“, um zu Gott zu gelangen: so tritt doch jedenfalls mit der Erreichung des Strebeziels — dieses mag hier oder dort seyn — ein dieses heiligen Strebens würdiger, mithin kein so gottloser Zustand ein, wie er nach dieser christlich-hegelschen Philosophie zu seyn scheint. – – – Nach unsrer Ansicht jedoch ist das christliche Streben allerdings schon beruhigt worden in einem Geiste, den wir eben darum als den Keim einer neuen Zeit betrachten. Im Geiste <hi rend="italic">Spinoza's</hi> ist Gott und Mensch wieder, wie vor dem Sündenfalle, Eins; der Gegensatz, von Natur und Geist gehoben, die Vermittelung beider vollendet, beschlossen.</p>
         <p>(Fortsetzung folgt).</p>
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         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur</head>
         
         <div type="litka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p>
            <hi rend="italic">* Würzburg</hi>, in der <hi rend="italic">Erlinger</hi>schen Buchhandlung: </p>
         <p>Lehrbuch der Katechetik, oder Anleitung zur Katechisirkunst. Von Dr. Andreas <hi rend="italic">Müller</hi>, Domkapitular zu Würzburg.</p>
         <p>So viele, zum Theil durchaus klassische Werke über diesen für die christliche Volksbildung so wichtigen Gegenstand schon erschienen sind, so war das Bedürfniß doch nicht befriediget, ein Lehrbuch zu besitzen, welches in der gedrängtesten Kürze dem Geistlichen so wie dem Schullehrer eine klare und deutliche Uebersicht über das Gesammtgebiet dieser Wissenschaft gibt, und ihnen zum sichern Leitfaden bei ihren katechetischen Vorträgen dienet.</p>
         <p>— Dieses bei einem so umfassenden und in so viele Fächer des Wissens eingreifenden Gegenstande, wirklich schwere Problem, hat der in der Literatur schon rühmlichst bekannte Verf. auf eine so befriedigende Weise gelöset, daß sein Lehrbuch selbst jedem Katecheten zum Bedürfnisse des Anschaffens wird; denn in wenigen Bogen hat er so viel gesagt, daß alles gründlich, drücklich und systematlsch erörtert ist, was er wissen und was er thun soll, um seinen für die Erhaltung und Erweiterung des Reiches Gottes auf Erden so wichtigen Beruf in seiner Wahrheit zu erfassen und ihn so in Ausübung zu bringen, daß die Jugend zu wahren Christen herangebildet wird.</p>
         <p>Der Hr. Verf. hat die Grundsätze und Regeln, welche der Religionslehrer inne haben und befolgen muß, um seinen Unter- |Sp. 1548| richt mit Wärme und Interesse zu ertheilen und ihn für seine Katechumenen befruchtend zu machen, so dargestellt, daß dieses Lehrbuch nicht bloß dem katholischen, sondern dem Lehrstande aller christlichen Konfessionen sehr empfehlungswürdig ist.</p>
         <p>Nachdem der Hr. Verf. in der Einleitung seines Lehrbuches die zum katechetischen Unterrichte nothwendigsten Vorkenntnisse, nämlich den Begriff des Katechisirens überhaupt, so wie in's besondere der pastoralischen Katechetik, deren Grundlage, Maßnahme, Quellen, Eintheilung, Nothwendigkeit, Nutzen, Hindernisse und Literatur mit möglichster Kürze und Präzision gegeben hat, handelt er in der 1. Abtheilung von dem Inhalte der katechetischen Vorträge und zwar zuerst von der Auswahl des Stoffes.</p>
         <p>Was er hier über Glaubens- und Sittenlehre in Bezug auf die Katechumenen gesagt hat, ist wesentlich und nothwendig, indem es die Basis des pastoral-katechetischen Unterrichtes ist.</p>
