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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 30. August 1837, Nro. 70</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
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            <date type="publication">2014</date>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="70">30. August 1837, Nro. 70</title>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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                  <date type="publication">1837-08-30</date>
                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            katholischen, und israelitischen Deutschland's.<lb/> Frankfurt a. M., den 30. August 1837. Nro. 70.</head></div>
       
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         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Der Name Gottes. — </p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Etwas über die zehn Stämme <hi rend="italic">Israel's</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Kirchliche Nachrichten.</seg>
            </hi> 
            <hi rend="italic">Australien</hi>. <hi rend="italic">Navigators</hi>-<hi rend="italic">Inseln</hi>. 
            <hi rend="italic">Ararua</hi>; anglikanischer Missionsbericht. <hi rend="italic">Upolu</hi>; desgleichen. — <hi rend="italic">Griechenland</hi>. <hi rend="italic">Athen</hi>; Bau einer schismatisch-griechischen Hauptkirche. — <hi rend="italic">Kroatien</hi>. <hi rend="italic">Agram</hi>; neuer Bischof. — <hi rend="italic">Belgien</hi>. <hi rend="italic">Brüssel</hi>; Reise-Unfall des päpstl. Internuntius; gemeinnützige Gesellschaften. <hi rend="italic">Antwerpen</hi>; Restauration der Kathedrale; barmherzige Schwestern. <hi rend="italic">Duffel</hi>; Jubiläum. <hi rend="italic">Löwen</hi>; kathol. Universität. <hi rend="italic">Mecheln</hi>; Reise der Bischöfe. <hi rend="italic">Gent</hi>; Coadjutor; Congregation der Josephiten. <hi rend="italic">Melle</hi>; Grundsteinlegung. <hi rend="italic">Enghien</hi>; Mission der Jesuiten. <hi rend="italic">Brügge</hi>; Taubstummen-Anstalt<hi rend="italic">. Lüttich</hi>; Ordination; Kirchenreparatur. <hi rend="italic">Maesseyk</hi>; Ursulinerinnen. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Preußen</hi>. <hi rend="italic">Culm</hi>; Correspondenzbericht, die Gründung und Einweihung eines neuen kathol. Gymnasiums betr. <hi rend="italic">Hessen</hi>-<hi rend="italic">Darmstadt</hi>. <hi rend="italic">Mainz</hi>; über Priestererziehung und Priestermangel. — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Theologische Akademie. </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Israel. Abth.</seg>
            </hi> Dreizehn Thesen über den Talmud, als Gegenstück zu den Thesen in No. 2 der <hi rend="italic">Univ.-K.-Ztg.</hi> — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Literatur. </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Protest. Abth.</seg>
            </hi> 
            <hi rend="italic">Strauß</hi> Streitschriften etc. Rec. vom Cand. A. <hi rend="italic">Boden</hi> in Oldenburg (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Anzeigen.</seg>
         <lb/>   |Sp. 1103| </hi>
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head> Der Name Gottes.</head>
         <p>Man hat bemerkt, daß das Wort, welches das höchste Wesen bezeichnet, fast in allen bekannten Sprachen in vier Buchstaben besteht. Die Griechen nannten es Θεος, die Römer Deus, die Spanier Deos, die Franzosen Dieu. Bei den Dalmatiern heißt es Vogi, bei den Türken Alla, bei den Aegyptiern Foud, bei den Persern Zuri, bei den Indiern, Zimi, bei den Hebräern Eloa, bei den Polen Boga, und bei den Deutschen <hi rend="italic">Gott</hi>.</p>
         <p rend="UKZ 2 13 zwischentitel">Etwas über die zehn Stämme Israel's.</p>
         <p>Die <hi rend="italic">Sulamith</hi> enthielt in ihrem VI. Jahrgang darüber Folgendes: „Die zehn Stämme, welche der König von <hi rend="italic">Assyrien</hi> in die Gefangenschaft geführt hat, sind seit mehr, als 2000 Jahren verloren gewesen. Sowohl <hi rend="italic">Juden</hi>, als <hi rend="italic">Christen</hi> haben verschiedene Muthmaßungen über ihren Aufenthaltsort angestellt, von denen wir hier Einige kurz anführen wollen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Manasse Ben Israel</hi> hat in einem Werke, das den Titel: die <hi rend="italic">Hoffnung Israel's</hi> führt, zu beweisen gesucht, daß die amerikanischen Eingebornen Abkömmlinge von den zehn Stämmen seyen. Diese Meynung haben auch einige christliche Schriftsteller, besonders <hi rend="italic">Jakob Adair</hi>, Esq., angenommen, der mit den <hi rend="italic">Indianern</hi> Handel trieb und der sich 40 Jahre lang im Lande aufhielt. Er war ein sorgfältiger Beobachter ihres ganzen, sowohl häuslichen, als öffentlichen Leben's, und hatte die beste Gelegenheit, es kennen zu lernen, ohne große Gefahr zu laufen, sich zu täuschen. In einem Werke, das den Titel hat: <hi rend="italic">Geschichte der amerikanischen Indianer</hi>, schließt er seine Bemerkungen über ihren Ursprung folgendermaßen: „Aus den genauesten Beobachtungen, die ich lange Zeit unter den Indianern in Amerika angestellt habe, muß ich annehmen, daß sie in gerader Linie von den <hi rend="italic">Israeliten</hi> abstammen, entweder während diese eine Seemacht waren, oder bald nach der allgemeinen Gefangenschaft; das Letztere ist das Wahrscheinlichste. Wären die neun Stämme und ein halber, die von dem Könige in <hi rend="italic">Assyrien</hi>, <hi rend="italic">Salmanassar</hi>, weggeführt und in <hi rend="italic">Medien</hi> angesiedelt wurden, lange dageblieben, so hätten sie sich wahrscheinlich mit den Eingebornen verheirathet, und, wegen ihres natürlichen Wankelmuths und ihrer Geneigtheit zum Götzendienste, und durch die Macht des Beispiels bewogen, die Gottheiten der <hi rend="italic">Meder</hi> und |Sp. 1104| <hi rend="italic">Assyrer</hi> angenommen und sie verehrt, und sie auch mit sich genommen; aber man findet nicht die geringste Spur von diesem Götzendienste unter den <hi rend="italic">Indianern</hi>.“ Hieraus folgert er, daß die zehn Stämme, welche die Vorfahren der <hi rend="italic">Amerikaner</hi> waren, aus <hi rend="italic">Assyrien</hi> bald gegen Osten fortzogen und vor der Zerstörung des ersten Tempels ihre Niederlassungen auf dem neuen Festlande errichteten.</p>
         <p>Zum Beweise dieser Behauptung führt er folgende Gründe an; </p>
