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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 7. September 1837, Nro. 72</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher>Beata Mache</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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            <bibl type="J">Universal-Kirchenzeitung</bibl>
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                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="72">7. September 1837, Nro. 72</title>
                  <editor>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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         <p rend="UKZ 1 Titel">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/> 
            für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, <lb/>
            katholischen, und israelitischen Deutschland's.<lb/> Frankfurt a. M., den 7. September 1837. Nro. 72.</p>
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       <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Die Kunst in <hi rend="italic">Spanien</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Kirchliche Nachrichten</seg>
            </hi>. <hi rend="italic">Afrika</hi>. <hi rend="italic">Capland</hi>; Verhältnisse der Katholiken. <hi rend="italic">Westafrika</hi>; Bibelgesellschaft der wesleyanischen Methodisten. — <hi rend="italic">Türkei</hi>. <hi rend="italic">Constantinopel</hi>; Harem; Abgaben. <hi rend="italic">Adrianope</hi>; Verbot der Protest. Missionsschriften bei den schism. Griechen. —<hi rend="italic">Dänemark</hi>. <hi rend="italic">Kopenhagen</hi>; Prediger-Ernennung; Unruhen in der Synagoge. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Sachsen</hi>. <hi rend="italic">Dresden</hi>; Predigerbeförderung; luth. Missionsseminar; Vertheidigung der kathol. Religion durch den Prinzen <hi rend="italic">Johann </hi>gegen den Superintendenten <hi rend="italic">Großmann Leipzig</hi>; Erbauung eines israel. Bethauses; über <hi rend="italic">Dräseke</hi>. <hi rend="italic">Anhalt</hi>-<hi rend="italic">Dessau</hi>. <hi rend="italic">Dessau</hi>; Predigerverein. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Theologische Akademie. </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Kathol. Abth.</seg>
            </hi> 
            <hi rend="italic">Jakob Benignus Bossuet</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Meaux</hi>. Von E. de <hi rend="italic">Cazales</hi>. A. d. Franz. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Israel. Abth.</seg>
            </hi> Ueber die Fortbildung des Judentums (Schluß). — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Literatur. </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Protest. Abth.</seg>
            </hi> 
            <hi rend="italic">Strauß </hi>Streitschriften etc. Rec. vom Cand. A. <hi rend="italic">Boden</hi> in Oldenburg (Forts). — </p>
         <p>Nachweise von Recensionen theologischer Schriften (Fortsetzung). — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Anzeigen.</seg>
            </hi> <lb/>|Sp. 1135|
         </p>
       </div>
         <div type="mantel">
         <head>
            Die Kunst in Spanien.</head>
         <p>Der König von <hi rend="italic">Frankreich</hi> hat, die Verschleuderung der Kirchengüter in Spanien benutzend, in diesem klassischen Lande katholischer Kunst so eben 400 Gemälde um 1 Million Franken durch den Baron <hi rend="italic">Taylor</hi> kaufen und zu Versailles als „spanisches Museum“ aufstellen lassen. Aus einem Berichte, den eine Zeitung darüber enthält, entnehmen wir Folgendes, um eine kleine Idee von dem zu geben, wie die katholische Religion in Spanien auf die Kunst gewirkt und welche Meisterwerke sie dort hervorgerufen.</p>
         <p>„Von spanischer Kunst wußte man bisher nur sehr Weniges und äußerst Lückenhaftes; man kannte etwa einige Künstlernamen, wie <hi rend="italic">Murillo</hi>, <hi rend="italic">Ribera</hi>, <hi rend="italic">Velasquez</hi>; von <hi rend="italic">Morales</hi> und <hi rend="italic">Zurbaran</hi> hatte man wohl gehört, aber wenig gesehen. Jetzt nun auf einmal wird man aus der dunkelsten Nacht mit Einem Schlage in einen hellen Zaubergarten versetzt, und zwar ist diese Bekanntmachung so eigenthümlicher und unerhörter Art, daß man all' die eingelernten Theorien und Geschichten der Kunst vergißt. Es sind Elemente in diesem spanischen Museum, um eine Art Revolution in den Theorien der Kunst zu bewirken; vom allerbedeutendsten Einflüsse wird es aber auf die heutige französische Kunst seyn. Man findet in diesen Bildern — und das frappirt zuerst bei der bisherigen Unbekanntschaft mit der spanischen Malerei — einen Reichthum von Kunst, wie man ihn in keiner Art erwartet hat, und zwar diese Kunst in allen ihren Phasen, von den ersten Anfängen an, die Blüthezeit, das Sinken und den Untergang. Die Erscheinung ist höchst eigenthümlich, und die Geschichte der spanischen Kunst von der der andern Länder durchaus verschieden. Die Anfänge sind dieselben, wie in andern Ländern, ein schwaches Lallen, ein ohnmächtiges Bestreben des Gedankens, sich in der Form zu offenbaren. Der weitere Gang ist aber eigenthümlich, und wie er den vorhandenen Elementen gemäß werden mußte. Die Religion ist alleinige Veranlassung, wie Gegenstand der Kunstwerke. Es ist das katholische Dogma in seiner ganzen Gluth, seiner großartigen Unduldsamkeit, seinem Streben nach Allein- und Universalherrschaft, das in diesen Bildern lebt. Auch der Herrscher der Mächtigste seiner Zeit, war in Spanien der Kirche unterthan, und die Kunst diente nicht, wie in andern Ländern, zum bloßen Schmucke der Palläste, zur Erheiterung und Zerstreuung, zur müßigen Augenlust, — sie hatte nur einen einzigen Zweck: Verherrlichung der Religion. Nur für Kirchen, Klöster und Kapellen wurden diese Bilder gemalt. Sämmtliche 400 Gemälde des spanischen Museums behandeln fast allein, mit kaum nennenswerthen Ausnahmen, religiöse Ge- |Sp. 1136| genstände; nur vielleicht noch der Portraitmalerei war der nationale Stolz und die Freude an der eigenen Persönlichkeit förderlich. So wenig ich auch beabsichtige oder im Stande bin, Ihnen eine Uebersicht dieser merkwürdigen Sammlung zu geben, so kann ich mich doch nicht enthalten, von einzelnen der ausgezeichnetsten Werke wenigstens kurze Erwähnung zu thun. Von einem der vortrefflichsten Künstler, der namentlich im Colorit überaus herrlich ist, dem großen <hi rend="italic">Zurbaran</hi>, enthält das Museum allein 50 größere und kleinere, mehr oder weniger bedeutende Werke; das Museum zu Madrid hat von ihm nur 4 Bilder. Eine Menge seiner Gemälde stellen Mönche (oder Märtyrer) vor, zwei Bilder mit ernsten (Mönchs- oder Heiligen-) Figuren in weißen Gewändern sind von unerreichbarer Schönheit. Eine sehr bedeutsame Allegorie enthält ein Bild mit dem hl. Franziskus und dem hl. Dominikus, die sich verbünden und herrschend die Weltkugel unter sich haben. <hi rend="italic">Zurbaran's</hi> Zeichnung ist ernst und bestimmt; sein Colorit überaus kräftig und feurig; sein Vortrag kühn, sicher und breit. Von <hi rend="italic">Velasquez</hi> zeichne ich ein sehr schönes Bild mit dem hl. Ferdinand aus; von diesem Künstler sind 15 Bilder vorhanden, unter andern auch eine Landschaft; er hat nur sehr wenige Landschaften gemalt, und das Madrider Museum enthält kein Bild dieser Art von ihm. Von <hi rend="italic">Murillo </hi>sind 22 Gemälde da. Das schönste derselben ist die Vierga a la alfaja, die Jungfrau mit der Windel, ein herrliches Bild voll jenes starken Glaubens, der mit großartiger Naivität das Höchste mit dem Kleinsten, den Himmel mit der Kinderstube verbindet. Die HI. Jungfrau will das Christkind schlafen legen und wickelt es deßhalb in seinen Windeln ein. Ein paar Engel schweben vom Himmel herab und musiciren ihm etwas vor. Mit einer unübertrefflich schön ausgedrückten kindlichen Aufmerksamkeit horcht es der göttlichen Musik. Eine andere Darstellung ist nicht minder naiv und nicht minder schön. Ein armer alter Mann irrt müde und hungrig umher, er findet nichts zu essen. Da erscheint ihm ein Kind und reicht ihm ein Brod; der Himmel öffnet sich, und Engel schweben herbei mit Kränzen und Guirlanden, die von Broden gebildet sind. Ich erwähne von <hi rend="italic">Murillo</hi> ferner noch ein paar herrliche Bilder: St. Rodrigo von einem Engel gekrönt, und St. Bonaventura schreibend; auch des Künstlers eigenes Portrait ist da. Ein ausgezeichneter und namentlich als Colorist sehr merkwürdiger Künstler ist <hi rend="italic">Alonzo Cano</hi>; er scheint ein eigenes System gehabt zu haben, demzufolge er nie, weder den tiefsten Schatten, noch das höchste Licht darstellte, wenigstens nicht durch reines Schwarz oder reines Weiß; seine Bilder sind von einer wunderbaren Harmonie. Das bedeutendste darunter ist Bileam's Esel. Giuseppe <hi rend="italic">Ribera</hi> war schon früher sehr bekannt; |Sp. 1137| das spanische Museum enthält einige Bilder von ihm, die aber besser sind, als alle die, welche ich früher unter diesem Namen gesehen habe, so daß ich glaube, der größte Theil dieser mir früher schon bekannten Bilder rührt von minder bedeutenden Künstlern her, die Ribera's markante Manier nachahmten. Ein merkwürdiges Bild Ribera's