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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 12. Oktober 1837, Nro. 82</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher>Beata Mache</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="82">12. Oktober 1837, Nro. 82</title>
                  <editor>
                     <persName ref="http://d-nb.info/gnd/187133182">
                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-10-12</date>
                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            katholischen, und israelitischen Deutschland's. <lb/>Frankfurt a. M., den 12. Oktober 1837. Nro. 82.</head>
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         <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Zustand der katholischen Kirche in <hi rend="italic">Schweden</hi>. Vom Grafen <hi rend="italic">von Montalembert</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi>
            <hi rend="italic"> Nordamerika. Vereinigte Staaten</hi>. Spaltung unter den Presbyterianern. — <hi rend="italic">Schweden. Stockholm</hi>; Schreiben des Apost. Missionars W. <hi rend="italic">van de Beek</hi> an den Redacteur des Godsdienstvriend; Einweihung der kathol. Kirche. — <hi rend="italic">Böhmen. Prag</hi>; Wünsche für eine wissenschaftliche Propaganda im Orient; Eröffnung einer neuen Synagoge. — <hi rend="italic">Deutschland Bayern. Würzburg</hi>; Todesfall. Speyer; Ernennung. <hi rend="italic">Baden. Freiburg</hi>; Reise des Erzbischofs <hi rend="italic">Demeter</hi> nach <hi rend="italic">Kolmar</hi>. Priesterweihe im erzbischöflichen Seminar. Berufung des Prof. <hi rend="italic">Hirscher</hi> von Tübingen. —</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth. </hi>Ueber den Satz von der alleinseligmachenden Kirche Vom Professor Dr. J. S. <hi rend="italic">von Drey</hi> in Tübingen (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth</hi>
            <hi rend="bold">.</hi> Ueber die Ansprüche der Juden auf bürgerliche Gleichstellung. Von Dr. <hi rend="italic">G. Riesser</hi> in Bockenheim (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">Osiander</hi> Apologie des Lebens Jesu. Rec. von <hi rend="italic">A. Boden</hi> in Oldenburg (Schluß.) — Nachweise von Recensionen theol. Schriften. – </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi><lb/>|Sp. 1295|
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head> Graf <hi rend="italic">Montalembert</hi> über den Katholizismus in <hi rend="italic">Schweden</hi>.</head>
         <p>Bei der bevorstehenden Beschreibung der Einweihung einer neu erbaueten katholischen Kirche in <hi rend="italic">Stockholm</hi> wird es interessant seyn, mit dem edelsinnigen und feurig begeisterten Grafen <hi rend="italic">Montalembert </hi>einen Rückblick auf die früheren Zustände der Katholiken in Skandinavien namentlich in Schweden, zu werfen. Der nachstehende Aufsatz erschien ursprünglich in dem französischen Blatte l‘Avenir.</p>
         <p>Wenn jene Unfälle, welche die Vorsehung in <hi rend="italic">Frankreich </hi>über die Religion kommen ließ, lauter erschollen sind, als all' das andere Unrecht, das sie erlitt, wenn unser Land von Gott ausersehen wurde, um, wie einst die Cirkusplätze in <hi rend="italic">Rom</hi>, das oberste Theater ihrer Prüfungen und ihrer Triumphe zu seyn; so darf man keineswegs daraus den Schluß ziehen, als ob sie an andern Orten auf Rosen ruhete. Nein, überall wurde dasselbe Urtheil gegen sie ausgesprochen; überall haben die Großen der Erde es auf sich genommen, es bekannt zu machen und zu vollstrecken, nicht wissend, in dem Elend ihrer Gedanken, welch' unerschöpfliche Erbarmung und welche unsterbliche Rathschlüsse sich unter dieser temporären Verlassenheit der Braut Christi verbergen. <hi rend="italic">Irland, Belgien</hi> und <hi rend="italic">Polen</hi> haben die lange Geschichte der Unbilden bekannt gemacht, die der katholische Glaube in ihnen erlitten. Wir haben uns nun entschlossen, den Katholiken zu sagen, was ihre Brüder in <hi rend="italic">Schweden</hi> sind und ihnen die Geduld und Aufopferung zu entschleiern, die in jenen ewigen Schneemassen zurückgeblieben sind. Da gibt es keine Verfolgungen zu erzählen, keine ungeheuren Kontraste zu entwickeln. Um dieß zu thun, müßte man weit zurück in die Vergangenheit steigen, denn in <hi rend="italic">Schweden</hi> ist das Werk schon lange Zeit vollendet, der Sieg der Häresie ist schon lange vollständig, und zwei Jahrhunderte sind vorübergegangen, seit sich ein Phantom, von Menschen geschaffen, kühn mit dem Raub des Katholizismus geschmückt, im Triumphe auf seine Ruinen gesetzt hat. Laßt uns in diesen Ruinen nachgraben, und wenn wir da noch eine Handvoll Christen finden, die allein mit ihrer Armuth übrig geblieben sind, mit ihren Erinnerungen und ihrem Glauben, so laßt uns deßhalb Gott preisen, der Niemand verläßt, und nie vergißt.</p>
         <p>Den Augen derjenigen, die <hi rend="italic">Schweden</hi> und seine Annalen nicht sorgfältig studirt haben, bedecken tiefe Finsternisse die bezeichnendsten Ereignisse seiner innern Geschichte. Gewohnt, es nur aus den trügerischen Deklamationen <hi rend="italic">Vertot's</hi>, aus <hi rend="italic">Voltaire's</hi> Roman über <hi rend="italic">Karl XII</hi>. oder im besten Fall aus den oberflächlichen Erzählungen <hi rend="italic">Puffendorf's</hi> und <hi rend="italic">Lacombe's</hi> kennen</p>
         <p>zu lernen, sind wir dem Nationalleben und besonders dem katholischen Leben dieses heroischen Volkes, das in den großen Kämpfen <hi rend="italic">Europa's</hi> mit so vielem Glanze erschienen ist, vollends fremd geblieben. Und was sind indessen die Annalen <hi rend="italic">Schweden's</hi> und <hi rend="italic">Skandinavien‘s</hi> überhaupt für ein reichhaltiger Sammelplatz von Materialien für den treuen und unparteiischen</p>
         <p>Geschichtschreiber des Mittelalters! Welch eine unerschöpfliche Mine unbebauter Wahrheiten und späterer Rechtfertigungen die sämtlich auf jene große historische Wiedergeburt hinweisen, welche der Katholizismus an den Denkmalen der Vergangenheit vorzunehmen berufen ist. Mehr, als irgendwo anders beugt man sich in <hi rend="italic">Schweden</hi> vor einer von großen und edlen Geistern schon geahnten Wahrheit, und überzeugt sich, daß durchaus die ganze Geschichte in einem großen Umschwunge zu Gunsten und Frommen des Katholizismus begriffen ist.</p>
         <p>Wir sind weit entfernt, hier auch nur eine kurze Angabe der Betrachtungen, die dieser Gegenstand hervorrufen könnte anbringen zu wollen! Wir erlauben uns nur, diejenigen, welche auf <hi rend="italic">Vertot's</hi> Aussage hin zu glauben geneigt seyn dürften, daß die Abschaffung des Katholizismus durch <hi rend="italic">Gustav Wasa</hi> die Grundlage und das Signal der schwedischen Freiheiten gewesen sey auf die am meisten elementarischen Studien über die Geschichte <hi rend="italic">Schweden's</hi> hinzuweisen. Da dürften sie sehen, daß Schweden, ein unfruchtbares, sparsam bewohntes Land, das unter seine unzähIigen Seen fast untergetaucht ist, das Daseyn aller seiner Städte, und all seinen Wohlstand, den es jemals genoß, den religiösen, von Mönchen im Mittelalter<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> 
                  <hi rend="italic">Gramberg</hi>, Statistik.1297</p>
            </note> gemachten Stiftungen verdankt! und daß nirgends der moralische und materielle Einfluß des Klerus fruchtbarer und einflußreicher war, als in diesem armen Lande wo er alle die Vortheile des Klima's und der Lage ersetzte, die dem übrigen Europa zu Statten kommen. Sie würden sehen daß die kathol. Bischöfe <hi rend="italic">Schweden's</hi> nie aufgehört haben, die Unabhängigkeit und die wahren Interessen der Nation zu vertheidigen, daß seit der Vereinigung der drei Königreiche unter dem Zepter <hi rend="italic">Dänemarks</hi> immer ein Bischof von <hi rend="italic">Linköping </hi>an der Spitze der Schweden stand, die für die Rechte ihres Vaterlandes stritten; daß <hi rend="italic">Brask</hi>, der letzte Katholik, der diesen Sitz besetzt hielt, zuerst den Gedanken jenes wundervollen Kanals von <hi rend="italic">Gothland</hi> faßte, der das baltische Meer mit dem Ozean verband, und den die Monarchie heut zu Wage nicht zur Vollendung bringen kann. Sie würden da sehen, daß die <hi rend="italic">Bonde</hi>, die <hi rend="italic">Sture</hi>, und alle jene heroischen Antagonisten der Dänen Katholiken waren; daß zwei katholische Bischöfe zuerst das Schaffot bestiegen, auf dem <hi rend="italic">Christiern II</hi>. den Kern der schwedischen |Sp. 1296| Bevölkerung niedermachen ließ, <hi rend="italic">Christiern</hi>, jener abscheuliche Tyrann, der <hi rend="italic">Heinrich VIII</hi>. in seinem Eifer für die Häresie übertraf, und einen kathol. Bischof mit Doggen wie ein Thier des Waldes jagen ließ.<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> 
                  <hi rend="italic">Spegel</hi>, Geschichte des Hauses <hi rend="italic">Oldenburg</hi>.</p>
            </note>
         </p>