         <p>1) Alle <hi rend="italic">Israeliten</hi> waren in Stämme getheilt; dies ist auch bei den <hi rend="italic">Indianern</hi> der Fall; jeder Stamm bildet eine kleine Gemeinde in der Nation. 2) Die hebräische Nation betete <hi rend="italic">Jehova</hi> an, und die <hi rend="italic">Indianer</hi> nennen ihren Gott <hi rend="italic">Yohewah</hi>. 3) Die <hi rend="italic">Indianer</hi> sehen Gott ebenfalls für das unmittelbare Haupt ihres Staates an. 4) Die indianische Sprache und die Dialekte scheinen die Mundart und den Genius des Hebräischen zu haben. 5) Sie zählen die Zeit, wie die Hebräer, und theilen das Jahr in den Frühling, Sommer, Herbst, oder das Fallen des Laubes, und den Winter ein. 6) Die indianischen <hi rend="italic">Amerikaner</hi> haben ebenfalls ihre Propheten, Hohenpriester und andere von einer religiösen Ordnung. 7) Die Ceremonien der <hi rend="italic">Indianer</hi> bei ihrem Gottesdienste sind mehr nach der mosaischen Einrichtung, als auf heidnische Art. 8) Die <hi rend="italic">Indianer</hi> haben wie die <hi rend="italic">Israeliten</hi>, ein Zufluchtshaus oder eine Zufluchtsstadt. 9) Herr <hi rend="italic">Adair</hi> zeigt endlich die Aehnlichkeit der Feste, Fasten und religiösen Gebräuche bei den <hi rend="italic">Hebräern</hi> und amerikanischen <hi rend="italic">Indianern</hi>, und beweiseit ihre Uebereinstimmung. Auch führt er die eigenen Sagen der <hi rend="italic">Indianer</hi> an, woraus ihre Abstammung von den <hi rend="italic">Israeliten</hi> erhellen soll.“</p>
         <p>Neuerlich bringt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums“ einen interessanten Artikel über denselben Gegenstand, welchen wir nächstens ebenfalls mitthellen werden.</p>
       
       </div>
         <div type="kn">
         <p rend="UKZ 2 13 zwischentitel">Kirchliche Nachrichten.</p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Australien.</seg>
            </hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Navigators-Inseln.</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Ararua</hi>, <hi rend="italic">auf Raratonga</hi>, 25. Mai 1836. (Schreiben der auf den Navigators-Inseln befindlichen anglikanischen Missionarien an den Secretär der auswärtigen Missionsgesellschaft in London):|Sp. 1105| Werther Herr! Capitan <hi rend="italic">Auliffe</hi> von <hi rend="italic">Wanstead</hi> (London), der gegenwärtig hier ist, sagt uns, er hoffe im Dezember wieder in England zu seyn; wir benutzen daher diese gute Gelegenheit, Ihnen von unsern Fortschritten Bericht zu erstatten. Durch Capitan <hi rend="italic">Havers</hi> von Tuscan sandten wir von Tahiti aus zwei Schreiben, in denen wir die hauptsächlichsten Ereignisse auf unserer Reise nach dieser Insel schilderten. Am 25. Aprill setzten wir nach <hi rend="italic">Eimes</hi> über, wo wir nicht bloß das Vergnügen einer angenehmen Unterhaltung mit Freunden hatten, sondern auch einem feierlichen Gottesdienst und der Prüfung der jungen Leute in dieser Gemeinde beiwohnten. — Am 4. d. segelten wir nach Huahine ab, wo wir andern Morgens landeten, und nahe an vierzehn Tage in einem unterhaltenden Verkehre mit Hrn. <hi rend="italic">Barff</hi>, dessen Familie und Gemeinde, so wie mit Capitän <hi rend="italic">Green</hi> vom <hi rend="italic">Recovery</hi>, dessen Frömmigkeit und Biederkeit seinen Besuch auf jeder Missionsstation höchst willkommen machen, standen. Wir wohnten hier auch der jährlichen Versammlung der Missionarien bei, und wie wir sahen, wie das Volk mit lächelnder Geberde seine Dollars auf den Tisch legte und auf die begeisterten Reden von einigen zwanzig bis dreißig Stromhäuptern und Predigern lauschte, da dankten wir Gott und faßten Muth. Hrn. <hi rend="italic">Barffs</hi> Gemeinde machte uns großmüthig ein Geschenk mit Lebensmitteln, bestehend aus einem Schweine, mehrerem Geflügel und vielem Gemüse, wozu Hr. Barff selbst noch reichlich beitrug, außer seinen sonstigen gefälligen Leistungen, hergab. Hiemit endete unser so angenehmer Besuch auf den <hi rend="italic">Georgs</hi>- und <hi rend="italic">Gesellschafts</hi>-<hi rend="italic">Inseln</hi>, wo wir gleichsam mit Zuvorkommenheiten überschüttet, und wo uns die Wunder der Wirkungen göttlicher Gnade durch die Arbeiten der Missionarien klar wurden.</p>
         <p>Nach der ängstlichsten Ueberlegung entschloß sich Hr. <hi rend="italic">Barff</hi>, uns zu begleiten, und mit ihm kamen wir gestern Morgen wohlbehalten hier an. Einige von uns haben bereits Hrn. <hi rend="italic">Pit</hi>-<hi rend="italic">man's</hi> Station besucht, und sowohl dort, als hier haben wir uns dessen gefreuet, was wir sahen und hörten. Angenehm war es uns, Hrn. <hi rend="italic">Pitman</hi> etwas besser zu finden, als wir erwarten konnten, jedoch ist er wohl zu schwach, um jemals wieder predigen zu können. Auf allen Inseln, die wir besuchten, fanden und beklagten wir, daß der Arbeiter viel zu wenig waren; doch sind wir überzeugt, die Directoren werden des Ehesten mehrere senden, und diesen Inseln etwas Aufmerksamkeit widmen.</p>
         <p>Hier ist ein gemäßigtes Klima. Siebentausend Seelen sind begierig nach Unterricht, und selten wird sich ein widerstrebendes Individuum finden. In den Außen-Stationen auf den kleinern Inseln befinden sich auch sechs bis siebentausend, jedoch werden sie durch eingeborne Prediger nur schlecht versehen. Das ungestüme Verlangen des Volkes an uns, ihm treulich zur Seite zu stehen, betrübt uns in der That. Wir waren noch nicht lange gelandet, so kam schon ein Bote in athemloser Eile mit einer Botschaft von einem auf der entgegengesetzten Seite der Insel wohnenden Häuptling, an Hrn. <hi rend="italic">Buzacott</hi> mit dem Ansinnen, Jemand von uns für seine Station fest zu engagiren, und kaum war die Botschaft gelesen, so folgte noch ein zweiter Bote mit demselben Auftrage. Wir waren nun in der demüthigenden Lage, bekennen zu müssen, daß man in England Missionarien in hinreichender Anzahl nicht finden könne; — und was kann die brittische Kirche hierauf erwiedern?</p>
         <p>Nach mehrerem Hin und Herüberlegen fanden die Brüder, Hr. <hi rend="italic">Buzacoff</hi> könne uns nicht füglich begleiten, ohne daß einer von uns während seiner Abwesenheit hier zurückbliebe. Wir beschlossen demnach, binnen einigen Tagen abzusegeln, und hoffen, nach acht Tagen auf dem uns zur Bearbeitung angewiesenen Felde angelangt zu seyn, wohin wir uns überdem innigst sehnen. Alsdann haben wir zwanzigtausend Meilen zurückgelegt, unter manchen, kleinen Entbehrungen und Unannehmlichkeiten, die jedoch durch Gesundheit, Wohlbefinden und gute Aufnahme, deren wir uns mit Gottes Hilfe erfreueten, aufgewogen wurden.</p>
