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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 10. September 1837, Nro. 73</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher>Beata Mache</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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<country>Germany</country>
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            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
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                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="73">10. September 1837, Nro. 73</title>
                  <editor>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
                     </persName>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-09-10</date>
                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <language ident="deu">German</language>
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         <p rend="UKZ 1 Titel">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/>
            für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, <lb/>
            katholischen, und israelitischen Deutschland's.<lb/>Frankfurt a. M., den 10. September 1837. Nro. 73.</p>
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         <head>
        Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Gegenwärtiger Zustand der katholisch kirchlichen Verhältnisse in <hi rend="italic">Holland</hi>. A. d. Franz. Vierter Artikel. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>. <hi rend="italic">Nordamerika</hi>. <hi rend="italic">Canada</hi>. <hi rend="italic">Montreal</hi>; Unterthanentreue der Katholiken; Erklärung der römisch-kath. Bewohner von Nieder-Canada. <hi rend="italic">Vereinigte Staaten von Nordamerika</hi>. <hi rend="italic">Newyork</hi>; Auftritt in der deutsch-reformirten Kirche. — <hi rend="italic">Afrika</hi>. <hi rend="italic">Algier</hi>; muhamed. Prediger. <hi rend="italic">Oran</hi>; Unterstützung der Israeliten. — <hi rend="italic">Frankreich</hi>. <hi rend="italic">Paris</hi>; Ernennung; prot. Missionare; prot. Bibelgesellschaften. <hi rend="italic">Limonges</hi>; Mildthätigkeit des Bischofs. <hi rend="italic">Montaban</hi>; Ernennung. — <hi rend="italic">Holland</hi>. Aus dem <hi rend="italic">Haag</hi>; Ordensverleihung; Aufstellung von Apostel-Statuen in der kathol. Kapelle. <hi rend="italic">Zwolle</hi>; Ernennung. <hi rend="italic">Rotterdam</hi>; Separation von der reformirten Kirche; Schicksale der Separirten, und Maßregeln derselben; über die luth. Kirche; — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Oldenburg</hi>. <hi rend="italic">Oldenburg</hi>; vollständige Mittheilung der Uebereinkunft mit Preußen in Betreff der <hi rend="italic">kathol</hi>. Angelegenheiten. <hi rend="italic">Hannover</hi>. <hi rend="italic">Hannover</hi>; Bibelgesellschaft. <hi rend="italic">Göttingen</hi>; Todtenfeier. <hi rend="italic">Hildesheim</hi>; Ankunft des päpstl. Internuntius. <hi rend="italic">Emden</hi>; Anwesenheit des Oberschulraths <hi rend="italic">Kohlrausch</hi>. <hi rend="italic">Osnabrück</hi>; Todesfall. <hi rend="italic">Nassau</hi>. <hi rend="italic">Wiesbaden</hi>; neuer evangel. Landesbischof. <hi rend="italic">Ems</hi>; Einweihung einer Synagoge. —</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth</hi>. An den Verfasser der 13 Thesen über den Talmud. Von Dr. M. <hi rend="italic">Creizenach</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">Jakob Benignus Bossuet</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Meaux</hi>. Von E. <hi rend="italic">de Cazales</hi>. A. d. Franz. (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">Strauß</hi> Streitschriften etc. Rec. vom Cand. A. <hi rend="italic">Boden</hi> in Oldenburg (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi> <lb/>|Sp. 1151|
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
            † Gegenwärtiger Zustand der katholisch-kirchlichen Verhältnisse in <hi rend="italic">Holland</hi>.</head>
         <p>Aus dem Französischen des Univers.</p>
         <p>Vierter Artikel. Statistik der sieben katholischen Kirchen-Distrikte.</p>
         <p>Wir haben früher (Univ.-K.-Ztg. No. 39, 46, 49) im Allgemeinen die ursprüngliche Einrichtung und den gegenwärtigen Zustand der sieben Kirchen-Distrikte, welche in den nördlichen Provinzen des Königreichs der <hi rend="italic">Niederlande</hi> vorhanden sind, geschildert. Jetzt wollen wir in kurzen Worten eine Uebersicht von dem Zustande eines jeden Distriktes am 1. Januar 1837 geben.</p>
         <p>I. <hi rend="italic">Die Mission von Holland</hi>. Sie zerfällt in sieben Erzpriesterschaften, die von eben so vielen Erzpriestern verwaltet werden, und welche unter unmittelbarer Direktion des Vice-Superiors der Mission, Msgr. A. <hi rend="italic">Antonucci</hi>, Geschäftsträgers des h. Stuhles am niederländischen Hofe, stehen. Die Erzpriesterschaften sind folgende und zählen die beigesetzten Stationen oder Kirchspiele:</p>
         <p>1) Die Erzpriesterschaft von 	Holland und Seeland 179 Stationen.</p>
         <p>2) 				Utrecht		64</p>
         <p>3) 				Geldern 		56</p>
         <p>4) 				Friesland		31</p>
         <p>5) 				Salland u. Drenthe 	27</p>
         <p>6) 				Twente		30</p>
         <p>7) 				Gröningen		11</p>
         <p>Ueberhaupt			398 Stationen.</p>
         <p>Diese Stationen sind in den nördlichen Provinzen in folgender Ordnung belegen: <hi rend="italic">eine</hi> im nördlichen Braband; <hi rend="italic">sechs und sechzig</hi> in Geldern; <hi rend="italic">hundertacht</hi> im Nördlichen Holland; <hi rend="italic">ein und achtzig</hi> in südlichen Holland; <hi rend="italic">acht</hi> in Seeland: <hi rend="italic">sieben und dreißig</hi> in der Provinz Utrecht; <hi rend="italic">ein und dreißig</hi> in Friesland; elf in Gröningen und <hi rend="italic">drei</hi> in Drenthe.</p>
         <p>Die erste dieser Erzpriesterschaften, als die beträchtlichste, ist in acht Dekanate eingetheilt und hat ihr großes und kleines Seminar in abgesonderten Gebäuden. Die übrigen haben ein |Sp. 1152| gemeinschaftliches großes Seminar. Professoren sind 12 angestellt auf 150 Zöglinge, wovon ein Drittheil auf das kleine Seminar kommt.</p>
         <p>Die 393 Kirchspiele haben 437 Kirchen mit 650 Priestern, wovon 398 den Titel als <hi rend="italic">Pfarrer</hi>, die übrigen als <hi rend="italic">Kaplane </hi>haben, 361 Weltpriester und 37 Ordensgeistliche sind, nämlich 21 Franziskaner, 10 Dominikaner, 4 Jesuiten und 2 Augustiner. Die Gesammtzahl der Ordensgeistlichen beläuft sich auf vielleicht 100, die aber nicht von der Regierung anerkannt sind. Die katholische Bevölkerung der Mission wird auf 480,000 Seelen angegeben.</p>
         <p>II. <hi rend="italic">Das General</hi>-<hi rend="italic">Vikariat von Herzogenbusch</hi>. Es zerfällt in neun Dekanate unter Verwaltung des Apostolischen Administrators <hi rend="italic">Den Dubbelden</hi>. Derselbe wurde im Jahr 1834 zum Ritter des Ordens vom belgischen Löwen ernannt, nachdem er bereits im Jahr 1832 vom Papste die Vollmacht erhalten hatte in seinem Vikariate die Firmung zu vollziehen, die nach und nach auch den Superioren des III. IV. und V. Distriktes ertheilt wurde.</p>
         <p>Das Vikariat umfaßt 137 Kirchspiele, wovon 131 im nördl. Braband, 5 in Geldern und 1 in Limburg belegen sind. Davon werden 2 durch Franziskaner, 15 von ehemaligen Priestern der St. Bernhards, Postel- und Fongerlo-Abteien, die übrigen aber von Weltgeistlichen versehen werden. Die Kirchspiele haben 153 Kirchen mit 230 Priestern, 137 mit dem Titel Pfarrer, oder Regenten, die übrigen als Kapläne oder Gehilfen. Der Distrikt hat sein großes und kleines Seminarium mit 13 Professoren für 180 Zöglinge. Außerdem widmen sich noch einige geistliche Congregationen dem Unterrichte der Jugend und der Krankenpflege. Die Bevölkerung wird auf 200,000 Katholiken angeschlagen.</p>
         <p>III. <hi rend="italic">Das Apostolische General-Vikariat des holländischen Antheils an dem ehemaligen Bisthum Roermund </hi>ist in drei Dekanate eingetheilt und wird von G. Hermans, seit 1832 Ritter vom Orden des belgischen Löwen, verwaltet. Es enthalt 63 Kirchspiele, wovon 22 im nördlichen Braband, 35 in Geldern und 7 in Limburg belegen sind. Davon werden 7 durch Ordensgeistliche, 3 von Franziskanern, 2 von Dominikanern, 1 von Jesuiten und 1 von Karmelitern, die übrigen von Weltgeistlichen versehen. In sämmtlichen Kirchspielen befinden sich 71 Kirchen mit 109 Priestern, nämlich 54 Pfarrern, oder <hi rend="italic">Desservanten</hi>, die andern Kapläne oder Vikare. Gewöhnlich machen die Geitslichen dieses Distrikts ihre Studien |Sp. 1153| im Seminar des zweiten Distriktes, weil er selbst kein eigenes hat.</p>
         <p>In diesem Distrikte gibt es noch mehrere Mönchs- und Nonnen-Klöster, die seit ihrer Aufhebung im Jahr 1812 nur von wenigen Personen bewohnt werden, indem ihnen die Regierung im Jahr 1814 erlaubte, ihre Tage in denselben beschließen zu dürfen, jedoch nur unter der ausdrücklichen Bedingung, keine Novizen aufzunehmen und der Pension, die ihnen nach dem kaiserl. Dekrete vom 14. Nov. 1811 zukam, zu entsagen. Die katholische Bevölkerung wird auf 65.000 Seelen angeschlagen.</p>
