<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml"
	schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 16. November 1837, Nro. 92</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
            <respStmt>
               <resp>Neu hrsg. von</resp>
               <persName ref="http://d-nb.info/gnd/1046474146"><forename>Beata</forename><surname>Mache</surname></persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         
         <publicationStmt>
            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher></publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
            <publisher>
               <email>mac@steinheim-institut.org</email>
               <orgName role="hostingInstitution">Steinheim-Institut</orgName>
               <address><addrLine>Edmund-Körner-Platz 2, 45127 Essen</addrLine>
<country>Germany</country>
</address>
               <orgName role="project">DISS</orgName>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/de/">
                  <p>CC by-nc-sa</p>
               </licence>
            </availability>
            <idno>
               <idno type="URL">http://www.deutsch-juedische-publizistik.de/pdf/universal-kirchenzeitung_092.pdf</idno>
               <idno type="URN">nbn:de:0230-20090805758</idno>
            </idno>
         </publicationStmt><seriesStmt><title>Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title></seriesStmt>
         <sourceDesc>
            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="92">16. November 1837, Nro. 92</title>
                  <editor>
                     <persName ref="http://d-nb.info/gnd/187133182">
                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
                     </persName>
                  </editor>
               </titleStmt>
               <editionStmt>
                  <edition n="1"/>
               </editionStmt>
               <extent>
                  <measure type="column">16</measure>
               </extent>
               <publicationStmt>
                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-11-16</date>
                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
               </publicationStmt>
            </biblFull>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
      </encodingDesc> 
      <profileDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">German</language>
            <language ident="heb">Hebrew</language>
            <language ident="grc">Ancient Greek</language>
            <language ident="lat">Latin</language>
         </langUsage>
      </profileDesc>
   </teiHeader>
   <facsimile>
      <graphic url="http://www.deutsch-juedische-publizistik.de/pdf/Univ.-Kirch.-Ztg_092.pdf"/>
   </facsimile>
   <text>
      <body>
         <div>
         <p rend="UKZ 1 Titel">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/>
            für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, <lb/>
            katholischen, und israelitischen Deutschland's.<lb/>Frankfurt a. M., den 16. November 1837. Nro. 92.</p>
        </div> 
         
         <div type="inhalt">
         <head>Inhalt:</head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Visitationsreise des päpstl. Delegaten in Syrien (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi> 
            <hi rend="italic">Schweden. Stockholm</hi>; Schreiben des kathol. Missionärs <hi rend="italic">van de Beek</hi>. — <hi rend="italic">Deutschland. Preußen. Berlin</hi>; über die hermesische Angelegenheit; Anabaptionismus und Wiedertaufen. <hi rend="italic">Lützen</hi>; Einweihung des Gustav-Adolph-Monumentes. <hi rend="italic">Halle</hi>; Todesfall. <hi rend="italic">Köln</hi>; Installirung des Domherrn <hi rend="italic">Scholz</hi>. — <hi rend="italic">Frankfurt. Frankfurt a. M</hi>.; Ernennung des Hrn. Canonicus <hi rend="italic">Bogner</hi> zum bischöfl. Fuldaischen wirkl. geistl. Rathe. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Ueber die Vorliebe zum Alten und Neuen in Religionssachen. Von einem kathol. Geistlichen (Schluß.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth</hi>. Wohlfarth Die Lehre von der heil. Schrift, vom Standpunkte der Geschichte und Philosophie (Schluß.) – </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi><lb/><hi rend="normalweight">|Sp. 1455|</hi>
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
             Visitationsreise des päpstlichen Delegaten in Syrien.</head>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Hier geht Se. Gnaden Hr. <hi rend="italic">Auvergne</hi> auf eine nähere Beschreibung der Ruinen von Balbek ein, die bereits so genau bekannt sind, und fährt dann wieder fort:</p>
         <p>„Was das Alter von Balbek betrifft, so verliert sich dieses in die graue Vorzeit. Alles, was man davon weiß, ist dieses, daß unter den Römern und zur Zeit des <hi rend="italic">Augustus</hi> diese Stadt als militärische Besatzung enthaltend angeführt wurde. Man liest noch über dem südlichen Thore in griechischen Buchstaben die Inschrift: Centuria prima (erste Centurie); hundert und vierzig Jahre nach dieser Epoche baute <hi rend="italic">Antoninus Pius</hi> daselbst einen neuen Tempel, ohne Zweifel, weil der alte zusammenfiel. Unter der Regierung <hi rend="italic">Constantin's</hi> wurde dieser Tempel in eine kathol. Kirche verwandelt, und später in den Kriegen gegen die Sarazenen zerstört. Von den 5000 Einwohnern, welche Balbek noch gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts einschloß, sind heute nicht mehr tausend übrig, die alle arm sind und ohne Gewerbfleiß und Handel. Das Einzige, mit dessen Anbau sie sich beschäftigen, ist Baumwolle, etwas Mais und Wassermelonen (pastèques). Sie haben unter sich einen griechischen katholischen Bischof, der, ich weiß nicht, aus welchem Grunde, damals abwesend war.</p>
         <p>Wir verließen Balbek, indem wir die Worte des Psalmisten wiederholten, die man gewiß nicht mit gleichgültigem Gemüthe aussprechen konnte bei dem Anblicke so vieles verdunkelten Ruhmes, so vieler vernichteten Größe und so vieler Trümmer: „ „Alles vergeht hienieden, Alles nutzt sich ab, wie ein Gewand, welches alt wird. Nur Du, o mein Gott, vergehst nicht, Du allein bleibest unveränderlich ... Ipsi peribunt, Tu autem permanes; et omnes sicut vestimentum veterascent ...“ (Ps. CI. 27.)</p>
         <p>„Von Balbek nach Zaalhet kann man in sechs Stunden kommen; da wir aber die Ruinen etwas spät verlassen hatten, so erreichten wir Zaalhet erst in der Nacht. Es ist dieses eine bedeutende Handelsstadt im Gebirge, und überdieß der Sitz eines kathol. Bischofs vom griechischen Ritus.</p>
         <p>Der würdige Mann, welcher damals den bischöflichen Stuhl einnahm, war seit mehren Monaten an das Schmerzenlager gefesselt. Unsere Gegenwart schien in gewissem Betrachte ihn neu zu beleben; schon lange hegte er den Wunsch, den Delegaten des h. Stuhls zu sehen, und auch für uns war dieser Besuch ein tröstlicher Umstand. </p>
         <p>|Sp. 1456| Es ist niemand am Berge Libanon, welcher den vortrefflichen Bischof von <hi rend="italic">Zaalhet</hi>, Hr. <hi rend="italic">Aggiuri</hi>, nicht kennt; aber vorzüglich in Zaalhet selbst umgibt ihn das uneingeschränkteste Vertrauen. Hier ist er von Allen wie ein Vater betrachtet, und sein Name wird in den Familien mit der größten Ehrfurcht genannt. Auch herrscht in dieser Stadt ein lebendiger Glaube, eine milde Frömmigkeit, derjenigen ähnlich, welche man mit so großer Erbauung in einigen Parochieen in Frankreich wahrnimmt.</p>
         <p>Die ehrw. Väter Jesuiten haben unweit von Zaalhet ein Haus, welches noch nicht ausgebaut ist. Man kann sich wohl vorstellen, daß diesen Religiösen seiner Diözese Herr <hi rend="italic">Aggiuri </hi>sein Ohr nicht verschließt. Sie haben auch noch ein zweites Haus im Gebirge, beinahe fünf Meilen von Antoura entfernt, bei einem Dorfe Namens <hi rend="italic">Kifkfaia</hi>. Wir hatten das Vergnügen, es zu besuchen und den Eifer dieser guten Väter zu beloben. Es ist nicht zu zweifeln, daß diese beiden Häuser auf dem Libanon mächtig dazu beitragen, den Glauben zu erhalten und zu verbreiten. Sonnabend den 10. reiseten wir von Zaalhet wieder ab, und trafen am Abend desselben Tages in Antoura, dem Orte unserer Residenz, wieder ein. Hier hielten wir uns nicht lange auf, und befanden uns am 17. Nov. 1834 wieder in Bairut.</p>
         <p>Bairut oder <hi rend="italic">Berytus</hi> war, einigen Schriftstellern zufolge, eine Stadt in Phönicien in Syrien; Einige behaupten sogar, es sey von <hi rend="italic">Gergeseus</hi>, dem fünften Sohne <hi rend="italic">Canaan's</hi>, erbaut worden. Anfangs wurde es <hi rend="italic">Geris</hi> genannt, dann erhielt es den Namen: <hi rend="italic">Glückliche Julia</hi>, Felix-Julia<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Es war <hi rend="italic">Augustus</hi>, der dieser Stadt den Namen <hi rend="italic">Julia</hi>, welcher der Name seiner Tochter war, beilegte. Er machte den Ort zu einer römischen Colonie. In der Folge besaß diese Stadt eine Schule für das bürgerliche Recht, welche im ganzen Oriente berühmt war.</p>
            </note> und hierauf Bairut. Dionysius der Afrikaner spricht mit Rühmen von den Mauern, welche Bairut umgeben.</p>
