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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 2. November 1837, Nro. 88</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher>Beata Mache</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="88">2. November 1837, Nro. 88</title>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-11-02</date>
                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            katholischen, und israelitischen Deutschland's. <lb/>Frankfurt a. M., den 2. November 1837. Nro. 88.</head>
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         <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p>
            <hi rend="bold">Uebersicht des Bestandes der Confessionen und ihrer Gotteshäuser im Königreich Preußen im J. 1834. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi> 
            <hi rend="italic">Asien. Mesopotamien</hi>. Collegium der Jesuiten. — <hi rend="italic">Frankreich. Paris</hi>; Ankunft des Erzbischofs von <hi rend="italic">Smyrna</hi>; erzbischöfl. Anordnung über die Kirchenmusik; Erziehung der Nachkommen des Herzogs <hi rend="italic">Alexander von Würtemberg</hi> in der kath. Religion; Proselytenmacherei der Genfer Evangelischen Gesellschaft unter den Katholiken Frankreich's. <hi rend="italic">Perpignan</hi>; protestantische Prediger. Al<hi rend="italic">b</hi>y; Volks-Andacht bei einer Hinrichtung. <hi rend="italic">Bordeaux</hi>; Vertreibung des Erzbischofs von <hi rend="italic">Saragossa</hi>. — <hi rend="italic">Deutschland. Preußen. Berlin</hi>; Verweigerung der Errichtung einer Nunciantur; Stiftungsfest der protestantischen Bibelgesellschaft; gefühltes Bedürfniß auch des Bibel-Verständnisses. <hi rend="italic">Breslau</hi>; die auswandernden Zillerthaler <hi rend="italic">Hirschberg</hi> (in Schlesien); Ankunft und Charakteristik der protestantischen Zillerthaler. <hi rend="italic">Stettin</hi>; Bau einer neuen katholischen Kapelle. Mü<hi rend="italic">n</hi>ster; Einführung der Dekanat-Verfassung, <hi rend="italic">Köln</hi>; religiöse Feier. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Begriff und Wesen der christlichen Liebe. Vom Pfarrer Hamann in Merzheim. <hi rend="italic bold">— </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Ueber den Geist des Talmuds. Von L. Löw, Rabbinats-Candidaten in Pesth. (Zweiter Beitrag.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi><lb/>|Sp. 1391| |Sp. 1392| 
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
                Uebersicht des Bestandes der Confessionen und ihrer Gotteshäuser im Königreich Preußen, im Jahre 1834.</head>
         <p>(Kameralistische Zeitung für das Königreich Preußen 1837 No. 39.)</p>
         <p><graphic url='http://www.steinheim-institut.de/wiki/images/Univ.-Kirch.-Ztg.088.png'>
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               Uebersicht des Bestandes der Confessionen und ihrer Gotteshäuser im Königreich Preußen, im Jahre 1834.
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            <lb/>|Sp. 1393|
         </p>
         </div>
         
         <div type="kn">
         <head>
       Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Asien.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Mesopotamien.</p>
         <p>Der Jesuiten-Orden, der bereits am Libanon festen Fuß gefaßt hat, wollte früher von Syrien aus eine Mission in Mitte der Chaldäer gründen. Gegenwärtig erhält man die Nachricht, daß nicht eine Mission, sondern ein vollständiges Collegium in Mesopotamien errichtet wird. Die Erbauung dieses Collegiums läßt den Plan des Jesuiten-Ordens durchblicken, vom Euphrat und Tigris aus eine Verbindung mit den Niederlassungen des Ordens in Ostindien zu bewerkstelligen, und so den ganzen südlichen Theil von Asien mit einer ununterbrochenen Reihe von Missionen und Collegien zu besetzen. In Indien, wo die tolerante Herrschaft der Engländer dem Orden völlig freie Wirksamkeit läßt, ist Calcutta der Mittelpunkt der Missionen, von wo aus die Jesuiten im vorigen Jahre in die Reiche Ava und Pegu eingedrungen sind. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(N. Würzb. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Frankreich.</p>
         <p>† <hi rend="italic">Paris</hi>, den 7. Oktbr. Hr. <hi rend="italic">Bonamie</hi>, Erzbischof von Smyrna, ist vor einigen Tagen hier eingetroffen. Dem Anscheine nach nimmt er die Stelle eines Superiors der Piepus-Congregation ein, wozu er durch seine Mitbrüder anstatt des Abbé <hi rend="italic">Coudrin</hi> berufen ist. Der h. Vater hat demselben erlaubt, das Gelübde der Congregation abzulegen. Für die Katholiken zu Smyrna ist diese Veränderung zu beklagen. Der fromme Prälat hatte daselbst Einrichtungen getroffen, die dadurch gestört, vielleicht wohl gänzlich erfolglos werden. Hr. <hi rend="italic">Pierre Marcelin Bonamie</hi> ist am 26. März 1798 zu Albas in der Diözese <hi rend="italic">Cahors</hi> geboren, trat in die Piepus-Congregation und war Direktor des Seminars von <hi rend="italic">Tours</hi>, als ihm das Bisthum <hi rend="italic">Babylon</hi> übertragen wurde. Er begab sich im Oktober 1833 nach der Levante, kam im darauf folgenden Januar zu Aleppo an, nachdem er die griechischen Inseln, Alexandrien und Cairo besucht hatte. Zu Aleppo verweilte er lange, weil er den Abgang einer Karavane abwarten mußte. Inzwischen änderte die Propaganda seine Bestimmung dahin, daß er im Februar 1835 zum Erzbischof von <hi rend="italic">Smyrna</hi> ernannt wurde. Daselbst hat er den Bau einer Kirche und eines Collegiat-Gebäudes begonnen.</p>
         <p>— Der Erzbischof von <hi rend="italic">Paris</hi> hat in den Kirchen seines Sprengels die Anwendung von Orchester-Musik untersagt. Die einzige Musik wird in diesen Kirchen hinfort die Vokalmusik und die Orgel bilden. Diese Maßregel scheint besonders gegen den Pfarrer der vielbesuchten Hofkirche, der von St. Roch, gerichtet zu seyn, in welcher bisher alle Sonntage die Musiker der Oper Kirchenmusik aufführten. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p>— den 11. Okt. Das von dem Erzbischof von <hi rend="italic">Paris</hi> an alle Pfarrer seiner Diözese gerichtete Verbot, von andern Instrumenten, als von der Orgel, in ihren Kirchen Gebrauch machen zu lassen, hat selbst unter dem Klerus der Hauptstadt eine starke Opposition aufgeregt. Vor einigen Tagen ließ Hr. v. <hi rend="italic">Quelen</hi>, der Erzbischof, alle Pfarrer der Hauptstadt zu einer Konferenz zu sich bescheiden; er entschloß sich endlich dazu, den Gebrauch der profanen musikalischen Instrumente bei gewissen Gelegenheiten zu gestatten. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Cass. Allg. Ztg.)</p>
         <p>— Sehr viele Departements=Generalräthe haben sich für die Abschaffung der Accidenzien und statt derselben für Erhöhung der Gehalte der katholischen Pfarrer ausgesprochen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Ztg.)</p>
         <p>† Mehrere Journale haben sich mit der Heirath der Prinzessinn <hi rend="italic">Marie</hi> mit dem Prinzen von <hi rend="italic">Würtemberg</hi> beschäftigt. Sie haben behauptet, es hatten Erörterungen über die Erziehung der aus dieser Ehe entspringenden Kinder stattgefunden. Der Courier sagt in dieser Beziehung:</p>