ist das Martyrium des heil. Bartholomäus, ein entsetzlich schönes Bild. Ein Motiv dieses Bildes fiel mir sehr auf. Auf der Erde neben dem ruhig duldenden Heiligen liegt eine Büste des belvederischen Apoll mit dem heitern göttlichen Gesichte. Was soll dieses Motiv, das doch gewiß nicht ohne Absicht und Bedeutung vom Künstler angebracht worden ist? Ich kenne die Legende nicht, die es vielleicht erklären würde; vielleicht hat der Heilige die Statue des heidnischen Gottes umgeworfen und ward deßhalb gemartert. Ich erwähne noch, daß in Spanien mehrere gesonderte Schulen existirten, namentlich die castiliscke (hauptsächlich zu Toledo), die von Valencia und die andalusische (in den Zweigen von Sevilla, Cordova, Granada). Von ausgezeichneten Künstlern nenne ich noch <hi rend="italic">Domenico Theotocupuli</hi>, gewöhnlich nur nach seinem Vaterlande el <hi rend="italic">Greco</hi> genannt. Baron <hi rend="italic">Taylor</hi> hat von ihm mehrere Bilder, z. B. das Portrait von des Künstlers Tochter, mitgebracht, auch die Skizze zu einem figurenreichen satyrischen Bilde, worauf Kaiser <hi rend="italic">Karl</hi> V. mit griechischen Unterschriften. <hi rend="italic">Gallegos</hi> lebte etwas früher oder gleichzeitig mit <hi rend="italic">el Greco</hi>; seine Bilder sind von einer wunderbaren Zartheit. <hi rend="italic">Louis Tristan</hi>, <hi rend="italic">Juan Pareju</hi> (der Sklave des Velasquez) <hi rend="italic">Mazo</hi>, <hi rend="italic">Careno</hi> und Andere sind bedeutende Künstler der Schule von <hi rend="italic">Castilien</hi>, zu welcher auch Louis <hi rend="italic">Morales el Divino</hi> gehört, von welchem in Hannover sich ein paar Bilder befinden.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Bei dem Grafen von <hi rend="italic">Platen</hi>-<hi rend="italic">Hallermünde</hi>.</p>
            </note> Aus der Schule von <hi rend="italic">Valencia</hi> erwähne ich außer dem bereits genannten Ribera auch noch <hi rend="italic">Gironimo Espinosa</hi>, von dem Baron <hi rend="italic">Taylor</hi> eine heil. Familie mitgebracht hat. Die andalusische Schule (zu Sevilla, Cordova, Granada) ist die bedeutendste. <hi rend="italic">Louis </hi>de <hi rend="italic">Vargas</hi> nannte ich schon; er ist einer der frühesten spanischen Maler, doch schon ganz raphaelisirt. Ich erwähne noch <hi rend="italic">Roelas</hi>, ein ausgezeichneter Künstler, der an Tintoretto erinnert, <hi rend="italic">Valdes</hi>, <hi rend="italic">Cespedes</hi>, endlich Alonzo <hi rend="italic">Caus</hi>, dessen Weise ich vorhin charakterisirt. Zu dieser Schule (und zwar zu der von Sevilla) gehörten auch die drei ausgezeichnetsten Künstler <hi rend="italic">Francesco Zurbaran</hi>, <hi rend="italic">Diego Velasquez y Silva</hi> und der bekannteste von allen, <hi rend="italic">Bartholomeo Esteban Murillo</hi>. Mit weiser Intention hat Baron <hi rend="italic">Taylor</hi> Werke aus allen Zeiten und Phasen der spanischen Kunst mitgebracht, sowohl die allerersten höchst merkwürdigen Anfänge, als auch den Jammer der jüngsten Zeit. Aus dieser erwähne ich Goya, als Künstler nicht so bedeutend, wie als Satyriker; mir fiel von ihm ein Portrait <hi rend="italic">Karl's III</hi>. auf, und vorzüglich eine Allegorie auf <hi rend="italic">Napoleon</hi>. <hi rend="italic">Napoleon</hi> ist als ungeheuerer Geier dargestellt, der über die Pyrenäen geflogen kommt, und vor dem entsetzt alles Volk flieht. Endlich bemerke ich noch, daß auch noch einige schöne Arbeiten nichtspanischer Künstler vom Baron <hi rend="italic">Taylor</hi> mitgebracht sind, wie z.B. ein herrliches Portrait <hi rend="italic">Philipp's II</hi>. von <hi rend="italic">Titian</hi>, Bilder von Quintin <hi rend="italic">Messis</hi>, <hi rend="italic">Seyders</hi> und andern italienischen und niederländischen Künstlern.“ </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Sion)</p>
       
         </div>
         
         <div type="kn">
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Afrika. </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Capland.</p>
         <p>† Das Territorium, welches die Engländer in dieser Gegend <hi rend="italic">Afrika's</hi> besitzen, ist sehr ausgedehnt. Man zählt darin bei 1600 Katholiken, die meist in den beiden Städten <hi rend="italic">Capstadt </hi>und Graham wohnen, und größtentheils irischer Abkunft sind. Sie stünden seither unter der Jurisdiction des Apostolischen Vikars von S. <hi rend="italic">Mauritius</hi>, Hrn. <hi rend="italic">William Morris</hi>, Bischofs von <hi rend="italic">Troy</hi>. Dieser Prälat konnte ihnen indeß wegen Mangel an Priestern bisher nur wenig Beistand gewähren, und niemals |Sp. 1138| hatten sie einen Bischof bei sich. Einige an den Gränzen wohnende Gläubige sind mehr, als 650 Meilen von dem Sitze eines Priesters entfernt, und es ist in Folge dessen nicht selten, in Familien junge Leute von 15 Jahren anzutreffen, welche noch nicht einmal die h. Taufe kirchlich empfangen haben. Unter diesen Umständen ist es erfreulich, daß für die Katholiken des <hi rend="italic">Caplan</hi> des nunmehr ein eigener bischöflicher Oberhirte bestimmt worden ist. Hr. Apost. Vikar <hi rend="italic">Griffith</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Paleopolis</hi>, ist als solcher am 26. Aug. d. J. in der St. Andreaskirche zu Dublin von dem Erzbischof <hi rend="italic">Murray</hi>, unter Assistenz der Bischöfe von <hi rend="italic">Limmerick</hi>, <hi rend="italic">Ossory</hi>, <hi rend="italic">Ferns</hi>, und <hi rend="italic">Kildare</hi> consekrirt worden, und wird in jenen fernen afrikanischen Gegenden viel Gutes stiften, zumal, wenn eine zu veranstaltende Collecte einigen seeleneifrigen Priestern die Mittel verschaffen wird, den Bischof zu begleiten. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">West-Afrika.</p>
         <p>† Der Anglikaner, Hr. Macbriar, schreibt an die anglikanische Bibelgesellschaft in London, in Betreff der methodistischen wesleyanischen Bibelgesellschaft: „Ich zweifle nicht, es werde für Sie von Interesse seyn, einige Nachricht über die Vertheilung arabischer Schriften in <hi rend="italic">West Afrika</hi> zu erhalten. Eine umsichtige Vertheilung solcher Schriften unter den Muhamedanern kann als wesentlich wohlthätig wirkend zur Vorbereitung ihres Gemüthes, behufs der Annahme des christlichen Glaubens betrachtet werden. Meine eigenen besondern Arbeiten hinderten mich, den Muhamedanern so viel Aufmerksamkeit zu widmen, als ich gewünscht hätte; doch war ich erfreuet, die Begierde zu sehen, mit welcher sie jedes Stück arabischer Bibel empfingen. Weil das ein interessanter Umstand an und für sich ist, so muß ich seiner als Thatsache um so mehr erwähnen; niemals hörte ich dieß Volk des morgenländischen Dogma von Verfälschung des heiligen Textes erwähnen. — Bevor ich irgend einen Band hingab, prüfte ich stets die Fähigkeit des Empfängers zum Lesen desselben, mit Ausnahme jedoch des Königs von <hi rend="italic">Catalar</hi> und eines der vornehmsten eingeborenen Handelsleute, denen ich jedem ein Exemplar der zierlich eingebundenen Bibeln, als ein für sie werthes Geschenk von großem Belange verehrte. Se. Maj. versprach, einen Priester kommen zu lassen, um ihm daraus vorzulesen, und der andere sagte mir, wenn er in das Innere des Landes käme, so würde das Volk haufenweise herbeikommen, um in seine Bibel zu sehen. — Als ich einst hörte, es sey eine Partie religiöser Eingeborner aus einem Königreiche im Innern an die Küste gekommen, so machte ich ihnen einen Besuch. Als ein Fodey (gelehrter Priester), wurde ich mit großer Hochachtung empfangen und ich hielt dieß für eine gute Gelegenheit, einige Exemplare der heil. Schriften in das Innere zu senden. Aber kaum hatte ich diese hervorgezogen, so entstand ein Gedränge, jeder griff darnach, und als ich einige vertheilt hatte (worunter ausdrücklich eines für ihr Oberhaupt, so sagte ein alter Priester sehr ernst: ich habe den Himmel verdient, um meiner guten Werke willen. Ich erwiederte, ich sey ein armer Sünder, und hoffe den Himmel nur durch die Gnade meines Erlösers zu erringen; eine Antwort, die nicht geringes Erstaunen zu Wege brachte, und eine nähere Auseinandersetzung veranlaßte.</p>
         <p>Ich hatte das Vergnügen, mehreren der vornehmsten <hi rend="italic">Fodey's </hi>das heilige Buch zu übergeben, auch ihnen verschiedene Stellen vorzulesen. Von einem jungen zur niedern Priester-Klasse gehörigen Manne hegte ich die Hoffnung, daß er nicht mehr fern vom Reiche Gottes sey. — Ein anderer, älterer, gab mir wohl zu, Jesus sey der wahre Messias, aber er leugnete, daß er Gottes Sohn sey, —Ich Wiederhole hier, was ich Anfangs erwähnte, und ist keine Gefahr dabei, Schriften auszutheilen, sofern nur der Name Gottes darin enthalten ist.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Missionary Magaz. and Chronicle, Aprill 1837)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Türkei.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Konstantinopel</hi>, den 15. Aug. Sarim Effendi wollte, wie es hier allgemein heißt, seinen Harem mit nach London nehmen, allein nicht nur religiöse Gründe, sondern auch die Winke des Sultans hielten ihn davon ab. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwäb. M.)</p>
