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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 22. Oktober 1837, Nro. 85</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
           <publisher>Beata Mache</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="85">22. Oktober 1837, Nro. 85</title>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Die ehemalige katholische Domkirche zu <hi rend="italic">Drontheim</hi> in <hi rend="italic">Norwegen</hi>. A. d. Schwedischen. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi>
            <hi rend="italic"> Nordamerika</hi>. <hi rend="italic">Vereinigte Staaten von Nordamerika. St. Louis</hi>; Todesfall. <hi rend="italic">Philadelphia</hi>; wiedertäuferische Bibelgesellschaft. — <hi rend="italic">Kirchenstaat. Rom</hi>; geheimes Consistorium und Ernennung; Abwehr einer Verläumdung; Schreiben des Kardinal-Staatssekretärs an die Abgeorneten der Hermesianer; Rückkunft <hi rend="italic">Cappacini</hi>‘s, — <hi rend="italic">Beide Sizilien. Neapel</hi>; Ernennung. <hi rend="italic">Palermo</hi>; Todesfälle. <hi rend="italic">Penne</hi>; würdiges Benehmen des Bischofs. — <hi rend="italic">Deutschland. Würtemberg. Stuttgart</hi>; rationalistische und pietistische Angelegenheiten; Ordensverleihung; Einweihung einer neuen Synagoge. Rottenburg; Aufnahme einiger Candidaten. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Erstes Prolegomenon zu einer künftigen Dogmatik und Sittenlehre für Israeliten. Von Dr. <hi rend="italic">S. Scheyer </hi>in Frankfurt a. M. —</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Einige Bemerkungen über die von Sr. erzb. Gn. von <hi rend="italic">Köln</hi> herausgegebenen Thesen. —</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
         <p>Heim und Vogl Quartalschrift für prakt. Schulwesen. Rec. von <hi rend="italic">J. Mayer</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi> <lb/>|Sp: 1343|
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
          Die ehemalige katholische Domkirche zu Drontheim in Norwegen.</head>
         <p>(<hi rend="italic">Aus dem Schwedischen</hi>.)</p>
         <p>Die berühmte Domkirche zu <hi rend="italic">Drontheim</hi>, auch Olaf- und Christkirche genannt, ist ein äußerst merkwürdiges Gebäude. Sie besteht aus einer Anzahl mehrerer, in verschiedenen Zeiträumen aufgeführter Gebäude, welche man später so gut, als es gehen wollte, in ein symmetrisches Ganze zusammen zu bringen gesucht hat. Dieß ist auch so ziemlich geglückt, und der Tempel, wie er jetzt dasteht, bildet mit den in hohem Grade romantischen Ruinen ein fast vollkommen regelmäßiges lateinisches Kreuz; wobei man jedoch nicht auf die sogenannte Clemenskirche Rücksicht nehmen darf, welche zwischen dem nördlichen und östlichen Kreuzarme ohne ein entsprechendes Gegenstück herausgebaut ist. Diese Unregelmäßigkeit erklärt sich dadurch, daß die Clemenskirche gerade den ältesten Theil des Tempels ausmacht, welcher von <hi rend="italic">Olaf</hi> dem <hi rend="italic">Heiligen</hi> gegründet wurde, und worin seine Gebeine sehr lange Zeit aufbewahrt wurden. Der hohe Grad von Heiligkeit, den dieses Gebäude theils als das Werk, theils als Grab des großen Königs besaß, wird für einen vollkommen zureichenden Grund angesehen, warum dasselbe später, als der Tempel in seinem vollen Glanze dastand, nicht niedergerissen wurde, sondern noch jetzt trotz seiner die Symmetrie störenden Natur seinen Platz einnimmt. Die jetzige Kirche nun wird von der Clemenskirche und den drei kürzeren Armen des lateinischen Kreuzes gebildet. Der längste Arm oder das eigentliche Schiff der Kirche ist die oben erwähnte Ruine, drei unbedeckte Mauern, welche gegen die Kirche ein Rechtseit bilden, dessen vierte Seite von dem westlichen Wege vor der letzteren geschlossen wird — dieser Weg bestand natürlich nicht, als die Kirche noch ein Ganzes ausmachte. Der westliche Kreuzarm — die Ruine — und der östliche — das Chor — sind zuverlässig zuletzt erbaut worden; dafür spricht unverkennbar die außerordentliche Schönheit der Arbeit, welche keinem andern Zeiträume angehören kann, als demjenigen, wo die gothische Baukunst auf dem Gipfel ihrer Vollendung im Anmuthigen wie im Erhabenen stand. Ehe wir die Schilderung der Kirche, wie sie jetzt ist, fortsetzen, dürfte es angemessen seyn, nach den zuverlässigsten Quellen zu zeigen, was sie vormals gewesen ist.</p>
         <p>Von den vier Kreuzarmen bildet der östliche, das Chor, ein Rondel, die drei übrigen waren und sind von rechtwinkliger Form. Der Umfang übertraf den der Domkirche von <hi rend="italic">Upsala </hi>nicht, wie die Norweger so gern behaupten, im Gegentheile kann |Sp. 1344| man noch heute aus dem von den Ruinen eingenommenen Raume ermessen, daß die Christkirche etwa um 20 Ellen kürzer war; doch ist sie an Umfang sicher die zweite Kirche im Norden. An äußerer und innerer Pracht aber, so wie an Reinheit und Klassicität der Bauart übertraf die Kirche von <hi rend="italic">Drontheim</hi> sowohl die zu <hi rend="italic">Upsala</hi>, als alle übrigen. Sie hatte achtzehn größere Thürme und Spitzen, ungerechnet einer Menge der gewöhnlichen kleineren Spitzen, achtzehn Altäre, mehr, als dreihundertvierzig colossale Steinbilder, neun Eingänge, 316 Fenster und über 3,000 größere und kleinere polirte Pfeiler von schwarzem, weißem, rothem, grünem und blauem Marmor und anderen Steinarten. Im Chore über dem Hochaltare stand St. Olafs Schrein, worin die Gebeine des heiliggesprochenen Königs verwahrt wurden, und der alljährlich an seinem Todestage, den 29. Juli, mit größter Feierlichkeit in Procession um die Stadt getragen wurde. Dieser Schrein von massivem Silber wog 6500 Loth, und war mit Gold beschlagen und mit Edelsteinen vom höchsten Werthe verziert. Sieben Feuersbrünste, schwedische Heere, dänische Königsdiener und der eigene Vandalismus der Drontheimer haben zusammengewirkt, diesen herrlichen Tempel zu erniedrigen und zu zerstören. Olafs Schrein, nach Dänemark entführt, verschwand ungefähr gleichzeitig mit Eintritt der <hi rend="italic">Reformation</hi>, und der kostbare, wenn gleich nicht mehr heilige Staub eines der größten Könige des Nordens ist, wie der eines Missethäters zerstreut worden in alle Winde — Niemand weiß, wo, Sporn und Helm die früher in der Christkirche aufgehängt waren, werden, jetzt, eine Trophäe, in—der luth. Hauptkirche von Stockholm aufbewahrt. Die Thürme, welche sich noch über den Resten seines Tempels erheben, haben entweder zuckerhutförmige Bedachungen von gar keinem Style, oder solche erhalten, die wenigstens in keiner Art dem des Gebäudes verwandten Styles erbaut sind. Dieses selbst ist inner- und außerhalb blaugrau beworfen und angestrichen, mit einem Luxus von Kalk, den Niemand tadeln könnte, wenn er besser angebracht wäre. Jetzt aber hat er dazu dienen müssen, tausend Kapitäler und Zierrathen eines Werkes aus dem herrlichsten Zeitraume der gothischen Kunst zu überschmieren, und in eine gleichförmige Fläche zu verwandeln. Ja, der Vandalismus ist so weit gegangen, daß selbst von den Marmorpfeilern, die noch stehen geblieben sind, einige mit dicker Kalkmasse überworfen sind, wovon man sich leicht überzeugen kann, wenn man mit dem Messer den Kalk wegkratzt, denn die polirte Marmorfläche glänzt noch immer hell darunter hervor. So hat der moderne Vandalismus, in seiner friedlichen Weise und seinem stillen, naiven Zerstörungseifer grimmiger, als das Schwert des Feindes und das Toben der Elemente mit einem ewigen Dunkel jene |Sp. 1345| Mannichfaltigkeit und Erfindsamkeit, jenen Reichthum und jene Kunstfertigkeit bedeckt, welche noch jetzt von den Kapitälern vieler hundert gothischer, schlanker Pfeiler her zeugen könnten, was St. <hi rend="italic">Olaf</hi>`s Tempel vordem gewesen.</p>
         <p>Glücklicherweise (denn ach! man ist gezwungen, dieß ein Glück zu nennen) ist der westliche Kreuzarm eine Ruine, welche man nicht für nöthig gehalten hat, mit Kalk zu bestreichen, und dort kann man auf den von einer üppigen Vegetation umschlungenen Mauern noch lesen, was die gothische Kunst, in der Höhe ihrer Vollendung, in unvergänglichen Zügen niedergeschrieben hat.</p>
