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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 8. Oktober 1837, Nro. 81</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher>Beata Mache</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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               <email>mac@steinheim-institut.org</email>
               <orgName role="hostingInstitution">Steinheim-Institut</orgName>
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<country>Germany</country>
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         </publicationStmt><seriesStmt><title>Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title></seriesStmt>
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            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
            <biblFull>
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                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="80">8. Oktober 1837, Nro. 80</title>
                  <editor>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
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               </editionStmt>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-10-08</date>
                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
               </publicationStmt>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <language ident="deu">German</language>
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            <language ident="grc">Ancient Greek</language>
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         <head>Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/>
            für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, <lb/>
            katholischen, und israelitischen Deutschland's. <lb/>Frankfurt a. M., den 8. Oktober 1837. Nro. 81.</head>
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         <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Beiträge für die Erbauung einer neuen kathol. Kirche in <hi rend="italic">Friederichsstadt an der Eyder</hi>. — </p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Die Einführung der katholischen Religion auf der Insel Island. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Kirchliche Nachrichten</seg>.</hi>
            <hi rend="italic"> Kirchenstaat. Forli</hi>; Todesfall. — <hi rend="italic">Dänemark. Friederichsstadt an der Eyder</hi>; Bekehrung zum Katholizismus und Verhör deßhalb; Ermunterung zu Beiträgen für die katholische Kirche. <hi rend="italic">Kiel</hi>; protest. Missionsstunde; Universität. — <hi rend="italic">England, London</hi>; Sonntagsfeier; Aufblühen des Katholizismus; Vorgang zwischen einem anglikan. Bischof und einem kathol. Priester; über das anglikanische Kirchenwesen; Kirchensteuer. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Theologische Akademie. </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Israel. Abth.</seg>
            </hi> Ueber die Ansprüche der Juden auf bürgerliche Gleichstellung. Von Dr. <hi rend="italic">G. Riesser</hi> in Bockenheim. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Kathol. Abth. </seg>
            </hi>Ueber den Satz von der alleinseligmachenden Kirche. Vom Professor Dr. <hi rend="italic">J. S. von Drey</hi> in Tübingen (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Literatur. </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Protest. Abth</seg>
            </hi>
            <hi rend="italic">. Osian- der</hi> Apologie des Lebens Jesu. Rec. von <hi rend="italic">A. Boden</hi> in Oldenburg. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Anzeigen.</seg>
            </hi><lb/>|Sp. 1279|
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
          Beiträge für die Erbauung einer neuen katholischen Kirche in <hi rend="italic">Friedrichsstadt an der Eyder</hi> in <hi rend="italic">Dänemark</hi>.</head>
         <p>Uebertrag von No. 75 						146 fl. 54 kr.</p>
         <p>15) Aus <hi rend="italic">Darmstadt</hi> mit der Inschrift: „Herr ich sage Dir Dank!“	    3 fl. 30 kr.</p>
         <p>16) Das Schärflein eines Geringbemittelten. 				<hi rend="underline"> 12 kr.</hi>
         </p>
         <p>150 fl. 36 kr.</p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>Der Einführung der katholischen Religion auf der Insel <hi rend="italic">Island</hi>.</head>
         <p>Der <hi rend="italic">Bergedorfer Bote</hi>, ein <hi rend="italic">protestantisches</hi> Blatt, enthält darüber Folgendes:</p>
         <p>Ueber Schottland hinaus liegen gegen Norden einige kleinere Inseln, theils zu Schottland, theils zu Dänemark gehörend, danach aber gelangt man an die dem dänischen Königshause unterworfene große europäische Insel <hi rend="italic">Island</hi>, ein Land, das seine Entstehung höchst wahrscheinlich der Wirkung unter dem Meere verborgener feuerspeienden Berge verdankt. Von Seiten der Natur bietet dieses schöne Land den auffallendsten Anblick. In keinem Winkel der Erde findet man auf gleicher Ausdehnung der Oberfläche eine solche Anzahl feuerspeiender Berge zusammengedrängt, so viele siedende Quellen oder so unermeßliche Strecken Lava oder verhärteter Ausgüsse aus den feuerspeienden Bergen, als hier. Der allgemeine Anblick der Gegend ist der rauhste und schrecklichste, der sich denken läßt. Auf allen Seiten zeigen sich Spuren der Unordnung und Verwüstung oder man erblickt die furchtbaren Quellen dieser Uebel in den gährenden Oeffnungen hoher und Verderben drohender Vulkane. Auch erholt sich die Seele dessen, der das wunderbare Land anblickt, nicht an dem erschütternden Gedanken an das unterirdische Feuer, das unter ihm wüthet, bei'm Anblick der hohen Gebirge von nie schmelzendem Schnee, womit er sich umgeben sieht. Diese hellen Wasser, deren Natur allen Begriff von Hitze auszuschließen scheint, enthalten Brennstoffe in ihrem Schooße, und man sieht sie häufig Rauch und Feuer auswerfen und auf die umliegenden Ebenen unermeßliche Fluthen siedenden Wassers und Schlammes oder rothglü- |Sp. 1280| hende Ströme verherrender Lava ergießen. Obgleich sie mit Eisdecken von ungeheurer Dicke gepanzert sind, so brechen und bersten doch diese Massen von Eis oder gehärtetem Schnee, wenn die innern Theile der Gebirge sich entzünden, durch die Gewalt des Ausbruches, der geschieht; ein großer Theil wird vom Feuer oder siedendem Wasser geschmolzen, welches sich in Strömen ergießt, und ganze Felder werden zuweilen von den benachbarten Ebenen abgesetzt.</p>
         <p>Man weiß mit Zuverlässigkeit aus alten ireländischen Zeugnissen darüber, daß zur Zeit der Ankunft der Norweger und mehre Jahrhunderte später Wälder von nicht geringer Ausdehnung in verschiedenen Theilen der Insel wuchsen und die Einwohner mit Holz, sowohl zu ihrem Hausbedarf, als zu ihren Seeunternehmungen reichlich versahen. Allein jetzt sind diese fast gänzlich verschwunden, nur hin und wieder findet sich niedriges Buschholz; sonst sieht man meistens über ein ödes Land dahin; wenn früher auch auf Island Getreide gebaut worden ist, so geschieht dieß doch heut zu Tage nicht mehr; die Eingebornen neigen sich mehr zum Anbau von Wiesen, weil sie am liebsten Schaafzucht treiben.</p>
         <p>Island wurde etwa um's Jahr 860 nach Christo entdeckt und dann allmählich von Norwegen aus bevölkert. Da die Norweger damals noch Heiden waren, so erbauten sie auch sogleich dem Gotte Thor Tempel und führten den Gottesdienst ein, der in ihrem Lande gebräuchlich war. Kaum aber war etwas mehr, als ein Jahrhundert, nach der Errichtung von Niederlassungen auf der Insel verflossen, als ein Versuch gemacht wurde, das Christenthum unter den Einwohnern einzuführen. Im Jahr 987 kam der Isländer Thorwald <hi rend="italic">Kodranson</hi> auf einem Seeräuberzuge nach Deutschland, und da er in Sachsen mit einem Bischof <hi rend="italic">Friederich</hi> zusammentraf, wurde er von diesem getauft und brachte einige Zeit in seinem Hause zu. Hierauf bewog er den Bischof, ihn nach Island zu begleiten, um dort die neue Lehre zu verkündigen, und seine Anverwandte und diejenigen seiner Freunde zu taufen, die sich geneigt zeigen würden, das Christenthum anzunehmen. Der Bischof nahm den Vorschlag an, beide reisten ab, langten glücklich an und durchzogen nun die Insel. Da der Bischof die Landessprache nicht verstand, so übernahm <hi rend="italic">Thorwald</hi> das Geschäft des Dolmetschers und zeigte großen Eifer in seinen Bemühungen, seine Landsleute zum christlichen Glauben zu bekehren. Doch scheint sein Betragen wenig darauf berechnet gewesen zu seyn“ sie mit Liebe für das Christenthum zu erfüllen, denn bei einer gewissen Gelegenheit machte er sich kein Gewissen daraus, zwei von ihnen zu tödten, welche Spottverse auf ihn und den Bischof gemacht hatten, und Beide verließen darauf die Insel bald, ohne den Erfolg gehabt zu ha- |Sp. 1281| ben, mit welchem sie sich geschmeichelt hatten. Indessen obgleich sich nur Wenige hatten taufen lassen, entfernten sich doch Mehre in den nördlichen Theilen der Insel von den Tempeln, zerbrachen die Götzenbilder und weigerten sich, die zur Aufrechthaltung des heidnischen Götzendienstes bestimmte Auflage ferner zu bezahlen. Die erste christliche Kirche wurde im Jahre 984 zu As von Thorward <hi rend="italic">Spakbödwarson</hi> trotz des Widerstandes und der Drohungen seiner heidnischen Nachbaren erbauet.</p>