         <p>IV. <hi rend="italic">Das Apostolische Vikariat des holländischen Antheils an dem ehemaligen Bisthum Antwerpen </hi>hat nur 2 Dekanate, welche vom Apostolischen Administrator van <hi rend="italic">Hooydonk</hi>, der 1834 zum Ritter des Ordens vom belgischen Löwen ernannt wurde, verwaltet werden. Es umfaßt 57 Kirchspiele, sämmtlich im Nordbraband belegen, bis auf etwa 10, denen Ordensgeistliche aus den ehemaligen Abteien Fongerlo und St. Bernard an der Schelde vorstehen, von Weltgeistlichen versehen. Der Distrikt hat 54 Kirchen mit 100 Priestern, 54 Pfarrer, die übrigen Kaplane; ein Seminar mit 3 Professoren und 26 Zöglingen; ein Norbertiner Nonnen-Kloster mit 29 Frauen; ein Beguinen-Stift und drei religiöse Stiftungen für den Unterricht der Jugend. Die kathol. Bevölkerung beträgt 85,000 Seelen.</p>
         <p>V. <hi rend="italic">Das Apostolische Vikariat von Ravenstein und Megue </hi>verwaltet von Hrn. Boor, hat nur 18 Pfarren, alle im nördlichen Braband belegen mit 30 Kirchen oder Kapellen mit eben so viel Priestern, von den 18 den Titel Pfarrer, die übrigen den von Kaplänen haben. An dem Seminar von einigen 40 Zöglingen lehren 3 Professoren. Auch bestehen noch einige Mönchs- und Nonnenklöster unter denselben Bedingungen, wie im III. Distrikte. Die kathol. Bevölkerung wird auf 18,000 Seelen angegeben.</p>
         <p>VI. <hi rend="italic">Das bischöfliche Commissariat holländischen Antheils des Bisthums Gent ist zur Zeit der Obsorge von Msgr. Antonucci</hi>, Geschäftsträger des h. Stuhles in den Niederlanden und Vice-Superior der Mission von Holland, anvertraut.</p>
         <p>Dieser Distrikt ist auf dem Fuße des Concordats von 1801 und nach den organischen Artikeln des Gesetzes vom 18. Germinal, Jahr X, eingerichtet. Nach der zu jener Zeit gemachten Umschreibung enthält es eine Pfarrei erster Klasse, fünf zweiter Klasse und drei und dreißig Succursalstellen. Von den letztern bestehen siebzehn nur dem Namen nach und halten sich in Ermangelung von Kirchen zu den benachbarten Pfarreien oder Succursalstellen. Daher übersteigt die Zahl der Kirchspiele nicht zwei und zwanzig worunter sich einige befinden, deren Kirchen auf belgischem Territorium belegen sind, während die andern ein und zwanzig Kirchen in Seeland besitzen, die durch einen Pfarrer erster Klasse, fünf zweiter Klasse, fünfzehn Desservanten und vier Vikare versehen werden. Im Distrikte leben 30.000 Katholiken.</p>
         <p>VII. <hi rend="italic">Das General-Vikariat von Maestricht und Luikgestel</hi> gegenwärtig unter Verwaltung des Apostolischen Administrators des General-Vikariats von Herzogenbusch, Den <hi rend="italic">Dubbelden</hi>, der dazu von dem Bischofe von <hi rend="italic">Lüttich</hi> besonders delegirt ist, gleichfalls nach dem Concordate von 1801 und dem Gesetze vom 18. Germinal, Jahr X. Es zählt zwei Pfarreien, erster Klasse, vier Succursalstellen, hat 7 Kirchen, von 2 Pfarrern, 4 Desservanten und 20 Vikaren versehen. Die katholische Bevölkerung wird auf 22,000 Seelen angeschlagen.</p>
         <p>Nach dem Vorstehenden bestehen die <hi rend="italic">sieben</hi> Distrikte aus 7 Erzpriesterschaften, 22 Dekanaten, 696 Kirchspielen oder Stationen, 773 Kirchen, 696 Pfarrern und Desservanten, 476 Kaplänen oder Vikaren und beinahe 900,000 Einwohnern.</p>
         </div>
         <div type="kn">
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Nordamerika. </hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Canada.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Montreal</hi>. Die papineausche oder französische Partei in Nieder-Canada gefällt sich darin, ihre Beschwerden mit denen Ir- |Sp. 1154| land's und ihr Haupt mit dem irischen Großagitator zu vergleichen. In Einem aber, abgesehen von anderen Verschiedenheiten trifft diese Vergleichung nicht zu. Während nämlich in Irland die kathol. Geistlichkeit das wirksamste Werkzeug der Agitation ist ist der <hi rend="italic">katholische Klerus</hi> in Nieder-Canada von seinem Haupte, dem Bischof von <hi rend="italic">Montreal</hi>, angewiesen worden, den katholischen Gemeinden vorzustellen, daß Empörung gegen die Behörden und Uebertretung der Gesetze nicht erlaubt sey, und zugleich Niemand zu absolviren, der die Ansicht ausspreche oder durch seine Handlungsweise darlege, als sey Rebellion gegen die Regierung oder Übertretung der Gesetze, besonders gegen das Schmuggeln, erlaubt.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merkur)</p>
         <p>†− den 18. Juli. Die römisch-katholischen Bewohner der Provinz <hi rend="italic">Nieder</hi>-<hi rend="italic">Canada</hi> haben sich, in strikter Opposition gegen die <hi rend="italic">französische</hi> oder <hi rend="italic">papineau'sche</hi> Partei, insgesammt <hi rend="italic">für die englische Regierung</hi> erklärt, und dadurch jener alle Aussicht auf den Erfolg ihrer Sache benommen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>†− Ein französisches Blatt sagt hierüber: Das ist ein getreues Bild von dem Zustande, in welchem sich die religiöse Autorität bei den Protestanten befindet. Aber wo ist diese Autorität, und wem steht sie zu? Wem von den Geistlichen der verschiedenen Secten — und deren gibt es ja Tausende — ja selbst, welchem von ein und derselben Secte darf man glauben? Woher stammt ihre Vollmacht, nicht um zu sagen, den Gehorsam zu befehlen, sondern auf irgend eine Weise das göttliche Wort zu lehren? Sie disputiren mit einander, sie schlagen sich, ihre Parteigänger mischen sich mit hinein; wer aber macht den Kampfrichter zwischen ihnen? Bringt die Diskussion kein Resultat hervor, müssen sie darum mit Stockschlägen aufhören, und ist das Obsiegen der Stärke immer der triftigste Grund?</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Vereinigte Staaten von Nordamerika.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">New</hi>-<hi rend="italic">York</hi>, 25. Juli. Folgender ärgerlichen Auftritt, hatte gestern in der <hi rend="italic">deutschen</hi> reformirten Kirche, in der Forsyth-Straße, statt: Gegen 11 Uhr traten zwei rivalisirende Geistliche, jeder von seinen Anhängern gefolgt, in die Kirche ein und machten sich den Zutritt zur Kanzel streitig. Man kämpfte mit Stökken und mit Eisen beschlagenen Mitteln; selbst die Zierrathen des Altars wurden abgerissen und als Waffen benutzt. Beide Parteien bemächtigten sich mehreremale abwechselnd der Kanzel, wurden aber immer wieder verdrängt. Indessen wurde Sturm geläutet; die Pompiers erschienen mit ihren Spritzen, um die Hitze der Kämpfenden durch Strahlen kalten Wassers zu löschen. Die Polizei zwang endlich beide Parteien, die Kirche zu verlassen. Beide Geistliche schlugen sich wie Athleten. Ihre Kleider wurden gänzlich zerfetzt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. M.)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Afrika.</hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Algier.</p>
         <p>† − <hi rend="italic">Algier</hi>, 12. Aug. Seit einiger Zeit befindet sich ein sehr wichtiger Mann in der Gegend von Algier. Es ist <hi rend="italic">Abdel</hi>-<hi rend="italic">Kader ben Dschelani</hi>, Haupt einer der ausgezeichnetsten Familien in Irak Arabi, zu Bagdad ansässig, ein Nachkomme der dortigen Kalifen. Alle Araber von den umwohnenden Stämmen besuchen ihn und bringen ihm Gaben dar. Er predigt vollkommene Duldsamkeit. Wer, sagt er, glaube, daß der Koran gebiete, die Christen zu bewegen, verstehe denselben schlecht; vielmehr lehre er, daß die Religionen Muhamed's und Jesu Schwestern seyen, und ihre Bekenner gleichermaßen vor Gott Gnade finden können.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Moniteur Algérien)</p>
         <p>† − <hi rend="italic">Oran</hi>, 1. Aug. Herr James v. <hi rend="italic">Rothschild</hi>, gerührt von dem Elend der von Mascara nach Oran und Tlemecen geflüchteten Israeliten, hat diesen ein Geschenk von 10,000 Francs gemacht. Diese Summe wurde zu Oran unter die bedrängtesten Familien durch die Sorgfalt des Herrn Civil-UnterIntendanten, und zu Tlemecen vermittelst des Herrn Ober-Commandanten der Stadt vertheilt. Die unverhoffte Hilfe für so viele Unglückliche hat Freude unter allen Familien verbreitet, welche ihre Dankbarkeit für den Wohlthäter durch das lebhafteste Entzücken ausgedrückt haben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Courrier franc.)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="normalweight">|Sp. 1155|</hi>
            <hi rend="italic"> Frankreich.</hi>
         </p>