         <p>Hochherrlich ist diese Ruine. Zwanzig Generationen schlummern zu ihren Füßen, da, wo ihr langer Schatten sich im Mondscheine hinstreckt, welcher, die Sonne der Gräber, durch die hohen, öden, gothischen Fenster auf hundertjährige Bäume hereinblickt, die nun grünen, wo einst der Marmor unter dem kriegerischen Schritte der Wäringer dröhnte oder leis anklang unter den leichten Füßen einer <hi rend="italic">Walborg</hi>, welche kam, <hi rend="italic">St. Olaf</hi> für den Liebling ihres Herzens und ihre Liebe anzurufen. Der Haupteingang in dem Tempel befand sich im Westen und die Gabel der Ruine, welche an beiden Seiten noch bedeutend über die Seitenmauern der letzteren, oder des ehemaligen Schiffes hervortritt, bildete die außerordentlich prächtige Fassade, in deren Mitte das Thor sich befand. Glücklicherweise kann noch heute schon der flüchtigste Blick dem Beschauer eine Vorstellung von der ehemaligen Schönheit und unvergleichlichen Pracht dieser Fassade gewähren. Zwei Reihen gothischer Halbbogen übereinander, bilden den niedrigsten Theil, der durch die zierliche Arbeit noch sehr verschönert wird; darüber erhebt sich noch eine dritte Reihe gleicher Bogen, zwischen denen je zweien eine Nische in gleichem Styl sich befindet. In diesen Nischen sieht man die Spuren der neunzehn colossalen Statuen, die sie zierten, noch stehen, obwohl mehr, oder minder verstümmelt; einige derselben und eine einzige Figur, ein Bischof in vollem Schmucke, ist ganz unbeschädigt. Nun bedenke man, daß es, der Höhe nach, nur ungefähr die Hälfte der Mauer ist, welche noch aufrecht steht, und daß, wie es die Tradition bestätigt, über den Nischen noch ein paar Reihen von Halbbogen sich erhoben, die wieder eine solche Reihe Nischen mit noch colossaleren Statuen trugen, und daß über allem diesem sich ein gigantischer Hauptthurm erhob, ausgeführt im vollendetsten, zugleich erhabenen und äußerst anmuthigen Geiste der gothischen Baukunst, und man hat eine ziemlich treue Vorstellung von dem, was diese Fassade wirklich einmal war. In einer der Seitenmauern der Ruine ist eine weiße Marmortafel eingefügt. Die Sage gibt sie für das Maß der Länge des heiligen <hi rend="italic">Olaf</hi> aus — denn Alles im Tempel bezieht sich auf ihn — und die lange Reihe von Nachfolgern, deren Asche in diese Gewölbe versenkt ward, hat doch in der Volkssage sein Gedächtniß nicht auszulöschen oder auch nur sich selbst daneben einen Platz zu schaffen vermocht. Die Sage bezeugt, daß <hi rend="italic">Olaf</hi> durchaus nicht von ungewöhnlicher Länge gewesen sey; sondern eher das Gegentheil, doch diese Marmortafel ist ihre guten vier Ellen lang. Die enthusiastische Liebe und Bewunderung des Volkes hat in ihrem Materialismus nicht gewollt, daß der Heiligkeit des Königs der Vorzug der Gestalt fehle, welche die Masse als einen Stempel der Seele zu betrachten gewohnt ist.</p>
         <p>Eine Menge Grabhügel umgeben die Ruine von allen Seiten, sie sind mit einer Sorgfalt aufgeführt und unterhalten, welche zum Muster dienen könnte für Schwedens Hauptstadt, wo man, unter dem Vorwande von Verschönerungen, mehrfach die Barbarei gehabt hat, die Errichtung von Denkmälern über geliebter Asche, zu verbieten. Hier erheben sich belaubte Bäume, deren schattige Zweige überall durch das hohe Fenster blicken auf eine Zerstörung, welche nicht das Werk des Todes, sondern des Lebens ist.</p>
         <p>Dieser Kirchhof mit seinem Tempel, seiner Ruine, den einsamen, aber friedlichen Gräbern in seinem Schutze, mit seiner Aussicht auf das wechselnde Gemälde einer belebten Stadt, grünender Wiesen und die stillen, klaren Wellen des leise an seinem Fuße hingleitenden <hi rend="italic">Nidelfs</hi>, ist, als Grabstätte, vielleicht ohne seines Gleichen. Ein <hi rend="italic">Gray</hi> müßte schon für ihn allein geboren werden, aber das kann wenigstens bei den sehr realistischen Drontheimern schwerlich jemals geschehen.</p>
         <p>(Schluß folgt.) <lb/>|Sp. 1346|</p>
         </div>
         
         <div type="kn">
         <head>
          Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Nordamerika.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Vereinigte Staaten von Nordamerika.</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">St. Louis</hi>. Es ist Nachricht von dem zu <hi rend="italic">Potage</hi> in <hi rend="italic">Missouri</hi> nach 20gjähriger apostolischer Wirksamkeit erfolgten Ableben des ehrwürdigen Pater <hi rend="italic">van Quickenborn</hi> eingegangen. Er war zu <hi rend="italic">Petegham lez Deinze</hi> am 21. Januar 1788 geboren, war vier Jahre lang Professor am kleinen Seminar bei <hi rend="italic">Roulers</hi>, und versah, nachdem er zum Priester ordinirt war, einige Zeit das heilige Amt auf einem kleinen Dorfe bei <hi rend="italic">Courtray</hi>. In die Gesellschaft Jesu trat er am 14. Aprill 1815, und 1817 ging er nach Amerika. Seine zur Ehre Gottes unternommenen Arbeiten sind unermeßlich. Der Staat Missouri verdankt ihm seine meisten Niederlassungen. Dreimal besuchte er die Osagen, und durchwanderte verschiedene Male die weiten Strecken des nordwestlichen Missouri, wobei er stets den Zweck hatte, Kirchen zu stiften. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Courrier de la Meuse)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Philadelphia</hi>. Am 26. Aprill kamen zu Philadelphia in Nordamerika etwa 400 Abgeordnete der Wiedertäufer-Gemeinden zusammen, und bildeten eine Bibel-Gesellschaft für Amerika und das Ausland, im Gegensatz gegen die schon bestehende nordamerikanische Bibel-Gesellschaft, um die Bibel so zu übersetzen, daß sie für die Wiedertäufer-Ansicht spricht, und derartige sodann zu verbreiten. — Die nordamerikanischen Wiedertäufer haben auch eine Heimaths-Missions-Gesellschaft, für deren Zwecke 129 Arbeiter wirken, welche im letzten Jahre den Gemeinden 1332 Glieder zugeführt haben. — Die nordamerikanische <hi rend="italic">Traktat</hi>-<hi rend="italic">Gesellschaft</hi> hat bereits 669 verschiedene kleinere oder größere Schriften herausgegeben und verbreitet. — Die <hi rend="italic">Gesellschaft für Freunde der Seeleute</hi> hält Prediger für das Seevolk zu Canton in China, zu Honolulu auf den Sandwichs-Inseln in Australien, zu Havre und Marseille in Frankreich, zu Rio Janeiro in Brasilien, zu Kronstadt in Rußland, zu Batavia auf der Insel Java, zu Singapore und Calcutta in Ostindien, und in vielen Häfen Nordamerikas. Sie gibt ein monatliches Blatt für ihre Zwecke in 3500 Abdrücken, und hat außerdem Lieder und ein Erbauungsbuch für Seeleute drucken lassen. — Die <hi rend="italic">amerikanische Bibel-Gesellschaft</hi> hat im verflossenen Jahre 202,000 Bibeln und Neue Testamente gedruckt, und 206,240 in 15 Sprachen vertheilt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Berged. Bote)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Kirchenstaat.</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Rom</hi>, den 3. Okt. Se. Heiligkeit Papst Gregor XVI. hielt gestern Morgen ein geheimes Consistorium im Apost. Pallaste vom <hi rend="italic">Quirinal</hi>, und schloß in demselben, dem Herkommen gemäß, Sr. Emin. dem Hrn. Kardinal <hi rend="italic">Luigi Amat di S. Filippo a Sorso</hi>, der in dem geheimen Consistorium vom 19. Mai d. J. mit dem Purpur bekleidet worden war, den Mund. Darauf übertrug in gewöhnlicher Weise S. H. das Amt eines Camerlengo der heil. römischen Kirche Sr. Emin. dem Herrn Kardinal Giacomo <hi rend="italic">Giustiniani</hi>, Erzpriester der Vatikanischen Patriarchat-Basilika, Memorial-Secretär Sr. Hoh., Präfekt der heil. Congregation des Index und von <hi rend="italic">St. Peter</hi>. — Ferner besetzten Se. H. folgende Bischofs-Sitze, als<lb/>den von Porto, <hi rend="italic">S. Rufino</hi>, vereint mit <hi rend="italic">Civitavecchia</hi> durch Se. Emin. den Hrn. Kardinal Immanuel <hi rend="italic">de Gregorio</hi>, der bisher den Sitz von <hi rend="italic">Frascati</hi> einnahm;<lb/>den von <hi rend="italic">Frascati</hi> durch Se. Emin. den Hrn. Kardinal Lodovico Micara;<lb/>den Patriarchen-Stuhl von <hi rend="italic">Antiochia</hi> in partibus infideIium durch Monsign. Antonio <hi rend="italic">Piatti</hi>, von dem erzbischöflichen Sitze von <hi rend="italic">Trapezunt</hi> in partibus infidelium;<lb/>den Metropolitan-Sitz von Fermo dmch Monsign. Gabriele <hi rend="italic">de Conti Ferretti</hi> von dem vereinten Sitze von <hi rend="italic">Montefiascome</hi> und <hi rend="italic">Corneto</hi>; <lb/>den Metropolitan-Sitz von <hi rend="italic">Cagliari</hi> durch Monsign. Antonio Tore, vom Bischofssitze von <hi rend="italic">Ales</hi>; <lb/>den Erzbischofssitz von Tarsus in partibus infidelium; durch Monsign. Fabio Maria <hi rend="italic">de Condi Asquini</hi>, Hausprälat Sr. H., Apost. Delegat in der Provinz <hi rend="italic">Ancona</hi> und Doctor der Theologie;<lb/>|Sp. 1347| den bischöflichen Sitz von <hi rend="italic">Ermeland</hi> durch Monsign. Andreas Stanislaus <hi rend="italic">von Hatten</hi>, von dem Bischofs-Sitze von <hi rend="italic">Diana</hi> in partibus infidelium;<lb/>den Bischofssitz von <hi rend="italic">Pistoria</hi> und <hi rend="italic">Prato</hi> durch Monsign. Gio. Rossi von dem Bischofs-Sitze von <hi rend="italic">Pescia</hi>; <lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Marseille</hi> durch Monsig. Carlo Giuseppe Eugenio <hi rend="italic">de Mazenod</hi> vom Bischofs-Sitze von <hi rend="italic">Icosia</hi> in partibus infidelium;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Citta della Pieve</hi>, durch den ehrwürd. Giuseppe Maria <hi rend="italic">Severa</hi>, Priester aus der Diözese von <hi rend="italic">Anagni</hi>, infulirter Abt und Pfarrer der Stadt <hi rend="italic">Marino</hi>, auch Doctor der Theologie;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Fabriano</hi> und <hi rend="italic">Matelica</hi>, durch den ehrw. Francesco <hi rend="italic">Faldi</hi>, Priester in der Diözese von <hi rend="italic">Bologna</hi>, Kanonikus des Kollegial-Stiftes von <hi rend="italic">St. Petronio </hi>in <hi rend="italic">Bologno</hi>, General-Vikar der Diözese <hi rend="italic">Orvieto</hi>, Doctor beider Rechte;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Grosseto</hi> durch den ehrw. Giovanni Domerico Francesco <hi rend="italic">Mensini</hi>, Priester zu <hi rend="italic">Siena</hi>, Kanonikats-Präpositas an der Metropolitan-Kirche daselbst, Doctor der Theologie; <lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Bovino</hi> durch den ehrw. Francesco Saverio <hi rend="italic">Farace</hi>, Priester der Diözese <hi rend="italic">Ariano</hi>, Pfarrer zu <hi rend="italic">Rojeto</hi>, Doctor der Theologie;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Benosa</hi>, durch den ehrw. Michele <hi rend="italic">de Gattis</hi>, Priester der Diözese <hi rend="italic">Cosenza</hi>, Kanonikus des Collegiat-Stiftes von <hi rend="italic">Rubbano</hi>, in derselben Diözese, Doctor der Theologie;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Nusco</hi> durch den ehrw, Francesco Paolo <hi rend="italic">Mestropasqua</hi>, Priester von <hi rend="italic">Molfetta</hi>, General-Vikar der Diözese <hi rend="italic">Castellamare</hi>, Doktor beider Rechte; <lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Lodi</hi> durch den ehrw. Gaetano <hi rend="italic">de Conti Benaglia</hi>, Priester zu <hi rend="italic">Bergamo</hi> und Kanonikus der dortigen Kathedrale;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Girgenti</hi> durch den ehrw. Fr. Ignazio <hi rend="italic">Montemagno</hi>, Priester zu <hi rend="italic">Caltagirone</hi>, den im Orden der mindern Conventualen des h. Franziscus-Profeß gethan, Provinzial der Insel Sizilien, Magister der Theologie;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">St.