         <p>Auf <hi rend="italic">Thorwald</hi> folgte ein gewisser <hi rend="italic">Stefner</hi>, welchen König <hi rend="italic">Olawe</hi> von Norwegen im Jahre 996, in der ausdrücklichen Absicht nach Island übersandte, die Einwohner zum Christenthum zu bekehren, doch scheint seine Unternehmung mit eben so geringem Erfolge, als die seines Vorgängers gewesen zu seyn; der einzige Vortheil, welcher daraus entsprang, war der, daß der Gegenstand, von welchem die Rede war, allgemeiner bekannt wurde, und daß gewisse Verordnungen, welche in der Volksversammlung beschlossen wurden, um die Verbreitung jeder Neuerung zu hindern, dazu beitrugen, den Geist der Forschung und Untersuchung bei den Einwohnern zu wecken.</p>
         <p>Nach diesem ersten Versuche übertrug <hi rend="italic">Olawe</hi> einem Geistlichen, Namens <hi rend="italic">Thampbrand</hi>, dieselbe wichtige Sendung; und obgleich die Heiden keine Anstrengung unversucht ließen, um sich den Fortschritten seines Werkes zu widersetzen, und mehre ihrer besten Dichter gebrauchten, ihn mit den beißendsten Schmähschriften anzugreifen, so gelang es ihm doch, eine Anzahl Einwohner zu taufen. Jetzt wurden alle diejenigen, welche sich zum Christenthume bekannten, schweren Geldstrafen unterworfen, und Viele sahen sich genöthigt, die Insel zu verlassen, um den Verfolgungen zu entgehen, welche gegen sie erhoben wurden.</p>
         <p>Im Jahre 1000 endlich kehrten zwei dieser Verbannten, <hi rend="italic">Hiallti</hi> und <hi rend="italic">Gissur</hi>, nach Island zurück, des festen Entschlusses, die Sache des Christenthums in Gegenwart ihrer Landsleute zu verfechten. Sie langten gerade zur Zeit der Volksversammlung an, und begaben sich auf der Stelle dahin, wo ihre Freunde sie bewillkommten und sie zugleich gegen einen Angriff schützten, welchen die Götzendiener gegen sie vorbereitet hatten. Am folgenden Tage kamen sie in feierlichem Zuge auf den Lögberg, von sieben Männern begleitet, die in priesterliche Gewänder gekleidet waren und große Kränze in ihren Händen trugen. Die ganze Versammlung war von der Neuheit dieses Schauspiels betroffen, und nachdem Hiallti Weihrauch verbrannt hatte, fingen er und Gissur an, mit so viel Kühnheit und Unerschrockenheit die Ueberlegenheit des Christenthums über das Heidenthum auseinanderzusetzen, daß keiner ihrer Gegner den Muth hatte, ihnen zu widersprechen. Die Folge hiervon war, daß diejenigen, welche zu dem Entschlusse gebracht wurden, ihre Religion zu ändern, diesen Vorsatz laut und in Gegenwart von Zeugen bekannt machten, und indem sie sich von ihren heidnischen Landsleuten trennten, sich zu denjenigen gesellten, welche den christlichen Glauben angenommen hatten.</p>
         <p>Was wir von dem Eintreten Hiallti's und Gissur's in die Volksversammlung gehört haben, ist noch nicht Alles, was sich dadurch in Folge desselben auf Island begab. Es traf nämlich, als sich eben die Christen von den Heiden sonderten, die Nachricht ein, daß in geringer Entfernung ein vulkanischer Ausbruch begonnen habe, den die Heiden auf der Stelle dem Unwillen der Götter über den Abfall einer so großen Anzahl von ihren Anbetern zum Christenthume zuzuschreiben bemüht waren.</p>
         <p>„Darf man sich wundern — riefen sie aus — daß die Götter über Reden zürnen, wie die sind, welche wir eben gehört haben?“ — Durch diesen Aufruf hofften sie, die Verfechter der christlichen Religion zum Schweigen zu bringen, und zu verhindern, daß noch mehre von ihren Landsleuten sie annähmen; aber dem <hi rend="italic">Snorre Goda</hi>, obgleich selbst ein Heide geblieben, fiel die Schwäche dieses Beweises so sehr auf, daß, indem er sie auf die Lavaströme aufmerksam machte, in deren Mitte die Vorsammlung gehalten wurde, und die augenscheinlich lange vor der Zeit geflossen, in welcher die Insel bewohnt war, er sie angelegentlich fragte: „worüber zürnten denn die Götter in demselben Zeitpunkte, wo dieselbe Lava brannte, auf welcher wir jetzt stehen?“ Da keine Antwort auf die Frage erfolgte, so ging die Versammlung auseinander und diejenigen, welche sich zu dem neuen Glauben bekannten, verlangten, daß Gesetze gegeben werden sollten, wodurch ihnen der friedliche Genuß ihres Glaubens gesichert würde. |Sp. 1282| Die Heiden fingen jetzt an, einen feierlichen Ruf an die Götter ergehen zu lassen, und beschlossen, ihnen vier Menschenopfer von jedem der vier Theile der Insel als ein Sühnopfer darzubringen, damit sie dem christlichen Glauben nicht gestatten möchten, sich über die ganze Gegend zu verbreiten. Diesem entgegen beriefen <hi rend="italic">Hiallti</hi> und <hi rend="italic">Gissur</hi> eine Versammlung der Christen und schlugen darin vor, daß eine gleiche Anzahl von den ihrigen sich als Märtyrer zur Ehre ihres Erlösers weihen sollten; und um ihren Eifer anzufachen, trat Hiallti selbst auf und erbot sich, sein Leben für die Aufrechthaltung des Christenthums hinzugeben.</p>
         <p>Am folgenden Tage veranstaltete <hi rend="italic">Thorgeier</hi>, der damals die höchste Würde im Staate bekleidete, eine Volksversammlung, in der Absicht, dem ganzen Zwiste ein Ende zu machen. Er schilderte in derselben seinen Landsleuten die verderblichen Folgen, welche aller Wahrscheinlichkeit nach, aus ihrem Beharren entspringen würden, zwei Gesetzbücher besitzen zu wollen, und ermahnte sie zur Ausübung einer gegenseitigen Duldung unter dem Schutze derselben allgemeinen Gesetze. Die Wirkung, die durch diese Rede hervorgebracht wurde, war so groß, daß beide Theile dahin übereinkamen, sich seinem Ausspruche zu unterwerfen, wie dieser Ausspruch auch ausfallen würde. Demzufolge entschied er, daß alle Einwohner Island's sich taufen lassen und einen einzigen Gott anbeten sollten, daß diejenigen, welche sich noch geneigt fühlen würden, den alten Göttern zu opfern, damit für ihre Person fortfahren könnten, daß aber die alten Verordnungen in Bezug auf Aussetzung der Kinder, wonach diejenigen, die es nicht für gut fanden, ihre Kinder aufzuerziehen, die Freiheit hatten, sie auszusetzen, fortwährend in Kraft bleiben sollten. Die ganze Bevölkerung unterwarf sich jetzt der Taufe, die bei den warmen Bädern vorgenommen ward, da die Einwohner diese dem Eintauchen in kaltes Wasser vorzogen.</p>
         <p>Jetzt wurden Maßregeln ergriffen, um die Einwohner mit dem zu versehen, was zum Gottesdienste nöthig war. Eine Anzahl Geistlicher wurde ernannt, den ganzen Gottesdienst nach der Sitte der römischen Kirche zu leiten. Anfangs standen diese Geistlichen unter der Aufsicht ausländischer Bischöfe; aber im J. 1057 wurde <hi rend="italic">Isleif</hi>, ein geborner Isländer, der einige Zeit in Erfurt studirt hatte, in den bischöflichen Sitz von Skalholt eingesetzt, wo er das Bischofsamt bis zu seinem Tode, 1080, verwaltete, und seinen Sohn <hi rend="italic">Gissur</hi> zum Nachfolger hatte. Nachdem dieser eine regelmäßige Abgabe des Zehnten eingeführt hatte, fand er, daß diese Insel im Stande sey, mehr, als Einen Bischof zu unterhalten; und indem er mehr das allgemeine Beste der geistlichen Einrichtungen, als seinen eigenen Vortheil im Auge hatte, willigte er mit Vergnügen in eine Forderung der Einwohner des nördlichen Theils der Insel, welche einen eigenen Bischof verlangten, damit ihre bischöflichen Angelegenheiten besser und schicklicher verwaltet würden. Diesem zufolge wurde ein anderes Bisthum zu <hi rend="italic">Holum</hi> errichtet und die bischöfliche Würde im J. 1107 an <hi rend="italic">Jon Oegnumdson</hi> übertragen. Die isländischen Bischöfe standen ursprünglich unter dem Erzbischof von <hi rend="italic">Bremen </hi>und <hi rend="italic">Hamburg</hi>; später aber wurden sie von der Gerichtsbarkeit des Erzbischofs von <hi rend="italic">Lund</hi> in Schweden abhängig und ganz zuletzt wurden sie dem Erzbischof von <hi rend="italic">Drontheim</hi> in Norwegen unterthan.</p>
         
         </div>
         <div type="kn">
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Kirchenstaat.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Forli</hi>. Am 18. August ist zu Forli an der Brustwassersucht gestorben der Priester <hi rend="italic">Georg Eßlinger</hi>, Aumonier im zweiten päpstl. Schweizerregimente. Er war in Zürich geboren und reformirter Geistlicher. In Frankreich, wo er als Feldprediger angestellt war, lernte er die kathol. Religion näher kennen und hochschätzen. Schon damals lieferte er in das von <hi rend="italic">La Mennais</hi> herausgegebene Memorial catholique sehr gediegene Artikel. Im J. 1830 kehrte er in die Heimath zurück und trat zur katholischen Kirche über. Er begab sich nach Freyburg, trat da in das Seminar und wurde Priester. Er war Mitarbeiter an dem Invariable und an den zu Rom erscheinenden Annali delle |Sp. 1283| science religiose. Seine Kenntnisse, sein Eifer, sein biederer Charakter erwarben ihm allgemeine Achtung. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Sion)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Dänemark.</p>