         <p>Sie würden auch sehen, daß die durch die Vertreibung der Dänen unsterblich gewordenen dalekarlischen Bergleute sich viermal mit Erbitterung empörten, um den alten Glauben ihrer Väter gegen das Lutherthum <hi rend="italic">Gustav Wasa's</hi> und seiner servilen Synode zu vertheidigen; daß man ihre Kirchen niederbrennen, ihre Glocken schmelzen, und durch den schwärzesten Verrath alle ihre Häupter niedermetzeln mußte, bevor man sie unter das Joch der Häresie beugte.<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> 
                  <hi rend="italic">Rühs</hi>, Geschichte von Schweden.</p>
            </note> Bewunderungswürdige Völkerschaft; sie war den religiösen Eiden treu, die sie gethan hatte, bevor sie zur Befreiung des Vaterlandes auszog. Sie wollte nicht mit ihrem Blute den bürgerlichen und religiösen Despotismus besudelt haben, wodurch die Monarchen die dänische Herrschaft wieder herstellten. Sie hat mit der Bevölkerung von <hi rend="italic">Island</hi> ein Beispiel gegeben, das damals zu wenig Nachahmer fand, und das seitdem von einer parteiischen Nachwelt keinen andern Lohn als Undankbarkeit und Vergessenheit erhielt. Man hat schon gesagt, daß sie all das vorhersah und vorhersagte, was <hi rend="italic">Schweden</hi> unter dem zugleich weltlichen und geistlichen, von Schweden's schönstem Blute durch die Rasereien <hi rend="italic">Erik's XV</hi>. und die berechneten Grausamkeiten <hi rend="italic">Johann's</hi> und Karl's XII. gekränkten Zepter, zu dulden haben würde, der, in die ritterlichen und erobernden Hände Gustav Adolph's und <hi rend="italic">Karl's XII</hi>. gelangt, mit nicht minder unerträglichem Gewicht auf den entvölkerten Provinzen <hi rend="italic">Schweden's</hi> lastete. Und wenn wir von unserm Standpunkt aus einen weitern Gesichtskreis nehmen würden, von welch' prophetischem Schauer dürften wir nicht bei'm Anblick dessen ergriffen werden, was die Königreiche des Nordens geworden sind seitdem sie der römischen Kirche abgesagt haben!</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Norwegen</hi>, das seines alten Glaubens nur durch den Verlust seiner nationalen Unabhängigkeit beraubt werden konnte;<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Es wurde durch dasselbe Dekret als Provinz von <hi rend="italic">Dänemark </hi>und als lutherisch erklärt im Jahr 1537.</p>
            </note> Dänemark, wo der Klerus und die Bauern vergebens zehn Jahre gegen die Herrschaft der häresischen Aristokratie kämpften, welche es bis zur feierlichen Bekanntmachung und Verkündigung der allermtschiedensten Knechtschaft brachte;<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Man weiß, daß die letzten Generalstaaten im Jahr 1660 erklärten, daß der König absoluter Herr des Lebens und der Güter seiner Unterthanen sey, daß alle schon bekannten Prärogative oder die erst noch erfunden werden könnten, ihm mit vollem Recht gehörten, daß sein Wille immer souverän und infallible seyn sollte, den Fall ausgenommen, in dem er aus eigenem Antrieb seiner Macht Gränzen setzen wollte.</p>
            </note> 
            <hi rend="italic">Schweden</hi>, das seit <hi rend="italic">Gustav Adolph</hi> stets vom Despotismus des Königthums nur wieder zur Despotie der Oligarchie schritt und zurückschritt; endlich jenes arme und beeis'te <hi rend="italic">Island</hi>, das mit so heroischem Muthe gegen <hi rend="italic">Dänemark</hi> und das Lutherthum stritt, und das seinen Glauben und seine Freiheit zumal auf dem unbekannten aber erhabenen Schaffotte hingeschlachtet sah, wo das Haupt des Bischofs <hi rend="italic">Arneson</hi> fiel, der letzte der Märtyrer des Nordens.</p>
         <p>In <hi rend="italic">Schweden</hi> ist, wie wir so eben sagten, das Werk vollendet, der Sieg der Häresie ist vollständig. Das Landvolk, auf einer ungeheuren Strecke Landes zerstreut, aller kommerziellen und industriellen Verhältnisse beraubt, gewohnt, in seinen Bischöfen die treuen Organe des vor seinen Augen in geheimnißvoller Entfernung gestellten heil. Stuhls zu sehen, ist, ohne es zu wissen, aus einem katholischen Volke zu einem lutherischen geworden. Ich sage, ohne es zu wissen! denn nirgends in der Geschichte <hi rend="italic">Schweden's</hi> trifft man die Spur jener Volksreaktion, die im sechzehnten Jahrhundert in <hi rend="italic">Frankreich</hi>, <hi rend="italic">Deutschland </hi>und <hi rend="italic">England</hi> losbrach. In <hi rend="italic">Schweden</hi> ist die Reform ausschließlich das Werk des Königthums, des Klerus gewesen. Die Abgesandten des Klerus und die Bischöfe waren in Synoden in der Hauptstadt, der einzig beträchtlichen Stadt des Königreiches, versammelt und gehorchten da, gleich den englischen Convokationen, dem despotischen Willen <hi rend="italic">Gustav Wasa's</hi> und <hi rend="italic">Karl's IX</hi>. Sie nahmen, sey es durch Bestechung, sey es durch Feigheit, sey es durch Ueberzeugung, die Gesetze an, die ihnen ein menschlicher Mund diktirte; und hernach brachten sie sie unter die landbe- |Sp. 1298| bauenden, unwissenden und unterjochten Völkerschaften, die, als sie sahen, daß man alle äußern Ceremonien des Katholizismus bis auf die Form der Priesterkleidung beibehielt, sich leicht daran gewöhnten, die Gebete der schwedischen Kirche zu hören, und die Suprematie <hi rend="italic">Rom's</hi> zu vergessen. Der tapfere und einsichtsvolle Stamm der Dalekarlier, der allein die nationelle Freiheit wieder erhalten hatte, hatte allein Einsicht in den Abgrund, in den man fallen sollte, und wir haben es gesagt, was der Preis seines Widerstandes war. Was die übrige Bevölkerung betrifft, so zweifelt sie heut zu Tage sehr, ob sie lutherisch oder katholisch ist; sie ignorirt den Katholizismus mehr, als sie ihn abläugnet. Der Adel ließ sich für den neuen Glauben durch die Furcht vor den bürgerlichen und politischen Unfähigkeiten, die noch heut zu Tage auf den Katholiken in <hi rend="italic">Schweden</hi> lasten, leicht verleiten. Er nahm die Reform mit jener ansteckenden Leichtigkeit an, die zu derselben Epoche fast alle Adelschaften <hi rend="italic">Europa's</hi> ansteckte, mit dem Unterschied, daß sie sich in <hi rend="italic">Schweden</hi> nicht entschuldigen konnte, während die großen Familien <hi rend="italic">Frankreich's</hi> und <hi rend="italic">Deutschland's</hi> glauben konnten, daß ihnen der Protestantismus gegen das gewaltige Umsichgreifen der Centralmonarchien Waffen und Zuflucht gewähren werde.</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
         </div>
         
         <div type="kn">
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Nordamerika.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Vereinigte Staaten von Nordamerika.</p>
         <p>‒†‒ Unter den <hi rend="italic">presbyterianischen</hi> Kirchen der Vereinigten Staaten ist eine ernste Spaltung entstanden. Die Generalversammlung hat mit einer Majorität von 132 Stimmen gegen 105 die Synoden der <hi rend="italic">westlichen Reserve</hi> (western reserve of Ohio), von Utika, von Genf, von Genessée und das dritte Presbyterium von Philadelphia, welche zusammen mehr, als 500 Prediger und ungefähr 60,000 Communicanten haben, für aus dem Schooße des presbyt. Kirche ausgeschlossen erklärt. Veranlassung dazu scheinen abweichende Lehre und Unregelmäßigkeit in der Aufführung gegeben zu haben. — Dieselbe Versammlung hat auch die Missionsgesellschaft für das innere Amerika, als den Frieden und die Reinheit der presbyterianischen Kirche beeinträchtigend, förmlich verdammt. — Diese Beschlüsse sind wahrhaft sonderbar. Mit welchem Rechte wollen religiöse Secten, die den Grundsatz einer freien Erörterung in Religionssachen aufstellen, ein Symbol auflegen ? </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Schweden.</p>
         <p>‒†‒  <hi rend="italic">Stockholm</hi>, den 7. Septbr. (Schreiben des Apostol. Missionars <hi rend="italic">W. van de Beek</hi> an den Redacteur des Godsdienstvriend:</p>
         <p>Obgleich ich mit Geschäften überhäuft bin, muß ich doch Ihren Brief vom 28. August in der Kürze beantworten. Tausendfachen Dank Ihnen und den großmüthigen Gebern für den Wechsel von 100 fl., welchen ich dem hochw. Hrn. <hi rend="italic">Studach </hi>behändiget habe und der Ihnen gleichfalls seinen herzlichsten Dank bezeugt.</p>
         <p>In Betreff des Artikels aus Koblenz vom 22. August, der in das <hi rend="italic">Handelsblatt</hi> übergegangen, habe ich das Vergnügen Ihnen zu melden, daß ich denselben gestern mit großer Freude in dem <hi rend="italic">Stockholmer Tageblatte</hi> las. Mit großer Freude! Ja, mit großer Freude! denn er gibt einen Beweis ab, wieviel man auf Zeitungs-, Neuigkeiten- und Tageblatt-Schreiber rechnen kann. So wissen Sie dann, daß wenn es irgend ein Plätzchen in <hi rend="italic">Europa</hi> gibt, wo Ruhe herrscht, so ist es in <hi rend="italic">Schweden</hi>. Mehr, als einmal bin ich diesen Sommer Augenzeuge gewesen, wie Se. Maj., unser im echten Sinne des Worts <hi rend="italic">geliebte</hi> König, ohne Begleitung einen Spaziergang machte. Oft genug hörte ich <hi rend="italic">Franzosen</hi> sagen: Ah! parbleu! notre Louis <hi rend="italic">Philippe</hi> ne le ferait pas! ah! il se trouverait bientót dans l'autre monde. Nein! der König ist geehrt, geachtet und geliebt. |Sp. 1299| Nach Empfang Ihres Briefes theilte ich den Inhalt einigen Schweden mit; wir konntet uns nicht enthalten, recht herzlich darüber zu lachen und uns einen so geschilderten <hi rend="italic">unruhigen </hi>Zustand auf lebenslang zu wünschen. Inzwischen konnte ich nicht umhin, zu fragen: ob man denn alles glauben müßte, was die Zeitungen über noch entferntere Länder, als Italien, Spanien und Portugal auftischen?</p>