-Flour</hi> durch den ehrw. Federico Gabriele <hi rend="italic">de Mangerian</hi>, Priester der Diözese <hi rend="italic">Bayeux</hi>, General-Vikar der Diözese <hi rend="italic">Soissons</hi>;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Zagabria</hi> durch den ehrw. Georg <hi rend="italic">Haulik</hi>, Priester der Diözese <hi rend="italic">Strigonia</hi>, Kanonikus an der Kathedrale daselbst, Präpositus an der Kathedrale von <hi rend="italic">Zagabaria</hi>, Doktor der Theologie;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Munkacz</hi> durch den ehrw.Basilius Papovies, Priester der Diözese Munkacz, Kanonikus der Kathedrale von Eperies;<lb/>den Bischof-Sitz von Canala in partibus infidelium mit dem Suffraganate von <hi rend="italic">Ostia</hi> und <hi rend="italic">Belletri</hi> durch den ehrw. Antonio Franci, Priester der Diözese Nepi, Genaral-Vikar der Diözese <hi rend="italic">Ostia</hi> und <hi rend="italic">Belletri</hi>, Doktor der Theologie und beider Rechte;<lb/>den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Grazianopolis</hi> in partibus infidelium, mit dem Suffraganat von <hi rend="italic">Warschau</hi> durch den ehrw. Thomas <hi rend="italic">Chmielecwski</hi>, Priester der Diözese <hi rend="italic">Plock</hi>, <lb/>Kanonikats-Präpositus der Kathedrale daselbst, General-Vikar von <hi rend="italic">Pultava</hi> und Pfarrer zu <hi rend="italic">Szyski</hi>; den Bischofs-Sitz von <hi rend="italic">Cariopolis</hi> in partibus infidelium, durch den ehrw. Rafaele <hi rend="italic">Serena</hi>, Priester zu Neapel, Ponitentiar-Kanonikus daselbst, Curat-Vikar, Rektor des städtischen Seminars, Doktor beider Rechte.</p>
         <p>Nach Bekanntmachung dieser Beförderungen öffnete S. H. nach herkömmlicher Weise Se. Emin. dem Hrn. Kardinal Amat <hi rend="italic">di S. Filippo e Sorso</hi> den Mund, verlieh auch das Pallium an die Metropolitane von <hi rend="italic">Fermo</hi> und <hi rend="italic">Cagliari</hi>, so wie an den Bischof von <hi rend="italic">Ermeland</hi>. Zuletzt legte S. H. dem Kardinal Amat <hi rend="italic">di S. Filipo e Sorso</hi> noch den Titel als Presbyterial von <hi rend="italic">S. Maria in Via</hi> bei und steckte ihm den Kardinalsring an. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Diario di Roma)</p>
         <p>— Das <hi rend="italic">Diario di Roma</hi> beschwert sich bitter über die in auswärtigen Blättern erschienenen Berichte über die Cholera in Rom. Namentlich ein Schreiben in der „Allgem. Zeltung“ aus Rom vom 22. August gibt zu mannichfachen Bemerkungen |Sp. 1348| Anlaß. Es sey ungegründet, sagt das <hi rend="italic">Diario</hi>, daß es dort Leute gegeben, die mit der Hellebarde jeden von sich abgehalten, der sich ihnen nähern wollte, daß andere sich in ihren Häusern einschließen, und nur an langen eisernen Haken das in Empfang nehmen, was sie bedürfen u. dgl. m. Die in Rom wohnenden Fremden werden als Zeugen aufgerufen, um zu bestätigen, ob sich das ruhige Ansehn der Stadt wohl an einem einzigen Tage verändert habe? Das römische Volk habe sich niemals ruhiger gezeigt, als in dieser Zeit, wo oft an Einem Rage mehr, als 400 Kranke nach den Hospitälern, und 200 Leichen nach den Gottesäckern getragen worden seyen. Ganz besonders aber wird dasjenige gerügt, was jener Correspondent über den Papst berichtete, der sich angeblich im Vatican eingeschlossen gehabt. Dieß sey eine schändliche Lüge, heißt es, da der heilige Vater vielmehr seit dem Beginn der Cholera und bis auf den heutigen Tag das wärmste Interesse für alle armen Cholerakranken offen an den Tag gelegt habe.</p>
         <p>— Bekanntlich hielten sich die HH. <hi rend="italic">Braun</hi> und <hi rend="italic">Elvenich </hi>als Abgesandte in der <hi rend="italic">Hermes</hi>‘schen Sache geraume Zeit hier auf, und arbeiteten an einer Uebersetzung hermesischer Schriften, von deren Prüfung sie eine Modifikation der bekannten Damnatio erwarteten. Sie waren von Sr. Heiligkeit an den P. General der Jesuiten gewiesen worden, dem sie auch endlich ein <hi rend="italic">unwesentliches</hi> Stück der <hi rend="italic">Hermes</hi>‘schen Dogmatik in lateinischer Uebersetzung überreichten. Der P. General drückte ihnen seine Verwunderung darüber aus, daß sie mit etwas so Unbedeutendem angefangen hätten, während es sich Abzüglich um die philosophische Einleitung und ihre Vorrede handle. Die Herren antworteten mit Ausflüchten: sie hätten keine Zeit gehabt, die Uebersetzung zu vollenden; allein es arbeiteten viele der Ihrigen daran, und in einigen Monaten könnten sie dieselbe vorlegen. Auch seyen sie beschäftigt, Noten zu den dunkeln Stellen der Einleitung zu verfassen. Der hl. Vater beauftragte hierauf den P. General, ihnen zu schreiben, wie ihr Benehmen ihn in Erstaunen setze und nur Verzögerungen veranlasse, die in ihnen und ihren Anhängern die Hoffnung erregen könnten, daß das Dekret gegen <hi rend="italic">Hermes </hi>geändert werden würde. Der hl. Vater erkläre jedoch, daß eine solche Hoffnung durchaus eitel sey. Er habe nur aus besonderm Wohlwollen ihre Uebersetzung nicht zurückgewiesen, nicht aber, als ob er die Lehre von <hi rend="italic">Hermes</hi> besser kennen lernen könne. Der heil. Stuhl pflege in solchen Dingen mit solcher Langsamkeit, Vorsicht und Reife zu verfahren, daß, außer dem, Petro und seinen Nachfolgern versprochenen göttlichen Beistande, alle menschlichen Mittel angewandt würden, um jede Gefahr eines unreifen Urtheils abzuwenden. Die Apologie der Hermesianer aber, unter andern die Acta Hermesiana, die der hl. Vater gelesen, hätten ihn nur in seinem Urtheil bestärkt. <hi rend="italic">Noten</hi> könnten die <hi rend="italic">Hermes</hi>'sche Lehre selbst nicht ändern oder bessern; es sey auch umsonst, wenn gezeigt würde, daß der Verfasser an einigen Stellen richtiger vortrage, was er an andern falsches lehre; denn Inconsequenz sey eben das Zeichen des Irrthums. Ihr längerer Aufenthalt in Rom sey aus diesen Gründen unnütz.</p>
         <p>Diese klare, im Auftrag Sr. Heiligkeit gegebene Antwort (vom 19. Juli l. J.) scheint indessen den beiden Herren noch nicht k!ar genug gewesen zu seyn; sie wendeten sich daher nochmals an den Kardinal-Staats-Sekretär <hi rend="italic">Lambruschini</hi>, dessen Antwortschreiben in deutscher Uebersetzung dem Publikum gewiß höchst interessant seyn wird; es lautet folgendermaßen: „Hochgeschätzte Herren!</p>
         <p>Ich habe Ihren Brief vom 22. Juli erhalten und es für meine Pflicht erachtet, ihn dem heil. Vater vorzulegen, damit ich in Betreff seines Inhalts die Willensmeinung Sr. Heiligkeit erfahren und im Stande seyn möge, dessen Befehlen nachzukommen.</p>
         <p>Vor Allem muß ich Ihnen danken, hochgeschätzte Herren, daß Sie so gütig waren, mir eine Abschrift jener Briefe mitzutheilen, die der hochw. P. General der Gesellschaft Jesu an Sie geschrieben, Ihnen aber auch zugleich erklären, daß besagte Briefe, besonders der vom 19. Juli, auf Befehl Sr. Heiligkeit geschrieben sind, und dessen Willensmeinung vollkommen enthalten.</p>
         <p>Aus Ihrem Briefe aber habe ich ersehen, daß Sie sich in einem bedeutenden Irrthume befinden. Sie äußern nämlich, wie Sie die Hoffnung hegten, daß <hi rend="italic">das Urtheil über Hermes </hi>(d. h. über seine Schriften) <hi rend="italic">einigermaßen geändert wer- </hi>|Sp. 1349| <hi rend="italic">den könne</hi>. Ich kann Ihnen nicht verhehlen, hochgeschätzte Herren, daß Se. Heiligkeit dieß mit großem Schmerze erfahren und sich nicht wenig verwundert habe, daß Sie keinen Anstand genommen, eine solche Hoffnung in Ihrem Schreiben auszudrücken, obgleich Se. Heiligkeit unmöglich glauben kann, daß Sie diese Aeußerung gemacht haben, um den apostolischen Stuhl zu beleidigen.</p>
