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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 21. September 1837, Nro. 76</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
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            <date type="publication">2014</date>
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="76">21. September 1837, Nro. 76</title>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            katholischen, und israelitischen Deutschland's.<lb/> Frankfurt a. M., den 21. September 1837. Nro. 76.</head>
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         <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p>
            <hi rend="UKZ_11_mitte_fett">Das evangelische Asyl für weibliche Entlassene in Kaiserswerth. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi> 
            <hi rend="italic">Asien</hi>. <hi rend="italic">Japan</hi>; über das Nochvorhandenseyn von Katholiken; <lb/>Uebersetzung des Evangeliums Johannis in's Japanesische. <hi rend="italic">Siam</hi>. <hi rend="italic">Bangkok</hi>; Schreiben eines kath. Missionärs. — <hi rend="italic">England</hi>. <hi rend="italic">London</hi>; Bestellung von Apostol. Vikaren in den Colonien; Aufblühen des kathol. Glaubens; Adresse der Quäker an die Königinn; Audienz eines methodistischen Chippoway-Indianers in relig. Angelegenheiten; Zusammenstellung der Einkünfte franz. und engl. Geistlichen; Umzug von Fanatikern; Wirksamkeit des Vereins zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden. — <hi rend="italic">Ungarn</hi>. <hi rend="italic">Preßburg</hi>; Feier. <hi rend="italic">Kecskemet</hi>; Gründung einer reformirten Bildungs-Anstalt. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Bayern</hi>. <hi rend="italic">München</hi>; Anstellung protest. Geistlichen für das Militär; <hi rend="italic">Chiemsee</hi>; Wiederherstellung des Klosters. <hi rend="italic">Regensburg</hi>; Restauration des Doms. <hi rend="italic">Karlshuld</hi>; Uebertritte zum Protestantismus. <hi rend="italic">Bayreuth</hi>; Begründung einer Kleinkinderbewahranstalt. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Einiges über den hebräischen Dichter <hi rend="italic">Mose Chajim Luzzato</hi>. Von dem Rabbinats-Candidaten <hi rend="italic">Joseph Klein</hi> in Würzburg (Schluß.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> 1. Denkmal der Einführung der Confessions-Vereinigung in der Stadt Meisenheim etc. 2. Lasset hinfort nicht Spaltungen unter Euch seyn etc. Beurtheilt vom Pfarrer Dr. <hi rend="italic">Kirchner</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi> <lb/>|Sp. 1199|
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>Das evangelische Asyl für weibliche Entlassene zu Kaiserswerth.
         </head>
         <p>Herr Lic. theol. A. W. <hi rend="italic">Möller</hi>, Pfarrer zu Lübbecke im Reg. Bez. Minden hat in No. 5 des von ihm mitredigirten „Kirchenfreundes für das nördliche Deutschland“ über diese wohlthätige Anstalt folgende Mittheilung gemacht:</p>
         <p>Schon lange war es von Allen, welche mit der Menge und dem Elende der weiblichen Bewohner der Gefängnisse bekannt waren, als ein dringendes Bedürfniß empfunden, denjenigen unter ihnen, welche während der Haft Hoffnung zu einer gründlichen Sinnesänderung gegeben, und bei ihrer Entlassung nicht alsdann ein passendes Unterkommen finden konnten, eine Zufluchtsstätte zu eröffnen, damit sie nicht aus Mangel an einem Dienst oder Arbeit in neue Sünden und neue Haft, und so immer in tieferes Verderben sinken möchten.</p>
         <p>Dieses Bedürfniß hat die <hi rend="italic">rheinisch</hi>-<hi rend="italic">westphälische Gefängniß</hi>-<hi rend="italic">Gesellschaft</hi> für die weiblichen Entlassenen evangel. Confession durch Errichtung des <hi rend="italic">Asyls zu Kaiserswerth</hi> am 17. Septbr. 1833 zu befriedigen gesucht. Hier, wo ein gelegenes Haus und ein großer Garten für diesen Zweck gepachtet und eingerichtet worden ist, finden die Hilfsbegierigen mehrere Monate lang Unterkunft und Arbeit im Nähen, Stricken, Spinnen, Waschen und allen den Haus- und Gartenarbeiten, welche die Mägde verstehen müssen, unter der beständigen Aufsicht und Leitung einer christlichen Pflegemutter, des Fräuleins <hi rend="italic">Göbel</hi> von Braunfels, welche die Pflege dieser Gefallenen aus Liebe zum Herrn ganz unentgeldlich übernommen hat, und diesem schweren Amte durch ihre große Geduld, Weisheit, Festigkeit und Haushaltungskenntniß besonders gewachsen ist. Ihre Gehilfinn ist Fräulein <hi rend="italic">Scheuten</hi>. — Für die geistigen Bedürfnisse der Aufgenommenen wird dadurch gesorgt, daß der Hr. Pfarrer <hi rend="italic">Th</hi>. <hi rend="italic">Fliedner</hi> daselbst, welcher mit Hrn. Baron <hi rend="italic">von Hymmen auf Hain</hi> die spezielle Direktion über das Asyl führt, ihnen dreimal wöchentlich Religionsunterricht gibt, und obige Vorsteherinn, außer der täglichen Morgen- und Abendandacht, noch regelmäßig mit ihnen im neuen Testamente lies't, die des Lesens Unkundigen darin unterrichtet, eine christliche Zucht handhabt, und sie mit Liebe und Ernst auf ihre Gebrechen und die christlichen Heilsmittel aufmerksam macht.</p>
         <p>Wenn sich während ihres Aufenthaltes im Asyl ihre Bekehrung als eine ernstliche bewährt, so wird ein Dienst in einer christlich gesinnten Familie für sie ermittelt, damit sie daselbst noch |Sp. 1200| länger Pflege für ihre Seele genießen und in der gewonnenen neuen Sinnes- und Lebensrichtung erstarken können.</p>
         <p>Seit dem Bestehen der Anstalt sind 34 Pfleglinge darin gewesen. Von den im Laufe des Rechnungsjahres 1835/36 vorhanden gewesenen 14, mußten 3 als unverbesserlich, vorläufig an die Polizei ihres Wohnorts zurückgewiesen werden, 8 wurden in passende Dienste gebracht und 5 derselben zeigten Spuren einer gründlichen Bekehrung, 3 blieben noch im Asyle. Von 10 früher in Dienst gebrachten kann von 7 derselben Günstiges berichtet werden. —</p>
         <p>Die Einnahme des Asyls belief sich im letzten Jahre auf 875 Thlr., worunter an Geschenken 657 Thlr. Außerdem wurden viele Naturalien, Kleider, Stoffe u. dgl. geschenkt. Die Ausgabe betrug 820 Thaler, wozu die rheinische Gefängnis-Gesellschaft 50 Thlr. beisteuerte (jährlich 150 Thlr.) Für die vom Hrn. Pfarrer Fliedner herausgegebene, sehr lehrreiche und empfehlungswürdige Synodalpredigt: „<hi rend="italic">die besondere Seelsorge, eine hohe Pflicht der Pfarrer und Aeltesten</hi>“ sind 167 Thlr. eingekommen, welchen rentbar angelegt werden sollen. — Die pädagogischen Erfahrungen, welche der <hi rend="italic">dritte Bericht </hi>enthält, mögen von Allen beherzigt werden, welchen ähnlichen Anstalten anvertraut sind. — Den treuen Arbeitern im Asyl aber schenke der Herr ferner reiche Geduld, Liebe und Kraft zu ihrem schweren Tagewerke. —</p>
        
         </div>
         <div type="kn">
         <head>
             Kirchliche Nachrichten.