         <p>† − <hi rend="italic">Paris</hi>, 16 August. <hi rend="italic">Gregor XVI</hi>. sey in Ewigkeit gelobt! Die Benediktiner sind in Frankreich wieder hergestellt. Durch eine Bulle wird das Haus zu <hi rend="italic">Solesmes</hi> zur Abtei erhoben und ein besonders Breve ernennt den bisherigen Superior <hi rend="italic">Queranger</hi> zum Abte, Seine Investitur fand am 30. Juli zu Rom statt. Der neue Abt empfing Krummstab, Mitra und Ring. Seine Jurisdiktion beschränkt sich nicht auf die Abthei Solesmes allein, sondern erstreckt sich über alle Benediktiner-Klöster, die in Frankreich noch errichtet werden möchten. — Die arbeitsamen Priester, welche sich zu Solesmes vereinigt haben, werden in diesem päpstlichen Acte eine positive und köstliche Weihe ihres frommen Berufes, so wie eine süße Belohnung für ihre edelmüthige Hingebung finden. Alle Gläubigen, die gesammte Geistlichkeit der Diözese Mons insbesondere, werden sich freuen, die muthvollen Kinder des h. Benedict bei uns wieder aufleben zu sehen; es gibt eben so heut zu Tage, als zur Zeit ihrer eifrigsten Arbeiten und zur Zeit ihres größten Ruhmes Felder genug zu roden. Ihnen ist eine große Sendung zu Theil geworden; sie werden sie durch Gottes Gnade zum Triumph des Glaubens in Erfüllung bringen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>— Seit einiger Zeit ziehen in mehreren Gegenden von Frankreich protestantische Missionäre umher, welche unter dem besonderen Patronat der Herzoginn von <hi rend="italic">Orleans</hi> zu stehen vorgeben und sich dadurch bei den Maires mehrerer katholischen Gemeinden Eingang zu verschaffen gewußt und das Volk gegen die kathol. Geistlichkeit und gegen die Bischöfe aufzuregen gesucht haben. Daß das Gouvernement diese Dinge mit Stillschweigen übergehen werde, läßt sich kaum glauben, so wie es auch wohl angenommen werden kann, daß J. k H. die Prinzessinn <hi rend="italic">Helene </hi>nur verläumderischer Weise eine so unkluge Theilnahme an dergleichen groben Proselytirungsversuchen zugeschrieben werden kann.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Neue Würzb. Ztg.)</p>
         <p>— Das Journal du Commerce enthält einen Artikel wornach in Lyon, in Macon, Tournus und andern Theilen Frankreichs der <hi rend="italic">Protestantismus</hi>, besonders durch die Thätigkeit der protestantischen <hi rend="italic">Bibelgesellschaften</hi>, bedeutende Fortschritte macht.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. Merk.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Montaban</hi>, 28. Novbr. 1836. An unsere protestantisch-theologische Fakultät ist vor Kurzem durch eine Verordnung des Herrn <hi rend="italic">Guizot</hi>, Ministers des öffentlichen Unterrichts, Hr. <hi rend="italic">Monod</hi> (Adoph), einer der Söhne des verewigten Präsidenten und Pfarrers Monod zu Paris, als provisorischer Professor der Moral ernannt worden. Diese Ernennung hat, wegen der früheren Verhältnisse des Hrn. <hi rend="italic">Monod</hi>, allgemeines Aufsehen erregt. Es war nämlich derselbe eine Zeitlang Pfarrer zu <hi rend="italic">Lyon</hi>, woselbst er sich durch seine methodistischen Predigten und übertriebenen religiösen Ansichten die Abneigung des größten Theiles der Gemeinde zuzog; er trieb selbst die Sache so weit, daß er im J. 1831 mußte von seinem Amte entsetzt werden. Er errichtete hierauf in Lyon eine Separatisten — Capelle, welche die Autorität des Consistoriums nicht erkannte. Daher war es natürlich, daß von Seiten mehrerer Consistorien dem Minister Vorstellungen eingereicht wurden, als derselbe diesen jungen Mann zum einstweiligen Professor an der hiesigen Fakultät ernannt hatte. Diese Vorstellungen blieben jedoch fruchtlos; denn Herrn <hi rend="italic">Monod's </hi>theologische Ansichten haben zu Paris in den höheren Ständen mächtige Gönner. Am 17. d. hatte die Eröffnung der theologischen Vorlesungen bei unserer Fakultät für das Lehrjahr 1836—1837 statt, und zugleich wurde Hr. <hi rend="italic">Monod</hi> in seiner neuen Eigenschaft feierlich vorgestellt. Dieser letztere Umstand hatte eine sehr große Zuhörerzahl herbeigeführt. Hr. <hi rend="italic">Bonnard</hi>, Dekan der Fakultät, führte mit einer höchst interessanten, salbungsvollen Rede den jungen Professor ein und ertheilte ihm die üblichen Rathschläge, welche er unter dem bescheidenen Namen Hoffnungen ausdrückte. Hr. <hi rend="italic">Monod</hi> aber hat in seiner Eröffnungsrede, welche von vielem religiösen Eifer zeugt, und durch welche er auch die wegen seiner Ernennung aufgeregten Gemüther zu beruhigen suchte, wenig fruchtbare und erhabene Ansichten ausgesprochen, auch keine Beredtsamkeit gezeigt; durch dieselbe wurde man sogar in der Ueberzeugung, daß er eines freisinnigen Geistes ermangele, noch mehr bestärkt. — Unsere Fakultät besteht gegenwärtig aus folgenden sechs Personen: die HH. <hi rend="italic">Bonnard</hi>, |Sp. 1156| Dekan (hebräischer Sprache); <hi rend="italic">Jalaguier</hi> (Dogmatik); <hi rend="italic">Montet</hi> (Kirchengeschichte); <hi rend="italic">Floris</hi> (Philosophie); <hi rend="italic">Encontre</hi> lateinische und griechische Literatur); <hi rend="italic">Monod</hi> (Moral und Kanzelberedsamkeit). </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A.-K.-Ztg.)</p>
         <p>† − <hi rend="italic">Limonges</hi>, 30. Juli. Vor einigen Tagen begegnete der Bischof von Limonges auf der Straße einem armen Maurer, der bei der Arbeit durch den Fall eines Steins verwundet worden war. Er ließ seinen Wagen halten, ließ den Unglücklichen einsitzen, der kaum noch fort konnte, brachte ihn bis zu seiner Wohnung und verließ ihn erst, als er ihm die Mittel zu seinem vorerst nothwendigen Bedarfe behändiget hatte. Am folgenden Tage empfahl er ihn den achtbaren barmherzigen Schwester zur Sorgfalt und der Arme segnet täglich die Vorsehung, welche ihm durch die Hände des ehrw. Bischofs, den jede Minute seines Lebens durch Handlungen der Wohlthätigkeit bezeichnet, die nie vergebens in Anspruch genommen wird, die so dringend notwendige Hilfe angededeihen ließ. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Gazette du Limousin)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Holland.</hi>
         </p>
         <p>† − <hi rend="italic">Aus dem Haag</hi>, 10. Juli. Graf <hi rend="italic">Merci d'Argenteau</hi> päpstl. Nuntius am Münchener Hof, hat vom König <hi rend="italic">Wilhelm</hi> das Commandeur-Kreuz des niederländischen Löwenordens erhalten. — Diese Verleihung hat bei Manchen zu besondern Vermuthungen geführt. Sie zerfallen aber in Nichts, wenn man sich erinnert, daß Graf <hi rend="italic">Merci d'Argenteau</hi> früher Oberadjutant unsers Königs gewesen und Se. Maj. demselben bei seinem neulichen Besuch durch dieselbe ein Zeichen seines nicht erloschenen, besonderen Wohlwollens geben wollte.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Journ. de la Haye)</p>
         <p>† − den 25. Juli. Der heutige Tag wurde durch eine für alle gläubigen Katholiken eines der Kirchspiele sehr rührende Feierlichkeit bezeichnet. Die Stadt stand vor der Reformation unter dem Schutze des h. <hi rend="italic">Jakobus des Größern</hi>, Märtyrers und Apostels, und besitzt noch eine große geräumige Kirche von gothischer Bauart, zu ehemaligen Klostergebäulichkeiten gehörend. Bis zum Jahr 1578 war sie Eigenthum der Katholiken gewesen, wurde ihnen aber damals durch die Neuerer entrissen, wodurch die Gläubigen gezwungen wurden, sich fast nur im Geheimen zu versammeln. Dieß geschähe zwei Jahrhunderte hindurch in einem Betsaale in einer finstern Gasse, oder in den Kapellen der französischen oder spanischen Gesandtschaft u. s. w. <hi rend="italic">Ludwig Napoleon</hi> räumte ihnen 1807 eine ehemalige katholische Kapelle ein, in welcher die Mitglieder der wallonisch-reformirten Gemeinde ihren Gottesdienst ausgeübt hatten. Diese hinlänglich große Kapelle, welche die alte gothische Kirche ersetzte, wurde unter den Schutz des hl. <hi rend="italic">Jakob des Größern</hi> gestellt, besaß aber kein Denkmal, das die Katholiken an das Andenken ihres apostolischen Beschützers hätte erinnern können. Zum Oeftern war die Rede davon gewesen, diesem Tempel eine so notwendige Zierde zu verschaffen, jedoch erfolglos, bis der gegenwärtige Pfarrer und Distrikts-Dekan Sem sich an den berühmtesten Künstler des Landes, den Bildhauer L. Royer wendete und von ihm eine Statue des hl. Jakob und eine des hl. Andreas verlangte, dem ehemaligen Schutzpatrone der Kapelle. Dieser geschickte Bildner hatte die glückliche Idee, den h. Jakob unter der demüthigen Pilgergestalt mit dem Knotenstock und der Kürbisflasche in der Rechten, des h. Evangelium in der Linken, darzustellen; den Apostel St. Andreas aber wie er das Kreuz (in griechischer Form) umfaßt und noch laut auszurufen scheint, als am Tage seines Märtyrerthums: „Ich begrüße Dich, köstliches Kreuz; nimm mich auf in Deine Arme; lange schon begehre ich Dein und suche Dich auf!“ —</p>