         <p>‒†‒  <hi rend="italic">Friederichsstadt an der Eyder</hi>, den 17. Septbr. (Aus einem Schreiben des kathol Pfarrers und Apostol. Missionärs <hi rend="italic">Heiremans</hi> an den Redacteur des untenbenannten Blatts.)</p>
         <p>Auf meiner jüngsten Missionsreise hatte ich das unaussprechliche Vergnügen, eine protestantische Wittwe durch Gottes Gnade in den Schooß der katholischen Kirche aufnehmen zu können, wodurch zugleich ihre beiden Kinder dem Irrthume entzogen wurden. Hierüber ward mir aber vor einigen Tagen eine noch größere Freude zu Theil, indem ich gleich dem heil. Apostel <hi rend="italic">Paulus</hi> vor Gericht geladen wurde, um vor der weltlichen Obrigkeit diesen angeblichen Eingriff zu rechtfertigen. Mein Verhör dauerte zwei Stunden, und nun werde ich von Rechtswegen gestraft werden. Ich habe eine Wittwe vom Rande des Abgrundes gerettet, die bereits seit sieben Jahren mit ihrem Verlobten, der Katholik ist, zur Schande vor Gott und allen redlichen Menschen, in unerlaubtem Umgange lebt, ohne daß sich ein protestantischer Prediger darum bekümmert hätte. Nun aber, nachdem ich diese Frau unterrichtet, sie zur Bereuung ihrer Sünden gebracht, und sie copulirt habe, so daß dieses Paar in Aufrichtigkeit vor Gott, und ohne Anstoß vor rechtschaffenen Leuten wandeln kann, soll ich dafür, und dieß durch Zuthun des berühmten Dr. <hi rend="italic">Harms </hi>zu Kiel, bestraft werden! Das Urtheil ist noch nicht gesprochen, ich werde Sie aber seiner Zeit von dem Verlaufe der Sache in Kenntniß setzen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(De Godsdienstvriend)</p>
         <p>— In untenbenanntem Blatte schreibt ein Pfarrer: <lb/>Ich trat unlängst in die Gesellschaft einiger wenigen meiner geistlichen Nachbarn. Diese Gelegenheit benutzte ich, ihnen die Noth unserer katholischen Mitbrüder in <hi rend="italic">Friederichsstadt </hi>an das Herz zu legen. Im Augenblicke hatte ich eine kleine Summe beisammen. O wie oft könnten auf ähnliche Weise ähnliche kleine Beiträge gesammelt werden, wenn nur Einer die Anregung geben wollte! Aber leider! wird so mancher christliche Nothruf in öffentlichen Blättern gelesen, das Blatt auf die Seite gelegt, und — des Hilfesuchenden nicht mehr gedacht.</p>
         <p>Geistliche Mitbrüder! wohl haben wir heut zu Tage so manche <hi rend="italic">Ausgaben</hi>, die unsere Vorfahren nicht kannten; aber bedenken Sie, daß wir täglich das Glück haben, in schönen und freundlichen Gotteshäusern dem Herrn das erhabenste Opfer darzubringen, und sein heiliges Wort zu verkünden, daß oft ein reicher Ornat, Altar, Kanzel und Priester ziert; daß dagegen im fernen Norden ein gebrechlicher Priester die heiligen Mysterien in einer verfallenen Hütte feiert, die höchste und heiligste Feier unserer Religion alles äußeren Schmuckes entbehrt, daß der arme Katholik, unser Bruder, auch während des Gebets und der Andacht sogar noch an die Bitterkeit seiner Noth, seines Elendes doppelt schwer erinnert wird; bedenken Sie, daß der Priester dieser Gemeinde mit allen Beschwerden des Lebens und seines Berufes zu kämpfen hat, und standhaft, wie ein Apostel, auf seiner unerfreulichen Station ausharrt, während wir uns doch so mancher Vortheile erfreuen, und immerhin mehr haben, als wir zur unumgänglichen Nothdurft <hi rend="italic">bedürfen</hi>. Würden wir, meine Mitbrüder, verdienen, <hi rend="italic">Nachfolger der Apostel</hi> und <hi rend="italic">christliche Priester</hi> zu heißen, wenn wir bei diesen Betrachtungen kalt, empfindungslos, theilnahmslos blieben? O lassen Sie uns der seligen Empfindung gedenken, die unser ehrwürdiger Mitbruder in Friederichsstadt empfinden muß, wenn ihm das Glück zu Theil wird, in ein neuerbautes Kirchlein zu treten, hier das heil. Opfer zum erstenmale wieder innerhalb geheiligter Mauern darzubringen und dem kleinen Häuflein seiner Gläubigen das Brod des Lebens zu brechen! Gedenken wir des Trostes, der Freudenthränen dieser fernen Heerde, des Dankes, den sie für die Liebe ihrer weit entfernten Brüder im Glauben empfinden, des Dankgebetes, das sie für diese zum Himmel senden, und des Eifers, der durch das Bewußtstyn entzündet werden muß, wie in der Ferne ihre <hi rend="italic">Glaubensgenossen</hi> so liebend ihrer gedachten, und die gegenseitige Liebe wahrer Christen kein Raum trennet!</p>
         <p>Geistliche Mitbrüder, bedenken wir Das, und wo uns Beruf oder Vergnügen in einen Kreis versammelt, da lassen Sie es uns <hi rend="italic">heiligen</hi> durch eine Gabe zur <hi rend="italic">Ehre des Herrn</hi>, zur |Sp. 1284| <hi rend="italic">Aufnahme unserer heiligen Kirche</hi>! O vergessen Sie Friedrichsstadt nicht! </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(K. K.-Z.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Kiel</hi>, den 1. Juli. Am 21. v. M. ward hier zum erstenmal vor recht zahlreicher Versammlung beiderlei Geschlechts eine öffentliche Missionsstunde im akademischen Hörsaale gehalten. Nachdem dieselbe durch ein kurzes Missionslied eröffnet worden, berichtete Dr. <hi rend="italic">Harms</hi> über die Entstehung und den gegenwärtigen Bestand der Missionsthätigkeit in Kiel woraus erhellte, daß hier seit 1821 sechs Missionsfreunde sich zu einer stillen Wirksamkeit für diese heilige Sache verbunden haben, daß seitdem auch alljährlich von Dr. <hi rend="italic">Harms</hi> am D. D. Trinit. eine eigene Missionspredigt gehalten, und am D. D. Ocull von demselben noch besonders zu einer thätigen Theilnahme an der Missionssache aufgefordert sey, durch eine Ansprache, die darauf meistens gedruckt vertheilt worden. Hierauf ward über die bisher anonym eingegangenen Beiträge und deren Verwendung berichtet, und der Vorschlag zu einer in Kiel zu errichtenden öffentlichen Missionsgesellschaft in Anregung gebracht, wobei ein Jeder in der Versammlung aufgefordert wurde, bis zur nächsten Zusammenkunft über die zweckmäßigste Einrichtung derselben nachzudenken. — In der zweiten Rede gab Pastor <hi rend="italic">Lüdemann</hi> eine kurze aber sehr genaue Uebersicht über die gegenwärtig bestehenden Missionsgesellschaften und Missions-Seminare aller Länder der Erde, und zeigte dann durch eine Vorführung — wie von Freunden, so von Feinden — anerkannter Thatsachen auf das entschiedenste, daß die Arbeit für die Verbreitung des Evangelismus unter die Heiden in der That keine vergebliche gewesen ist. — </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(D. Kirchenfrd. f. d. nördl. Deutschl.)</p>
         <p>— den 11. Sept. Zu der erledigten Professur der Philosophie, so wie zu der durch des Kirchenraths <hi rend="italic">Eckermann</hi> Tod erledigten Professur der Theologie, vorzüglich in den Fächern der Kirchengeschichte und der Dogmatik, steht tüchtigen Männern noch immer der Zugang offen, da die bisherigen Anfragen sowohl als Bewerbungen noch nicht zum Ziele geführt haben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Freib. Z.)</p>
         <p>— In <hi rend="italic">Altona</hi> hat Dr. <hi rend="italic">Salomon</hi> eine vollständige deutsche Bibel, unsers Wissens, die erste dieser Art, für Israeliten herausgegeben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Weimarische Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">England.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">London</hi>. Die Feier des Sonntags wird bekanntlich nirgends stiller begangen, als in England; auch hielten die fünf Könige aus dem Hause Braunschweig streng darauf. Kaum war aber <hi rend="italic">Wilhelm IV</hi>. verschieden, so erlaubte die jetzige, die Musik liebende junge Königinn einem Musikchor, des Sonntags Nachmittags auf der Schloßterrasse zu Windsor zu spielen. Man wollte die Königinn bestimmen, dieß wieder abzustellen, die Monarchinn hat aber erwiedert, daß diese neue unschuldige Volksfreude auch ihr Vergnügen mache, und daher fortgesetzt werden solle.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Weimar. Ztg.)</p>
         <p>— Kürzlich begab sich der katholische Priester der englischen Grafschafts-Hauptstadt Hereford, begleitet von seiner Gemeinde, in feierlicher Prozession, unter Vortragung der Monstranz, auf den Platz, wo eine neue katholische Kirche in prächtigem Style erbaut werden soll. Hier wurde er von dem Hochsheriff der Grafschaft empfangen, welcher den ersten Stein zu der Kirche legte, worauf der Platz durch das heil. Chisma geweiht wurde. Während des Aktes spielte die Musik der Hereforder Miliz in voller Uniform mehrere Kirchen-Musikstücke. Zu Kendal wurde durch den katholischen Bischof von Nord-Cumberland eine neue katholische Kirche mit aller Feierlichkeit, wie sie in Spanien und Italien gebräuchlich ist, eröffnet. Die Tories ergreifen diese beiden Thatsachen, welche das Aufblühen des Katholizismus in England darlegen, begierig, und ziehen namentlich aus dem Umstande, daß der Hochsheriff und die Milizmusik an dem Akte zu Hereford Theil genommen, den Vorwurf gegen die Regierung, daß sie das Papstthum unterstütze. Allerdings sind diese Vorfälle in dem erzprotestantischen England, wo man noch von den Erzählungen der Urahnen her bei katholischen Feierlichkeiten gleich an die Scheiterhaufen der „blutigen Königinn Mary“, sich zu erinnern pflegt, sehr geeignet, dem „Kein Papstthum-Geschrei“ der Tories, welches ihre Hauptwaffe gegen die Regierung ist, Eingang zu verschaffen, und diese offene Schaustellung des katholischen Kirchengepränges durch die katholischen Priester in England ist nicht sehr geeignet, zur Abstellung der Beschwerden, welche auf ihren Glaubensgenossen in Irland lasten, beizutragen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. M.)</p>