                </head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Asien.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Japan.</p>
         <p>‒†‒ „... Auf seiner Ueberfahrt von <hi rend="italic">Fokien</hi> nach Kiang-Nan — heißt es in dem Reiseberichte des ehrwürdigen Bischofs von <hi rend="italic">Capsa</hi>, Hrn. <hi rend="italic">Bruguière</hi> an die Directoren des Seminars für auswärtige Missionen zu Paris, in Betreff des Nochvorhandenseyns von katholischen Christen in <hi rend="italic">Japan</hi> — hatte der Missionär <hi rend="italic">Chastan</hi> im Hafen <hi rend="italic">Hiapu</hi>, auf der äußersten Nordspitze der Provinz Tsche-Kiang angelegt, wo er eine Barke antraf, die im Begriff war, nach <hi rend="italic">Japan</hi> unter Segel zu gehen. Er war der Meynung ein chinesischer Priester und selbst ein europäischer Missionär, wenn er nur die Sprache vollkommen |Sp. 1201| verstände, werde er sich unter dem Vorwande von Handels-Geschäften nach <hi rend="italic">Japan</hi> begeben und darin eindringen können, um zum zweiten Male die Fahne des Kreuzes einem Boden zu pflanzen, der mit dem Blute so vieler tausend Märtyrer getränkt ist. Es ist kein Zweifel — meldet er — daß man nicht das Feuer des heiligen Glaubens unter den Enkeln wieder sollte anfachen können, das mit so hellem Glanze unter ihren Voreltern leuchtete. Ich schrieb ihm darauf, daß wem er glaube, leichter in <hi rend="italic">Japan</hi>, als in <hi rend="italic">Korea</hi> — wohin seine Bestimmung lautete — Eingang finden zu können, so möge er den Versuch machen wobei ich ihm jedoch später die Bemerkung machte, daß jedoch von <hi rend="italic">Korea</hi> aus die Ueberfahrt nach <hi rend="italic">Japan</hi> viel kürzer und sicherer erscheine. Wenn es aber wahr ist, was ich gelesen oder gehört habe, so ist es einem Missionär fast unmöglich, in <hi rend="italic">Japan </hi>einzudringen. Denn als die japanesische Regierung das Christenthum auf immer verbannte, alle seine Bekenner ohne Unterschied umbringen ließ, erschien ein Edikt, welches bei Todesstrafe den Japanesen verbot, ihr Vaterland zu verlassen, sey es unter welchem Vorwande es wolle, und den Europäern, das Reich zu betreten, selbst nicht unter dem Titel von Gesandten. Die letzten Gesandten des Königs von Portugal wurden umgebracht, nur den Holländern allein wurde unter den schimpflichsten Bedingungen für ihr Volk und ihren Glauben, gestattet auf einer kleinen Insel am Eingange des Hafens von Nangasaki, der einzige, welcher ihnen geöffnet ist, zu landen. Die furchtbare Glaubensverläugnung, zu welcher man sie zwang, und zu welcher der Gelddurst sie verleitete, hat dem Volke den Glauben beigebracht, die Holländer wären keine Christen. Auch den Chinesen verbot man, sich auf den Inseln niederzulassen und erlaubte ihnen bloß den Handelsverkehr auf gewissen Punkten der Küste unter der ausdrücklichen Bedingung, daß sie keinen Christen mitbringen dürften. Diese Thatsachen scheinen authentisch zu seyn, denn die Gesetze sind noch in voller Anwendung. Im Jahr 1820 oder 1822 hatte der Kaiser von Rußland eine Gesandtschaft nach Japan geschickt, wo ihnen erst nach vielen Schwierigkeiten die Landung gestattet wurde, man sie 2 oder 3 Monate hinhielt und so dann ihr die Botschaft schickte: „Wir wollen weder Eure Freundschaft, noch Euer Bündniß. Eure Geschenke können wir nicht annehmen, weil wir sie erwiedern müßten; wir sind fest entschlossen, nimmer Gemeinschaft mit einem christlichen Fürsten zu haben.“ Unbekannt ist, ob man die Chinesen zu abergläubischen Handlungen zwingt, um sich zu überzeugen, daß sich unter ihnen keine Christen befinden, und selbst die Wahrheit dieser Behauptung zugegeben, so ist auch noch unbekannt, ob diese abergläubischen Handlungen bei Untersuchung des Schiffes oder bei'm Landen der Mannschaft vorgenommen werden. Darüber müßte man ganz genau Erkundigung einziehen, ehe man Missionare absendete, sonst stellt man sie ohne Vortheil für die Mission einem gewissen Tode bloß. Es gibt auf der südwestl. Küste von <hi rend="italic">Korea</hi> japanische Niederlassungen; dort könnte man mit Bekehrungen beginnen und so sich einen Weg nach Japan bahnen. Endlich aber bleibt es noch immer eine Frage, ob noch Christen auf den Inseln sich befinden, wo sie sich aufhalten und wer die Missionare zu ihnen führen könne? Alle diese Fragen sind schwer zu beantworten. Was man von Hrn. <hi rend="italic">Chaumont</hi> in den <hi rend="italic">erbaulichen Briefen</hi> erzählt, leitet auf die Vermuthung, daß ihrer noch vorhanden sind, denn als dieser achtbare Missionar sich zu Fo-Kien befand, entdeckte man in dem Hause eines Japanesen ein Agnus Dei; die Regierung befahl sogleich das Haus der Erde gleich zu machen; ob die Bewohner umgebracht wurden, ist unbekannt. Hr. <hi rend="italic">Chaumont</hi> beabsichtigte einen chinesischen Katechismus dahin zu senden, allein da er von der Mission abberufen wurde, so stockte das Unternehmen. Im vorigen Jahrhunderte erschienen in Cochinchina und in den benachbarten Ländern einige Leute, welche sich japanesische Missionare nannten, aber das tiefste Geheimniß verlangten. Einer derselben soll, sich an Hr. <hi rend="italic">Adran</hi> gewendet und von ihm einige heilige Zierathen verlangt haben. Daher wäre es immer möglich, daß sich noch Christen in Japan befänden. Wie dem nun sey, es gibt eine neue und sichere Thatsache, die beweiset, daß gegenwärtig sich noch deren dort befinden, und daß man daher auch andere dazu machen kann. Vor ungefähr vier Jahren strandete ein japanisches Fahrzeug an der Küste von Lucon auf Manila. Ein Theil der Mannschaft erreichte das Gestade, vielleicht zwanzig Personen; sie wurden mit |Sp. 1202| aller von der christlichen Religion vorgeschriebenen Menschenliebe gegen Unglückliche aufgenommen. Man überzeugte sich bald, daß sie keine Kenntniß von dieser Religion hätten, ertheilte ihnen Unterricht und alle, mit Ausnahme von drei, verlangten die Taufe. Demnächst verschaffte man ihnen die Mittel zur Rückkehr in ihre Heimath, ob man aber spätere Nachrichten von ihnen erhalten hat, weiß ich nicht. Mir ist dieß von dem Procurator der Propaganda zu Macao erzählt worden, und ein chinesischer Priester in der Tatarei, der sich gleichzeitig auf Manila befand, bestätigte es mir. Ganz neuerlich strandete gleichfalls ein japanesisches Fahrzeug an der Küste von Macao; man wollte die Mannschaft in der christlichen Religion unterrichten, benahm sich aber so ungeschickt dabei, daß die Verunglückten sich widersetzten und versunken in ihren alten Irrthümern nach Hause zurückkehrten. Solchergestalt hat man ein Ereigniß unbenutzt gelassen, das die Vorsehung sichtbar zuließ, um zu einem bessern Zwecke zu führen. —</p>
         <p>— In dem Berichte des chinesischen kathol. Priesters P. <hi rend="italic">Pacificus</hi> aus Korea heißt es über <hi rend="italic">Japan</hi> weiter: „Im Jahr 1825 schrieb der Kaiser von <hi rend="italic">Japan</hi> an den König von <hi rend="italic">Korea</hi>, um ihn zu benachrichtigen, daß sechs von seinen Unterthanen, die Jesum anbeten, auf einer kleinen Barke entflohen waren. Wenn, sie in Dein Königreich gekommen sind, setzte er hinzu, so bitte ich, sie mir zurück zu senden.“ Hiernach dürfen wir annehmen, daß noch Christen in <hi rend="italic">Japan</hi> existiren. Zwischen <hi rend="italic">Korea</hi> und <hi rend="italic">Japan</hi> ist die Entfernung nicht groß; alle drei Jahre beschenken sich gegenseitig die beiden Beherrscher; dreihundert Japanesen und eben so viele Koreaner halten an den Küsten beider Staaten Wache, um allen Streit zwischen den beiderseitigen Einwohnern zu vermeiden.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Annales de la propagation de la foi.)</p>
         <p>— In <hi rend="italic">China</hi> wird eine Ausgabe des Evangeliums St. Johannis, in japanischen Charakteren und zur Vertheilung auf Japan bestimmt, erscheinen. Der bekannte Missionär, Hr. <hi rend="italic">Gützlaff</hi>, leitet die Herausgabe, und will sich, nach Beendigung derselben, nach Japan einschiffen, um dort die Vertheilung der Exemplare selbst zu besorgen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Hannovr. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Siam.</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Bang</hi>-<hi rend="italic">Kok</hi>, den 24. Nov. 1835. (Schreiben des kathol. Missionars E. <hi rend="italic">Albrand</hi> an den Superior des Seminars für fremde Missionen, <hi rend="italic">Dubois</hi> zu Paris.) „... Obgleich sich der Bekehrung der <hi rend="italic">Siamesen</hi> große Schwierigkeiten entgegenstellen, so dürfen wir dennoch nicht sagen, daß wir die Hoffnung dazu für alle Zukunft aufgeben müßten. Im Gegentheil begründet sich diese auf eine verbesserte Regierungsform, die allem Anschein nach bald in das Leben tritt. Der regierende König ist sehr alt, sein ältester Sohn und Thronfolger verstarb vor ihm und seine jüngern Söhne stehen noch in niedrigem Alter. Dieser König, welcher, die Rechte seiner beiden ältern Brüder beeinträchtigend, den Thron bestieg, ist bei seinen Unterthanen wenig beliebt, weil er sie mit Abgaben überlastet, und zwar so sehr, daß man bei seinem Tode einer Umwälzung mit Gewißheit, wenn nicht gar noch bei seinem Leben entgegensieht. Sein ältester Bruder, dem von Rechts wegen der Thron gebührte, trat aus Aerger über seine Zurücksetzung in den Götzendienst Priester-Orden (Talapoins), um den Respectsbezeigungen gegen den Usurpator überhoben zu seyn, denn das ist ein Vorrecht der Talapoins, daß sie nicht nöthig haben den König zuerst zu grüßen. Dieser Königssohn ist übrigens beliebt bei'm Volke, ein Freund der Christen, ja selbst im Herzen schon Christ. Was aber vor allen Dingen