         <p>Seine Ansicht, daß die Dogmatik von der Sittenlehre nicht getrennt werden dürfe, die Moral aber der Glaubenslehre folgen müsse, ist wahr und praktisch; ganz im Geiste des Christenthums und eines wahrhaft christlichen Lebens auf Erden.</p>
         <p>Wenn §. 17 über Plan und Ordnung bei dem katechetischen Unterrichte gesagt wird, daß jener der passendeste seyn werde, welcher die Gegenstände der Religionslehre nach dem geistigen Bedürfnisse und den Fähigkeiten der Katechumenen regelt, alle Theile des Religionsunterrichtes umfaßt, jedes Wirren des Stoffes beseitiget, und am besten dazu beiträgt, die Katechumenen auf die größtmögliche Stufe religiös-sittlicher Vollkommenheit zu erheben, so kann Rezensent nichts anders darauf erwiedern, als daß statt zu sagen, jenes wird der passendste Plan seyn, hätte sagen sollen, jenes ist der passendste Plan etc.</p>
         <p>Vorzüglich praktisch dargestellt ist das, was über die Grundgesetze, welche sich auf den Fassungskreis der Katechumenen in Ansehung der Behandlung des Lehrstoffes beziehen, gesagt wird.</p>
         <p>Die I. II. III. gegebenen Gesetze sind aus der Natur des menschlichen Geistes und seiner Entwickelungsperioden entnommen.</p>
         <p>Nun folget die Eintheilung der Katechumenen in Klassen in Absicht auf den Lehrstoff, mit besonderer Rücksicht auf ihre Hoffnungskräfte nach Vorschrift und Anleitung der Grundgesetze. Es Werden 3 Klassen angenommen und zwar nach dem Verhältnisse der Gradation ihrer sich durch den Unterricht steigernden Intelligenz; was aber auf dem Lande, wie der Hr. Verf. wohl bemerkt, nur dadurch bewerkstelligt werden kann, daß Schul- und Kirchenunterricht in Verbindung und Wechselwirkung mit einander gebracht werden, was wegen des, was in Hinsicht der vorzüglichsten Glauben- und Sittenlehren für die einzelnen Klassen mit klarer und deutlicher Exposition und sicherer Wegweisung für die ganze Glaubens und Sittenlehre vorgetragen ist, den Schullehrern in's besondere zur Lektüre und Darnachtung anzuempfehlen ist.</p>
         <p>Die II. Abtheilung handelt von der Darstellung des katechetischen Stoffes, oder der katechetischen Methode. Sie ist mit derselbigen Intelligenz und Consequenz wie die erste durchgeführt.</p>
         <p>Nachdem in dem ersten Abschnitte die nöthigsten Begriffe der verschiedenen Arten der Mittheilung, der Sprache überhaupt, Kindersprache, Zeichensprache, Schriftsprache, Volkssprache, Popularitätsprache, Sprache des Katecheten, sachverständig erörtert sind, werden die Eigenschaften der katechetischen Sprache faßlich und instruktiv auseinander gesetzt. Was hier über Deutlichkeit, Wohlklang, Würde, Lebhaftigkeit, Wahrheit und Tiefe, so wie über die Erhaltung der Aufmerksamkeit der Katechumenen vorkommt, ist zwar schon bekannt, allein das, was sonst ganze Bände füllet, auf wenigen Blättern mit lakonischer Kürze gegeben.</p>
         <p>Derselbe Fall ist mit dem III. Abschnitte, wo von der Form des katechetischen Unterrichts die Rede ist, und die verschiedenen Methoden derselben kritisch beleuchtet worden — das, was über die mittheilende, akroamatische, und die hervorlockende, heroistische, sokratische oder erotematische Methode und deren Verfahren, so wie über ihrer Anwendung bei dem katechetischen Unterrichte gesagt wird, ist in jeglicher Beziehung instruktiv für den Katecheten, besonders die Paragraphen über die Fragen und Antworten, und über die Eigenschaften der Frage, Stellungen und ihre Abänderungen.</p>