         <p>Diese Mission ist genau, wie Sie in ihrer Instruktion bemerkt haben, „eine interessante und blühende Mission.“ — Diesen Morgen besuchten wir die Kinderschule, wo wir mehr, als tausend Kinder unter christlichem Unterricht fanden, und sie der wundervollen Werke Gottes in ihrer eigenen Sprache besingen hörten. Nachmittags wohnten wir einer Versammlung in der Kapelle bei, die auf Ansuchen der Eingebornen gehalten wurde, um mit ihnen |Sp. 1106| die Empfindungen und Gefühle christlicher Bruderschaft auszutauschen. Wir sind, werther Herr, aufrichtigst die Ihrigen <lb/>Thomas <hi rend="italic">Heath</hi>. Charles <hi rend="italic">Hardie</hi>. George <hi rend="italic">Baraden</hi>. William <hi rend="italic">Mills</hi>. A. W. <hi rend="italic">Murraw</hi>. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Miss. Magaz. and Chron.)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Upolu</hi>, 13. Juni. (Schreiben Ebenderselben an Denselben:) „Wir haben nunmehr die hohe Befriedigung, unser erstes Schreiben von den <hi rend="italic">Samoa's</hi> aus an Sie zu richten. Herr <hi rend="italic">Macdonald</hi> blieb etwas unpaß in <hi rend="italic">Rarotonga</hi> zurück, wir übrigen sind aber vollkommen gesund und frohen Muthes über den ermunternden Empfang, welchen wir sowohl von den Häuptlingen, als von dem Volke erfahren. Sie riefen uns zu: ‚Kommt und verherrlicht den Herrn mit uns, und laßt uns gemeinsam seinen Namen preisen!‘ — Wir verließen <hi rend="italic">Rarotonga</hi> am 30. Mai in Gesellschaft des Hrn. <hi rend="italic">Buzacott</hi> und seiner Familie, so wie des Hrn. <hi rend="italic">Barff</hi>, nachdem wir die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß der Sonntags-Gottesdienst und die Schule auf dieser Insel sich eines zahlreichen Besuches erfreue. Am 5. Juni passirten wir Manua, die kleinern Inseln der Windward-Gruppe und kamen Abends in Gesicht von Tutuila an. Andern Morgens, während das Schiff an der Küste kreuzte, gingen die HH. <hi rend="italic">Barff</hi>, <hi rend="italic">Buzacott</hi>, und <hi rend="italic">Barden</hi> an Land, besprachen sich mit dem Oberhaupte <hi rend="italic">Maugna</hi>, der selbst den Wunsch aussprach Missionarien bei sich aufzunehmen und sich erbot, seinen Sohn Bunart uns zu dem Häuptling der Leeward-Gruppe mitzugeben. Ein gleiches Erbieten machte der Häuptling eines andern Distriktes für seine Person selbst. Wir hatten bis dahin nicht in Erfahrung bringen können, ob sich daselbst ein Lehrer oder Prediger befinde, als zu unserer großen Freude der eingeborene Prediger <hi rend="italic">Teava</hi> von Manono Abend's zu uns kam. Er hatte seit fünf Wochen die Insel durchzogen und machte uns eine interessante Schilderung von seinen Arbeiten und von dem allgemein vorherrschenden Verlangen des Volks nach Missionaren. Wären wir nicht gekommen, so war es seine Absicht gewesen nach den Leewards-Inseln zurückzukehren und Hrn. <hi rend="italic">Wilson</hi> nach Tutuila hinüberzuholen. Von ihm und den beiden Häuptlingen begleitet, gingen wir am folgenden Nachmittag wieder unter Segel, und fanden uns am 8ten bei Tagesanbruch an der Ostspitze von <hi rend="italic">Upolu</hi>. Längs der Nordostküste hinsegelnd, hatten wir Gelegenheit, die Größe und Schönheit der Insel zu bewundern, und gelangten gegen 11 Uhr in die Bucht <hi rend="italic">Apia</hi>. Noch ehe das Schiff Anker warf, gingen die HH. <hi rend="italic">Broff</hi>, <hi rend="italic">Buzarth</hi>, <hi rend="italic">Heath</hi> und <hi rend="italic">Mills</hi> an das Land. Der Häuptling <hi rend="italic">Pongoi </hi>war nicht zu Hause, es wurden ihm aber sogleich Boten nachgesendet, das Schiff warf aber inzwischen auf die Versicherung eines niedern Häuptlings und anderer Leute, daß es keine Gefahr zu befürchten habe, Anker. Wir brachten den Nachmittag bei den Eingebornen zu, fühlten uns bald heimisch, ließen unser Vieh an das Land setzen, und wurden mit einem aus Landesdelicatessen bestehenden und nach Landes-Sitte zubereiteten Mahle bewirthet. Abends kam <hi rend="italic">Pongoi</hi> nach Hause, und hieß uns herzlich willkommen. Mittlerweile wurden Boten an die HH. <hi rend="italic">Platt</hi> und <hi rend="italic">Wilson</hi> abgefertigt, um sowohl sie, als die vornehmsten Häuptlinge und die eingebornen Prediger zu einer öffentlichen Versammlung einzuladen. Da wir erfuhren, daß <hi rend="italic">Malietoa</hi> Savaic verlassen, und seinen Wohnsitz auf dieser Insel, etwa acht Meilen von uns genommen hatte, so machten Hr. <hi rend="italic">Broff</hi> nebst dreien von uns ihm am Donnerstag einen Besuch. Er bezeigte uns seine Freude, und drückte den Wunsch aus, wir möchten bei ihm bleiben, war aber schon zufrieden, als er hörte, der Missionär von der Station <hi rend="italic">Apia</hi> solle die Oberaufsicht über die seinige mit übernehmen. — Am Feiertage trafen nach und nach alle diejenigen ein, welche wir zu der Versammlung eingeladen hatten; die Brüder <hi rend="italic">Platt</hi> und <hi rend="italic">Wilsen</hi>, die eingebornen Prediger; die Häuptlinge <hi rend="italic">Malietoa</hi> und <hi rend="italic">Matetau</hi> von <hi rend="italic">Manono</hi> und andere niedere Häuptlinge. Am Sonnabend hielten wir die Versammlung in einem geräumigen Werk-hause, wo sich nach und nach einzelne Trupps mit Körben ein-fanden, in welchen sie Geschenke brachten. Wir begannen mit der Erklärung, wir wären in Folge der von ihnen an die HH. <hi rend="italic">Williams</hi>, <hi rend="italic">Broff</hi> und <hi rend="italic">Buzacott</hi> gestellten Ansuchen, ge- |Sp. 1107| kommen, und verlangten daher zunächst, zu wissen, ob sie uns aufnehmen wollten? darauf erhielten wir unverzüglich eine bejahende Antwort, wodurch nicht allein die Zustimmung, sondern auch das ausdrückliche Verlangen, und das Vergnügen, es erfüllt zu sehen, hervorging, Wir fragten dann weiter, ob sie verlangten, daß wir sie in Gottes Wort, im Lesen, Schreiben und andern nützlichen Kenntnissen unterrichten sollten? — Drittens, ob sie unserer Personen, unsere Weiber und Eigenthum schützen wollten? — Viertens, ob sie es zufrieden wären, daß wir nicht in ihre Zänkereien und Kriege verflochten würden, ausgenommen, daß wir uns bestreben würden, den Frieden wieder herzustellen? und ob, wenn Krieg entstände, und wir neutral blieben, beide Theile uns gleichen Schutz angedeihen lassen wollten? — Auf die zweite Frage antworteten sie, daß sie sehr begierig nach Unterricht waren; auf die dritte: wir und alles uns Angehörige solle „Sa“ (heilig) seyn; und auf die vierte: daß, wenn Streitigkeiten entständen, sie thun wollten, wie wir vorgeschlagen und wir, möge es kommen wie es wolle, keineswegs beleidiget werden sollten. Uebrigens fügten sie hinzu, daß sich auf der Insel noch andere heidnische Häuptlinge und gottlose Leute befänden, für welche sie nicht verantwortllch seyn könnten. — Wir veröffentlichen nun mehr unsern Entschluß, bei ihnen zubleiben und machten sie mit den Stationen bekannt, welche wir einzurichten gedächten, welche auch ihre völlige Zustimmung erhielten, und zwar als die besten welche man nur