         <p>Man behauptet, der Prinz habe verlangt, alle Kinder sollten in dem protestantischen Glauben erzogen werden, welchem aber widersprochen worden, und wir glauben, mit Recht. Der Protestantismus darf den Katholizismus nicht an sich ziehen, überhaupt keine Religion über die andere herrschen wollen. Gleichstellung aller Glaubensbekenntnisse verlangt die Vernunft, die Gerechtigkeit und der Zeitgeist. Jeder Anschein von Uebergewicht auf der einen oder der andern Seite würde nur den Unduldsamkeitsgeist |Sp. 1394| nähren von dem, aller Erfahrung nach, kein einziger Kultus frei ist. Es gibt für gemischte Ehen unter Personen nichtfürstlichen Standes einen Gebrauch, die Kinder je nach dem Geschlechte in dem Glauben der Eltern zu erziehen und derselbe dürfte, da er allen Anforderungen entspricht, sich auch auf fürstliche Ehen anwenden lassen. Mit der Ehe der Prinzessinn <hi rend="italic">Marie</hi> wird es so gehalten werden, wie definitiv entschieden seyn soll und die Hochzeit wird dem Vernehmen nach am 12. k. M. vollzogen werden.“ — Es ist nicht wahr, daß ein solcher Gebrauch, oder eingeführte Regel für gemischte Ehen stattfinde, daß die Knaben in dem Glauben des Vaters, die Mädchen in dem der Mutter erzogen würden. Die <hi rend="italic">Kirche</hi> hat nie ihre Zustimmung zu einem solchen Gebrauche gegeben, von dem der Courier spricht; sie folgt einer gerade entgegengesetzten Regel. Die Dispensationen, welche sie zu gemischten Ehen ertheilt, lauten stets auf Erziehung der Kinder in der katholischen Religion und es läßt sich nicht annehmen, daß eine in derselben erzogene Prinzessinn, von der ihr gestellten Bedingung abgehen werde, und ihre Kinder im protestantischen Glauben erzöge.—Selbst abgesehen von der religiösen Ansicht, gibt es eine menschliche, wenn man will, die sich auf die Nationalehre bezieht. Man hat gesagt, der König von <hi rend="italic">Würtemberg</hi> habe verlangt, die Kinder, oder wenigstens ein Theil derselben sollte im protestantischen Glauben erzogen werden. Wir glauben schwerlich daran, zumal da jener Fürst unter seinen Ahnen so viele Katholiken zählt, der sehr gut wissen muß, daß noch im vorigen Jahrhunderte der 1737 verstorbene regierende Herzog von <hi rend="italic">Würtemberg</hi>, <hi rend="italic">Karl Alexander</hi>, Katholik war, eben so dessen Sohn <hi rend="italic">Ludwig Eugen</hi> und mehrere andere Personen seiner Familie. Hat aber übrigens der König von <hi rend="italic">Würtemberg</hi> irgend eine Vorschrift in einer in Frankreich zu vollziehenden Ehe zu ertheilen, oder an Ehegatten die Frankreich bewohnen werden? Würde man es dulden, daß ein fremder Fürst sich zum Gesetzgeber über Ehepakten machte, die einer von seinen unter uns wohnenden Verwandten einzugehen gesonnen wäre? Darin liege etwas Erniedrigendes für den National=Charakter. — Wir wollen nicht zweifeln, die Regierung werde den Gerüchten widersprechen, welche alle wahren Katholiken so tief betrüben.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Ami de la Religion)</p>
         <p>† den 20. Okt. Das Breve des h. Vaters, wodurch er der Prinzessinn <hi rend="italic">Marie</hi> die nothwendige Dispensation zur Eingehung einer rechtmäßigen Ehe mit einem Prinzen vom lutherischen Glaubensbekenntnisse ertheilt, enthält jedoch, gegen die Behauptung mancher Blätter, die Klausel, daß alle aus solcher Ehe entspringenden Kinder im Glauben der Mutter erzogen werden sollen. Der Herr Bischof von <hi rend="italic">Versailles</hi> hat die Entgegennahme des beiderseitigen Gelübdes deren, gegen die Behauptungen eben jener Blätter, ausdrücklich Erwähnung gethan und nicht sie mit Stillschweigen übergangen. Ein in der Kirche durch seine Tugenden so hoch gestellter Prälat, konnte, wie er es stets thut, durch seine Rede seinem Amte nur Ehre machen. Demnach hat er die Verpflichtung, die Klausel der Dispensation erfüllen zu müssen, ausdrücklich in Erinnerung gebracht, und eben so bestimmt den Wunsch ausgesprochen, keine Abweichung davon stattfinden zu lassen. — Das ist thatsächlich! — </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>† den 12. Oktbr. Aus allen vier Ecken <hi rend="italic">Frankreich's </hi>vernimmt man nur <hi rend="italic">einen</hi> Schrei der Entrüstung über die Proselytenmacherei des Protestantismus. Ueberall laufen Emissarien umher; sie theilen Bücher aus, sie suchen <hi rend="italic">arme</hi> Katholiken zu verleiten, sie sind besonders unter der ungebildeten Volksklasse thätig. Zu Orleans haben sie Traktate ausgetheilt, Arbeit und Unterstützung versprochen und sie schmeicheln sich, schon viele Anhänger gewonnen zu haben. Ist ein solcher Emissär ein sanftmüthiger gewandter Mann, so kann es nicht fehlen, daß er Einfältige hin und wieder an sich ziehe. — Diese Art protestantischer Propaganda handelt gegenwärtig ganz öffentlich. Vor Zeiten durfte sie ihr Wesen nur im Geheimen treiben. Der letzte in diesem Jahre erstattete Rechenschaftsablegungsbericht der evangelischen Gesellschaft zu <hi rend="italic">Genf</hi> benennt dreizehn Departements in denen sich ihre Thätigkeit ganz besonders bemerklich macht. Es sind die Departements; Cote d`Or, Doub, Isere, Jura, der obern Marne, Meurthe, Nord, Puy de Dome, Niederrhein, Ober-Saone, Saone und Loire, Vogesen und Yonne. In diesen Departements lassen sich vielfältige Beispiele protestantischer Umtriebe auffinden. Aber zu Paris und Lyon arbeiten sie mit viel größerer Ausdauer. |Sp. 1395| Beide Städte bilden gleichsam zwei verschiedene Mittelpunkte für ihre Wirksamkeit in den Provinzen. Dort haben sie aber auch machtige Beschützer, Comités, Correspondenz-Bureau's etc. Staatsbeamte, Banquiers, vornehme Damen stehen an der Spitze dieser Bewegung. Alles wird aufgeboten, überall sucht man sich zu insinuiren, die Zahl der zu vertheilenden Bücher wird verdoppelt, man hält den Augenblick für günstig, glaubt, ohne Zaudern ihn ergreifen zu müssen, und in der That zeigt sich unter Predigern und Colporteurs eine ungewöhnliche Regsamkeit. Freilich werden Gerüchte ausgestreut, der gehabte Erfolg wird übertrieben und dieß benutzt, dem Unwissenden Sand in die Augen zu streuen. Die evangelische Gesellschaft von <hi rend="italic">Genf</hi> prunkt damit, in Frankreich 303 Bibeln und 6300 Neue Testamente vertheilt zu haben; sie spricht von dem Herumtragen als von einem der ältesten ihrer Kunstgriffe. Im ersten Jahre hatte sie nur <hi rend="italic">sieben </hi>Exporteurs, gegenwärtig beschäftiget sie deren <hi rend="italic">ein</hi> und <hi rend="italic">zwanzig</hi> unter dem Namen <hi rend="italic">Friedensboten</hi>. — „Elf Departements — sagt der Rechenschaftsbericht — sind durchgangen worden. Im Saone- und Loire-Departement war der Absatz am reichlichsten; je mehr man nach Nordwesten vordringt, je mehr scheint sich der dicke <hi rend="italic">papistische Nebel</hi> zu legen. In Lothringen, das zu viel Hoffnungen berechtiget, leiten das Herumtragen die HH. Mounier und <hi rend="italic">Baucher</hi>; doch aber beschäftiget das Saone- und Loire-Departement die meisten evangelischen Arbeiter. Vor <hi rend="italic">drei </hi>Jahren mit <hi rend="italic">drei</hi> Arbeitern angefangen, zählt es gegenwärtig schon <hi rend="italic">fünf</hi> Hauptstationen, die unter Leitung von fünf Predigern stehen.“</p>
         <p>So trägt die Genfer evang. Gesellschaft ihre Proselytenmacherei öffentlich zur Schau. Aber mit welchem Fug und Rechte beutet sie solcher Gestalt unsere Departements aus, macht sie unsere katholische Bevölkerung irre in ihrem Glauben? Sie nennt ihre Austräger „Friedensboten“ und doch sollten sie eher Boten der Zwietracht und Uneinigkeit heißen. Sie werden in ganz kathol. Kirchspiele entsendet; Prediger und Austräger wenden sich an Katholiken, deren Glaube und Gottesdienst lächerlich gemacht wird. Heißt das nicht Beunruhigung und Gewissensstörung zu Wege bringen? — Der 52 Artikel des organischen Gesetzes verbietet den Geistlichen jede direkte und indirekte Einmischung in den Kultus anderer Glaubensgenossen, die von dem Staate geduldet werden. Was nun Pfarrern nicht erlaubt ist, dürfen das protestantische Geistliche thun? Sind diese nicht demselben Verbote unterworfen? Welches Geschrei würde erhoben werden, wenn katholische Missionarien in ganz protestantischen Gemeinden predigen wollten! — Ohne Zweifel wäre von einem strafbaren Fanatismus die Rede. Man würde das Strafrecht des Staates gegen solche Proselytenmacherei aufrufen. Und wie? — Dürfen nun Protestanten ungestraft das thun, was man Katholiken als eine strafbare Verwegenheit anrechnen würde? Das ist wahrhaftig eine monströse Parteilichkeit und es ist fast unglaublich, daß die Staats-Behörde solchen Mißbräuchen durch die Finger sieht. — Man überlege nur, welche schweren Inconvenienzen aus so falscher Politik hervorgehen können. Ein protestantischer Prediger kommt in eine katholische Gemeinde; es gelingt ihm, einige Personen zu verleiten; es entsteht dadurch schon Familien - Zwiespalt. Auf der einen Seite erklärt man sich für den neuen Kultus, auf der andern Seite hängt man an dem alten; die Gemüther erhitzen sich; man kommt zum Streit; die Katholiken beschweren sich, daß ein Fremder Zwiespalt unter ihnen errege, ihren Glauben beschimpft, ihren Gottesdienst lächerlich mache. Dennoch setzt der Ankömmling seine Predigten fort. — Wer kann dafür einstehen, ob nicht öffentlicher Krieg zwischen beiden Parteien ausbricht, daß es nicht zu Thätlichkeiten kommt, daß nicht die Katholiken, in ihren innersten Interessen verletzt, den Prädikanten verjagen, oder die von Emissarien aufgereizten Protestanten den Pfarrer vertreiben? — Wem nun aber muß man anders die Veranlassung zu solcherlei Gewaltthätigkeiten zuschreiben, als den Behörden, welche dem zudringlichen Eifer einer Gesellschaft, wie die Genfer evangelische ist, freien Lauf lassen? Dürfte man diese Gesellschaft nicht bitten, zu Hause zu bleiben? — Gebietet eine gesunde Politik den Behörden nicht, Vorkehrungen gegen mögliche Unruhen zu treffen? — Es wird zu spät seyn, zur Einsicht zu kommen, wenn das Uebel geschehen ist. — </p>