als wichtig erscheint, ist seine tiefe Verachtung gegen die Talapoins, deren Schurkereien und Betrügereien er aus dem Grunde kennt. — Um Sie besser mit seinem Charakter bekannt zu machen, führe ich folgende Züge an: die Missionare <hi rend="italic">Pallegoix</hi> und <hi rend="italic">Clemenceau</hi>, so wie zwei eingeborene Priester stehen mit ihm in häufigen Beziehungen. Eines Tages zeigte man ihm in ihrer Gegenwart an, eine Bande Talapoins habe Antheil an einem Aufstande in Laos genommen. „Ich mache mir nichts aus den siamesischen Talapoins, rief er aus — ich mische mich in ihre Angelegenheiten nicht mehr! — das sind die wahren Talapoins, die einzigen, die ich schätze und achte“, setzte er hinzu, indem er auf unsere Mitbrüder hinwies, und seine Unterhaltung über religiöse Gegenstände mit ihnen fortsetzte. Er hat mehrmals zugestanden, die christliche Religion, die er verehrt, sey |Sp. 1203| die einzig wahre, und oft hat man ihn fragen hören; wie kommt es, daß eine so heilige Lehre, nicht auch alle diejenigen heiliget, die sie bekennen? — Um sich besser über Gott zu unterrichten, hat er angefangen, Latein zu lernen, einen siam'sischen Christen, der lange Zeit das Collegium besucht hatte, zum Lehrer angenommen, und auch wirklich schon einige Fortschritte gemacht. Uebrigens ist er ohne allen Zweifel einer der gelehrtesten Siamesen, wenn nicht der gelehrteste. Da er sehr wißbegierig ist, so hat er sich eine vollkommene Kenntniß von der Pahly-Sprache— der Gelehrten Sprache dieses Länderstriches — erworben. Diese Sprache ist vielleicht eine der ältesten auf der Erde; in ihr sind die alten Werke und Urkunden verfaßt, und sie allein ist bei'm Gottesdienste in Gebrauch. — Als er neulich seinen Audienzsaal hatte ausbessern lassen, schrieb er mit eigener Hand in siamesischer Sprache, aber mit <hi rend="italic">europäischen</hi> Buchstaben, über die Eingangsthüre: die elenden Talapoins, diese Kriecher, diese Betrüger, hören nicht auf, das Volk zu verführen, zu verderben; man sollte ihnen das gelbe Ordenskleid ausziehen. Hüte man sich daher wohl, auf sie zu hören und vor allen Dingen, ihren Lehren zu folgen. — Er gesteht öffentlich ein, die siamesische Religion führe nicht zum Glücke, doch aber wagt er noch nicht hinzuzusetzen, daß man dahin nur vermittelst des Christenthums gelange. — Als er sich eines Tages vertraulich mit <hi rend="italic">Pallegoix</hi> unterhielt, fragte er: wenn ich Christ würde, könnte ich Priester oder Bischof werden? — Da die Antwort bejahend ausfiel, so wendete er sich mit den Worten zu den anwesenden Talapoins: Da sehet Ihr, wie großherzig dieser Glaube ist, wie er keine Ausnahmen macht, und seine Würden nur dem Verdienste und der Tugend zutheilt. — Ein anderesmal, als er mit einem christlichen Untermandarin sprach, richtete er folgende Frage an ihn; Würde, wenn ich auf dem Todbette läge, ein Priester mir die Taufe geben? — Der Christ antwortete: daran im mindesten nicht zu zweifeln, wenn anders man ihm nicht den Zutritt zu Ihnen verwehrte — In diesem Falle — versetzte der Prinz — hoffe ich, als Christ zu sterben.— Sein jüngerer Bruder bezeigt eine nicht minder günstige Stimmung. In seinem Zimmer befindet sich ein Kruzifix, ein Standbild der h. Jungfrau und mehrere Heiligenbilder, die er verehrt. Er hat sich für den Beschützer der Christen erklärt und es bei'm Könige ausgemacht, daß Alles, was dieselben angeht, ausschließlich an ihn gelange. Ganz kürzlich ließ er sich das Verzeichniß von Allen hier (zu Bang-Kok) wohnenden Christen bringen und als er bemerkte, daß der Name eines derselben, den er früher gekannt hatte, darauf fehle, erkundigte er sich, was aus ihm geworden sey? — Als man ihm sagte, er sey wieder abgefallen, schien er sehr unzufrieden, fragte, wo er jetzt wohne und befahl, ihn herbei zu führen. Dabei erklärte er: ich werde Maßregeln zu ergreifen wissen, zu verhindern, daß das Benehmen dieses Elenden künftig keine Nachahmer finde. — In diesem Lande ist es Gebrauch, daß wenn jemand 40 Tikaux (ungefähr 30 Fr.) schuldig ist, und sie nicht bezahlen kann, der Gläubiger sich seiner Person bemächtigen und ihn so lange behalten kann, bis er seine Auslösung bewirkt. Auf solche Weise ist auch eine große Anzahl Christen in die Sklaverei verfallen, aber es heißt, der Prinz habe es bei'm Könige durchgesetzt, daß ihre Schulden aus der Staatskasse bezahlt und ihnen die Freiheit wiedergegeben werden solle. — Bestiege bei einen Regierungswechsel Einer oder der Andere dieser beiden Prinzen den Thron, so würde unserm heiligen Glauben, nach allem Anscheine, dadurch großer Vortheil erwachsen; denn eine große Anzahl von Siamesen würde sodann sehr geneigt seyn, zum Christenthume überzutreten, falls sie nicht durch menschliche Interessen davon abgehalten würden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Annales de la prop. de la foi.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">England.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">London</hi>, 18. Aug. Die Regierung hat das Anverlangen gestellt, Apostol. Vikare für die Katholiken in allen Colonien einzusetzen. Außer den Titular Bischöfen von <hi rend="italic">Quebek</hi>, <hi rend="italic">Montreal</hi>, im <hi rend="italic">Obern</hi>-<hi rend="italic">Canada</hi> und auf der <hi rend="italic">Prinz Eduards-Insel sind Apost. Vikare für West-Canada, Halifax, Terreneuve, Trinidad in den Antillen, St. Mauritius </hi>(der ehem. französischen Insel) im indischen Ozean ernannt. Neuerlich wurden Apostolische Vikare nach <hi rend="italic">Madras</hi> und <hi rend="italic">Neuholland</hi> gesendet. Alle diese Apostolischen Vikare sind zugleich Bischöfe, ausgenommen der nach Calcutta bestimmte. Dieser gehört dem Jesuiter-Orden an. |Sp. 1204| Das <hi rend="italic">Vorgebirge der guten Hoffnung</hi>, gegenwärtig englische Besitzung, hing von dem Apostolischen Vikar auf <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Mauritius</hi> ab. Jedoch konnte sich derselbe bei einer Entfernung von 1000 Stunden nicht so leicht mit den dort und in dem dazu gehörigen Districte wohnenden Katholiken beschäftigen, daher diese beinahe ganz verlassen waren. Wahrscheinlich hat der Erzbischof von <hi rend="italic">Dublin</hi> bei seiner letzten Anwesenheit in Rom dieß zur Sprache gebracht, und deshalb ist nun zwischen dem heil. Stuhle und der Regierung von England ein Uebereinkommen getroffen worden, wornach ein eigener Apostolischer Vikar für die südafrikanischen englischen Besitzungen, die sich weit in das Land hinein erstrecken, ernannt ist. Die Katholiken wohnen dort zerstreut, aber auf dem Vorgebirge selbst lebt eine ziemliche Anzahl, indem die Stadt schon alt und über dem Sitz des Gouvernements ist. Der für diese Colonie ernannte Apostolische Vikar ist der an der St. Andreas-Kirche zu Dublin stehende Dr. <hi rend="italic">Griffith</hi>, nunmehr Bischof von <hi rend="italic">Paläopolis</hi>. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. d. l. R.)</p>
         <p>‒†‒ Es ist tägliche Aufgabe der religiösen Presse, irgend eine Thatsache zu veröffentlichen, welche den Beweis führt, mit welcher Kraft der Katholizismus in <hi rend="italic">England</hi> sich erhebt, und welcher glänzenden Zukunft die Kirche daselbst entgegensieht. Während von allen Seiten die Ketzerei des sechzehnten Jahrhunderts, in krampfhaften Zuckungen sich bewegend, unfehlbare Anzeigen einer nahen Auflösung verräth, sich selbst zerstört durch unzählige, unzusammenhängende, aufeinander eifersüchtige Sekten und Spaltungen, gewinnt die katholische Wahrheit neue Anhänger, und benutzt selbst das Uebermaß des Nebels, an welchem die Bevölkerung leidet, zu ihrem künftigen Heile. — In <hi rend="italic">Shropshire</hi> hat der Bau einer neuen Kapelle begonnen. Am 15. d. M. erfolgte die Weihe und Einsenkung des Grundsteins derselben im Parke des Schlosses <hi rend="italic">Aldenham</hi>, Besitzthum des Sohnes des verstorbenen Sir Richard <hi rend="italic">Acton</hi>. Der Bau wird auf Betrieb der jungen Wittwe desselben, der Prinzessinn <hi rend="italic">Dalberg</hi>-<hi rend="italic">Acton</hi> fortgeführt, da der fromme Baronet durch einen frühzeitigen Tod verhindert wurde, das Werk zu beginnen und zu vollenden. Die Einsegnung verrichtete Msgr. <hi rend="italic">Acton</hi>, General-Auditor der apostolischen Kammer, in Assistenz des Hrn. <hi rend="italic">Axinger</hi>, Kanonikus von Evreux, und dem Districts-Kaplan Hrn. W. <hi rend="italic">Barnes</hi>. Vor der Grundsteinlegung richtete der Prälat eine rührende Rede an die gegenwärtige Versammlung, in welcher er die Frömmigkeit der Bewohner des Südens mit der biblischen Vortragweise des englischen Volkes geschickt zu verschmelzen verstand. Hr. Abbé <hi rend="italic">Axinger</hi> schloß die Feierlichkeit mit einer französischen Anrede.</p>