irgend wählen könnte, wiewohl einige bedauerten, daß darnach <hi rend="italic">ihnen</hi> und <hi rend="italic">ihren </hi>Distrikten keine Missionarien zufielen. An dem nun folgenden Sonntage hatten wir auf verschiedenen Stellen einen, so zusagen, ununterbrochenen Gottesdienst. Die Brüder <hi rend="italic">Platt</hi>, <hi rend="italic">Wilson</hi>, <hi rend="italic">Barff</hi> und <hi rend="italic">Buzacott</hi>, sowie zwei oder drei eingeborene Prediger hielten an verschiedenen Orten während des Tages Vorträge und Nachmittags vereinigten sie sämmtlichen Missionarien mit diesen zum Genusse des heil. Abendmahls; der Gottesdienst wurde von allen Häuptlingen, die uns gestern besucht, sowie von einigen hundert Eingeborenen aufmerksam beigewohnt. Die Wirksamkeit von Hrn. <hi rend="italic">Platt</hi> und <hi rend="italic">Wilson</hi> in Vereinigung mit den eingeborenen Predigern hat auch einen so schätzbaren Erfolg gehabt, daß der größte Theil der Bevölkerung bereits dem Heidenthume entsagte. Das Verlangen, Lesen und Schreiben zu lernen hat sich reißender Weise verbreitet und alles unterstützt die Vermuthung, daß wir über unsere Kräfte werden in Anspruch genommen werden. — In Betreff der nothwendigen Schmieden, Handwerkzeuges, Bocksägen etc. werden wir etwas in Verlegenheit seyn, denn das Gebiet, welches wir einnehmen ist sehr weitläufig und die Stationen sind sehr entfernt von einander, so daß, was sonst für zwei von uns ausreichend gewesen wäre, jetzt kaum für einen auslangt, daher wir uns je mehr und mehr überzeugen, daß die Gesellschaft schleunig uns mit dem Nöthigen zu Hilfe kommen muß, wenn wir mit Erfolg dieß weite Feld bebauen sollen; wir betrösten uns, die Herren Direktoren werden dazu die erforderlichen Vorkehrungen treffen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Missionary Magazine)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Griechenland.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Athen</hi>, 28. Juli. Zur Erbauung einer (schismatisch-) griechischen Hauptkirche in Athen hat der König aus seiner Privatkasse 20,000 Drachmen unterzeichnet. Die Sammlungen sind im ganzen Lande verordnet, und versprechen einen reichen Ertrag. Sie wären weniger nöthig, da die Fonds sich in den Kirchengütern reichlich finden würden; aber sie sind doch ein Mittel, die Griechen zu einem gemeinsamen Interesse zu vereinigen und ihnen zu zeigen, daß der König sich an die Spitze stelle, wo es die erste Angelegenheit der Nation gilt. Die Kirche besser gepflegt, und die Universität können geistige Vereinigungspunkte für alle Griechen des Orients werden, (doch wohl nicht für die katholischen!) und nach einer andern als geistigen Gemeinschaft mit ihnen werden und können wir in unserer gegenwärtigen Lage nicht streben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. Z.)</p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Kroatien.</seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Agram</hi>. Der Kaiser von <hi rend="italic">Oesterreich</hi> hat den Hofrath und Großpropst von <hi rend="italic">Agram</hi>, Bischof <hi rend="italic">Georg von Haulik</hi>, zum <hi rend="italic">Bischof</hi> von <hi rend="italic">Agram</hi> ernannt, und die hiedurch bei der k. ungar. Hofkanzlei erledigte Hofraths- und geistliche Referen- |Sp. 1108| tenstelle dem Statthalterrathe und Großpropste von Waizen, <hi rend="italic">Johann von Schlänkovich</hi>, verliehen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Agr. Z.)</p>
         <p>
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Belgien.</seg>
            </hi>
         </p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Brüssel</hi>. Der Apostolische Internuntius Hr. <hi rend="italic">Gizzi</hi> hätte als er von hier nach Rom zurückreisen wollte, am 3. Juli fast das Opfer eines betrübenden Unfalles in der Nähe von Marche im Luxemburgischen werden können. Sein Wagen stürzte von einer Lehne von 15-20 Fuß herab. Se. Exz. wurde in ein kleines Wirthshaus gebracht, um dort zu übernachten. Es ist indessen mit einer Contusion am Kopfe und einigen Schmerzen auf der Orust, die von keiner Bedeutung zu seyn scheinen, abgegangen. — Der würdige Prälat ließ seinen Unfall dem ersten Pfarrer von <hi rend="italic">Marche</hi> melden, der ihm bereitwillig seine Wohnung anbot und alle mögliche Hilfe leistete. Nach einigen Tagen schon hat daher die Reise nach <hi rend="italic">Rom</hi> fortgesetzt werden können. Sogleich als der Unfall hier bekannt wurde, begab sich der Herr Abbé <hi rend="italic">Spinelle</hi>, der ad interim mit den Nuntiatur-Geschäften beauftragt war, zu Hrn. <hi rend="italic">Gizzi</hi> nach Marche.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Cour. de la Meuse)</p>
         <p>‒†‒ Am 20. Juli wurde in der <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Gudula</hi>-Kirche zur sechsten Jahresfeier der Stiftung des neuen Königreichs ein feierliches Tedeum gesungen.</p>
         <p>‒†‒ Die belgischen Gesellschaft zur Verbreitung guter Bücher gewinnt größere Bedeutung, indem sie fortan gewissermaßen unter bischöfliche Leitung übergeht. Mitglieder der Geistlichkeit aus allen sechs Diözesen des Königreichs werden künftighin alle von der Gesellschaft auszugebenden Bücher prüfen, und keines davon darf ohne besondere Genehmigung der geistlichen Behörde erscheinen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Conservateur Belge)</p>
         <p>‒†‒ In Belgien gibt es eine Gesellschaft zur Aufmunterung des Elementar-Unterrichts, welche kleine Elementar-Bücher für das Volk herausgibt und dazu vermittelst Subskriptionen-Beiträge sammelt. Der Zweck ist löblich und die Bücher sind gut, wenn sie keine Moral predigen, welche aus den Schranken der Religion heraustritt, und nicht den Indifferentismus lehren, wo sie alsdann mehr Schaden, als Nutzen stiften. Daß unterzeichnete Journal sagt darüber Folgendes: „Die Frage beschränkt sich darauf, zu wissen, ob die Gesellschaft zur Aufmunterung des Elementar-Unterrichts in Bezug auf Einsicht und guten Geist alle erforderlichen Gewährleistungen darbietet. Abgesehen von einer Bedingung, welche in den Augen religiöser Menschen durch nichts ersetzt werden kann, müssen wir sagen, daß mehrere Bücher, die dem Publikum übergeben wurden, uns keineswegs geeignet scheinen uns in jeder Beziehung zu beruhigen. Einige, wie z. B. der <hi rend="italic">gute Fridolin</hi>, <hi rend="italic">Robinson</hi>, <hi rend="italic">Aesop's Fabeln</hi> etc. sind ungefährlich; ein anderes, <hi rend="italic">Anton</hi> und <hi rend="italic">Moritz</hi> ist wenigstens nicht verdächtig, denn es ist dasselbe, welches 1823 in der katholischen Bibliothek unter Authorisation des Hrn. General-Vikars von Mecheln erschien. Aber mit andern ist es nicht also. Man bemerkt an ihnen gefährliche Weglassungen und eine Menge ganz verdammlicher Aufstellungen. Das läßt sich leicht aus den beiden Büchern, betitelt: <hi rend="italic">Meister Peter</hi>, beweisen. Nach dem einen sollen die Könige sehr zum Unterdrücken geneigt seyn, der Soldat sich, ehe er an einem Kriege Theil nimmt, erst über die Rechtmäßigkeit desselben vergewissern, in dem andern heißt ein Greis, der Mitglied einer Bibelgesellschaft war, nachdem er sanft entschlafen, ein Diener des Evangeliums und selbst ein Heiliger. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Cour. de la Meuse)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Antwerpen</hi>. Es ist ganz ernstlich die Rede von Restauration der Metropolitankirche von <hi rend="italic">Antwerpen</hi>. Ein Baumeister hat bereits einen Anschlag vorgelegt, nach welchem die Kosten sich auf 100,000 Frs. belaufen werden.</p>