         <p>Welche Gründe Se. Heiligkeit bewogen, eine lateinische Uebersetzung der <hi rend="italic">Hermes</hi>'schen Schriften annehmen zu wollen, (von der man übrigens dem hl. Vater gesagt hatte, Sie würden dieselbe fertig nach Rom mitbringen) hat Ihnen schon der hochw. P. General der Gesellschaft Jesu auseinandergesetzt. Wenn aber Se. Heiligkeit um der apostolischen Liebe willen dieß gestattet hatte, so war und ist es Seine Meinung nicht, in Ihnen auch nur eine leise Hoffnung rege zu machen, daß eine Aenderung in der Verurtheilung der <hi rend="italic">Hermes</hi>'schen Schriften stattfinden werde, indem diese eben so unabänderlich bleibt, als die Auktorität, aus der sie geflossen, unerschütterlich dasteht. Se. Heiligkeit wünschen also, daß Sie sich jeder solchen Hoffnung entschlagen, die gänzlich eitel und für den hl. Stuhl höchst beleidigend ist.</p>
         <p>Indem Sie in Ihrem Schreiben die Lehre der <hi rend="italic">Hermes</hi>'schen Schule von den Schriften des <hi rend="italic">Hermes</hi> unterscheiden, erklären Sie zugleich Ihre Bereitwilligkeit, ein Glaubensbekenntniß vom hl. Vater zu empfangen. Se. Helligkeit können nicht umhin, sich über solche Gesinnungen sehr zu erfreuen, und ertheilt Ihnen dafür das gebührende Lob. Indessen steht Ihnen der Weg offen, wie es Katholiken geziemt, das, was Sie mit Worten betheuern, durch die That zu bewähren. Es sind nämlich die <hi rend="italic">Hermes</hi>'schen Schriften vom heil. Stuhle schon verurtheilt; es ist Ihnen schon kund gegeben, daß das Urtheil des apostolischen Stuhles durch sich selbst fest stehe und unerschütterlich bleibe; deßwegen bedarf es gar keines neuen Glaubensbekenntnisses, das der h. Vater vorlegen soll; es ist vielmehr hinreichend, wenn Sie sich von ganzem Herzen und mit dem geziemenden Gehorsam dem Urtheil des hl. Stuhles, wodurch die <hi rend="italic">Hermes</hi>'schen Schriften verdammt wurden, unterordnen, und Alles verwerfen, was von Petri Stuhl verworfen ist, und nichts thun, was Sie von diesem sichern Pfade der Wahrheit abführt.</p>
         <p>Dieß, hochgeschätzte Herren, sind die wahren Gesinnungen Sr. Heiligkeit, und indem ich sie Ihnen mittheile, erlauben Sie mir zugleich, Sie mit den Worten des h. <hi rend="italic">Gregor des Großen </hi>anzureden: „Es geziemt sich, daß Ihr weiter keinen Zweifel hegt über die Kirche des hl. Apostelfürsten Petrus, sondern verharret im wahren Glauben und gründet Euer Leben auf den Vater der Kirche, d. h. auf das Bekenntniß des hl. Apostelfürsten Petrus.“ (Lib. III. Epist. 33. Indict. XII.)</p>
         <p>Nach dem, was ich auf Befehl Sr. Heiligkeit Ihnen eröffnet habe, werden Sie selbst einsehen, daß es für Sie unnöthig ist, wegen der <hi rend="italic">Hermes</hi>'schen Angelegenheit länger in Rom zu verweilen. Sind Sie aber in Ihr Vaterland zurückgekehrt, so wird es Ihre Pflicht seyn, hochgeschätzte Herren, Andern mit dem Beispiel des Gehorsams gegen dem Nachfolger Petri und Statthalter Christi auf Erden voranzugehen, den Sie in Ihrem Schreiben versprochen haben; es wird Ihre Pflicht seyn, die Anhänger der <hi rend="italic">Hermes</hi>'schen Lehre zu ermahnen, auf daß sie nicht mit eiteln und schlechten Zänkereien die Einheit der Kirche, die im hl. Petrus und seinen Nachfolgern ihre Grundlage hat, zerreißen, und von jenem Wege zurückkehren, der zu einem unseligen und verabscheuungswürdigen Schisma führt.</p>
         <p>Der heil Vater zweifelt nicht, daß Sie, vermöge Ihres Eifers für die Religion, dieß bereitwillig thun und dahin wirken werden, daß die Katholiken Ihrer Gegend von Tag zu Tag sich enger dem hl. Stuhle anschließen, ihm den gebührenden Gehorsam beweisen und keinen andern Glauben im Herzen tragen und bekennen, als den des hl. Petrus, d. h. des römischen Papstes.</p>
         <p>Ich benutze diese Gelegenheit, Ihnen die Versicherung der aufrichtigen Hochachtung zu geben, mit der ich verharre etc. (unterzeichnet) <hi rend="italic">Lambruschini</hi>.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Sion.)</p>
         <p>— den 6. Okt. Der Monsignore <hi rend="italic">Capaccini</hi>, Unterstaatssekretär, ist vorgestern von seiner Reise aus Deutschland wieder eingetroffen. Er ist mit dem Aufenthalte in den verschiedenen Hauptstädten, die er besuchte, sehr zufrieden gewesen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">
            <hi rend="italic normalweight">|Sp. 1350|</hi> Beide Sizilien.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Neapel</hi>. Der König von Neapel hat den Bischof von <hi rend="italic">Aquino Sora</hi> und <hi rend="italic">Ponte Corvo</hi>, Monsignore <hi rend="italic">Mazzetti </hi>vom Orden der Karmeliter zum Präsidenten der Studien-Direction ernannt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Leipz. Ztg.)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Palermo</hi>. Italienische Blätter bestätigen die Nachricht von dem Tode des Kardinal-Ezbischofs von <hi rend="italic">Palermo</hi>. Msgr. <hi rend="italic">Gaetano Maria Trigona e Parisi</hi> war am 2. Juni 1767 zu <hi rend="italic">Piazza</hi> auf <hi rend="italic">Sicilien</hi> geboren, und wurde durch den jetzt regierenden Papst am 23. Juli 1834 mit dem Purpur bekleidet.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>— <hi rend="italic">Palermo</hi> hat durch die Cholera unermeßlich gelitten, ja es gibt kein Beispiel, daß sie in irgend einer andern Stadt Europa's bisher so viele Opfer dahingerafft hätte. Aus den höheren Ständen, die titulirte Geistlichkeit mitgerechnet, starben mehr, als 120 Personen. Man hat darunter den Verlust des berühmten Abbate <hi rend="italic">Eciná</hi> zu betrauern. Von den Pfarrern von Palermo blieb ein einziger am Leben. Das Nonnenkloster la Martorana ist gänzlich ausgestorben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. M.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Penne</hi>. Die Annäherung der Cholera hatte auch zu Penne, wie an vielen andern Orten des Königreichs, eine große Gährung und Unruhe erzeugt, die dadurch noch gesteigert worden, daß treulose Unruhestifter das Gerücht verbreiteten, die Cholera sey nichts Anderes, als eine von der Regierung veranstaltete Vergiftung des Volkes. Um dieser schändlichen Fabel Glauben zu verschaffen, hatten die Bösewichter gefärbte Substanzen in die öffentlichen Brunnen geworfen. Als nun am 23. Juli — es war ein Sonntag — die Einwohner von Penne vom Nachmittagsgottesdienste aus der Kirche kamen, und wie gewöhnlich auf dem Platze vor derselben einige Zeit im Gespräche verweilten, traten plötzlich die Häupter der Verschwörung heran, haranguirten das Volk, beschuldigten geradezu die Regierung der <hi rend="italic">Vergiftung</hi> und schlugen, den Schrecken, den ihre gräulichen Reden erregten, benutzend, vor, andere Behörden zu ernennen, und eine <hi rend="italic">Constitution</hi> zu proklamiren, in der man alles nur erdenkliche Heil finden würde. Da ihre Reden bei den bethörten Zuhörern Eingang zu finden schienen, benutzten die Aufwiegler diese Stimmung, proklamirten auf der Stelle die Constitution, und ernannten, um das Volk durch den <hi rend="italic">Schein</hi> der Theilnahme achtbarer Leute ihrem Unternehmen geneigter zu machen, eine <hi rend="italic">provisorische Regierung</hi>, aus acht der angesehensten Einwohner der Stadt bestehend. Ein Posten der Gendarmerie wurde entwaffnet; der Polizeinspektor in's Gefängniß geworfen; der Bischof Monsignor <hi rend="italic">Riccardoni</hi> aufgefordert, die <hi rend="italic">neue</hi> Constitution zu beschwören und am folgenden Tage das Te Deum zu singen. Allein die Nacht bringt Rath. Die acht Mitglieder der provisorischen Regierung, welche früher gar nicht um ihre Zustimmung gefragt worden waren, meynten, daß dieß eine schlechte Sache sey, in die sie sich, da sie ihnen große Unannehmlichkeiten zuziehen dürfte, nicht einlassen wollten, und beschlossen, nicht bei'm Te Deum zu erscheinen, und überhaupt sich von aller Verantwortlichkeit loszumachen. Am folgenden Tage, zu der zur Abhaltung des Te Deums festgesetzten Stunde, hatten sich daher außer einer Menge von Einwohnern bloß die Hauptansiifter des Aufruhrs in der Kirche eingefunden; die für die Mitglieder der provisorischen Regierung bestimmten Sitze blieben leer. Nun erschien der <hi rend="italic">Bischof</hi>; er bestieg die Kanzel und hielt eine Anrede an das versammelte Volk, worin er sagte: man habe ihm die Constitution und die Einsetzung neuer Behörden als kräftige Gegengifte gegen die Cholera geschildert, und das Volk habe dieß gutmüthigerweise geglaubt; er aber, als ihr Bischof, wolle ihnen nun die ganze Wahrheit enthüllen; die Geschichte mit der Vergiftung sey eine Fabel und pure Verläumdung; die Constitution sey gegen den Willen des Königs und habe keinen andern Zweck, als seine Autortät anzugreifen und zu zerstören; derlei Unternehmungen seyen in den Augen Gottes ein Gräuel. Der Bischof hatte kaum geendet, als das Volk laut aufschrie: Contro lo Ré, allora non ne vogliamo per niente, und Alles verließ die Kirche, in welcher nur noch die Anstifter des Aufruhrs, ganz verblüfft über diese Szene, zurückblieben, die sich dann ebenfalls in aller Stille davon schlichen. Der Bischof beschränkte seinen Muth und seinen oberhirtlichen Eifer nicht auf das; er ermahnte die von den Aufrührern aufgestellte Wache, zu ihrer Pflicht zurückzukehren und ging hier- |Sp. 1351| auf dem Militärkommandanten der Provinz, Obristen <hi rend="italic">Tanfano</hi>, der mit Gendarmen, Stadtgarden und bewaffneten Douaniers heranzog, entgegen, um vor ihm als Dollmetsch der wahren Gesinnungen der überwiegenden Mehrzahl der Bewohner <hi rend="italic">Penne's</hi>, das Wort zu führen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Z.