         <p>Auch zu <hi rend="italic">Bridgeworth</hi>, einer kleinen Stadt, vier Meilen von Aldenham, hat dieselbe Familie <hi rend="italic">Acton</hi> einen Bauplatz für eine Kapelle angewiesen. Dieselbe ist für eine Congregation bestimmt, welche sich in jener Pfarrei behufs der Erziehung der katholischen Jugend bildet, und für deren Aufnahme ein nahegelegenes Schloß bestimmt ist. ‒ Solchergestalt hat die Prinzessinn <hi rend="italic">Dalberg</hi>-<hi rend="italic">Acton</hi> nicht nur den Wünschen eines geliebten Gemahles entsprochen, sondern auch die Lehren einer frommen und mildthätigen Mutter befolgt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>— Das <hi rend="italic">Court</hi>-<hi rend="italic">Circular</hi> enthält ein Document von nicht gemeinem Interesse — die Adresse der Gesellschaft der Quäker an die Königinn. Die Einfachheit und die Frömmigkeit ihres Tons sind in gewissem Sinne eben so conventionell als die prunkendere Sprache anderer Adressen; wenn aber ein schlichter Sinn in schlichte Worte gekleidet erscheint, so fragen wir nicht, welches sind die Motive der Sprecher, sondern fühlen uns überrascht von der Ueberlegenheit einer schmucklosen Wahrheit über das Wortgepränge höfischer Rhetorik. Die Adresse lautet: „An Victoria, Königinn des vereinigten Königreichs. Wir, Deine treuen und ergebenen Unterthanen, Mitglieder der religiösen Gesellschaft der Freunde, gemeinhin Quäker genannt, und diese Gemeinde in Großbritannien und Irland vertretend, ergreifen mit Verlangen die erste Gelegenheit, unsrer Königinn unsre getreue und herzliche Anhänglichkeit auszudrücken. Innig empfinden wir den Verlust unsres dahin geschiedenen Monarchen <hi rend="italic">William's IV</hi>. Wir blicken zurück auf seine Regierung, als auf eine Periode von nicht gemeiner Wichtigkeit in der Geschichte unsres Landes, ausgezeichnet durch Erweiterung der bürgerlichen und religiösen Freiheit, durch Gnade und Erbarmen mit dem Schuldigen, und durch Anerken- |Sp. 1205| nung der Rechte unsrer in Sklaverei versunkenen Mitbrüder. Wir erfreuen uns dieser Hauptzüge seiner Regierung als Beweise der sich immer mehr ausbreitenden Herrschaft des christlichen Prinzips in der Gesetzgebung unsres Vaterlands. Mit den Gefühlen des Dankes gegen den allmächtigen Gott, bringen wir Dir, unsrer Königinn, bei der Besteigung des Thrones dieser Königreiche, unsre aufrichtigen Glückwünsche zu dem herrschenden Frieden nach außen und der Ruhe im Innern. Möge nichts diese Segnungen stören und die Ueberzeugung immer herrschender werden, daß der Krieg eben so unchristlich als unpolitisch ist. Ueberzeugt wie wir sind, daß die Religion Jesu Christi, unsers Herrn und Erlösers, die einzige Grundlage der wahren Glückseligkeit des Menschen und der Wohlfahrt eines Volkes, und das geheiligte Bollwerk jeder Regierung ist, beten wir zu Gott, daß sie die Stütze Deines Thrones seyn, und auf alle Erwägungen Deines Rathes einwirken möge. Genehmige, o Königinn, unsern ernstlichen und tief gefühlten Wunsch, daß Du nach himmlischer Weisheit trachten mögest, um Dich zu befähigen, den schweren Pflichten zu genügen, welche so jung noch Du nach dem Rathschluß der göttlichen Vorsehung zu erfüllen berufen bist. Mögest Du in der Furcht Gottes leben, und möge Er Dein Herz bewegen, seine Gebote zu halten, und Dich reich ausstatten mit den Gnaden seines heiligen Geistes — und mögest Du endlich, wenn die Tage des Dir übertragenen Berufes beschlossen sind, durch die Gnade Gottes, in Jesu Christo, eingehen in ein unvergängliches und reines Erbe, das niemals schwindet.“ </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Z.)</p>
         <p>— <hi rend="italic">Schawendace</hi>, ein Chippeway-Indianer, der sich Häuptling von einem der noch in Ober-Canada bestehenden Stämme nennt, auch bekannt unter dem Namen des hochwürdigen John <hi rend="italic">Sunday</hi> (Sonntag), da er ein christlicher Missionär geworden ist, hatte am 16. d. M eine Unterredung mit Lord <hi rend="italic">Glenelg </hi>im Ministerium des Auswärtigen, wobei er von dem hochwürd. R. <hi rend="italic">Alder</hi>, einem der Sekretäre des Missionsvereins der wesleyanischen Methodisten, und von Sir Augustus d‘Este begleitet war. Der Zweck der Unterredung war, von dem Colonialministerium eine förmliche Anerkennung des Grundsatzes zu erlangen, daß der amerikanische Indianer der ursprüngliche Eigenthümer des Bodens sey. Der Häuptling stellte vor, da große Indianergemeinden von den Missionären zum christlichen Glauben bekehrt und zugleich bewogen worden seyen, aus Jägern und Kriegern Landbauer zu werden, so sey zu wünschen, daß in allen Fällen, wo die Indianer sich Kapellen und Schulen erbaut, und das Land urbar gemacht hätten, dieselben nicht einer auch in Ober-Canada neuerlich aufgekommenen Praxis unterworfen würden, vermöge der man sie von ihren Ländereien in entlegenere Theile der Wildniß entferne, und so die Heerde von den Seelenhirten trenne, welche die Söhne des Waldes in die Hürde des Christenthums versammelt.“ Wir fühlen uns mit diesen Aeußerungen übereinstimmend, und glauben, daß nach Ober-Canada die Weisung ergehen wird, den Zustand der Indianer, zu deren Gunsten diese Vorstellung gemacht worden ist, speciell zu untersuchen; nur fürchten wir, die Angaben hinsichtlich der Christianisirung und Civilisirung großer Indianergemeinden dürften sich als übertrieben herausstellen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Leipz. Ztg.)</p>
         <p>— Das <hi rend="italic">Morning</hi>-<hi rend="italic">Chronicle</hi> enthält folgenden Vergleich der Einkünfte der englischen und französischen Prälaten, wie dieselben während der diesjährigen, resp. Sitzungen des britischen Parlaments und der französischen Kammern angesetzt worden sind:</p>
         <p>Der Kardinal-Erzbischof 				1041 Pf.</p>
         <p>Der Erzbischof von Paris 				1041 Pf.</p>
         <p>Ein französischer Erzbischof 				625 Pf.</p>
         <p>Ein französischer Bischof 				416 Pf.</p>
         <p>Dagegen der anglik. Erzbischof von Canterbury 	15,000 Pf. </p>
         <p>Der Erzbischof von York 				10,000 Pf.</p>
         <p>Ein englischer anglikan. Bischof			4500 Pf.</p>
         <p>Der Bischof von Durham 				7000 Pf.</p>
         <p>— Bei einem Rennen in Staffordshire kampirte eine fanatische Sekte, die sich die Hanley'sche christliche Gesellschaft nennt, auf einem an den Rennplatz stoßenden Felde, und umzog diesen Platz, Flüche gegen die Theilnehmer an diesem ungöttlichen Treiben ausstoßend. Abends zogen die Fanatiker in Prozession vor die Plätze der Zuschauer, sangen geistliche Lieder und hielten die Schaulustigen ab, an ihre Plätze zu gelangen. Die versammelten Zuschauer, erbittert, über diesen Versuch, ihre Lust zu stören, |Sp. 1206| begannen einen regelmäßigen Angriff, welchen die Fanatiker, fortwährend Psalmen singend, zwei Stunden lang aushielten. Sie zogen sich erst zurück, nachdem Manchen von ihnen die Köpfe zerschlagen waren. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Münchn. pol. Ztg.)</p>
         <p>— Die Anzahl der durch die Bemühungen der Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums getauften Juden beläuft sich gegenwärtig auf 231 Personen. Die Einnahmen dieses Jahres belaufen sich auf ungefähr 353,642 Franken.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. K.-Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Ungarn.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Preßburg</hi>, 25. August. Am 20., als am Festtage des h. Stephan, wurde in der Kirche der Franziskaner die Andacht dieses Nationalfestes um so feierlicher verrichtet, als die früher während des Hochamtes üblich gewesenen, seit einigen Jahren jedoch wegen Ermangelung der Sänger unterbrochenen <hi rend="italic">ungarischen </hi>Gesänge zur Erbauung der frommen Magyaren statt der lateinischen Gesänge wieder begonnen haben. Bemerkenswerth ist es, daß in unserer Stadt nur diese einzige Kirche besteht, in welcher seit der Ansiedelung des genannten Ordens (1225) beständig an Sonn- und Feiertagen Predigten in magyarischer (ungarischer) Sprache gehalten werden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Kecskemet</hi>. Die Behörde der helvet. Kirche im Distrikte dießseit der Donau hat schon im Jahr 1828 beschlossen, dem Mangel einer höhern Bildungsanstalt, wie dergleichen in den andern Distrikten schon lange Zeit bestehen, durch Begründung eines solchen Instituts in <hi rend="italic">Kecskemet</hi> abzuhelfen. Durch die thätige Mitwirkung der Kecskemeter reform. Glaubensgenossen ist eine solche höhere Lehranstalt im Jahr 1835 bereits errichtet worden. In dieser werden alle zur Philosophie, Theologie und Rechtsgelehrtheit gehörige Wissenschaften nach der von Sr. k. k. Majestät genehmigten Einrichtung von 5 Professoren vorgetragen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Leipz. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Deutschland.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Bayern.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">München</hi>, 7. Sept. Die <hi rend="italic">Kammer der Abgeordneten</hi> hat den von dem Abg. <hi rend="italic">Böckh</hi> vorgeschlagenen Antrag angenommen: „Die k. Regierung möge die Anordnung treffen, daß an denjenigen Garnisonsorten, wo den protest. Militärpersonen keine Gelegenheit zur Abwartung ihres confessionellen Gottesdienstes gegeben ist, die Aufstellung eines protest. Geistlichen mittelst Verabreichung einer angemessenen Remuneration erleichtert werde, zu welchem Zwecke eine eigene Position von 1000 fl., oder höchstens 1500 fl. auf den Militär-Etat gesetzt werden möge.“</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Chiemsee</hi>. Auf das Gesuch des hochw. Erzbischofs von <hi rend="italic">München</hi>-<hi rend="italic">Freising</hi> hat der König die Wiederherstellung des Klosters-<hi rend="italic">Chiemsee</hi> (auf einer schönen Insel des Chiemsees) unter den Bedingungen gestattet, daß das Kloster 1) von Frauen nach der Regel des h. Benedikt besetzt werde, und 2) sich zur Errichtung und steten Fortsetzung einer Erziehungsanstalt für Töchter des bürgerlichen Standes, so wie 3) einer Arbeitsschule für arme Mädchen verpflichte. — Das Kloster darf demnach wieder Novizinnen aufnehmen, demselben werden die Klostergebäude mit Kirche und Garten zur Nutznießung unter Vorbehalt des Staatseigenthums überlassen, Und zwar, so lange noch Ordensindividuen aus dem aufgelösten Kloster am Leben sind, wie bisher, mit baulicher Unterhaltung von Seiten des Staates. Die Eröffnung des Pensionats für Töchter bürgerlichen Standes und der Arbeitsschule für arme Mädchen findet statt, sobald das Kloster die nöthige Anzahl von Ordensindividuen besitzt. — Die Sustentationsmittel des Klosters sind zu schöpfen 1) vorübergehend aus den Pensionsbezügen der noch lebenden Nonnen des aufgelösten Klosters, welche jedoch mit ihrem Tode erlöschen; 2) aus den Pensionen der Zöglinge; 3) bleibend aus der Aussteuer der neuaufzunehmenden Klosterindividuen; 4) aus Vermächtnissen und Schenkungen von Wohlthätern.