         <p>|Sp. 1285| — In der vorigen Parlamentssession hatte das Haus der Lords auf den Antrag des Dr. <hi rend="italic">Philpotts</hi>, Bischofs von <hi rend="italic">Exeter</hi>, eine Comité niedergesetzt, um zu untersuchen, ob nicht die katholische Geistlichkeit den Volksunterricht zur Proselytenmacherei benutze. Vor diese Comité wurde ein irischer Dominikaner, Dr. <hi rend="italic">Smyth</hi>, aus dem Kloster <hi rend="italic">Esker</hi> in der Grafschaft Galway gebracht, der eine Unterrichtsanstalt errichtet hatte, und beschuldigt war, gegen die Verordnung des Nationals-Erziehungscollegiums (wonach der Unterricht ohne Rücksicht auf konfessionellen Unterschied vorzunehmen ist) in dem Schulgebäude Messe gelesen zu haben. Dr. <hi rend="italic">Smyth</hi> erklärte vor der Comité, sein Schulhaus sey umfassend, zweistöckig, der eine Stock für die Knaben, der andere für die Mädchen bestimmt, und daranstoßend sey eine hübsche, kleine katholische Kapelle errichtet worden. Befragt, wie er das Bauwesen bestritten, antwortete er: „Vermittelst eines kleinen Pferdes und eines Sattels und Zaums. Von dem Wunsche ergriffen, die sittliche Wüste um mich her anzubauen, verkaufte ich mein Pferd nebst Sattel und Zaum für 10 Pf. und trat—denn ich gehöre zu einem Bettelorden —eine Bettelfahrt an, um Gelder für meine Schule zu sammeln. Mit Gottes Segen ersammelte ich über 1300 Pf., wozu mir der gute Graf von <hi rend="italic">Shrewsbury </hi>(der ihn auch bei der Comité einführte) 400 beisteuerte. Nun fing ich an, zu bauen, und es gelang mir, ohne daß ich eine Pfarre oder Diözese hatte. Ich las, allerdings gegen die bestehende Verordnung, die Messe in dem Schulhause, weil ich keinen andern Platz dazu hatte; an demselben Tage, da die Kapelle unter Dach gebracht worden war, versetzte ich den Altar in die Kirche.“ Als Dr. <hi rend="italic">Smyth</hi> den Saal verließ, wendete er sich noch an den anglik. Bischof von <hi rend="italic">Exeter</hi> mit den Worten: „Wer weiß, Dr. <hi rend="italic">Philpotts</hi>, vielleicht sind Sie geneigt, etwas zur Beendigung meines Kapellchens beizutragen?“ Der Bischof, erbittert, daß der Mönch ihn nicht mit seinem Amtstitel nenne, fuhr ihn an. „Sir,“ sagte er, „wissen Sie nicht, daß ich Lord-Bischof von <hi rend="italic">Exeter</hi> bin, und daß Sie einen Pair beleidigt haben?“ Dr. <hi rend="italic">Smyth</hi> entschuldigte sich und wiederholte seine Bitte an den Lord-Bischof <hi rend="italic">Exeter</hi>. Der aber blieb unerbittlich und fragte einen in der Comité sitzenden irischen Bischof: „Mein Lord-Bischof von <hi rend="italic">Killaloe</hi>, nennt man Sie in Irland gewöhnlich Dr. <hi rend="italic">Sandes</hi>?“ Dieser erwiederte ruhig: „Allerdings, und zwar jeden Tag meines Lebens, mein theurer Lord, und ich fühle mich nicht im Geringsten dadurch beleidigt.“ Diese Szene hatte vortheilhafte Folgen für Dr. <hi rend="italic">Smyth</hi>. Derselbe hatte nämlich, um feine Gebäude zu vollenden, Schulden im Betrage von 200 Pf. contrahiren und sogar das Reisegeld nach London borgen müssen. Als er den Sitzungssaal der Comité verließ, fragte ihn Marquis <hi rend="italic">Lansdowne</hi> (Präsident des Geheimraths) um seine Adresse, und schickte ihm am nächsten Tage 20 Pf. Außerdem erhielt er noch weitere Beiträge, häufig anonym, und ehe er London verließ, hatte er eine Summe erhalten, welche zur Deckung seiner Schuld nahezu hinreichte. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Oesterr. Beob.)</p>
         <p>‒†‒ Folgendes Gespräch hat innerhalb 24 Stunden zwischen dem Tory-Journal <hi rend="italic">Morning-Post</hi> und einem hiesigen radikalen Blatte statt:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Morning-Post</hi>: Die letzten Nachrichten von <hi rend="italic">Jamaica </hi>berichten, der Papst habe sich erlaubt, einen Bischof für <hi rend="italic">Jamaica </hi>und einen andern für die <hi rend="italic">Inseln unter dem Winde</hi> zu ernennen. Es steht zu hoffen; Lord <hi rend="italic">Glenelg</hi> werde das Publikum unterrichten, ob der Papst <hi rend="italic">Gregor XVI</hi>. sich die geistliche Obergewalt in unsern Colonien anmaßt …</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Radikales Blatt</hi>: Warum nicht? Wenn der Papst nur die Sorge für die Seelen in Anspruch nimmt, und nicht die Geldbeutel, wie eine gewisse Kirche es macht, so sehen wir keinen großen Nachtheil darin, wenn Lord <hi rend="italic">Glenelg</hi> seinen Wünschen nachgibt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>— Aus einer Rede, welche Hr. T. <hi rend="italic">Edgworth</hi> bei einem am 25. v. M. zu Wrexham von den dortigen Reformern zu Ehren ihres Repräsentanten Hrn. <hi rend="italic">Biddulph</hi> veranstalteten Festmahle hielt, erfährt man ein schreiendes Beispiel jener Pfründenhäufung und Entfremdung anglikanischer Geistlichen von ihren Amtspflichten, worüber die Freunde der Verbesserung des episkopalen Kirchenwesens so vielfach Klage führen. Ein Hr. E. S. <hi rend="italic">Thurlow</hi>, Hochwürd., der zur Zeit zu Houghtonle-Spring in der Grafschaft Durham wohnt, hatte vor 56 Jahren durch |Sp. 1286| seinen Verwandten, den dermaligen berühmten Lordkanzler <hi rend="italic">Harlow</hi>, die Pfarre Hope (in der Gegend von Wrexham) erhalten, sich aber in dieser Pfarrei, die er durch einen bezahlten Unterpfarrer versehen ließ, von dem Augenblick an, wo er seine Antrittspredigt gehalten hatte, nicht wieder sehen lassen, außer bei Gelegenheit der letzten allgemeinen Parlamentswahlen, wo er in dem benachbarten <hi rend="italic">Mold</hi> seine Stimme für den konservativen Kandidaten abgab. Die Pfarrei Hope erträgt, nach Abzug der ärmlichen Besoldung für den Unterpfarrer, im Durchschnitt jährlich 600 Pf. St. (7,200 fl.), so daß der hochw. Hr. <hi rend="italic">Thurlow</hi>, seitdem er den Genuß dieser Pfründe hat, die ungeheure Summe von 31,000 Pf. St. daraus zog, ohne — mit Ausnahme jener Antrittspredigt — auch nur eine einzige gottesdienstliche Verrichtung in vollen 56 Jahren dort versehen zu haben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Spect.)</p>
         <p>— Die Beispiele von Widersetzlichkeit der Dissenter gegen die Kirchensteuer sind wieder sehr häufig. Bemerkenswerth ist, daß neuerdings auch in England und Schottland Fälle vorkamen, wo sich Leute lieber pfänden ließen, als den Zehnten entrichteten.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Ztg.)</p>
         <p>— Das „Kilkenny Journal“ berichtet, daß zum Ausbau der katholischen Kirche in Whitegate (in der Grafschaft Kilkenny) mehrere angesehene protestantische Edelleute und Gutsbesitzer der Gegend reichliche Beiträge gesteuert haben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Karlsr. Z.)</p>
         </div>
         
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="tais">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p><title><hi rend="bold">* Ueber die Ansprüche der Juden auf bürgerliche Gleichstellung.</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">G. Riesser</hi>
            <hi rend="bold">. in </hi>
            <hi rend="italic bold">Bockenheim</hi>
            <hi rend="bold">. (Churhessen)</hi>
         </p>
         <p>Die nachfolgenden Abhandlungen, welche zunächst im Kieler <hi rend="italic">Correspondenz-Blatt</hi>, herausgegeben von <hi rend="italic">Th. Olshausen</hi>, erschienen, verdienen einem großem Publikum bekannt gemacht zu werden, und finden deßwegen, auf gütige Mittheilung des Hrn. Verfassers, auch Aufnahme in der Univ.-K.-Ztg. </p>
         <list type="ordered">
            <item>
               <hi rend="italic">Protestation</hi>.</item>
         </list>
         <p>So eben kommt mir zum erstenmal das „Itzehoer Wochenblatt“ vom 13. Mai 1836 zu Gesichte, in welchem der Abgeordnete Hr. <hi rend="italic">Löck</hi> aus Itzehoe an die Wähler des fünften Wahlbezirks über seine Abstimmung, die Proposition in Betreff der Gleichstellung der mosaischen Glaubensgenossen mit den christlichen Landeseinwohnern angehend, Bericht erstattet. Mit nicht geringem Erstaunen lese ich in diesem Berichte die folgende Stelle; „Daß diejenigen unter ihnen, welche ihre Feierzeiten, ihre Speisegesetze für erläßlich halten, von der Mehrzahl als abtrünnig betrachtet werden, ist bekannt. Eine Verschmelzung mit christlichen Glaubensgenossen durch Ehebündniß geben aber auch Jene nicht einmal zu. (M. s. Vertheidigung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gegen die Einwürfe des Dr. <hi rend="italic">Paulus</hi>, von Dr. <hi rend="italic">Riesser</hi> S. 86 und 87). Sie wollen nicht zu uns gehören: können wir sie denn als die Unsrigen betrachten?“</p>