         <p>Darf man einem berühmten Schriftsteller in dieser Hinsicht Glauben schenken, so scheint es, daß unter der Regierung des <hi rend="italic">Augustus Bairut</hi> durch die Anwesenheit unsers göttlichen Meisters geheiligt worden ist; zuverlässiger ist, daß in der ersten Zeit des Christenthums daselbst eine blühende Kirche bestand, in deren Mitte, wie berichtet wird, Gott seine Barmherzigkeit durch ein außerordentliches Wunder kund gethan hat. Dieses Wunder wird in einer, dem heiligen <hi rend="italic">Athanasius</hi> zugeschriebenen, Rede angeführt, welche in dem zweiten Concilium von <hi rend="italic">Nicäa</hi> vorgelesen wurde.</p>
         <p>Als eines Tages einige Juden in einem Hause, welches kurz zuvor von einem Christen bewohnt worden war, ein Christusbild |Sp. 1457| vorfanden, wollten sie, um den ganzen Haß, von dem sie beseelt waren, an den Tag zu legen, dieses verehrte Bild auf ähnliche Weise behandeln, wie ihre schuldigen Vorfahren früher mit dem Gottmenschen umgegangen waren; sie versammeln sich also, und nun, in Gegenwart ihrer Priester, spucken sie dieses Bild an, schlagen es mit einem Rohr, treiben hierauf Nägel in dasselbe und holen, damit zu dieser Leidensdarstellung nichts fehlen möge, endlich eine Lanze, die sie dem Bilde in dieselbe Seite stoßen, in welche der Heiland gestoßen worden; und, o Wunder! es dringt Blut und Wasser daraus hervor. Doch rührt sie dieses Wunder noch nicht; die Priester gebieten, dieses Blut in einem Gefäß zu sammeln und es an Kranken zu erproben; und es geschieht ein neues Wunder: kaum fühlen die Kranken sich von diesem Blute berührt, so sind sie von ihren Nebeln geheilt. Bei dieser Erscheinung fallen Alle auf die Kniee, flehen die göttliche Barmherzigkeit an und legen unzweideutige Beweist ihrer vollkommnen Bekehrung an den Tag. Hierauf begeben sie sich zu dem Bischöfe von Bairut, und bitten diesen, um dieses Wunder zu verewigen, er möchte ihre Synagoge zu einer Kirche umschaffen. Dieses ist auch wirklich geschehen, und die Kirche auf den Namen des Heilandes geweiht worden. Das römische Martyrologium erwähnt dieses Wunders am 9. November, als am Tage, an welchem die dem Heilande geweihten Kirchen ihr Patronatfest begehen.</p>
         <p>Bairut muß im 5. Jahrhundert eine Stadt von Wichtigkeit gewesen seyn; denn im allgemeinen Concilium von <hi rend="italic">ChaIcedon </hi>nahm der Bischof von <hi rend="italic">Bairut</hi> den Titel eines Metropoliten an. Es war auf einem in Bairut um dieselbe Zeit, nämlich im Jahre 448, gehaltenen Concilium, als <hi rend="italic">Ibas</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Edessa</hi>, von den Anschuldigungen, welche seine Feinde gegen ihn erhoben hatten, freigesprochen wurde. Sehr lange Zeit hindurch machte die Stadt Bairut dieselben Erfahrungen über die Vergänglichkeit der Dinge, erfuhr sie dieselben Veränderungen mit ihren Beherrschern, wie die übrigen Küstenstädte Phönicien's. <hi rend="italic">Balduin I</hi>., König von Jerusalem eroberte sie im Jahr 1110, aber nach dem Verluste des Königreichs Jerusalem fiel sie in die Gewalt der Ungläubigen und wurde fast gänzlich zerstört. Noch bis heute hat sie ihren früheren Glanz<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Ich habe nie etwas so Wundersames, Unregelmäßiges, Ungewöhntes gesehen — schreibt ein Reisender, welcher Bairut im Jahre 1831 besuchte —, als die Bauart der arabischen Stadt Bairut. Die Häuser, von Stein aufgeführt, sind höher, als in irgend einer syrischen Stadt. Die Gewölbe, verborgenen Ausgänge, die finstern Durchgänge, die engen und gekrümmten Gassen flößen dem Fremden, welcher die Stadt durchwandert, sogleich eine Art Schauder ein. Jedes Haus bildet gewisser Maßen ein großes unzugängliches Gefängniß, und das türkische Stadtviertel vorzüglich scheint nur, von Gefangenen bewohnt zu seyn. Jede Wohnung ist zur Vertheidigung geschickt, und die ganze Stadt ist gleichsam eine Citadelle ... Die Mauern und Sarazenen-Thürme, welche Bairut umgeben und vertheidigen, sind das Werk der alten Drusen. Drei Thore führen in das Innere der Stadt. Die Europäer besitzen daselbst ein Kan. Die große Moschee, ein Gebäude aus der Zeit der Kreuzzüge, war ehemals eine dem h. <hi rend="italic">Johannes </hi>geweihte Kirche. Bairut ist heute die wichtigste Küstenstadt und dient als Mittelpunkt des Handelsverkehrs in Syrien. Die Bevölkerung beträgt im Ganzen etwa neuntausend Seelen.</p>
            </note> nicht wieder erlangt, und sie würde fast gänzlich verödet seyn, wenn die Anwesenheit eines französischen Consuls und der Stellvertreter der übrigen Nationen nicht eine große Menge Franken daselbst festhielte, indem der Handel dadurch belebt wird. Diese nämlichen Franken haben gemeinschaftlich mit den orientalischen Lateinern eine Kirche, von der wir bereits gesprochen haben; sie ist nicht eben groß, genügt aber den Bedürfnissen. Der Gläubigen von» lateinischen Ritus gibt es wenig mehr, als 200. Früher hatten die ehrwürdigen Väter vom heil. Lande hier die Seelsorge; später wurde diese den ehrwürdigen Vätern Kapuzinern anvertraut, welche sie noch heute mit eben so viel Erbauung als Elfer versehen. Die Maroniten sind zahlreicher, als die Lateiner; man zählt ihrer nahe an 2000. Ihre Kirche entspricht dieser Anzahl und könnte an Schönheit, so wie an Größe, es wohl mit mehreren unserer Kirchen in Frankreich aufnehmen. Die Priester, welche dieser Kirche vorstehen, sind Weltgeistliche und stehen unter einem Bischöfe von ihrem Ritus, welcher den Titel: maronitischer Bischof von Bairut, führt.“ </p>
         <p>(Fortsetzung folgt.) <lb/><hi rend="normalweight">|Sp. 1458|</hi> </p>
         </div>
         <div type="kn">
         <head>
            Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Schweden.</p>
         <p>† <hi rend="italic">Stockholm</hi>, den 19. Sept. (Auszug aus einem Schreiben des Apostolischen Missionärs W. <hi rend="italic">van de Beek</hi>, an den Redakteur des <hi rend="italic">Godesdienstvriend</hi>, die Einweihung der katholischen neuen St. Eugenien-Kirche daselbst u.s.w. betreffend.)<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Wir haben in den Nummern 84 und 87 unsern Lesern über den Akt der Kirchweihe u.s.w. vorläufig Bericht erstattet, und tragen jetzt zur Vervollständigung nur noch auszüglich nach, was in dem benannten Schreiben weiter enthalten ist.</p>
            </note>
         </p>
         <p>Gegen Mittag den 15. September konnten wir hoffen, daß die Kirche völlig zur Einweihung bereit sey. Die Orgel, noch nicht vollendet, hatte doch schon zwei brauchbare Register. Der Altar war einige Tage zuvor mit der Tomba und dem Gemälde versehen. Der hochw. Hr. <hi rend="italic">Studach</hi>, welcher in Amtsgeschäften abwesend seyn mußte, überließ mir die Sorge, denselben vollends in Ordnung zu bringen. Da ich mich dazu außer Stande fühlte, so wendete ich mich an einen Freund, den Hrn. <hi rend="italic">Brunfort</hi>, Hofmeister bei dem russischen Minister, und so wurde das Werk vollendet, so daß Hr. <hi rend="italic">Studach</hi> bei seiner Zurückkunft mir und Andern zugestand, es hätte nicht prächtiger und schöner ausfallen können Ihre königl. Hoheit die Kronprinzessinn hatte Blumenvasen, einige Hofdamen Teppiche zur Verzierung des Altars und des Chores hergegeben, so daß mit Einem Worte sich alles auf das Prächtigste ausnahm. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, daß ich in Schweden sey, ich meinte immer, in Holland zu seyn, doch aber wußte ich wieder nicht, an welchem Orte, denn ich kenne keinen, der ein so prächtiges Gotteshaus hat, als das unsrige ist! (Hier folgt eine ganz ähnliche Beschreibung der Einweihung, wie sie in No. 84 d. Bl. enthalten ist; darnach fährt der Verf. fort:) Als wir die Meßgewänder abgelegt hatten, folgte eine andere Feierlichkeit, die nicht minder rührend war. Die Kirchenvorsteher, nebst einigen Gemeindegliedern, hatten dem ehrw. <hi rend="italic">Studach</hi> als Dankbezeugung ein Geschenk zugedacht; aber Jemand, der den hochw. Vikarius besser zu kennen meinte, machte den Vorschlag, etwas anderes zu thun, was demselben sicher mehr Freude machen würde, als ein persönliches Geschenk, wie kostbar solches auch immer seyn möchte; namentlich einen Fonds für die Armen zu stiften, zu dem Ende eine Subscription zu eröffnen, und dieses Geld Sr. Hochwürden zu übergeben. Der Vorschlag fand allgemeinen Beifall, und ist mit gutem Erfolge gekrönt worden, wie wir denn auch der Hoffnung leben, daß der Fonds sich mit der Zeit vermehren werde. Es kamen nun die Kirchenvorsteher, Se. Exc. der Statthalter (ein Protestant), nebst vielen Gemeindegliedern in unsere geräumige Sakristei. Nachdem sie alle sich um den verdienten Hirten geschaart hatten, hielt einer der Vorsteher, Hr. <hi rend="italic">Rouguet de St</hi>. <hi rend="italic">Hermine</hi>, folgende Anrede in schwed. Sprache: „Herr Pastor! Seit vielen Jahren sind die kirchlichen Angelegenheiten der Katholiken in <hi rend="italic">Schweden</hi> in stets zunehmendem Verfalls gewesen, so daß bei Ihrer Ernennung 1833, die Gemeinde auf dem Punkte stand, gänzlich aufgelöst zu werden. Zu jener Zeit besaß sie keine Kirche, indem das Haus, in welchem der Gottesdienst verrichtet wurde, zu einem Staatsgefängnisse bestimmt, und zu der heiligen Sache höchst unpassend war. Desgleichen war keine Wohnung für einen Priester noch