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schweiz. K.-Ztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Regensburg</hi>. — Die Restaurations-Arbeiten am Regensburger Dome schreiten rasch vorwärts; kürzlich erst sind wieder 14,000 fl. angewiesen worden. Dieser Tage erhielt das Gebäude neue herrliche Zierden durch die Grabdenkmale der Bischöfe |Sp. 1207| <hi rend="italic">Sailer</hi> und <hi rend="italic">Wittmann</hi>. Beide Denkmale sind von der Meisterhand <hi rend="italic">Eberhard's</hi> entworfen und ausgeführt, welcher auch in Person ihre Aufstellung leitete. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Bayer. Bl.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Karlshuld</hi>. Die evangelische Gemeinde in Karlshuld auf dem Donaumoose hatte sich nach den neuesten Nachrichten wieder eines Zuwachses von mehreren Familien zu erfreuen, worunter namentlich eine Familie von acht Personen. Es sind dieses Solche, welche früher durch den Rücktritt des Lutz und seine trügerischen Vorspiegelungen sich hatten bereden lassen, wieder zur römischen Kirche zurückzukehren, nachher aber sich durch ihn getäuscht sahen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schweiz. evang. Kztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Bayreuth</hi>, 3. Sept. Dem hiesigen Frauenverein war seit seiner Begründung die vorzüglichste ernste Sorge: die erste Erziehung verwaister armer Kinder. Der milde und wohlthätige Sinn unserer Bewohner, der nimmer ruht noch rastet, unterstützte dieses Vorhaben durch die ansehnlichsten Geschenke und jährlichen Beiträge. Sechs Monate nach dem Entstehen des Vereins, am Schutzengelfeste 1834, wurden bereits 14 sehr arme und sehr hilfsbedürftige Kinder in die Kleinkinderbewahranstalt eingeführt, an welchem Tage der Herr Pfarrer <hi rend="italic">Fabri</hi> eine rührende Rede an Eltern und Kinder in der Hospitalkirche richtete und die Anstalt einsegnete. Dieses Fest hat sich nun zum Drittenmale wiederholt und Hr. Pfarrer <hi rend="italic">Wirth</hi> hielt heute in dieser Kirche eine Predigt von der Stiftung des Hospitals für Arme, für schwache Greise und Mütterchen ausgehend bis auf die zeitgemäße Fortsetzung dieser neuen Anstalt für Knaben und Mädchen, die sich nun schon bis auf 42 vermehrt haben, wobei derselbe die großen Erfolge einer guten Erziehung wahr, kräftig und dringend auseinandersetzte und „den gewissen Segen bezeichnete, welchen solche Anstalten für Kinder, Eltern und ihre edlen Schöpfer, seit allen Zeiten mit sich führten und stets bewahrt haben“.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Münchn. polit. Ztg.)</p>
         
         </div>
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         
         <div type="tais">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p><title><hi rend="bold">* Einiges über den hebräischen Dichter </hi>
            <hi rend="italic bold">Mose Chajim</hi> 
            <hi rend="italic bold">Luzzato.</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von </hi>
            <hi rend="italic bold">Joseph</hi> 
            <hi rend="italic bold">Klein</hi>
            <hi rend="bold">, Rabbinats-Candidat in Würzburg. </hi>
         </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Möchte aber auch <hi rend="italic">Emden</hi> die Worte des R. David <hi rend="italic">Meldola</hi> (?) in seinen Rechtsgutachten <hi rend="Hקנר">דברי דוד </hi>(48) gesehen haben, wo es heißt: „Während die Gelehrten der Hochschule noch von dem fraglichen Gegenstande sprachen, trat der berühmte und fromme R. <hi rend="italic">M. Ch. Luzatto</hi> ein, der damals auch zu den Gelehrten der Hochschule gehörte; wir erzählten ihm den Vorgang; er begehrte nun die Wasservögel (um die es sich stritt) zu sehen, und auf den ersten Blick erkannte er sie als Fasane und bezeugte, daß man sie in Italien genieße; und auf diese Aussage hin wurden sie ohne Anstand auch hier zu essen erlaubt.“ So weit R. <hi rend="italic">David.</hi> Nun frage ich den eifernden <hi rend="italic">Emden</hi>, wenn L. thöricht und unwissend gewesen wäre, wie er von ihm (Thorath Haknaoth Bl. 48b) behauptet, wie hätten die Rabbinen in Amsterdam ihn aufnehmen und sogar hinsichtlich eines Speisegesetzes, an dem alle damaligen Rabbinen in Zweifel waren, nach seiner bloßen Aussage entscheiden dürfen? Wohl gewiß nur, weil er bei ihnen hochgeachtet war. Auch schreibt R. A. <hi rend="italic">Cohen</hi> in Liponti ausdrücklich in der Vorrede zum benannten Werke des R. <hi rend="italic">David</hi> von L. „daß er ein ausgezeichneter Gelehrter, ein großer Kenner der Kabbalah und Philosoph gewesen sey (in der Bedeutung, wie es R. Mose <hi rend="italic">Botril</hi> in der Vorrede seines Commentars zum Buche Jezira nimmt, wenn er sagt, daß der wahre Kabbalist nothwendig ein Philosoph seyn müsse); wahrhaft fromm und demüthig.“ Allein nicht bloß mit dem Juwelenschleifen beschäftigte sich L. in Amsterdam (wie Emden, um ihn zu verkleinern, behauptet), sondern er bildete auch viele Schüler, wie dieß ein Schüler desselben, der berühmte Dichter David <hi rend="italic">Franko</hi>-<hi rend="italic">Mendez</hi>, Verf. der <hi rend="Hקנר">גמול עתליה </hi>in der Vorrede zu L's. Werk <hi rend="Hקנר">דרך חכמה</hi> |Sp. 1208| mit vielen belobenden Prädikaten bezeugt. — In seinem 40sten Jahre ward er von der Erde abgerufen; hierüber findet sich ein Schreiben der Rabbinen in Tiberias vor, welches als nähere Data angibt, daß L. und sein ganzes Haus an der Pest gestorben, am 20. Ijar 5480 (1750) in der Stadt Acko, und zu Merias neben R. Akiba begraben liege.“</p>
         <p>(<hi rend="italic">Girondi</hi> führt nun ein zweites Schreiben des R. J. <hi rend="italic">Bosan</hi> an zwei deutsche Rabbinen an, datirt 7. Tebeth 5494, worin ebenfalls Widerlegungen gegen die Anschuldigen der Gegner L´s. enthalten sind, und dem wir folgende Data entnehmen): Einige Männer Jacob <hi rend="italic">Blilium</hi> (?), welcher durch die Gewalt eines spanischen Generals sich zum Rabbiner in Livorno aufdrängen wollte, R. F. <hi rend="italic">Pacifico</hi>, und R. <hi rend="italic">Salomon</hi> aus Lemberg, welcher Monate lang im Hause <hi rend="italic">Bosan's</hi> lebte, von ihm zum Lehrer bestellt wurde, und sein Gastfreund war, diese waren es, welche wegen der Streitschrift L's gegen die Schrift des R. Jehuda aus Modena heftig auftraten. Bosan hatte L‘s. Schrift begutachtet, mit ihm R. David <hi rend="italic">Ponzi</hi> (?), Rabbiner in Padua und R. Abi Ad <hi rend="italic">Basel</hi>. Letzterer lobt auch in einem Briefe an <hi rend="italic">Basan</hi> L's. Gelehrsamkeit in der Kabbalah; auf <hi rend="italic">Chagi's</hi> Einwendungen habe man nicht zu achten. Die genannten Gegner veranlaßten auch die Rabbiner in Venedig zu einem heftigen Schreiben an R. <hi rend="italic">Bosan</hi>; dieser entschuldigt L. und behauptet, die Rabbiner in Venedig seyen in eine geheime Verbindung getreten, um L. herabzusetzen und ihn des Meineides zu beschuldigen. Auch ist es Lüge, daß er bei seiner Reise nach Amsterdam seine Psalmen mitgenommen, um sie drucken zu lassen. Denn in Padua hatte sie ihm <hi rend="italic">Bosan</hi> abgenommen und aufbewahrt; auch sey dieß elende Verläumdung, daß L. behauptet habe, seine Psalmen würden die Davidschen in Vergessenheit bringen. Diese Psalmen sind begonnen worden am Montag 4. Sivan 5494 und beendigt am 1. Schebat 5487; (7 dieser Psalmen sind in Venedig 5494 im Werke <hi rend="Hקנר">חנוכת הארון </hi>abgedruckt.)<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> *) In den Bickure haittim 1825 (f. 56) und 1826 (f. 99) sind 2 Psalmen von L. abgedruckt. Wie steht es aber mit den Nachrichten, die uns <hi rend="italic">Peter Beer</hi> von diesen Psalmen gibt, daß sie in den Händen einer Frau in Prag sich befinden, deren Mißgunst sie unter Riegel und Schloß hält? und mit der Nachricht die uns L. Zunz (Etwas über die rabbinischen Literatur, Berlin 1818, f. 38. Anm. 1) gibt, daß „einst ein unsinniger Rabbiner M. Ch. <hi rend="italic">Luzzato's</hi> treffliche Psalmen in dem <hi rend="italic">einzig vorhandenen Manuskripte verbrennen ließ,</hi> aus Eifer für die David'schen?“ Ferner: Woher kennt Fr. <hi rend="italic">Delitzsch</hi> (Zur Geschichte der jüdischen Poesie etc. Leipzig 1836) L's. Psalmen so genau nach ihrem Inhalte, wie er ihn in seinem Werke angibt? Endlich: Sollte jetzt, wo die Parteienwuth geschwunden ist, es nicht möglich seyn, diese Psalmen zu veröffentlichen? Denn es wäre ewig Schade, sie verloren gehen zu lassen, da das Lob derselben so einstimmig anerkannt wird. 	K.</p>
            </note>
         </p>
         <p>Aus Allem diesem geht hervor, daß die Männer in Venedig lauter Lug und Trug gegen L. anhäuften; eben so falsch ist es, daß ich ihm das Kistchen mit Psalmen nach Amsterdam geschickt habe, da das Kistchen noch verschlossen bei mir steht.“ So weit <hi rend="italic">Bosan</hi>.</p>
         <p>Urtheile nun selbst, mein Freund, welche Lügen diese eifernden Männer gegen L. verbreiteten, und zwar hauptsächlich aus Neid, weil L. sie an Kenntnissen übertraf und schon in früher Zeit Schriften herausgab, die sie nicht verstanden. Denn er war der erste, welcher die Art der Poesie in den prophetischen Schriften auffand in seinem Werke <hi rend="Hקנר">לשון לימודים</hi>