         <p>Doch, transeat! Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Ergo von unserer neuen Kirche! — In jeder Hinsicht ist Gott mit uns! Obgleich noch nicht Alles abgemacht ist, so ist doch der 16. d. M. zur Einweihung bestimmt und, wie ich sagen kann, alles dazu in Ordnung! O, könnte ich Ihnen eine Vorstellung von unserer Kirche geben! und könnte ich sie allen meinen Landsleuten zeigen! In Jahrhunderten ist nach dem Urtheile von Sachverständigen in Schweden kein solches Gebäude aufgeführt worden. Es ist einfach, aber in seiner Einfachheit majestätisch. In sechs Nischen stehen in mehr, als Lebensgröße die Standbilder der h. Apostel Petrus, Paulus, und der vier Evangelisten, die mit den schönsten, welche ich noch sahe, verglichen werden können. Sie sind von dem königl. Bildhauer <hi rend="italic">Michaelson</hi> verfertiget. Die Orgel, obgleich noch nicht vollendet, ist doch in brauchbarem Stande und wird in ihrer Art ein Meisterstück für die Hauptstadt seyn. Die Kanzel ist vollendet; das Altar wird es erst später. Inzwischen ist die Tumba bereits in Ordnung, ist schon aufgestellt, und ist von Ständischem Marmot, einfach aber vortrefflich. Nach der Einweihung bleibt noch viel zu thun und es wird noch viele Kosten verursachen; doch, damit alle unsere Wohlthäter es wissen, wir sind für alle Unkosten und Ausgaben gedeckt, und der hochw. Vikar kann ohne Kummer um Geld seinen großen Plan ausführen. Nach der Einweihung wird Se. Hochwürden selbst schreiben und nebst seiner Danksagung Rechnung über Einnahme und Ausgabe ablegen; aber vorläufig glaube ich, Sie versichern zu können, daß durch besondere Schickung Gottes unser Abschluß ein <hi rend="italic">guter</hi> Abschluß seyn wird. Darum, lieber Freund, hören Sie auf, die Wohlthätigkeit für die schwedische Mission anzurufen. Wenden Sie dieselbe nunmehr Andern zu, die, wie wir thun mußten, um Hilfe rufen und der Hilfe bedürfen. Die Wohlthätigkeit, das habe ich seit 15 Jahren erfahren, kennt keine Gränzen; möge sie sich nunmehr auch auf Andere erstrecken. Die Danksagung überlasse ich dem hochw. <hi rend="italic">Studach</hi>, obgleich ich versichern kann, daß alle Herzen von Dankbarkeit voll sind. Der Eindruck, welchen das neue Kirchengebäude auf viele schlafende Katholiken macht, ist unbeschreiblich, und zu diesem Erwecken aus jenem todtenähnlichen Schlafe haben alle diejenigen mitgewirkt, welche auch nur einen Stein, oder einen Nagel zum Aufbau beigetragen haben. — In meinem vorigen Briefe schrieb ich Ihnen, meiner Meynung nach, von der Krankheit des Hrn. <hi rend="italic">Baale</hi> und der Unpäßlichkeit des Hrn. <hi rend="italic">Studach</hi>; beide sind hergestellt. Gleichzeitig wurde aber Se. Hochw. auch sehr krank und nun empfand ich während acht Tage, was es sagen will, mehr, als achtzehn Monate mit dem Bau einer Kirche belastet zu seyn. Zugleich mit ihnen beiden waren viele Personen in unserm Hause, so wie überall, erkrankt. Ich bin durch Gottes Güte, eine kurze Unpäßlichkeit abgerechnet, alle Zeit gesund geblieben.</p>
         <p>In Betreff der Veränderlichkeit der Temperatur, worüber Sie klagen, muß ich Ihnen sagen, daß es hier noch viel ärger ist. Oefters haben wir hier noch keine 40 Grad Fahrenheit —4 Grad Réaumur gehabt und beinahe jede Nacht Frost. Gegenwärtig ist es ziemlich gut; es ist fast Mitternacht und das Thermometer zeigt 8 Grad Réaumur — 50 Grad Fahrenheit. Auf vielen Stellen in Schweden sind die auf den Feldern stehenden Früchte verloren. </p>
         <p>Hab' ich Ihnen früher gemeldet, daß wir für schwedisches Geld ein prächtiges Ornament aus Lyon erhalten haben? Die Albe, welche wir aus Amsterdam empfingen, wird am Tage der Einweihung an das Licht kommen. Eine andere, obwohl viel geringere, erhielten wir diesen Winter und noch eine andere ist in der Arbeit, so daß wir ganz und gar in Ordnung sind. Unsere Monstranz, sehr zierlich gearbeitet, von Silber und in Feuer vergoldet, war dennoch unansehnlich, aber jetzt ist sie erneuet und auf das Prächtigste. Als das Fräulein zu D ... mich nach unserer Ziborie fragte, sagte ich, sie sey von Silber, jedoch sehr schlecht. Letzteres war die Wahrheit, Ersteres nicht. Sie war (was ich |Sp. 1300| nicht wußte) nur platirt und ist gegenwärtig über Seite gestellt. — Nach herzlicher Bezeigung meines innigsten Dankgefühls bleibe ich etc. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(De Godsdienstvriend)</p>
         <p>— den 19. Sept. Die Königinn, der Kronprinz und die Kronprinzessinn kamen am 16. d. M. von Drottningholm zur Stadt und wohnten der Einweihung einer von der hiesigen <hi rend="italic">katholischen Gemeinde</hi> für ihren Gottesdienst aufgeführten und kürzlich vollendeten Kapelle bei, welche den Namen der h. Eugenia erhalten. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Nordd. Blätter)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Böhmen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Prag</hi>, den 23. Sept. In der gestrigen zweiten allgemeinen Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte sprach u. A. Prof. <hi rend="italic">Schweigger</hi> aus Halle über eine Seite des naturwissenschaftlichen Wirkens, mit vielem Pathos. Er wünscht eine wissenschaftliche Propaganda im Orient, Verbindung der Missionsgeschäfte mit Verbreitung der Wissenschaft und Forschung der Natur; Religion und Naturwissenschaften müßten nach <hi rend="italic">Leibnitz's</hi> Ansicht sich die Hände bieten; die katholische Kirche könne dieß am Besten bewirken; die Gründung einer Akademie in Wien, an deren Spitze Herr von <hi rend="italic">Hammer</hi> zu stellen seyn möchte, wäre dazu die beste Vermittlerinn u. s. w.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Frankf. Journ.)</p>
         <p>— Die Judengemeinde hat auch hier nach dem Beispiel Wien's eine Synagoge für den gereinigten Gottesdienst erbauen und sehr geschmackvoll im gothischen Style decoriren lassen. Sie wurde am Namenstage des Kaisers mit dem ersten feierlichen Gottesdienste eröffnet; eine große Gesellschaft von Adeligen, Gelehrten und andern Personen der gebildeten Stände, unter ihnen der Landeschef und Commandirende, wohnten dieser Feierlichkeit bei, welche durch ihren morgenländischen Charakter und pittoreske Anordnung ein sehr anziehendes Bild darstellte. Daß Costüm ist theils so kleidsam, theils paßt es zu der orientalischen Physiognomie viel besser, als unsere Kleidung, und wir begreifen nicht, warum die Juden nicht von unsrer französischen Mode zu demselben zurückkehren. Auch der Gesang ist vortrefflich, und dem in vielen christlichen Kirchen vorzuziehen. Zur Abhaltung der Einführungsrede war Dr. <hi rend="italic">Sachs</hi> aus Berlin hierher verschrieben worden, dessen Vortrag schön und rein ist; auch enthielt die Rede über den Text aus David's Psalmen: „Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie mich leiten und bringen zu Deinem heiligen Berge und zu Deiner Wohnung!“ viele schöne Stellen, wenn es ihr gleich an Einheit fehlte, und der Redner mitunter in heftige Polemik gegen diejenigen ausbrach, welche sich der Einführung des neuen Gottesdienstes widersetzt hatten. Ein paar uralte Rabbiner, welche demselben wahrscheinlich nur ungern beiwohnten, saßen still und in sich gekehrt an der linken Seite in ihrem Betstuhle, und das Kopfschütteln des Einen, eines ehrwürdigen Greises mit einem Patriarchenantlitz und Silberbart — war schier bei allen ähnlichen Stellen anzusehen. An der Seite der beiden Alten saß der Vorbeter, ein von Gesundheit strotzender junger Mensch, gleichsam neben der alten die neue Zeit repräsentirend. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Morgenblatt)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Deutschland.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Bayern.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Würzburg</hi>, den 17. Sept. Wir haben den Verlust eines der würdigsten Geistlichen, nicht bloß unserer Diöcese, sondern des Landes, zu beklagen. Der Domcapitular und Dompfarrer Dr. <hi rend="italic">Carl Rutta</hi> ist heute früh um halb 3 Uhr in Folge der Ruhr gestorben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Frankf. Journ.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Speyer</hi>. Seine Majestät der König haben zu der erledigten Dignität eines Dechants in dem bischöflichen Kapitel zu Speyer in dem Rheinkreise den Domkapitular daselbst, Dr. <hi rend="italic">Nikolaus Weis</hi> — und zu dem in Folge dieser Ernennung und durch das sofort stattfindende Vorrücken der übrigen jüngeren Kanoniker erledigten achten Kanonikate in benanntem bischöflichen Kapitel den dermaligen Stadtpfarrer, Dekan und Distrikts-Inspektor zu Kaiserslautern, Priester Martin <hi rend="italic">Foliot</hi>, zu benennen geruht. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Münchn. polit. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Baden.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Freiburg</hi>. Der hochwürdigste Erzbischof <hi rend="italic">Demeter</hi> von Freiburg macht gegenwärtig eine Erholungsreise im oberrheinischen |Sp. 1301| Departement; er kam am 11., in Begleitung des Augsburger Domherrn, Hrn. <hi rend="italic">von Schmid</hi>, des geschätzten Verfassers der, auch in's Französische übersetzten, beliebten Kinderschriften, in Kolmar an. Er speiste hier bei dem Stadtpfarrer, Hrn. <hi rend="italic">Maienburg</hi>, der die vornehmsten Behörden der Stadt zu Tische geladen hatte. Nach dem Mittagsmahl besuchte der Hr. Erzbischof die Erziehungsanstalt des Hrn. <hi rend="italic">König</hi> in Sigolsheim. Am 12. ist derselbe nach Mühlhausen abgereist, wo er die vorzüglichsten Fabriken zu besichtigen gedenkt; dann wird er über Basel in seinen Sprengel zurückkehren. Herr <hi rend="italic">Demeter</hi> hatte früher in Straßburg gewohnt, und ist bekanntlich Verfasser sehr geschätzter Erziehungsschriften. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Karlsr. Ztg.)</p>