ein Kirchendiener vorhanden. Die elternlosen Kinder der Gemeinde waren hilflos verlassen, ohne Unterhalt, ohne Dach über dem Haupte; mit Einem Worte: <hi rend="italic">es gebrach an Allem</hi>! Um eine solche Gemeinde zu übernehmen, dazu wurde ein unerschrockener Muth erfordert; eine große Seele; sie mit Allem zu versehen, eine unermüdete Thätigkeit, unermeßliche Anstrengung und warme Gottesfurcht. Zur Ausführung dieses großen Werkes wurden Sie von dem Allerhöchsten berufen. Ihr Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Menschen war sicherlich bekannt; aber nimmer durften wir wagen, zu hoffen, in so kurzer Frist ein so großes Unternehmen vollführt zu sehen. Binnen vier Jahren haben Sie der Gemeinde eine schöne Kirche, die so eben eingeweihet wurde, Wohnung für den Priester, für die vater- und mutterlosen Waisen, Kirchendiener, Katechismus in der Landessprache u.s.w. verschafft. Jedermann ist überzeugt, daß hiezu große Anstrengungen und Aufopferungen erfor- |Sp. 1459| derlich waren. Auch haben so viele Beschwerlichkeiten die kummervollen und schlaflosen Nächte, die Sie während dieser Zeit zugebracht, Ihre Gesundheit dergestalt untergraben, daß Sie vor Kurzem nahe daran waren, zu erliegen. Es hat dem Allerhöchsten gefallen, Sie zu behüten! —Das große Werk ist zu Stande gebracht! — Die Gemeinde wagt es, Ihnen ihre Dankbezeigung darzubringen. — Geliebter Vater, wie sollen wir die Gefühle der Bewunderung und Dankbarkeit ausdrücken, die uns beseelen? Was Sie für uns gethan, die Lehren, welche Sie uns in dem Tempel, das Vorbild, welches Sie uns durch Ihren reinen unbefleckten Wandel gegeben haben; Alles ist mit unauslöschlichen Buchstaben unsern Herzen eingeprägt. Mit Rührung danken wir Ihnen, geliebter Vater! Ihr Name wird bei unsern spätesten Nachkommen in Segen verbleiben! Möge der Allerhöchste uns die Gnade verleihen, Sie noch lange uns zu erhalten! Daß sie uns lange, lange noch die reinen Wahrheiten des Lichtes verkündigen in dem Tempel, welchen Sie zu Gottes Ehren und der Menschen Heil erbauten, damit Ihnen die Genugthuung werde, mindestens noch einige Früchte von Ihrer großen Arbeit zu genießen! Lieben und hochachten müssen wir Sie, — lohnen kann Sie nur der Allmächtige, welcher Sie sandte!—Als einen Beweis der Ehrerbietung, welche die Gemeinde für ihren edeln und geliebten Seelsorger empfindet, und als das einzige Zeichen von Dankbarkeit, welches in seinen Augen einigen Werth hat, hat sie an diesem Tage, den die katholische Gemeinde in <hi rend="italic">Schweden</hi>, nach so vielen Jahrhunderten, als den Tag ihrer Wiedergeburt betrachten kann, einen Fonds gestiftet, dessen Zinsen zur Unterstützung Bedürftiger in der Gemeinde bestimmt sind. Die ersten Beiträge zu demselben belaufen sich auf 1382 Reichsthaler Banko. (Diese Summe, welche ebensoviel in holländischen Gulden beträgt, wurde Sr. Hochwürden in Banknoten überreicht, auch fügte Se. Exc. der Statthalter <hi rend="italic">hundert</hi> Reichsthaler Banko hinzu.) Der einstimmige Wunsch der Gemeinde ist, daß dieser Fonds den Namen ihres größten Wohlthäters trage, — des Herrn Pastor Studach!“ — Ich wage nicht, lieber Freund! Ihnen die Rührung, Freude und Dankbarkeit zu beschreiben, die uns beseelten, und die auf allen Gesichtern zu lesen war; dieß würde meine Kräfte übersteigen.</p>
         <p>— Ich habe vergessen, Ihnen zu melden, daß dieser gottesdienstlichen feierlichen Einweihung I. Maj. die Königinn und II. kk. HH. der Kronprinz und die Kronprinzessinn, das diplomatische Korps und andere Behörden, alle in Uniform, auch alle Protestanten und Juden, die zum Bau der Kirche Beiträge gegeben hatten, beiwohnten und nicht wenig zur Verherrlichung des Festes beitrugen. Die Kirche ist unter den Schutz der h. <hi rend="italic">Eugenia</hi> gestellt, deren Namen an dem Frontispiz prangt. Diese Patroninn ist u. A. darum erkoren, weil ihr Fest gerade auf den 16. Sept. fällt; weil, nach <hi rend="italic">Butler</hi>, ihr Grab 1622 von den Schweden zerstört wurde und jetzt ihr gleichsam amende honorable geleistet wird; endlich weil auch I. Maj. die Königinn und I. k. H. die Kronprinzessinn ihren Namen führen, welche beide recht sehr ansehnliche Summen zum Bau und Verzierung gegeben haben.</p>
         <p>— Nachdem wir uns einigermaßen wieder gesammelt hatten, gingen wir in's Gesammt in das Hotel du Nord zu unserm Landsmann und Glaubensgenossen Hr. E. <hi rend="italic">van Ryswyk</hi>, wo die Herren Kirchenvorsteher und Musikdirektoren uns zu einem freundschaftlichem Mahle genöthigt hatten, zu welchem außer einigen Behörden auch unser verdienter Baumeister geladen war. Nimmer haben wir mit herzlicherer Freude eine Mahlzeit eingenommen. Da viele Gemeindeglieder das Verlangen an den Tag gelegt hatten, am folgenden Tage zur h. Communion zu gehen und wir drei den Abend noch Beichte sitzen mußten, so konnten wir, weil es schon hoch in den Nachmittag ging, nicht lange bei Tafel bleiben. Inzwischen wurden Toaste Sr. päpstl. Heil., Sr. M. dem Könige, dem königl. Hause und allen Wohlthätern ausgebracht. — War schon dieser Tag vor allen andern ein Tag der Freude, Dankbarkeit und Rührung, so war es der folgende Sonntag nicht minder. War die Zahl derjenigen, welche sich dem Tische des Herrn naheten, größer, als seit Menschen Gedenken und selbst an den höchsten Festtagen, so war dieß schon sehr tröstlich, aber viel tröstlicher und erhebender war es noch, daß einige, die bisher nur wie <hi rend="italic">Nicodemus</hi> zu <hi rend="italic">Jesu</hi> im Geheim gegangen waren, nun ihr Begehren zu erkennen gaben, es jetzt öffentlich und während des Hochamtes zu thun. Unter den Communikanten befanden sich zwei der angesehensten Gemeindeglieder, die seit länger, als |Sp. 1460| 20 Jahren nichts von dem h. Sakramente hatten wissen wollen und zu deren Umkehr fast alle Hoffnung aufgegeben war. Wer beschreibt unsere Gefühle bei solchem Vorgange? — Jungfrau K. ... möge erfahren, daß bei dieser rührenden Feierlichkeit ihre kostbare Ciborte zum erstenmale gebraucht wurde. —— Nach der Predigt ging ich auf den Chor, wo unsere Waisenkinder unter Orgelbegleitung eine passende Messe sangen. Und nun erst, lieber Freund, kann ich sagen, daß ich den rechten Ueberblick der Kirche genoß. Ich konnte mir immer nicht vorstellen, daß ich in Schweden sey, nein, dieß konnte ich mir nicht vorstellen, sowenig wegen der majestätischen Kirche, als auch wegen der für Schweden ungewöhnlich großen Zahl von Communikanten. Wir leben in der süßen Hoffnung, daß dieser Vorgang gute Folgen haben werde; ja, wir zweifeln nicht daran. Viele haben Gelübde gethan, auf deren Erfüllung wir rechnen können. Auf Viele, die seit Jahren Alles verwahrloset hatten, und die, theils aus Neugierde, theils von Andern herbeigezogen, der Einweihungsfeierlichkeit beiwohnten, hat diese und vor allen Dingen die herzliche, seelenhirtliche Predigt des Herrn Vikar einen heilsamen und, wie wir hoffen, bleibendern Eindruck gemacht.—— Alle Zeitungen haben von unserer Kirche gesprochen (die sie, wie in England, <hi rend="italic">Kapelle</hi> nennen), aber keine mit Verachtung, die meisten mit Ehrerbietung, selbst in längern Artikeln. Alle Redacteure waren zur Einweihung eingeladen. Gott sey gelobt, die röm.-kathol. Kirche scheuet das Licht nicht. Die ganze Feierlichkeit, die sicher in Schweden ein Wunder ist, lief in der größtmöglichsten Ordnung ab. — <hi rend="italic">Gelobt sey Jesus Christus</hi>!</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Cathol. Nederlandsche Stemmen)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Deutschland.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Preußen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Berlin</hi>, 8. November. Die niederschlagende Antwort des Papstes, in Betreff der Hermesianischen Lehre, welche dem Professor <hi rend="italic">Elvenich</hi> in Rom eröffnet wurde, hat hier große Sensation erregt, da man, freilich irrthümlich, die oberste Autorität des Staates dadurch in Conflict gesetzt glaubt. Es läßt sich aber von vorn herein annehmen, daß unsere Regierung den Weg weiter verfolgen werde, welchen sie im Laufe der ganzen Verhandlung befolgte, nämlich es dem Oberhaupte der katholischen Kirche anheimzustellen, und sich in keinerlei doctrinaire Streitigkeiten anders als im Wege der Vermittelung zu mischen. Es ist kaum glaublich, daß der Staat für die Hermesianische Lehre, ein anderes Interesse an den Tag legen sollte, als das von einer erleuchteten Toleranz gebotene.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Frfrt. Journ.)</p>