         <list type="ordered">
            <item>d. l. R.)</item>
         </list>
         <p>— Sobald die Verschönerungs-Arbeiten in der Pariser Madeleine-Kirche vollendet sind, wird sie der protestantischen Augs- |Sp. 1396| burgischen Confession übergeben, welche bis jetzt, obgleich ihre Zahl in Paris 20,000 beträgt, bloß Eine Kirche in der Straße des Billettes besaßen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p>† <hi rend="italic">Perpignan</hi>. Der Hr. Bischof von <hi rend="italic">Perpignan</hi> hatte sich vor einiger Zeit in einer Denkschrift über die Bewegungen der Protestanten in seiner Diözese beklagt. Gegenwärtig werden West Bewegungen durch die Local-Behörde begünstiget. Ein protestantischer Prediger nimmt Abends die Mairie ein, und predigt daselbst. Man hat den General gebeten, die Soldaten dahin gehen zu lassen. Dieser Geist der Proselytenmacherei wird die katholische Einwohnerschaft an ihrem Glauben irre machen; er ist zu bedauern, und die Behörde, welche ihn beschützt, befolgt eine ganz falsche und gefährliche Politik. </p>
         <list type="ordered">
            <item>d. l. R.)</item>
         </list>
         <p>
            <hi rend="italic">Alby</hi> (Hauptort des Tarn-Departements und Heimath der Albigenser). Hier fand kürzlich eine Hinrichtung Statt, bei welcher sich das Volk auf eine, gegen das sonstige rohe Herzudringen des gebildeten und ungebildeten Pöbels zu solchen Szenen sehr erfreulich kontrastirende, Art benahm. Nachdem der Verbrecher, dessen furchtbare Thaten noch in Aller Gedächtniß lebten, auf dem Schaffote Worte tiefer Reue ausgesprochen, und zum Gebet niedergekniet war, fiel die ganze Versammlung auf die Kniee, und verharrte so in Andacht, bis die Hinrichtung vorüber war, worauf sie in Stille auseinander ging. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(N. Würzb. Ztg.)</p>
         <p>† <hi rend="italic">Bordeaux</hi> im Okt. Im Anfang d. M. ließ die Central-Polizei-Commission zu Bordeaux dem Hrn. <hi rend="italic">Caballero</hi>, Erzbischof von <hi rend="italic">Saragossa</hi>, andeuten, sich ehebaldigst nach <hi rend="italic">Tours </hi>zu begeben und seitdem hat sie ihm eine achttägige Frist dazu gesetzt. Der Prälat hat diesen Schlag mit Ruhe ertragen, aber es sind deßwegen vielfältige Vorstellungen an dem Minister gemacht worden. Der hohe Würdenträger ist alt und hat Alles verloren. Seine Einkünfte sind eingezogen und letzthin noch hat man das ihm übrig gebliebene geringe Mobiliar zu Saragossa verkauft. Die französische Regierung gibt ihm nichts, und er lebt rein von der Mildthätigkeit des Hrn. Erzbischofs und des Seminars. Der Herr Kardinal <hi rend="italic">von Cheverus</hi> erreichte bei einer andern Gelegenheit die Zurücknahme eines ähnlichen Befehls. Man darf sich überzeugt halten, daß der Hr. Erzbischof von <hi rend="italic">Saragossa </hi>weit entfernt ist, zu konspiriren. Es sind nicht die Bischöfe die Komplotte schmieden, und sowohl das Alter, als der Charakter und die Tugenden dieses Erzbischofs könnten es seinen Feinden wohl an die Hand geben, <hi rend="italic">ihn zu vergessen</hi>.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ami de la Religion)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Deutschland.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Preußen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Berlin</hi>, den 14. Okt. Der päpstliche Unterstaatssekretär <hi rend="italic">Capazzini</hi>, der vor Kurzem eine Reise durch Deutschland gemacht hat, soll in Berlin Schritte zur Errichtung einer Nuntiatur (päpstlichen Gesandtschaft) für Norddeutschland gethan, aber keine günstige Antwort erhalten haben; wenigstens, sagt man, soll der Vorschlag auf unbestimmte Zeit hinaus abgelehnt worden seyn. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Weimar. Ztg.)</p>
         <p>— Am 11. d. Mts., Nachmittags, feierte die preuß. Haupt-Bibel-Gesellschaft ihr 23stes Stiftungs-Fest in der hiesigen Dreifaltigkeits-Kirche mit Gesang, Gebet und Predigt. Durch ein vom zeitigen Mitdirektor der Gesellschaft, dem Herrn Professor Dr. <hi rend="italic">Neander</hi> verfaßtes Programm „Erinnerungen an Marco Antonio Flaminio und das Aufkeimen der Reformation in Italien“ war zu dieser Feier eingeladen worden. Der vorgelesene Bericht über die letztjährige Wirksamkeit der Gesellschaft ergab, daß von derselben im abgelaufenen Geschäftsjahre vertheilt worden 11,965 Bibeln, 964 Neue Testamente; während ihres 23jährigen Bestehens 242,216 Exemplare heiliger Schriften, und von ihren Töchter-Gesellschaften 644,012, in Summe 888,228 Exemplare. Am Schlusse dieser Feier wurden 100 arme Schulkinder mit Bibeln beschenkt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Berl. Ztg.)</p>
         <p>— Hiesigen Nachrichten zufolge, hat die preußische Hauptbibelgesellschaft, an deren Spitze bekanntlich nicht nur mehrere der nahmhaftesten dortigen Prediger, sondern auch einige bedeutende Staatsmänner stehen, sich an das Ministerium der geistlichen Angelegenheiten mit dem Gesuche gewendet, daß diese hohe Behörde zunächst für Berlin, sodann aber auch für den übrigen Bereich der Hauptbibelgesellschaft die Einrichtung besonderer |Sp. 1397| Bibelstunden genehmigen wolle, in welchen, etwa Abends von 6—7, oder von 7—8 Uhr, von den Predigern die heilige Schrift in ihren einzelnen Theilen <hi rend="italic">erklärt</hi> würde, damit so an den großen Segen der heutigen Bibeiverbreitung sich der noch größere Segen eines allgemeineren <hi rend="italic">Bibelverständnisses</hi> knüpfen möge! </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Kirchenztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Breslau</hi>. Unser Land wird nun, wie ich aus öffentlichen Blättern ersehen habe, eine neue religiöse Colonie erhalten. Ich bin begierig, zu welcher Partei die einwandernden Zillerthaler sich halten wollen, oder ob sie nach ihrer Weise eine eigene und gesonderte Schattirung in dem vielfarbigen Protestantismus bilden werden. Vielleicht wenden sie sich zu der sogenannten evangelisch-lutherischen Kirche Schlesiens, die da und dort von den Todten aufzuerstehen sich abmühet. Dieß dürfte jedoch schwerlich gestattet werden, da gegen die Nichtunionisten, wie diese so laut und öffentlich klagen, und wie auch schon faktisches Einschreiten gegen sie bewiesen hat, keine besondere Vorliebe sich bewährt. Wie es scheint, hat man den Zillerthalern kein Glaubensbekenntniß abgefordert, sondern sich mit deren Protestation gegen die katholische Kirche begnügt, und wird dann von der Zeit und den sich ergebenden Einwirkungen abwarten, in welcher Weise ihr angeblich evangelischer Glaube zum Durchbruche kommen werde. So viel scheint inzwischen gewiß, daß der im Protestantismus wirksame Mysticismus in starkem Verkehre mit den Zillerthalern gestanden und dieselben zu dem nun geschehenen Schritte verleitet habe. Dem sey jedoch wie ihm wolle, Tyrol ist nicht zu bedauern wegen der Auswanderung, und Schlesien nicht zu beneiden wegen der Einwanderung dieser eigenthümlichen religiösen Colonie. Das erstere Land wird von unzufriedenen, unruhigen und in mehrfacher Beziehung ihrem Vaterlande nachtheiligen Menschen befreit; und das andere Land erhält eine Vermehrung seiner so verschiedenartigen und mitunter sich wenig befreundeten Glaubensparteien.</p>