            <note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Dieses Werk ward zuerst im J. 5570 (1810) von <hi rend="italic">Beer Günzburg</hi> in Brody mit einer Vorrede und Anmerkungen herausgegeben, sein frühzeitiger Tod hinderte ihn an der Herausgabe von L's דרך תבונות das er ebenfalls mit Zusätzen und Noten begleitet hatte. K.</p>
            </note> dann verfaßte er <hi rend="Hקנר">חנוכת הארון</hi>, 138 Einleitungen zur Wissenschaft (Kabbalah), <hi rend="Hקנר">מלחמת משה</hi> (ein exegetisch-mysteriöser Kommentar zum Pentateuch), ein Kommentar zu Koheleth, Untersuchungen über die Glaubensprinzipien<hi rend="Hקנר">לישרים תהלה</hi>,<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Dieses herrliche Drama, eine Nachahmung von <hi rend="italic">Guarini's</hi> Pastor fido (aber allegorisch), wurde zuerst in Amsterdam (5605‒1743) dann in Berlin (5540-1789), ferner in Lemberg (5559-1799)mit einer Vorrede und Einleitung von Salomon <hi rend="italic">Dubno</hi>, und in jüngster Zeit in Dr. <hi rend="italic">Martinet's</hi> hebräischer Ehrestomathie, Bamberg 1837 (ganz korrekt) abgedruckt. 	K. </p>
            </note> 
            <hi rend="Hקנר">מגדל עוז</hi>
            <note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="footnote text"> Nach brieflichen Nachrichten wird dieses Werk jetzt in Leipzig bei Tauchnitz gedruckt. 	K.</p>
            </note> |Sp. 1209| (ein Seitenstück zum vorigen Werke; aufbewahrt in der Bibliothek des R. <hi rend="italic">Chananja Elchanan Cohn</hi>, Rabbiners in Florenz) <hi rend="Hקנר">זמירות ישראל</hi>; ferner<hi rend="Hקנר">דעת, מאמר הגאולה, דרך תבונות, ויגמול שקרים, מסילת ישרים, תבונות </hi>Notizen zum Verständniß rabbinischer Aussprüche, Vorreden zum Verständniß mancher Geheimnisse der h. Schrift. — Man wird freilich einwenden, daß L. zweimal Widerruf gethan, in Padua und in Frankfurt a. M., und so seine Gegner gerechtfertigt wären, (wie dieß in Thorath haknaoth sich findet;) jedoch behaupte ich, daß L. nur befangen und gefangen war durch die Netze, die ihm die Leute in Venedig und R. Mosche <hi rend="italic">Chagis</hi> legten, und die deutsche Rabbinen sind ohne Untersuchung nachgefolgt; so sah er sich <hi rend="italic">gezwungen</hi>, zu widerrufen, da er doch nie gefehlt.<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Wen etwa L's. Verfahren sonderbar dünken möchte, den erinnern wir an ein ähnliches von <hi rend="italic">Viviani</hi>, dem Schüler <hi rend="italic">Galiläi</hi>‘s.</p>
            </note> Denn R. Jakob <hi rend="italic">Cohn</hi> gesteht selbst zu (Th. hakn. Bl. 26b), daß man damals nur die Widerlegung von Modena's Schrift bei ihm gefunden habe. Ich aber glaube fest, daß L. <hi rend="italic">nie</hi> der Sekte der Sabbathäer angehört habe. Was nun den Vorwurf betrifft, daß er sich viel mit der Kabbalah beschäftigte, so bleibt nur die Alternative, entweder L. völlig zu rechtfertigen, oder auch alle frühern oder spätern Kabbalisten zu verwerfen. Auch hörte ich von alten Leuten in Padua sagen, daß sie von ihren Vätern hörten, L. sey stets wahrhaft fromm, und sein Ansehen höchst ehrwürdig gewesen; ja mein Großvater, der Jahre lang um ihn war, beobachtete ihn zu der Zeit, als sich das Gerücht über ihn verbreitete genau und fand durchaus nichts Tadelnswerthes an ihm. ‒ ‒ </p>
         <p>Dieß sind die Worte <hi rend="italic">Girondi's</hi>, denen wir fast sonst nichts hinzuzufügen wissen, als daß es nun wahrhaft freuet, diesen ausgezeichneten Literator vom falschen Verdachte befreit zu wissen.</p>
         <p>Ich erlaube mir, dieser Rechtfertigung L‘s. noch eine ähnliche beizufügen, die einen gleichen Vorwurf von einem wenn auch in anderer Beziehung nicht minder berühmten Mann hinwegwälzt. R. Jonathan <hi rend="italic">Eibeschützer</hi>, Rabbiner in Hamburg (Altona und Wandsbeck), wurde ebenfalls des Sabbathaismus beschuldigt, und zwar von R. Jakob <hi rend="italic">Emden</hi>, R. Ezchiel <hi rend="italic">Landau</hi>, Rabbiner in Prag, und R. <hi rend="italic">Josua</hi>, Rabbiner in Frankfurt a. M.; der Streit wurde von den Gegnern heftig geführt; E. verhielt sich sehr ruhig und lobenswerth friedfertig. Neuerdings hat nun Hr. Dr. Jost in seiner „Allgemeinen Geschichte des israelitischen Volkes“ etc. Bd. 2, S. 474 sich ebenfalls <hi rend="italic">gegen</hi> E. ausgesprochen, worauf wir verweisen. Ein unbekannter Korrespondent des Kerem Chemed, unter der Chiffer <hi rend="Hקנר">שלש</hi> stellt (Bd. II. Brief 20) die Frage an einen Freund (unter der Chiffer <hi rend="Hקנר">שש</hi>), ob die Sache wirklich so sey, da nach seinem Wissen E. mit Unrecht der Sektirerei beschuldigt werde. Er finde, so bemerkt der Fragesteller, darin, daß der getaufte Jude <hi rend="italic">Karl Anton</hi> im Auftrage der dänischen Regierung zum Schiedsrichter berufen, sich zu Gunsten E‘s. ausgesprochen; ferner, daß die Sabbathäer selbst ihn hochachteten, und daß viele Freunde E‘s. in Polen sich später zu der Sekte bekannten, während E. in Hamburg ganz nach Art frommer Talmudisten lebte, noch keine genügende Anklage. Denn daß die Sektirer ihn für sich in Anspruch nahmen, geschah wohl ohne sein Verschulden; jene wollten sich durch ihn gehoben wissen; hatten ja in Zeiten des <hi rend="italic">Gaon R. Jehudai</hi> auch die Karäer die Beleuchtung aufgestellt, ihre Sekte habe <hi rend="italic">R. Jehuda </hi>ben <hi rend="italic">Tabbai</hi> zu Stifter<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Und würde nicht auch Ebn Esra von den Karäern als ihrer Sekte angehörig in Anspruch genommen, etwa weil er einigemal sich gegen Manches im Talmud aussprach? 	K.</p>
            </note>? Daß E. Anfangs nicht gegen seine Gegner auftrat, geschah mehr aus Liebe zum Frieden, wie diese Friedliebe und Sanftmuth sich in seiner später deßhalb verfaßten Schrift: Luchoth Haedoth ausspricht. Daß aber E. ein eifriger Anhänger der Kabbalah war, und mit Talismanen sich beschäftigte, ist ein Fehler, der nicht ihm allein anhing, sondern vielen berühmten Männern, am Wenigsten dürfte R<hi rend="italic">. J. Emden</hi> feindselig deßhalb auftreten, da ja auch er ein eifriger Kabbalist war, und also bloß aus Neid gegen E. auftrat; er, der es ja sogar versuchte nachzuweisen, daß <hi rend="italic">Majemonides</hi> Werk: Moreh, sey ein untergeschobenes Werk eines Andern. Die Antwort (29ster |Sp. 1210| Brief) fällt zu Gunsten E's. aus; nur beschuldigte ihn <hi rend="Hקנר">שש</hi> des zu großen Ehrgeizes, wodurch verleitet E. von sich behauptete, er sey in allen Wissenschaften erfahren; da ferner die Sabbathäer Anfangs nicht so öffentlich mit ihren verwerflichen Prinzipien auftraten, sondern sich in das Gewand der Demuth und Frömmigkeit hüllten, so konnte E. wohl, da er es mit Keinem gerne verderben wollte, allerdings Anfangs schwanken; als er später die schlechten Grundsätze der Sabbathäer kennen lernte, verabscheute er sie auf's Tiefste; freilich habe E. gefehlt, habe aber diese Anfeindungen des R. J. <hi rend="italic">Emden</hi> und Anderer nicht verdient, und er stehe rein von dem Verdacht des Sabbathäismus da.“ — Dieß zu seiner Rechtfertigung. </p>
         <p>Man darf sich zur Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe des Hrn. Dr. <hi rend="italic">Jost</hi> versehen, daß er bei einer zweiten Auflage seines größern Werkes, wozu uns nach öffentlichen Berichten Hoffnung gegeben wird, diese frühern Irrthümer, wenn er sie bei genauer Prüfung dafür erkennt, aus seinem Werke verbannen wird, um so zwei Männer, die so hoch in der Achtung der Israeliten stehen, von dem falschen Verdachte zu befreien und ihre Ehre zu retten. — </p>
      </div>
         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
         
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p>* 1. Denkmal der Einführung der Confessions-Vereinigung in der Stadt Meisenheim. Predigt über Eph. 4,3‒6, von C. L. <hi rend="italic">Mayer</hi>, landgräfl. hess. Kirchenrathe, Consistorialpräsiden<lb/>ten, Pfarrer und Scholarch der Gymnasialschule. — Coblenz und Kreuznach bei Kehr, 1837.</p>
         <p>2. Lasset hinfort nicht Spaltungen unter Euch seyn. Predigt über 1 Kor. 12,25, von W. <hi rend="italic">Neussel</hi>, landgräfl. hess. Hofprediger und Kirchenrathe.</p>
         <p>Beurtheilt vom Pfarrer Dr. <hi rend="italic">Kirchner</hi>.</p>
         <p>Die am 5. und 17. October 1836 zu Meisenheim in der Landgrafschaft Hessen glücklich zu Stande gebrachte Vereinigung der beiden <hi rend="italic">protestantischen</hi> Hauptpartein in ein <hi rend="italic">evangelisches</hi> Ganzes veranlaßte die beiden vorliegenden Festpredigten. Von welcher Beschaffenheit auch die in Nr. 1 nur leise angedeuteten (S. 6) Hemmungen gewesen seyn mögen, welche diese Vereinigung um <hi rend="italic">achtzehn</hi> Jahre verzögerten, die Art und Weise, wie dieselbe endlich abgeschlossen wurde, ist jedenfalls rühmlich: denn es haben dabei, wie aus der landesherrlich bestätigten Urkunde hervorgeht, durchgängig die Grundsätze weiser Verträglichkeit und billiger Uebereinkunft gewaltet. </p>
         <p>Die erstere der vorliegenden Reden, Nachmittags in der Schloßkirche gehalten, behandelt nach Eph. 4,3‒6 das zweckgemäße Thema: <hi rend="italic">was hat eine evangelisch-christliche Gemeinde vorzugsweise zu beachten, wenn sie mit Würde bestehen will?</hi> Der Verf. führt dieses Thema in den einzelnen Theilen durch: eine <hi rend="italic">evangelisch</hi>-<hi rend="italic">christliche</hi> Gemeinde kann nur dann mit Würde bestehen, <hi rend="italic">wenn in ihr die evangelische Wahrheit und deren Erkenntniß waltet; wenn in ihr evangelischer Sinn und Tugendübung herrschend sind; wenn in ihr evangelische Sorgfalt für Erziehung und Bildung ihrer Tugend lebt; und wenn evangelische Duldsamkeit und Liebe ihren Verkehr mit Andersglaubenden weihet;</hi> wobei wir nur das einzuwenden haben, daß der vierte Theil eigentlich schon im zweiten enthalten ist, denn, wenn in einer Gemeinde evangelischer Sinn und Tugendübung überhaupt herrschend sind, so versteht es sich von selbst, daß sie der evangelischen Duldsamkeit und Liebe auch gegen Andersglaubende nicht ermangeln werde.</p>