         <p>Heute am St. Jakobsfeste wurden beide Standbilder an den Eingangssäulen aufgestellt und von dem Hrn. Bischof von <hi rend="italic">Curium</hi>, der eine Pontifikal — Messe, assistirt von einer großen Anzahl Priester der Umgegend, hielt, geweiht und eingesegnet. Die gebräuchliche Predigt wurde vom Professor <hi rend="italic">Pluyen</hi> am theologischen Seminar von <hi rend="italic">Narmond</hi> gehalten. Eine unzählige Menge füllte das Gotteshaus, entzückt von dem Anblicke des Bildes ihres Hirten. Die Kosten der beiden Statuen, wahrer Meisterwerke, sind durch eine Haussammlung bei den Kirchspielsangehörigen, welcher sich der eifrige Pfarrer, nebst seinen beiden Kaplänen, <hi rend="italic">van der Scott</hi> und <hi rend="italic">Meyer</hi>, selbst unterzog, gedeckt worden. Einige fromme Damen schenkten zugleich zwei |Sp. 1157| Kronen, ein Zepter und einen Heiligenschein von 12 Strahlen von Silber für die Statue der h. Jungfrau und das Jesuskind, welche in derselben Kapelle aufgestellt ist. Man schätzt diese Gegenständ auf 2500 Fr. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>† − <hi rend="italic">Zwolle</hi>. Zum Erzpriester über die Distrikte Salland und Drenthe, der zugleich Pfarrer zu <hi rend="italic">Zwolle</hi> ist, wurde durch den Vice-Superior der niederländischen Mission Hr. <hi rend="italic">Antonucci</hi> an die Stellen von J. H. <hi rend="italic">Müller</hi> der Pfarrer <hi rend="italic">Heinrich van Kessel</hi> zu <hi rend="italic">Assen</hi> ernannt.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(De Godsdienstvriend. Aug. 1837)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rotterdam</hi>. Hier in Holland nimmt die <hi rend="italic">Separation</hi> von der (reform.) Kirche immer zu, und gibt Veranlassung zu gerichtlichen Verfolgungen von Seite der Regierung, die nicht erlaubt, daß mehr, als 19 Separirte sich mit einander versammeln, die nach dem (französischen) Strafkodex für politische Versammlungen gestattete Zahl. Diese Maßregeln schmerzen tief, denn ich kenne theure Kinder Gottes unter diesen Getrennten. Dennoch konnte ich bis jetzt mich nicht an sie anschließen. In den Glaubensgrundsätzen stimme ich völlig mit diesen Freunden überein, aber sie wollen das alte Gebäude gänzlich wieder aufbauen, und von Neuem Mauern aufrichten, die nach meiner Ansicht, <hi rend="italic">der Herr</hi> hat einstürzen lassen. Ich glaube, es bereitet sich ein neuer Zustand; der Herr wird sich in allen äußeren Gemeinschaften seine Schaaren sammeln, und sein Geist wird das Band seyn, nicht aber all' jene Verträge, Unterschriften und Disciplinen, deren Unzugänglichkeit wir hinreichend erfahren haben. Ich fürchte mich, von der Stelle zu weichen, wohin der Herr mich versetzt hat, und ich hätte die feste Ueberzeugung nicht, daß Er es wäre, der mich aufbrechen hieße. Selbst wenn wir glauben, für die Sache Gottes zu wirken, wirken wir oft nur für uns selbst. — Lasset uns einander trösten und ermahnen. Aus uns haben wir keine Kraft. Der Herr lasse uns aufblicken zu ihm, und seiner Wiederkunft harren.</p>
         <p>— Den neuesten Nachrichten zufolge dauert das Trauerspiel des Kampfes einer geistig erstorbenen Nationalkirche gegen die in ihrer Mitte sich erhebende christlich-lebendige Separatkirche in diesem Lande immer noch fort. Die Kirche, d. h. die Staatsgewalt, mit der sie verschmolzen ist, sucht durch alle möglichen fleischlichen Waffen die Flammen der religiösen Bewegung, die ihr morsches Gebäude zu verzehren drohen, niederzudrücken, was ihr doch ohne Anwendung eigentlich blutiger Maßregeln nicht gelingen dürfte. Die <hi rend="italic">Separirten</hi> werden mit den schwersten Geldbußen und Gefängnisstrafen belegt, ausgepfändet, durch Exekutionstruppen geplagt und ausgesogen, durch den Pöbel mißhandelt, geschlagen, gesteinigt vor den Augen der Behörden, die dazu schweigen oder anreizen; aber allen diesen Ungerechtigkeiten setzen sie eine hartnackige Beharrlichkeit auf ihren Separationsgrundsätzen entgegen. Das Ganze wird wohl mit einer allgemeinen Auswanderung der Unterdrückung sich endigen, und also mitten in einem protestantischen Lande, unter einem protestantischen Fürsten Evangelischgesinnte dasselbe Schicksal treffen, wie die Salzburger Christen vor 100 Jahren unter der kathot. Geistlichkeit und die Zillerthaler heut zu Tage unter österreichischem Joche.</p>
         <p>— Weil die <hi rend="italic">Evangelischgesinnten</hi> dieses Landes ohne Gefahr, schwer gebüßt, mißhandelt oder eingekerkert zu werden, ihren Gottesdienst weder in Kirchen noch in Privathäusern ausüben dürfen, so sind sie auf den Gedanken gekommen, sich auf der Zuydersee (einem weiten Meerbusen) von ihren vertriebenen Geistlichen predigen und die Sakramente zu dienen zu lassen. So fahren sie von da und dort in den See hinaus, sammeln sich zum Anhören des göttlichen Wortes um das Schiff, das den geliebten Lehrer trägt, bringen ihm die Kinder zur Taufe u. s. f. und zerstreuen sich dann wieder, unangefochten von den nur zu Lande lauernden Polizeischergen, in ihre Heimath.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schweiz. evang, Kztg.)</p>
         <p>— Möchte ich Ihnen bald Erfreuliches aus der <hi rend="italic">lutherischen</hi> Kirche dieses Landes berichten können! Aber ach! in dieser ist es im Ganzen noch weit zurück. Und dabei meynen die Leute, den anderen weit voraus zu seyn! Menschlich gesprochen, ist es sehr zu bedauern, daß die einst mit Deutschland so eng verbundene lutherische Kirche Holland's sich neuerdings so ganz abgesondert und abgeschlossen hat. Und doch, ganz scheint sie den wiederbelebenden Einfluß der neueren christlichen Theologie Deutschland's nicht abwehren zu können. Der Herr helfe.“—</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Kchfrd. f. d. nördl. Deutschl.)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="normalweight">|Sp. 1158|</hi>
            <seg> </seg>
            <hi rend="italic">Deutschland.</hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Oldenburg.</p>
         <p>* <hi rend="italic">Oldenburg</hi>, 16. August, Nachstehend erfolgt die <hi rend="italic">vollständige</hi> Mittheilung des (in No. 67 der Univ.-K.-Ztg. bereits, aber nur auszüglich erwähnten k. preuß. Staatsvertrags zwischen Sr. Maj. dem Könige von <hi rend="italic">Preußen</hi> und Sr. k. Hoh. dem Großherzoge von <hi rend="italic">Oldenburg</hi> wegen Bestimmung der, aus dem Anschlüsse der katholischen Kirchen im Herzogthume <hi rend="italic">Oldenburg </hi>an die Diözese <hi rend="italic">Münster</hi> hervorgehenden staatsrechtlichen Verhältnisse:</p>
         <p>„Nachdem auf den Grund stattgehabter Unterhandlungen zwischen dem k. preuß. und dem großherzogl. oldenburgischen Hofe eine Vereinbarung über den Anschluß der katholischen Kirchen im Großherzogthume Oldenburg an die Diözese Münster durch den, von Sr. k. H. dem Großherzoge von <hi rend="italic">Oldenburg</hi> hierzu bevollmächtigten Staatsminister Baron <hi rend="italic">von Brandenstein</hi> mit dem päpstl. Vollzieher der, für die königl. preuß. Staaten erlassenen Circumscriptions-Bulle „de salute animarum“ Weiland Sr. Durchlaucht dem Prinzen <hi rend="italic">Joseph von Hohenzollern</hi>-<hi rend="italic">Hechingen</hi>, Fürsten-Bischöfe <hi rend="italic">von Ermland</hi>, unter'm 5. Jan. 1830 abgeslossenen und im Wesentlichen bereits zur Ausführung gebracht; hiernächst aber von Seiten der beiden betheiligten Höfe für angemessen erachtet worden ist, die aus der gedachten Diözesan-Verbindung hervorgehenden staatsrechtlichen Verhältnisse nach Maßgabe des dieserhalb vorwaltenden Bedürfnisses näher zu bestimmen; so sind zu diesem Ende zu Bevollmächtigten ernannt worden, von Sr. Maj. dem Könige von <hi rend="italic">Preußen</hi> Allerhöchstdero geheimer Legationsrath <hi rend="italic">Friederich Karl von Bülow</hi>, Ritter etc., von Sr. königl. Hoh. dem Großherzoge von <hi rend="italic">Oldenburg</hi> höchstdero Staatsrath Karl Friederich Ferdinand <hi rend="italic">Suden</hi>, Ritter etc., welche nach Anleitung jener früheren Verhandlungen über folgende Bestimmungen übereingekommen sind:</p>
         <p>Art. 1. Se. Maj. der König von <hi rend="italic">Preußen</hi> genehmigen, daß die bisherige Verbindung der katholischen Kirchen in den vormals Hochstift — Münsterschen Landestheilen des Großherzogthums Owenburg mit der Diözöse Münster erhalten und selbige auch auf die, zur Osnabrück'schen Diözese gehörig gewesenen, neuerlich aber von derselben getrennten Pfarreien Damme, Neuenkirchen und Holdorf ausgedehnt, ingleichen, daß die Verwaltung der katholischen Kirchen zu Oldenburg und Jever, deren frühere Verbindung mit der Nordischen Mission aufgelöst worden, von dem Bischofe zu <hi rend="italic">Münster</hi> nach gleichen Rechten geführt werde, als solche dem Fürst-Bischofe von <hi rend="italic">Breslau</hi> in der Bulle „de salute animarum“ in Ansehung der katholischen Kirchen zu Berlin und Potsdam beigelegt sind; und daß dasselbe in Beziehung auf die, von dem Bischofe zu Münster früher nach Missionsrechte geleitete katholische Kirche zu Wildeshausen stattfinde.</p>
         <p>Art. 2. Der Bischof zu <hi rend="italic">Münster</hi> wird bei'm Antritte seines Amtes in Beziehung auf sein Verhältniß zu den katholischen Kirchen im Herzogthum Oldenburg der großherzoglich oldenburgischen Staatsregierung einen Revers ausstellen, daß er den landesherrlichen Gerechtsamen Sr. kön. Hoh. des Großherzogs bei der Ausübung seiner bischöflichen Pflichten nicht zu nahe treten und auf die Gesetze des Herzogthums Oldenburg gehörige Rücksicht nehmen wolle. </p>
         <p>Art. 3. Wenn Sedisvacanz eintritt, wird das Domkapitel zu Münster Sr. königl. Hoheit dem Großherzog von <hi rend="italic">Oldenburg</hi> davon Anzeige machen, wie auch den Ausgang der Bischofswahl zu höchstdero Kenntniß bringen.</p>
         <p>Art. 4. Von Sr. Maj. dem Könige von <hi rend="italic">Preußen</hi> wird genehmigt, daß Se. k. Hoh. dem Großherzog von <hi rend="italic">Oldenburg </hi>an der Domkirche zu Münster zwei Ehrenkanonikate zu gleichen Einkünften und Rechten, als den übrigen Ehrenkanikaten an derselben Kirchen beigelegt sind, errichten.</p>