         <p>Das Ereigniß scheint mir indessen noch eine andere, sehr zu beachtende Bedeutung zu haben. Unser frommer König hat sich, was auch schon öffentlich zur Sprache gekommen ist, mit seinem ganzen königlichen Einflusse der gegen die katholische Kirche protestirenden Zillerthaler angenommen, um denselben die öffentliche Religionsübung nach ihrer Ueberzeugung zu vermitteln, und es ist der bekannte Hofprediger <hi rend="italic">Strauß</hi> an den kaiserlichen Hof nach Wien gesandt worden, um den protestirenden Zillerthalern die Erfüllung ihrer Wünsche zu erwirken. Auch wurden von den Zillerthalern selbst Abgeordnete nach Berlin geschickt, die bei dem Könige eine Audienz erhielten, und Gewährung ihrer Bitte, nach Preußen auswandern zu dürfen, erlangten. Sie werden nämlich auf königliche Kosten nach Erdmannsdorf gebracht, wo sie Aecker und Geräthschaften, sammt den bei der ersten Einrichtung nöthigen Subsistenzmitteln erhalten sollen. Diese Aufnahme und Unterstützung, welche den Zillerthalern, die mit der katholischen Kirche keine Gemeinschaft haben wollten, und in Tyrol keinen andern Cultus ausüben durften, von Seiten unseres Königs zu Theil geworden ist, wird bei Jedermann, welcher die Ueberzeugung Anderer zu dulden und zu ehren weiß, die ehrenhafteste Anerkennung finden. Nicht weniger ehrenhafte Anerkennung wird der österreichischen Regierung zu Theile werden, welche den protestirenden Zillerthalern die Auswanderung in andere österreichische Länder gemischter Religion und zuletzt nach Preußen gestattet hat. Setzen wir nun aber den Fall, eine <hi rend="italic">katholische</hi> Gemeinde fühle sich bedrückt und könne, gehemmt durch ihre protestantische Regierung, nicht ihre religiösen Bedürfnisse befriedigen; wünsche diese Hemmungen beseitigt, finde aber keine Erhörung bei ihrer Obrigkeit, oder viele Familien, welche früher einer protestantischen Confession angehört haben, nun aber in der katholischen Kirche allein die Wahrheit, und somit ihr Heil zu finden glauben, und darum eine katholische Gemeinde bilden wollen, darin aber von ihrer protestantischen Landesbehörde gehindert werden; wo werden in diesen und ähnlichen Fällen solche Bedrängte, um Hilfe zu finden, sich hinwenden können? Nach diesem Beispiele der väterlich protestantischen Obsorge, welches unser hochverehrter König gegeben hat, könne es fortan nicht auffallen, wenn auch katholische Fürsten von katholischen Unterthanen protestantischer Regierungen um gleiche Vermittelung und Hilfe angeflehet würden. Und katholische Fürsten werden gewiß im Hinblicke auf Preußen's erhabenen König, es ebenfalls als eine Ehre und Pflicht ansehen, |Sp. 1398| bedrängter Katholiken durch thatkräftigen Beistand sich anzunehmen. Auf diese Weise wird sich ein völkerrechtlicher Schutz für die christlichen Confessionen und die katholische Kirche in den Fürsten Europa's bilden, und allen Glaubensgenossen wird ihr äußeres Recht sonach gesichert seyn und bleiben. Diese Begründung einer äußern Rechtssicherung könnte für die kathol. Kirche, welche seit Dezennien zahllose Beeinträchtigungen hat erdulden müssen, nur willkommen seyn, und ihr zur Erringung der durch die feierlichsten Verträge ihr zugesicherten Rechtsverhältnisse die erwünschte Hilfe gewähren. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Katholik)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Hirschberg</hi> (in Schlesien), Anfangs Oktober. Die Uebersiedelung der evangelischen Christen aus dem <hi rend="italic">Zillerthale</hi> in <hi rend="italic">Tyrol</hi> in unser Riesengebirge, welche durch die Gnade unsers allerhöchsten frommen Monarchen Statt findet, ist ein eben so merkwürdiges, als auch rührendes Ereigniß. Wir behalten uns vor, nächstens Näheres über unsere neuen Mitbewohner des Gebirges und evangelischen Glaubensgenossen mitzutheilen. Heute veröffentlichen wir nur, daß zwei Züge derselben bereits durch Böhmen in Schmiedeberg angelangt und dort bis auf's Weitere domicilirt worden sind. Der erste Zug, 116 Personen, langte den 20. September und der zweite aus 218 Personen, nebst 23 Wagen und 6 Karren, den 23. Sept. dort an. Ein dritter Zug wird noch erwartet. Es sind biedere Leute und ihre Gutmütigkeit findet vielen Anklang. Am Sonntage, den 24. September, wohnte ein großer Theil dieser Angekommenen dem Gottesdienste in der evangelischen Kirche zu Schmiedeberg bei; es war ein herzerhebender Anblick! Freude, Andacht und Rührung beseelte sie auf's Innigste. Sie dankten Gott gewiß aus recht vollem Herzen, Hr. Pastor <hi rend="italic">Süßenbach</hi> hielt in Bezug auf dieses Ereigniß ein kräftig-schönes Gebet und Hr. Pastor <hi rend="italic">Neumann</hi> eine treffliche Rede, in welcher er die dasige Gemeinde ermahnte, die Tyroler Mitchristen mit christlicher Liebe und Freundlichkeit aufzunehmen und zu Gemüthe führte, solche Prüfungen nicht ungeschützt zu lassen, indem er darlegte, welche Kraft des Glaubens dazu gehöre“ Vaterland, Haus, Hof, Eltern, Geschwister, Fremde, Kinder und alles, was der Mensch lieb im Leben hat, zu verlassen, um freie Gewissens- und Glaubensfreiheit zu erlangen.</p>
         <p>Ein anderer Referent theilt Folgendes mit:</p>
         <p>So eben komme ich von einem Besuche bei den Zillerthaler Protestanten, denen einstweilen Schmiedeberg als Aufenthaltsort angewiesen worden ist, und ich wünschte wohl, den ersten Eindruck so warm und frisch auf dem Papiere wiedergeben zu können, wie ich ihn in der Wirklichkeit empfangen habe. Ich kann diesen in seiner Gesammtheit als wehmüthig-rührend und erquicklich-erhebend zugleich bezeichnen. Wehmüthig bleibt immer die Erscheinung eines unverdorbenen Naturmenschen, der aus dem mütterlichen Boden, in welchem er mit allen seinen Lebensfasern tief gewurzelt stand, mit einem Male herausgerissen und in ein anderes Erdreich verpflanzt wird. Ich glaube kaum, daß dieses Gefühl bei den schlichten, von aller krankhaften Sentimentalität weit entfernten Menschen zum klaren Bewußtseyn gekommen ist; es sprach sich aber instinktartig ziemlich deutlich aus in der etwas gedrückten, fast ängstlichen äußeren Erscheinung der sonst so kräftigen und zutrauenerregenden Gesichtszügen der Männer, Herzerhebend und erquickend aber war der Anblick dieser einfachen Naturen, in deren Physiognomien deutlich zu lesen stand, daß in ihnen kein Arg und Falsch wohne.</p>
         <p>Wahrlich, zu einer Zeit, wo oft das hohle Gespenst innerer Nichtigkeit und selbstsüchtiger Gemeinheit die Larve frömmelnder Gleisnerei vorsteckt, kann nichts wohlthuender seyn, als der Anblick solcher Menschen, die in einem abgeschiedenen Winkel der Erde mit der alten schlichten Einfalt der Väter, sich ein Kleinod des Herzens bewahrten, das ihnen über alle irdischen Güter geht und das sie mit so schweren Opfern sich zu erhalten suchen. Die lauten Wortführer im Kampfe zwischen Licht und Finsterniß mögen in den eigenen Busen greifen und sich fragen, ob sie ihren Ideen ähnliche Opfer zu bringen im Stande wären, als die schlichten, einfältigen Zillerthaler. Doch zur Sache.</p>
         <p>Die Veranlassung zu meinem Besuche war eine angesagte Kirchenfeier, die für die Zillerthaler in der Schmiedeberger evangelischen Kirche Statt finden sollte. Mehrere Bewohner des benachbarten Hirschberg's hatten sich ebenfalls auf den Weg ge- |Sp. 1399| macht, worunter auch der Superintendent der Hirschberger Diöcese. Aber gleich beim ersten Eintritt in das langgedehnte Schmiedeberg sahen wir, daß von einer nahe bevorstehenden Kirchenfeier nicht die Rede seyn könne, indem die guten Zillerthaler in einem nichts weniger, als kirchlichen Aufzuge einherwandelten. Zugleich bemerkten wir, daß wir's nicht mit den malerisch, mitunter theatralisch costümirten Tyrolern zu thun hatten, wie man sie im Lande umherziehen zu sehen gewohnt ist; vielmehr erinnerten die groben, braunen Kittel und breitkrämpigen schwarzen Hüte an die slowakischen Topfbinder. Dagegen sprachen der kräftige, breitschulterige Wuchs der Männer, so wie ihre treuherzigen, frommbiedern Züge gleich beim ersten Anblicke zu ihren Gunsten. Der Grund der aufgeschobenen Feier war das Ausbleiben des erwarteten dritten und letzten Zuges der Zillerthaler, welche Tags zuvor ankommen sollten, die aber aus unbekannten Ursachen nicht eintrafen. Gleich in der ersten Unterredung mit mehreren Zillerthalern konnten wir das treuherzige offene Wesen, den schlichten einfältigen Sinn, das kindlich-vertrauende Gemüth unverdorbener Naturmenschen kennen lernen. Sie erzählten uns die Leiden ihrer Reise, wie mitunter mehrere ohne Obdach haben übernachten müssen, hie und da mit Fingern nach ihnen gewiesen, selbst mit Steinen nach ihnen geworfen worden ist. Oft wurden die Stellen, wo sie gesessen, als wären sie dadurch verunreinigt worden, vor ihren Augen gewaschen. So unglaublich die Sache klingt, so ist doch jede poetische Übertreibung von dem redlichen Sinne der Erzähler so fern, daß man sich schwer entschließen kann, ihnen den Glauben zu versagen. In allen Aeußerungen offenbarte sich ein gerader, gesunder Verstand, ein frommer, gottvertrauender Sinn ohne irgend eine Spur von Ostentation, ohne einen frömmelnden Beischmack. Daß sie mit der Bibel vertraut sind, ist anderweitig schon bekannt und sie lassen es sich angelegen seyn, in den eigenen Besitz einer Bibel zu gelangen. Wir fragten dann nach der Wohnung des Johann <hi rend="italic">Fleidl</hi>, worauf sich einige sogleich anboten, uns hinzuführen.</p>