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Deutschland.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Würtemberg.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Stuttgart</hi>, 21. Sept. So eben ist das dritte Heft der „Streitschriften zur Vertheidigung meiner Schrift über das Leben Jesu und zur Charakteristik der gegenwärtigen Theologie“, von Dr. <hi rend="italic">Strauß</hi> erschienen. Es ist wider die <hi rend="italic">Evangelische Kirchenzeitung</hi>, die <hi rend="italic">Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik und die Theologischen Studien und Kritiken</hi> des Dr. <hi rend="italic">Ullmann</hi> gerichtet, und beleuchtet zuvörderst die Stellung der <hi rend="italic">Evangelischen Kirchenzeitung</hi> zur biblischen Kritik im Allgemeinen, ihre einzelnen Anfechtungen sodann gegen das famose <hi rend="italic">Straußische</hi> Werk, hierauf in dem wider die Berliner Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik gerichteten Kapitel das allgemeine Verhältniß der <hi rend="italic">Hegel</hi>'schen Philosophie zur theologischen Kritik, <hi rend="italic">Hegel's</hi> Ansicht über den historischen Werth der evangelischen Geschichte etc., wobei später Herr <hi rend="italic">Rosenkranz</hi> als das Centrum der <hi rend="italic">Hegel</hi>'schen Schule ausgegeben wird. Ein Sendschreiben an Dr. <hi rend="italic">Ullmann</hi> und einige Bemerkungen über die Recension des Dr. F. <hi rend="italic">Müller</hi> machen den Beschluß. — Das <hi rend="italic">Straußische</hi> Werk soll nun auch ins Russische und Polnische übersetzt werden, und nach den Versicherungen des Verlagshändlers selbst hat es in den österreichischen Staaten bedeutenden Absatz. — Hr. <hi rend="italic">Strauß</hi>, der bloß in der theologischen Fakultät als Lehrer zu wirken wünscht, welchem Wunsche aber natürlich von keiner Regierung einseitig nachgegeben werden kann, soll nun auf jedwedes akademische Lehramt verzichtet, und sich vorgenommen haben, bloß auf dem Felde der Literatur für seine Ansichten und den Drang seines Wesens zu wirken. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Hannov. Z.)</p>
         <p>— Die nun seit beinahe einer Woche andauernde Anwesenheit des berühmten Theologen <hi rend="italic">Tholuck</hi> dahier hat unsere hiesige Pietisten-Gemeinde in nicht geringe Bewegung versetzt. Diesem Manne widerfährt viele Hochachtung, und er hat sogar, wie man sagt, sich dazu bewegen lassen, am kommenden Sonntage in einer unserer Kirchen zu predigen. Der ganze Pietismus ist auf den Füßen, und er erwartet neues Oel in die tiefen Wunden, welche die neu beginnende Profanität unserer Rationalisten und Materialisten, von dem Christusleugner <hi rend="italic">Strauß</hi> geführt, wie der schon vor längerer Zeit erfolgte Tod seines ersten Hortes, des Stadtpfarrers <hi rend="italic">Dann</hi>, ihm geschlagen.</p>
         <p>Unsere hiesigen Rationalisten sind zugleich von einem andern, stärkern Gegner gedrängt, der sein Geschütz von dem Sitze des Schweizerischen Radikalismus zu uns herübergeschleudert. Es ist der bekannte Philosoph Dr. <hi rend="italic">Troxler</hi>, Professor an der Berner Hochschule, der schon in mehreren seiner philosophischen Werke die deutsche Philosophie auf der Basis des Christenthums zu regeneriren versuchte. Nun hat er auch das „seltene uralte geistreiche, Büchlein“ die „Teutsche Theologia, oder: die Christus-Religion in ihrer echten reinen Confession, wie dieselbe vor der Kirchentrennung bestanden“ von dem „weltberühmten“ Dr. Johannes <hi rend="italic">Laulerus</hi>, mit einer höchst interessanten Einleitung als Nießwurtz für den Teutschen Rationalismus, Naturalismus und Materialismus herausgegeben.</p>
         <p>In Wahrheit — man muß hiefür dem Hrn. Dr. <hi rend="italic">Troxler </hi>nicht nur im Interesse der Wissenschaft, sondern auch im Interesse eines durch eiteln Spiritualismus, wie durch einen crassen Materialismus immer mehr herunterkommenden Glaubens, lebendigen Dank wissen. Seine Vorrede zu dem Buche, die neuesten Richtungen der Theologie wie der Philosophie bezeichnend und würdigend, verdient nicht nur die Beachtung aller Männer vom Fache, sondern die vorzügliche Aufmerksamkeit aller Gebildeten, welche aus ihr nebst <hi rend="italic">Strauß</hi> und dem verschollenen jungen Deutschland, manche wohlthätige Belehrung und Erweiterung ihrer philosophischen Ansichten schöpfen können. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Frbgr. Ztg.)</p>
         <p>— Se. königl. Majestät haben nach höchstem Dekrete vom 20. Sept. an den Ordens-Vicekanzler, dem Pfarrer <hi rend="italic">Walter</hi> zu Kirchbierlingen, Dek. Ehingen, vormaligen Prälaten des aufgehobenen Reichsstiftes zu Ober-Marchthal, aus Veranlassung seiner |Sp. 1352| bevorstehenden Priester-Jubelfeier, in gnädigster Anerkennung seiner vieljährigen ausgezeichneten amtlichen Wirksamkeit, das Commenthurkreuz Höchstihres Ordens der Würtembergischen Krone zu verleihen geruht. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. M.)</p>
         <p>— Die hier anwesenden Juden verbanden mit der Feier des königlichen Geburtsfestes noch ein anderes: die Einweihung einer neuen Synagoge gegenüber vom Ständehause. Hr. Dr. <hi rend="italic">Maier</hi>, der Rabbiner, hielt eine sehr gehaltreiche Rede. Hiebei kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken, daß der größere Theil der hiesigen Juden, als zum gebildeten Stand gehörig, die sogenannte Juden-Emanzipation aufs dringendste fordert, wie ja auch Herr Dr. <hi rend="italic">Maier</hi> auf der Rabbinerversammlung in Wiesbaden war, daß aber dessen ungeachtet auch noch viele eingefleischte Stockjuden hier wohnen, die jeden Fortschritt der Annäherung an die übrigen Menschen für eine Entheiligung, und alle Abschaffung in diese Zeit nicht mehr passenden Gebräuche für ein Gräuel erachten. Diese Art Juden wird noch lange Jude bleiben trotz aller Gegenbemühungen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Freib. Ztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rottenburg</hi>, 3. Okt. In Folge der am 15. v. M. und an den folgenden Tagen zu Tübingen unter Mitwirkung der Kommissarien des kathol. Kirchenraths und des bischöflichen Ordinariats stattgefundenen ersten Dienstprüfung (für die Aufnahme in das Priester-Seminar) und nach dem Ergebniß der Verhandlungen über sonstige zu berücksichtigende Verhältnisse, sind von 32 Kandidaten der kathol. Theologie 24 fähig erkannt und sonach in das Priester-Seminar zu Rottenburg aufgenommen worden.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         </div>
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="tais">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p><title>
            <hi rend="bold">* Erstes Prologomenon zu einer künftigen Dogmatik und Sittenlehre für Israeliten.</hi>
        </title> </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">S. Scheyer </hi>
            <hi rend="bold">in Frankfurt am Main.</hi>
         </p>
         <p>So mannigfaltig auch die Gesichtspunkte sind, aus welchen ehemals und gegenwärtig von dem gebildeten und gelehrten Theile unserer Glaubensgenossen das Wesen und die Bedeutung unserer geoffenbarten Religion betrachtet wurde und wird, so stand und steht doch der Grundsatz als unbestreitbar und unbestritten fest, daß nur der als ein wahrer Israelite zu betrachten ist, welcher in Sachen der Religion den Inhalt der mosaischen Bücher, der ersten Denkmale unserer Religion, als die höchste Autorität anerkennt.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Ef. Sanhedrin S. 90a, die Mischnah ואלו שאין להם חלק לעולם הבא וכו ואין תורה מן השמים Ef. hierüber ibidem 99a. Viele glauben, man habe sich unter diesem Ausdrucke eins eigentliche Absprechung der Seligkeit zu denken, insofern der bekannte talmudische Grundsatz מאן סליק לעילא ואתא ואמר (Trakt. Makkoth 23a) hier keine Anwendung findet, da die Rabbinen einen exegetischen Beweis dafür anführen. Allein dagegen sprechen viele andere talmudische Stellen, Ef. Trakt. Kiduschin, S. 40a חמורה עא שכל הכופד בה כאלו מודה בכל התורה בולה Die Worte אין לו חלק לעולם הבא sind also identisch mit הרי זה כופר בעיקר. Üeberdieß trägt vieles in dieser Mischna einen agadischen Charakter, wie die Aufzählung der Vier Könige und der drei Privatpersonen, die keinen Antheil am ewigen Leben haben. Ef. ib. S. 104b. מי מנאן וכו. </p>
            </note> Alle isr. Theologen von <hi rend="italic">Maimonides</hi> an bis in die neueste Zeit, welche die Grundlehren der mosaischen Religion aufzustellen versuchten, haben darum auch einstimmig den Glauben an die Göttlichkeit der mosaischen Religion, welcher die äußerste Gränzlinie zwischen dem Israeliten und dem Deisten zu bilden scheint, zu diesen Grundlehren gerechnet; und selbst derjenige wel- |Sp. 1353 | cher mit <hi rend="italic">Mendelsohn</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