         <p>‒†‒ Der Krankenwärterdienst im hiesigen Militär-Hospital ist barmherzigen Schwestern vom Hotel-Dieu zu Paris anvertraut. Einige von ihnen wollen zur Erfüllung desselben Zweckes nach Brüssel gehen, wo man Wohnungen für sie einrichtet. Bis das geschehen seyn wird, wollen sie ihre Dienste dem Hospital zu Löwen einstweilen widmen.</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Duffel</hi>, 16. August. Die Feier des hiesigen Jubiläums zog viele Leute herbei. Die Kapelle war reich verziert. Man hatte von derselben in freier Luft eine Kanzel errichtet, von welcher herab Morgens gepredigt wurde, die Straßen waren mit |Sp. 1109| grünen Bäumen und Guirlanden geschmückt. Gestern um 3 Uhr traten die sechs Riesen in ihrem alterthümlichen Kostüme hervor; sie waren von außerordentlicher Größe. Der Weg von <hi rend="italic">Brüssel </hi>hieher wird auf der Eisenbahn in weniger als einer Stunde, von <hi rend="italic">Antwerpen</hi> in einer Viertelstunde und von <hi rend="italic">Mecheln</hi> in weniger als einer halben Stunde gemacht. Von letztern beiden Städten hatte sich die große Mehrzahl der Fremden eingefunden.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Löwen</hi>. Die Zahl der von den Professoren der kathol. Universität <hi rend="italic">Löwen</hi> verfaßten Werke, nimmt täglich zu. Von Hr. de Cock, Vice-Rector der Universität, hat so eben ein Tractat über die Moral-Philosophie die Presse verlassen. Von <hi rend="italic">Möller</hi> befindet sich der erste Band seiner Geschichte des Mittelalters im Druck; er umfaßt den Zeitraum vom Fall des römischen Reichs bis über <hi rend="italic">Karl den Großen</hi> hinaus. Vom Professor und Dekan der philosophischen Fakultät <hi rend="italic">Uhayhs</hi> wird ferner eine neue Auflage seines Handbuchs der Logik erscheinen, da die frühern Auflagen Vergriffen sind. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Journ. hist. de Liége)</p>
         <p>‒†‒ Die belgischen Bischöfe werden sich auf der Universität Löwen versammeln, um den Prüfungen zum Schlusse des Schuljahrs beizuwohnen. — Die Universität beabsichtiget auch Grade zu ertheilen nicht bloß in der theologischen Fakultät, sondern auch in andern. Mit der medicinischen wird man den Anfang machen und ist auch das deßfalsige Reglement bereits herausgegeben. — Die übrigen Universitäten des Landes werden ohne Zweifel diesem Beispiele folgen, wodurch ein wohlthätiger Wetteifer zwischen diesen obern Lehranstalten geweckt werden wird. Zu Licentiaten der Theologie wurden bereits sechs, und zum Licentiaten des kanonischen Rechts ein Zögling befördert. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Conserv.)</p>
         <p>‒†‒ Auf der Universität Löwen macht man große Vorbereitungen zum Empfange der belgischen Bischöfe, welche in corpore den Prüfungen beiwohnen wollen, welche das zweite Schuljahr beschließen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Journ. de la Meuse)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Mecheln</hi>. Die HH. Bischöfe haben, auf ihrer Rückreise von Löwen das Mousoleum besichtiget, welches dem ehemaligen Erzbischofe, Prinzen <hi rend="italic">von Maan</hi> errichtet wird und baldigst feierlich eingeweihet werden soll. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Gent</hi>. Wie es heißt, so geht man damit um, dem Hrn. <hi rend="italic">van de Velde</hi> unserm hochbetagten und durch Schwächlichkeit an Erfüllung seiner bischöflichen Junctionen behinderten ehrw. Bischofe einen Coadjutor zu geben. Man bezeichnet denselben unter den verdientesten Geistlichen Belgien's, nennt u. A. auch <hi rend="italic">Pauwels</hi> General-Vikar von <hi rend="italic">Mecheln</hi> und <hi rend="italic">de Smet</hi> General-Vikar von <hi rend="italic">Gent</hi>.</p>
         <p>‒†‒ Die Prozession des heil. Sakraments erfolgte hier mit großem Prunke. In einigen Stadtvierteln waren die Straßen mit grünen Bäumen bepflanzt. Auf dem Marais-Platze wurde man durch den Anblick zweier riesenhafter auf Leinwand gemalter Figuren, die zu einem dort errichteten Triumphbogen gehörten, überrascht. Die Kühnheit in der Zeichnung erinnerte mit Wohlgefallen an ehemalige Zeiten, wo Leistungen aus flamändischer Schule öfters zur Verherrlichung unserer religiösen Feierlichkeiten beitrugen.</p>
         <p>‒†‒ Die Congregation der <hi rend="italic">Josephiten</hi> breitet sich nach und nach in Belgien aus. Das schöne Penssionat zu <hi rend="italic">Melle</hi> bei Gent ist ihrer Leitung anvertraut worden; auch besitzt sie schon mehrere Erziehungsanstalten z. B. zu Hall, Grammont, Roodorst, die alle blühend und empfehlenswerth sind, besonders wegen des vortrefflichen Geistes, der den Unterricht leitet, und in welchem sich derselbe moralische und religiöse Gedanke deutlich ausspricht. Uebrigens können die Eltern darauf rechnen, daß ihre Kinder mit der väterlichen Sorgfalt behandelt werden.