         <p>Art. 5. Ebenso genehmigen Se. kön. Maj. daß die dem olgenburgischen Theile der Diözese Münster bereits vorgesetzte und mit ausgedehnten Vollmachten versehene eigene geistliche Behörde (Offiziolat) dem Bischofe zu Münster, unabhängig von dem dortigen Generalvikariate, unmittelbar untergeordnet bleibe und während der Vakanz des bischöflichen Stuhles zu dem Domkapitel daselbst in gleichem Verhältnisse, wie bei besetztem Stuhle zu den Bischöfen stehe. </p>
         <p>|Sp. 1159| Art. 6. Die großherzoglich oldenburgischen Unterthanen sollen von dem Genusse der vormals gemeinsamen oder ihnen etwa eigenthümlichen Alt-Münster'schen Stiftungen nicht ausgeschlossen, vielmehr bei demselben erhalten werden.</p>
         <p>Art. 7. Was insbesondere das Klosterseminarium zu Münster nebst der damit verbundenen Kritinianischen Stiftung betrifft, so wird königlich preußischer Seits aus Rücksichten auf die Wünsche der großherzoglich oldenburgischen Staatsregierung und ohne Anerkennung einer diesfälligen Rechtsverbindlichkeit, nachgegeben, daß von den, bei diesem Institute befindlichen älteren Freistellen jedesmal <hi rend="italic">drei</hi> an qualifizirte Aspiranten aus dem oldenburgischen Bezirke der Münster'schen Diözese verliehen werden können. Die übrigen Aspiranten aus dem gedachten Bezirke sollen als Diözesanen unter gleichen Bedingungen, wie die königlich preußischen Unterthanen, aufgenommen werden.</p>
         <p>Durch die vorstehenden Bestimmungen werden die Hoheitsrechte Sr. Maj. des Königs von Preußen in Ansehung der gedachten Anstalt weder berührt noch beschränkt. Sollte die Einrichtung derselben wesentliche Veränderungen erleiden, so wird darauf Bedacht genommen werden, dem oldenburgischen Theile der Diöcese Münster die obenerwähnten Vorteile zu erhalten.</p>
         <p>Art. 8. Zu dem Eremiten- und Demeritenhause, welche der freigebigen Fürsorge Sr. Majestät des Königs von Preußen ihre Entstehung zu verdanken haben werden, hat der Klerus des Herzogthums Oldenburg zwar keinen unentgeldlichen Zutritt. Es werden indessen mit Zustimmung der königlichen Regierung zu Münster Mitglieder des oldenburgischen Klerus gegen billige, zu gewährende Entschädigung eintretenden Falles in die gedachten Anstalten aufgenommen werden.</p>
         <p>Art. 9. Wenn die großherzogl. oldenburgische Staatsregierung Sich etwa veranlaßt finden sollte, wegen besonderer Verhältnisse Ihrer Unterthanen zu dem päpstlichen Stuhle mit diesem in unmittelbare Verhandlung zu treten, und Selbige nicht etwa einen eigenen diplomatischen Agenten in Rom haben oder einen anderen dazu ausersehen möchte, so wird derselben dazu das k. preuß. Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, auf jedesmaliges besonderes Ansuchen dieserhalb, insofern sonst nichts entgegensieht, durch Vermittlung der königlichen Gesandtschaft zu Rom alle thunliche Erleichterung zu verschaffen suchen. — Sofern in Beziehung auf die katholischen Kirchen in der preußischen Monarchie überhaupt oder auf die Diözese Münster königl. preuß. Antheils insbesondere Bestimmungen getroffen würden, welche für den oldenburgischen Antheil dieser Diözese von besonderem Interesse seyn könnten, verspricht das königl. preuß. Gouvernement der großherzogl. oldenburgischen Staatsregierung, hierüber freundschaftliche Mittheilung zu machen.</p>
         <p>Art. 10. Der gegenwärtige Vertrag wird von Sr. Maj. dem Könige von Preußen und Sr. königl. Hoh. dem Großherzoge von Oldenburg ratifizirt werden, und die Auswechselung der Ratifikations-Urkunden soll binnen sechs Wochen, oder, wenn es geschehen kann, noch früher erfolgen. — Zu Urkund dessen haben die am Eingange genannten Bevollmächtigten denselben unterzeichnet und untersiegelt.</p>
         <p>So geschehen, <hi rend="italic">Berlin</hi> den 10. Mai 1837.</p>
         <p>(Folgen die Unterschriften.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Hannover.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Hannover</hi>, den 19. Aug. Die Bibelgesellschaft für das Königreich Hannover hat ihren Jahresbericht für 1836 veröffentlicht. Ihr Kassenvorrath von 1835 betrug 1787 Rthlr. 12 ggr. 11 pf., die Jahres-Einnahme 2511 Rthlr. 11 ggr. 2 Pf., die Ausgabe 2333 Rthlr. — 2 Pf.: sie behielt also für 1837 in Kasse 1965 Rthlr. 23 ggr. 11 pf. In den 22 Jahren ihres Bestehens hat die Gesellschaft verbreitet: 50,798 vollständige Bibeln, 6964 Neue Testamente, 136 Hebräische Bibeln.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Frankf. Journ.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Göttingen</hi>, den 7. Aug. Der 28. Julius war der von der Universität dazu bestimmte Tag, den Manen ihres erhabenen Beherrschers und Erhalters, Königs <hi rend="italic">Wilhelm IV</hi>., das Ihm schuldige Opfer der Pietät durch eine öffentliche Todtenfeier darzubringen. Es geschah dieses durch einen feierlichen Redeactus, wozu der Professor der Beredsamkeit, Hofrath Otfr. <hi rend="italic">Müller</hi>, im Namen der Universität durch ein Programm einlud, mit einer Einleitung: Praemissa est brevis de fortunatorum insulis dis- |Sp. 1160| putatio. Die Feier selbst geschah in der Universitätskirche, welche der Trauer gemäß dazu eingerichtet war. Der Chor der Kirche war schwarz drapirt, so wie auch der Katheder, über demselben die Inschrift: Regem Rectorem suum sibi ereptum luget Georgia Augusta, und darüber der Namenszug des Verewigten in einem Sternenkranze: zu beiden Seiten desselben stand eine Cypresse. Das Corps der Universität versammelte sich in Trauerkleidern auf dem Chor, das Schiff der Kirche so wie die Emporkirche war von den Studirenden, gleichfalls in schwarzer Kleidung, angefüllt. Die Feierlichkeit begann mit einer Trauermusik, nach welcher der Redner den Katheder betrat, und in einer lateinischen Rede die Gefühle der Verehrung und der Trauer ausdrückte, welche die Universität beseelten, und welche wir neulich schon bei Erwähnung seines letzten Geschenks laut werden zu lassen veranlaßt wurden. Mit einer zweiten Trauermusik endete die Feier.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Gött. gelehrte Anz.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Hildesheim</hi>, den 30. Aug. Am 25. d. M. ist der päpstliche Unter-Staatssekretär, Mons. <hi rend="italic">Capaccini</hi>, auf seiner Reise nach Hannover hier eingetroffen. Dieser ausgezeichnete Staatsmann und Gelehrte verweilte hier 3 Tage, nahm in Begleitung unsers Hochwürdigsten Bischofs das Sehenswerthe hiesiger Stadt in Augenschein, wohnte am Sonntage dem Gottesdienste in der hiesigen Kathedrale bei, und bezeigte überall die größte Zufriedenheit. Seine Excellenz reisten am 28. d. M. Abends, in Begleitung des, auf Urlaub im Vaterlande anwesenden, königl. Geschäftsträgers am päpstlichen Hofe, Herrn Legationsrath <hi rend="italic">Kestner</hi>, von hier nach Hannover ab. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Düsseld. Ztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Emden</hi>, den 21. Aug. Vom 16. bis zum 20. d. Mts. verweilte der Herr Ober-Schulrath <hi rend="italic">Kohlrausch</hi> in unserer Stadt, um das hiesige Gymnasium zum ersten Male zu inspiciren. Nach Beendigung dieses Geschäfts versammelten sich die Mitglieder des Magistrats, die Vorsteher der Stadtverordneten, einige Geistliche und Väter, deren Söhne das Gymnasium besuchen, und das Lehrer-Collegium am 19. im Locale des Clubbs „zum guten Endzweck“, um in Gesellschaft des Herrn Ober-Schulraths ein Mittagsmahl einzunehmen. Der Herr Senator <hi rend="italic">Metger</hi> dankte demselben in einem Toaste für seine Verdienste um das Gymnasium, und sprach den Wunsch aus, daß das Vaterland lange das Glück haben möge, den hochverdienten Mann an der Spitze des Schulwesens zu sehen; worauf der Hr. Ober-Schulrath auf das Gedeihen der neueingerichteten Anstalt, so wie auf das Wohl aller Derer trank, deren Bemühungen das Gymnasium seine Errichtung, Ausstattung und Förderung verdankt. — Gewiß kann die Anwesenheit eines Mannes, welcher ausgezeichnete Sach- und Menschenkenntniß mit einem hohen Grade wahrer Humanität verbindet, nur höchst wohlthätig auf Lehrer und Schüler eingewirkt haben! </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ostfries. Ztg.)</p>
         <p>* <hi rend="italic">Osnabrück</hi>, 2. Aug. Die Redaction des dahier erscheinenden theologischen, in vielfacher Beziehung interessanten protest. Zeitblattes <hi rend="italic">„Der Kirchenfreund für das nördliche Deutschland“ </hi>macht in seiner heutigen Nummer bekannt, daß ihr Mitglied, Hr. <hi rend="italic">Friederich Köhler</hi>, Pfarrer zu Vilsen in der Grafschaft Hoya, am 15. Juli durch ein hitziges Nervenfieber nach kurzem Krankenlager seiner Gemeinde und dem Kirchenfreunde entrissen worden ist, der ihm hauptsächlich seine Entstehung verdankte.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Nassau.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Wiesbaden</hi>, den 3. Sept. Sicherem Vernehmen nach ist der Direktor des Prediger-Seminars, Herr Professor Dr. <hi rend="italic">Heydenreich</hi> zu <hi rend="italic">Herborn</hi> zum evangelischen Landesbischof des Herzogthums <hi rend="italic">Nassau</hi> ernannt worden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Franks. J.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Bad Ems</hi>, den 25. Aug. Vor 8 Tagen, am Freitag den 18 d., ist die neue Synagoge der hiesigen israelitischen Gemeinde eingeweiht worden. Die herzogl. nassauischen Beamten und viele Gäste beehrten die Feierlichkeit mit ihrer Gegenwart. Der Prediatamtscandidat, Hr. Dr. <hi rend="italic">Wormser</hi> aus <hi rend="italic">Schwalbach</hi>, hielt bei derselben eine treffliche Rede über die Pflichten der Gemeindeglieder. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Rhein- und Mosel-Ztg.) <lb/>|Sp. 1161|</p>