         <p>— Unser neuer Erzbischof <hi rend="italic">Demeter</hi> ertheilte am 9. Sept. zum ersten Male die Priesterweihe an 41 Zöglinge des erzbischöflichen Seminariums, die dann zur seelsorgerlichen Aushilfe in den verschiedenen Theilen der Erzdiözese angestellt werden. Zu den neuen Prüfungen, welche der Aufnahme in das Seminar vorangehen, haben sich nur etwa 16 Zöglinge gemeldet. Diese bedeutende Abnahme der Candidaten der Theologie beginnt bereits Besorgniß und Verlegenheit zu erregen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p>— den 22. September. Der „<hi rend="italic">deutsche Courier</hi>“ berichtet in einer seiner neuesten Nummern in Bezug auf die hiesige theologische Fakultät, daß der berühmte Moralist <hi rend="italic">Hirscher</hi> in Tübingen einen Ruf an unsere Universität definitiv angenommen habe. Wir freuen uns, diese Mittheilung aus zuverlässiger Quelle bestätigen zu können. In Beziehung auf Herrn Professor <hi rend="italic">Staudenmaier</hi> aus Gießen, der ebenfalls schon früher die Berufung für die Dogmatik angenommen, inzwischen aber seine bisherige Stelle wieder zu behalten geneigt seyn soll, wird dem Vernehmen nach von Seiten unserer Regierung mit jener von Hessen unterhandelt. Welches Resultat auch diese Unterhandlung haben möge, auf jeden Fall dürfen wir der sichern Hoffnung Raum gehen, daß unsere hohe Regierung nichts versäumen wird, für diese Stelle einen tüchtigen Mann zu berufen, so daß in kurzer Zeit die theologische Fakultät gleich den übrigen wieder vollständig, auf eine dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft entsprechende Weise, besetzt seyn wird. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Freib. Ztg.)</p>
         </div>
         
         
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p><title> <hi rend="bold">Ueber den Satz von der alleinseligmachenden Kirche.</hi></title>
           
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Vom Professor Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">J. S. von Drey </hi>
            <hi rend="bold">in Tübingen.</hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Der Glaube kommt aber nach der Schrift selbst vom Hören des Wortes, und das Hören setzt eine Verkündigung desselben voraus; eine Verkündigung durch ein lebendiges <hi rend="italic">Organ</hi>. Denn der Buchstabe an ihm selbst ist todt, manche können ihn nicht einmal lesen, noch viel mehrere den gelesenen nicht verstehen. Ueberhaupt, wie Gottes Wort lebendig aus dem Munde Christi gegangen, und von den Aposteln zuerst und vorzüglich in lebendiger Rede der Welt verkündet worden, so muß diese Art der Verkündigung, welche schon an sich der menschlichen Natur am angemessensten ist, auch neben dem geschriebenen Worte fortdauern. Damit es aber in klarer und wahrer, in erbaulicher und kräftiger, dem Bedürfnisse aller Menschenklassen entsprechender Rede vorgetragen werden könne, dazu gehören Redner, welche sich für diesen Beruf nicht nur gebildet, sondern sich ihm auch ausschließlich geweihet haben. Dieß ist die Idee und die Notwendigkeit des christlichen Lehramts in der Kirche, und die Idee christlicher Lehrer als eines besonderen Standes, wovon die Idee selbst zwar in der Schrift gegeben, Amt und Stand aber durch die Kirche erst ausgebildet worden ist. Von dieser Kirche also, und zwar von der katholischen, von welcher sie ausgingen, haben die Pro- |Sp. 1302| testanten das <hi rend="italic">christliche Lehramt und einen eigenen Stand von Lehrern erhalten, und mit sich hinübergenommen</hi>; und zwar beides in einer Ausbildung und Organisation, mit Vollmachten und Gewalten, welche wohl nach den Grundsätzen des Katholizismus konsequent, mit den Grundsätzen des Protestantismus aber im Widerspruche sind. Und obwohl ihnen dieß von ihren eigenen Glaubensgenossen, besonders in der letztern Zeit, häufig vorgeworfen worden, obwohl sie das Beispiel einzelner Sekten, die von ihnen ausgegangen sind, und Lehramt und Prediger abgeschafft haben, vor sich sehen; haben sie dennoch beides beibehalten, und werden es wohl auch künftig beibehalten, wenn auch nur aus dem richtigen Gefühle, daß die Welt eben so wenig aus lauter Quäkern, als aus lauter Anachoreten und Therapeuten bestehen könnte. Wenn also die lebendige Verkündigung des Wortes Gottes unentbehrlich, und für diese das Bestehen eines eigenen Lehramts, Bildung und Beruf eigener Lehrer wenigstens im Allgemeinen eben so unentbehrlich ist; so ist es die katholische Kirche, der die Protestanten dieß unentbehrliche Institut verdanken. Wer von dem christlichen Lehramte und wie die Protestanten dazu gekommen sind, anders zu reden weiß, der rede.</p>
         <p>Alles bisher Gesagte bezieht sich auf Christus und sein Wort, für welche Gott in dieser Periode der Providenz Glauben fordert, und von diesem Glauben die Seligkeit der Menschen abhängig macht; es sind lauter nähere oder entferntere Bedingungen, um zu diesen seligmachenden Bedingungen gelangen zu können. Es gibt aber nach der Ordnung Christi noch manches, was den Glauben des Christen stärkt, seine Verbindung mit Christus und seiner Gemeinde inniger zu machen dient, und so mit dem Glauben als Mittel zur Seligkeit gebraucht werden kann. Auch diese Mittel hat die katholische Kirche bewahrt; aus ihrem reichen Leben haben sich die wesentlichen Normen eines sichtbaren Kirchenthums entwickelt; was die Protestanten an Elementen jenes christlich-religiösen und dieses kirchlichen Lebens, in seiner Oeffentlichkeit, besitzen, das haben sie von der katholischen Kirche und durch sie. Von ihr haben sie die <hi rend="italic">Taufe</hi>, von welcher geschrieben steht: wer glauben und getauft seyn wird, wird selig werden; die Taufe, durch die wir unsern Glauben an den Vater, Sohn und heiligen Geist bekennen, die uns in die Kirche Christi einführt, und als mystisches Zeichen von den Nichtchristen unterscheidet; die Taufe, nicht bloß wie sie in der Bibel gefordert wird, sondern selbst in jener Gestalt, und mit jenen liturgischen Formen, womit der fromme Sinn der katholischen Kirche sie umgeben hat. — Von ihr haben sie das <hi rend="italic">Abendmahl</hi>, als Leib und Blut des Herrn, der sich dahin gegeben hat zur Vergebung der Sünden für Viele; das Abendmahl, durch welches wir, so oft wir vom Brode des Herrn essen, und aus seinem Kelche trinken, auch seinen segensvollen Tod verkünden, bis er wieder kommt; das Abendmahl, welches ist die Gemeinschaft des Blutes Christi; das Abendmahl, welches ist die Gemeinschaft des Leibes Christi, wodurch wir Viele <hi rend="italic">eines</hi> Brodes theilhaftig, so auch wir Viele <hi rend="italic">ein</hi> Leib und was noch mehr ist, <hi rend="italic">ein</hi> Geist werden; das Abendmahl endlich, in welchem die Protestanten jene Verwandlung gelten lassen müssen, die es von gemeinem Essen unterscheidet. — Von ihr haben sie die Heiligkeit des Sonntags und anderer Tage, an welchen der Mensch sich aus dem Staube der Erde gegen den Himmel emporrichtet, losgerissen von seinem Hause und den vergänglichen Sorgen, seines Gottes und seiner verhänglichen Bestimmung gedenkt, und in der Gemeinde der Heiligen den Allerheiligsten preist; von ihr jeden an Gott und das Uebersinnliche mahnenden Gebrauch, wodurch die für den Menschen wichtigsten Begebenheiten, die folgereichsten Verhältnisse des Lebens eine höhere Bedeutung erlangen, das irdische und thierische geläutert und geheiligt wird. Zwar haben die sogenannten Reformatoren sich mit einer einfachern Symbolik begnügen zu können geglaubt, aber was sie davon ihren Enkeln überlieferten, das ist von der katholischen Kirche, und diese Enkel möchten jetzt so gern manches Aufgegebene zurückrufen! — Von dieser katholischen Kirche haben die Protestanten gelernt (wiewohl im Widerspruche mit ihrem doppelten Grundsätze: daß die Schrift einzige Glaubensnorm und ihre Auslegung jedem Einzelnen völlig frei