         <p>Die Erscheinung <hi rend="italic">Fleidl's</hi> ist eben so einfach und anspruchslos, wie die seiner Landsleute. Er ist groß und stark, wie viele der Zillerthaler. Wir fanden ihn in Hemdsärmeln von sehr grobem Leinen, beschäftigt mit Gemeindeangelegenheiten und umgeben von mehreren ehrwürdigen Greisen, wahrhaften sancti patres des Dichters; und der ganze Auftritt erinnerte stark an den Richter in <hi rend="italic">Göthe's Hermann</hi> und <hi rend="italic">Dorothea</hi>. <hi rend="italic">Fleidl</hi> genießt großes Ansehen unter den Seinigen, was sich bloß auf das Vertrauen zu seiner Rechtlichkeit gründet, da er einer der Aermeren ist.</p>
         <p>Was wir sonst in Schmiedeberg über die Zillerthaler hörten, spricht sehr zu ihren Gunsten. Einer der hiesigen Kaufleute, welcher gegen 40 Zillerthaler in sein geräumiges Haus aufgenommen, konnte nicht genug ihre ungeheuchelte Frömmigkeit, ihre Rechtlichkeit, ihre Zutraulichkeit rühmen. Einer von diesen seinen Hausgenossen hat sich von seiner Frau und acht Kindern getrennt, weil die Frau, die Schwester des dortigen Schulmeisters, der ihr mit dem Pfarrer die Hölle heiß gemacht, nicht mit ihm ziehen wollte. Der Mann war auf dem ganzen Wege trostlos. Welch' herzzerreißender Heroismus!</p>
         <p>N. S. Der seit einigen Tagen erwartete letzte Transport hat vorgestern die Gränze überschritten und wird heute Mittag in Schmiedeberg eintreffen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Deutsche National-Z.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Stettin</hi>. Nach einer vorläufigen kurzen Nachricht des Herrn Pfarrer <hi rend="italic">Kintzel</hi> in Stettin sind die Vorarbeiten zum Baue der kathol. Kapelle in <hi rend="italic">Biereck</hi> in Pommern so weit beendet, daß der Bau selbst im Frühjahre begonnen und im Herbste vollendet seyn kann. Doch zur vollständigen Deckung der Kosten fehlen noch 300 Rthlr. In einigen Wochen werden wir ausführlicher hierüber berichten.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schles. Kirchenbl.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Münster</hi>. Der Herr Bischof von <hi rend="italic">Münster</hi> hat im rheinischen Theile der Diözese Münster die Dekanat-Verfassung eingeführt. Der zum Regierungsbezirk Düsseldorf gehörende rheinische Theil der Diözese Münster wird in sieben Landdekanate, nämlich in die Dekanate Wesel, Rees, Cleve, Calcar, Xanten, Geldern und Kempen eingetheilt. Die Herren Pfarrer: <hi rend="italic">Hollen </hi>zu Duisburg, <hi rend="italic">Hartmann</hi> zu Rees, <hi rend="italic">Bauer</hi> zu Cleve, <hi rend="italic">Jans</hi>- |Sp. 1400| <hi rend="italic">sen</hi> zu Calcar, <hi rend="italic">Michels</hi> zu Camp, <hi rend="italic">Davids</hi> zu Straelen und Ehrendomherr Pfarrer <hi rend="italic">Schönbrod</hi> zu Kempen sind zu Landdechanten ernannt.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Köln</hi>, 23. Okt. Der gestrige Tag, als der erste in der Oktave des 1600jährigen Jubiläums des Martertodes der h. <hi rend="italic">Ursula </hi>und ihrer Gesellschaft, war ein gar schöner und festlicher, zu dessen Begehung auch viele Fremde herbeigeeilt waren. Tausende strömten am frühen Morgen in den diesen Schutzheiligen Köln's geweihten, herrlich geschmückten Tempel, zum Empfang der Sakramente und zur Bethätigung jenes frommen Glaubens, der indem <hi rend="italic">Blute der Märtyrer</hi> dankbar den heiligen Samen verehrt, aus welchem die christliche Religion so kräftig emporgeblüht ist. — Um 8 Uhr begann ein musikalisches Hochamt, welchem Seine erzbischöfliche Gnaden nebst dem hochw. Metropolitan-Domkapitel beiwohnten. Nach dessen Beendigung setzte sich eine feierliche Prozession in Bewegung, um die Martyrerstätte der jungfräulichen Schaar (den sogenannten Ursula-Acker) unter frommem Gebet und Gesang zu umwallen. Dieser Zug war glänzend, und unabsehbar die Reihen der Theilnehmer; besonders zahlreich und von trefflicher Wirkung zeigte sich die Abtheilung derer, die mit brennenden Fackeln dem Allerheiligsten vorangingen, und ihm folgten. — Abends hatten viele Anwohner ihre Häuser beleuchtet. — Überhaupt gestaltete sich diese Jubelfeier in ihrem Beginn, als eine des religiösen Sinnes der Kölner würdige, und sie wird sich auch gewiß im Verlauf der übrigen Tage als solche bewähren.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Köln. Ztg.)</p>
         </div>
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p><title> <hi rend="bold">Begriff und Wesen der christlichen Liebe.</hi></title>
           
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Vom Pfarrer </hi>
            <hi rend="italic bold">Hamann </hi>
            <hi rend="bold">zu Merzheim.</hi>
         </p>
         <p>Das Evangelium Jesu ist eine Kraft Gottes, tüchtig, selig zu machen alle, die daran glauben (Röm. 1,16); ist eine lebendige und belebende Kraft, die, einmal durch den Glauben in die Seele aufgenommen, und in ihrem tiefsten Wesen gesetzt, dieselbe in allen ihren Kräften und nach allen Richtungen hin durchdringt, alle Pulse des geistiges und moralischen Lebens in Bewegung setzt, den ganzen Menschen umfaßt, sein Denken, Streben, Thun und Wirken ordnet, leitet und weihet; ist der Sauerteig, den ein Weib nimmt, und unter 3 Scheffel Mehls vermengt, bis er ganz durchsäuert ist (Math. 13,33). — Ist die christliche Wahrheit, so als principium movens, in dem tiefsten Menschenwesen gesetzt, so bewirkt sie, wie Jesus sagt, des Menschen Freiheit von den Sünden, und erzeugt das wahre Leben — das <hi rend="italic">Leben aus und in Gott</hi>. Die Seele wird so zu einem Born, welcher immer hinströmt, und Tausenden und Tausenden Labung und Erquickung gewähret.</p>
         <p>Das ist der durch die Liehe thätige Glaube; ist die christliche Wahrheit, in der menschlichen Seele als lebendige Kraft gesetzt; oder auch: die Liebe Gottes ausgegossen in das Herz des Menschen. Wo diese lebendige, heiligende und segnende Kraft fehlt, da ist der Glaube ein todter, eine Schale ohne Kern. Und da Menschen und der Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, alle Geheimnisse wüßte, alle Kenntnisse besäße, und den stärksten Glauben hätte, so daß ich Berge versetzte; es fehlte mir aber an Liebe, so wäre ich nichts, u. s. w.“ 1 Cor. 13. — Die Liebe ist das <hi rend="italic">Herz des Glaubens</hi>. Reiße dieses Herz aus, und der Tod ist da. —</p>
         <p>Es ist hiemit aber noch keineswegs der klare und volle Begriff der Liebe angegeben, und, um es einsehen zu können, daß, wie der Apostel sagt, die Liebe des Gesetzes Erfüllung sei (Röm. 13,10), |Sp. 1401| wird es nöthig seyn, den vollständigen Begriff der Liebe anzugeben, und seine Realität in den ihn konstituirenden Merkmalen darzulegen. — Wir sagen: Gott ist <hi rend="italic">die Liebe</hi>. Aber was ist Liebe? und was ist der Inhalt des Satzes: Gott ist die Liebe? Die Beantwortung dieser Frage finden wir in den Worten des Evangeliums: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn für sie dahingab.“ (Esr. I. Joh. 3,16). Die Dahingabe des eingebornen Sohnes in und für die Welt — das ist. also Liebe Gottes, <hi rend="italic">Liebe Gottes gegen die Menschen</hi>. Dieser Sohn hat hinwiederum <hi rend="italic">sich selbst</hi> hingegeben für die Welt. Die Dahingabe <hi rend="italic">seiner selbst </hi>(des Sohnes), ist also Liebe des Sohnes gegen die Menschen.</p>