         <p>Ich bin überzeugt, daß jeder redliche Leser, der die eigene Geradheit auch bei Anderen vorauszusetzen gewohnt ist, und dem der Gedanke fremd ist, daß Einer in einem falschen Citat eine Stütze für seine Ansicht suchen könnte, aus diesen Worten den Schluß ziehen muß, daß ich, der angeführte Vertheidiger, mich gegen die Zulassung der Ehen zwischen Christen und Juden erklärt habe. Da nun gewiß nur den wenigsten unter den Lesern des <hi rend="italic">Itzehoer Wochenblatts</hi> meine angeführte Schrift bekannt ist — ein Umstand, welchen der Herr Berichterstatter wohl in Rechnung gebracht haben mag — so glaube ich hiedurch gegen jenen mir fälschlich untergeschobenen Ausbruch öffentlich Protestiren zu müssen. |Sp. 1287| Zuvörderst enthalten die angeführten Seiten 86 u. 87 nicht <hi rend="italic">meine</hi> Meynung, sondern einen Auszug aus den Erklärungen, welche eine Versammlung von Deputirten der Juden des französischen Kaiserreichs auf Veranlassung ihrer Regierung über den Inhalt der religiösen Lehren des Judentums, so weit sie zum Staate und zum bürgerlichen Leben in irgend einer Beziehung stehen, gegeben hat. Hr. <hi rend="italic">Löck</hi> kann sich aber auch <hi rend="italic">damit</hi> nicht entschuldigen, daß er nicht auf meine Ansicht, sondern auf die der Mitglieder jener Versammlung habe hinweisen wollen. Denn <hi rend="italic">erstlich</hi> spricht er von denjenigen Israeliten, welche ihre Feierzeiten, ihre Speisegesetze für erläßlich halten; zu diesen aber konnte er mich wohl zählen, — da ich meine persönliche Meynung, ohne diese jedoch in die mindeste Beziehung zu der bürgerlichen Frage zu bringen, allerdings in diesem Sinne ausgesprochen habe — keinesweges aber jene großenteils aus Rabbinen bestehende Versammlung, welche auch nicht die mindeste auf die religiösen Feste und Speisegesetze bezügliche Bestimmung für erläßlich erklärt hat, und gar nicht in den Fall kommen konnte, eine solche Erklärung zu geben, da die Regierung zu verständig war, um Entscheidung über solche Fragen zu fordern, die mit den Pflichten gegen den Staat in keine Berührung kommen und die dem Gewissen der Betheiligten allein anheimgestellt werden können und müssen. Die Versammlung erklärte, daß der Jude nach den Grundsätzen seiner heiligen Religion das Land, in welchem er geboren sey und unter dem Schutz der Gesetze stehe, als sein Vaterland, seine Landsleute ohne Unterschied des Glaubens als seine Brüder betrachte, daß er zum Gehorsam gegen die Gesetze des Staates verpflichtet sey, daß er gleiche Pflichten gegen denselben mit seinen andersglaubenden Mitbürgern erfüllen, daß er ihn mit seinem Blute vertheidigen müsse, ohne sich in irgend einem Falle durch Berufung auf eine Vorschrift des Ceremonialgesetzes der Erfüllung einer Bürgerpflicht entziehen zu können. Erklärungen dieser Art waren es, zu denen man die Juden veranlaßte, und die sie freudig gaben, um schändliche Verläumdungen niederzuschlagen und um zu zeigen, daß die beklagenswerthe Entfremdung zwischen den Unterdrückern und den Unterdrückten nicht in dem Glauben der Letztern, sondern in der fanatischen Verfolgung von beinahe zwei Jahrtausenden, in dem übermüthigen, sicheren Hasse der Stärkeren, in der Scheu und dem machtlosen Widerstande der Schwächeren, ihren Grund hatte. Man war aber damals weit entfernt von der kläglichen Albernheit, die Beseitigung von Vorschriften des religiösen Ceremonials, abgesehen von jeder Beziehung zu bürgerlichen Pflichten, als „Zugeständniß“, als Aequivalent für die Gewährung der Gleichheit vor dem Gesetze zu fordern; ein Zugeständniß, welches, wenn es mit der religiösen Ueberzeugung in Widerspruch ist, gewissenlos ist, wenn es aber mit ihr im Einklänge ist, durch den eigenen Vortheil, den eigenen Lebensgenuß der Betheiligten, die <hi rend="italic">ganz allein </hi>dadurch gehemmt und benachtheiligt werden, so dringend geboten wird, daß es in der That keines weiteren äußeren Reizmittels zu ihrer Abschaffung bedarf; ein Zugeständniß endlich, welches in allen Fällen ein leeres und nichtiges seyn würde, da der Staat weder ein Recht, noch ein Mittel hat, einem seiner Angehörigen zum Genusse gewisser Speisen oder zur Arbeit in seinen Privat-Geschäften an gewissen Tagen zu zwingen. Auch haben alle unbefangenen Beurtheiler längst eingesehen, was es mit der Auffassung der Frage der rechtlichen Gleichstellung der Juden von dieser Seite zu bedeuten hat. Die niedrige Lust, Andere von der Theilnahme an bürgerlicher Ehre, bürgerlichem Vortheil, bürgerlicher Thätigkeit auszuschließen, ist von <hi rend="italic">Christen</hi> oft genug in den mannichfachsten Formen gegen <hi rend="italic">Christen</hi> geübt worden, um uns nicht wundern zu dürfen, daß sie den Juden gegenüber, verwöhnt durch den unangefochtenen Besitz vieler Jahrhunderte, die bevorrechtete Stellung nicht aufgeben will. Aber die selbstsüchtige Niedrigkeit der Gesinnung, die schlechthin an jeder Unterdrückung Anderer Gefallen findet, kann doch nicht umhin, sich ihrer selbst zu schämen, und sich deßhalb nach einem Deckmantel für ihre Blöße umzusehen. Als solcher hat ihr Jahrhunderte hindurch die Religion dienen müssen. Jetzt, nachdem diese es müde geworden ist, sich mit allem Schutze des Neides und der Selbstsucht belasten zu lassen, müssen Nationalität, Aufklärung, Rationalismus die Stelle der Religion vertreten. Man verwahrt sich erst gegen den Verdacht religiöser Unduldsamkeit; dann weiß man Vorwände genug zu finden, um alle die Beschränkungen |Sp. 1288| Andersglaubender, die der Fanatismus früherer Zeiten uns geliefert hat, doch fortbestehen zu lassen, um sogar die unmenschliche und dem gemeinen Besten nicht minder, als den unmittelbar Betheiligten schädliche Ausschließung von den meisten Zweigen bürgerlicher Thätigkeit zu beschönigen.</p>
         <p>Ich kehre zu Hrn. <hi rend="italic">Löck</hi> zurück. Es ist noch ein <hi rend="italic">zweiter</hi>, schlagenderer Grund da, weßhalb Hr. <hi rend="italic">Löck</hi> sich nicht damit entschuldigen kann, daß er die Ansicht, welche die „Verschmelzung mit christlichen Glaubensgenossen durch Ehebündniß nicht zugibt", nicht mir habe unterschieben wollen, — der ich das Verbot der Ehe zwischen Juden und Christen immer den übrigen beklagenswerthen Erzeugnissen legislativer Unduldsamkeit beigesellt habe — sondern sie nur als die in meiner Schrift zufällig abgedruckte Ansicht jener Versammlung angeführt habe. Dieser <hi rend="italic">zweite</hi> Grund liegt darin, daß jene Ansicht in dem Ausspruch der Versammlung eben gar nicht enthalten, mit anderen Worten, daß das Citat des Hrn. <hi rend="italic">Löck</hi> eben so falsch seinem Inhalts, als seiner Quelle nach ist. Die Ansicht der Versammlung ging vielmehr dahin, daß die Ehe mit Christen den Juden nach den Grundsätzen ihrer Religion keinesweges verboten sey, daß aber die religiöse Ceremonie, durch welche die <hi rend="italic">kirchliche</hi> Giltigkeit der Ehe bedingt werde, nicht stattfinden könne, wenn der eine Theil die Heiligkeit der Ceremonie nicht anerkenne; daß demnach die Rabbinen in der Versammlung im Allgemeinen eben so wenig geneigt seyen, eine solche Ehe einzusegnen, als katholische Priester zu derselben mitwirken möchten; daß hingegen die nach französischem Gesetze in bürgerlicher Form eingegangene Ehe bürgerliche Giltigkeit habe; daß endlich nach dem Einverständniß aller Rabbinen, der Jude, welcher eine Christinn heirathe, deßhalb nicht minder in den Augen seiner Glaubensgenossen Jude bleibe, als wenn er eine bloß bürgerliche Ehe mit einer Jüdinn geschlossen hätte. Jeder Unbefangene möge darüber urtheilen, ob diese Aussprüche die Behauptung des Hrn. <hi rend="italic">Löck</hi> rechtfertigen, daß die Juden „sich nicht bloß als Glaubenssekte, sondern als Volksstamm abscheiden und getrennt halten;“ ob nicht vielmehr in der Erklärung, daß die religiöse Ceremonie allein den gemischten Ehen eine gewisse Schwierigkeit in den Weg lege, sich die entgegengesetzte Ansicht auf's deutlichste kund gibt; ob man von Absonderung u. dgl. reden darf, wenn manche Juden, übereinstimmend mit einer im Verhältniß weit größeren Anzahl achtbarer Christen, die Ueberzeugung hegen, daß gemischte Ehen im Interesse der Religiosität nicht wünschenswerth seyen. Dem Andersglaubenden verbieten, daß er sich von einem Handwerk redlich ernähre, ihm eine Spanne Grund und Boden, den er sein nennen könnte, versagen, ihn nicht neben sich wohnen lassen in den meisten Städten — das ist in den Augen des Hrn. <hi rend="italic">Löck</hi>, und der Gleichgesinnten, Humanität, Duldung, Gerechtigkeit! Zu dem innigsten Verhältniß des irdischen Lebens, zur Gründung der Familie, zur Ehe, Uebereinstimmung der religiösen Ueberzeugung erfordern — das ist, von der Seite der Juden wenigstens, Vorurtheil, Fanatismus, Absonderungsucht, Hartnäckigkeit !</p>