seye) Glaubensartikel aufzustellen, zu denen sich jeder bekennen muß der einer ihrer Vereinigungen angehören will; und ob sie gleich in diesen Glaubensartikeln von der katholischen Kirche, ja unter |Sp. 1203| sich selbst, abweichen, so sind doch die symbolischen Bücher der Protestanten nichts anders, als Nachahmungen der dogmatischen Bekenntnisse der katholischen Kirche. — Von dieser haben sie überhaupt alles, was ihren Verbindungen Form und Charakter von Kirchen gibt; den schwachen Schein von kirchlicher Autonomie und Autokratie; die Ueberreste von kirchlicher Hierarchie. Von der katholischen Kirche haben die Protestanten in England die bischöfliche Würde, in Schottland das Presbyterium, anderwärts wenigstens die geistliche und Prediger-Würde beibehalten. Wer diesem widersprechen, wer eine andere Art angeben kann, wie die Protestanten zu allen diesen Elementen eines öffentlich christlichen Lebens in einem Kirchenthume gekommen seyen, der mag es thun. Selbst daß es eine zusammenhängende Geschichte des Christenthums gibt, eine Geschichte, in welcher dieses letztere nicht als ein bloßes Aggregat von Begebenheiten und Veränderungen, sondern als fortlaufende Entwicklung aus einem einzigen Mittelpunkt erscheint; eine Geschichte des Christenthums, in welcher der Protestantismus und alle nichtkatholischen Kirchenparteien nicht als zufällige, sondern als mit zur Entwicklung des Ganzen gehörige Erscheinungen ihren Platz haben, das verdanken alle die gedachten Parteien der katholischen Kirche. Sie ist und erscheint seit 18 Jahrhunderten als der Mittelpunkt, von welchem alle Bildungen und Gestaltungen des Christenthums ausgegangen sind, selbst diejenigen, die sich mit ihr in einen Gegensatz gestellt haben. Sie ist und erscheint seit 18 Jahrhunderten als das Urgebäude des Christenthums, an welches unzufriedene Bewohner angebaut haben, um für sich zu wohnen. Die Jahrhunderte sahen solcher Angebäude viele entstehen und verfallen, und auf den Ruinen der Verfallenen wieder neue entstehen; aber ihre gemeinsame Area war der breite Hofraum des Urgebäudes, und an dessen feste Wände waren sie angelehnt. Dieß ist auch die Ursache, warum eine Ansiedelungen, obwohl außerhalb des Urgebäudes, dennoch in der geschichtlichen Anschauung als ein einziges Gebäude mit jenem erscheinen, warum alle kirchlichen Parteien, obgleich getrennt von der katholischen Kirche und doch zu ihr gehörig, mit ihr die vollständige Erscheinung der Kirche Christi bilden. Nicht für sich könnten sie das; denn sie waren und sind vergänglich, die Kirche Christi aber ist eine dauernde; sie unter sich im Widerspruche, die Kirche Christi aber sich selbst immer gleich; sie viele und vielerlei, die Kirche Christi aber Eine. Nicht diese oder jene Sekte, sondern nur der Sektengeist ist eine dauernde Erscheinung in der Kirchengeschichte, und er selbst nur die Opposition gegen den Katholizismus; dieser der positive, jener der negative Pol der Kirche, die Formel in einem reellem Sinne genommen, als sie es in der Physik wird. Denn immer hat der Sektengeist nur einen Theil christlicher Ideen und Institutionen negirt, den der Katholizismus ponirte; was aber der Sektengeist an christlichen Ideen und Institutionen jedesmal selbst ponirte, das ponirte er nicht aus sich, sondern weil die katholische Kirche es schon vorher ponirt und also er es von ihr gelernt hatte. Es bleibt daher unwidersprechlich, wie sehr auch die Protestanten sich bemühen, es von sich abzulehnen, der Charakter des Sektengeistes war und ist bloß negativ, der Charakter des Katholizismus allein ist positiv; dieß bleibt in dem Maße unwidersprechlich, daß wenn es möglich wäre, daß der (jetzige) Katholizismus von der Welt verdrängt würde, irgend eine der noch bestehenden kirchlichen Parteien in seine Stelle einrücken, und seine Rolle übernehmen müßte, wenn das Poniren christlicher Ideen und Institutionen fortdauern soll. Uebernähme dieser neue Katholizismus jene Rolle in dem Umfange, wie sie der alte geführt hatte, so wäre es gar kein neuer, sondern eben wieder der alte Katholizismus, die obige Annahme also eine unmögliche; übernähme er sie in dem beschränkten Umfang, in welchem sie etwa der Protestantismus übernehmen könnte, so würde er eben in soweit christlich seyn, als er von der alten Zeit her katholisch wäre. Die Idee des Katholizismus ist also vom Christenthum selbst unablösbar. Aber eben darum läßt sich von ihm auch die Idee der seligmachenden Kirche nicht trennen. Der Mensch wird nur selig durch den Glauben, d. h. durch das, was er glaubt, nicht durch das, was er nicht glaubt; nun ist aber der Katholizismus, der vom Anfang und bis jetzt alles ponirt hat, was irgend in der Christenheit, von Katholiken und Häretikern geglaubt wurde; nur das Negiren, das Nichtglauben eines Theils der katholischen Positionen war Sache des Sektengeistes; der Unglaube also unterschied die Häresis |Sp. 1204| vom Katholizismus, insoweit jene wahrhaft von diesem unterschieden war, und der Unglaube verdammt vielmehr, anstatt selig zu machen; was aber der Häretiker mit der katholischen Kirche glaubte, das hatte er nachweislich von ihr; wenn er also durch seinen Glauben selig wurde, so wurde er es nur durch die katholische Kirche.</p>
         <p>8. Aber konnte er wirklich selig werden? — Die Protestanten sagen, die Katholiken müßten nach ihrem Satze von der allein seligmachenden Kirche, von der ich bisher selbst gezeigt, daß allein die katholische Kirche eine solche seye, jeden nicht katholischen Christen verdammen, die meisten Katholiken thäten es wirklich, und die es nicht thäten, wären im Widerspruche mit jenem Lehrsatze, und mit ihrer Kirche. Sie sagen weiter; Die Katholiken müßten dem Satze von der allein seligmachenden Kirche diese Consequenz um so mehr geben, als ein zweiter unter den Katholiken alt hergebrachter und fast symbolischer Satz; außer der Kirche ist kein Heil, — alle Nichtkatholiken, da sie außer der Kirche sind, noch entschiedener verdammen, und dieser zweite Satz doch nur ein konsequenter Folgesatz aus dem ersten seye. Der Satz von der allein seligmachenden Kirche führe also entweder durch sich selbst oder wenigstens durch seine Folgerungen zu jener Härte und Verdammungssucht, die, wenn auch selbst gegen ihren Willen, Millionen Menschen die Seligkeit absprechen müsse, zu der sie doch eben so gut als die Katholiken von Gott erschaffen seyen; er seye also ein finsterer und menschenfeindlicher Satz, und führe zu Menschenhaß und Feindschaft; er seye darum nicht nur, wie alles Unnatürliche und Lieblose, an sich verwerflich, sondern noch in's Besondere dem Geiste des Christenthums zuwider, dessen eigentlicher praktischer Geist Menschenliebe seye, und welches namentlich seinen Mitbruder zu richten und zu verdammen verbiete.</p>
         <p>Ich bekenne, daß ich es in hohem Grade bereuen würde, den Satz von der allein seligmachenden Kirche auch nur genannt, noch mehr, ihn erläutert und begründet zu haben, so unwidersprechlich mir seine Begründung erscheint, — wenn alle die Folgerungen in ihm lägen, welche die Protestanten daraus ziehen. Denn in welche Vergleichung könnte ein theologischer Satz, — denn das ist er und nichts weiter — mit dem Heile unsterblicher Seelen, mit den Ansprüchen, welche sie auf Gottes Vaterliebe und auf die Gnade seiner Güte und Verheißung haben, in welche Vergleichung, sage ich, könnte jener Satz damit kommen? — Selbst eine Wahrheit, so gut sie in Begriffen oder in der Geschichte begründet seyn mag, muß verdächtig erscheinen, wenn sie das Herz verletzt, gegen die Liebe anstößt, und Gott vorgreift; Irrthum in Liebe ist besser, als Wahrheit in Haß. Aber so ist es nicht mit dem fraglichen Satze.</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
         </div>
         <div type="tais">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p><title>
            <hi rend="bold">* Ueber die Ansprüche der Juden auf bürgerliche Gleichstellung.</hi></title>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">G. Riesser </hi>
            <hi rend="bold">in </hi>
            <hi rend="italic bold">Bockenheim</hi>
            <hi rend="bold">. (Churhessen)</hi>
         </p>
         <p>II. <hi rend="italic">Zur Entgegnung auf die Antwort des Herrn Obergerichts-Advokaten Löck.</hi>
         </p>
         <p>Herr <hi rend="italic">Löck</hi> hat die Beschuldigung eines falschen Citats aus meiner Schrift zurückzuweisen versucht. Es ist nicht meine Absicht, den Streit, so weit er das Citat betrifft, weiter fortzusetzen und ich würde mich jeder Entgegnung enthalten, hätte Hr. <hi rend="italic">Löck </hi>nicht die Lücken seiner Vertheidigung durch neue Angriffe auf die Sache selbst ausfüllen zu müssen geglaubt. Wäre Das nicht geschehen, so würde es mir genügen, hergestellt zu haben, daß ich selbst so wenig, als die Versammlung von Repräsentanten der Israeliten des französischen Kaiserreichs die Ehe zwischen Christen und Juden für unzulässig erklärt habe. Im Uebrigen möge Jeder, meine citirte Schrift und die beiden Aufsätze in der Hand, das Verfahren des Hrn. <hi rend="italic">Löck</hi> beurtheilen und entscheiden, ob ich1305</p>