         <p>— Am 13. d. wurde ein Ferman erlassen, der den Rajas (den Häuptern der nicht-muhammedanischen Nationen) auferlegt |Sp. 1139| die nöthigen Summen zum Bau mehrerer Sloops auf den groß-herrlichen Werften herzugeben. Nach der Vertheilung dieser Steuer werden die Griechen den Werth von 25, die Armenier von 15, die Katholiken von 10, die Juden von 5 Sloops zu zahlen haben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Ztg. d. Judenth.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Adrianopel</hi>, 10. Mai. Ein Rundschreiben des (schism.-griech.) Patriarchen von Konstantinopel, das heute in den Kirchen der Hauptstadt verlesen wurde, verbietet unter Androhung der Exkommunikation und anderer angemessenen Strafen, die Bibel und andere Schriften zu lesen, welche von der Bibelgesellschaft in London gedruckt werden. Es verfügte sich gleich darauf ein Kommissär des Erzbischofs in die verschiedenen Pfarreien der Stadt, und sammelte alle dergleichen Schriften, die sodann im erzbischöflichen Palast dem Feuer übergeben wurden. Durch das nämliche Rundschreiben wird den griechischen Christen verboten, ihre Kinder in die Schule zu schicken, worin nach Lancaster'scher Methode unterrichtet wird, sowie in andere Unterrichtsanstalten, welche von (nicht schism.-griech.) Heterodoxen geleitet werden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Griech. Cour.)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Dänemark.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Kopenhagen</hi>, den 19. Aug, Nachdem, in Uebereinstimmung mit einer allerhöchsten Resolution vom 22. Aprill 1834, Erklärungen wegen etwa räthlich zu erachtender Veränderungen im Ritual und in dem angeordneten Altarbuche, von der (luth.) Geistlichkeit in Dänemark eingeholt worden waren, haben Se. Maj. unter dem 22. Juli allergnädigst befohlen, daß sämmtliche eingeholte Erklärungen dem Bischöfe Dr. <hi rend="italic">Mynster</hi> zuzustellen seyen, und es diesem übertragen werde, einen Vorschlag zu Veränderungen im Ritual und im Altarbuche auszuarbeiten, dergestalt, daß es ihm freistehe, dazu als Mitarbeiter solche Männer zu benutzen, welche er dazu geschickt und willig finden möchte, und daß demnächst die Arbeit, bevor sie Sr. Maj. vorgelegt werde, einer Commission zur Prüfung zu übergeben sey. Dabei wird der k. dänischen Kanzlei aufgegeben, zu seiner Zeit Vorschläge wegen der Männer einzugehen, welche in Verbindung mit dem Bischofe Mynster in diese Commission zu berufen seyn dürften.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Hamb. unpart. Corr.)</p>
         <p>— Dahier fand vor Kurzem bei Gelegenheit der Bestattung eines sehr geachteten Greises einige Unordnung statt, indem einer von den „Unverbesserlichen“ die von dem (Rabbiner) Dr. <hi rend="italic">Wolff </hi>gehaltene Leichenrede gewaltsam zu unterbrechen suchte. Trotz des allgemeinen Unwillens der Gemeinde konnte die Ruhe nur durch ernste Mittel wiederhergestellt werden.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Ztg. d. Judenth.)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Deutschland.</hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Sachsen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Dresden</hi>, den 25. August. Seit dem August 1836 besteht hier ein eigenes <hi rend="italic">evangelisch</hi>-<hi rend="italic">lutherisches Missionsseminar</hi>, welches 6 Zöglinge und 3 Lehrer zählt. Der Direktor desselben ist der Prediger <hi rend="italic">Wermelskirch</hi>.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schweiz. evang. Kztg.)</p>
         <p>— Vor kurzer Zeit erlaubte sich der sonst geachtete Superintendent Dr. <hi rend="italic">Großmann</hi> von Leipzig als Landtags-Deputirter der ersten Kammer die Aeußerung, die katholische Kirche scheue stets das Licht. — Außer dem Prinzen <hi rend="italic">Johann von Sachsen </hi>und dem Bischof Mauermann ist kein Katholik Mitglied der ersten Kammer. Der Bischof war an dem Tage, wo die Aueßerung geschah, durch Krankheit abgehalten gegenwärtig zu seyn. Der gefeierte Prinz <hi rend="italic">Johann</hi> nahm daher, wie schon so oft, die katholische Kirche in Schutz, indem er mit wenigen, aber gediegenen Worten erklärte, daß die katholische Kirche das Licht noch nie gescheut habe, und auch gegenwärtig nicht scheue. — Die genannte Beschuldigung ist zwar nicht neu, sie wurde schon oft gehört, aber eben so oft auch widerlegt, und sie widerlegt sich von selbst, wenn man die ganze Beschaffenheit der katholischen Kirche nur flüchtig betrachtet. Ihre Lehre ist kein verborgenes Geheimniß, sie liegt vor aller Welt ausgesprochen da, und wird überall öffentlich verkündet; die Grundsätze, nach denen die Kirche geleitet wird, sind nicht neu und wandelbar, sie sind uralt und feststehend, so daß Viele die Konsequenz unserer Kirche loben, Andere sie ta- |Sp. 1140| deln. Die Kirche bezweckt nur die Heiligung der Menschen, und hat keine Ursache, sich dieses Zweckes wegen zu scheuen oder zu schämen. Sie bedient sich zur Erreichung ihrer heiligen Zwecke nur guter Mittel, da sie schlechte Mittel zu allen Zeiten verworfen hat. Warum sollte sie also das Licht scheuen? Oder welche Beweise will und kann man führen, daß sie das Acht scheue? Will man sie beschuldigen, daß sie die Aufklärung fliehe, die Wissenschaft nicht fördere, und Belehrung des Volkes hindere? Solche Beschuldigungen wären ungerecht und grundlos. Sie empfing von ihrem göttlichen Stifter Jesus Christus das wahre Licht in der ewigen Wahrheit der göttlichen Offenbarungslehre, und dieses Licht, welches in die Welt kam und die Finsterniß des Irrthums, des Irrglaubens und der Sünde verscheucht, ist die wahre Aufklärung für das Menschengeschlecht, und diese wahre Aufklärung durch das <hi rend="italic">wahre</hi> Licht schützt, bewahrt und verbreitet unsere Kirche mit dem größten Eifer, und ist bemüht, dieselbe aller Welt mitzutheilen. Dagegen scheut, flieht und verbannt die Kirche daß falsche Licht, welches nicht von der Wahrheit ausgeht, und darum auch nicht in Wahrheit aufklärt, sondern den menschlichen Verstand und die menschlichen verdorbenen Neigungen nur blendet und verführt. Nur das, was die Kirche als Irrthum erkennt und bekennt, scheut und bekämpft sie. Daß sie die Wissenschaften eifrig fördere, daß sie die Belehrung des Volkes durch Schulen und Kirchen, durch Schriften und mündlichen Unterricht allgemein bewirken lasse, ist durch augenscheinliche Beweise so dargethan, daß es weitere Beweist gar nicht bedarf; denn die katholische Kirche zählt unter ihren größten Zierden die ausgezeichnetsten Gelehrten, Schriftsteller und Künstler, und die kathol. Schulen leisten mindestens eben so viel, als die einer jeden der verschiedenen christl. Confessionen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schlesis. Kirchenblatt)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Leipzig</hi>, 3. August. In der gestrigen öffentlichen Plenarsitzung der hiesigen <hi rend="italic">Stadtverordneten</hi> kam die Angelegenheit der hiesigen <hi rend="italic">Judenschaft</hi>, wegen Erbauung eines ihr zuständigen Bethauses vor. Der von dem Magistrat dazu vorgeschlagene Platz, welcher der israelitischen Gemeinde <hi rend="italic">gratis</hi> überlassen werden sollte, ist vor dem Halle'schen Thore zwischen der Leipzig-Dresdner Eisenbahn und dem Accisgebäude gelegen, und wegen dieses Umstandes ward die Abtretung desselben von mehrern Stadtverordneten verweigert, indem es wahrscheinlich ist, daß derselbe, im Fall die projectirte Leipzig — Magdeburger Eisenbahn in dieser Gegend ausmünden sollte, oder wenn die jetzt beschränkten Lokalitäten der Zollgebäude eine zu erwartende Vergrößerung erhalten sollen, für die Commun nöthig werden und dessen Abtretung später bedauert werden dürfte. Es wurde dagegen von einem Mitglieds ein anderer Platz, worauf jetzt die sogenannte Roßmühle in der Nähe der Ritterstraße stehet, in Vorschlag gebracht, der auch wegen seiner Lage, da die hiesigen Israeliten hauptsächlich in diesem Viertel wohnen, geeigneter wäre. Der Antrag, das Territorium der jüdischen Gemeinde gratis zu überlassen, fand zwar einigen Widerspruch, jedoch erklärten sich einige Mitglieder auf eine äußerst humane Weise <hi rend="italic">für den Antrag</hi>, da doch das zu errichtende Gebäude für den Kultus bestimmt sey. — Der hiesigen Judenschaft fehlte es bis jetzt an einem eigenen Bethause, und hat dieselbe namentlich während der Messen es als eine Gefälligkeit der <hi rend="italic">Berliner</hi> Gemeinde ansehen müssen, daß letztere ihr den Zutritt in ihre Synagoge gestattete. Nach bestehenden Angaben soll der Gewinn, welchen fremde Gemeinden durch mildthätige Schenkungen etc. an die Synagogen mitnahmen, bedeutend gewesen seyn, und zuweilen die Summe von 300 Thlr. in einer Messe erreicht haben. Wegen der in den Messen anwesenden verschiedenen Kultus-Parteien der Israeliten war eine Vereinigung unter denselben zum Besuch <hi rend="italic">eines</hi> Bethauses schwierig, jedoch hat dieselbe der deshalb hieher berufene Oberrabbiner Dr. <hi rend="italic">Frankel</hi> aus Dresden auf eine befriedigende Weise zu Stande gebracht, obschon sich einige jener Schismatiker nicht zu einiger Vereinigung willig finden ließen, worunter man denn besonders die Breslauer Gemeinde anführt, die also auch in der Folge ein besonderes Bethaus besuchen wird. Da man in der obenerwähnten Sitzung der Stadtverordneten die zur Sprache gebrachten Hindernisse wegen Abtretung des Platzes doch nicht mit Bestimmtheit überschauen konnte, so wollte man zuvor die nöthigen Nachweisungen einholen, und es ward daher die Angelegenheit bis zu einer der nächsten Sitzungen vertagt.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Ztg. f. d. Judenthum)</p>