         <p>Die Liebe des Menschen — in ihrer Richtung auf Gott, den Mitmenschen und sich selbst betrachtet, ist also: Hin- oder Uebergabe <hi rend="italic">seiner selbst</hi> (des Menschen) <hi rend="italic">an den Vater und Sohn, und in ihm</hi> (dem Sohne) <hi rend="italic">an die Brüder und sich selbst</hi>. Die Liebe ist Uebergabe <hi rend="italic">seiner selbst</hi>. Das Selbst ist das Ich. Das Ich ist Freiheit. Die Uebergabe seiner selbst ist also Selbstübergabe in <hi rend="italic">Freiheit</hi>. — Das Selbst oder Ich ist der Träger aller Kräfte und aller Intensiea dieser Kräfte. Die Uebergabe seiner selbst ist also Uebergabe <hi rend="italic">aller seiner Kräfte</hi>, und Uebergabe <hi rend="italic">aus allen Kräften</hi>. Das Selbst verfügt nach Wohlgefallen über seine Sphäre, und über alles, was in dieser liegt. Die Uebergabe seiner selbst ist also Uebergabe <hi rend="italic">alles dessen</hi>, was man hat und vermag.</p>
         <p>Die Selbstübergabe geschieht <hi rend="italic">an den Vater und Sohn</hi>. Nun aber erkennen wir in dem Vater und Sohn einen Geist, einen Willen, ein Herz, ein Werk und ein Ziel. Die Selbstübergabe geschieht also an den Geist, den Willen, das Herz, das Werk und Ziel Gottes.</p>
         <p>Der Wille, das Herz, das Werk und Ziel Gottes geht auf die Menschen — auf die eigne Person und auf die Brüder. Die Selbstübergabe ist also Uebergabe seiner Kräfte und seines Besitzthums an den Willen, das Herz, das Werk und Ziel Gottes zur Ausführung desselben an sich selbst und dem Nächsten.</p>
         <p>Fassen wir dieß alles zusammen, steigt die Liebe 1) durch eine in der ganzen Kraft des Willens geschehende, und alle Kräfte des Gemüthes durchdringende, eben darum zu jeder Leistung entschlossene, und zu jedem Opfer sich fähig fühlende Uebergabe <hi rend="italic">seiner selbst</hi> an dem <hi rend="italic">Vater</hi> und <hi rend="italic">Sohn</hi>; und ist 2) die in dieser unbegränzten Hingabe seiner selbst an den Vater und Sohn, d. h. an den Willen, das Herz, den Dienst desselben eingeschlossene, ehrfurchtsvolle und freudige Vollführung eben dieses Willens und seiner Liebe an uns selbst, und an den Brüdern.</p>
         <p>Nun die Nachweisung der <hi rend="italic">biblischen Richtigkeit</hi> des Begriffs, wie er eben angegeben worden: —</p>
         <p>In dem vom Vater in und für die Welt dahingegebenen Sohne vor allem müssen wir finden, was die Liebe ist. Sehen wir also an diesen Sohn. — Wenn man Willen und Kraft hat, was er mithin <hi rend="italic">selbst ist</hi> — <hi rend="italic">er selbst</hi>, wem gehört es? — Es gehört <hi rend="italic">dem Vater</hi>. Das ist sein Wille, daß der Wille des Vaters geschehe; und der seine Speise, die der Inhalt seiner Gedanken und Wünsche, und seiner Lust und seines Strebens, daß er den <hi rend="italic">Willen eben dieses Vaters thue</hi>; und der seines Lebens und Wirkens Ziel, daß der Vater <hi rend="italic">erkannt</hi> und <hi rend="italic">verherrlicht</hi> werde. (Johan. 4,34,6,38. 14,15,21,23. 12,28. 17,1,4,6.) —Und wie weit geht diese Selbstübergabe an den Vater? — Sie geht bis zur Hingabe seines eigenen Lebens, ja bis zum Tode am Kreuze; und geht hindurch durch die furchtbarste natürliche Todesangst; hindurch durch die empörendste Verspottung, hindurch durch den trostlosen Zustand der Gottverlassenheit; und geht durch alle diese Noth bis zum schmerzhaftesten Tode hindurch, auf keinerlei Weise irgend woher genöthigt, sondern in höchster vollkommenster Freiheit. (Johan. 15,13. 10,11,17,18. 12,27. Math. 26,38, Folg. 27,40—49). Die Selbstübergabe des Sohnes Gottes an den Vater ist folglich eine unendlich freie, mit einer allbesiegenden Willenskraft festgehaltene, alle Widerstrebungen des Herzens opfernde, folglich das Herz selbst in allen seinen Kräften durchherrschende, und mit allen seinen Kräften darbringende. — Das die Liebe, wie sie bezeichnet worden. </p>
         <p>|Sp. 1402| Aber das ist nur die Eine derselben. Wenn sich dieses Aufgegangenseyn in dem Willen des Vaters gegen die Welt kehrt, so ist dasselbe <hi rend="italic">Ausführung dieses Willens an der Welt</hi>; und da Gott die Liebe ist, Ausführung seines <hi rend="italic">Liebewillens an der Welt</hi>; und da die Hingegebenheit an Gott eine Hingegebenheit der <hi rend="italic">ganzen</hi> Person ist, Ausführung des göttlichen Liebewillens an der Welt und dem Preis <hi rend="italic">jeder der Person gehörenden und dargebbaren Güter</hi>. So finden wir es in dem Sohne. Es ist der Wille des Vaters, daß die Welt nicht in's Gericht komme, sondern das ewige Leben habe; und eben dieß ist auch sein Wille. Und zur Ausführung dieses Willens erniedrigt er sich selbst, wandelt er in Knechtsgestalt, lehrt und wirkt er, leidet und stirbt er, ersteht vom Tode, und lebt und herrscht er. (Joh. 3,16. 10,11,15,17,18. Math. 18,11. Joh. 17. I. Joh. 3,16. Ephes. 5,2. Röm 5,10. Math. 28,20). —</p>
         <p>Ganz denselben Begriff von der Liebe ergibt sich aus der Betrachtungen aller demjenigen, die jemals Jesu nachgefolgt sind, und <hi rend="italic">geliebt haben</hi>. Der Apostel Paulus z. B. hat seine ganze Persönlichkeit an den Herrn hingegeben, so vollkommen, daß <hi rend="italic">nicht mehr er lebt</hi>, sondern <hi rend="italic">Christus</hi> in ihm. Und nun gehört alles, was er hat und vermag, dem Dienste desselben. Nun bringt er der Förderung seiner Sache für und für mit Freudigkeit die schmerzhaftesten Opfer. Nun dünkt ihn neben dem Einen und seiner Wahrheit alles Andere Unrath. Nun weiß er von keiner hohem Rücksicht, als daß nur der Name Jesu Christi verkündet, und erkannt werde. Aber all dieß Leben für Christus und seine Sache, ja Christus und seine Sache selbst gehören endlich in den Augen des Apostels dem Vater, und dieß ist ihm hiernach das endliche höchste Ziel, daß der ewige und gnadenreiche Rathschluß und Wille dieses Vaters vollführt, und der Name desselben in seinem Sohne verherrlicht werde. (Phil. 1,21. Gal. 2,20. 2 Cor. 11,23 folg. Philip. 1,15—18. 3,8. 1 Cor. 3,23. 11,3.)</p>
         <p>Was sehen wir hierin anders, als eine in der ganzen Vollkraft des Willens geschehende, alle Kräfte des Gemüthes durchdringende, daher opferkräftige und opferfreudige Dahingabe seiner selbst, und alles dessen, was das Selbst hat und ist, an den Vater in Jesu Christo? — Und betrachten wir jetzt diesen in Gott und seinem Sohne aufgegangenen Liebewillen <hi rend="italic">in der Richtung auf die Welt</hi>, was zeigt sich nun? — Ein rastloses Denken, Sehnen und Schaffen, dazu, daß die Erkenntnis des Vaters in Jesu Christo, und darin die Heiligung und das Heil zu den Menschen kommen. Um dieses leidet der Apostel Hunger und Durst und Verfolgung und Schmach und Todesgefahr und Schläge; für dieses drückt er sich selbst nieder; um dieses bittet er in seinen Bitten; dessen freut er <hi rend="italic">sich</hi> in seiner Andacht; dafür dankt er in unablässigen Gebeten; dafür ist er zudringlich und bescheiden; darüber wo es gefährdet ist, leidet er brennenden Schmerz; und daß dieses seinen Brüdern zu Theil werden möchte, das würde er gern mit seiner eignen Verwerfung erkaufen. <hi rend="italic">Die Liebe Jesu Christi treibt ihn</hi>. Und, im Herzen Jesu Christi möchte er mit seinen Geliebten leben und sterben. (I. Corinth. 9,18,19. II. Cor. 5,13,11. 7,23 fol. Röm. 10,1. 9,2,3. II Cor. 5,14. Philip. 1,7,8. II. Corr. 7,3.) —</p>
         <p>Das also zeigt sich nur in der Richtung auf die Brüder als Liebe: von der Liebe des Vaters und Jesu Christi gedrungen, beharrlich darauf denken, herzlich darnach sehnen, und opferwillig dahin wirken, daß die Erkenntniß eben dieses Vaters und Christus, und in dieser Erkenntniß die Liebe desselben, und in der Liebe die Heiligung, und das ewige Leben zu den Brüdern komme, und so an Ihnen der Wille und die Liebe des Vaters in Jesu Christo ausgeführt werde, ihm zum Preise!</p>
         <p>(Schluß folgt.)<lb/>|Sp. 1403|</p>
         </div>
         
         
         <div type="tais">
         <head>
            Israelitische Abtheilung.</head>
         <p><title><hi rend="bold">*Ueber den Geist des Talmuds.</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Leopold Löw, Rabbinats-Candidaten in Pesth.</hi>