         <p>Es ist hier nicht der Ort, auf die Argumente des Hrn. <hi rend="italic">Löck </hi>weiter einzugehen. Sein Hauptargument ist zudem von der Art, daß sich in der That nichts dagegen sagen läßt. Er meynt nämlich, es müßten erst alle Interessen, die ihn und seine Committenten näher berührten, erledigt seyn, ehe man an die Juden denken könne. Diese Gesinnung ist unwiderlegbar, wie der Egoismus. — Aber ich möchte Herrn <hi rend="italic">Löck</hi> fragen, was denn für die ihm näher liegenden Interessen gewonnen worden ist, durch die Abweisung der Wünsche der Juden von Seiten der Stände. Die auf die Commissionsarbeiten, die Berichterstattung und die Diskussion gewandte Zeit war ja einmal unwiederbringlich verloren und durch kein abweisendes Votum wieder zu gewinnen. Es hätte nicht mehr Zeit gekostet, sich für, als sich gegen den Grundsatz der Rechtsgleichheit, oder als sich, nach langen Erörterungen, gar nicht darüber auszusprechen. Die Gesetzgebungen Frankreich's, der Niederlande und Churhessen's haben zusammengenommen kaum mehr Zeit gebraucht, um den Juden die volle Gleichheit den bürgerlichen und politischen Rechte einzuräumen, als die Holsteinische gebraucht hat, um ihnen auch die dürftigste, durch die dringendsten Rücksichten der Moral und der Staatsklugheit gebotene Verbesserung ihrer Lage vorläufig zu versagen. Es handelt sich ja vorerst nur darum, sich über den Grundsatz auszusprechen; wo |Sp. 1289| dann in der Reihefolge der Geschäfte in den nächsten Diäten die Sache vorgenommen werden solle, das blieb ja dann immer noch der Regierung und den Ständen vorbehalten, die sich gewiß nicht in einer andere Interessen zurücksetzenden Weise zu Gunsten der Juden übereilt haben würden. Wie die Sache jetzt steht, kann es doch den trefflichen Männern, deren humane Gesinnungen in Minorität blieben, nicht verwehrt werden, die Frage des Prinzips in der folgenden Diät von Neuem zur Sprache zu bringen; und so wird noch sehr viele Zeit verloren werden, die man erspart hätte, wenn man sich im Allgemeinen über das Wünschenswerthe einer Verbesserung verständigt hätte. Es ist demnach nicht wohl einzusehen, von welcher Vorstellung Hr. <hi rend="italic">Löck</hi> ausgegangen ist, wenn er sich gegen jede Verbesserung erklärte, bloß um für ihm näher liegende Interessen —“für unser Armenwesen, unser Schulwesen,“ wie er sich ausdrückt, — keine Zeit zu verlieren.</p>
         <p>Mein verehrter Freund und Glaubensgenosse, Dr. <hi rend="italic">Steinheim</hi> aus Altona, dem ich die Mittheilung der fraglichen Nummer des <hi rend="italic">Itzehoer Wochenblattes</hi> verdanke, hat bei seiner Entfernung von der Heimath jenen Bericht des Herren Abgeordneten <hi rend="italic">Löck</hi> an seine Wähler mit sich genommen, um, wie er mir sagt, das Heimweh, das ihn etwa beschleichen möchte, durch die Erinnerung an das Unrecht der Heimath zu bekämpfen. Er scheint das Mittel gut gewählt zu haben; denn es ist traurig, einen Volksvertreter die Frage des Rechts eines Theiles seiner Landsleute, als ein ihm fremdes Interesse betreffend, von sich weisen, trauriger noch, ihn unredlicher Mittel zur Bekämpfung des Anspruchs auf Recht und Freiheit sich bedienen zu sehen. Ich habe es immer zu den schlimmsten Folgen gesetzlicher Unterdrückung gezählt, daß sie die Moralität der Unterdrücker in ihrem Verfahren gegen die Unterdrückten gefährdet, und diese beklagenswerte Wahrheit finde ich hier von Neuem bestätigt. Nur so kann ich es mir erklären, wenn ein Mann, den ich in anderen Beziehungen stets als einen Ehrenmann habe bezeichnen hören, sich nicht scheut, hier seiner Meinung durch ein in zwiefacher Bedeutung falsches Citat eine Stütze geben zu wollen. Von der anderen Seite darf man hoffen, daß eine Meynung nicht lange mehr die siegende seyn werde, deren Vertheidiger zu solchen Mitteln herabzusteigen sich genöthigt glauben.</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
         </div>
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abteilung.</head>
         <p><title><hi rend="bold">Ueber den Satz von der alleinseligmachenden Kirche.</hi></title>
                </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Vom Professor Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">J. S. von Drey </hi>
            <hi rend="bold">in Tübingen.</hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>6. Aus demselben Grund, und in derselben Beziehung, in welcher der christliche Glaube seligmachend genannt werden kann, kann auch die christliche Kirche so genannt werden.</p>
         <p>Der christliche Glaube kann seligmachend heißen, weil er die Bedingung ist, unter welcher allein Gott in der gegenwärtigen Periode die Menschen selig macht; weil er das Mittel ist, wodurch sie sich der gnadenvollen Seligmachung fähig und empfänglich machen. Aber eine ähnliche Bedingung des Seligwerdens in der gegenwärtigen Periode der Providenz ist der Eintritt in, die Anschließung an die Kirche Christi, als die Gemeinde Gottes, die Gemeinde der Gläubigen; ein ähnliches Mittel, sich der gnadenvollen Seligmachung fähig und empfänglich zu machen, ist eben diese Kirche; nur mit dem Unterschiede, daß nach der Ordnung der Begriffe der Glaube die unmittelbare, die Anschließung an die Kirche nur die mittelbare Bedingung, der Glaube das nächste, die Kirche das entferntere Mittel zur Seligkeit ist.</p>
         <p>Eine gleiche Bedingung wie der Glaube, den Gott fordert, ist auch die Anschließung an die christliche Kirche. Wenn Christus, nachdem er seine beseligende Lehre verkündet, und beigesetzt hatte: wer glauben und sich taufen lassen wird, der wird selig werden, wer aber nicht glauben wird, der wird verdammt werden, seinen Aposteln den Auftrag ertheilt: gehet hin und lehret alle Völker, oder wie es nach dem Buchstaben (μαδητευσατε) eigentlich heißt: |Sp. 1290| machet die Menschen aller Völker zu meinen Schülern, zu meinen Anhängern; was wollte er denn damit anders, als daß sich unter allen Völkern und aus allen Menschen die große Gemeinde bilden sollte, die er an andern Orten seine Kirche, seine Heerde nennt; die große Gemeinde der Gläubigen, die freilich nicht sich selbst, die auch ihr Glaube nicht selig macht, die aber Er und Gott um ihres Glaubens willen selig machen will? Wenn er ferner dort, wo er ausdrücklich die Kirche nennt, erklärt: wer die Kirche nicht hört, d. h. nach dem Zusammenhang der Stelle, wer, wiewohl zur Kirche gehörig, ihr nicht Folge leistet, der sey Dir wie ein Heide und Zöllner; und wenn nach dem biblischen Sprachgebrauche der Heide und der Zöllner gerade die Verlornen bedeutet, die, wenn sie sich nicht bessern und gläubig werden, das Urtheil der Verdammung trifft, wer kann noch leugnen, daß, nach der eigenen Erklärung Christi das Seyn in der Kirche, das Einsseyn mit ihr im Glauben und Gehorsam, eine Bedingung der Seligkeit sey, wie der Glaube selbst !</p>
         <p>Der natürliche Grund aber, warum das Seyn in der christlichen Kirche, das Einsseyn mit ihr von Christus selbst als zweite Bedingung der Seligkeit bezeichnet wird, liegt darin, weil nach der von ihm getroffenen Veranstaltung, seine Kirche das Mittel ist, wodurch es den Menschen aller Zeiten von ihm an möglich wird, zum Glauben und dadurch zur Seligkeit zu gelangen, wenn sie wollen. Wenn also der Glaube das Mittel, so ist die Kirche das Mittel zum Mittel, um selig zu werden; und wenn darum jener seligmachend heißen kann, so kann es auch diese. Christus hat nämlich seine Lehre nicht in alle vier Winde, ihnen zum Spielball, gesprochen, er wollte, daß sie bleiben sollte; aber nicht so bleiben, daß sie in leiser Begeisterung, in Träumen der Mitternacht oder in mittäglichen Visionen auf jeden Einzelnen niedersteige, und stille, wie sie gekommen, sich in den Herzen der Menschen hielte; der Glaube sollte vom Hören kommen, das Hören aber ist bedingt durch die Verkündigung des Wortes Christi; und hat man es nicht gehört, ist nicht der Ruf seiner Boten in alle Länder erschollen? Ja, so lange die Apostel lebten und wirkten; aber nachdem sie selbst zum Herrn heimgegangen, ward ihr Wort, das Wort des Herrn selbst, das heilige Erbtheil der Kirche, diese selbst nach dem Willen Gottes die Bewahrerinn von jenem. Sie bewahrte und überlieferte es an die Menschen in mündlichem Unterricht, sie bewahrte es in den von den Aposteln hinterlassenen Schriften; sie theilte es Anfangs mit den barbarischen Völkern, die in die alte gebildete Welt eingebrochen waren; sie trug es zu den fernen barbarischen Völkern, welche von der sogenannten gesitteten Welt der späteren Zeit mit Eroberungssucht, Plünderung und Zwingherrschaft heimgesucht wurden; sie suchte sie mit der Gnade des Evangeliums über die Unmenschlichkeit ihrer Unterdrücker zu trösten, und ihre irdischen Verluste mit. der Erwerbung des Himmelreichs aufzuwiegen. Sie bewahrte neben dem beseligenden Worte des Herrn auch die übrigen Heilsmittel, die er in seiner Kirche zum Besten derjenigen, die da glauben würden, anzuordnen für gut befunden. Kein Mensch, seit den Zeiten der Apostel, der von Christus etwas vernommen, hat es anders vernommen, als nur durch sie; keiner, der durch den Glauben an Christus selig geworden, ist es geworden ohne sie. Wenn also dieser Glaube selig macht, hat auch die Kirche einiges Recht, sich die seligmachende zu nennen; nicht als besäße sie die Macht, selig zu machen oder unselig; nicht als wäre sie die Richterinn der Lebendigen und der Todten, die sagen könnte: Hieher Ihr Gesegneten; dorthin Ihr Verworfenen! Nicht, als gäbe sie selbst den Glauben, in Gemäßheit dessen der wahre Richter der Welt jenes entscheidende Urtheil fällen wird. Aber sie bewahret und sie verkündet das Wort, ohne welches kein Glauben, ohne den keine Seligkeit möglich ist. Und dieß ist die Ursache, warum Christus seine Kirche gegründet, und alle, die selig werden wollen, an sie gewiesen hat.</p>