                     <p rend="UKZ 8 fussnote"> Ef. Mendelsohn's Jerusalem S. 116. <lb/>„Das Judenthum rühmt sich keiner ausschließenden Offenbarung ewiger Wahrheit, die zur Seligkeit unentbehrlich sind, keiner geoffenbarten Religion in dem Verstande, in welchem man dieses Wort zu nehmen gewohnt ist. Ein anderes ist geoffenbarte Religion, ein anderes geoffenbarte Gesetzgebung. Die Stimme, die sich an jenem großen Tage auf Sinai hören ließ, rief nicht: „Ich bin der Ewige, Dein Gott, das nothwendige selbstständige Wesen, das allmächtig ist und allwissend, das den Menschen in einem zukünftigen Leben vergilt nach ihrem Thun.“ Dieß ist allgemeine Menschenreligion, nicht Judenthum, und allgemeine Menschenreligion, ohne welche die Menschen weder tugendhaft sind, noch glückselig werden können, sollte hier nicht geoffenbart werden.“</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">
                        <hi rend="italic">Mendelsohn</hi>, der hiermit, wie er auch an anderen Stellen ausdrücklich (Ef. S. 120) bemerkt, alle Glaubenslehren aus dem Judenthum entfernt, hat sich weder in Beziehung auf die seine Ansicht unterstützenden Gründe, noch über die Bedeutung seiner Ansicht. (Der Israelite hat doch jedenfalls die Dogmen der heil. Schrift als wahr anzuerkennen?) noch über das Verhältniß der Dogmen zu den rein sittlichen Geboten mit derjenigen Klarheit ausgesprochen, welche die Wichtigkeit des Gegenstandes verdient hätte. Hierdurch wurde zu vielen Mißverständnissen Veranlassung gegeben. So meynt z. B. Dr. <hi rend="italic">Freistadt</hi> in einem, in der jüngst erschienenen <hi rend="italic">Sulamith</hi> übrigens vortrefflichem Aufsatze, daß <hi rend="italic">Mendelsohn</hi> deßwegen alle Glaubenslehren aus dem Judenthum verbanne, weil er als ein eifriger Anhänger des leibnitzischen Dogmatismus der Meynung sey, daß die ewigen Wahrheiten nicht geglaubt, sondern erkannt und gewußt werden müssen. Allerdings ist <hi rend="italic">Mendelsohn</hi> dieser Meynung, die er auch S. 104 besonders hervorhebt. „Ich erkenne keine anderen ewige Wahrheiten, als „die der menschlichen Vernunft nicht nur begreiflich, sondern durch „menschliche Kräfte dargethan und bewährt werden können.“ Allein dieß ist nicht der wesentliche Grund von seiner Ausschließung der Glaubenslehren aus dem Judenthume. Wäre dieß der Fall; so müßte <hi rend="italic">Mendelsohn</hi> annehmen, Gott hätte die Gesetzgebung bloß den Philosophen offenbart, die weil sie durch philosophische Spekulation die im Pentateuch enthaltenen ewigen Wahrheiten zum apediktischen Wissen, erheben, des Glaubens entbehren können. Denn was soll der nichtphilosophirende Theil der Nation mit jenen Wahrheiten anfangen, die nicht von ihm <hi rend="italic">gewußt</hi> werden können, und doch nicht <hi rend="italic">geglaubt</hi> werden sollen? Oder besser, <hi rend="italic">Mendelsohn</hi> hätte dann die Glaubenslehren im Judenthum für die Nichtphilosophen stehen lassen sollen. Es ist also gewiß, <hi rend="italic">Mendelsohn's</hi> Behauptung hat mit seinem Dogmatismus nichts gemein, sie gründet sich vielmehr auf seine Ansicht, nach welcher alle Vernünftige Wesen durch die natürliche Offenbarung, durch die Schöpfung von denen ewigen Wahrheiten schon einen solchen Grad der Erkenntniß erlangen, welcher zur Tugend und Glückseligkeit nothwendig ist. Er findet in der entgegengesetzten Ansicht, nach welcher eine übernatürliche Offenbarung jener Wahrheiten für nöthig gehalten wird, den Widerspruch, daß man sich von der einen Seite Gott als gütig denkt, den Menschen diejenigen Wahrheiten zu offenbaren, von welchen ihre Glückseligkeit abhängt, aber nicht gütig oder allmächtig genug, ihnen selbst die Kräfte zu verleihen, solche zu entdecken. Ef. S. 111 u. S. 163.</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Es erfolgt hieraus, daß durch die Offenbarung am Sinai nicht Belehrung über die ewigen Wahrheiten bezweckt wurde, daß also die mosaische Gesetzgebung diese Wahrheiten nicht dem Glauben der Nation aufdringt, und sie nur deßwegen in sich aufnahm, weil die positiven Gesetze sich auf ewige Vernunftwahrheiten beziehen, und beide sich zu einander wie Körper und Seele verhalten. Ef. S. 119.</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Auch nach den Resultaten des Hrn. Dr. <hi rend="italic">Steinheim</hi>, welcher in seinem berühmten Schiboleth das Wesen und die Bedeutung der Offenbarung aus einem dem mendelsohnischen ganz entgegengesetzten Gesichtspunkte betrachtet, gibt es keine eigentlichen Glaubenslehren im Judenthum. Er hält eine übernatürliche Offenbarung für ein nothwendiges, unabweisbares Bedürfniß der Menschheit, welche in keinem Zustande, weder im natürlichen, noch in dem Zustande der höchsten geistigen Entwicklung durch ihre eigenen Mittel und Kräfte zu richtigen Begriffen von Gott und den göttlichen Dingen und daher zu wahrer Tugend und Glückseligkeit gelangen könne. Alle Resultate der menschlichen Vernunft in Betreff der ewigen Wahrheiten seyen nothwendig mit einem Widerspruch behaftet, und folglich Trug und Lüge. Daher bemerkt er gegen <hi rend="italic">Mendelsohn</hi>, den er zwar nicht ausdrücklich nennt; Das allgemein beliebte Beschönigungsmittel einer gar zu zudringlichen Theodice neuerer Weisen, die da behauptet, die Vorsehung habe für die wesentliche Seite im Menschen, für seine moralische Bestimmung besser gesorgt, als daß er diese einer der vielfältigsten Deutung empfänglichen Offenbarung hatte anvertrauen sollen, ist im Grunde weiter nichts, als das alte, alberne Compliment, das der Mensch seiner eigenen Vortrefflichkeit zu machen beliebt.“ Seite 9. Nach ihm ist:</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">„Der Gott des natürlichen Menschen, wie aller dogmatischen „Philosophie ein Knecht der Nothwendigkeit, seine Macht keine „Macht, seine Güte keine Güte, seine Liebe keine Liebe.“ Seite 226 vergl. 238.</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Nachdem er nun diesen nothwendigen Widerspruch in den Ergebnissen der natürlichen Betrachtungsweise und der philosophischen Forschung auch in Bezug auf die Idee der Freiheit, der Unsterblichkeit etc. nachgewiesen, zeigt er, daß die Lehren der Offenbarung über diese Ideen zwar mit den Resultaten der Vernunft, aber nicht mit sich selbst im Widerspruch sich befinden, und daher unsere Vernunft nöthigen, nachdem sie das ihrige verworfen hat, diese Lehren der Offenbarung für die einzige Wahrheit zu betrachten.</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Wir enthalten uns jedes Urtheils über dieses wichtige, großartige Unternehmen des geistreichen und gelehrten Schriftstellers und haben seiner Ansicht über die Offenbarung nur deßwegen Erwähnung gethan, weil auch er nothwendig mit <hi rend="italic">Mendelsohn </hi>keine Glaubenslehren im Judenthum anerkennt. Vielleicht fällt nach dem Schiboleth in Betreff der theoretischen Wahrheiten selbst die Notwendigkeit der Annahme des historischen Glaubens weg, den Mendelsohn zugibt.</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Anders, sehr geschätzte, ältere und neuere jüdische Theologen weichen eben so weit von der mendelsohnischen, als von der steinheimischen Ansicht ab, und halten dafür, daß Gott uns allerdings schon durch die Natur und die Erfahrungen des Lebens mit seinem Willen und seinen Rathschlüssen bekannt mache, daß aber die Vernunftreligion, der Offenbarung zu ihrer Bewahrung und Begründung bedürfe (Vgl. Joma, 67b, wo der Talmud von  עא גע וכוsagt: דברים שאלמלי לא נבתבו דון הוא שיכתבו aber nicht (דברים שאלמלי לא נכתבו היינו יודעים אותם daß sie durch dieselbe an Gewißheit und Zuverlässigkeit gewinne, und daß darum die Gottheit in einer Zeit, wo sie in ihrer unergründlichen Weisheit das Bedürfniß erkannte, ihre Offenbarung an ein Volk ergehen ließ, welches durch seine früheren Schicksale am meisten zum Verständniß und Verbreitung derselben geeignet war. Viele dieser Männer haben bloß die populäre Erkenntniß der göttlichen Dinge im Auge, jene Erkenntniß, welcher es an der nöthigen Evidenz, an Schärfe und Konsequent gebucht, welche aber zur Aufklärung, Tugend und Glückseligkeit genügt, welche ohne göttlichen Unterricht dem Streite der Meynungen unterliegt, und darum durch die Autorität der Offenbarung außer allen Zweifel gesetzt wurde. Ob aber diese Wahrheiten durch planmäßige Meditation zum apediktischen Wissen erhoben werden können, lassen diese Männer dahingestellt seyn. <hi rend="italic">Maimonides</hi>, als Dogmatiker, hat aber das Vertrauen zur menschlichen Vernunft, daß sie über die uns von Gott auf dem Wege der Offenbarung mitgetheilten Lehren eine deutliche, folgerichtige, vollständige und gewisse Erkenntniß zu gewinnen vermöge. Er spricht sich hier aus in „Führer der Verirrten“ 3,54. „Insofern die „Vernunftwahrheiten im Gesetze als überliefert dargestellt, aber nicht durch Beweise entwickelt sind; so finden wir auch in den Schriften der Propheten und der Rabbinen, daß sie die Lehren des Gesetzes und die eigentliche Weisheit (Philosophie) von einander trennen und als zwei verschiedene Wissenschaften betrachten. Die wahre Weltweisheit gelangt durch Vernunftgründe zu denselben Resultaten, welche uns das Gesetz auf dem Wege der Tradition mittheilt. Und alle Stellen der Schrift, in welcher die Rede ist von der Wichtigkeit und den Vorzügen der Weisheit, beziehen sich auf die Philosophie, welche uns die Lehren des Gesetzes durch Beweise begründet.“</p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Was aber die Frage über das Kriterium der Offenbarung betrifft, so scheinen diese Theologen kein großes Gewicht auf dieselbe zu legen, und bedürfen im Grunde nach ihrer Ansicht keines anderen Kriteriums als desjenigen, welches die im Pentateuch dargestellten Lehren selbst darbieten. Insofern diese Lehren nicht etwas dem menschlichen Geists fremdartiges sind, empfehlen sie sich jedem unbefangenen, wohlgesinnten Menschen von selbst, tragen für ihn das Gepräge der Wahrheit und der bindenden Kraft an der Stirne und nur der Thor spricht: „Es ist kein Gott, kein Sittengesetz und vergeltendes Gericht“ (Ps. 14). </p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Auf dieß einzig wahre und giltige Kriterium der offenbarten Lehren macht uns schon die hl. Schrift selbst aufmerksam, indem Moses den Israeliten zurief: „Beobachtet und übet sie! denn das muß Eure Weisheit seyn und Eure Vernunft vor den Augen der Völker, welche hören werden alle diese Gesetze; sie werden sagen: „Nur ein weises und vernünftiges Volk ist diese große Nation etc. Und welche Nation ist so groß, daß sie solche gerechte Gesetze und Verordnungen hätte, wie diese ganze Lehre, die ich Euch heute vorlege!“ Deut. 4,6-8. </p>