         <p>|Sp. 1141| — In diesen Tagen brachte die Nachricht, daß Bischof <hi rend="italic">Dräseke</hi> in unserer Nähe drei Superintendenten einführen werde (am 5. Juli in Merseburg, Sonntags den 10. in Lützen, am 13. in Schkeuditz), ein außerordentliches Leben in unsere theologische und nichttheologische Welt. Nach allen drei Orten zogen in ziemlicher Menge die Freunde theils des kirchlichen Lebens, theils des Neuen und Außergewöhnlichen, zu Wagen und zu Fuß. Mehr, als bei den bloßen Einführungsreden (z. B. in Schkeuditz) sprach der berühmte Mann da an, wo er sich (z. B. in Lützen) an eine vorhergehende Predigt des Ortsgeistlichen anschließen konnte; ohne Ausnahme, bei den zugleich mit abgehaltenen Synoden, an welchen auch viele sächsische Prediger Antheil nahmen. Für den Tag, welcher uns den Bischof am nächsten brachte, den 13., hatten auf Bitten der Studirenden die Vorlessungen bei der Universität ausgesetzt werden müssen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. K.-Ztg.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Sayda</hi>. In <hi rend="italic">Friedebach</hi> bei Sayda im Königreich Sachsen ist ein Apostel aufgestanden. Ein Mann, namens <hi rend="italic">Köhler</hi> von dort, welcher vorgibt, von Gott und dem Heiland <hi rend="italic">persönlich</hi> zum Apostelamt berufen worden zu seyn und von Christus selbst den Namen <hi rend="italic">Matthias</hi> erhalten zu haben, hat unter dieser Aegide aus einer Masse planlos an einander gereihter Bibelsprüche und eigenen Wortkrams ein neues Evangelium zusammengestoppelt, welches er als Quintessenz der christlichen Lehre und sich selbst als den vornehmsten und echtesten Apostel Jesu betrachtet wissen will. Als solcher gedenkt er, ehestens sich dem hohen Kultministerium bekannt zu machen, demselben sein neuentworfenes, nach seiner Ansicht allein wahres und giltiges Evangelium zur Prüfung vorzulegen und die Genehmigung zu dessen öffentlicher Verkündigung einzuholen! </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Frankf. Conversationsblatt)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Zwickau</hi>, 24. Juli. Dem zeitherigen Diakonus zu Oschatz, M. Karl Ferdinand <hi rend="italic">Bräunig</hi>, ist nach erfolgter Ernennung zum Pastor an der Stadtkirche zu Zwickau, die Superintendur Zwickau übertragen; derselbe ist auch zum geistlichen Beisitzer der Kreisdirection und des Appellations — Gerichts daselbst ernannt worden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Leipz. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Anhalt-Dessau.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Dessau</hi>, den 16. Juli. Einer der ältesten Predigervereine Deutschlands, die im Jahre 1787 von dem Schweizer Theologen <hi rend="italic">Johann Kaspar Häfeli</hi>, ehemaligem Hofkapellan zu <hi rend="italic">Wörlitz</hi>, gestiftete Anhalt-Dessauische Pastoral-Gesellschaft, beging den 12. Juli ihr fünfzigjähriges Jubelfest. In herzlicher Anerkennung des hohen und reichen Segens, den dieser schöne, durch Gottes Gnade so lange bestandene Bund während seiner vieljährigen Dauer über seine Genossen verbreitet hat, waren diese darin übereingekommen, Nichts zu verabsäumen, was zur Verherrlichung einer so seltenen Feier beitragen könnte. Demzufolge wurde nach den Beschlüssen der Gesammtheit einige Tage zuvor der huldreiche Beschützer und Wohlthäter der Gesellschaft, der von allen seinen Unterthanen so innig geliebte Landesherr, durch eine Deputation zur Feier an dem Feste eingeladen, und in gleicher Beziehung eine Bitte schriftlich an das Consistorium gerichtet. Ein dem Herzoge gewidmetes, vom Diakonus <hi rend="italic">Schubring</hi> in Dessau verfaßtes Gedicht, nebst Jubelliedern vom Pfarrer <hi rend="italic">Neuhoff </hi>in Rehsen und einem von Pfarrer <hi rend="italic">de Marées</hi> in Raguhn geschriebenen Programme waren im Drucke erschienen. Die Feier fand an dem gewöhnlichen Orte der jährlichen Zusammenkunft sämmtlicher Mitglieder des Vereines, nämlich in dem Examensaale der Hauptschule zu Dessau statt. Der größte Theil der Anhalt-Dessauischen Prediger, 59 an der Zahl, hatte sich dazu eingefunden, und es gewährte diesen ein nicht geringes Vergnügen ihre hochgeschätzten Vorgesetzte, die Mitglieder des Consistoriums an diesem solennen Tage in ihrer Mitte zu sehen. Auch hatte der benachbarte, seit fünf Jahren bestehende Anhalt-Köthen'sche Pastoralverein nicht unterlassen, seine freundliche Theilnahme an dem Jubelfeste durch ein Glückwünschungsschreiben zu erkennen zu geben, sowie eine Deputation desselben durch ihre Anwesenheit die Festlichkeit des Tages erhöhte. Nachdem man die Feier durch Gesang eines dazu abgefaßten Festliedes eröffnet hatte, hielt der Pfarrer <hi rend="italic">Gröpler</hi> in Mosigkau die Jubelrede, nach deren Beendigung eine kurze Uebersicht der Gesellschaft während ihres fünfzigjährigen Bestehens vorgelesen wurde. Eins der ältesten Mitglieder, der Pfarrer Werner in Zerbst sprach hierauf |Sp. 1142| einige Worte, worin er seine jüngeren Amtsgenossen auf eine kräftige und eindringliche Weise zum rüstigen Fortschreiten in ihrer wissenschaftlichen Ausbildung, zur Amtstreue und Beharrlichkeit im Glauben ermunterte. Einen besonders rührenden Eindruck aber machte es auf die ganze Versammlung, als der Senior des Bundes, der Pastor und Schul-Inspektor Dr. <hi rend="italic">Walkhof </hi>ein Greis von 85 Jahren und Mitbegründer der Gesellschaft auf eine einfache und herzliche Art seine Wünsche für das fortwährende Heil des nun so alt gewordenen Institutes aussprach. Nach Vollendung der Feier versammelten sich noch einmal die Theilnehmer derselben in einem freundlichen Locale, dem so äußerst geschmackvoll gebauten Concertsaale, zu einem fröhlichen, durch die Munificenz des Landesherrn bereitetem Mahle. So endete ein Fest, das gewiß bei Allen, die ihm beigewohnt haben, lebenslänglich in süßer Erinnerung bleiben wird. Mögen die guten Eindrücke, die es in den Gemüthern der Anwesenden hervorgebracht hat, nie erlöschen, und möge der himmlische Vater fernerhin über eine Verbindung gnadenreich walten, welche der Anhalt-Dessauischen Geistlichkeit unzuberechnenden geistigen Gewinn gebracht hat.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. K.-Ztg.)</p>
         </div>
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p><title><hi rend="bold">— † — Jacob Benignus </hi>
            <hi rend="italic bold">Bossuet</hi>
            <hi rend="bold">, Bischof von Meaux.</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von E. de </hi>
            <hi rend="italic bold">Cazalés</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Aus dem Französischen des <hi rend="italic">Univers</hi>.</p>
         <p>Unter den berühmten Männern des siebzehnten Jahrhunderts ist <hi rend="italic">Bossuet</hi> einer von denjenigen, deren Ruf mit dem Fortschreiten der Jahre wuchs, dessen Schriftstellerruhm auch am unbestrittensten geblieben ist. Mitten unter den Schwankungen des Geschmacks und der Meynung, in Folge deren manche seiner Zeitgenossen zuweilen von der Stufe herabzusteigen schienen, welche anscheinlich ihnen für immer angewiesen war, blieb der Bischof von Meaux klassisch für alle literarischen Schulen, Seine gesammten Werke, bändereich und ernsten Inhaltes, sind auch seit einigen, Jahren wiederholt neu aufgelegt worden, und es muß den neuen Auflagen nicht an Käufern gefehlt haben, da noch neue zum Theil vorbereitet werden, zum Theil der Vollendung nahe sind. Unter diesen letztern empfehlen wir die von <hi rend="italic">Lefévre </hi>veranstaltete, wegen ihres schönen Drucks und des Vortheiles, die gesammten Werke des berühmten Prälaten in zwölf Bänden und in einem Formate beisammen zu haben, das für beschränktere Bibliotheken nicht unbequem ist. Von unsern Lesern hoffen wir, daß sie es uns Dank wissen, diese Ausgabe zum Anlasse genommen zu haben, von <hi rend="italic">Bossuet</hi> zureden, und nach <hi rend="italic">Montesquieu's</hi> bekanntem Ausdrucke, ganz nach unserer Bequemlichkeit von ihm zu reden (pour en parler tout à notre aise).</p>
         <p>Wir wollen damit keineswegs sagen, <hi rend="italic">Bossuet</hi> sey noch nicht beurtheilt worden, und solle es zum ersten Male in diesem Artikel werden; das wäre eine der allerlächerlichsten Behauptungen. Zwar bleibt einer Seits unbestritten, daß das Talent des Bischofs von <hi rend="italic">Meaux</hi> viel mehr Gemeinplätze, als wissenschaftliche Schätzungen über sich ergehen zu lassen gehabt hat, und anderer Seits, daß er in der seit einigen Jahren über den Gallikanismus und die vier Artikel von 1682 geführten Polemik als ein Zeitgenosse behandelt, und von Leidenschaft und Parteigeist harte Urtheile über seinen Charakter gefällt wurden. Dieser Streit ist jedoch gegenwärtig erkaltet; man kann mit Ruhe über die Erklärung von 1682 sprechen, ohne sie mit <hi rend="italic">Bossuet's</hi> Leben zu verwechseln. Zum Voraus geben wir das Versprechen, von allem literarischen Bannrechte zu abstrahiren, und nur von den am wenigsten bekannten und gelesenen Werken unsers Autors sprechen zu wollen. So wenig wir übrigens Anhänger der vier Artikel sind, so messen wir uns doch dreist mit jedem Gallikaner, wer er auch seyn möge, in der Bewunderung für <hi rend="italic">Bossuet</hi>, sowohl als Schriftsteller, wie als Mensch, und es gereicht uns |Sp. 1143| zu großem Vergnügen, solche bei dieser Gelegenheit öffentlich an den Tag legen zu können.</p>