         <p>7. In demselben Sinn, in welchem die christliche Kirche überhaupt die seligmachende heißen kann, kann die katholische Kirche im Gegensätze mit andern christlichen Kirchenparteien die allein seligmachende heißen.</p>
         <p>Denn alles, was diese christlichen Kirchenparteien an Bedingungen und Mitteln besitzen, um zum Glauben an Christus den Seligmacher, und dadurch zur Seligkeit selbst zu gelangen, das besitzen sie nur durch die katholische Kirche und von ihr; alles, was diese Parteien zu Kirchen macht, und sie berechtigt, sich zur |Sp. 1291| großen Kirche Christi mitzurechnen, das besitzen sie wieder nur durch die katholische Kirche und von ihr. Diese ist also nicht nur die allgemeine, in jenen zerstreute und leider zerstückelte, und darum auch die Allein-Kirche; sondern in so weit die Kirche selig macht, auch die alleinseligmachende unter allen und für alle. Dieser Beweis läßt sich in der Hauptsache gegen alle von der katholischen Kirche durch Abfall ausgegangene kirchliche Parteien — denn welche wären nicht von ihr ausgegangen? — auf gleiche Weise ausführen; da ich aber hier gegen die Protestanten spreche, gebe ich der Ausführung jene Form und Wendung, die den Beweis gegen die besondere Kirchenpartei in seiner ganzen Stärke und im vollsten Licht zeigt.</p>
         <p>Zuerst Jesus Christus selbst, an den die Protestanten glauben, und durch den sie hoffen selig zu werden, wer hat sie ihn gelehrt ? Doch wohl nur die katholische Kirche, denn es ist derselbe, den diese Kirche als ihren Seligmacher erkennt, den sie anbetet. Es ist der Christus der katholischen Kirche, nicht der Christus der Ebioniten und anderer judaizirenden Sekten; nicht ein Mensch aus Nazareth, mit welchem Gottes Geist in Verbindung getreten, sondern ein über alle Menschen erhabenes Wesen, von dem selbst der Geist Gottes ausgehet, dem dieser selbst dienet. Es ist der Christus der katholischen Kirche, nicht der Christus der Gnostiker; nicht einer von den Aeonen, die sich eine fabelnde Philosophie nach ihrer Lust erfindet, sondern der da einzig für sich und über allen Zeiten stehet; kein Glied aus der Kette götterartiger Zeugungen oder Emanationen, sondern der Eingeborne des Vaters. Es ist der Christus der katholischen Kirche, nicht der Christus der <hi rend="italic">Arianer</hi> und anderer <hi rend="italic">Aner</hi>; nicht das erste der Geschöpfe, sondern kein Geschöpf, Gottes Sohn; nicht ein Erzeugniß aus Nichts; sondern das Ebenbild des göttlichen Wesens, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnet; nicht ein erst zu Belebendes, sondern das lebendige Wort selbst, das vom Anfange bei Gott und Gott war. Diese Idee von Christus, diesen Glauben an ihn, hat die katholische Kirche bewahrt, und von ihr haben die Protestanten ihn erhalten. Wer es anders weiß, der trete auf und spreche.</p>
         <p>Ferner das Wort <hi rend="italic">Gottes an uns Menschen</hi> durch diesen Jesus Christus, das Wort, dem wir glauben, durch dessen Glauben und Thun wir und sie selig werden wollen, durch wen ist es an sie gekommen, durch wen möglich geworden, daß es auch unter ihnen verkündet werden und Glauben wecken kann? Hat ein Apostel es ihnen verkündet, ein Engel vom Himmel es ihnen gebracht, oder wenigstens ein alter Häretiker es an sie vererbt? Nein; die katholische Kirche hat es bewahrt, durch sie ist es an die ersten Reformatoren und an alle Protestanten gekommen; und wiewohl sich diese des lebendigen Wortes entschlagen und nur das geschriebene behalten haben, auch dieß geschriebene Wort ist von Katholiken geschrieben, es ist die katholische Bibel, an der die Protestanten halten bis auf den heutigen Tag, Es ist die katholische Bibel, und nicht das Evangelium der <hi rend="italic">Nazaräer</hi>, von welchem lange vor der Entstehung des Protestantismus nur mehr Bruchstücke vorhanden waren; nicht das räthselhafte Evangelium <hi rend="italic">Marcion's</hi>, oder irgend eine mangelhafte Compilation der ältesten Nachrichten über Christus und die Schriften seiner Jünger, wie sie von andern Häretikern gefertigt worden sind oder seyn mögen. Dieses geschriebene Wort Gottes ist in der katholischen Kirche von Männern, die ihr angehörten, in immer neuen Abschriften vervielfältigt und erhalten, die Handschriften sind in verschiedenen Zeiten wieder verglichen und von eingeschlichenen Fehlern nach Möglichkeit gereinigt, Uebersetzungen dieses Wortes aus der Grundsprache in andere Sprachen sind zu verschiedenen Zeiten gemacht, und damit ist von der katholischen Kirche alles gethan worden, was dieses Wort beständig erhalten und von einem Geschlecht auf das andere bringen konnte. Ob also auch <hi rend="italic">Luther</hi> sich gerühmet (mit Recht oder Unrecht, bleibe hier außer dem Streite), daß er die Bibel zu Erfurt unter der Bank gefunden und hervorgezogen habe, — die katholische Kirche hatte sie hingelegt; ohne dieß konnte er sie nimmer finden und hervorziehen. Wer die Geschichte anders weiß, wie die Protestanten zur Bibel, d. h. nach ihnen, dem einzig echten Wort Gottes, und damit zu der Möglichkeit des seligmachenden Glaubens gekommen, der sage es.</p>
         <p>Und was dieses Wort Gottes zur Bibel, d. h. zu einem heiligen Buche macht, aus dem die Protestanten selbst keine einzelne |Sp. 1292| Schrift, ja nicht einmal ein Bruchstück herauszuwerfen sich getrauen, zu einem Buche, in das sie selbst nicht das Mindeste einzuschalten erlauben, zu einem Buche also, welches genau aus dem gegebenen Inhalt bestehet und in sich geschlossen ist, — woher das? Sie werden antworten: daher, weil dieses Buch ein Wort Gottes enthält, welches zu mustern, menschlicher Verstand sich nicht anmaßen darf; ein Wort Gottes, das Christus zuerst gesprochen, und von ihm gebildete Schüler ursprünglich niedergeschrieben haben. Wohl! aber woher wisset Ihr, daß gerade diese Bücher und keine anderen, die mit diesen gleiches Ansehen haben mußten, von jenen Schülern geschrieben worden? Woher wisset Ihr, daß die vorhandenen Bücher alle wirklich von Schülern Christi gegeben worden? Ihr wisset doch, daß man schon in den ersten Jahrhunderten eine Menge Evangelien und anderer heiliger Schriften unter dem Namen von Aposteln herumtrug, und in manchen Gemeinden hoch hielt, welche Schriften nicht in Eurer Bibel sind, wiewohl sie sich bis auf unsere Zeiten wenigstens zum Theil erhalten haben; Ihr könnet vermuthen, und mehr noch, als bloß vermuthen, daß die Apostel Christi wirklich mehr, als das jetzt Vorhandene geschrieben haben, was doch wohl eben so gut Wort Gottes wäre, als das letztere; und man hat nicht gesehen, daß Ihr Euch Mühe gegeben hättet, das Fehlende, was doch vielleicht noch vorhanden ist, aufzufinden. Warum das? In der katholischen Kirche hatte sich mit dem Laufe der ersten Jahrhunderte allmählich, und nicht blindlings, sondern aus Gründen über sämmtliche angeblich von Aposteln herrührende Schriften eine übereinstimmende Ansicht in Rücksicht ihrer Echtheit und Unechtheit gebildet; diese übereinstimmende Ansicht ward endlich zu einem Urtheil, durch welches die jetzt so genannten Apokryphen und Pseudepigraphen aus der Reihe der echten apostolischen Schriften, d. h. derjenigen, welche ein wirkliches Wort Gottes durch Christus enthalten, gestrichen, und nur diejenigen als solche beibehalten wurden, die Ihr mit uns im Kanon des neuen Testaments besitzet. So hat sich dieser Kanon gebildet, durch ein Urtheil der katholischen Kirche, von welchem einer Eurer achtbarsten Theologen sagt: „Der Gedanke ist nicht statthaft, daß die erste Kirche im Wesentlichen falsch darüber (über den Kanon) sollte entschieden haben; und so wäre, selbst wenn es ausgemacht werden könnte, daß einzelne Schriften andere Verfasser haben, als denen sie beigelegt werden<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Jedoch noch apostolische Verfasser.</p>