                     <p rend="UKZ 8 fussnote">Die Schrift beruft sich also ausdrücklich auf die innere, jedem Menschen einleuchtende Wahrheit der theoretischen Lehren und sittlichen Gebote, doch fügt sie sogleich hinzu: „Nur hüte Dich, und behüte Deine Seele sehr, daß Du nicht vergessest die Dinge etc., den Tag etc.“, mit welchem Worte sie auf die Nothwendigkeit des Glaubens an die Göttlichkeit der offenbarten Lehren hindeutet, insofern durch die Offenbarung die dem natürlichen Bewußtseyn erkennbaren Wahrheiten ihre Begründung und Bewehrung erhielten. Nach diesen Theologen hat neben dem historischen Glauben auch überhaupt die Wiederaufnahme der Idee des Glaubens in Beziehung auf die offenbarten theoretischen Wahrheiten sehr viel für sich, wiewohl Niemand abgeschreckt durch die mißlungenen Versuche des Maimonides, Chisdai und Albo die Feststellung einer bestimmten Anzahl Fundamentallehren billigen wird. Ef. den erwähnten Aufsatz Freistadt's „haben die Juden Glaubensartikel oder nicht?“ — Eine vierte modifzirt mendelsohnische Ansicht über die Offenbarung, als deren Repräsentant <hi rend="italic">Reggio</hi> התורה והפילוסופ יאה S. 176-184 Ef. 152 zu betrachten ist eujus jam pridem explosa sententia est, können wir füglich übergehen.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> alle Glaubensartikel aus dem Judenthume verbannen will, muß in Beziehung auf den erwähnten Glauben eine Ausnahme gelten lassen, und denselben als dem |Sp. 1354| Judenthum wesentlich und nothwendig betrachten, welche Annahme auch durchaus nicht der mendelsohn'schen Grundansicht widerspricht, vielmehr mit derselben in vollkommenem Einklange |Sp. 1355| steht, da die Göttlichkeit der mosaischen Religion keine ewige, sondern auf die Offenbarung am Sinai sich gründend eine historische Wahrheit ist, bei welcher <hi rend="italic">Mendelsohn</hi> den Begriff des Glaubens zulässig findet.<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Siehe Jerusalem 110. </p>
            </note>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Maimonides</hi>, welcher zuerst diesen Glaubensartikel ausführlich zur Sprache bringt, und sich höchst treffend über denselben ausdrückt, sucht die Wichtigkeit und Bedeutung desselben im Judenthum aus der Schrift nachzuweisen<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> In seinem Commentar zum 10. Kapitel des Traktats Sanhedrin, היסוד השמיני und in Hilchoth Jesode Thorah, Kapitel 8, משה רבינו לא האמינו בו ישראל, מפני האותות שעשה:</p>
            </note> und in der That finden sich mehrere Stellen im Pentateuch, aus welchen mit zuverlässiger Gewißheit hervorgeht, daß Moses den Glauben an die göttliche Offenbarung am Sinai also den Glauben an die Göttlichkeit der mosaischen Religion als den wesentlichen Charakter eines jeden Israeliten und als die Säule betrachtet, auf welcher das ganze Gebäude des Judenthums beruht, „Nur hüte Dich, und behüte Deine Seele sehr, daß Du nicht vergessest die Dinge, welche Deine Augen gesehen, und daß sie nicht weichen aus Deinem Herzen, die ganze Zeit Deines Lebens—kund thun sollst Du sie Deinen Kindern und Deinen Kindeskindern: den Tag, da Du gestanden vor dem Ewigen Deinem Gotte, am Horeb.“ Deut. 4,910 Ef. ibid. B. 33 und Kap. 5,2-5.</p>
         <p>So gewiß nun aus der Einhelligkeit der jüdischen Theologen in Betreff dieses historischen Glaubens hervorgeht, daß auch alle theoretischen und religiösen Lehren und sittlichen Gebote, welche nach einer vernünftigen Exegese in dem Inhalte der mosaischen Bücher sich befinden, bindend sind, d.h. daß der Israelite jene Lehren als unbezweifelbare Wahrheiten zu halten, und jene Gebote im Leben auszuüben hat, so könnte sich jedoch die Frage erheben, ob die Summe der religiösen Lehren und sittlichen Gebote, welche die Vorsehung unsern Vätern offenbaren wollte, vollständig im Pentateuch enthalten ist, oder ob es außer diesen Büchern noch andere ursprüngliche und daher nothwendige Quellen jener göttlichen Offenbarung gibt.</p>
         <p>Abgesehen nämlich davon, daß wir neben dem Pentateuch noch andere heilige Bücher besitzen, welche den Inhalt unsers Kanons bilden, zerfällt auch bekanntlich die mosaische Religion, nach der von den bedeutendsten Autoritäten unterstützten Meinung, der wir eine unwiderlegliche Gültigkeit zuschreiben dürfen, in zwei Theile, den schriftlichen und den mündlich überlieferten. Es fragt sich demnach, enthalten auch jene heiligen Bücher und die mündlichen Offenbarungen religiöse Lehren und sittliche Gebote, welche weder ausdrücklich im Pentateuch stehen, noch sich aus demselben entwickeln lassen?</p>
         <p>Die Lösung dieser Frage, welche schon an und für sich sehr wichtig ist, und namentlich auf die Darstellung einer Religionsund Sittenlehre für Israeliten nothwendig einen entschiedenen Einfluß gewinnen muß, wollen wir durch folgende Betrachtung zu vermitteln suchen.</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.) <lb/>|Sp. 1356|</p>
         </div>
         
         <div type="taka">
         <head>
           Katholische Abtheilung.</head>
         <p>
            <hi rend="bold">* Einige Bemerkungen über die von Sr. erzbischöflichen Gnaden von Köln herausgegebenen und seinem Klerus zur Unterschrift vorgelegten 18 Thesen.</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="bold">
                  <note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
                     <p rend="UKZ 8 fussnote"> Wir glauben, bis nachgesuchte Aufnahme dieser Bemerkungen so wenig verweigern zu dürfen, als auch einer Erwiederung unsere Spalten zu Dienste stehen. D. Red.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>Der Herr Erzbischof von <hi rend="italic">Köln</hi> hat 18 Thesen hervortreten lassen, in der Form eines Glaubensbekenntnisses, wovon 17 dogmatischen Inhalts sind, die 18te aber in das Gebiet des Kirchenrechts einschlägt, indem sie von dem Klerus einen Eid des Gehorsames in der stringentesten Form verlangt. Was hat dieses erzbischöfliche Glaubensbekenntniß hervorgerufen? Nach den Umständen, welche in der Erzdiözese <hi rend="italic">Köln</hi> obwalten, und nach einigen Zusätzen in den Überschriften, mit welchen sie in einigen Zeitschriften sind abgedruckt worden, zu urtheilen, muß man annehmen, daß der Herr Erzbischof dadurch die vermeintlichen hermesischen Irrthümer hat unterdrücken wollen. Allein inwiefern der Inhalt dieser Thesen aus dem Breve des heil. Vaters gegen <hi rend="italic">Hermes</hi>, oder aus dem Tridentinum oder einer ewigen Bulle der Päpste entnommen ist; konnte er sich aus den Schriften von <hi rend="italic">Hermes</hi>, aus <hi rend="italic">Elvenich's</hi> Acta Hermesiana und stündlich aus dem Munde der Freunde von <hi rend="italic">Hermes</hi> in Köln selbst überzeugen, daß weder diese noch jener je etwas gelehrt haben noch lehren, was in jenem Breve und im Tridentinum etc. verdammt wird, und daß, wie es schon oft gesagt und bewiesen worden, alle jene vorgeblichen hermesischen Irrthümer nur in den Köpfen gewisser Leute vorhanden sind. Für diesen Fall, wird man entgegnen, konnten aber auch dann die Männer, welchen sie vorgelegt wurden, billig unterschreiben, um dem Herrn Erzbischofe, vielleicht auch der Diözese, die Ueberzeugung zu geben, daß sie wirklich der Lehre der Kirche treu ergeben wären, und daß, wie sie behaupten, die Irrthümer von <hi rend="italic">Hermes</hi> wirklich nur Erdichtungen seyen! Das ist sehr wahr, vorausgesetzt, daß die 18 Thesen weiter nichts enthalten, als anerkannte katholische Lehre, und daß nach den hierarchischen Grundsätzen der katholischen Kirche eine solche Unterschrift zuläßig sey. Aber wie, wenn das Gegentheil statt fände? Und so ist es wirklich. Denn erstens enthalten mehrere dieser Thesen, insbesondere VII und VIII Unrichtigkeiten und beigemischte <hi rend="italic">Schulmeynungen</hi>, welche das Concilium Tridentinum absichtlich bei Seite hat liegen lassen, und die folglich nicht in die Reihe der <hi rend="italic">Dogmen</hi> ohne weiteres aufgenommen werden dürfen. Da nun aber ein Erzbischof keine infallible Autorität ist, so darf auch von ihm Niemanden zugemuthet werden, sie im Gewissen zu glauben, und mit der Hand zu unterschreiben. Zweitens enthält These II erstens einen argen