         </p>
         <p>Zweiter Beitrag.</p>
         <p>Bevor wir auf die, in No. 52 dieser Blätter<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Man lese das. 829, Z. 23 Verwerfung statt Verehrung, Z. 35 rituellen statt rituellen, Z. 38 nach Tosaphot: Sota.</p>
            </note> angedeutete Prüfung der Talmud-Exegese eingehen, sey es uns gestattet, vorbereitend und einleitend, einige andere hieher gehörige Aufgaben ihrer Erledigung näher zu bringen. Auch wir haben die Ueberzeugung, daß die Wissenschaft des Judenthums nur gewinnen könne, wenn wir die rabbinischen Urkunden mit unbefangenem Sinne nach ihrem wahren Geiste auffassen; nur verträgt es sich, wie wir glauben, mit diesem unbefangenen Sinne nicht, die Aeußerungen der ehrlichen Alten zu mißdeuten, um sie als Gewährsmänner moderner, ihnen ganz fremder, Denkweise auftreten zu lassen, wie dieß in No. 33 dieser Blätter von Dr. <hi rend="italic">Creizenach</hi> geschah, welcher die der Haggada geltenden Worte jener Einl. in den Talmud auf die legislative Auslegung, den halachischen Midrasch bezog, und so auch aus talmudischem Standpunkte Letzterem seine Verbindlichkeit in der Gegenwart absprechen wollte. </p>
         <p>Das seit einiger Zeit Mode gewordene Haschen nach einzelnen Stellen in den Schriften der Rabbinen, um beliebte „Erleichterungen“ zu rechtfertigen, ist eben so unkritisch, als es einst das Haschen nach „erschwerenden“ Stellen war. Die Kenntniß der vergangenen Zeiten und frühern Richtungen sollte doch den besonnenen Forschern wehren, ihre subjektive Meynung in Talmud und Midraschim hineinzutragen. Ueberhaupt ist der unverwandte Blick auf Praxis und Gegenwart der historischen Kritik des Talmuds nicht förderlich gewesen, wie denn auch den bisher gewonnenen Resultaten in diesem Gebiete nur sehr untergeordneter Werth beigelegt werden kann. Die Mängel, an welchen dieser, der jüdischen Theologie so wichtige Theil der Literaturgeschichte leidet, die Befangenheit älterer Nomenclatoren, die ungründliche Combination neuerer Summarien, sind zu fühlbar, als daß es eines ausführlichen Erweises bedürfte, wie wenig noch das zu erstrebende Ziel, die geschichtliche Darstellung des Organismus und die fortschreitende Entwicklung in Talmud und Talmudismus erreicht sey. Dem Mangel einer solchen historischen Darstellung kann durch einzelne propädeutische Abhandlungen nicht abgeholfen werden; gleichwohl hegen wir die Hoffnung, durch eine Reihe kritischer Untersuchungen, welche wir den Lesern dieser Blätter vorzulegen gedenken, zur Beseitigung mancher krankhaften Ansicht, zur Würdigung mancher bodenlosen Deklamation Einiges beizutragen. Folgende Andeutungen über den Begriff der Tradition in der Synagoge sollen der Kritik zu den kommenden Untersuchungen den Weg bahnen.</p>
         <p>Traditionelle Wahrheiten sind unstreitig wesentliche, integrirende Momente der Dogmatik und des Ritus des Judenthums. Der Glaube an die dogmatische und historische Wahrheit der Schrift, — die Trennung jener von dieser hat noch kein jüdischer Theolog ausgesprochen, — vorzüglich die Anerkennung der mosaischen Abfassung des Pentateuchs,<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Siehe die bedeutsame Stelle Jalkut Simeoni Ende וזאת הברכה</p>
            </note> — einige schon in früher Zeit angenommenen Interpolationen abgerechnet, — sind Dogmen der Synagoge; und doch hat die historische Seite dieser Dogmen kein wichtigeres Zeugniß, als das der Tradition. In ritueller Hinsicht nennen wir beispielsweise die israelitische Sabbathfeier, an deren Verlegung nur noch seichte, unberufene Reformatoren denken. Diese und ähnliche Ueberlieferungen sind in Israel auch in keiner Entwickelungsepoche der Glaubenslehre bezweifelt worden. Sie sind dem Sadducäer heilig wie dem Pharisäer, dem hellenisirenden Alexandriner wie dem palästinensischen Mischnaiten, dem Karäer wie dem Rabbaniten, dem modernen Schriftgläubigen wie dem talmudischen Casuisten.</p>
         <p>|Sp. 1404| Bezweifelt ward und wird die Tradition nur als Inbegriff gewisser spezieller Satzungen und Schriftdeutungen, welche, gleich dem schriftlichen Gesetze, aus den Zeiten Moses stammen sollen.</p>
         <p>Die Beweise eines Albo und anderer Dogmatiker aus der scholatischen Periode für die Notwendigkeit einer mündlichen Ueberlieferung sind unerheblich<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Die wichtigsten dieser Beweise sind nach כוזרי קטן zusammengestellt bei <hi rend="italic">Peter Beer Secten</hi> 1r Theil pag. 206 ff.</p>
            </note>; ebenso die Polemik gegen diese Beweise von Seiten der neuern Antirabbaniten. Es muß zuerst ausgemittelt werden, ob sich nicht die Entwickelung des Traditionglaubens historisch nachweisen läßt.</p>
         <p>Wenn Josephus (Autt. XIII 10,6) die Pharisäer neben dem schriftlichen Gesetze eine Ueberlieferung lehren läßt, welche die Sadducäer verwerfen; so scheint dieß auf einen sehr frühen Ursprung des Traditionsglaubens zu zeigen. Es ist jedoch auffallend, daß Jos. zu wiederboltenmalen von einer διαδοχη τωυ πατερωυ, nie von einer υιαδοχητου Μωυσεως spricht, und letzteres Attribut nur den schriftlichen Gesetzen (υομοι) beilegt. Untersuchen wir ferner alle uns überkommenen, das Ritual betreffenden Diskussionen der Pharisäer und Sadduecer; so gewahren wir nur eine rein hermeneutische, keine die Tradition betreffende Divergenz.<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Man hat bei der Charakteristik der Pharisäer und Sadducäer auf die, in der Mischna und Boraitha aufbewahrten Diskussionen zwischen denselben zu wenig Rücksicht genommen. Wir werden hierauf in einer der folgenden Untersuchungen zurückkommen.</p>
            </note> Hierzu kommt noch, daß bei den Rabbinen vor Gamaliel I. keine Tradition erwähnt wird; in den zahlreichen Debatten der Schulen Schammai's und Hillel's suchen wir vergebens ihre Spur.<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Unkritisch und für die vorchristliche Zeit nichts beweisend ist die Anführung der Stelle Rosch Haschanah 19 und bei de Wette Lehrbuch der Dogmatik 1r Theil § 148 b; auch ist daselbst das דברי קבלה widerstanden, denn es bezieht sich, wie die Worteגדליה בי אחיקם דברן קבלה הוא zeigen, nicht auf die d. B. d. Könige vergl. Zunz gottesd. Vort. pag. 44.</p>
            </note> Dagegen unterscheidet eine Mischna (Kethub. 7 §. 6) von unverkennbar hohem Alter mosaisches Gesetz (דת משה) und jüdische Sitte (דת יהודית) und führt, was wir hier beiläufig bemerken, unter letzterer Rubrik manches Herkömmliche an, dem man später pentateuchischen Ursprung vindicirte (Kethub. 72,a extr.)Auch Philo spricht von dem ἱερος υομος und dem εϑος αγραϕον ganz in demselben Sinne (Leg. ad Cajum pag. 1008). Wir schöpfen aus diesen Zeugnissen die Ueberzeugung, daß man frühe, gewiß schon in der biblischen Zeit, außer dem mosaischen Gesetze manche väterlichen Gebräuche heilig hielt und ehrte, ohne deren Ansehen durch pentateuchische Beweisstellen und mosaische Autorität heben zu wollen. Es ist demnach sehr einleuchtend, daß die διαδοχη des Josephus nichts andres bezeichne, als die דת יהודית der Mischna und εϑος αγραϕον des Philo: das Herkommen, die Sitte, welche von der volksthümlichen Individualität empfangen, befruchtet und bewahrt wird. Kindliche Pietät und andächtige Treue bewachen die väterliche Sitte als Heiligthum der Gesammtheit, der Familien und jedes Einzelnen. Jene Sectirer wollten, die gesetzmäßig entwickelte Nationalität verkennend, dem Buchstaben, und immer nur dem Buchstaben des Gesetzes huldigen und genügen; sie gingen, ein warnend Beispiel vor Sadducäersinn und Sadducäergeist, spurlos unter, während die traditionelle Lebensnorm ihrer Gegner so viele Kämpfe glorreich überstand.</p>