         <p>mich über eine Anführung beklagen durfte, die bei dem arglosen Leser ein Mißverständniß über meine Ansicht, beabsichtigt oder nicht, nothwendig herbeiführen mußte. Wenn sich Hr. <hi rend="italic">Löck</hi> auf die von mir erwähnte bindende Kraft der Beschlüsse eines Sanhedrins beruft, so versteht sich von selbst, daß ich diese nur auf diejenigen Juden, die durch das Sanhedrin vertreten wurden, beziehen konnte, zumal in Betreff solcher Beschlüsse, der in der engsten Verbindung mit der Gesetzgebung des Landes stehen.</p>
         <p>Der fragliche Beschluß, wie er auf S. 87 meiner Schrift wörtlich angeführt ist, lautet nun dahin; „daß die Ehen zwischen Israeliten und Christen, welche den Gesetzen des Civil-Codex gemäß vollzogen sind, bürgerlich verpflichtend und giltig sind, obwohl sie nicht fähig sind, mit den religiösen Formen bekleidet zu werden.“ Wenn Herr <hi rend="italic">Löck</hi> nun aus dieser Verfügung also schließt: „Folglich muß der Jude in Holstein ein Mädchen seines Volkes, was einen Christen, das Christenmädchen, was einen Juden heirathet, als Beischläferinn, die Verbindung für ungesetzlich, die daraus entsprossenen Kinder als spurios, der Erbnahme und Familienrechte ehelicher Kinder unfähig betrachten,“ — so ist das eine sehr gehässige Verdrehung, von der es sehr schwer zu glauben, daß er sie nicht als solche anerkannt haben sollte. Herr <hi rend="italic">Löck</hi> wundert sich, daß ich, da ich doch Jurist sey, mich so schlecht auf die Künste des Citirens verstehe; ich bin nicht minder erstaunt, daß er, der doch auch Jurist und ein Mann von Verstand ist, die Grundsätze der juristischen und einer jeden vernünftigen Auslegung so ganz ignorirt. Er wirft mir vor, ich flüchte mich, um das Falsche seines Citats nachzuweisen, zu einer Distinktion zwischen einer bürgerlich und einer kirchlich giltigen Ehe — gleich als hätte ich diese Distinction in die Sache hineingebracht; — er aber habe für <hi rend="italic">Holsteiner</hi> geschrieben, und hier zu Lande kenne man einen solchen Unterschied nicht. Aber haben denn auch die Vertreter der französischen Juden für Holsteiner geschrieben? Müssen nicht ihre Erklärungen nach dem Standpunkte der Gesetzgebung, der sie unterthan waren, aufgefaßt und erklärt werden? Das französische Gesetz erkennt die bürgerliche Ehe als genügende Form an; die religiöse Trauung ist, wenn auch üblich, kein gesetzliches Erforderniß; daher wird die Mitwirkung des Geistlichen, des katholischen und protestantischen, wie des israelitischen, da sie nicht nothwendig ist, auch nicht erzwungen, sondern seiner religiösen Ueberzeugung anheimstellt. Es war also natürlich, daß die französische Versammlung sich dem Gesichtspunkte des französischen Rechts anschloß, und, nachdem sie ausgesprochen, daß die Grundsätze des Judenthums den gemischten Ehen nicht entgegen seyen, die positive kirchliche Mitwirkung dem Gewissen der Geistlichkeit vorbehielt. Dabei lag der Gedanke zu Grunde, daß es allein die Sache des bürgerlichen Gesetzes sey, die Zulässigkeit der Ehen, ihre materiellen und formellen Erfordernisse zu bestimmen, und daß die vom Gesetz gebilligte Ehe auch von den Juden für giltig, also die Eheleute für rechte Eheleute, die Kinder für ehelich und erbfähig gehalten werden. Wo nun das Gesetz, wie in Deutschland, die bloße civile Form der Ehe nicht für genügend erklärt, da muß freilich derselbe Grundsatz sich in der Anwendung verschieden gestalten, was denn auch praktisch bereits der Fall gewesen ist. Erfordert das Gesetz zur bürgerlichen Giltigkeit der Ehe das Hinzutreten einer religiösen Form, so muß es auch Mittel an die Hand geben, diese Form zu erzwingen; an das dem kirchlichen Prinzip eingeräumte Vorrecht muß sich eine entsprechende Unterordnung desselben anknüpfen, da nach richtigen Begriffen über das Verhältniß zwischen Staat und Kirche die Möglichkeit der Eingehung einer gesetzlich gestatteten Ehe nicht von dem Belieben des Geistlichen abhängig gemacht werden darf. Während also in Frankreich der katholische Priester so wenig gezwungen werden kann, Ehen mit Protestanten, wie der Rabbiner, Ehen mit Christen einzusegnen, muß in Ländern, wo die Einsegnung gesetzlich erfordert wird, der Eine wie der Andere dazu genöthigt werden können. Es ist bekannt, wie große Schwierigkeit die Skrupel der katholischen Geistlichkeit der Einsegnung der Ehen mit Protestanten in den Weg gelegt haben, wie über diesen Punkt z. B. in Bayern, in Frankfurt a. M. lebhafte Verhandlungen gepflogen worden sind, und wie die Weigerung der Geistlichkeit zumal in solchen Fällen hartnäckig und nicht zu überwinden war, wo vertragsmäßig die Erziehung sämmtlicher Kinder im protestantischen Glauben festgesetzt worden war.<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Noch ganz kürzlich ist, nach Zeitungsberichten, ein solcher Fall zu Frankfurt a. M. vorgekommen, wo das Paar sich mit der protestantischen Trauung hat begnügen müssen.</p>
            </note> Dieses Widerstreben |Sp. 1306| der katholischen Geistlichkeit hat bekanntlich die vollste bürgerliche Gleichheit unter Katholiken und Protestanten in allen deutschen Staaten nicht gehindert. Von Seiten der jüdischen Geistlichkeit sind Schwierigkeiten der Art gar nicht zu erwarten. Zuvörderst ist nach jüdischen Grundsätzen zur Verrichtung einer Trauung ein Rabbiner gar nicht erforderlich, sondern es kann jeder Schriftkundige dieselbe vornehmen. Wenn in den meisten Staaten in neuerer Zeit die Ermächtigung dazu auf den Rabbiner beschränkt worden ist, so ist das aus administrativen Gründen zum Behuf der Controle geschehen; es bedarf also für den einzelnen Fall nur einer Dispensation von dieser Verfügung von Seiten der bürgerlichen Behörde, und es wird an Männern zur Verrichtung der Trauung nicht fehlen. Aber auch von Seiten der Rabbinen selbst ist ein Widerstand, ähnlich dem der katholischen Geistlichkeit, nicht zu fürchten. Es ist im Wesen des Judenthums begründet, daß es sich in Allem, was das bürgerliche Leben angeht, dem Staatsgesetze füge; sich, gleich dem Katholizismus, als eine selbstständige Macht neben dem Staate geltend zu machen, dazu fehlt ihm die Tendenz nicht minder, als ihm die Macht dazu fehlen würde. Wo der Staat dem Rabbinen seine Mitwirkung bei der Trauung zur Pflicht macht, da wird er sie nicht versagen. In <hi rend="italic">Baden</hi>, wo Ehen zwischen Christen und Juden durch Dispensation gestattet werden, wird in jedem einzelnen Fall einem christlichen Geistlichen und einem Rabbinen die Verrichtung einer doppelten Trauung besonders aufgetragen, und es hat von Seiten der Letzteren nie ein Widerstand stattgefunden. Im Großherzogthum <hi rend="italic">Weimar</hi>, dem einzigen deutschen Staate, wo gegenwärtig Ehen zwischen Christen und Juden — und zwar hier vermöge einer allgemeinen gesetzlichen Bestimmung — gestattet werden, hat man einen andern Weg eingeschlagen. Es heißt darüber in dem weimarischen Gesetze vom 20. Juni 1823, §. 15.: „Ist die Einsegnung einer solchen Ehe von dem Pfarrer des christlichen Theiles geschehen: so ist dieselbe in allen ihren Folgen als eine bürgerlich giltige Ehe zu beurtheilen.“ Auch so wird dasselbe Ziel erreicht.<note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> In welcher Form in <hi rend="italic">Dänemark</hi>, wo bekanntlich Dispensation zu Ehen zwischen Christen und Juden ertheilt wird, diese Ehen vollzogen werden, darüber enthält das Gesetz von 1814 keine Bestimmung und ich habe keine Notiz darüber zur Hand. Auch für <hi rend="italic">Holstein</hi> hat die Kanzlei in früherer Zeit in einigen Fällen eine gleiche Dispensation ertheilt, in neuerer Zeit aber dieselbe, dem Vernehmen nach, verweigert; Schwierigkeiten, die von Seiten der Juden erhoben worden waren, sind, so viel ich weiß, an diesem Rückschritte nicht Schuld. — In <hi rend="italic">Würtemberg</hi>, wo Ehen zwischen Christen und Juden noch nicht gesetzlich gestattet sind, ist ihre Zulässigkeit kürzlich bei der Regierung zur Sprache gebracht worden; die israelitische Oberkirchenbehörde erklärte bei dieser Veranlassung in einem von ihr geforderten Bericht, daß solchen Ehen nicht allein von Seiten der jüdischen Religion Nichts im Wege stehe, sondern daß auch die Rabbinen des Landes ihre Mitwirkung dazu, wenn sie gefordert werde, nicht versagen würden.</p>