         <p>Wo von der zergliederten und entwickelnden Methode die Rede ist, entziffert der Verfasser den Geist und das Wesen der sokratischen Lehrmethode; und nachdem er auf die Verwandtschaft der Katechetik, mit der Sokratik in Hinsicht der Unterrichtsweise und ihrer Divergenz hinsichtlich des Stoffes aufmerksam gemacht hat, gibt er den Katecheten deutliche Fingerzeige, wann und wie er diese klassische Lehrmethode bei seinem Unterrichte mit Nutzen und Frucht in Anwendung bringen kann und soll; worauf er dann ganz consequent im IV. Abschnitte zur katechetischen Methode in Absicht auf die Erkenntniß der Religionswahrheiten übergehet. </p>
         <p>Diese für den katechetischen Unterricht so wichtige Materie wird mit logischer Deutlichkeit und praktischer Anwendbarkeit und zwar (was viel sagen will) auf wenigen Seiten belehrend und erschöpfend durchgeführt, und alles, was über Erläuterung der einzelnen Vorstellungen und Begriffsgebung beim Unterrichte, so wie über die Aufhellung der empirischen, abstracten und reingeistigen Begriffe, die Urtheile und Schlüsse vorgetragen, ist dem Katecheten um so mehr zum weiteren Nachdenken anzuempfehlen, als so manchen Katechismen eine richtige und deutliche Begriffsgebung, besonders in dem ethischen Theile der Religion entgehet, woher es kommt, daß die Katechumenen sich durch ein solches; Handbuch nicht selbst unterrichten, und für die Katechese vorbereiten können; wodurch das gewöhnliche Auswendiglernen der Fragen und Antworten (sogenannter christlicher Lehre Aussagen) dem Schlendrian anheimfällt, und mehr zeitraubend , als zeitersparend bei'm Unterrichte wird.</p>
         <p>Recensent, der selbst Katechet ist, hat es daher für sehr zweckdienlich befunden , einen abzuhandelnden Gegenstand vorher erst begriffsdeutlich zu erörtern , und ihn dann in der Sonntags Schule kurz repetiren, und darauf in der Kirche auswendig vortragen zu lassen.</p>
         <p>Von der- Aufhellung des empirischen, abstrakten und rein geistigen Begriffes gehet der Autor zur Versinnlichung desselben über, mit Angabe der Versinnlichungsmittel; nämlich Beschreibung und Umschreibung, Geschichte, Erfahrung und Beispiele. </p>
         <p>Seiner darauf folgenden Abhandlung von der Ueberzeugung, so wie der religiös-sittlichen populären Ueberzeugung insbesondere, hätte man , der systematischen Ordnung wegen, einen eigenen Abschnitt gewünscht, und in demselben das, was S. 83 an, von den katechetischen Beweisen, vom Vernunft-, Erfahrungs-, Autoritäts- und Bibelbeweise gesagt wird, die Stelle von den Regeln eingeräumt, und dann nach den Regeln das hinzugefüget, was S. 102, 103 , 104 über den Willen, die katechetischen Mittel, den Willen zu leiten und zu verbessern, so wie über die Hervorrufung und Belebung des religiös-moralischen Gefühles mit so vieler Sach- und Menschenkenntniß erponiret wird. </p>
         <p>Recensent kann wegen Gediegenheit und Brauchbarkeit dieses Werkes solches für angehende Katecheten besonders empfehlen; denn mit klarer Anschauung und Erfassung dieses für die christliche Volksbildung so hochwichtigen Gegenstandes und einer durchaus gründlichen Darstellung in Hinsicht seiner schriftstellerrischen Behandlung verbindet derselbe einen tiefen Blick in die Natur des menschlichen Geistes und Gemüthes, und ist in der theologischen Literatur eine sehr erfreuliche Erscheinung. S...s </p>
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         <div type="anz">