         <p>Nichts ist interessanter, als die erste Bildung großer Männer zu studiren, besonders die Art und Weise ihrer Vorbereitung. Von <hi rend="italic">Bossuet's</hi> Kindheit kennt man die genauern Einzelnheiten leider viel zu wenig. Er war zu <hi rend="italic">Dijon</hi> geboren, und fand, wie der große Redner des Mittelalters, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Bernard</hi>, in seiner Familie Frömmigkeit, Sittenstrenge und Liebe zu den Wissenschaften heimisch. Von Jugend an unter so heilsamen Eindrücken lebend, verwirklichte sich an ihm der Ausspruch des Verses, welchen sein Großvater am Tage seiner Geburt beim Einzeichnen in sein Familien-Register, seinen Namen beifügte: circumduxit eum et docuit et custodivit quasi pupillam oculi (er leitete, lehrte und hütete ihn, wie den Augapfel).</p>
         <p>Zum Studium der Humaniora wurde er dem Jesuiten-Collegium in <hi rend="italic">Dijon</hi> anvertraut, und hier hatte er sein Gedächtniß bald durch die schönsten Stücke der lateinischen Dichterwerke bereichert, als er einst zufällig in dem Cabinette seines Vaters eine Bibel fand, worin er einige Seiten mit Begierde las, und um die Erlaubniß bat, sie an sich nehmen zu dürfen. Der Eindruck, welchen das weitere Lesen in derselben auf ihn machte, war so lebendig, daß er sich dessen selbst in den letzten Jahren seines Lebens noch mit Vergnügen erinnerte. In der That liegt etwas Eigenes darin, daß sein Genius grade durch dasjenige Buch geweckt wurde, welches für die Zukunft seine beständige und Hauptnahrung seyn sollte.</p>
         <p>Von seiner Geburt an zum geistlichen Stande bestimmt, wurde er als 15jähriger Knabe nach Paris geschickt, um den damals möglichen gründlichsten Unterricht in der Philosophie und Theologie zu erhalten. Schon zeitig zeigte er, was er werden wolle; niemals vielleicht sah man gehegten Erwartungen so vollständig entsprechen, niemals einer so erstaunenswerthen Frühreife so Frucht bringende und kräftige Aernte folgen. Jedermann ist die Anekdote von der extemporirten Predigt im Hotel <hi rend="italic">Rambouillet</hi>, welche <hi rend="italic">Bossuet</hi> in seinem 16. Jahre eines Abends hielt, bekannt, so wie das Bonmot <hi rend="italic">Voiture's</hi>, der da sagte: er habe nie so <hi rend="italic">früh</hi> und so <hi rend="italic">spät</hi> predigen gehört. Im Lauf seiner theologischen Studien stellte mehr, als Ein zufälliger Umstand seine außerordentlichen Talente in ihr helles Licht. Als er die Priesterweihe empfing, war er nicht bloß im Bereiche der Schulen schon bekannt, sondern sein Name war selbst in die große Welt vorgedrungen, und dem Hofe nicht unbekannt, sein Ruf mehr, als zur Hälfte begründet, so daß ihm dieß alles ein rasches und glänzendes Steigen in der geistlichen Welt verbürgte. Hier nun muß man am meisten die Schärfe seines Verstandes und die Stärke seines Charakters bewundern, vermöge deren er den so natürlichen Verlockungen, welche die ersten gelungenen Versuche nach sich ziehen, widerstand, und die Einsicht festhielt, daß Einsamkeit und Arbeit ihm nothwendig wären, um ihn in den Stand zu setzen, der Kirche seine ganze Schuld zu bezahlen. Vergebens waren die Bemühungen seiner Freunde, so wie die glänzenden Anerbietungen, welche man ihm machte, um ihn in <hi rend="italic">Paris</hi> festzuhalten. Er beeilte sich, diesen Schauplatz zu verlassen, auf welchem Ruhm und Ehre von selbst auf ihn herabgeströmt seyn würden, um einen Zufluchtsort zu suchen, an welchem man die Fußtritte der Weltleute, der Neugierigen und der Müßiggänger nicht hörte, und wo er die ihm von der Natur verliehenen Gaben durch Gebet und Studiren zu völliger Reife bringen könnte. Vielleicht erinnerte er sich, wie <hi rend="italic">Chrysostomus</hi> in der Wüste gelebt hatte, bevor er seine hinreißende Beredsamkeit auf den Kanzeln von <hi rend="italic">Antiochia</hi> entfaltete. </p>
         <p>Diesen Zufluchtsort gewährte ihm die Stadt Metz, wo er Canonikus und Archidiakonus war. Alle Pflichten seines Amtes erfüllte er hier mit der pünktlichsten Genauigkeit; er wohnte dem täglichen und nächtlichen Gottesdienste bei, und setzte dieß auch der dringendsten Arbeiten wegen nicht aus; seine übrige Zeit füllte das Studium aus. So lebte er volle sechs Jahre. „Zu Metz war es — sagte er später selbst, — wo ich am meisten die heiligen Väter gelesen habe.“</p>
         <p>Man darf wohl glauben, daß ohne diese angestrengte Arbeit und ohne so im Stillen angehäufte Kenntnisse, sein Geist dennoch die Früchte nicht würde getragen haben, weil er nicht in die Tiefen der Theologie eingedrungen seyn würde, die ein weltumfassendes Repertorium von Thatsachen und Gedanken bildet, welches sich |Sp. 1144| nie erschöpft, weil darin alle Schätze des geheiligten Alterthums niedergelegt wurden, um sie auszubilden, und gegenwärtig noch ihren Aufbewahrungsort daselbst finden. Man muß hiebei nicht aus den Augen verlieren, was <hi rend="italic">Bossuet</hi> an seine Studien fesselte. Es war dieß keineswegs das Verlangen, sich dereinst einen berühmten Namen zu machen, sondern allein die Idee als Priester die Pflicht und den Beruf zu haben, Ketzer zu bekehren; ein Werk, das auch die liebste Beschäftigung seines Lebens wurde, um dessentwillen er sich zum gründlichen und tief forschenden Theologen bildete, und sich alles aneignete, was zum Prediger und zum Verfechter von Streitfragen erforderlich war. Sein ganzes Leben beweiset hinlänglich, daß der ihm so reichlich zu Theil gewordene Ruhm als Redner und Schriftsteller ihm niemals des Trachtens darnach würdig erschien, und daß er glaubte, gegen seine Pflichten als Priester zu fehlen, wenn er andern Dingen nachstrebe, als der Ehre Gottes und dem Heile der Seelen, Auch in ihm ging die Verheißung des Evangeliums in Erfüllung: Quaerite regnum Dei et caetera adjicientur vobis. (Suchet das Reich Gottes, und alles Uebrige wird Euch von selbst zufallen.)</p>
         <p>Sein erstes schriftstellerisches Werk, eine Controverse, schrieb er im 27. Jahre. Sein Bischof hatte ihn speciell damit beauftragt, um bei den zahlreichen Protestanten, welche in <hi rend="italic">Metz</hi> wohnten, die vorgefaßten Meynungen gegen den Katholizismus zu bekämpfen. An ihn wies man diejenigen, welche Neigung hatten, in Discussionen über die Trennnungspunkte einzugehen, und wenn ihre Ueberzeugungen auch gegen seine Beredsamkeit Stand hielten, so verließen sie ihn wenigstens nicht, ohne von Bewunderung, sowohl für den Eifer, mit welchem er seine Sache verfocht, als auch über die Sanftmuth und Liebe, die er überall an den Tag legte, durchdrungen zu seyn. Er hatte vom heil. <hi rend="italic">Augustin </hi>gelernt, sanftmüthig und geduldig gegen diejenigen zu seyn, welche man überzeugen will; „und — setzte er hinzu — an und für sich verursacht man den Leuten schon großen Kummer, wenn man ihnen beweiset, daß sie Unrecht haben, besonders in Religions-Sachen.“ Aber bei solchen Grundsätzen war es nicht zu verwundern, daß der erste protestantische Geistliche von Metz, <hi rend="italic">Paul Ferri</hi>, <hi rend="italic">Bossuet's</hi> Freund wurde, und sie fast in einem täglichen Verkehre mit einander standen. Erschreckt jedoch durch den zahlreichen Abfall, welcher sich unter seinen Glaubensgenossen offenbarte, gab dieser Geistliche einen Katechismus heraus, in welchem er zu beweisen suchte: 1) daß die Reformation nothwendig gewesen wäre; 2) daß wenn gleich man sich vor der Reformation noch in den Schooß der römischen Kirche habe retten können, dieß nach der Reformation nicht mehr angehe. — Bossuet nahm sogleich die Feder, und schrieb seine <hi rend="italic">Widerlegung des Katechismus von Paul Ferri</hi>. </p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
         </div>
         <div type="tais">
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Israelitische Abtheilung.</p>
         <p><title><hi rend="bold">* Ueber die Fortbildung des Judenthums.</hi></title>