            </note> Die auf diese Weise vom Staate als giltig anerkannte Ehe gilt auch dem Juden als solche, gleich wie von dem Katholiken die bloß von protestantischer Seite eingesegneten Ehen zwischen Katholiken und Protestanten immer als giltige betrachtet werden, wenn gleich der Katholik, der sich so vermählt, sich nach den Begriffen seiner Kirche unstreitig einer Sünde schuldig macht. Daraus geht hervor, daß die Zulassung der Ehen zwischen Christen und Juden einzig und allein von dem bürgerlichen Gesetze abhängt, daß, wo dieses das früher der Unduldsamkeit und dem Religionshasse der christlichen Majorität entsprossene <hi rend="italic">Verbot</hi> solcher Ehen aufhebt, von Seiten der Juden der Vollziehung derselben Nichts im Wege sieht, und daß eine von dieser Seite her entlehnte Einwendung gegen die bürgerliche Gleichstellung der Juden in das Gebiet der Chicane gehört. <hi rend="italic">Wünschenswerth </hi>werden solche Ehen natürlich immer nur den Aufgeklärtesten der verschiedenen Religionsparteien erscheinen. Ich bin überzeugt, daß die Zahl derer, die sie wünschen, größer ist bei den Juden, als bei den Christen. Jene haben nur ein religiöses Vorurtheil, Diese neben dem mindestens gleich starken religiösen noch ein Standesvorurtheil zu überwinden, da sie von Jugend an gewöhnt, die Juden als eine bürgerlich untergeordnete Klasse, wie der Adel den Bürgerstand, zu betrachten, in einer solchen Verbindung, abgesehen von Gewissensskrupeln, eine Mißheirath zu erblicken ge |Sp. 1307| neigt seyn möchten. Was mich betrifft, so gestehe ich, daß ich gemischte Ehen unter Personen verschiedener Bekenntnisse nur dann für <hi rend="italic">wünschenswerth</hi> halten kann, wenn die Religion der Kinder der freien Uebereinkunft der Eltern anheimgestellt wird. Ich weiß recht gut, daß bei Ehen zwischen Christen und Juden <hi rend="italic">auch dann</hi> in fast allen Fällen, nach der Natur der Verhältnisse, nach dem Uebergewicht, daß die Religion der Mehrheit stets üben wird, das Christenthum in der Erziehung der Kinder den Sieg davon tragen wird. Das ist es aber nicht, worauf es ankommt; nur soll keine Rechtsungleichheit, keine gesetzlich erzwungene Bevorzugung das heiligste sittliche Verhältniß entweihen und verunstalten, und zumal in den Fällen, wo die <hi rend="italic">Frau </hi>der christlichen Religion angehört, nicht die ganze Natur desselben verkehren. Wenn ich nun unter dieser Voraussetzung Ehen zwischen Christen und Juden mit sehr vielen meiner Glaubensgenossen für höchst wünschenswerth halte, so muß ich dennoch diejenige Ansicht für eine durchaus falsche und verwerfliche, ja für eine unwürdige erklären, welche solche Ehen, statt in ihnen die höchste Stuft der errungenen Ausgleichung und Versöhnung unter den Religionsparteien zu erblicken, als ein vorläufiges Mittel ansieht, um eine Annäherung und künftige Verbesserungen herbeizuführen. Wie tief würde man einen Familienvater verachten, der zu einem Andersglaubenden also spräche: „Daß Ihr ein bürgerliches Gewerbe treibet, will ich nicht dulden; daß Ihr Grundbesitz erwerbet in meiner Gemarkung, daß Ihr in meiner Stadt wohnet, das werde ich hindern, so gut ich kann; daß Ihr das kleinste Amt in meinem Lande bekleiden dürfet, dem werde ich mich mit allen Kräften widersetzen; denn ich hasse und verachte Euch, und will Euch als Mitbürger nicht anerkennen; jedoch will ich Euch vorläufig, in Erwartung künftigen Verständnisses, meine Tochter zum Weibe geben oder will gestatten, daß mein Sohn die Eurige heirathe.“ Würde man nicht in dieser Sprache statt eines Beweises duldsamer und aufgeklärter Gesinnung eine tiefe Verachtung des Familienlebens und eine traurige Gleichgiltigkeit gegen die heiligste Einrichtung der menschlichen Gesellschaft erkennen? Worauf anders kommt aber, genauer erwogen, die Theorie Derer hinaus, welche, indem sie die bürgerliche Gleichstellung der Juden bestreiten, auf Ehebündnisse zwischen ihnen und den Christen, als auf einen vorbereitenden Schritt zur künftigen Gleichstellung, dringen? Welches Verhältniß setzt denn tieferen Einklang der Gemüther, innigere Uebereinstimmung, festeres Vertrauen voraus; welches läßt sich weniger durch die bloße Macht des Gesetzes verbürgen, als das eheliche? Was soll denn als Zweck der bürgerlichen Gesellschaft gelten, wenn ihr höchstes, ihr sittlichstes Element zum Mittel herabgewürdigt wird? Wenn erst alle übrigen Schranken der Zurücksetzung und der Rechtsungleichheit gefallen, wenn Vorurtheil, Haß und Neid, nicht länger gefördert und gepflegt durch trennende Gesetze, verschwunden seyn werden; dann wird die Vereinigung in dem engsten Bunde der Familie, als das letzte Siegel der Versöhnung, als das letzte Glied in der Kette menschlicher Einigung den höchsten Werth haben. Der umgekehrte Weg aber, welcher Ehebündnisse zwischen denen begünstigen und herbeiführen will, die er in allen übrigen Beziehungen des Lebens durch drückende Ausnahmsgesetze, die auf dem schwächeren Theile lasten, gewaltsam auseinanderhält,— dieser Weg ist eine Umkehrung des natürlichen Verhältnisses, ist der Natur der Dinge und der sittlichen Natur des Menschen entgegen. Daß Ehen zwischen Christen und Juden <hi rend="italic">gestattet</hi>, daß das <hi rend="italic">Verbot</hi> derselben <hi rend="italic">aufgehoben</hi> werde, ist freilich unter allen Umständen wünschenswerth; denn das Verbot ist nur ein Unrecht und ein Gewissenszwang mehr unter den übrigen; und in einzelnen Fällen können allerdings solche Ehen auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr glückliche werden. Sich aber von denselben einen erheblichen Erfolg für die Masse, eine große Förderung der Sache der Duldung und der Menschenliebe zu versprechen, ehe eine vollkommene rechtliche Gleichstellung der Juden mit den Christen vorangegangen — das ist eine arge Täuschung und Verkennung der einfachsten Wahrheit. Um sich näher zu kommen, sich kennen zu lernen, ungerechte Vorurtheile, blinden Haß und Hochmuth von der einen, Scheu und Befangenheit von der anderen Seite abzulegen, dazu dient das bürgerliche Leben, wenn es erst in allen Zweigen seiner verschiedenartigen Thätigkeit den bisher Beengten und Unterdrückten geöffnet seyn wird; die Ehe aber setzt daß Alles schon voraus; sie ist |Sp. 1308| nicht da, um als Mittel geistiger Annäherung zu dienen, sondern um die schon vorhandene innigste Nähe und Befreundung der Gemüther zu besiegeln.</p>
         <p>Ehe ich weiter gehe, muß ich einen Irrthum berichtigen, den ich mir allerdings in Betreff der Berathung der Holsteinischen Ständeversammlung habe zu Schulden kommen lassen. Ich war der Meynung, es sey der Discussion, in welcher Herr <hi rend="italic">Löck</hi> sein Votum abgab, und welche durch das Ablehnen des Vorschlags beendigt wurde, irgend eine commissarische Untersuchung und Berichterstattung vorangegangen. Einer auf den <hi rend="italic">Inhalt</hi> eines Antrages eingehenden und denselben <hi rend="italic">erledigenden</hi>, nicht bloß <hi rend="italic">suspendirenden</hi> Berathung, glaubte ich, müsse in dieser, wie in jeder anderen deutschen Ständeversammlung, eine gründliche Untersuchung, wie sie nur durch die Arbeiten eines Comité möglich ist, vorangehen. Wäre aber wirklich der Sinn des <hi rend="italic">ablehnenden </hi>Beschlusses der Versammlung kein anderer gewesen, als der, daß es in der gegenwärtigen Diät an Zeit für die weitere Verhandlung des Gegenstandes gebreche, so lag in der ausführlichen, und — in der Meynung der Gegner wenigstens — erschöpfenden Berathung der Sache ein sehr mißlicher Umstand, und es wurde dadurch eine beklagenswerthe, für die Betheiligten sehr empfindliche Zweideutigkeit herbeigeführt. Der Beschluß der Versammlung ist im Lande von Christen und Juden keinesweges als ein rein dilatorischer betrachtet worden, sondern als der Ausdruck einer der fraglichen Verbesserung überhaupt abgeneigten Gesinnung, als eine Zustimmung zu den Argumenten der Gegner des Antrags, als ein Beweis, daß die Versammlung die Fortdauer des gegenwärtigen traurigen Zustandes wünsche und wolle. Es würde mich freuen, wenn die gegenwärtige Erörterung eine bestimmte Berichtigung dieser sehr verbreiteten Ansicht herbeiführte. Der Unterschied zwischen dieser Deutung des Beschlusses und der bloßen Erklärung vorläufigen Zeitmangels ist unendlich groß. Hatte man in der That bloß den letzteren im Auge, so erforderte die Billigkeit sich darüber durch eine einfache Aussetzung der Sache auf die nächste Diät deutlich auszusprechen, und die Bekämpfung des Antrags seinem Inhalte nach zu vermeiden. Ob das Reglement ein solches unter diesen Umständen allein billiges Verfahren vielleicht nicht gestattete, oder ob die gerügte Zweideutigkeit zu vermeiden gewesen wäre, und dennoch nicht vermieden worden ist, vermag ich nicht zu beurtheilen.</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
         </div>
         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
         
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p> *Apologie des Lebens Jesu gegen den neuesten Versuch, es in Mythen aufzulösen. Von Joh. <hi rend="italic">Ernst Osiander</hi>, Prediger und Professor am evangel. Seminar in Maulbronn. Tübingen, bei <hi rend="italic">L. F. Fues</hi>. 1837. 8. 440 S.</p>
         <p>Beurtheilt von <hi rend="italic">August Boden</hi>. (Schluß.)</p>
         <p>In dem Sinn zieht der Hr. Verf. recht gut aus der Profangeschichte folgende Parallele zu <hi rend="italic">Strauß'</hi> mythischer Auffassung des Lebens Jesu. „Zwar wird," sagt er S. 35, „als Beleg für schnelle Entwicklung der Geschichte zu Mythen die Angabe Herodot's I,95, wo er vielerlei abweichende Kreise von Erzählungen der Geschichte des Cyrus erwähnt, nach Orelli von Strauß angeführt;“ etc. „aber Cyrus selbst gehört einer, in Vergleichung mit Jesu Auftritt, viel dunklern Zeit, chaotischeren Verhältnissen und einer roheren, zum Glanze der Weltherrschaft mit kühnem Riesenschritt sich aufschwingenden Nation und einem großen, mit einer mythenreichen Religion verflochtenen Thatenkreise an; <hi rend="italic">bei allen Differenzen aber und mythischen Auswüchsen seiner persönlichen Geschichte bleiben doch die Hauptthatsachen, seine einzelnen Kriege und Eroberungen selbst, seine Stiftungen einer Universalmonarchie und seine ganze welthistorische Bedeutung und Größe unbestritten und unbestreitbar</hi>.“ |Sp. 1309| So wenig bestreitet auch <hi rend="italic">Strauß</hi> die ganze welthistorische Bedeutung und Größe Jesu, und gewiß ohne mit Hrn. <hi rend="italic">Osiander</hi>, dem Stifter jenes barbarischen Reichs ebenso, wie dem Stifter des Chtistenthums, eine welthistorische Größe und Bedeutung beizulegen.</p>