         <p>Wir hätten uns nun um ein Zeugniß für die Annahme einer eigentlich mosaischen, das geschriebene Gesetz ergänzenden und erläuternden Tradition umzusehen. Schwerlich dürfte sich ein älteres, als das in folgender Mischna enthaltenes, ausweisen lassen. Im Traktat Peah 2 §. 6 wird nämlich erzählt, daß auf die, der Schule der Gamaliels vorgelegte Frage, wie die Lev. 19, 9 vorgeschriebene Gabe von einem mit zweierlei Waizen besäeten Acker zu entrichten sey, der Schreiber Nahum beschieden habe, er sey von R. Meassa, dieser von seinem Vater, dieser von den Paaren, und diese seyen von den Propheten belehrt, eine Satzung des Moses vom Sinai, הלכה למשה מסיני entscheide, es komme in einem solchen Falle darauf an, ob das Getreide in eine |Sp. 1405| oder zwei Rennen gebracht zu werden bestimmt sey. Die babil. Gemara findet diese Anführung der Traditionsautoritäten lückenhaft, da die Zeit der Richter übergangen ist; glaubt aber, Nahum habe nach gewöhnlichem Brauche nur die ältesten und jüngsten Gewährsmänner nennen wollen (Nasir 56,6). Raschi, hiernach die Erwähnung der Propheten überflüssig findend, erklärt, dieselben können, insoferne einige der Periode des zweiten Tempels angehören, den jüngsten Autoritäten beigezählt werden. Schon die talmudischen Ausleger haben also von dem specialisirenden Nahum eine vollkommene Enumeration der Traditions — Repräsentanten erwartet; nun ist aber nach allen jenen Behelfen die Lücke zwischen den Propheten und Paaren nicht gerechtfertigt; da der Talmud den Ursprung Letzterer in die Zeit Johann Hyrkans, (Jer. Hassar Scheni §. 5 fol. 17 העמיד זוגות), also mehr, denn zwei Jahrhunderte nach dem Erlöschen des Prophetenthums setzt. Wir finden den Ausdruck הלכה למשה מסיני in der Mischna nur noch zweimal, bei Schülern Ben Saccais: Jadaim 4 §.3 in Betreff eines nicht pentateuchischen Gegenstandes; Edujoth 8 §. 7 in Betreff der Bestimmung des Propheten Elia. In beiden Stellen haben schon die rabbinischen Commentatoren an keine buchstäbliche Tradition denken wollen und erklärt, הל“מ sey im uneigentlichen Sinne zu nehmen, und bezeichnen nur das hohe Alter einer Meynung oder eines Brauches überhaupt (Tos Jom Tob. Jadaim ibid.). Nicht minder ward von früheren Auslegern bemerkt, daß in der ersten Mischna der Väter-Sprüche vom schriftlichen, nicht vom mündlichen Gesetze die Rede sey. (Reggio im Anh. zu Examen religionis, Anm. 5).</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
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         <head>Anzeigen.</head>
         <p>(83) </p>
         <p>Scriptores rerum Lusaticarum Sammlung Ober- und Niederlausitzischer Geschichtsschreiber. Herausgegeben vom der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Görlitz 1836. Im Selbstverlag der Gesellschaft.</p>
         <p>Die unterzeichnete Gesellschaft der Wissenschaften beabsichtigt, den Forschern und Freunden der vaterländischen Geschichte die reichen Quellen derselben zu eröffnen und eine Reihenfolge der ältesten, in Archiven und Bibliotheken hier und da zerstreuten handschriftlichen Geschichtswerke, so wie einzelner selten gewordener bereits gedruckter Traktate herauszugeben.</p>
         <p>Diese Sammlung soll sich an die vom Dr. <hi rend="italic">Hoffmann</hi> 1719 herausgegebenen scriptores rerum Lusaticarum in der Art anschließen, daß alle Werke, die dort schon gedruckt sind, wegbleiben.</p>
         <p>Der Text der in möglichster Berücksichtigung der Zeitfolge abzudruckenden Schriften wird diplomatisch genau, nach der Schreibart ihrer Zeit wiedergegeben, und wo es nöthig, mit Erläuterungen begleitet werden.</p>
         <p>Jedes Jahr soll ein Band von 18 bis 20 Bogen, auf weißes Druckpapier im Formate (Royal-Oktav) und mit den Lettern des Prospektus gedruckt, in zwanglosen Heften erscheinen, sobald die nöthigs Anzahl von Substribenten gewonnen seyn wird.</p>
         <p>Die zunächst herauszugebenden Werke sind folgende: </p>
         <p>1) Des Johann von Guben ältestes Stadtbuch von Zittau, fast durchgängig deutsch geschrieben (1363—1485). Von dem Originale abgeschrieben und mit sprachlichen und geschichtlichen Anmerkungen begleitet von Dr. <hi rend="italic">E. F. Haupt</hi> in Zittau.</p>
         <p>2) Das Kalendarium necrologicum fratrum minorum conventus in Gorlitz (c. 1380).</p>
         <p>3) Die Chronik am Gestühle der Klosterkirche zu Görlitz, von denselben Mönchen im vierzehnten Jahrhunderte, lateinisch aufgeschrieben.</p>
         <p>|Sp. 1406| 4) Die kleine deutsch geschriebene Chronik des Johann Bereith von Jüterbogk, Stadtschreiber zu Görlitz (1488). No. 2—5 abgeschrieben und mit Anmerkungen vorsehen von dem Polizeirathsherrn <hi rend="italic">Gustav Köhler</hi> in Görlitz.</p>
         <p>5) Ein deutsches Bruchstück von den Zügen der Hussiten in den Jahren 1427—1444, aus einem Coder auf der königl. und Universitätsbibliothek in Breslau, mitgetheilt von dem Hrn. Prof. <hi rend="italic">Hoffmann von Fallersleben. </hi>
         </p>
         <p>Interessantes und geschichtlich wichtiges Material ist hinreichend vorhanden, um dieses Werk eine Reihe von Jahren hindurch fortzusetzen. Vorläufig macht man sich jedoch nur auf drei Jahre, mit 1 Thaler für jeden Band und das Jahr verbindlich.</p>
         <p>Bei Ablieferung des ersten Heftes eines jeden Bandes wird für denselben der Subscriptionspreis mit 1 Thaler erlegt. Der Ladenpreis dürfte bedeutend erhöht werden. Wer 6 Exemplare nimmt, zahlt nur für fünf.</p>
         <p>Wir glauben, uns der freudigen Hoffnung hingeben zu dürfen, daß dieses von der unterzeichneten Gesellschaft mit großen Kosten und mancher Aufopferung einzelner Mitglieder begonnene Unternehmen von unsern lieben Landsleuten in der Ober- und Niederlausitz, und besonders den verehrlichen Mitgliedern der Gesellschaft wenigstens so viel Unterstützung finden werde, als nöthig ist, um dasselbe recht bald in's Leben treten zu lassen. Aber nicht bloß in unserer Provinz hoffen wir auf rege Theilnahme, wir rechnen darauf, sie in allen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes zu finden, da die mitzutheilenden Schriften keineswegs bloß von provinziellem Interesse sind, wie denn z. B. gleich das unter 1 angeführte Werk wichtige Aufklärungen zur Geschichte des Hussitenkrieges enthält, und für den altdeutschen Sprachschatz einige Ergänzungen darbietet. (Man vergleiche darüber Pertz Archiv, Band 5, S. 335—536).</p>
         <p>Deßhalb ersuchen wir auch besonders unsere hochgeehrten Schwester-Gesellschaften im deutschen Vaterlande, dem Unternehmen ihre Gunst zuzuwenden und dasselbe kräftig zu unterstützen, wie wir denn nicht ermangeln werden, in ähnlichen Fällen ein Gleiches zu thun.</p>
         <p>Görlitz im Mai 1836.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, durch die zur Herausgabe der Scriptores verordnete Commission.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Geisdorf. Dr. Ernst Friedrich Haupt. Leopold Haupt. Hergesell. Köhler. Dr. Struve.</hi>
         </p>
         <p>Der Herausgeber der <hi rend="italic">Univ.-K.-Ztg.</hi>, welcher selbst die Ehre hat, zu den correspondirenden Mitgliedern der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu gehören, erklärt sich mit Vergnügen bereit, Subskriptionen auf diese auch in theologischer Hinsicht bedeutsame Sammlung anzunehmen.</p>
         <p>(84) So eben ist bei unterzeichneter Verlagshandlung fertig geworden, und zur Versendung befördert, die <hi rend="italic">dritte</hi> und letzte Abtheilung der <hi rend="italic">zweiten Auflage</hi> des Werkes:</p>
         <p>Das Resultat meiner Wanderungen durch das Gebiet der protestantischen Literatur, oder: Die Nothwendigkeit der Rückkehr zur katholischen Kirche, ausschließlich durch die eigenen Eingeständnisse protestantischer Theologen und Philosophen dargethan von Dr. Julius V. Hoeninghaus.</p>
         <p>Diese dritte, den Schluß des Ganzen bildende, Abtheilung enthält den größten Theil des VIII. Kapitels: <hi rend="italic">Weitere Auflösung der Einheit und Glaubensgemeinschaft unter den Anhängern der Reformation des sechzehnten Jahrhunderts; dann die Kapitel IX: Anderweitige Verkehrtheiten und Nachtheile der protestantischen Sonderung im Gegensatze zu zweckmäßigen und wohlthätigen Institutionen der Kirche; X: Nachteiliger Einfluß der Reformation auf den Kultus, und das Schluß-Kapitel: Segnungen und Nothwendigkeit der wirklichen Rückkehr</hi>.</p>
         <p>Ueber den Werth des Ganzen noch etwas zu sagen, wäre überflüssig; die Theilnahme des In- und Auslandes hat sich dafür genugsam ausgesprochen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Aschaffenburg</hi>, im Oktober 1837.</p>
         <p>Theodor Pergay.</p>
         
         </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
         </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