              </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Nicht also der todte Buchstabe des Gesetzes, sondern die Ansicht der geistlichen Vorsteher, der Religioslehrer, sollte als Richtschnur dienen; sie sollten dazu berufen seyn, das Gesetz zu<hi rend="italic"> deuten, zu entwickeln, es nach den Bedürfnissen der Zeit </hi>umzugestalten. So faßt einer der ältesten, jüdischen Kirchenlehrer, <hi rend="italic">Maimonides</hi>, diese Stelle auf und seine Commentatoren weisen die Uebereinstimmung seiner Aussprüche mit denen des Talmuds überall nach. Hören wir, was er in seinem Jad hachasaka, (Hilch Mamrim, Abschn. 1 und 2) lehret.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Das hohe Gericht in Jerusalem bildete die wahre Trägerinn der mündlichen Lehre; aus ihre Entscheidung verweist die Schrift selbst in jener Stelle „Nach der Lehre, die sie Dir geben“ etc. </hi>(5 Mos. 17,11);<hi rend="italic"> es betreffe nun diese Entscheidung ein wirklich traditionelles Gesetz, oder ein aus den dreizehn hermeneutischen Regeln </hi>(יג' מרות שהתורה נדרשת בהן)<hi rend="italic"> abgeleitetes, oder auch Verbote, Einrichtungen und Gebräuche, die sie als Zaun um das Gesetz und</hi> |Sp. 1145| <hi rend="italic">nach dem jedesmaligen Zeitbedürfniß für nöthig erachteten. Ueber ein wirklich überliefertes Gesetz kann jedoch keine Meynungsverschiedenheit herrschen.</hi>
         </p>
         <p>(כל דבר שתמצה בו מחלוקת בידוע שאינו קבלה משה רבינו.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Hat die höchste geistliche Behörde ein Gesetz durch Anwendung einer der hermeneutischen Regeln erlassen, so darf die nachfolgende Behörde, (auch wenn sie weder an Zahl </hi>(מנין)<hi rend="italic">, noch an Gelehrsamkeit </hi>(חכמה) <hi rend="italic">der erstern gleichkommt,) </hi>)Talm. Tract. Rasch haschanah fol. 21.(<hi rend="italic"> Dieses Gesetz aufheben, wenn sie nicht mit der Ansicht der früheren einverstanden ist. Auch darf jede geistliche Behörde alle Anordnungen ihrer Vorgänger ja selbst ein ausdrückliches mosaisches Gesetz auf längere Zeit aufheben, wenn das Zeitbedürfniß, die Erhaltung des religiösen Lebens im Ganzen, es erfordert. </hi>(Talm. Sanhedrin fol. 46).</p>
         <p>Aus diesen Sätzen leuchtet klar hervor, wie das Judenthum, weit entfernt den Inhalt seiner Lehre als ein abgeschlossenes Ganze zu betrachten und die Untrüglichkeit der geistlichen Behörden zu predigen, gerade der Reform in ihrem ganzen Umfange huldigt und der freien Forschung eine Bewegung zuläßt, wie sie kaum eine andere Religion gestattet. Denn welch' ein freies Feld zur Entwickelung und Fortbildung des religiösen Lebens ist dem israel. Volkslehrer eröffnet, wenn es ihm zusteht, im Verein mit den ihm gleichgesinnten Amtsbrüdern jede Einrichtung der früheren Zeit außer Giltigkeit zu setzen, sobald das Bedürfniß der jetzigen es erfordert; ja wenn die jetzigen Religionslehrer bei der Auslegung des mosaischen Gesetzes gar nicht an die Ansicht ihrer Vorgänger gebunden sind, sondern die 13 hermeneutischen Regeln (יג' מרות) nach <hi rend="italic">ihrer</hi> Ueberzeugung anwenden dürfen. In der That, wir gehen nicht zu weit, wenn wir sagen, daß diese einzige Wahrheit, welche wir unserem Maimonides verdanken, unendlich mehr werth sey, als die freisinnigsten Aeußerungen eines Aben Esra, Kimchi und anderer Koryphäen der jüdischen Gottesgelehrtheit; denn von ihrer Anerkennung hängt die Entwickelung und Fortbildung des Judenthums, hängt sein ganzes Schicksal ab.</p>
         <p>Man könnte nun von einer andern Seite die Vernunftmäßigkeit des Judenthums in Zweifel ziehen und daraus, daß es bei den religiösen Anordnungen immer nur von den geistlichen Behörden (בית דין) spricht, zu folgern suchen, daß es die Ansicht des Volkes, der Religionsgemeinde, dabei gar nicht beachte, und also einen Glaubenszwang, eine geistliche Herrschaft begründe, welche vor der Vernunft nicht besteht. Allein ein solcher Vorwurf trifft das Judenthum, selbst nach den Absichten, welchen der Talmud huldigt, nicht. Schlagen wir ihn auf und lesen, was er hierüber in Tract. Abodah Sarah fol. 34 und 36 sagt: Als nämlich die Frage entstand, wie Rabbi <hi rend="italic">Jehuda</hi> den Genuß des Oehles erlauben konnte, den doch <hi rend="italic">Schamai</hi> und <hi rend="italic">Hillel untersagt hatten, ward zur Erwiederung hierauf angeführt, daß nach dem Berichte des Rabbi Samuel bar Abba man nachgeforscht und gefunden, daß dieses Verbot sich nicht unter der Mehrheit der Israeliten verbreitet habe, (daß die Mehrheit dieses Verbot noch nicht angenommen) [Raschi's Erklärung] und daher sich auf Rabbi Simeon ben Gamliel und R. Elieser ben Zadock gestützt, welche lehrten: Man darf keine Anordnung in der Religionsgemeinde erlassen, wenn nicht der größte Theil dabei bestehen kann; und zu jener Stelle (Hid. fol. 34): Wenn man in Palästina eine Anordnung erläßt, so macht man den Grund davon nicht im ersten Jahre bekannt, da vielleicht Manche nicht damit einverstanden sind und daher die Verordnung selbst nicht beachten werden, fügt Raschi hinzu: „Offenbart man aber den Grund nicht, so wird jeder im Vertrauen, daß die Religionslehrer das Beste beabsichtigten, die Anordnung, befolgen;“ ja Rabbi Joseph Karu </hi>in seinem Commentar zu Maimonides Mamrim Abschn. <hi rend="italic">1 sagt hierüber: „Daraus geht hervor, daß die geistliche Behörde das Volk nicht zur Annahme einer Ver- </hi>|Sp. 1146| <hi rend="italic">ordnung zwingen darf; denn wäre dieses der Fall, so könnte man es ja bewirken</hi>, (warum also den Gesetzesgrund verheimlichen?“) Diesen Grundsätzen huldigt auch Maimonides in dem angeführten Orte und lehrt Folgendes:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Will die geistliche Behörde irgend eine Verordnung erlassen, so muß sie zuvor Prüfen, ob die Mehrheit der Gemeinde dabei bestehen kann, oder nicht. Hat die Behörde in der Meynung, das Volk würde dabei bestehen können, eine Verordnung erlassen, das Volk aber tritt ihr entgegen, und sie findet bei der Mehrheit keine Aufnahme, so ist sie ungiltig und man hat nicht das Recht das Volk zu ihrer Befolgung anzuhalten. Ja hat die geistliche Behörde ein Gesetz in der Meynung, daß die Gemeinde zu seiner Aufnahme bereit sey, erlassen, und hat dasselbe auch schon viele Jahre bestanden, es zeigt sich aber nachher, daß es diese Aufnahme nicht gefunden, so darf die spätere geistliche Behörde es aufheben, auch wenn sie weder an Einsicht, noch an Zahl ihrer Vorgängerinn gleichkommt.</hi>
         </p>
         <p>Die Stellen beweisen zum Genüge, wie das Judenthum den geistlichen Behörden auch nicht den geringsten Eingriff in die freie Ueberzeugung der Religionsgemeinde gestattet, sondern jenen nur das einräumt, was ihnen gebührt, nämlich als <hi rend="italic">Vertreter </hi>der Gemeinde, und <hi rend="italic">mit ihrer freien Zustimmung</hi> religiöse Einrichtungen in's Leben zu rufen.</p>
         <p>Diese Uebereinstimmung des Judenthums mit den reinen Prinzipien der Vernunft, zeigt sich endlich auch in der Weise, wie es das Verhältniß der Staatsgewalt zur Kirche, oder Synagoge, auffaßt, indem dasselbe auch hier, so viele Rechte es auch dem Staatsüberhaupte, (dem nichtisraelitischen sowohl, als dem israelitischen) einräumt (Talm. Tract. Sanhedrin fol. 29. Tract. Baba Kama fol. 113, Maimonides, Hilch. Melachim Abschn.4, Hilch. Geselah, Abschn. 8.) denselben doch keineswegs den geringsten Eingriff in das Innere der Religion gestattet (Talm. Tract. Sanhedrin fol. 49 et 74, Maim. Hilch. Melachim Abschnitt 3, Hilch. Jesodeh Hathora Abschn. 5), sondern nur einen Theil der vollziehenden kirchlichen Gewalt, namentlich das Recht der Erwählung der kirchlichen Beamten (jus regiminis) überläßt. (Rabbi <hi rend="italic">Izchak bar Schescheth</hi> Kap. 271. Joreh Deah. Kap. 245 §. 22.)</p>
         <p>So wäre es denn aus den Lehrsätzen, welche das Judenthum selbst aufstellt, erwiesen, daß es dem fortschreitendem Prinzip in seinem ganzen Umfange huldigt, und daher auch den jedesmaligen geistlichen Behörden, (sie nicht an die Ansichten und Schriftdeutungen ihrer Vorgänger bindend) nicht nur Reformen in Lehre und Kultus gestattet, sondern auch die Aufhebung eines <hi rend="italic">ausdrücklichen mosaischen</hi>, <hi rend="italic">oder traditionellen</hi>, <hi rend="italic">Gesetzes </hi>zuläßt, wenn der Geist der Zeit, wenn die Religion im Ganzen und ihr hoher Zweck es erfordert. Welch ein Beweggrund für die bessergesinnten Religionslehrer unserer Zeit, auf der Bahn der Reformen fortzuschreiten, sie mit heiligem Eifer zu verfolgen! Und bedenkt man noch, daß die reformistischen Bestrebungen unserer Religionslehrer nicht die, auch nur im Talmud, oder den Schriften der Gaonim und Gesetzeslehrer begründeten Anordnungen betreffen, sondern zunächst nur <hi rend="italic">Mißbräuche</hi>, <hi rend="italic">Mißbräuche </hi>(מנהגי שטות) die sich gegen Willen der angesehensten Religionslehrer in unser Religionsgebäude und besonders in unseren Gottesdienst eingeschlichen und denselben so sehr herabwürdigen, Mißbräuche, von welchen es im vollen Sinne gilt:</p>
         <p>לא נתיסדז עפ הוותיקין שאין להם שורש ועיקר לא מדאורייתא ולמ מדחזל ואינם אלא כטודה בשקול הדעת ומותר לבטלם (מט' טופרים פרק יד, מהריק שנד:)</p>