         <p>Vorzüge dieser Arbeit sind die unverkennbar ehrenwerthe und wohlmeinende Gesinnung, die überall aus ihr hervorleuchtet, eine fromme Glaubenswärme, die das praktische Element des Christenthums in seiner vollen Bedeutung geltend macht, ohne dabei die Grundlage, auf der es beruht, gering zu achten, eine im Ganzen gelungene logische Behandlung des Stoffes, die sich Hauptsache in den Uebergängen zeigt, eine treffliche Benutzung des Bibelschatzes und eine oft sehr ansprechende und beredte Anwendung |Sp. 1211| des Gegenstandes auf die speciellen Verhältnisse und Bedürfnisse der Gemeinde. (Vgl. S. 14 ff. 21 ff.) Die Sprache ist im Allgemeinen edel und gehalten, nur leidet sie an zu großer Wortfülle; wäre der Vers, in dieser Hinsicht sparsamer gewesen, so hätte er unstreitig die Kraft und den Eindruck seiner Rede noch gesteigert. Auch finden sich hier und da Wiederholungen, ferner Zusammenhäufung von abstracten Bezeichnungen, deren Sinn dem gewöhnlichen Publikum nicht völlig klar wird. Man vergleiche als Belege zu dem Gesagten S. 8: es ist dieß ein heiliger und ehrwürdiger Bund; denn sein Gegenstand ist Befriedigung der edelsten Bedürfnisse des denkenden Wesens, und Erfüllung der höchsten Obliegenheiten eines vernünftigen, eines sittlichen und gottgefälligen Seyns und Lebens. Möchten wir denn alle diese erhabenen Gegenstände, Endzwecke und Pflichten der heute vor Gott geschlossenen Gemeinschaft recht erfassen“ und S. 10: die Kirchengemeinschaft bietet uns dar, was allein uns zu wahren Menschen machen, zur Kraft, zur Würde und Seligkeit eines vernünftigen, eines sittlichen und gottwohlgefälligen Seyns und Wirkens erheben kann. Dieß laßt uns doch stets beherzigen und in wahrer Andacht Alles heilig halten, was auf dieß edlere Seyn und höhere Verhältniß irgend Bezug hat, und seine ehrwürdigen und wohlthätigen Endzwecke zu fördern vermag.“ Ueber den häufigen Gebrauch des Ausdrucks <hi rend="italic">Endzweck</hi> (S. 8. 9. 10. 16. 17. 18. 20. 21), dessen Zulässigkeit auf der Kanzel noch bestritten wird, wollen wir mit dem Verf. nicht rechten. Doch können wir nicht umhin, auf Anderes, was unser sonst inniges Wohlgefallen gestört hat, und uns als übertrieben oder verfehlt erschienen ist, aufmerksam zu machen. So redet der Verf. S. 5 von der <hi rend="italic">Einigung der schwesterlichen Kirchen</hi>, welche in verwandten Ländern der Fortgang wissenschaftlicher Bildung u. s. w. <hi rend="italic">aus den Trümmern der alten Zeit</hi> hervorrief. Aber herrscht denn da, wo diese Einigung, vielleicht in Folge bloß äußerlicher Schwierigkeiten, bis jetzt noch nicht zu Stande gekommen ist, notwendig ein religiöser Verfall? Gottlob, daß dem nicht so ist, wenigstens nicht überall. Desgleichen haben die S. 6 vorkommenden Worte: „ja, geschlossen ist der Bund evangelischer Glaubenseintracht und <hi rend="italic">Liebe</hi>“ etwas Befremdendes, man wird zu der Frage veranlaßt: war denn diese Liebe nicht schon früher vorhanden, ist sie erst eine Folge, ist sie nicht vielmehr eben der Grund des geschlossenen Bundes? Wenn der Verf. ferner in der vergleichenden Zusammenstellung der bürgerlichen und kirchlichen Gemeinschaft (S. 9) von dem Staate aussagt, daß er nur die „gemeineren Angelegenheiten“, das „<hi rend="italic">Niedrigere unserer Natur</hi>“ bezwecke, so hat er doch unläugbar den Begriff desselben zu eng gefaßt und seine Bedeutung zu gering angeschlagen. In dem religiösen Leben ist ja das geistige keineswegs vollendet; daß es sich nach jeder Richtung hin frei und beglückend entfalte, daß die hohen Interessen der Humanität und Gesittigung allwärts gefördert werden, nicht bloß „Sorge für das irdische und äußere Bedürfnis ist der Endzweck eines christlich civilisirten Staates. Und wenn endlich der Verf. in dem Theile seiner Festbetrachtung, wo er die Gemeinde ermahnt, für „christliche Erziehung und Bildung der Jugend thätig zu seyn“, unter Vielem, was zu Geist und Herzen spricht, auch den Wunsch äußert: Möge der Vater im Himmel sie (die Söhne und Töchter, die durch ihre Gesänge die Festlichkeit dieses Tages erhöheten) segnen, und ihre Laufbahn <hi rend="italic">weit hinabreichen lassen in's folgende Jahrhundert",</hi> so ist das eine Uebertreibung, zu der die Aufregung des Augenblicks ihn hinriß.</p>
         <p>Möchten diese wenigen Ausstellungen, die wir an der im Ganzen so gelungenen Arbeit des hochachtbaren Verf. gemacht haben, demselben ein Beweis der Aufmerksamkeit seyn, mit der wir ihren Werth gewürdiget haben, und des Interesses, das sie uns eingeflößt hat.</p>
         <p>Der Verf. von No. 2 scheint, wie aus dem in leidenschaftlichem Tone geschriebenen Vorworte sich vermuthen läßt, bei den hinsichtlich der Kirchenvereinigung stattgehabten Vorgängen auf eine unangenehme Weise persönlich berührt worden zu seyn. Das ist zu bedauern, aber zu mißbilligen ist es jedenfalls, daß diese gereizte Stimmung sich hier und da auch in der Festpredigt selbst auf eine Art kund gegeben, welche die freudig und feierlich bewegten Gemüther seiner Zuhörer nur schmerzlich ergreifen konnte. Seine Rede unterscheidet sich von der seines Collegen wesentlich |Sp. 1212| darin, daß sie weniger in den Gegenstand selbst eindringt, als um ihn herumgeht. Auch will es uns bedünken, als hebe der Verf. die äußerlichen und materiellen Vortheile, die aus der erfolgten Vereinigung der Gemeinde erwachsen dürften, zu sehr hervor, wodurch die geistige Bedeutung derselben in den Hintergrund gedrängt wird; nicht minder, als gehe er zu weit in seinem Absprechen über den Werth des Dogma, und erfasse nicht immer die Tiefen christlicher Offenbarung. Denn damit, daß man sich gegenseitig nichts zu Leide thut, sich an Gesetz und Gesellschaft nicht versündiget, die Vorschriften, einer bürgerlichen Rechtschaffenheit befolgt, auch wohl noch ein Uebriges thut in Gefälligkeit und Liebe, kurz, daß man, wie jenes Sprüchwort sagt, lebt und leben läßt, damit ist doch fürwahr der erhabene Standpunkt evangelischen Lebens nicht erreicht, damit die herrliche Fülle dieses Lebens nicht erschöpft.</p>
         <p>Wir wollen nun unser Urtheil durch Belege rechtfertigen. Der Text, den der Verf. seiner Predigt zu Grunde gelegt hat, ist die Stelle 1 Korinth. 12, 25, und das daraus hergeleitete Thema: <hi rend="italic">Lasset hinfort nicht Spaltungen unter Euch seyn,</hi> wird in zwei Theilen: <hi rend="italic">sie sind in ihren Ursprüngen verwerflich und in ihren Wirkungen verderblich</hi>, behandelt. Die Einleitung in die Festbetrachtung hat uns weder dem Inhalte noch der Form nach befriediget: sie scheint uns etwas matt gehalten, wir vermissen darin ein rasches und sicheres Fortschreiten, wie ein kräftiges und abgerundetes Gepräge der Gedanken, sie sind zu lose aneinander gewebt, und hier und da ist auch der Ausdruck vernachlässiget. So kann uns gleich S. 5 die Stelle: da dieses Fest ein sprechendes Zeichen einer fortschreitenden religiösen Bildung ist, so muß sich jeder, dem die Sache des Himmelreiches und das Heil der Menschheit am Herzen liegt, <hi rend="italic">über den Anbruch desselben</hi> freuen, nicht recht gefallen. S. 7 ist die Behauptung: „so entsteht dann eine kirchliche Spaltung, wenn die Mitglieder einer religiösen Gesellschaft sich in Sekten oder Parteien trennen, <hi rend="italic">deren jede ein von den Wünschen der andern abweichendes Ziel verfolgt,"</hi> doch offenbar übertrieben, und widerspricht den nachfolgenden Aeußerungen des Verf., wo er es ja selbst geltend macht, daß man in der Meynung und Sitte immerhin getrennt, und doch in der Liebe und im Leben verbunden seyn könne.</p>
         <p>Wenn nun der Verf. als den ersten Theil seiner Betrachtung den so richtigen Satz voranstellt: „Spaltungen sind in ihrem Ursprünge <hi rend="italic">verwerflich</hi>, weil sie theils aus <hi rend="italic">Irrthümern des Verstandes</hi>, theils aus <hi rend="italic">Fehlern</hi> des <hi rend="italic">Herzens</hi> entspringen,“ so erwartet man etwas ganz Anderes, als er uns in der Ausführung gegeben hat.</p>