</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Melle</hi> bei Gent, Religiöse Feierlichkeiten werden in Belgien stets mit großer Pracht begangen. Sämmtliche Behörden wohnen ihnen bei. Dieß geschah auch bei der ersten Grundsteinlegung der hiesigen Kirche. Kanonendonner verkündigte schon Abend's vorher das Fest und am andern Morgen d. 14. d. M. ging ein feierlicher Zug dem General-Vikar der Diözese Herr <hi rend="italic">Smet</hi> und dem Hrn. Baron <hi rend="italic">von Schiervel</hi>, unserm Gouverneure, entgegen. Die Landstraße, so wie fast das ganze Dorf waren mit Blumen und Fahnen geschmückt und mit Teppichen behangen. Die Zöglinge des Pensionats wohnten mit ihrer Musik der Feierlichkeit bei. Die ersten Steine wurden von dem Baumeister <hi rend="italic">Minnaert</hi>, dem Baron Ch. <hi rend="italic">Coppens</hi> und einigen |Sp. 1110| andern Personen, die hauptsächlich den Bau der Kirche befördern gelegt; eine Anrede des Gouverneurs machte den angenehmsten Eindruck auf die Anwesenden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Journal des Flandres)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Enghien</hi>. In den ersten Tagen des Juli hielten 6 Väter vom Orden Jesu hier eine Mission, welche die wohltätigsten Früchte getragen. Drei derselben predigten täglich abwechselnd, zwei in französischer, der dritte in flamändischer Sprache. Gleich bei der Eröffnung wurde ausdrücklich erklärt, die Mission beschränke sich lediglich auf die hiesige Stadt; allein kaum waren die ersten Vorträge gehalten, als das Landvolk aus der Umgegend, so viel es seine Zeit irgend erlaubte, dem täglichen Gottesdienste gleichfalls beiwohnte. Den Eifer der Missionarien krönte der schönste Erfolg. Enghien selbst hat nur etwa 3500 Einwohner, darunter höchstens 2600-2700 Communionsfähige und doch stieg die Zahl derjenigen, welche sich dem Tische des Herrn naheten, mit Einschluß der aus der Umgegend gekommenen, auf 4660. — Dieß sind jedoch nicht die einzigen Früchte, welche die Mission brachte. Auch eine Sonntagsschule verdankt ihr die Entstehung, an welcher zehn junge Frauenzimmer aus der Stadt an dem Unterrichte armer junger Mädchen mitwirken. Ferner hat sich eine geistliche Frauen-Congregation gebildet, welche sich allsonntäglich unter der Leitung eines Priesters versammelt. — Am Schlusse der Vorträge hatte der Prediger noch die Befriedigung, anzeigen zu können, daß unverzüglich <hi rend="italic">fünf Brüder für gute Werke</hi> (von <hi rend="italic">Renaix</hi>) eintreffen, und mehrere Elementar-Klassen zum unentgeldlichen Unterricht für arme Kinder eröffnen würden. Dieselben übernehmen auch die Leitung der Knaben-Sonntagsschule. Endlich wird auch eine Bibliothek von guten Büchern errichtet, von der man hofft, daß sie bald zahlreiche Bände enthalten wird. — Bemerkenswerth ist, daß viele Personen, welche sich im Besitze schlechter Bücher befanden, selbige den Missionarien brachten, um sie den Flammen zu überliefern. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Brügge</hi>. Das hier vom Hrn. Abbé <hi rend="italic">Carton</hi> errichtete Taubstummen-Institut zählt gegenwärtig 21, und das zu <hi rend="italic">Moorslende</hi> von Schwester <hi rend="italic">Constanzie Doorme</hi> begründete, seit einigen Monaten nach Ypern verlegte hatte 28 Zöglinge. Nach dem erhaltenen Berichte erfreuen sich beide Institute wiederholter Beweise wohlwollender Theilnahme von Seiten der Regierung.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Conservateur)</p>
         <p>‒†‒ Am 30. Juli fand die berühmte Vorstellung des Leidens Christi nach der Natur zu <hi rend="italic">Furnes</hi> statt. Sie ist ein wahres Mysterium des Mittelalters. Alle Acteure, Männer und Weiber gehen auf nackten Füßen, und die kleinsten Umstände der Passion, Worte und Geberden, werden dargestellt. Büßende beiderlei Geschlechts folgen gewöhnlich der Prozession nackten Fußes, schwere Kreuze tragend, und nur mit einem Bußkleide angethan. Von allen in Belgien statthabenden Prozessionen ist dieses die interessanteste. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Courier de la Meuse)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Lüttich</hi>, 13. August. Heute Morgen um halb sieben Uhr fand in der hiesigen bischöfl. Seminar-Kirche eine große Ordination statt. Von 162 Ordinanden erhielten 56 die Tonsur, 44 wurden zu Subdiaconen geweihet.</p>
         <p>‒†‒ Die Reparatur der schönen gothischen Kirche zu St. Jacob wird eifrig betrieben. Gegenwärtig arbeitet man an den Wiederlagen des großes Schiffes und im kommenden Jahre wird man die Chorgewölbe-Pfeiler wieder herstellen; eine schwierige und gefährliche Arbeit, die ersichtlich mit großen Kosten verknüpft ist. Ein Bericht des Kirchenrathes an den Provinzialrathes zählt in der Kürze auf, was seit dem Okt. v. J. geschehen ist, um die nöthigen Mittel zur Vollendung des Werkes zu beschaffen. Die Kammern, die Regierung, die Provinz und die Stadt haben sich auf gleiche Weise zu Opfern bereit erklärt, um dieß alte Denkmal der Baukunst der Nachwelt zu erhalten. Die in diesem Jahre bewilligten Unterstützungen belaufen sich auf 41,000 Frs., aber diese Summe wird auch rein darauf gehen; der Provinzialrath zeigt sich geneigt, noch eine Unterstützung von 15,000 Frs. zu bewilligen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>‒†‒ <hi rend="italic">Maesseyk</hi> in der Provinz Lüttich. Neuerlich haben sich fünf Ursulinerinnen-Nonnen in dem ehemaligen Recollekten-Kloster niedergelassen, wo sie sich mit Erziehung junger Mädchen be-schäftigen. Man hofft, ihre Zahl sich nach und nach mehren zu sehen. Sie beobachten die Regel des heil. <hi rend="italic">Augustin</hi> und ihre Niederlassung hat die Genehmigung der geistlichen Behörde gefunden. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Cour. de la Meuse) </p>
         <p>|Sp. 1111| <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="italic">Deutschland.</seg>
            </hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Preußen.</p>
         <p>* <hi rend="italic">Culm</hi>, in Westpreußen, den 5. Aug. Die feierliche Einweihung des durch die Gnade Sr. Majestät, unsers allgeliebtesten Königs, neu errichteten katholischen Gymnasii bot den hiesigen Bewohnern und der ganzen Culmer Diöcese ein Fest dar, wie es in den Annalen unserer, geschichtlich so merkwürdigen, Stadt nur selten vorkommt. Wenn das Entstehen einer Bildungsanstalt, überhaupt etwas geistig Belebendes und Anregendes für die Gegend hat, in welcher sie sich erhebt; wenn die frohesten Hoffnungen sich an die Geburt einer Pflanzschule für alles Edle und Gute überhaupt knüpfen: so muß eine Erscheinung, wie diejenige, deren Augenzeugen wir heute waren, das wichtigste Ereigniß für eine Provinz seyn, in welcher germanische und slavische Elemente mit einander auszusöhnen sind. Fragen wir nach den Gründen, warum Westpreußen ungeachtet seiner ehemaligen geschichtlichen Wichtigkeit, trotz seines majestätischen und nicht weit von seinen Mündungen ein fruchtbares Delta bildenden Stromes, ungeachtet der mit der üppigsten Vegetation ausgestatteten Weichsel-Niederungen, und trotz der vorliegenden baltischen Küste so weit hinter den meisten Ländern des preußischen Staates zurückgeblieben ist, so dürften dieß wohl in der zweihundertjährigen Regierungsweise aufzufinden seyn, durch welche die Polen nur allzusehr die ihnen verwandten Letten an den deutschen Rittern rächten. Hörte auch dieses Verhältniß Westpreußens zu Polen seit 1773 durch den großen <hi rend="italic">Friederich</hi> auf; sublimirte man auch die Weichselprovinz durch die Wiederaufnahme in den preußischen Staat, so brachte doch der tilsiter Friede eine Störung