         <p>— Auch die Anabaptisten haben in unserer Stadt, in welcher es, wie natürlich, an Menschen nicht fehlt, die auch um der Unterhaltung willen Alles aufsuchen, was außer der alltäglichen Reihe der Erscheinungen des kirchlichen und politischen Lebens liegt, ein Gebiet ihrer Wirksamkeit sich öffnen wollen. Ein gewisser <hi rend="italic">Onken</hi> aus Hamburg, welcher daselbst Bücher religiösen Inhaltes debitirt und, wenn wir nicht irren, Agent der Edinburger Bibelgesellschaft ist, hat bei seinem Aufenthalte hierselbst seine Grundsätze zu verbreiten gestrebt, und es soll ihm gelungen seyn, einen Eisenkrämer und einen Lehrburschen desselben zu taufen, und so in die Zahl der Anhänger anabaptistischer Glaubensansicht einzuführen. Die Behörden haben von diesen Angelegenheiten nicht die geringste Notiz genommen, und daß mit Recht. Dergleichen Ereignisse erscheinen und vergehen, ähnlich den Pilzgewächsen, welche unter nächtlichen Regenschauern aufsprossen, und bei gutem Wetter, unter dem Scheine der Sonne und des Tageslichtes wieder verschwinden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. K.-Z.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Lützen</hi>, den 6. Nov. Das Fest der Einweihung des Denkmals <hi rend="italic">Gustav Adolph's</hi> hat gestern stattgefunden. In der kleinen, unbemittelten Stadt Lützen wurde der Gedanke aufgefaßt, dem auf dem Schlachtfelde in ihrer Nähe für die Freiheit der evangelischen Kirche gefallenen Helden ein ihm würdiges Denkmal zu errichten. Gerade da aber, wo man am Meisten auf Unterstützung bei Ausführung des schwierigen Unternehmens gerechnet, geschieht am Wenigsten; dagegen bewähren die Bewohner des benachbarten Staates die regste Theilnahme für die Sache. Sie endlich sind es auch, welche, die von der Politik gezogene Gränze vergessend, mit den Bewohnern Lützen's und der benachbarten Orte vereinigt, keine Mühe scheuten, den Tag der Einweihung |Sp. 1461| des dem Erretter der evangelischen Freiheit geweihten Denkmals so festlich als nur möglich zu machen. So geschah es denn auch, daß das ganze Fest zum Volksfeste wurde. Schon am Vorabende des Festes gewann das sonst stille Städtchen das Ansehen eines viel besuchten Wallfahrtsortes; auf allen Wegen und in allen Richtungen strömten ihm Pilger zu; auch fehlte es nicht an Denkmünzen, Lebensbeschreibungen, Bildern und Reliquien des schwedischen Helden, die zu sehr hohen Preisen der neugierigen Menge feilgeboten wurden. Unter den Fremden, die hier eingetroffen, sind besonders auszuzeichnen der Bischof <hi rend="italic">Dräseke</hi> von Magdeburg, der Professor Dr. <hi rend="italic">Jahn</hi> aus Freiburg und der Landrath Graf <hi rend="italic">Keller</hi>. Der schwedische Gesandte in Berlin meldete in einem Abends eingegangenen Schreiben dem Comitee, daß er die ihm übersendete Abbildung des neuen Denkmals nebst Programm unverzüglich an den König von Schweden werde gelangen lassen. Nächst dem Bischof und dem Landrathe wurde auch dem Bürgermeister von Lützen gegen 10 Uhr von ankommenden Leipziger Studenten ein Lebehoch gebracht. Hallische und Jenaer Studenten lagerten auf benachbarten Dörfern, wo auch die bloß zur Erhöhung der Festfeier kommandirten zwei Schwadronen Husaren und eine Batterie Artillerie einquartirt waren. Der Festtag selbst ward in Lützen mit einem Morgenliede eröffnet, das um 7 Uhr vom Thurme erscholl. Doch frühzeitiger hatte man in Leipzig, ungeachtet des eingetretenen Regens, zur Feier dieses Tages sich gerüstet; Studenten und Bürger vereinigt, zogen zum Theil festlich geschmückt nach Lützen, wo sie mit Musik und unter Vortragung der Fahnen im Festzug anlangten. Als hierauf der Zug sich geordnet, und die Behörden, Geistlichen, Schullehrer und übrigen Theilnehmer auf dem Markte sich gesammelt, begann nach kurzem Gesänge die Prozession nach dem Schwedensteine, wo die Husaren und die Artillerie bereits aufgestellt waren. Den Zug eröffnete die Lützener Grenadierkompagnie; der einbeinige Invalide folgte, welchem an dem Monumente sein letzter Posten angewiesen ist. Ihm schlossen sich an eine Abtheilung Lützener Schützen, die Weißenfelser und Merseburger Bürgergarden. Ihnen folgten in verschiedenen Abtheilungen die Studenten aus Leipzig, Halle und Jena, an ihrer Spitze vier in Leipzig und Halle studirende junge Schweden; diesen die anwesenden Bürger aus Leipzig, die dasigen Thomasschüler, die Pädagogisten aus Halle, die Seminaristen aus Weißenfels, die Schüler aus Lützen und die Geistlichkeit der Ephorie, der sich auch die sächsischen Geistlichen anschlossen. Hierauf kam die alte Schwedenfahne aus Leipzig, welche hier seit 1632 aufbewahrt wird, Anfangs getragen von einem schwedischen Offizier, der sich in Dresden aufhält, um einer Wunde halben das Bad zu Töplitz im nächsten Jahre noch einmal zu gebrauchen. Den Ehrenbegleitern dieser alten Reliquie aus <hi rend="italic">Gustav Adolph's</hi> Heere schlossen sich an die von nah und fern erschienenen Gäste, namentlich aus Merseburg, Leipzig, Halle, Naumburg und Weißenfels, und die Lützener Behörden. Endlich folgte die sehr zahlreich erschienene Weißenfelser und Lützener Bürgerschaft, und den Beschluß des langen Zuges machte wieder eine Abtheilung Lützener Schützen. Die Zahl der Musiker soll gegen 300 betragen haben. Nach Aufführung einer Motette durch die Weißenfelser Seminaristen, sprach der Bischof die Weihrede, an deren Spitze er den Satz stellte: „Alles Lebende vergeht, nur das Leblose besteht.“ Hatte er schon im Eingange durch historische Hinweisungen auf die Heiligkeit des Bodens, auf welchem die Versammlung sich befand, Aller Gefühl in hohem Grade erregt, so konnte es nicht fehlen, daß er am Schlusse seiner, mit der höchsten Begeisterung vorgetragenen Rede die ganze Versammlung so hingerissen, daß er nun das Denkmal enthüllen ließ, worauf 24 Kanonenschüsse geschahen, und die Musikchöre zu spielen anfingen, kein Laut der Freude sich zu erkennen gab, weil diese die Trauer überwog ob des Verstummens des beredten Mundes. Nach kurzem Gesänge, und nachdem der Bischof selbst den Segen gesprochen, begab sich der Festzug in umgekehrter Reihenfolge wieder nach der Stadt, wo um 1 Uhr im Schützenhause das Festmahl stattfand. An demselben nahmen etwa 250 Gäste Theil, da wegen übergroßer Beschränktheit des Raumes sehr viele zurückgewiesen werden mußten. Ein Toast folgte dem anderen. Auch der Wohlthätigkeit wurde nicht vergessen; man sammelte für die häusliche Einrichtung des Invaliden am Denkmale, und sodann für die Kasse der Leipziger Gustav-Adolphs-Stiftung. Die Feier des Tages beschloß ein |Sp. 1462 von Studenten, Einheimischen und Fremden veranstalteter sehr zahlreicher Fackelzug nach dem Schwedensteine, ebenfalls mit Fahnen und Musik, nachdem in der Stadt noch der Universität und ihren Professoren, insbesondere dem Domherrn Dr. <hi rend="italic">Klien</hi> zu Leipzig, ferner dem Bischof Dr. <hi rend="italic">Dräseke</hi> ein wiederholtes Vivat gebracht worden war. Am Schwedensteine wurden namentlich auch dem jetzigen Könige von Schweden Vivats ausgebracht, und sodann beim Verbrennen der Fackeln das alte Gaudeamus gesungen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Leipz. Ztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Halle</hi>. Am 7. Okt. d. J. starb hier der durch seine früheren Schriften über die Kantische Philosophie bekannte Professor der Philosophie Dr. J. H. <hi rend="italic">Tieftrunk</hi> im 79. Jahre an Alterschwäche. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. K. Z.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Köln</hi>, 6. Nov. Heute erfolgte in der hiesigen hohen Domkirche die kanonische Installirung des von Sr. M. dem Könige allergnädigst ernannten Domkapitulars, Hrn. Dr. Scholz, Professors und Seniors der katholisch-theologischen Fakultät zu Bonn, auf den Grund der von Sr. Heil. Papst <hi rend="italic">Gregor XVI</hi>. ihm zugefertigten apostol. Provista. — Diese Sr. Hochw., dem Hrn. Prof, Dr. <hi rend="italic">Scholz</hi>, gewordene Auszeichnung der königl. und apostol. Gnade, findet nicht nur viel Theilnahme unter seinen zahlreichen Freunden und Schülern, sondern erscheint auch überhaupt um so erfreulicher, als dadurch die innigere Verbindung des hochwürdigen Domkapitels mit der katholisch-theologischen Fakultät gefördert wird. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Köln. Z.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Frankfurt.</p>
         <p>* <hi rend="italic">Frankfurt</hi> a. M., 12. Nov. Unserm würdigen Herrn Canonicus <hi rend="italic">Joseph Bögner</hi> ist eine eben so ehrenvolle, als verdiente Auszeichnung zu Theil geworden. Se. Excellenz und bischöfi. Gnaden, der hochwürdigste Herr Bischof <hi rend="italic">Johann Leonard</hi> von <hi rend="italic">Fulda</hi> haben geruht, denselben in ehrender Anerkennung seines edeln Charakters und seiner besondern Verdienste um die Fuldaische Diözese, zu seinem wirklichen <hi rend="italic">geistlichen Rathe</hi> zu ernennen.</p>
        
         </div>
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
        
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p><title><hi rend="bold">Ueber die Vorliebe zum Alten und Neuen in Religionssachen.</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Aus den zerstreuten Blättern von einem katholischen Geistlichen.</hi>
         </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Verzeihlich! Nur sollten sie nicht so geschäftig seyn, jedem ohne Unterschied, der ihnen auf den Straßen, oder in einem Gasthofe begegnet, ihre Meynungen und Visionen in dem harten Tone der Unfehlbarkeit aufzudringen. Oft ist die Absicht, eine Unzahl von Trabanten um sich her zu versammeln; sie selbst möchten glänzen, wie die ätherische Sonne. Unüberlegte Ergießungen dieser Art beweisen manchmal so ein gespanntes Selbstgefühl, immer aber den Mangel einer gründlichen Menschenkenntniß. Weise Männer, bemerkt <hi rend="italic">Polybius</hi>, bedürfen des Aberglaubens nicht; aber Städte sey'n vom Volk bewohnt.<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="UKZ 8 fussnote">