         <p>Aber Hr. <hi rend="italic">Osiander</hi> will S. 36 von Mythen in der evangelischen Geschichte nichts wissen, weil „die Zeit der Erscheinung Jesu eine so durchsichtig geschichtliche, antimythische Zeit war, eine Zeit, in der die Reflexion in Wissenschaft und Leben, zurückdrängend die Einfalt und Begeisterung des alten Mythenglaubens und eine in ihrem frischen Glanz getränkte Phantasie, die vielseitigste Ausbildung weithin verbreitete.“</p>
         <p>Wir wollen diese Worte nicht commentiren, welche ihr Verfasser ohne Nachdenken hinwirft; wie Recht <hi rend="italic">Strauß</hi> aber haben müsse, sieht man auch daraus, daß seine Bekämpfer Vieles, was sie gegen ihn vorbringen, gegen das Christenthum selbst vorbringen. Was Hrn. <hi rend="italic">Osiander</hi> oder seine zuletzt angeführten Worte betrifft, so ist es zuerst zu verwundern, wie viel Gutes er der Zeit des Christenthums nachsagt, statt es dem Christenthum nachzusagen. Man muß billig fragen, ob in einer solchen Zeit, wie Hr. O. die Zeit des Christenthums bezeichnet, das Christenthum selbst nöthig, oder, wenn das, ob es möglich gewesen wäre? Zweitens kommt es nach den Worten des Hrn. O. fast heraus, als ob in jener Zeit das Christenthum den Mythenglauben hätte zurückbringen sollen, denn was er diesem nachrühmt, hat dem Christenthum nicht gefehlt und durfte ihm nicht fehlen.</p>
         <p>Was den vermeintlich antimythischen Charakter der Zeit Jesu und des Urchtistenthums noch ferner betrifft, so hat Bauer in den Jahrbüch. für Wissenschaftliche Kritik, 1837, Märzheft, und nach ihm <hi rend="italic">Strauß</hi> im dritten Heft seiner Streitschriften Hinreichendes bemerkt. Will man denn nicht einsehen, daß das Christenthum einen mythischen Geist haben müßte, wenn nicht vielmehr die Zeit, wo es entstand, einen mythischen Charakter gehabt hätte? und will man denn nicht wissen, was man dennoch weiß, daß die Zeit, wo das Christenthum entstand, eine Zeit allgemeinen (mythischen) Aberglaubens, allgemeiner Verderbniß, allgemeinen Verfalls war? daß man aus diesem Grunde in Palästina den Messias erwartete und unter den Heiden ihn aufnahm? Der Heiland war für eine heilsbedürftige und dieß Bedürfniß fühlende Welt.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Creuzer</hi> war besser über die glücklichen Zeiten der Mythen und des Mythenmachers unterrichtet, und das Verdienst seiner Symbolik kam jetzt, bei Gelegenheit der <hi rend="italic">Straußischen</hi> Händel, recht an den Tag kommen. Nach <hi rend="italic">Creuzer</hi> war das goldne Zeitalter des Mythus zur Zeit des Hesiod, Homer und Pindar schon untergegangen. Darum forschte er in den verloren gegangenen ältesten Schriftstellern, und fand in den Indischen und Griechischen Mythen, wie sie vor der Zeit das Epos bis zum Ungeheueren ausschweiften, den religiösen Vollgehalt. Zwar legten die Griechen seit Homer, denen die wahre Urreligion somit verloren ging, den Titanen von Mythen Fesseln an, und erst mit der Auflösung des klassischen Alterthums drang die ungezügelte Phantasie, besonders der Neuplatoniker, in jene Heiligthümer der Urwelt und wahren Urreligion wieder ein, die einst nur der zügellosen Gewalt des Herkules offen gestanden hatten, hinter dem die Helden Homer's als so winzige Knaben zurückstehen. Vergl. Kreuzer's Symbolik (2te Ausgabe), Vorrede zur 2ten Ausgabe, Vorrede zur ersten Ausgabe; Theil 1, S. 85, 94, 100, 101 u.  a.  m.</p>
         <p>Ich hoffe nicht, daß ich mich so ungeschickt auf das Beispiel eines berühmten Philologen gegen Hrn. <hi rend="italic">Osiander</hi> und andere Gegner des Dr. <hi rend="italic">Strauß</hi> berufe.</p>
         <p>Wenn aber Hr. <hi rend="italic">Osiander</hi> da, wo wir zuletzt abgebrochen haben, fortfährt:</p>
         <p>Merkwürdig genug war diese größte Epoche der Geschichte auch der Entwickelung der Geschichtschreibung höchst günstig, und die fruchtbare Mutter der umfassendsten, wichtigsten und glänzendsten Denkmäler, welche die Geschichte aus sehr verschiedenen Nationen und Bildungsstufen des Alterthums, in der griechischen, römischen und jüdischen Literatur aufstellte.“</p>
         <p>So ist dieß, wenn wir uns erlauben dürfen, von den umfassenden und glänzenden Denkmälern der jüdischen Geschichts- |Sp. 1310| Literatur jener Zeit abzusehen, von der griechischen Literatur etwas ungenau, denn die Zeit, des Thucydides war schon einige Jahre vorüber. Wenn aber die römische Literatur zur Zeit Jesu in ihrer höchsten Blüthe war, und noch lange nachher einzelne große Schriftsteller, auch griechisch schreibende, austraten, so wird man sich das ja wohl erklären können, ohne das ganze römische Weltreich jener Zeit nach Rom und Italien, oder nach Athen, wie es auch noch damals war, messen zu müssen.</p>
         <p>Leider ist Recensent gleich im Anfang des Buchs so ausführlich geworden, daß der Raum ihm nicht gestattet, die Beurtheilung fortzusetzen.</p>
         </div>
         
         <div type="litr">
         <head>Nachweise von Rezensionen theologischer Schriften.</head>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rheinwald's Repertorium</hi>
         </p>
         <p>Juni 1837. <hi rend="italic">Nork</hi> Braminen und Rabbinen. — Brachoth und Schulchan Aruch, übersetzt von <hi rend="italic">Löwe</hi>. — <hi rend="italic">Arens de</hi> evangeliorem apagryphorum usu. — <hi rend="italic">Flathe</hi> Geschichte der Vorläufer der Reformation. —<hi rend="italic">Zürn</hi> Johann Huß auf dem Concile zu Costnitz. — <hi rend="italic">Heller</hi> Hieronimus von Prag. — <hi rend="italic">Neumann</hi> Versuch einer Geschichte der armenischen Literatur. — F. <hi rend="italic">Baader</hi> Vorlesungen über speculative Dogmatik. — Desselben Vorlesungen über eine künftige Theorie des Opfers oder des Cultus. — <hi rend="italic">Schlüter</hi> Die Lehre des Spinosa. — <hi rend="italic">Kreuzhage</hi> Ueber die Erkenntniß der Wahrheit. — Zwölf Schriften über die Hülsmann'sche Predigerbibel und die Predigerwahl zu Schwelm. — Ueber den Seelenfrieden. — <hi rend="italic">Gollhard</hi> Christlicher Wegweiser. — <hi rend="italic">Dann</hi> Christliche Sonntagsblätter. — <hi rend="italic">Schmezer</hi> Weihestunden. — <hi rend="italic">Tersteegen</hi> Gottesfürchtige und erbauende Briefe. — Einfältiger Beichtunterricht. — Von dem göttlichen Worte. — <hi rend="italic">Kappf</hi> Gebetbuch. — Einzelne Predigten und Predigtsammlungen von <hi rend="italic">Böckel, Fischer, Gerdesssn, Hasert, Köhler, Körner, Hergenröther, Franjean, Kirch, Sprißler</hi>. —</p>
         <p>(Wird fortgesetzt.)</p>
         </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <head>Anzeigen.</head>
         <p>(75) Bei Unterzeichnetem ist erschienen und durch alle soliden Buchhandlungen zu beziehen:</p>
         <p>Theotismus Anleitung zur christlichen Frömmigkeit für die Jugend von Dr. K. Gobinet. Aus dem Französischen übersetzt von Joseph Lipf, Domvikar und bischöflicher Sekretär in Regensburg. <hi rend="italic">Mit Approbation des bischöflichen Ordinariats, nebst einem Stahlstiche</hi>. 8. 47 Bogen, in Umschlag broschirt 1 fl. 30 kr. oder 20 gr.</p>
         <p>Allgemein und gegründet sind die Klagen über das immer weiter fortschreitende Verderben der Jugend, und erfüllen das Herz jedes Menschenfreundes mit Wehmuth und banger Erwartung für die Zukunft. <hi rend="italic">Dank </hi>verdient daher ein Jeder, der durch Wort oder That, durch Lehre oder Schrift zur Erzielung einer bessern Gesittung der Jugend hinarbeitet und dadurch das hereinbrechende Verderben abzuwehren sucht.</p>
         <p>Diesen Dank erwarb sich denn auch <hi rend="italic">Karl Gobinet</hi>, Priester und Vorstand des Collegiums von Plessis-Sorbonne, geb. 1613, und legte in dem vorliegenden Buche den jugendlichen Seelen den Inbegriff christlicher Weisheit auf eindringliche Weise an's Herz; dasselbe hat seitdem, in zahlreichen Ausgaben verbreitet, auf die Hebung, des religiösen Sinnes und christlichen Wandels der Jugend in Frankreich viel gewirkt; möge der Herr dieser neuen und wohlfeilen Bearbeitung und Uebersetzung auch im deutschen Lande seinen Segen verleihen, und mögen diejenigen“ denen es in die Hände kommt, den darin enthaltenen Wahrheiten ihr Herz erschließen, um ihr Leben darnach einzurichten.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Augsburg</hi>, den 6. September 1837. </p>
         <p>
            <hi rend="italic">K. Kollmann</hi>'sche Buchhandlung.</p>
      </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
    </div> 
      </body>
   </text>
</TEI>