            </note>, dieß kein Grund, sie zu entkanonisiren.“ Von der katholischen Kirche habt Ihr also nicht nur ein Wort in heiligen Büchern, sondern auch einen Kanon dieser Bücher; ein geschlossenes, unveränderliches Corpus derselben; eine sichere Regel zur Beurtheilung ihres Ursprungs, und ein historisches Creditiv ihrer Glaubwürdigkeit erhalten. Und dieser Kanon und jenes Urtheil der katholischen Kirche, worauf er ruhet, haben so viel bei Euch gegolten, daß weder das allgewaltige Ansehen <hi rend="italic">Luther's</hi>, noch das Ansehen Eurer gerühmtesten Schriftforscher noch alle Künste ihrer Gelehrsamkeit etwas daran zu mindern — — mehren wollten sie nichts — vermochten. Jener hatte in seinem Ingrimm gegen gute Werke den Brief Jakobi einen strohernen genannt; aber der Brief stehet noch unter den kanonischen Büchern bis auf den heutigen Tag; diese haben ihr kritisches Messer um die Reihe an alle Theile des Kanons gelegt, sie haben bald diesen, bald jenen Brief, neuerlichst hat einer das geistreichste Evangelium weggeschnitten; aber ihr Schnitt hat nicht gehalten, festverbunden stehen alle kanonischen Schriften gegen diese Angriffe, und wenn sie jemals unter uns fallen sollen, so könnten sie nur mit einander fallen. Daß dieß so ist, daß Gottes Wort nicht nur im Buchstaben festgehalten, sondern dieser selbst gesichert bleibt, das haben die Protestanten nebst Gott der katholischen Kirche zu verdanken; ohne die Autorität, welche sie der Schrift als einem Complex heiliger Bücher gegeben hat, hätte sich diese unter den Händen protestantischer Meister schon jetzt in lauter Pseudepigraphen und Apokryphen aufgelöst. Wer von der Geschichte des Kanons, und wie die Protestanten zu einem solchen, d. h. zu einer <hi rend="italic">bleibenden</hi> heiligen Schrift gekommen, anders zu berichten weiß, der thue es.</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.) <lb/>|Sp. 1293|</p>
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         </div>
         <div type="lit">
         <head>
             Literatur.</head>
         
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p>Apologie des Lebens Jesu gegen den neuesten Versuch, es in Mythen aufzulösen. Von <hi rend="italic">Joh. Ernst Osiander</hi>, Prediger und Professor am evangel. Seminar in Maulbronn. Tübingen, bei <hi rend="italic">L. F. Fues</hi>. 1837. 8. 440 S.</p>
         <p>Beurtheilt von <hi rend="italic">August Boden</hi>.</p>
         <p>„Das Christenthum“, beginnt der Verfasser sein Werk, S. 1, „diese göttliche Reform und Wiedergeburt der Menschheit, durchlebt selbst in einzelnen Stadien seiner zeitlichen Gestaltung und Entwicklung gewisse Reformen, in denen es seine ewig sich selbst verjüngende Gotteskraft offenbart. Mit Recht wird die Theologie der neuesten Jahrzehnte als begriffen in einer solchen höhern Umbildung.“ So weit wohl gut; daß der Verfasser aber nur Worte mache, oder etwas sage, was wohl wahr, aber von ihm selbst nicht verstanden sey, zeigt das Folgende und sogleich das zunächst Folgende: </p>
         <p>„einer Reaktion gegen das revolutionäre Treiben eines in sich halt- und geistlosen Rationalism, betrachtet;“</p>
         <p>Denn der Rationalismus ist, wäre er auch noch so haltlos, doch nachhaltig genug, um zu verhindern, daß „die höhere Umbildung der Theologie der letzten Jahrzehnte“ in eine bloße Reaktion gegen ihn umschlage. Aber Hr. Prof. <hi rend="italic">Osiander</hi> hat das Wort „Reaktion“ auch nur vorläufig eingeschwärzt, denn er fährt fort:</p>
         <p>„eine Reform, kräftig vorbereitet von den großen Forschern und Zeugen,“</p>
         <p>Gut und dem sey so, aber dann wird doch auch der „geistlose“ Rationalismus von solchen großen Forschern vorbereitet gewesen seyn, um die ganze christliche Gemeinde, die doch nicht aus lauter großen Forschern bestehen kann, auf eine nothwendige neue Entwicklung des Christenthums durch andere große Forscher vorzubereiten und für eine höhere Umbildung der Theologie zu gewinnen. — Hr. <hi rend="italic">Osiander</hi> fährt fort:</p>
         <p>„welche das Dunkel einer flach und dünkelhaft aufgeklärten Zeit mit gründlichem Zeugniß der Wahrheit durchleuchteten“ etc.</p>
         <p>An dem Durchleuchten des Dunkels der Aufklärung erkennt man, daß Hrn. <hi rend="italic">Osiander's</hi> Reform doch nichts anderes ist, als Reaction, wir wollen seine Sprache also sich selbst überlassen, nachdem wir gesehen haben, daß eine neue höhere Umbildung der Theologie auch diejenigen durchdringe, die nicht viel davon wissen wollen. Aehnlich ging es auch den Juden zur Zeit des Urchristenthums, selbst in ihre Mythen drang das an sich antimythische Christenthum ein. Ungefähr sieht der Hr. Verf. das Letztere auch ein. „Selbst die höchste Stufe des Monotheism,“ sagt er S. 29, „das Christenthum, von dem wir alles Mythische zurückweisen, ist von Entstellungen durch Mythen nicht frei geblieben; aus keinem andern Grunde, als weil das Vortrefflichste und Heiligste der gröbsten Entstellung fähig ist, und den für seine Reinheit nicht empfänglichen noch bereiteten Sinn dazu reizt. Die fremdartigen Geisteselemente, in deren Gebiet das Christenthum eindrang, weichen, obwohl von dem überschwänglichen Reiz des Christenthums angezogen, doch nicht alsbald seinem reinen und höheren Geist.“</p>
         <p>Darin sind wir etwa mit dem Herrn Verf. einverstanden;</p>
         <p>„sondern wucherten neben demselben, genährt von seiner einseitigen Auffassung: Das in fleischlicher Richtung entartete Judenthum und das synkretistische, gährend gesteigerte Heidenthum eigneten sich in verschiedenen Corruptionsarten, jenes in sinnlich-wundersüchtigen Apokryphen, dieses in mythisch-phantastischen Spekulationen das Christenthum an. Aber die Macht der Wahrheit war in den ersten Jahrhunderten zu stark, als daß solche, an die Naturreligion anstreifende Elemente hätten zu christlicher und kirchlicher Geltung gelangen können. Erst als der sinnliche |Sp. 1294| Charakter des hierarchisch-symbolischen Judenthums und des die geistige und sittliche Einheit zersplitternden und färbenden Heidenthums in Verfassung und Lehre der Kirche verfälschend eingedrungen war, brach aus der neueingerissenen Finsternis das üppige Unkraut lichtloser Mythen hervor, bis es der reinigenden Kraft und dem antimythischen Geist des Christenthums gelang, auch diese mit seinem erneuten Lichte zu verbannen, und auf den wahren und heiligen Grund der evangelischen Urgeschichte und Lehre die evangelische Kirche zu erbauen.“</p>
         <p>Der Verf. macht in dem Gesagten einen erstaunlichen Sprung vom Urchrinstenthum auf die Reformation, denn von dieser ist doch wohl in den letzten Worten der angeführten Stelle die Rede und das „Unkraut lichtloser Mythen“ scheint, zwar sehr uneigentlich, auf das mannichfache Verderbniß der Kirche zur Zeit der Reformation zu gehen. Mir scheint es aber ziemlich einerlei zu seyn, welchem Zeitpunkt der Kirche man Uebles nachsagt, und zur Zeit des höchsten Verderbens der katholischen Kirche waren doch die allgemein verbreiteten Keime der Reformation das Gute der Kirche, also der katholischen Kirche. Die Kirche hat immer gekämpft, und wenn Hr. <hi rend="italic">Osiander</hi> sagt, daß die Macht der Kirche in den ersten Jahrhunderten so stark gewesen sey (und er redet hier doch von der Macht der Kirche nach außen), so hat er ja so Unrecht, wie möglich, denn schon der Stifter der Kirche erlag in dem angegebenen Sinne dem Widerstand, den er fand, und die Apostelgeschichte und die Briefe der Apostel zeugen von dem Kampf der ersten Kirche gegen äußern Widerstand, wie gegen innern Zwiespalt. In dem, was der Verf. von sinnlich-wundersüchtigen Apocryphen und mythisch-phantastischen Spekulationen sagt, die sich die alte Kirche fern gehalten habe, darin hat er Recht; denn sonst wäre das Christenthum in früher Zeit untergegangen, und hätte nicht die Kraft der Wahrheit in sich getragen, die sich durchkämpft. Hatte es doch dem mythischen Geist der Zeit, in dem das Christenthum entstand, einen hinlänglichen Tribut gebracht, und macht sich der antimythische Geist des Christenthums doch erst jetzt von diesem Tribut ganz frei! Wie könnte, wenn das nicht wäre, Herr <hi rend="italic">Osiander</hi> von einzelnen Stadien des Christenthums, von seiner zeitlichen Gestaltung und Entwicklung, von gewissen Reformen desselben, reden? Da er's aus dem Seinigen nicht thut, sondern der Geist des Christenthums es aus ihm spricht. Wenn der aus den Feinden der Wahrheit, wie aus Bileam, redet, ohne daß sie es wollen, warum sollte er nicht aus ihren Freunden reden, ohne daß sie es wissen?</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
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         </div>
         <div type="anz">
         <head>Anzeigen. </head>
         <p>(74) Im Verlage von G. <hi rend="italic">P. Aderholz</hi> in <hi rend="italic">Breslau</hi> ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben:</p>
         <p>Ueber evangel. Kirchenbau. Ein Votum vom Standpunkte der theologischen Wissenschaft und geistlichen Praxis. Abgefaßt von <hi rend="italic">Adolph Aemil Leonh. Preuss</hi>, evangelischer Prediger zu Modelsdorf in Schlesien. Mit 3 Steindrucktafeln. Gr. 8. geheftet. 12 gr. oder 54 kr.</p>
         <p>Diese Schrift, welche die wesentlichsten Mängel in diesem Zweige des Bauwesens gründlich zur Sprache bringt, verdient der Aufmerksamkeit aller Architekten, so wie derjenigen geistlichen und weltlichen Behörden, welche mit evangelischem Kirchenbau zu thun haben, dringend empfohlen zu werden.</p>
       </div>    
         <div> <p>
      
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
      </div>
      </body>
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