hervor, deren Folgen selbst die Reihe der segensvollen Jahre seit dem Sturze <hi rend="italic">Napoleon's</hi> nicht ganz vertilgen konnte. Preußen ist der Staat der Intelligenz; nicht durch die Größe seines Areals noch durch die Arrondirung seiner Ländermassen behauptet es seine politische Stellung im Herzen Europa's. Den Geist des Wahren und Guten so viel als möglich durch alle Theile seiner Länder zu verbreiten, ist die schöne und hohe Aufgabe, deren Lösung die Regierung unsres Königs krönt. Universitäten, Gymnasien, Seminarien, Gewerb- und Realschulen entstanden und entstehen noch auf sein königliches Wort; und auch Westpreußen empfindet schon lange die segensreichen Wirkungen seiner milden Vaterhand. Noch fehlte es aber, da das Conitzer Gymnasium den Bedürfnissen der zahlreichen katholischen Bevölkerung nicht abhalf, an einem zweiten katholischen Gymnasium, welches durch Heranbilden von tüchtigen Geistlichen gleichfalls den Samen zu echter Religiosität, Sittlichkeit, Humanität und Vaterlandsliebe ausstreuen sollte. Dieser Gedanke beschäftigte den verstorbenen Bischof v. <hi rend="italic">Mathy</hi>, einen Mann, dessen christlich-mildes, der leidenden Menschheit stets warm entgegenschlagendes Herz im Wohlthun keine Gränzen kannte; und als die Geistlichkeit der Culmer Diözese während der letzten polnischen Revolution sich durch ihre „Gesinnungen der Treue und des Gehorsams trotz der vielfältigen Insinuationen als echt preußisch" bewährte, glaubte Bischof v. <hi rend="italic">Mathy</hi> unseren König auf dieses schöne Verhalten der ihm untergebenen Geistlichen aufmerksam machen, und denselben zugleich um die Errichtung eines zweiten katholischen Gymnasii in Westpreußen angehen zu müssen. Se. Maj. geruhten auf diesen Antrag eine Kabinets-Ordre unter dem 2. Februar 1832 zu erlassen, in welcher Allerhöchstdieselben die Gesinnungen des Culmer Diözesan-Klerus durch die Bestimmung, ein Gymnasium für die Distrikte polnischer Zunge zu gründen, auf eine wahrhaft königliche Weise belohnten." Erlebte auch Bischof <hi rend="italic">Mathy</hi> die Verwirklichung dieses königlichen Wortes nicht, (denn er starb schon am 21. Mai 1832) so nahm er das schöne Bewußtseyn mit in die Gruft, der seinem Hirtenstabe anvertrauten christlichen Heerde das beste Vermächtniß hinterlassen zu haben, und er konnte füglich vor seinem Lebensende mit dem großen Dichter ausrufen: Exegi monumentum aere perennius!</p>
         <p>Nach dem Tode <hi rend="italic">Mathy's</hi> leitete der Dom-Official <hi rend="italic">Krieger</hi>, als Administrator der Culmer Diözese die kirchlichen Angelegenheiten des katholischen Westpreußens, und wie sehr diesem die Errichtung eines Gymnasiums in hiesiger Stadt gleichfalls am Herzen gelegen, beweisen seine Bemühungen, ein passendes Lokal für die Anstalt zu gewinnen. Endlich fiel die Bischofswahl auf den damaligen Consistorial- und Schulrath Herrn |Sp. 1112| Dr. <hi rend="italic">Sedlag</hi> in Oppeln. Lebhaft griff er, dessen Verdienste um das Schulwesen Schlesiens noch die spätesten Generationen segnen werden, den Faden der Unterhandlungen, betreffend die Organisation des culmer Gymnasiums, auf, und schon in den Schreiben vom 20. November 1833 und vom 22. Januar 1834, da er an die hiesige Commune richtete, zeigte er sich nicht nur von der Gründung obiger Anstalt ganz durchdrungen, sondern er versprach auch, nach Kräften wirken zu wollen, daß dieselbe bald in‘s Leben trete. Unterdessen war der September 1835 herangekommen, in welchem Monate Se. bischöfl. Gnaden (zum zweiten Male) und der Schulrath <hi rend="italic">Jackmann</hi> aus Königsberg unsere Stadt mit ihrer Gegenwart beehrten. Am 19. d. M. forderten obengenannte Herren den Magistrat und die Stadtverordneten zur Erklärung auf, in wie weit die Bewohner der Stadt Culm der von Sr. Maj. festgesetzten hohen Bestimmung entgegenzukommen bereit seyen, und die Repräsentanten der hiesigen Bürger beschlossen einstimmig, die Beschaffung des Gymnasialgebäudes auf eigene Kosten übernehmen zu wollen.</p>
         <p>Man erstand darauf, für einen mäßigen Preis das Gebäude des Institutes der barmherzigen Schwestern, das nach Aufhebung des Benediktiner-Nonnenklosters, in welchem jetzt die barmherzigen Schwestern ihren schönen Beruf der Krankenpflege und Kindererziehung ausüben, in einen Speicher umgewandelt worden war, und man begann mit dem nächsten Frühjahre den Ausbau des künftigen Gymnasial-Lokales. Bei dieser Gelegenheit stellte es sich auf eine angenehm überraschende Weise heraus, was reger Bürgersinn und wahre Begeisterung selbst in einer keineswegs wohlhabenden Stadt, wie Culm, zu schaffen vermögen; denn von allen Seiten liefen reichliche freiwillige Beiträge ein; und ich könnte rührende Züge von heldenmüthiger Aufopferung anführen, wenn ich nicht das Maß dieses Aufsatzes zu überschreiten befürchtete. Das Schulgebäude, dessen Ausbau man am 8. März 1836 angefangen, stand schon am 20. Juli desselben Jahres fertig da, und die feierliche Einweihung würde schon am vorig-jährigen Geburtstage Sr. Maj. stattgefunden haben, wenn das hohe Ministerium, wie es auch in einem spätern von dieser hohen Behörde an den hiesigen Magistrat erlassenen Rescript heißt, sich nicht bemühet hätte, die neue Anstalt „mit möglichst tüchtigen Lehrern auszustatten", und wenn die Auswahl derselben nicht die größte Vorsicht erfordert hätte. War es schon nicht leicht, bei der Menge von Aspiranten (aus Schlesien allein sollen sich deren 60 gemeldet haben) diejenigen ausfindig zu machen, welche durch ihre Kenntnisse, durch ihren pädagogischen Takt und durch ihre ganze Individualität das Wachsthum und die Blüthe der neuen Anstalt befördern könnten, so boten sich noch ungleich größere Schwierigkeiten bei der Besetzung der Direktorstelle dar. Im Aprill d. J. endlich berief das Ministerium den bisherigen Oberlehrer <hi rend="italic">Richter</hi> in Paderborn (einen Geistlichen) zu diesem Posten, einen Mann, durchdrungen von seltenem Eifer für das Schulfach, welcher die Aufmerksamkeit der hohen und höchsten Behörden durch seine überaus gründliche und gediegene Bildung in der Philosophie und Philologie schon längst auf sich gezogen hatte. Ihm, dem in Culm sehnlichst Erwarteten sowohl, als auch seinen vor ihm bei uns eingetroffenen Kollegen führten die Eltern hiesigen Ortes und der Umgegend mit solchem Zutrauen ihre Söhne entgegen, daß das Gymnasium noch vor der Einweihung schon 70 Schüler zählte.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Bis jetzt haben sich schon 100 Zöglinge beim Direktor gemeldet.</p>