                  <seg> </seg>
                  <hi rend="italic">Johannes von Müller.</hi>
               </p>
            </note> Eine unverdauliche Nahrung für den Geist gibt es eben so wohl, als für den Körper, und es ist wahre Weisheit, seine Vorträge und Pläne jedesmal nach der Fassungskraft und dem Grade von Empfänglichkeit der Zuhörer abzuwägen. Manches Auditorium gleicht einem Gefäße mit einer engen Oeffnung, das leicht überströhmt. Gieße nur zu, mein Freund, aber mit Vorsicht, und ohne Uebereilung! Seine Wahrheitsliebe ist ein stilles Gefühl, das sich tief im Herzen verschließt, und nicht an allen Thüren pocht, um eingelassen zu wer- |Sp. 1463| den. Gegen Unecht erhebe Dich laut, daß Dich auch das taube Gewissen des eigensüchtigsten Halbmenschen höre! Doch von den Schätzen der Wahrheit biete keinem mehr, als er aufnehmen kann. Wahrheitseifer, der überall eine Bühne sucht, um zu jedem Volke zu reden, hält die einzig mögliche Erweiterung des Reiches der Wahrheit auf. Denn halb verstandene Begriffe sind schlimmer, als gar keine Begriffe.<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Paulus Sept. 2 Th. S. 318.</p>
            </note>
         </p>
         <p>Das Gute und Wahre in jeder Verwandlung, welche sie auf Erden leiden, zu erkennen, und keine dieser Um- und Einbildungen für das wesentliche Wahre und das wesentliche Gute selbst zu halten, weder zu glauben, daß sie gegenwärtig hier oder da leibhaftig vorhanden sind, noch zu hoffen, daß sie je auf dieser Welt leibhaftig da seyn werden, je aufhören werden, Geist zu seyn, um lauter Fleisch und Bein, das jeder greifen kann, um durch und durch Buchstabe zu werden, diese Weisheit und diesen Verstand — o daß wir einmal alle davon erfüllt seyn möchten! Aufmerksam auf den Geist jeder Zeit würden wir dann ohne Erbitterung die Zeiten nur mit jenem Geiste der Wahrheit und des Lebens zu vergleichen trachten, der in die Zeiten verhüllt unwiderstehlich die Zeiten regiert.<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Zufällige Ergießungen eines eins. Denk. etc. 3. B. 8. Stück der Horen.</p>
            </note>
         </p>
         <p>Bei dem besten Willen fehlt es gar oft an Erfahrung. Einen bessern Plan übereinstimmend zu entwerfen, ist leicht. In der Ausführung sieht er sich aber kaum noch gleich. Man stößt auf Hindernisse und Schwierigkeiten, die man nicht eher denkt, als man davon überrascht wird, weil man nicht gewöhnt ist, tiefer in die Verhältnisse des Lebens einzudringen, oder das Auge nicht klar genug, um sie richtig aufzufassen. Durch Lektüre wird die Vorstellungskraft mit herrlichen Ideen geschwängert, das Gemüth von Bildern und Hoffnungen einer möglichen Erhebung des Menschengeschlechtes eingenommen. Deßwegen hat man besonders je weniger man die Menschen kennt, je mehr Begierde, alles mit Hast umzugestalten, damit die goldne Zeit, die man erwartet, ja recht bald erscheine. Kaum eingetreten in sein Amt, gleicht man einem Neuvermählten, der in den Flitterwochen selig dahinträumt. Später behauptet die Alltäglichkeit ihre Rechte. Denn nicht immer dauert das Entzücken, welches aus dem Anblicke jenes Urbildes strömt, was der Mensch seyn könnte. Man meynt, in jeder menschlichen Brust glüht eine erhabene Flamme, die aber mit Asche bedeckt sey. Diese wegzuräumen, und jene auszuhauchen, alle Hindernisse, durch die sie zurückgedrückt wird, zu besiegen, verirrte, gebeugte Menschen aufzurichten, welches um so leichter geschehen könne, je mehr man seinen Zöglingen eine natürliche Klarheit des Verstandes, und eine schuldlose Gutmüthigkeit des Willens zuschreibt, dieß ist, was man auszuführen sich so lebhaft sehnt. </p>
         <p>Ohne die Vorurtheile, und die Gebrechen, die Schwache und die Unbiegsamkeit, mit Einem Worte die Beschränkungen alle, die den wirklichen Menschen bestricken, in Anschlag zu bringen, will man ihn auf eine Höhe schrauben, die er nicht erreichen kann.</p>
         <p>Die Erfahrung wird die Begeisterung tiefer stimmen.</p>
         <p>„Wem zu glauben ist, redlicher Freund! das kann ich Dir sagen, „Glaube dem Leben, es lehrt besser, als Redner und Buch.“</p>
         <p>Auch hält man gern das Zeitalter, worin man lebt, für die Culmination des Lichtes, und jedes System, das aufgestellt, jeder Plan, der ersonnen, jede Anstalt, die errichtet wird, scheint auf den ersten Anblick an Zweckmäßigkeit und richtigem Zusammenhange alles Vergangene weit zu übertreffen. Manchmal erweist man seiner eigenen Person diese geheime Schmeichelei, dieß stillschweigende Kompliment, indem man das Zeitalter, dessen Glied man ist, über alle andere erhöht, und das Neuere, daß man selbst hervorbringt, oder das man durch eine lebendige Theilnehmung sich zueignet, unbedingt erhebt. </p>
         <p>Ueberhaupt lebt die Jugend, indem sie auf die Zukunft rechnet.</p>
         <p>Das Alter hängt an der Vergangenheit; diese festzuhalten, ist ihm der Weg zum Guten. Jeder Wechsel wäre ein Schritt rückwärts. Dasjenige soll nicht angetastet werden, was geweiht ist durch Ueberlieferung und Gewohnheit. Was immer auch die Spekulation verheißen mag, man trauet ihr nicht, sie zerstört das |Sp. 1464| Wirkliche, was schon lange sich segenvoll behauptete, sie führt an einen Abgrund der Verwirrung. Ein tolles Wagniß ist jede Veränderung. Man wittert darin mit ängstlicher Sorge den gänzlichen Verfall der Religion. Störung aller Ordnung, den Umsturz guter Sitten. Man ist bemüht, jede Verletzung des Bestehenden abzuwenden, das Bedrohte fester zu halten, und es gegen jeden Angriff sicher zu stellen. Man wird nicht müde, den Enkeln, welche die Bahn der Väter verlassen, eine unselige Zukunft zu weissagen.</p>
         <p>Aus demjenigen, was oben bereits bemerkt wurde, läßt sich schon schließen, daß jede Partei ihre Vorurtheile hat. Zu den reinsten Absichten mischt sich stets mehr ober weniger Leidenschaftlichkeit, wodurch Uebertreibungen entstehen. Die Jugend ist nicht so weise, wie sie sich gewöhnlich dünkt. Alte Kirchen, sagt man, haben dunkle Gläser. Allein wenn ein hohes Alter oft zur Aengstlichkeit und zum Blödsinn führt, so bleibt dennoch gewiß, ohne längere Bekanntschaft mit der Welt wird man ihre Angelegenheiten nie richtig beurtheilen können.</p>
         <p>Selbst bürgerlichen Verfassungen gibt ein langer Bestand eine gewisse Weihe.<note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> 
                  <hi rend="italic">Aristoteles</hi> macht eine Bemerkung, welche von seiner Menschenkenntniß zeugt. „Cum lex nullam vim ad parendum nisi consuetudine capta habeal, quae extent, in alias commutatio, legis infirmatio es.</p>
            </note> Ein Stein, den man aus den Fugen einer Mauer nimmt, ist hinreichend, daß viele andere nachfallen, und am Ende das ganze Gebäude zum Einsturz gebracht wird. Das Religiöse muß um so mehr den Charakter der Unwandelbarkeit an sich tragen, es muß gleich jenen großen Monumenten der Baukunst, wozu es in frühern Zelten begeistert hat, dastehen in ruhiger Erhabenheit und die Stöße aller Elemente über sich hingehen lassen. Eine aufrichtige Philosophie bekennt ihre eigne Unzulänglichkeit. Sie vermag es nicht, dem Menschen über seine Beziehungen zur Unendlichkeit Auskunft und Beruhigung zu verschaffen, man schwankt hin und wieder, und strauchelt in diesem Dämmerlicht. Aber der menschliche Charakter bleibt stets oberflächlich, unstet, gebrechlich, verwirrt, und unverträglich, wenn er nicht durch die Zuversicht religiöser Anschauungen befestigt, und zugleich gemildert wird, wie sich die Bitterkeit einer Traube verliert, auf welche anhaltend eine warme Sonne geleuchtet hat.</p>
         <p>Bei der Unsicherheit aller Spekulation sucht man einen Anker in der Geschichte, es entsteht das Bedürfniß der Offenbarung. Doch würde diese der Verwirrung nicht steuern, wenn ihre Urkunden der subjektiven Ansicht überlassen blieben. Jenes Bedürfniß der Beruhigung bahnte dem Christenthum den Weg, dem Katholizismus aber die unerbittliche Nothwendigkeit der Ordnung und Uebereinstimmung.</p>
         <p>Nicht selten aber beschuldigt man selbst den Katholizismus der Neuheiten, die er im Laufe der Zeit in sich aufnahm. Man macht sich ein reizendes Bild von den ersten Blüthentagen des Christenthums, und sagt es sich oft „von welch' einer frommen „Begeisterung waren damals die Gemüther erfüllt! Wie lebhaft „das Gefühl der Abhängigkeit, der Demuth und Hingebung! Und „welche Festigkeit, welcher Muth, wenn es darauf ankam, die „Lehre des Kreuzes zu bekennen, und zu vertheidigen!<note place="foot" xml:id="ftn8" n="8">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Auch von der Ausbreitung des Christenthum läßt sich sagen „Per damna, per caedes ab ipso ducit opes, animumque ferro.“</p>
            </note> Welch' „ein Wohlwollen, welch' ein Brudersinn beseelte die ersten Christen! Und doch, wie leicht und willig knüpfte sich das zarteste „Band zwischen den Führern, und denen, die geleitet wurden, „zwischen Aufsicht und Unterwerfung, wie einfach und liebenswürdig war nicht die äußere Gottesverehrung!“</p>