         </div>
         <div type="ta">
         <head>
            Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="tais">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p><title> <hi rend="bold">An den Verfasser der 13 Thesen über den Talmud. Univ.-K.-Ztg. No. 70.</hi></title>
                 </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. M. </hi>
            <hi rend="italic bold">Creizenach</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Die in den religiösen Zuständen der Juden so traurige Erscheinung, daß im äußern Leben das Ritualwesen mit jedem Jahre weniger beachtet werde, besonders von denen, die eine gut geleitete Erziehung zum Denken gebracht hat, indeß die von den Rabbinen gehandhabte Lehre eine unbeugsame Stätigkeit behauptet, ist gewiß für jeden Juden, der wenigstens das Bessere zu ahnen glaubt, ein mächtiger Antrieb, den Versuch zu machen, ob nicht eine <hi rend="italic">freundliche</hi> Verständigung möglich sey, und hat mich im Jahre 1831 zur Herausgabe der 32 Thesen über den Talmud bewogen, die zum Theil schon in meiner früher herausgegebenen Zeitschrift <hi rend="italic">Geist der pharisäischen Lehre</hi> ihre Begründung finden. Diese Thesen blieben lange unbeachtet, weil die ältern Rabbiner überhaupt nicht geneigt scheinen, sich über ihre Lehre in öffentliche Erörterungen einzulassen. Als später in der Univ.-K.-Ztg. den theologischen Kontroversen eine neue Arena eröffnet wurde, schien es angemessen, einen Theil dieser Thesen und zwar diejenigen, welche nicht die Echtheit der Tradition sondern die Autorität des Talmuds betreffen, nochmals abdrucken zu lassen, um die Aufmerksamkeit der isr. Mitarbeiter auf dieselben zu lenken. Zur Begründung dieser Thesen überhaupt ist seit ihrer ersten Erscheinung, sowohl in den Büchern Thariag und Schurath haddin, als in den Betrachtungen zur Beurtheilung des Talmuds, welche in der Zeitschrift für israelische Theologie abgedruckt sind, bereits Vieles geschehen, und das Fehlende wird in den Fortsetzungen dieser Betrachtungen, so wie im dritten Theile des Schulchan aruch unter dem Ruach Daath seine Erledigung finden.</p>
         <p>Der Verfasser der 32 Thesen glaubt sich nun zum Anspruche berechtigt, daß man ihm nicht mit kahlen Antithesen, sondern mit ausführlichen Einwürfen entgegen trete, und daß seine Gegner sich nennen, da er sich selbst genannt hat. Auch glaubt er, daß die wissenschaftliche Zeitschrift viel besser zum Kampfplatze geeignet wäre, als gegenwärtiges Blatt, das nur für leichtere Plänkeleien Raum darbietet. Damit es aber in keinem Betracht den Anschein habe, als werde eine offene Polemik gefürchtet, wird der anonyme Verfasser der 13 Thesen gebeten, vordersamst die folgende Frage zu beantworten.</p>
         <p>Wenn die Religionslehren des Maimonides im Talmud begründet sind, wo findet sich im Talmud, daß die Unkörperlichkeit Gottes eine Grundlehre der Religion sey, und daß wer diese Lehre verwirft, dafür ausgerottet werde, zu Grunde gehe und in aller Ewigkeit wegen der Größe seines Frevels und seiner Sünde bestraft werde?</p>
         <p>Sobald diese Frage beantwortet ist, will ich gern meinem Gegner, den ich sich zu nennen bitte, so weit meine schwachen Kräfte reichen, weiter zu Rede stehen, und setze meinerseits auch die Bedingung, daß Ton und Sprache immer freundlich seyn und alle gehässige Insinuationen immer auf's sorgfältigste vermieden werden.</p>
         </div>
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p><title><hi rend="bold">† − Jacob Benignus Bossuet, Bischof von Meaux.</hi></title>
          </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von E. de </hi>
            <hi rend="italic bold">Cazalès</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Aus dem Französischen des Univers.</p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Dieser erste Versuch des Fürsten unter den französischen Prosaisten ist wohl geeignet, die Neugierde zu wecken, — aber wer hat die <hi rend="italic">Widerlegung</hi> gelesen? Welcher Literatus hat |Sp. 1162| jemals den Muth gehabt, sich der Langweiligkeit einer theologischen Dissertation preiszugeben, um sich zu vergewissern, welch ein großer Unterschied zwischen diesem Werke und den unsterblichen Meisterwerken, welche ihm folgten, vorhanden sey? Was aber uns anbelangt, die wir des Dafürhaltens sind, daß die Erörterung theologischer Fragen das einzig Wichtige auf der Welt ist, wir haben dieß Buch mit lebhaftem Interesse gelesen; irren wir uns nicht, so findet man darin <hi rend="italic">Bossuet</hi> ganz vollständig, gar nicht den <hi rend="italic">Gedächtniß</hi> — <hi rend="italic">Redner</hi>, aber den Verfasser der <hi rend="italic">Veränderungen und der Benachrichtigungen an die Protestanten.</hi> Man findet hier schon die schöne Anordnung, die glückliche Benutzung einer tiefen Gelehrsamkeit, eine schlagende Logik, die Klarheit des Gedankens und die Genauigkeit des Ausdrucks, welche die Geisteswerke seines reiferen Alters charakterisiren. Uebrigens ist es unmöglich, Streitfragen mit mehr Mäßigung und Liebe zu erörtern, mit mehr Sorgfalt die Lehre von der Person dessen zu unterscheiden, welcher sie verficht, und alles zu vermeiden, was irgend eine Bitterkeit gegen diese verrathen könnte. Seine Regel für Behandlung der Streitfragen war folgende: „Der aufrichtige Theologe sucht in den Schriften, die er bekämpfen will, nicht Worte auf, die er in einem schlechten Sinne verdrehen könnte. Wo es sich um das Heil der Seelen handelt, erscheint ihm jeder Kunstgriff als ein Verbrechen. Weit entfernt, unschuldige Ausdrücke zu verdammen, ist er eher bereit, diejenigen zu entschuldigen, welche, genau erwogen, Härten entfalten könnten; er mildert alle Dinge, so viel als es angehen will; er zieht es vor, eher nachsichtig zu seyn, als ungerecht; er hält es für gleiche Treubrüchigkeit, seinen eigenen Glauben zu verstellen, als den seines Gegners zu entstellen, weil, wenn man durch das erstere an seiner Religion und seinem Gewissen zum Verräther wird, man sich durch das letztere für einen geschwornen Feind der brüderlichen Liebe erklärt, die Geister sich entfremdet und erbittert, die Trennung unversöhnlich macht.“ — Der geringste Theil des Werkes befaßt sich mit der Widerlegung der Unmöglichkeit, sich nach der Reformation noch in den Schooß der römischen Kirche flüchten zu können. <hi rend="italic">Bossuet</hi> beeilt sich, zu einer weit umfassendern und wichtigern Frage überzugehen, und so ist der größte Theil seines Buches einer bewundernswürdigen Auseinandersetzung der Lehre der Kirche und des Verdienstlichen der guten Werke gewidmet. Wir erinnern uns nicht, jemals etwas Klareres und Solideres über diese an und für sich so dunkle und schwierige Materie gelesen zu haben. Entwicklung eines großen Rednertalentes darf man in einem solchen Werke nicht suchen, weil sie dort nicht an ihrem Platze ist, aber der beredte Mann verräth sich doch an manchen Stellen, z. B. da, wo er der Vorschrift der Kirche erwähnt, den Sterbenden das Kreuz in die Hand zu geben: „Wie man einen fast ertrunkenen Menschen sich mit aller Kraft an einem ihm vom Ufer her zugereichten Zweige halten sieht, so muß man den Christen erinnern, daß er mit aller Kraft dieß heilsame Holz umklammere, damit seine Sünden ihn nicht in den Abgrund führen. Was wollen wir aber mit dem Umfassen des Kreuzes unseres Heilandes anders sagen, als daß wir, von den Fluthen und dem Sturme gepeitscht, von einem unvermeidlichen Schiffbruche, vermöge unseres bereits in Trümmern zerschellenden Fahrzeuges bedrohet, uns mit Jesus Christus auf diese geheimnißvolle Planke werfen, auf welcher wir in dem Hafen der glückseligen Unsterblichkeit sicher zu landen hoffen!</p>