         <p>Man erwartet nämlich, er werde hinleiten auf das Grundgebiet des evangelischen Glaubens, wo alle jene Irrungen und Mißverständnisse sich entscheiden und berichtigen müssen, auf den unerschütterlich festen Mittelpunkt aller selbst der verirrten Bestrebungen und Parteiungen, er werde darthun, wie eben <hi rend="italic">durch die Kraft der Wahrheit eine Bereinigung in derselben</hi> erfolgen könne: <hi rend="italic">erhebend</hi> wäre das gewesen, statt dessen aber stellt er ein niederschlagendes Bild auf, wie bedenklich es mit der Kenntniß des Wahren von jeher ausgesehen habe und noch jetzt aussehe, wie man nicht wissen könne, welche „religiöse Meynung zur allgemeinen Glaubensnorm erhoben zu werden verdiene,“ er nennt die „Bemühung, das ganze menschliche Geschlecht zu <hi rend="italic">einer</hi> religiösen Ansicht zu bringen, <hi rend="italic">ungereimt</hi>,“ und gibt ihr sogar schuld, daß sie „die Religion zu einem Blendwerk, zur Erfindung einer falschen Staatskunst, oder zu einem Werkzeuge der Tyrannei mache.“ (S. 9.) Das sind harte Worte, und der Verf. kann sie nicht verantworten. Wir gestehen zu, daß eine durchgreifende und vollendete Ausgleichung auf dem Gebiete der Religion nicht zu erwarten sey, ja, daß selbst in der Wahrheit dem Geiste um seines eigenen Besten willen noch Raum zur Bewegung, Stoff zur Erörterung, Gelegenheit, seine Kräfte zu üben und zu schärfen, verbleiben müsse, aber immer kann jene Bemühung, <hi rend="italic">wenn sie nur im rechten Sinne und mit den rechten Mitteln betrieben wird</hi>, zu hohen und erwünschten Resultaten führen. Auf keinen Fall verdient sie „ungereimt" genannt zu werden; denn wie, weil das Höchste nicht erreicht, das Vollkommenste nicht geleistet werden kann, soll man darum gar nichts versuchen, was dem erhabensten Ziele näher führen könnte? |Sp. 1213| Nachdem der Verf. sich bemüht hat, zu zeigen, wie eine Uebereinstimmung in Sachen des Glaubens nicht möglich sey, sucht er darzuthun, daß sie auch nicht nöthig sey. „Zum Wohle des Staates und der ganzen Menschheit — sagt er — braucht man nichts als eine Gottesfurcht, die durch gute Gesinnungen und Wandel sich wirksam erweist." Ganz wahr, aber was ist denn die Quelle dieser Gottesfurcht? was der mächtige Stamm, aus dem die reiche Blüthe edler Gesinnung und die Früchte Gott gefälliger Werke treiben? Mit demselben Rechte, als der Glaube, der sich nicht in Werken bethätiget, ein todter genannt wird, können umgekehrt auch die Werke, die nicht aus dem Glauben, als dem anerkannten Lebensprincipe, hevorgehen, für todt gelten. Auch knüpfen wir hieran die Bemerkung, daß die von dem Verf. beigebrachte Schriftstelle, Apostelgesch. 10,35 streng genommen nicht hierher gehört. Sie bezieht sich lediglich auf den Bund des Petrus, der lange gezweifelt hatte, ob Heiden, die dem <hi rend="italic">Glauben an Christum</hi> sich zugewendet, darum in den <hi rend="italic">Bund der christlichen Gemeinschaft</hi> zuzulassen, oder ob die Wohlthaten dieses Bundes, ausschließlich für die Juden bestimmt seyen. Die ihm durch Gottes Hilfe gewordene richtige Ueberzeugung spricht er sodann in den Worten aus: „nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm, d. h., der ist fähig und würdig, in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen zu werden; sie haben demnach nicht eine allgemeine, sondern specielle Bedeutung.</p>
         <p>Dem Verf. scheint im Laufe seiner Darstellung selbst gar oft ein Gefühl des Rechten gekommen zu seyn, denn, nicht selten werden seine Behauptungen milder und dadurch erfreulicher. So redet er S. 10 nicht mehr von dem „überirdischen Gebiete,“ von den „unsichtbaren Gegenständen des Glaubens" (S. 8 und 9), sondern von den „außerwesentlichen Dingen des Glaubens,“ bei denen Ich eine Ubereinstimmung entbehren lasse. Nachdem er S. 9 die Frage aufgestellt, „wer sollte auch entscheiden, welche religiöse Meynung verdiene zur allgemeinen Glaubensnorm erhoben zu werden,“ meint er denn doch S. 13, „es bedürfe einer Uebereinstimmung in wenigen wesentlichen Grundsätzen.“ Als solchen stellt er auf, 1. Joh. 4,15 und 5,1: <hi rend="italic">wer bekennt, daß Jesus Christus ist Gottes Sohn, in dem bleibt Gott und er in Gott. Denn, wer da glaubt, daß Jesus sey der Christ, der ist von Gott geboren</hi>. Das aber ist eben ein Ausspruch, durch den allem bloß äußerlichen und weltlichen Rechtthun, das eines festen Glaubensgrundes nicht zu bedürfen verneint, der Stab gebrochen wird. Was übrigens der Verf. von den Spaltungen sagt, die aus <hi rend="italic">Fehlern des Herzens</hi> entspringen, ist schön und kräftig gesprochen.</p>
         <p>Im zweiten Haupttheile der Betrachtung führt der Verf. die Behauptung durch, daß kirchliche Spaltungen auch <hi rend="italic">in ihren Wirkungen verderblich</hi> seyen, und zwar erstlich darum, weil sie die Menschen hinderten,<hi rend="italic"> die Hauptsache der Religion richtig aufzufassen und zu beachten.</hi> Nur hätte er das Wesen der Hauptsache, des „echten Christenthums" (S. 16) näher bezeichnen und entwickeln sollen. Statt dessen klagt er, allerdings mit Fug und Recht, über den blinden Parteieifer, der leider so Viele beherrscht, und richtet unter Anderem die Frage an seine Zuhörer: „habt Ihr jemals darüber nachgedacht, warum Ihr Euch lutherisch oder reformirt nennt?" Sie konnten ihm erwiedern: wenn wir über solche Dinge unwissend oder gleichgiltig blieben, so war es ja eben die Sache unserer geistlichen Führer, uns auf ihre Wichtigkeit aufmerksam zu machen, und die nöthigen Aufklärungen zu geben. — „Spaltungen“, behauptet der Verf. ferner, „seyen auch darum in ihren Wirkungen verderblich, weil sie den <hi rend="italic">Gemeinsinn</hi> zerstörten.“ Das Meiste, was er hier beibringt, ist eindringlich und beherzigenswerth, und es zeigt sich, daß ihm, wo nicht schroffe Meynungen oder leidenschaftliche Gefühle ihn ab oder zu weit führen, eine wahrhaft gediegene Kraft zu Gebote stehe. Doch auch hier gerathen wir im späteren Verlaufe der Darstellung auf Aeußerungen und Sätze, die unsere Mißbilligung erregt haben.</p>
         <p>So ist die Behauptung: „und wo einmal Parteien bestehen, da gerathen nicht selten die Edelsten in Verdacht, und werden als Verbrecher verfolgt und mißhandelt, aus dem Vaterlande verbannt, oder aufs Schafott geführt, während Nichtswürdige aus- |Sp. 1214| gezeichnet, geehrt und belohnt werden, und sich ihres Triumphs über die betrogene Einfalt hämisch freuen dürfen," (S. 18) zu grell, zu sehr auf die Spitze getrieben: zum mindesten, kann man nicht sagen, daß solche empörende Mißgriffe und Gräuelthaten, am allerwenigsten in unserer Zeit, „nicht selten" geschähen. Die Art und Weise, wie der Verf. jene verhängnißvolle Zusammenkunft in Marburg und ihre weitreichenden Folgen darstellt (S. 20), ist in ihren geschichtlichen Hauptzügen wahr: nur hätte er bedenken sollen, daß, was ihm als eine „außerwesentliche Streitfrage“ gilt, damals eine Frage des Jahrhunderts war, die nicht vereinzelt und bedeutungslos dastand, sondern in seine theuersten Interessen tief verflochten war, und nicht „Schwachheit" der hocherhabenen Reformatoren war es, daß sie sich erst noch das Versprechen gaben, sich trotz ihrer verschiedenen Ansichten brüderlich lieben zu wollen, sondern vielmehr ein Beweis von Kraft: denn manches, was in einer ruhigen und erschlafften Zeit den Menschen gar nicht ansicht, das muß er in einer stürmischen und entfesselten mit mächtigster Selbstüberwindung zu bewältigen suchen. Die Stelle aber (S. 21), wo der Verf. von den Schicksalen der „wehrlosen Reformirten redet, denen die wieder katholisch gewordenen Landesherren die Verwaltung des Kirchenguts entzogen, so daß nun Hunderttausende von dem Einkommen desselben in der Fürsten Hofhaltung hingeflossen, wobei diese sich dem Anscheine nach mehr von der Fürsorge für Pferde und Jagdhunde, als von Theilnahme an dem Schicksal der Kirchen und Schulen in ihrer Verwaltung hätten leiten lassen“ — gehört, wenn sie auch traurige Wahrheit enthält, doch nicht in eine Friedenspredigt, die den Geist der reinsten Versöhnlichkeit athmen, und weder schmerzlich bittere Erinnerungen aus der Vergangenheit hervorrufen, noch, wie es S. 22 geschieht, in einer nicht zu billigenden Weise auf die Mängel der Gegenwart hinweisen sollte. Auch die Vergleichung der verschiedenen Meynungen der Reformirten und Lutheraner mit „Gespenstermährchen, welche die Kinder ängstigen,“ (S. 23) erscheint uns, wenigstens was den Ausdruck betrifft, unangemessen; ebenso ist es nicht erfreulich, daß der Verf. so häufig auf die Anklage zurückkommt, daß es auch noch in unseren Tagen hartnäckige, unduldsame Verfechter gewisser religiösen Ansichten gibt, die keine Anderen, als die ihnen gleichen, neben, sich dulden wollen; (S. 23) Rottenstifter und ihre Gehilfen, vor deren Eingebungen er seine Zuhörer warnt, solche, die durch Mauldienerei und verstellte Freundlichkeit sie in Parteien zu theilen suchen, um selbstsüchtige Absichten zu erreichen u. s. w. (S. 24 und 25) </p>
         <p>Die Sprache des Vortrags ist bis auf die oben berührten Mängel rein, und nicht selten wird die Darstellung überaus lebendig und anziehend durch Originalität. Nur hätten Fremdwörter, wie speculativ (S. 10), Dispute (S. 13 und 16), Fundament (S. 17), Maxime (S. 18), Affecte (ebend.), Schafott (S. 19), Occupation, Territorialveränderungen (S. 21) vermieden werden sollen. Wir scheiden übrigens von dem Verf. mit aufrichtiger Hochachtung seines Talents und des guten Willens, der unverkennbar auch ihn beseelt, und wünschen nur, daß die Mißstimmung, die, wie es scheint, uns unbekannte Vorgänge in ihm erregt haben, recht bald einem freudigen Gefühle seiner Kraft und Wirksamkeit weichen möchte.</p>
       </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <head>Anzeigen.</head>
         <p>(69) Im Verlag von F. E. C. <hi rend="italic">Leuckart</hi> in Breslau ist erschienen: </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Sammlung von Bibelsprüchen</hi>, Liederversen, Denksprüchen und <hi rend="italic">Materialien zu kurzen Unterredungen </hi>über die vorzüglichsten Wahrheiten der Glaubens- und Pflichtlehren. Ein <hi rend="italic">Handbuch für Lehrer</hi> der Volksschulen von <hi rend="italic">G. Geppert</hi>, Vorsteher einer Knaben-Unterrichts-Anstalt. Preis 14 Sgr. oder 17 1/2 Sgr. oder 1 fl. 3kr. </p>
         <p>Der durch seine frühern literarischen Leistungen bekannte Herr Verf. bietet hier seinen jüngern Amtsbrüdern, namentlich den angehenden Lehrern der <hi rend="italic">untern</hi> Klassen der Volksschulen, einen Leitfaden für den <hi rend="italic">Religions</hi>-<hi rend="italic">Unterricht</hi>, als Ergebniß seiner pädagogischen Erfahrungen, dar. Indem dieses Handbuch vorzugsweise bei'm Vortrage biblischer Geschichten benutzt werden soll, um eine hervorgehobene Lehre zu entwickeln, und an's Herz zu legen, so wird dasselbe den Lehrern der Volksschulen um so mehr ein willkommener Führer seyn.</p>
       </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
    </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