         <p>Bei jeder Institution ist ein Unterschied, wie sie anfing, und wie sie entwickelt ist, einer Morgenröthe gleich, die durch ihr Farbenspiel das Auge weit mehr ergetzt, als der Mittag. Wie immer auch der Katholizismus sich herausbildete, die Keime dazu waren mit dem Cristenthum gegeben, welche in den Umständen, und im Laufe von Jahrhunderten zur Reife kamen. Vielfache Abweichungen nöthigten die Kirche, die Lehren genauer zu bestimmen, die Hierarchie entsprang aus dem Prinzip der unentbehrlichen Uebereinstimmung; kaum hatte der Druck, unter welchem das Christenthum litt, aufgehört, und es kam mehr Pracht in die öffentliche Gottesverehrung, die Zweige des Kultus dehnten sich |Sp. 1465| weiter aus, um alle wichtigen Katastrophen des menschlichen Da-seyns durch die Elemente der Religion zu heiligen.</p>
         <p>Eine kirchliche Verfassung, die sich rühmt, genau von dem Urbilds der apostolischen Zeit abgesehen zu seyn, gibt sich hiedurch allerdings etwas, wodurch fromme Gemüther angezogen und eingenommen werden. Allein es ist dabei mehr Schein, als Wahrheit, und immer muß man sich bescheiden, auf eine große Ausdehnung zu verzichten, um eine Ecclesiola zu bleiben. Die Unternehmung, die Zeiten der Apostel zu wiederholen, wäre im Großen kaum weniger schwierg, als wenn man eine Nation von 30 bis 40 Millianen zu jenen anmuthsvollen Verhältnissen des geselligen Lebens bringen wollte, die man in Idyllen so reizend gefunden hat.</p>
         <p>Es gibt übrigens in der katholischen Kirche Mißbräuche und Aberglauben, ohne daß sie die Kirche je gebilligt hätte.<note place="foot" xml:id="ftn9" n="9">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> - - incurata pudor malus ulcera celat.</p>
            </note> Denselben zu widerstehen, ist Pflicht eines jeden Religionslehrers. Es gibt Theile in der Disciplin, und in der Liturgie, die nach einer Verbesserung seufzen, welche einzuleiten Sache der Kirche ist.</p>
         <p>Da man jede Aenderung in religiöser Hinsicht wie ein Unheil scheuet, so weiß man oft das Zufällige von dem Wesentlichen nicht hinlänglich zu unterscheiden; das Gebäude werde selbst beschädigt, in seinem Fundamente ergriffen, meynt man, und ängstigt sich, wenn auch nur etwas an dem Gerüste desselben verrückt oder weggehoben wird; gleichwohl ist diese Furcht unter der Bedingniß, daß jede Verbesserung von der kirchlichen Autorität selbst ausgehen muß, weiter nichts, als ein leeres Gespenst. Oft auch fühlt man, es setz unbehaglich und peinlich, das Gewöhnte mit dem Ungewöhnten, das Geläufige mit dem Mühsamern, das Leichtere mit dem Schwerern zu vertauschen.</p>
         <p>Wie man auch denke, so sollte man doch nie mit einem sektirischen Geiste sich an einander reiben. Man sollte nie einen Andersdenkenden, sey er für das Gute, was besteht, oder für das Bessere, was nachkommen soll, entstammt, mit Bitterkeit beurtheilen, ihm die Ehre einer guten Absicht absprechen, und sein Betragen aus unedeln Quellen herleiten. Jeder überlege, wie viel äußere und innere Umstände und Einflüsse die Denkart eines Menschen ohne sein eigen Zuthun bestimmen, und seinem Charakter eine bestimmte Richtung geben, wie oft der Mensch schuldlos irren kann, wie gewiß es ist, daß wir alle irren, aber fast jeder anders; wie? — sollte dieß nicht Verträglichkeit, Nachsicht und gelinde Schonung einflößen!</p>
         <p>Eigentlich ist ein berauschender Enthusiasmus, der ungestüme Verwandlungen fordert, und das Neue mit Unbescheidenheit und Andrang geltend machen will, eben so sehr zu mißbilligen, als jene unbewegliche starre Anhänglichkeit, womit man das Herkömmliche umschlingt, und alles Andere auszuschließen strebt. Schwärmerei, die dem Neuen huldigt, und Pedantismus, der für das Alte eifert, berühren sich; denn in beiden Fällen geht man von vorgefaßten Meynungen aus. Der Himmel sammt all' seinem Schmuck spiegelt sich nur im ruhigen ungetrübten Gewässer, und so ist auch nur ein reines offenes Gemüth fähig, die tröstliche Wahrheit des Christenthums um ihrer selbst willen, und ohne andere Beziehungen in sich aufzunehmen.</p>
         <p>Aber immer bleibt es für den christlichen Religionslehrer unerlässige Pflicht, mit dem Gange der Literatur fortzuschreiten, denn er soll das Alte und Neue kennen, um den ungleichen Fähigkeiten und Bedürfnissen seiner Schüler genug zu thun; einem Hausvater ähnlich, in dessen Vorrathskammer man sowohl alte, lang aufbehaltene Nahrungsmittel findet, muß er seinen Besitz vergrößern, und in jedem Falle so viel davon, als nöthig ist, zur Erbauung seiner Zuhörer anwenden. Math. 13,52.</p>
         </div>
         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
        
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung. </head>
         <p>
            <hi rend="italic">Die Lehre von der heiligen Schrift</hi>, von dem Standpunkte der Geschichte und Philosophie. Zur Verständigung der geschiedenen Meynungen über die Göttlichkeit, den hohen Werth und den zweckmäßigen Gebrauch unserer Religionsurkunden. |Sp. 1466| Eine Denkschrift zur Feier des 300jährigen Jubiläums der Vollendung der lutherischen Bibelübersetzung. Von Dr. <hi rend="italic">Wohlfarth</hi>. Neustadt a. d. Orla, 1835. Druck und Verlag von <hi rend="italic">J. K. G. Wagner</hi>. XVI und 136 S. gr. 8.</p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Nach diesem geschichtlichen Ueberblicke, den wir hier in möglichster Kürze angedeutet haben, wendet sich der Verf. im 2ten Abschnitte der Schrift. (S. 70 f.) zur Prüfung der Ansichten von dem, was eigentlich die Bibel ist, und was sie <hi rend="italic">für uns </hi>seyn müsse? Eben so unbefangen als ruhig und besonnen geht er hiebei zu Werke, stellt die Gründe für und wider die Annahme einer unmittelbaren Offenbarung Gottes in der h. Schrift klar heraus (S. 70-75) und erklärt sich, nachdem er (S. 76-82) die Art und Weise, wie sich der Glaube an die Göttlichkeit der Bibel im supernaturalen Sinne historisch und psychologisch entwickelt, und dabei hauptsächlich auf die Entstehung des fraglichen Begriffs einer außerordentlichen Offenbarung bei den namhaftesten Religionsstiftern der alten Zeit Rücksicht genommen hat — mit Recht gegen den Glauben an die Göttlichkeit der Bibel im streng supernaturalen Sinne, und gegen den Einwurf, daß die Bibel ohne diese Annahme ihres Ansehns verlustig gehe und „zu der Kategorie der übrigen Urkunden grauer Vorzeit herabsinke,“ — dahin: (S. 87) „Können wir auch, können viele Theologen nach den Resultaten der neueren Wissenschaft, die Bibel nicht in dem Sinne Gotteswort nennen, in welchem ein <hi rend="italic">Calov</hi>, <hi rend="italic">Hollaz</hi> etc. sie <hi rend="italic">also</hi> nannten, so können und müssen sie's doch in einem <hi rend="italic">andern</hi>, in einem viel wahreren und höhern, in einem viel <hi rend="italic">würdigern</hi> und in seinen Folgen <hi rend="italic">segensreichern </hi>thun. Wenn die Rationalisten denjenigen nicht beitreten können, welche im Christenthume eine <hi rend="italic">unmittelbare</hi>, <hi rend="italic">supernaturale</hi> Offenbarung Gottes an die Menschheit quoad puncta und in der h. Schrift die <hi rend="italic">Urkunde</hi>, welche diese Offenbarungen enthält, anerkenne: so folgt noch nicht, daß sie gar keine Offenbarung Gottes glauben, und in der h. Schrift keine höhere Urkunde der Offenbarung Gottes finden. Und, wenn es nun überhaupt eine Offenbarung Gottes gibt, die uns zum Glauben an sich zwingt, auf daß das Herz fest werde, so kann es von wenig Belang nach beiden Seiten hin seyn, ob wir diese Offenbarung in unserm Systeme, als einen Ausdruck göttlicher Allmacht, wie die Supernaturalisten thun, oder als ein Werk der <hi rend="italic">göttlichen Providenz</hi> betrachten, wie die Rationalisten. Höher, als die wundersam inspirirte Bibel, die sich nicht erweisen läßt, steht die <hi rend="italic">Bibel</hi>, in welcher wir die erhabensten Offenbarungen Gottes seit den ersten Zeiten des menschlichen Geschlechts bis auf Christum, sein erhabenstes Werkzeug zur Verbreitung göttlicher Wahrheit unter den Menschen, durch die größten Geister erkennen, die je auf diesser Erde wandelten; denn die Offenbarung, die im Grunde, wenn man einmal Wundersames will, nicht <hi rend="italic">minder</hi> wunderbar ist, als <hi rend="italic">die Quenstedt's</hi>, <hi rend="italic">Calov's</hi> und <hi rend="italic">Hollaz's</hi>, ist die, deren Wirklichkeit bis zur Evidenz sich erweisen läßt, weil jeder Mensch in seinem Geiste und dessen Lichtblicken in das Geisterreich in Stunden frommer Andacht sie findet.“ — Der Verf. nimmt — um zu einem Resultate über diesen vielbesprochenen Gegenstand zu gelangen — eine <hi rend="italic">dreifache</hi> Offenbarung Gottes an; 1) die durch das Werk der <hi rend="italic">Schöpfung</hi>, in welcher „die größten Religionsstifter und Weisen einen Spiegel des Göttlichen erkannten, und an ihn, dasselbe symbolisch zu schauen, die Menschen führten.“ „Diese Offenbarung — fährt der Verf. (S. 89) fort — ist aber <hi rend="italic">sich selbst unbewußt</hi>, gleichend dem Werke, das der Künstler schafft, und das, obgleich durch die Hieroglyphen seiner Form an den Geist redend, doch von dem Allen nichts weiß etc. In dem Menschen, in seiner <hi rend="italic">Vernunft</hi>, deren Ideen in der Phantasie als anschauliche Bilder sich abspiegeln, im Gemüthe Wärme und Leben empfangen, und durch den Willen als That sich zeigen, erhebt sich jene unbewußte Offenbarung zu einer <hi rend="italic">sich selbst bewußten</hi> etc. Es ist dieß 2) die Offenbarung Gottes durch die <hi rend="italic">Vernunft</hi> etc.