         <p>Kurz nach Herausgabe seiner Widerlegung von <hi rend="italic">Paul Ferri's</hi> Katechismus fing <hi rend="italic">Bossuet</hi> an, sich mit Auszeichnung auf den Kanzeln der Hauptstadt hören zu lassen. Das Kapitel von Metz hatte ihn in besondern Angelegenheiten nach <hi rend="italic">Paris</hi> geschickt, woselbst er den größten Theil des zehnjährigen Zeitraums verweilte, welcher noch verfloß, ehe er zum Bischof von <hi rend="italic">Condom</hi> erhoben wurde. Sein erstes Auftreten machte großes Aufsehen und zog besonders <hi rend="italic">Ludwig's XIV</hi>. Aufmerksamkeit auf sich, der ihn zum festeren vor sich predigen ließ. Uebrigens lebte er in Paris sehr eingezogen und arbeitsam. Er wohnte im Dekanate St. Thomas zum Louvre, wo sich gewöhnlich eine Anzahl ausgezeichneter Geistlicher versammelte, was ihm Gelegenheit gab, sich weiter in den heiligen Wissenschaften auszubilden. Sonst theilte er seine Zeit zwischen Kanzelvorträgen und Erörterung von Streitfragen, wobei er häufig glänzende Vortheile über den Protestantismus errang, namentlich demselben auch den großen <hi rend="italic">Turenne</hi> abwendig machte. In dieser Zeit hielt er |Sp. 1163| eine große Anzahl von Predigten; er schrieb sehr rasch und hielt keinen Vortrag zweimal. Obgleich seine Predigten Musterbilder für die Kanzelberedtsamkeit in Frankreich geworden waren, und allgemeine Bewunderung gefunden hatten, so verschmähete er es doch, sie zu sammeln und drucken zu lassen; sechzig Jahre nach seinem Tode waren sie dem Publikum noch unbekannt. Auf fiiegende Blätter geschrieben, vieles darin durchstrichen, lagen sie gleichsam als Makulatur mit andern Papieren in dem Cabinet des Bischofs von <hi rend="italic">Troyes</hi>, des Neffen von <hi rend="italic">Bossuet</hi>, und erst im Jahre 1768 bot die Wittwe eines der Erben desselben, sie den Herausgebern der Werke des letztern an, ohne daß man die Voraussetzung hegen durfte, in ihrem vollständigen Besitze zu seyn. Es ist jedoch Jedermann überzeugt, daß diese fast verslosen gegangenen Reden nicht gerade zum kleinsten Theil den Ruhm des Bischofs von <hi rend="italic">Meaux</hi> begründen. Alle Schätze des Genius und der Wissenschaft hat er mit vollen Händen darin ausgestreuet, und was etwa gewissermaßen schmucklos oder nackt erscheint, läßt so zu sagen den Gedanken und den Sinn nur um so deutlicher hervorschimmern. Es fehlt diesen Predigten die letzte Feile, welche die Gedächtnißreden erhalten haben, aber in den Augen der Kenner behalten <hi rend="italic">Raphael's</hi> Cartons und <hi rend="italic">Rubens </hi>Skizzen auch neben der <hi rend="italic">Transfiguration</hi> und neben der <hi rend="italic">Kreuzesabnahme</hi> noch ihren Werth. <hi rend="italic">Laharpe</hi> sagt in seinem <hi rend="italic">Lyceum</hi>, <hi rend="italic">Bossuet's</hi> Predigten wären mittelmäßig. Eine solche Schmähung beweiset, daß er sie nicht gelesen hatte, denn ein Mann von so vielem Geschmack und ein so großer Bewunderer des Bischofs von Meaux konnte so nur von Hörensagen sprechen. Das späte Auffinden dieser Predigten hatte vieles dazu beigetragen, der Meynung Eingang zu verschaffen, nach welcher zuerst <hi rend="italic">Bourdaloue</hi> die christlichen Wahrheiten in einer, ihrer Majestät würdigen Sprache sollte vorgetragen haben. Uebrigens ist es Thatsache, daß der berühmte Jesuit sich von den Kanzeln von Paris herab nicht eher hören ließ, als bis <hi rend="italic">Bossuet</hi> dieselben verlassen hatte, daher ist es der Gerechtigkeit gemäß, anzuerkennen, daß dieser große Mann es war, welcher zuerst das Muster für das Schöne im Kanzelvortrage, wie in den Gedächtnißreden gab. Niemand kann mehr, als wir, <hi rend="italic">Bourdaloue</hi>, seine weisen Dispositionen, die Stärke seiner Logik und die Tiefe seines Gedankens bewundern; aber treten diese seltenen Eigenschaften nicht einigermaßen in den Schatten vor der Kraft, Originalität, der hohen Begeisterung, der mit Blitzeskraft zündenden Beredsamkeit, welche jeden Augenblick aus <hi rend="italic">Bossuet's</hi> Kanzelreden hervorsprühet, so unvollkommen und unvollendet sie auch auf uns gekommen sind?</p>
         <p>Wir wollen hier diese unschätzbare Sammlung nicht commentiren, allein man wird es uns ohne Zweifel Dank wissen, wenn wir uns nicht ohne zuvor einige Citate gegeben zu haben, von ihnen wenden; unter so vielem Vortrefflichen setzt uns nur die Auswahl in Verlegenheit. Folgendes ist eine etwas lange aber darum desto charakteristischere Stelle, weil sich darin die Fülle und das Umfassende von <hi rend="italic">Bossuet's</hi> Beredtsamkeit abspiegelt. Es ist ferner eine Stelle, aus welcher man am besten die Art und Weise seiner Entwickelung der Texte aus der heil. Schrift ersehen kann; es handelt sich darin von den Graden, welche der Sünder durchwandern muß, wenn er zur endlichen Unbußfertigkeit gelangen will. „Ich muß Euch aus der Schrift den Fortschritt eines so großen Uebels verdeutlichen. Der Prophet Jesais stellt uns Gott mit einem Becher in der Hand vor, welchen er den Becher des Zornes Gottes nennt; bibisti de manu Domini calicem irae ejus (Jes. VI.17). Die Hand des Herrn hat Euch den Becher seines Zornes trinken lassen.“ Er ist — sagt er -- mit einem Getränke gefüllt, das er den Sündern zu trinken geben will, aber mit einem Getränk, gährend wie der junge Wein, der ihnen zu Kopfe steigt und sie berauscht. Was ist nun das Getränk, welches die Sünder berauscht anders, als ihre Sünden und ihre ausschweifenden Begierden, welchen Gott sie überläßt? Sie trinken ein Glas nach dem andern, und bald wirbelt ihnen der Kopf, d. h. in der Hitze ihrer Leidenschaften kann das Nachdenken nur ein zweifelhaftes Licht von Zeit zu Zeit über ihr Inneres verbreiten. Die Stelle ist alsdann nicht mehr so erleuchtet, wie zuvor, man sieht die Wahrheiten der Religion, die furchtbaren Aussprüche Gottes nicht anders, als durch eine dichte Wolke. Das ist, was in der heil. Schrift der Schwindelgeist genannt wird, der die Menschen wankend und unsicher macht.</p>
         <p>|Sp. 1164| Sie beweinen indessen noch ihre Schwäche und werfen zuweilen einen Blick auf die Tugend, welche sie verlassen haben. Ihr Gewissen erwacht von Zeit zu Zeit, drängt einen geheimen Seufzer in das Herz: O Frömmigkeit, o Keuschheit, o Unschuld, o Heiligkeit der Taufe, o Reinheit des Christenthums! — Die Sinne tragen den Sieg über das Gewissen davon; sie trinken noch einmal aus dem Becher, ihre Kräfte schwinden, und ihr Auge trübt sich. Dennoch bleibt ihnen einige Erkenntniß, eine Erinnerung Gottes. — Trinkt! trinkt! Ihr Sünder! trinkt bis auf den letzten Tropfen, und verschluckt alles bis auf die Hefe.</p>
         <p>— Was aber werden sie auf dem Boden des Bechers finden?</p>
         <p>— Ein einschläferndes Getränk, sagt der Prophet, das sie gänzlich trunken macht, und sie ihrer Sinne beraubt. „Usque ad fundum calicis soporis bibisti et potnisti usque ad faelces.“ (Jes. XIX.14). Das bringt eine befremdende Wirkung hervor: „ich sehe sie — fährt der Prophet fort — wie sie an den Ecken der Gassen hinfallen, so tief eingeschläfert, daß sie einem Todten gleichen,“ filii tui projecti sunt, dormierunt in capite omnium viarum (Jes. XIX.20). Dieß ist das Bild der großen Sünder, welche sich lange Zeit in dem Weine ihrer Leidenschaften und an ihren sträflichen Lüsten berauschen, endlich die Erkenntniß Gottes verlieren, und das Gefühl ihres eigenen Unglücks. Sie sündigen ohne Gewissensbisse; sie tragen die Erinnerung daran bei sich, ohne Schmerzgefühl; sie bekennen es ohne Zerknirschung; furchtlos fallen sie zurück in ihren Fehler, beharren darin, ohne sich zu unberuhigen, und sterben endlich ohne Reue.“</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
         </div>
         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
         
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p>* Streitschriften zur Vertheidigung meiner Schrift über das Leben Jesu, und zur Charakteristik der gegenwärtigen Theologie, Von Dr. David Friederich <hi rend="italic">Strauß</hi>. Erstes Heft: Herr Dr. Steudel oder die Selbsttäuschungen des verständigen Supranaturalismus unserer Tage. 192 S. —Zweites Heft: Die Herren <hi rend="italic">Eschenmayer</hi> und <hi rend="italic">Menzel</hi>. 247 S. 8. Tübingen, bei <hi rend="italic">Osiander</hi>. 1837.</p>
         <p>Beurtheilt von Candidat <hi rend="italic">August Boden </hi>aus <hi rend="italic">Oldenburg</hi>.</p>
         <p>Nachschrift.</p>
         <p>Die Blätter für lit. Unterhaltung gehen in einer langen Anzeige des zweiten Hefts der Streitschriften, in Nr. 205 f., gar auf diese nicht ein, geben aber doch <hi rend="italic">Menzel'n</hi> den Rath, sich fortan auf weniger Zweige der Literatur zu beschränken. Allerdings soll man ihm eine Fortsetzung seiner literarischen Thätigkeit gern gönnen, und es wäre nicht einmal verzeihlich, daß er gewissen Feinden zum Opfer fiele. Selbst Angriffe <hi rend="italic">Heine's </hi>brauchen <hi rend="italic">Menzel'n</hi> keine schlaflosen Nächte zu machen<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Ein frommer Wunsch des Herrn <hi rend="italic">Gutzkow</hi>, im Teleg</p>
            </note>, seit sich diese Waffen an dem weichen und edeln Platen abgestumpft haben.<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Herr Menzel muß darüber aber doch nicht so ruhig gewesen seyn. Wenigstens macht er sich noch jetzt eine Gelegenheit, <hi rend="italic">Heine's</hi> Betragen genge <hi rend="italic">Platen</hi>, Lit.-Blatt No. 84, ziemlich nach Verdienst zu würdigen. Herr <hi rend="italic">Menzel</hi> war nicht der Mann, dieß damals zu thun, als <hi rend="italic">Platen</hi> gegen <hi rend="italic">Heine</hi>, <hi rend="italic">Immermann</hi> u. a. aufgetreten war. Aber warum vertheidigt er sich jetzt nicht offen und gerade gegen <hi rend="italic">Heine</hi>, mit dem er so lange befreundet war? An einem Unterschied zwischen sich und <hi rend="italic">Platen</hi> braucht er wenigstens nicht zu zweifeln.</p>