         <p>so wird die Verpflichtung, sie zu entfernen doppelt heilig, <hi rend="italic">wenn nämlich die Mehrheit der Religionsgemeinde damit einverstanden </hi>ist. Wir kommen auf diese letztere Bedingung nochmals am Schlusse unserer Betrachtung zurück und wenden uns an die erleuchteten Lehrer und Führer in Israel mit dem Zurufe: „Fahrt fort in Eurem Streben, die Synagoge |Sp. 1147| zu reinigen, zu veredeln, sie zu ihrer ursprünglichen Würde zurückzuführen; aber entfernet Euch dabei nicht von den heiligsten Grundsätzen der Religion und des Rechtes und dringet den Gemeinden nicht Reformen auf, die, wenn auch noch so zweckmäßig, doch <hi rend="italic">ihrer Ansicht, ihrer Ueberzeugung widersprechen. </hi>Uebet nicht einen <hi rend="italic">Gewissenszwang, eine geistliche Herrschaft</hi> über Eure Glaubensbrüder aus, die auch für die <hi rend="italic">besten Zwecke</hi> verdammungswürdig ist, und denjenigen Volkslehrern, die nicht das Licht und das Gute, sondern die Finsterniß und das Böse wollen, mit gleichem Rechte zustehen würde.“ <hi rend="italic">„„Nicht im lodernden Feuer, nicht im brausenden Sturme zeigt sich der Herr, sondern im sanften Säuseln des Windes, das auf dem Sturme folgt.“„ </hi>(1 Kön. 17,11.) Nicht auf dem Wege der <hi rend="italic">Gewalt</hi>, soll Israel's religiöse und kirchliche Umbildung vor sich gehen, sondern auf dem Wege der <hi rend="italic">Belehrung</hi>, der <hi rend="italic">Ueberzeugung</hi>, dem Wege, auf welchem allein man der Wahrheit Eingang in die Gemüther verschaffen kann. Und wird diese nur freimüthig und mit liebevollem Eifer verkündet, vereinen sich alle Bessergesinnten, sie nach dieser Weise zu lehren, zu predigen; so wird auch bald der größte Theil unserer Glaubensbrüder einer vernünftigern Ueberzeugung huldigen, und die glückliche Zeit nicht mehr fern seyn, wo die Synagoge sich der Vergleichung mit ihren Töchtern nicht mehr zu schämen haben, sondern die Gestalt gewinnen wird, die sie nach der Absicht ihres göttlichen Stifters haben soll. Im Juli 1837. </p>
         <p>M. H.</p>
         </div>
         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
         
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p>* Streitschriften zur Vertheidigung meiner Schrift über das Leben Jesu, und zur Charakteristik der gegenwärtigen Theologie. Von Dr<hi rend="italic">. David Friederich Strauß</hi>. Erstes Heft: Herr Dr. <hi rend="italic">Steudel </hi>oder die Selbsttäuschungen des verständigen Supranaturalismus unserer Tage. 192 S. — Zweites Heft; Die Herren <hi rend="italic">Eschenmayer</hi> und <hi rend="italic">Menzel</hi>. 247 S. 8. Tübingen, bei <hi rend="italic">Osiander</hi>. 1837.</p>
         <p>Beurtheilt von Candidat <hi rend="italic">August Boden </hi>aus <hi rend="italic">Oldenburg</hi>. (Fortsetzung.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Strauß</hi> fährt fort: „Auch der Briefe über die Lucinde gedenkt Hr. <hi rend="italic">Menzel</hi>, aber als „ „einer alten Jugendsünde des berühmten Mannes, die mit seinen spätern Leistungen und seinem wissenschaftlichen Charakter gar nicht zusammenhänge.“„ Ob er die Briefe wohl gelesen hat? Auch dann würde er, da sie einmal von der Lucinde handelten, und <hi rend="italic">Gutzkow's</hi> Vorrede davor stand, unfähig gewesen seyn, den Adel und die Reinheit jener Darstellung zu empfinden, von welchen er namentlich auch in Hinsicht auf moralische Beurtheilung der Kunstwerke so Vieles lernen konnte.“</p>
         <p>Hier möchte Rec. fragen, ob <hi rend="italic">Menzel's</hi> Urtheil über jene Briefe nicht schon deßhalb richtig sey, weil sie in bekannter Weise von der Lucinde handeln, und weil <hi rend="italic">Gutzkows</hi> Vorrede davor steht? fragen, ob <hi rend="italic">Menzel</hi> nicht über sie bloß als Menzel richtig sollte urtheilen können, oder ob die Philister auch schlechterdings in nichts recht behalten dürfen? <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> ließ die Briefe von edeln Frauen und Mädchen und an edle Frauen und Mädchen geschrieben werden. Ich würde aber edle Frauen, die so schrieben und sich von Andern so schreiben ließen, nach einem Ausdruck in den Briefen, höchstens für „manquirte Hetären“ halten. Also halte ich, mit Herrn <hi rend="italic">Menzel</hi>, und vielleicht auch aus bloßen <hi rend="italic">Menzel'schen</hi> Gründen, <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi> Briefe über die Lucinde für einen Irrthum des berühmten Manns, für die Jugendsünde seines öffentlichen Lebens. Daß sich daneben „Adel“ und fast „Reinheit“ der Gesinnung, besonders in den beiden Briefen zwischen <hi rend="italic">Eleonore</hi> und <hi rend="italic">Friederich</hi>, dem |Sp. 1148| Verfasser der Briefe, findet, bewirkt eben, daß die Briefe nur eine Jugendsünde, ein Irrthum sind. Solchen Irrthümern sind aber viele Menschen ausgesetzt, bei bessern Naturen entwickelt sich das Bessere daraus und ist schon als Keim darin zu erkennen. Wie ging es <hi rend="italic">Plato</hi>, dem Muster, nach welchem, wie behauptet wird, <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> sich gebildet hat? Ehe er zu <hi rend="italic">Sokrates</hi> kam, hatte er Gedichte gemacht, die er darauf verbrannte. Sokrates haßte die Dichter nicht und war selbst mit seinem Gegner <hi rend="italic">Aristophanes</hi> befreundet. Wie, wenn <hi rend="italic">Sokrates'</hi> erster Eindruck auf <hi rend="italic">Plato</hi> diesen nicht mit solcher Heftigkeit gegen seine Gedichte, sondern gegen deren Inhalt, gerichtet hätte? <hi rend="italic">Sokrates</hi> stand ihm nicht immer zur Seite, und Plato hörte nicht auf, an der Poesie fortzusündigen.</p>
         <p>Also können wir auch nicht glauben, daß <hi rend="italic">Menzel</hi> aus den Briefen über die Lucinde „in Hinsicht auf moralische Beurtheilung der Kunstwerke so vieles lernen konnte“; denn <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi> moralische Beurtheilung der Lucinde ist theils wegen des beurtheilten Buchs verfehlt, theils selbst unmoralisch.</p>
         <p>„In keinem Fall,“ fährt <hi rend="italic">Strauß</hi> fort, „wäre Herr <hi rend="italic">Menzel </hi>der Mann gewesen, zu wissen, daß die Briefe zu den Monologen und den Reden über die Religion ein wesentlich ergänzendes Dritte bilden.“</p>
         <p>Das nicht zu wissen, würde auch Niemanden unwissend machen „und daß der beigegebene Versuch über die Schamhaftigkeit, wie aus <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi> Kritik der Sittenlehre herausgeschnitten, ganz als Vorübung in der Methode dieses Werks, die moralischen Begriffe zu behandeln, erscheint.“</p>
         <p>Das mag seyn, sobald man diesen Worten ihren Widerspruch und jenem Versuch den übertriebenen Theil des Lobes nimmt, was sie ihm zollen. Jener den Briefen über die Lucinde beigegebene Versuch über die Schamhaftigkeit von <hi rend="italic">Schleiermacher </hi>erklärt aber, wie <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> dazu kam, die Briefe zu schreiben. Wenigstens könnte man nicht, ohne Anstoß zu geben, die Briefe aus den Briefen selbst erklären. „Jene ängstliche und beschränkte Schamhaftigkeit“, sagt <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> in jenem Versuch, „die jetzt der Charakter der Gesellschaft ist, hat ihren Grund nur in dem Bewußtseyn einer großen und allgemeinen Verkehrtheit und eines tiefen Verderbens.“ Hinter „jenem falschen Schein“ stecke eigentlich die wahre Schamlosigkeit.</p>
         <p>Allerdings steckt hinter der falschen Scham die wahre Schamlosigkeit; indessen daraus folgt noch nicht, daß hinter der falschen Schamlosigkeit die wahre Scham, verborgen sey. Neben der wahren Scham tritt nicht bloß die falsche Scham auf, um ihr heuchlerisches Wesen zu treiben, sondern die zur Schau getragene Schamlosigkeit ist nicht weniger heuchlerisch, da sie für einen Schutzmantel der wahren Scham gelten will, aber nur ein Deckmantel der wahren Schamlosigkeit ist. Also übersah <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> um der falschen Scham willen, die er gewahrte, die wahre Scham, die sich nicht, wie jene, bläht; und um der wahren Scham willen, die er nicht gewahrte, übersah er die offne Schamlosigkeit, die die versteckte Scham seyn will. Also versuchte es <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> mit der einen falschen Scham gegen die andere, und das mag immerhin besser seyn, als wenn beide gegen die wahre Scham mit einander im Bunde stehen. Auf die Weise erklärt sich das Unrecht der Briefe aus dem Irrthum des Versuchs, dieser aber aus dem Menschen und dem Leben. Darüber wollen wir zum Schluß einige ganz allgemeine Bemerkungen hinzufügen.<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Das eigentliche wissenschaftliche Verdienst des Versuchs haben wir unberührt lassen müssen. Es besteht in der Erweiterung des gewöhnlichen Begriffs der Schamhaftigkeit, bei dem wir hier stehen bleiben.</p>