“ Hier hätten wir gewünscht, der Hr. Verf. wäre — ob er gleich S. 90 noch Einiges Bezügliche beibringt — etwas tiefer eingegangen, hätte den so oft und häufig noch jetzt mißverstandenen Begriff der Vernunft in religiösen Dingen schärfer entwickelt, und die Unzertrennlichkeit desselben von der Religion und ihrem innersten Wesen noch specieller und |Sp. 1467| einleuchtender nachgewiesen. „Inwiefern — läßt sich der Verf. weiter vernehmen — die Mehrzahl der Menschen sich nicht durch Vernunftgründe zum Glauben an das Ewige zu erheben vermag — insofern reicht die Vernunftkenntniß des Göttlichen nicht allein aus, sondern es bildet sich erst mittels mündlicher Ueberlieferung, dann mittelst der Schriftsprache eine <hi rend="italic">Geschichte</hi> der Religion etc.“ Dieß ist die Offenbarung Gottes 3) durch die <hi rend="italic">Geschichte</hi>. „Wenn — sagt der Verf. S. 91 — die religiöse Betrachtung der sichtbaren Natur uns zu Gott führt,———— wie sollten wir nicht noch vielmehr Gott finden in seiner höhern Enthüllung in der Geschichte der religiösen Einsichten des Menschen, und in den eminenten Geistern, durch die er die verschiedenen Völker und Zeitalter zu reiner Einsicht in das Ewige emporführt? etc. — Wir verweisen zu näherer Verständigung über diesen, vom Verf. hier berührten Gegenstand, auf die gehaltvolle Abhandlung desselben in der „<hi rend="italic">Zeitschrift für evangel. Christen- und Kirchenthum etc</hi>.“ Eisenberg, bei Schöne, Jahrg. 1834, Februar-Heft, S. 73 s. „Die dreifache Offenbarung Gottes an die Menschen etc.“ Möge der Hr. Verf. sein dort gegebenes Versprechen, in einer besonderen Schrift diesen wichtigen Gegenstand weiter auszuführen, wahr machen! — Ref. theilt — wenn er auch in manchen hierher gehörigen Nebenpunkten von ihm abweicht — mit dem Verf. die volle Ueberzeugung, daß erst dann, wenn — wie ein anderer Mitarbeiter an der angeführten beachtenswerthen Zeitschrift (Dr. <hi rend="italic">Müller</hi> zu Bucha bei Jena) 1834, Märzheft S. 169, in dem Aufsatze: „über die Theilnahme des Publikums an den theol. Streitigkeiten unserer Tage“ — in ähnlicher Weise sehr wahr bemerkt — „die edle Mitte eines <hi rend="italic">vernünftig religiösen</hi> Denkens, eines <hi rend="italic">frommen</hi>, <hi rend="italic">festen Glaubens</hi>, einer innigen <hi rend="italic">gefühlvollen</hi> Erhebung des andachterfüllten <hi rend="italic">Gemüthes</hi> in schönem Einklange verbunden im Menschen sich darstellt, er <hi rend="italic">allseitig</hi> die Bestandtheile der Religion klar in sein Bewußtseyn aufnehmen, und in und aus sich so ein wahrhaft religiöses Leben gestalten“ und nur auf diese Weise der wahre Vereinigungspunkt aller drei theol. Systeme ermittelt werden könne, während durch starres Festhalten an dem einen oder dem andern, das Wahre zuletzt immer ungesehen und unerkannt in der Mitte liegen bleibt. Wohin der einseitige Rationalismus, Supernaturalismus und Mysticismus führe und unvermeidlich führen müsse, zeigen die verderblichen Extreme, welche alle drei in ihrer Schroffheit geltend gemachte Systeme, erzeugt haben, während da, wo das <hi rend="italic">echt christliche</hi> Element des einen sich dem Wesen des andern mittheilte, und dieses vervollständigte, das Ziel weit leichter und sicherer erreicht wird. So sehr und oft man auch die Inkonsequenz, welcher man sich durch dieses Verfahren schuldig mache, hervorgehoben hat, so ist doch nicht zu verkennen, daß diese gerügte Inconsequenz nur eine — <hi rend="italic">scheinbare</hi> ist, indem alle drei Auffassungsweisen der Religion in ihrer vermeintlichen Consequenz durchgeführt, zuletzt doch immer nur — <hi rend="italic">einseitig </hi>sind und bleiben. Sehr richtig bemerkt der Verf. (S. 93 f.), daß „auf dem genommenen Standpunkte die Unterscheidung zwischen einer <hi rend="italic">mittelbaren</hi> und <hi rend="italic">unmittelbaren</hi> Offenbarung Gottes als <hi rend="italic">nichtig</hi> völlig verschwinden etc. Der Gegensatz zwischen <hi rend="italic">natürlich</hi> und <hi rend="italic">übernatürlich</hi> kann bloß für den <hi rend="italic">beschränkten</hi> Menschenverstand eine scheinbare Bedeutsamkeit haben, da er lediglich in ihm begründet ist.“ „Darin — fährt er (S. 95) fort — ruht das höchste Kriterium der Göttlichkeit des Christenthums, daß weder vor ihm noch nach ihm eine gotteswürdigere, vernunftgemäßere, in ihren Wirkungen segensreichere Religionslehre aufgestellt worden ist etc.“ — Hierauf kommt der Verf. (S. 96-105) auf die nähere Beantwortung der Frage: <hi rend="italic">Worin besteht der hohe Werth und der Charakter der Göttlichkeit der heil. Schrift auf dem Standpunkte des Rationalismus? In wiefern kann er die Bibel als Religionsurkunde, als Regula fidei betrachten? </hi>und setzt in diesem Bezuge den Werth derselben 1) theils in ihr hohes Alterthum, theils in die historische Merkwürdigkeit des Christenthums; 2) in die Erhabenheit der in ihr enthaltenen Religionslehre und 3) in die der heil. Schrift eigenthümlichen Darstellung dieser erhabenen Religionslehre.</p>
         <p>Nachdem der Verf. (S. 109 f.) die Verirrungen berührt hat, die man sich in älterer und neuerer Zeit bei der Erklärung der heil. Schrift zu Schulden kommen ließ, redet er mit Fug und Grund der „historisch-grammatischen Interpretation, geleitet von |Sp. 1468| frommen, für das Heilige offenem Sinne“ (S. 111 f.) das Wort. „Nein, — sagt er (S. 113) — die freieste historisch-grammatische Schriftforschung begehren wir; je freier, desto besser; denn desto klarer wird der Schrift wahrer Sinn erkannt, desto sicherer und gewisser Wahn und Menschensatzung abgestreift aus alter und neuerer Zeit, die wie Rost in den Stahl sich gelegt haben, und fortwährend legen, um das reine Bibelwort, und um die Ideen des Heiligen und Göttlichen, das in ihm enthalten ist etc.“</p>
         <p>Interessante Winke ertheilt der Verf. ferner und an rechter Stelle über die „biblischen Predigten (S. 114 — 118),“ und wir empfehlen diesen Abschnitt namentlich jüngern Predigern zur Beherzigung auf das Angelegentlichste. — Die Klage des Hrn. Verf.'s über den <hi rend="italic">Perikopenzwang</hi> (S. 119 f.) ist theilweise nicht ungegründet: obwohl Hr. Dr. W. wieder zu weit geht, indem er über die älteren Perikopen völlig den Stab bricht. Zugegeben, daß mehrere derselben höchst unfruchtbar sind, und bedeutungslos und störend in den Lauf des Kirchenjahrs eingreifen, häufig dieselben Lehren wiederholen u. s. w., so möchte doch schwerlich in Abrede zu stellen seyn, daß sich in dieser ehrwürdigen, alten Perikopensammlung im Ganzen denn doch der Kern des Christenthums vorfindet, so mangelhaft hie und da auch die Auswahl seyn mag. Allerdings ist das Bedürfnis anderweitige reichhaltige Abschnitte der heil. Schrift zur gemeinsamen Erbauung bei den öffentlichen Gottesverehrungen zu benutzen, sehr fühlbar, demselben aber auch vielfach schon abgeholfen worden. So schätzbar und willkommen indessen auch solche neue Perikopenbücher sind, so werden sie doch die in vieler Hinsicht musterhafte alte Sammlung nicht ganz zu verdrängen im Stande seyn, und es ist eine sehr zweckmäßige Anordnung, welche unter andern von der kirchlichen Oberbehörde im Großherzogthum <hi rend="italic">Weimar</hi> getroffen ist, daß „die drei“ seit mehreren Jahren dort schon eingeführten „Jahrgänge neuer Evangelien, bei dem öffentlichen Gebrauche mit dem Jahrgange der alten immer in dem Maße abwechseln, daß der letztere jedes vierte Jahr die Reihe wieder eröffnet, und so unter den Materialien für die gemeinsame Erbauung auch fernerhin diejenige Stelle behauptet, auf welche er sowohl <hi rend="italic">durch sein hohes Alterthum,</hi> als durch seinen <hi rend="italic">vielfachen innern Werth</hi> so gerechte Ansprüche hat.“ Der Verf. protestirt aber <hi rend="italic">auch gegen alle und jede neuen</hi> Perikopensammlungen, als gegen „eine, mit dem Geiste des Protestantismus völlig unverträgliche — die Freiheit des Gebrauchs der heil. Schrift beschränkende Fessel etc.“, und sagt: „Der Geistliche, herüber einen <hi rend="italic">gegebenen</hi>, <hi rend="italic">vorgeschriebenen</hi> Text einen erbaulichen Vortrag zu halten vermag, ist gewiß auch im Stande, einen Text zu wählen, und wird über den frei, nach Zeit und Umständen gewählten, noch erbaulicher predigen, als über den ihm, wie einem Schüler, aufgegebenen.“ Ohne uns hier des Weitern über diese pro und contra so viel besprochene Sache zu verbreiten, so glauben wir doch bemerken zu müssen, daß diese „Fessel“, von welcher der Verf. spricht, zum Theil nur eine eingebildete ist. Denn ist die betreffende Auswahl der bibl. Texte nur zweckgemäß und mannichfaltig; werden, wie es namentlich bei dem Weimarischen Evangelienbuche der Fall ist, mehrere Jahrgänge angeordnet, und bleibt es dagegen dem Geistlichen unbenommen, nach Zeit und Umständen sich auch zuweilen freie Texte zu wählen; ist er nicht sklavisch an das Perikopenbuch gebunden: so wird er zuletzt doch weit besser daran seyn, als wenn er aus der großen Masse des in der Bibel zerstreueten Stoffs immer selbst auswählen soll, ja er würde sich nicht selten dadurch in eine gewisse Verlegenheit versetzt sehen, und überdieß leicht in den Fehler verfallen, nur zu solchen Texten seine Zuflucht zu nehmen, die seiner theologischen Denkart u. s. w. eben am meisten zusagen, ohne immer auf das eigentliche Bedürfnis seiner Zuhörer Rücksicht zu nehmen. — Dem <hi rend="italic">starren</hi> Perikopenzwange mag Ref. aber eben so wenig das Wort reden.</p>