Widerspruch, denn wer kann vom positiven Zweifel ausgehen, und etwas finden wollen; so beschränkt war <hi rend="italic">Hermes</hi> nicht, selbst als er anfing, zu philosophiren, daß er hätte etwas auf einem Wege suchen sollen, wo man endlich Alles verliert, aber absolut nichts mehr wiedererfinden kann, und zum andern enthält sie eine arge Ketzerei, denn es heißt darin, der Mensch sey in der gratia fidei natus. Indessen, den zweiten Punkt wollen wir nicht weiter urgiren, da die Ketzerei nur in der Unvollständigkeit des Ausdrucks ihren Grund hat, nur sollte der Herr Erzbischof dann nicht verlangen, daß seine Thesen verbo tenus genommen würden. Wenn aber diese Thesen manchen dogmatischen Ausstellungen nicht entgehen können, wie gelegentlich noch ausführlicher wird gezeigt werden, so geben sie in kirchenrechtlicher Beziehung nicht mindern Anstoß. Der Herr Erzbischof erläßt ein neues Glaubensbekenntniß, und verlangt eidliche Unterschrift, obgleich Plus IV. in der Bulle Inunctum jede andere, als die von ihm erlassene solemniter abzunehmen oder zu leisten verboten hat. Sollte er sich nun auch dadurch schützen, daß er sie nicht solemniter fordert, so ändert dieß doch wesentlich die Sache nicht; indeß auch davon abgesehen, vermissen wir noch die Zustimmung des heil. Stuhles und des Hochwürdigen Domkapitels, ohne welche ein Bischof nicht einmal in temporalibus, vielweniger also in spiritualibus Neuerungen einführen soll. Aber auch darin |Sp. 1357| scheint uns der Herr Erzbischof die Schranken der apostolischen Verordnungen zu überschreiten, daß er bei seinem Klerus das Versprechen des Gehorsams, wie es das Rituale romanum vorschreibt, in einen Eid verwandelt. <hi rend="italic">Urban II</hi>. hat ausdrücklich verboten, daß die Bischöfe von ihren Klerikern einen Eid fordern, außer im Falle der Administration, und es ist uns wenigstens nicht bekannt, daß dessen Decretale von einem spätern Papst sey zurückgenommen worden; kann auch nicht wohl seyn, weil die eidliche Verbindung des Klerus, zumal wie sie der Herr Erzbischof fordert, der Einheit der Kirche über kurz oder lang sehr nachtheilig werden dürfte. Auf jeden Fall würde durch einen Gehorsams — Eid in doctrina und disciplina und sine omni restrictione mentali ein ganz neues Diöcesanrecht begründet. Allerdings läßt der Herr Erzbischof seinem Klerus den Recurs nach Rom offen, allein bis der Prozeß entschieden ist, muß er alles glauben und thun, was jener verlangt. Und in welche Stellung kommt ein so verpflichteter Klerus gegen, die weltliche Behörde; gesetzt, der Bischof verfehlte sich gegen sie, und verslangte Dinge von ihm, die sich mit den Pflichten eines guten Unterthanen nicht vertragen? Denn da der Bischof nicht Unfehlbar ist, und da der Umfang der Disciplin sich nicht wohl begränzen läßt, so können wir die Möglichkeit nicht in Abrede stellen.</p>
         <p>Ch.</p>
         </div>
         </div>
         <div type="litr">
         <head>Literatur.</head>
         <p>* Quartalschrift für praktisches Schulwesen. Mit besonderer Rücksicht auf das Königreich Bayern. Herausgegeben von <hi rend="italic">Franz Anton Heim</hi>, Prediger an der Domkirche zu Augsburg, und Dr. <hi rend="italic">Franz Vogel</hi>, vormal. Inspector am königl. Schullehrer-Seminar zu Dillingen. Augsburg, bei <hi rend="italic">Kollmann</hi>.</p>
         <p>Beurtheilt von <hi rend="italic">J. Mayer</hi>.</p>
         <p>Von dieser trefflichen, pädagogischen Zeitschrift sind bereits <hi rend="italic">drei</hi> Hefte erschienen, deren Inhalt und Tendenz den Herausgebern zur größten Ehre gereichen. Was in mehreren Ankündigungen in Beziehung auf das Erscheinen dieser Quartalschrift versprochen ward, ist nicht nur treulich erfüllt, sondern es ist noch <hi rend="italic">weit mehr</hi> geleistet worden.</p>
         <p>Ein bemerkenswerther Aufsatz — die <hi rend="italic">Schule im Verhältnisse zu unserer Zeit</hi> — bildet die Einleitung und zugleich das pädagogische Glaubensbekenntniß der Quartalschrift. Mit vieler Umsicht und Gewandtheit ist in demselben der Satz: <hi rend="italic">„Die Schule ist ein wirksames, ja vorzüglich wirksames Mittel, zur Heiligung, Besserung und Beglückung des gegenwärtigen Geschlechtes</hi>; — ist <hi rend="italic">und wird es um so mehr, je praktischer und religiöser sie wird</hi>, behandelt.</p>
         <p>Unter den verschiedenen Ausarbeitungen finden wir zwei sehr interessante Aufsätze des königl. Studienrektors Dr. Böhm in Kempten: <hi rend="italic">„Ueber Erziehung an einer öffentlichen Schule“</hi> und <hi rend="italic">„über das Verhältniß der Verstandes- und Gemüthsbildung.“</hi> Mehrere Abhandlungen „über das Geschichtliche der Behandlungsart des Rechnens und allgemeine Grundsätze hierüber“, so wie „Beiträge zur praktischen Behandlungsart des Rechnens“, und endlich „über den Taubstummen-Unterricht“ sind sehr gediegen und einer sorgfältigen Beachtung würdig.</p>
         <p>Die <hi rend="italic">recensirenden Bücher-Anzeigen</hi> der Quartalschrift gehen ganz vom pädagogischen Standpunkte aus, und wir gewahren so viele Umsicht in den Beurtheilungen, daß wir nicht umhin können, den Wunsch auszusprechen, es möchte für diese Rubrik mehr Raum verwendet werden.</p>
         <p>Außer dem Literarischen liefert die Quartalschrift eine Sammlung der von Zeit zu Zeit erscheinenden Verordnungen über das Schulwesen in Bayern, so wie eine <hi rend="italic">Geschichte</hi> aller merkwür- |Sp. 1358| digen <hi rend="italic">öffentlichen Privat-Unterrichts</hi>- und <hi rend="italic">Erziehungs-Anstalten</hi> dieses Staates. </p>
         <p>Wenn auch diese Zeitschrift mit besonderer Rücksicht auf das Königreich Bayern geschrieben ist, so finden wir dieselbe nicht desto weniger für die Pädagogen der anderen Staaten unseres deutschen Vaterlandes <hi rend="italic">empfehlenswerth</hi>.</p>
         <p>Der geringe Preis von fl. 2. 42 kr. für den aus vier Heften bestehenden Jahrgang macht es möglich, daß auch der unbemittelte Schulmann in den Besitz derselben kommen kann.</p>
         
         </div>
         <div type="anz">
         <head>Anzeigen.</head>
         <p>(78) Predigten <hi rend="italic">für das ganze Kirchenjahr</hi>. Bei <hi rend="italic">Metzler</hi> in Stuttgart sind so eben erschienen:</p>
         <p>Predigten auf <hi rend="italic">alle Sonn- und Festtage</hi> des Kirchenjahrs von <hi rend="italic">M. C. G. Kern</hi>, Professor und Pfarrer zu Dürrmenz-Mühlacker. Nach dem Tode der Verf., herausgegeben von <hi rend="italic">W. Hoffmann</hi>, Diaconus zu Winnenden und Ludw. <hi rend="italic">Völker</hi>, Pfarrverweser daselbst, gr. 8. fl. 3. 1 5/6 Thlr.</p>
         <p>Predigten auf <hi rend="italic">alle Sonn- und Festtage</hi> des Jahres von <hi rend="italic">G. C. v. Seubert</hi>, Prälaten in Stuttgart. Neue Sammlung, aus dessen Nachlaß herausgegeben. Mit einer Lebensskizze des Verf. 2 Thlr. gr. 8. fl. 6 od. 3 1/2 Thlr.</p>
         <p>Bei dem bedeutenden Namen, den die Verfasser dieser beiden Sammlungen als Prediger sich erworben, und bei der sehr großen Zahl ihrer Verehrer genügt die einfache Anzeige von der Erscheinung dieser Predigten, und wir enthalten uns jeden anrühmenden Zusatzes. </p>
         <p>Die den <hi rend="italic">Seubert</hi>'schen Predigten vorgedruckte Lebensskizze desselben ist auch einzeln zu haben unter dem Titel:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Leben und Wirken</hi> des verewigten Prälaten <hi rend="italic">G. C. von Seubert</hi>, dargestellt von Gustav <hi rend="italic">Plieninger</hi>. gr. 8. geh. 18 kr. od. 1/4 Thlr.</p>
         <p>Zu erhalten durch alle gute Buchhandlungen Deutschlands, Oesterreich's und der Schweiz.</p>
         <p>(79)</p>
         <p>ששה סדרי משנה oder Mischnah, 6 Bände 4., über 200 Bogen, brosch., enthaltend den hebräischen Text punktirt, mit Lesezeichen versehen, mit hochdeutscher Uebersetzung daneben, und Erklärungen unter dem Texte, wie auch einen altern rabbinischen Commentar (Alles mit hebräischen Lettern) Berlin 1832-4.</p>
         <p>Diese schöne Ausgabe eines für jüdische Theologen unentbehrlichen und allen Freunden rabbinischer Literatur willkommenen Werkes, hat in wenigen Jahren so starken Absatz gefunden, daß die Kosten des unternehmens reichlich gedeckt sind. Der Herausgeber (Dr. <hi rend="italic">I. M. Jost</hi>, Verf, der Geschichte der Israeliten, und Mitredakteur der <hi rend="italic">Universal-Kirchenzeitung</hi>) findet sich daher bewogen, eine Anzahl Exemplare, die ihm als Mitunternehmer noch zur Verfügung stehen, den Rabbinern, Lehrern, Candidaten und Freunden dieser Literatur, welche bisher des hohen Preises wegen (es kostete im Subscriptionspreise 10 Thlr.) es nicht angeschafft haben, so weit dieser Vorrath reicht, zu dem bedeutend ermäßigten Preise von 10 fl. anzubieten, und bei Partieen noch einen Rabbat zu gewähren. Näheres auf portofreie Briefe. Adresse</p>
         <p>Dr. <hi rend="italic">J. M. Jost</hi> in Frankfurt a. M.</p>
         
         </div>
         <div type="ber">
         <head>Berichtigungen.</head>
         <p>No. 84, S. 1330, Z. 6, st. Hochalter l. Hochaltar. S. 1834, Z. 6 von unten st. Beweis l. Verweis. S. 1342 in der Anzeige st. Petinae Petrinae.</p>
        </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
         </p>
    </div> 
      </body>
   </text>
</TEI>