            </note> Es findet ein Unterschied statt zwischen der Scham und der Schamhaftigkeit. Scham ist eine Eigenschaft des natürlich und gesellig gutgearteten Menschen. Kommt aber ein solcher in Widerstreit mit der Welt, so wird auch seine Scham von der Schamlosigkeit der Welt — diese sey falsche Scham oder offene Schamlosigkeit — zum Kampf herausgefordert. Ist sie aber einem Kampffähigen eigen, so ist sie auch nicht unbeschützt, und dieser kommt der Schamlosigkeit der Welt zuvor, d. h., er sichert sich den Vortheil, den der Angreifer vor dem Angegriffenen hat. Er mischt sich also in die Schamlosigkeit, er sucht sie auf ihrem eigenen Gebiet auf und führt Krieg mit ihr auf ihre eigenen Kosten; indem er sie angreift ist sie zugleich die Waffe, mit der er es um so weniger genau nimmt, je mehr er ihr in ihr selbst |Sp. 1149| zu schaden und sie durch den Gebrauch zu schwächen meint. Also wird die Scham schamlos, ohne sich zu schämen. Ein solcher Zustand erklärt die Erscheinung der <hi rend="italic">Schleiermacher'schen </hi>Briefe über die Lucinde. Es versteht sich aber, daß er nur sehr vorübergehend seyn dürfe, und daß der Mensch vielmehr für seine Tugend einen Panzer gewinnen, an dem jeder Angriff abgleite, als sie jedem Angriff bloßstellen solle. Und nicht bloß dieß, sondern auch jener Kampf oder jene Art des Kampfs war ein Irrthum, und dieser Irrthum schon aus Mangel an Scham hervor gegangen, also, je nach seiner Stärke mehr oder weniger, Sünde. Wenigstens, indem nun statt der Eigenschaft der Scham die Tugend der Schamhaftigkeit entsteht, ist mit dieser auch Mangel an Scham gesetzt. Keine Tugend hat nämlich, recht verstanden, einen andern Kampf, als mit demjenigen, was ihr im Menschen selbst entgegengesetzt ist. Es ist ein Unrecht gegen die Welt und gegen die Tugend selbst, diese der Welt und ihr die Welt für entgegengesetzt zu halten. Der tugendhafte Mensch kann angefeindet werden (denn er hat Mängel; und die Welt hat Mangel an Billigkeit) aber seine Tugend wird es nicht. — Es gibt aber auch, zum Unterschied von jener errungenen, eine ursprüngliche Schamhaftigkeit, man könnte sagen, eine Schamhaftigkeit der Scham, so wie man jene fast eine Schamhaftigkeit nennen könnte, die sich schämt, nämlich ihrer Schamlosigkeit, vermöge welcher also der Mensch nicht schamlos ist, wie er vermöge der erstern schamhaft ist.<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> „Die völlige Verderbtheit und die vollendete Bildung“ , sagt <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> in dem Versuch, „machen beide der Schamhaftigkeit ein Ende.“</p>
            </note> Diese ziert die Frau<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> In den Frauen“, sagt <hi rend="italic">Schleiermacher</hi>, „wohnt die Scham, als in ihrem schönsten Heiligthume.“</p>
               <p rend="UKZ 8 fussnote">-Z- Durch ein Versehen sind die Nachweise aus dem 3. Hefte X. Bandes obiger Zeitschrift vorausgegangen; aus dem zweiten Hefte sind deren keine zu entnehmen gewesen.</p>
            </note>, jene ehrt den Mann. </p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
         </div>
         <div type="litr">      
            <head>Nachweise von Rezensionen theologischer Schriften.</head>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Dr. <hi rend="italic">Jos</hi>. <hi rend="italic">Pletz</hi> Neue theologische Zeitschrift, Jahrgang X. 1. pag. 91. 92. 93. 96.</p>
         <p>1. Geschichte des Tridentinischen Konsiliums vom Kardinal <hi rend="italic">Sforza Pallavicino</hi>. Aus dem Italianischen übersetzt von Theod. Friedr. <hi rend="italic">Klitsche</hi>. V—VIII. Band. Augsburg 1835—1836. Verlag der Karl <hi rend="italic">Kollmannschen</hi> Buchhandlung. S. 1116 in 8.</p>
         <p> 2. Doctoris Petri Canisii Soc. Jesu Theologi <hi rend="italic">Summa Doctrinae Christianae </hi>Tomus III. De justitia christiana. Pars 1 cum Canisii vita et effigie. CXCII und 416 S. in gr. 8. — Tom. IV. De justitia chris tiana. Pars 2. cum appendice: De hominis lapsu et justificatione. XIV. und 1089 S.</p>
         <p>3. Leben des heiligen Karl <hi rend="italic">Borromäus</hi>, Kardinals der heil. römischen Kirche und Erzbischofes von <hi rend="italic">Mailand</hi>. Aus dem Italiänischen des Johann Peter <hi rend="italic">Giussano</hi> von Theod. Frieder. <hi rend="italic">Klitsche</hi>. Erster Band. Mit einem Stahlstiche. Ausgburg 1836. Verlag der Karl <hi rend="italic">Kollmann'schen</hi> Buchhandlung (Wien bei K. <hi rend="italic">Gerold</hi>, Luzern bei Gebr. <hi rend="italic">Räber</hi>)</p>
         <p>4. Geschichte der Kreuzzüge und des Königreiches Jerusalem von dessen Entstehung bis zum Untergange. Für die Jugend und ihre Freunde lehrreich erzählt von Leopold <hi rend="italic">Chimani</hi>. Zwei Theile. Wien 1835, gedruckt und im Verlag bei Anton <hi rend="italic">Pichler</hi>. 1. Theil. S. 350, 2. Theil S. 342 in gr. 12.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">Jenaische Literatur-Zeitung.</hi>
         </p>
         <p>No. 30. <hi rend="italic">Christiani</hi> Geschichte des Christenthums. — <hi rend="italic">Klee</hi> Die Ehe, eine dogmat. archäolog. Abhandlung. 2te Ausgabe. — No. 33 <hi rend="italic">Lücke</hi> Dr. G. J. <hi rend="italic">Planck</hi>, ein biograph. Versuch. — No. 40. Agende für die evang. protestant. Kirche im Großh. Baden. — <hi rend="italic">Keferstein </hi>Handagende oder liturg. Hilfsbuch für evangel. Geistliche. — <hi rend="italic">Sparfeld</hi> Die bibl. Geschichte mit den Worten A. und N. Test. — <hi rend="italic">Engel</hi>mann Die schönste Ostergabe. Ganz kurze und ordentliche Beweise für die Unsterblichkeit der Seele. — No. 41. 42. <hi rend="italic">De Wette</hi> Kurze Erklärung des Evang. Matthäi. — No. 42. <hi rend="italic">Köhler</hi> Gott war in Christo. Sieben Predigten u. s. w. — No. 61. 62. D. <hi rend="italic">Krabbe</hi> Die Lehre von der Sünde und vom Tode in ihrer Beziehung zu einander und zu der Auferstehung Christi. — No. 62. Locherer Lehrbuch der Patrologie. — No. 68. <hi rend="italic">Heynatz</hi> Biblische Erzählungen, neu bearbeitet von <hi rend="italic">Usener</hi>. — No. 72. <hi rend="italic">Schröder</hi> Ueber den Religionsunterricht in den Höheren Klassen gelehrter Schulen. — No. 78. <hi rend="italic">Schönhuth</hi> Chronik |Sp. 1150| des ehemaligen Klosters Reichenau. — <hi rend="italic">Kirchner</hi> Stunden der Weihe und des Trostes. — <hi rend="italic">Westhoff</hi> Predigt und Uebersetzung einer Abhandlung <hi rend="italic">Melanchton's</hi>. — No. 81. 82. <hi rend="italic">Dähne</hi> Entwickelung des vaulinischen Lehrbegriffs. — No. 82. F. de Paula de Schrank Commentarius literalis in Genesin. — No. 89. <hi rend="italic">Richard Baxter</hi> Der Mangel. Geistliche. 2. Aufl. — No. 90.91. L. <hi rend="italic">Flathe</hi> Geschichte der Vorläufer der Reformation. 2 Thle. — No. 91. <hi rend="italic">Käuffer</hi> Predigten. — 92. <hi rend="italic">Helms</hi> Zwölf geistlichen Reden. — No. 101. <hi rend="italic">Knauer </hi>Der evangel. Kirchenfreund. — F. <hi rend="italic">Busch</hi> Anleitung zur Mittheilung der Religion und zur Einführung in's Christenthum. — Offenbarungen Gottes in Geschichten des A. Test. 1. und 2. Abth. — <hi rend="italic">Ergänzungsblätter</hi>. No. 21. <hi rend="italic">Illger</hi> Zeitschrift für die historische Theologie. Bd. Vl. St. 1 und 2. — No. 23. <hi rend="italic">Massillon</hi> Conferenz- und Synodalreden, herausg. von <hi rend="italic">Rheineck</hi>. — <hi rend="italic">Sprißler</hi> Predigten. 1r Jahrg. Heft 1—9. — Beck Christliche Reden. 2r Abdr. — No. 29. R. <hi rend="italic">Haas </hi>Wissenschaftliche Darstellung des geistlichen Berufes. 2 Bde. — <hi rend="italic">Paniel </hi>Homilet. Magazin. — <hi rend="italic">Aschenbach</hi> Die christliche Predigt in kurzen Lehrgedichten. — No. 31. <hi rend="italic">Heinemann</hi> Uebersetzung des Koheleth. Lisco Biblische Betrachtungen über Johannes den Täufer. — <hi rend="italic">Dreyer </hi>Passionspredigten.</p>
       </div>

         </div>
         <div type="anz">
         <p rend="UKZ 2 13 zwischentitel">Anzeigen.</p>
         <p>Wichtige Anzeige für Theologen.</p>
         <p>(63) So eben ist erschienen und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes zu haben:</p>
         <p>Universal-Wörterbuch der theologischen und religions — geschichtlichen Literatur. Von Dr. J. T. L. DANZ, Geh. Cons. Rath und Professor der Theologie zu Jena.  ERSTE LIEFERUNG; 128 Seiten. Lexicon 8° broch.</p>
         <p>SUBSCRITIONSPREIS: 16 gr. sächs. 20 Sgr. 1 fl. Conv.</p>
         <p>SUBSCRITIONSPREIS: Ausgabe in 4° mit breitem Rande 1 Thlr.</p>
         <p>8 gr. sächs. 1 Thlr. 10 Sgr. 2 fl. Conv.</p>
         <p>Zuverlaessig, Vollstaendig, Belehrend und Bequem eingerichtet wird dieses Werk, welches sich an J. G. WALCH'S <hi rend="italic">Bibliotheca theologica selecta</hi> (Jena 1757-65 IV. Voll.) anschliesst, seinem Zwecke, dem Gelehrten von dem betreffenden Fache, so wie Bibliotheken etc. ein brauchbares und nützliches literarisches Hilfsmittel zu sein, vollkommen entsprechen, und Verfasser und Verleger glauben hoffen zu können, dass die vieljährige mühsame Arbeit und aufgewandte Kosten die verdiente Anerkennung finden werden. Das Ganze bildet, des bequemen Handgebrauchs wegen, nur einen Band von circa 70 Bogen, welcher mit 8—9 Lieferungen regelmäßig von 8 zu 8 Wochen erscheinend, vollständig geliefert werden soll.  </p>
         <p>Ausführliche Prospekte sind in allen Buchhandlungen zu haben, welche auch gern bereit seyn werden, die erste Lieferung zur Ansicht mitzutheilen.</p>
         <p>Leipzig, im August 1837.</p>
         <p> Gustav Wuttig</p>
         <p>(64) Durch die Brönner'sche Buchhandlung in Frankfurt am Main ist zu beziehen:</p>
         <p>Des Geistlichen Amt ist ein köstliches. Predigt über 1 Timothäus 3,1. Bei'm Antritte seines Amtes, am 14. Sonntage nach Trin., 14. Aug. 1837, gehalten von Christian Friedrich Gollhard, evang. luth. Pfarrer zu Dortelweil, im Gebiete der freien Stadt Frankfurt. Preis: 12 Kreuzer.</p>
         <p>Da der Ertrag zum Besten der Armen zu Dortelweil bestimmt ist, so werden auch größere Gaben mit Dank angenommen.</p>
        </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>.</p>
   </div> 
      </body>
   </text>
</TEI>