         <p>Zum Schlusse gibt der Verf. noch einige Andeutungen über die Bibel als <hi rend="italic">Volksbuch</hi>, die Verbreitung derselben unter das Volk und ihren Gebrauch in der Volksschule, so wie über Bibelübersetzungen. — Anlangend den Gebrauch der Bibel in der Volksschule, so ist Ref. mit dem Verf. darin ganz einverstanden, daß er für diesen Zweck passende <hi rend="italic">Auszüge</hi> aus derselben, wie dergl. schon mehrere treffliche, namentlich von <hi rend="italic">Zerrenner</hi>, <hi rend="italic">Natorp</hi>, <hi rend="italic">Cannabich</hi>, <hi rend="italic">Dinter</hi>, <hi rend="italic">Engel</hi> u. A. vorhanden sind, wünscht und empfiehlt. Auch unterschreiben wir völlig, was |Sp. 1469| er (S. 129) beifügt: „Wenn indessen diese Auszüge doch eigentlich für das reifere Kindesalter sind, so bleibt eine neue Bearbeitung der bibl. Geschichte im Geiste und nach dem Plane <hi rend="italic">Hübner's</hi>, d. h. <hi rend="italic">erklärend</hi>, <hi rend="italic">erbauend</hi>, ein zeitdringender Wunsch. So viele Bearbeitungen der heil. Geschichte für die Schule wir auch besitzen, so kennen wir doch keine, die für unsere Zeit das wäre, was <hi rend="italic">Hübner's</hi> bibl. Historie für die ihrige war.“ Möchte sich ein Bearbeiter der bibl. Geschichte in der bezeichneten Art bald finden; er würde sich, wie der Verleger, der das Unternehmen unterstützen wollte, ein großes Verdienst um die gute Sache erwerben!</p>
         <p>Wer sollte nicht mit dem Verf. ferner die Verdeutschung der Bibel durch <hi rend="italic">Luther</hi> „ein herrliches Meisterwerk“ nennen, worin der große Mann nicht bloß seiner Zeit genug gethan, sondern dieselbe weit überflügelt hat;“ welcher Vernünftige aber auch nicht „die unselige abergläubische Lutherolatrie, die so viel Nachtheil brachte, um bis auf unsere Zeit sich heraufgezogen hat,“ verwerflich finden, da es ja „nach den Resultaten der dreihundert Jahr älteren Schriftforschung am Tage liegt, daß <hi rend="italic">Luther</hi> bei Verdeutschung der Bibel mannichfaltig irrte.“ Die neuere und neueste Zeit hat viele, mehr oder weniger gelungene, Uebersetzungen der Bibel aufzuweisen, unter denen die neuerlich von <hi rend="italic">de Wette</hi> erschienene, einen hohen Rang einnimmt. Dennoch aber ist die Aufgabe, „eine Übersetzung der h. Schrift, die für unsere Zeit und unser Volk das ist, was das Werk Luther's für seine Zeit war, noch nicht gelöst, der Preis noch nicht errungen;“ und — setzen wir mit dem Verf. hinzu — „es möchte sich, da unsere Zeit leider schon seit lange vorzugsweise <hi rend="italic">politischen</hi>, <hi rend="italic">irdischen </hi>Interessen verpfändet ist — eine Bibelübersetzung, welche die lutherische überböte, bei allem Streben das Mögliche zu leisten, sobald doch nicht erwarten lassen. — — Bis dahin aber, wo ein neuer <hi rend="italic">Luther</hi> seiner Zeit genug thut, mögen unsere Theologen nicht müde werden, die luther. Bibelübersetzung nach den Förderungen der Wissenschaft und der Sprache zu <hi rend="italic">bessern</hi>, wie der große Gottesmann selbst daran besserte fort und fort. Verständige und behutsame Fortbildung des Vorhandenen ist Aufgabe der Natur und des menschlichen Geschlechts. Verständige und behutsame Fortbildung ist der königliche Weg zum Ziele menschenmöglicher Vollendung.“ Schön und würdig schließt der Hr. Verf. seine Schrift mit dem frommen Ausrufe: „Heiliges Buch, das mit Ehrerbietung nennt, wer es erkannt hat, bleibe unsern Enkeln und unserer Enkel Enkeln, was Du jedem erleuchteten Verehrer des Göttlichen jetzt bist. Ziehe segnend, wie Gottes Sonne in der sichtbaren Welt, am Himmel der Geisterwelt Deine Bahn und bringe Erkenntniß der Wahrheit den Heiden und Christen! Zeuge überall von dem Göttlichen, dessen Joch sanft und leicht ist, und vereinige die Völker zur Anbetung Gottes im Glauben, in der Liebe und Hoffnung etc.!“</p>
         <p>Nach dieser mit möglichster Treue erstatteten Relation über diese ausgezeichnete Jubelschrift des geehrten Hrn. Verf.'s, die sich seinen früheren derartigen Schriften:<hi rend="italic"> Die Wahrheit wird Euch frei machen et</hi>c. zur Feier des 300jähr. Jubiläums der Protestation zu Speyer, Altenburg, 1829. <hi rend="italic">Zur Feier der Uebergabe der Augsburgischen Confession etc</hi>. Ebend. 1830, und Blicke in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zur Feier des 1800jährigen Jubelandenkens der Stiftung der christlichen Kirche im Jahre 1834. Eisenberg, bei Schöne — würdig anschließt, unterliegt es keinem Zweifel, daß er durch Herausgabe derselben sich ein namhaftes Verdienst um die wichtige Angelegenheit, welcher er seine Feder lieh, erworben hat; und da die Schrift, bei deren Anzeige und Besprechung wir einen etwas größeren, als den gewöhnlichen Raum, ihrer Bedeutsamkeit wegen, in Anspruch genommen haben und nehmen mußten, von <hi rend="italic">bleibendem</hi> Interesse ist, so verdient sie <hi rend="italic">in hohem Grade</hi> die vielseitigste Beachtung aller Geistlichen und gebildeten Bibelverehrer, und sollte von Keinem derselben ungelesen bleiben.</p>
         <p>Der Verleger hat, wie man dieß von seiner Offizin gewohnt ist, für eine treffliche äußere Ausstattung der Schrift gesorgt, und nur wettige Druckfehler hat Ref. darin angetroffen. S. 24: Justinus der Märt, st: Justinus, und S. 134: der Stein der Waisen, st: der Weisen. S. 12, Z. 19 v. o. muß es st. 1827:</p>
         <p>— 1829 heißen. T. <lb/><hi rend="normalweight">|Sp. 1470|</hi></p>
         </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <head>
            Anzeigen.</head>
         <p>(87) </p>
         <p>In der <hi rend="italic">Johann Palm'schen</hi> Verlagsbuchhandlung in Landshut ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben; Das neue Testament unsers Herrn und Heilandes Jesus Christi Aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext neu übersetzt und mit kurzen Anmerkungen erläutert von Dr. Joseph Franz Allioli. In zweierlei Formaten oder fünf verschiedenen Ausgaben.</p>
         <p>A. Groß-Oktavformat:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ausgabe</hi> I. mit vollständigem Commentar, (Velinpapier mit 13 Stahlstichen, Christus und die 42 Aposteln vorstellend) 3 Thlr. 8 ggr. oder 5 fl. 24 kr. rhein.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ausgabe</hi> II. mit vollständigem Commmtar, (Druckpapier mit denselben Stahlstichen) 2 Thlr. 12 ggr. od. 4 fl. rhein.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ausgabe</hi> III. mit vollständigem Commentar, (Druckpapier ohne Stahlstiche) früherer Preis 1 Thlr. 12 ggr. od. 2 fl. 24 kr., jetzt nur noch 1 Thlr. oder 1 fl. 45 kr. rhn.</p>
         <p>B. Kleinoktav oder Taschenformat:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ausgabe</hi> I. mit kurzen Noten und Anmerkungen, Velinpapier 20 ggr.</p>
         <p>oder 1 fl. 30 kr. rhn. <hi rend="italic">Ausgabe</hi> II. ohne Noten und Anmerkungen, Druckpapier 10 ggr. od. 45 kr. rhn.</p>
         <p>Es fehlte bis jetzt ganz und gar eine Uebersetzung des neuen Testaments, wie sie die katholische Kirche für ihre Glaubigen verlangt, und wie sie hiemit angekündigt wird.</p>
         <p>Das neue Testament ist das <hi rend="italic">erste</hi>, das <hi rend="italic">heiligste</hi> Christenbuch, davon wird jeder Katholik von Grund des Herzens überzeugt seyn. Dieß voraussetzend begnügt sich die Verlagshandlung nur mit der einfachen Versicherung, daß die hier angezeigte Uebersetzung dem Sinn und Geiste der Kirche vollkommen entspricht, und gleich dem alten Testamente die höchsten und hohen Approbationen, ja den Segen der Kirche für sich hat, was gewiß den hochwürdigen Herren Geistlichen, wie auch den Gläubigen im Volke eine Bürgschaft und ein Sporn seyn muß, dasselbe auf das kräftigste zu verbreiten, und dafür Sorge zu tragen, daß das neue Testament sich in jedem Haus, in jeder Hütte finde, und in keiner Schule ungelesen bleibe. </p>
         <p>Das <hi rend="italic">allgemeine</hi> Bedürfniß berücksichtigend, hat die Verlagshandlung getrachtet, durch verschiedene Ausgaben, theils zu den billigsten Preisen, das Buch selbst den Unbemittelten im Volke zugängig zu machen. Der Preis der <hi rend="italic">dritten</hi> Großoktav - Ausgabe ist, damit sie mit den kleinen billigen concurriren könne, bedeutend ermäßiget worden, <hi rend="italic">jedoch nur so lange als der Vorrath reicht</hi>, und man wolle daher Bestellungen auf dieselbe in möglichster Kürze machen.</p>
         <p>(88) Bei Unterzeichnetem ist erschienen und durch alle soliden Buchhandlungen zu beziehen:</p>
         <p>Handbüchlein für Messner und Schullehrer auf dem Land, um bei den gottesdienstlichen Handlungen, bei der Ausspendung der heil. Sakramente etc. genau dienen zu können. Von Fr. Christoph Höflinger, Benefiziat in Schwandorf. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Mit bischöfl. Approbation. Oktav. broschirt 18 kr. rhein, oder 4 gr.</p>
         <p>Augsburg, den 6. September 1837.</p>
         <p>K. Kollmann'sche Buchhandlung.</p>
       </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>.</p>
    </div>  
      </body>
   </text>
</TEI>