         <head>Anzeigen.</head>
         <p>(94) Bei <hi rend="italic">Franz Varrentrapp </hi>in <hi rend="italic">Frankfurt a. M</hi>. erscheint mit <hi rend="italic">Januar 1838</hi>:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Katholische Kirchenzeitung</hi>. Redigirt von Dr. Julius V. Hoeninghaus, Ritter des päpstlichen Ordens vom goldenen Sporn, correspondirendem Mitgliede der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften</p>
         <p>dieses <hi rend="italic">neue</hi> (mit dem eingegangenen gleichbenannten Aschaffenburger in keinem Zusammenhange stehende) Zeit-Organ für das gesammte Deutschland hat sich die bestimmte Aufgabe gestellt, <hi rend="italic">eine katholische Kirchenzeitung im eigentlichen Sinne des Wortes</hi> zu bilden, und damit einem vor Augen liegenden Bedürfnisse für die hochwürdige Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des Publikums zu begegnen.</p>
         <p>Als <hi rend="italic">katholische</hi> Kirchenzeitung sind es zwei Angelpunkte, innerhalb deren Pole der Charakter des Instituts sich entschieden ausprägen wird: eine unzweideutige, von Glaubenstreue durchdrungene <hi rend="italic">Anhänglichkeit an die h. katholische Kirche </hi>und damit, wie sich von selbst versteht, <hi rend="italic">an den h. römischen Stuhl</hi>, und eine nicht minder aufrichtige <hi rend="italic">Liebe</hi>, im Geiste des Apostels, als Grundbedingung alles wahrhaften Lebens.</p>
         <p>Unerschütterlich in diesen Gesinnungen wurzelnd, wich diese katholische <hi rend="italic">Kirchenzeitung</hi>, von der umfassenden Grundlage eines durch bedeutenden Kostenaufwand gesicherten <hi rend="italic">Quellenreichthums</hi> aus, mit möglichster <hi rend="italic">Vollständigkeit, Treue </hi>und <hi rend="italic">Schnelligkeit</hi>, alle bemerkenswerthen neuen Ereignisse, zunächst aus dem innern Gebiete der römisch-katholischen Kirche, so weit sie in allen fünf Welttheilen über den ganzen Erdkreis verbreitet ist, dann aber auch, und zwar vom katholischen Standpunkte aus, alles dasjenige <hi rend="italic">aus den akatholischen Confessionen</hi> berichten, was für die Beachtung der Katholiken, insbesondere der unseres Vaterlandes, eine nähere Bedeutung hat. </p>
         <p>Gleichwie aus diesen kurzen Grundzügen die Unentbehrlichkeit dieser K. K.-Z. für die katholischen Zeitgenossen einleuchtet, so wird sie auch für gebildete und wahrheitliebende Nichtkatholiken, die dem gegenwärtigen Leben der größten Kirche der Christenheit nicht fremd bleiben wollen, die geeignetste Auskunft bei dem herrschenden Umstande darbieten, daß kein akatholisches Blatt genügend vollständig und unparteiisch über dieselbe berichtet.</p>
         <p>Wöchentlich erscheinen zwei Nummern im größten Quartformate, wozu monatlich ein registrirter Umschlag gegeben wird. Der Preis <hi rend="italic">für den ganzen Jahrgang</hi> ist fl. 9 rhein., oder fl. 7 1/2 Conv. M., oder Rthlr. 5 sächs. Die Versendung geschieht auf buchhändlerischem Wege wöchentlich, oder auf Begehren in Monatheften, per Post aber, gegen eine verhältnißmäßige Erhöhung, nummerweise. Man erbittet sich hienach die Bestellungen, die bei allen löbl. Postämtern und soliden Buchhandlungen (nicht aber bei der Redaction) zu machen sind, auf's Baldigste.</p>
        </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
         </p>
         </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