            </note> Aber Herr <hi rend="italic">Menzel</hi> müßte seine bisherige Rolle wieder fortsetzen können noch sollte er sie fortsetzen wollen. Wird es doch unzweifelhaft seyn, daß ein solcher Bekämpfer des Goethianismus und Hegelianismus alles Unverständige in diesen nur gehoben und in Ansehen erhalten hat.<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Trotz dem oben Gesagten ist es schwer, zwischen Herrn <hi rend="italic">Menzel </hi>und z. B. den Goethianern zu entscheiden, falls man nicht diesen Streit, als nur der Gegenwart angehörend, gänzlich verachten will. Wenn man den Goethianismus eines <hi rend="italic">Varnhagen</hi>, eines <hi rend="italic">Reck</hi> u. a. nicht bloß ergötzlich, sondern wegen seiner Verbreitung auch bedauerlich finden kann, so muß man wirklich bedauern, daß Herrn <hi rend="italic">Menzel's</hi> natürlicher Verstand ihn so wenig vor Unvorsichtigkeiten schützte und ihn nicht innerhalb der Schranken hielt, wo er vielleicht noch jetzt nützlich seyn könnte. Damit soll nicht gesagt seyn, daß eine Opposition gegen Goethe selbst nicht noch jetzt Nutzen und Grund hätte, aber die mußte doch mit Verstand geführt werden, und es würde gewiß nicht unzweckmäßig seyn, diesen an den Unverstand der Goethianer zu knüpfen. Ich würde sagen, diese erhöben Goethe's Fehler zu Tugenden, wenn das nicht ein zu liebloser Tadel wäre, weil ich ihnen dann zugleich zutrauen müßte, daß sie einen Unterschied machen könnten zwischen Goethe's Fehlern und Tugenden und also geflissentlich verführen. Es wäre aber auch ein ungerechtes Lob, als verständen sie einen Unterschied zu machen zwischen gut und böse.</p>
            </note> Was den Scandal |Sp. 1165| der jungen Literatur betrifft, so denke ich erstlich nicht kleinlich genug von den Regierungen, um zu glauben, daß <hi rend="italic">Menzel</hi> die polizeilichen Maßregeln gegen das junge Deutschland bewirkt habe oder daß diese ohne ihn unterblieben wären, und zu gut von dem Herrn <hi rend="italic">Menzel</hi>, um zu glauben, er habe jenen Maßregeln ihre moralische Kraft genommen, und das im Stillen fortwuchernde Unwesen des jungen Deutschland durch etwas anderes, als durch sein eigenes Unwesen vermehrt. Den Herrn <hi rend="italic">Menzel </hi>in seine Schranken zurückgewiesen zu haben, das Verdienst wird Niemand <hi rend="italic">Strauß'en</hi> mit Grund absprechen können, und wenn <hi rend="italic">Menzel</hi> nur so christlich fühlt, als wir glauben wollen, daß er christlich denke, so wird er das Verdienst der <hi rend="italic">Strauß'schen </hi>Streitschrift um die Literatur auch als ein Verdienst um ihn anerkennen und sich also von Jemandem bekehren lassen, den er für so unerlöst gehalten hat. — So weit hatte ich diese Nachschrift geschrieben (und habe nur die strengern Sätze später eingeschoben) als mir <hi rend="italic">Menzel's</hi> Literaturblatt Nr. 81 in die Hände fällt. Der Mann verläßt sich in so hohem Grade und gewiß mit so viel Grund auf den Zustand des deutschen Journalwesens, daß er für sein Treiben unbesorgt und unbekümmert ist und jeder Nachsicht spottet. Er fängt schon wieder an, zu blitzen, und ohne zu thun, als ob <hi rend="italic">Strauß</hi> gegen ihn geschrieben hätte, greift er diesen schon wieder an, indem er das Persönliche und Lieblose aus der <hi rend="italic">Tholuck'schen</hi> Gegenschrift gegen <hi rend="italic">Strauß</hi> zusammenstellt. Er spricht von dem „ehrwürdigen“ <hi rend="italic">Tholuck</hi>. So achtungswerth <hi rend="italic">Tholuck</hi> ist, so sehr er also das Lob des Hrn. <hi rend="italic">Menzel </hi>verachten kann, so unpassend heißt er ehrwürdig, falls Hr. M. es nicht mit hochwürdig verwechselt. Dann fordert er <hi rend="italic">Strauß </hi>auf, neben der Gallerie seiner Gegner auch eine Gallerie seiner Anhänger zu schreiben. Wir zweifeln zwar nicht, daß unter den Anhängern des Hrn. <hi rend="italic">Strauß</hi> solche sind, die sich eben so stark in diesem irren und ihn eben so verkehrt beurtheilen, wie viele seiner Feinde, daß also „Herr <hi rend="italic">Menzel</hi> die Genugthuung haben würde, in einer Gallerie der Anhänger des Hrn. <hi rend="italic">Strauß</hi> ein passendes Gegenstück zu sich selbst anzutreffen; dennoch müssen wir bemerken, daß der Unfug in dießem Augenblick viel mehr von der Seite kommt, wo Herr <hi rend="italic">Menzel</hi> steht, als von derjenigen, wo er Hrn. <hi rend="italic">Strauß</hi> sieht, und daß der Unglaube jetzt nicht übel in der Unvernunft derer bekämpft wird, die auf <hi rend="italic">Menzel's </hi>Seite stehen, denn hier ist eine seiner Hauptquellen. Wer weiß z. B., ob <hi rend="italic">Gutzkow</hi> sich so verirrt hätte, wenn er nicht in seiner Jugend einem Zeloten in die Hände gefallen wäre? Die Extreme berührten sich in ihnen, und wo der Keim dazu da ist, Wird eins durch's andere hervorgerufen. Das Ansinnen des Hrn. M. hat ferner keinen Sinn, weil etwaige Anhänger des Hrn. <hi rend="italic">Strauß</hi> entweder nicht laut geworden sind oder nicht solche Uebertreibungen begangen haben, wie ein großer Theil seiner Gegner. Auch liegt es in Aeußerungen <hi rend="italic">Strauß'</hi>, daß er sich keine Anhänger wünscht, er hat im Interesse christlicher Wissenschaft geschrieben und wünscht sich daher Beurtheiler, die Verstand genug besitzen, um lieben zu können. Herr <hi rend="italic">Menzel</hi> scheint zwar zu denken: Christum lieb haben ist besser, als alles Wissen. Das ist aber von einem Recensenten nicht zu sagen. Bei ihm kommt es darauf an : Christum lieb zu behalten trotz allem Wissen. Das ist dagegen bei <hi rend="italic">Strauß</hi> der Fall, ohne daß ich behauptete, daß all' sein Wissen christlich sey. Das ist |Sp. 1166|auch bei <hi rend="italic">Tholuck</hi> der Fall, obgleich all sein Wissen christlich ist, wenn er auch <hi rend="italic">Goethe</hi> mehr citirt, als die Bibel; und doch hat die Erfahrung gezeigt, daß nichts dem Christenthum gefährlicher sey, als bloßes christliches Wissen. Das bläht und verträgt sich nicht mit der christlichen Demuth. Um aber nochmals auf die Anhänger <hi rend="italic">Strauß'</hi> zurückzukommen, die Herr <hi rend="italic">Menzel</hi> im Sinne hat, so wird gerade <hi rend="italic">Strauß</hi> dem Bahrdtianismus, der in seinen ursprünglichen Anhängern aussterbend sich im jungen Deutschland in Deutschland erneuen wollte, und den Anhängern des Wolfenbüttler Fragmentisten ein Ende machen. <hi rend="italic">Strauß'</hi> Werk steht nicht vereinzelt da, die Theologie oder, um nicht so beschränkt zu reden, das Christenthum des 19ten Jahrhunderts, welches den Unglauben des 18ten aus einem Gebiet nach dem andern, aus einem Herzen nach dem andern vertreibt, hatte es lange empfangen, ehe <hi rend="italic">Strauß</hi> es gebar (Vgl. die Vorhersagung <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi> in dem zweiten Sendschreiben über seine Glaubenslehre an Dr. Lücke, Sämmtliche Werke, zur Theologie, Band 2. S. 612 ff.), der Unglaube und Aberglaube, die immer Hand in Hand gehen, hatten es nothwendig gemacht, der Rationalismus hatte die Keime dazu gepflanzt, und sollte es um des Antheils und Verdienstes willen, die er daran hat, froher begrüßen; die Philosophie leistete ihm, was ihres Amtes, Hebammendienste, und der Stand der Dogmatik seit <hi rend="italic">Schleiermacher</hi>, so wie die neue Festigkeit, die das Christenthum im Leben gewinnt und dem Leben gibt, machen, daß man der Feuersnoth der Gläubigen und der Löschnoth des Herrn <hi rend="italic">Tholuck</hi> lachen kann. Lachen und sich freuen kann man aber auch darüber, daß kein Wolfenbüttler Fragmentist die Bildung des Jahrhunderts und die Fortschritte der Wissenschaft gegen, sondern daß ein christlicher Denker sie eh'r der das Christenthum geltend macht. Das war ein gutes Zeichen für Zeit.</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
         </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <p rend="UKZ 2 13 zwischentitel">Anzeigen.</p>
         <p>(65) Bei Mayer u. Comp. in Wien ist so eben erschienen und in allen soliden Buchhandlungen zu haben:</p>
         <p>Der dritte Band vom Homilienkranz für das katholische Kirchenjahr von  J. E. Veith, Domprediger zu St. Stephan in Wien. Pr. 1 Thlr. od. 1 fl. 48 kr. rh.</p>
         <p>Mit Vergnügen benachrichtigen wir hiermit alle Freunde und Verehrer des hochw. Hrn. Verfassers, daß außer dem <hi rend="italic">vierten</hi> Bande, welcher bereits unter der Presse ist, nun noch ein fünfter erscheinen wird, so daß in den vier ersten Bänden <hi rend="italic">Sonntagspredigten</hi>, und im fünften <hi rend="italic">Feiertagspredigten</hi> enthalten sind.</p>
         <p>Dieser dritte Band <hi rend="italic">beginnt von da an</hi>, wo die früher in vier Banden erschienenen homilet. Vorträgen <hi rend="italic">aufgehört</hi> haben. Mithin bildet der 3te und 4te Band dieses. Homilienkranzes die Fortsetzung der homilet. Vorträge. Alle Abnehmer dieses Werkes wollen wir hiermit wiederholt aufmerksam machen.</p>
         <p>(66) Bei uns ist so eben erschienen:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Tholuk's</hi>, Dr. August, Predigt am 6. Aug. in dem evangelischen Betsaal in Kissigen. Geh. 2 gr. oder 9 kr.</p>
         <p>Auf vielseitiges Verlangen ließen wir diese Predigt drucken, und versprechen uns zahlreichen Absatz. Würzburg.</p>
         <p>C. <hi rend="italic">Etlinger'sche</hi> Buchhandlung.</p>
        </div> 
        
        
            <div>
          <p>   <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
         </p>
   </div>  
      </body>
   </text>
</TEI>