            </note> Zur Letztern, welche man passend auf den 3. August, den Geburtstag des Königs verlegt hatte, fanden sich Se. bischöfl. Gnaden, der Herr Bischof Dr. <hi rend="italic">Sedlag</hi> und dessen Herr Weihbischof, <hi rend="italic">Kutowski</hi>, aus Pelplin ein. Letzterer begann die Festlichkeiten mit einem feierlichen Hochamte in der hiesigen Pfarrkirche, während welcher heiligen Handlung die Messe von <hi rend="italic">Klein</hi> vorgetragen wurde. Nach dem Gottesdienste wurden die Schüler in die freundliche Aula des Gymmsialgebäudes geleitet, wohin sich auch bald die Heiden Herren Bischöfe, der königliche Commissarius, der Direktor und die Lehrer, der Magistrat, die Stadtverordneten und eine große Anzahl von Fremden begaben. Die Schüler sangen ein vom Direktor gedichtetes Lied, nach dessen Beendigung der königliche Commissmius, Herr Landrath <hi rend="italic">Rosenhagen</hi>, den Direktor einführte. Darauf bestieg der hochwürdigste Bischof <hi rend="italic">Sedlag</hi> die festlich geschmückte Rednerbühne, sprach über den Zweck der Gymnasialbildung und vollzog |Sp. 1113| die Einweihung der neuen Anstalt. Die aus dem Innersten seines Herzens kommenden Worte drangen auch zu den Herzen seiner Zuhörer; und Jedermann bewunderte den trefflichen Seelenhirten, den erfahrenen Schulmann, den christlichen Menschenfreund und guten Patrioten. Die Rede des nunmehr eingeführten Direktors wies mit dialektischer Schärfe die Aufgabe nach, welche Gymnasien in heutiger Zeit zu lösen hätten, und zeigte, welcher freudigen Hoffnung man entgegen zu sehen habe, da man bereits den Anfang gemacht, aus der Periode des Verstandes und der sogenannten Aufklärung, in die der Vernunft und mithin auch der christlichen Philosophie überzugehen. Zwei Lieder beschlossen die Feierlichkeiten in der Aula, worauf sich die Versammlung in die Pfarrkirche zurückbegab und dem Te Deum beiwohnte. Um zwei Uhr war in dem Saale des Kadetten-Institutes ein Mittagsmahl für 180 Personen angerichtet, welches auch der hochwürdigste Bischof mit seiner Gegenwart beehrte. Der erste Toast, in welchen die fröhliche Gesellschaft kräftig einstimmte, wurde von dem hochwürdigsten Bischofe auf das Wohl unseres vielgeliebten Königs ausgebracht. Eine für die Stadtarmen und für dürftige Schüler des Gymnasii veranstaltete Kollekte und der Gesang des preußischen Volksliedes beschlossen das heitere Mahl.</p>
         <p>So ist der Ruhm der alten Stadt Culm noch nicht erloschen; denn nicht weit von der 1387 durch den Papst <hi rend="italic">Urban VI</hi>. gestifteten Akademie erheben sich die freundlichen Räume des neuen katholischen Gymnasii. Gott erhalte noch lange unseren König; er segne unfern Bischof und gebe der neuen Anstalt Wachsthum und Gedeihen.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">
            <hi rend="UKZ_Zeichen_12f">
               <seg rend="bold">Hessen-Darmstadt.</seg>
            </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Mainz</hi>, den 1. August. Die <hi rend="italic">Univers.-K.-Ztg.</hi> No. 57 enthält von Mainz aus eine Erwiederung auf den in No. 50 der K. K-Z. erörterten Priestermangel in unserer Diözese, welcher gleichfalls in Nro. 18 des „Bemerkers“ in einem Originalartikel besprochen worden. Nur Liebe zu unserer vielfach leidenden Diözese konnte den Einsender dieses bewegen, die zwar stillen aber doch allgemeinen Klagen nach mancher fruchtlosen Ermahnung in dem zweitgenannten Blatte öffentlich auszusprechen. Es geschah solches mit jener Schonung und Achtung, womit die Wahrheit sich wo möglich bekleidet; allein Betrübniß und Entrüstung muß sich eines jeden Katholiken bemächtigen, wenn Unwissenheit oder Schmeichelei, oder beide im unseligen Bunde, zum Verderben einer Diözese der Wahrheit öffentlich Hohn sprechen. Es ist daher für den Einsender jetzt Pflicht, die überlange Erwiederung wenigstens im Wesentlichen zu würdigen, um nicht, wenn auch unverschuldet, durch die Veröffentlichung dieses Gebrechens dem Wohle der Diözese mehr geschadet, als genützt zu haben. — Unser Gegner gibt zu, daß dieß Jahr bereits 12 Priester (und seither wieder 2) gestorben sind; allein er sucht diese Thatsache dadurch zu schwächen, daß er hinzusetzt, „mehrere wären theils hochbejahrt, theils emeritirt gewesen.“ Wir fragen nun, ob Hochbejahrte und Emeritirte nachkommen werden, oder nicht; im ersten Falle ist seine Einwendung offenbar null und nichtig, indem die selbe Ursache völlig stehen bleibt; der andere (an sich unrichtige) aber würde sämmtliche Todesfälle in das kräftige Alter setzen, und daher zu einer noch größeren Sterblichkeit führen. Vermissen wir hier bei dem Opponenten gesunde Logik, so zeigt er weiter hin eben so sehr den Mangel an Erfahrung, als statistischer Kenntnisse. Unsere Diözese bedarf, was er selbst bekennt, ungefähr 200 Priester, und „demnach“ fährt er fort, „bedarf sie im Durchschnitte jährlich nur ungefähr 4 neuzugehende Priester.“ Statt aller Gegenbemerkung ersuchen wir ihn, nur die jährlichen Nekrologe der Direktorien nachzuschlagen, und nie mehr das ganze theologische Publikum durch eine nicht zu entschuldigende Unwahrheit täuschen zu wollen. Uebrigens gesteht er ein, „daß ein Mangel <hi rend="italic">wahrscheinlich</hi>“ — (es ist dieses gewiß) — „weniger zu befürchten oder schon eingetreten wäre, wenn das bischöfliche Gymnasium, an welchem nur Priester lehrten, und die theologische Anstalt noch, und zwar in Mainz bestände; aber da von uns beides als die <hi rend="italic">alleinige Ursache</hi> des gleichfalls anerkannten Priestermangels angegeben wird, warum tritt er <hi rend="italic">gegen</hi> uns auf? Will er vielleicht mit seinem Gerede die Geduld der Leser prüfen? Die Behauptung, daß „dieser Umstand nur in Bezug auf Mainz und die nächste Umgebung von größerer Bedeutung |Sp. 1114| sey,“ verräth nicht minder Mangel an Beobachtungsgeist. Wer in Mainz den Studien mit einigermaßen befriedigendem Fortgange, oblag, konnte, sein Geburtsort mochte wo immer seyn. in seiner Armuth der Gastfreiheit und Unterstützung der Bürger bis zur Priesterweihe versichert seyn; und viele aus beiden Anstalten hervorgegangene tüchtige Männer aus der Nähe und Ferne verdanken ihnen ihren jetzigen Wohlstand. Diesen edlen Character der <hi rend="italic">Bürger von Mainz</hi> absichtlich verschweigen, oder indirekt verläugnen zu wollen, bringt dem Opponenten wahrlich keine Ehre. Allein da aus Mainz „früherhin, was jedoch auch jetzt noch der Fall ist, die meisten Aspiranten zum geistlichen Stande hervorgingen,“ so ist dieser Umstand für die Vollzähligkeit des Klerus auch absolut von großer Bedeutung. „Will man aber anführen, „ sagt er weiter, .daß manche Jünglinge, welche die Universität beziehen, um Philosophie und Theologie zu studiren, schon nach dem ersten Semester mit ganz <hi rend="italic">andern</hi> Gedanken zurückkommen, so können wir darin keinen Schaden, sondern nur einen Vortheil erblicken, wenn sich, der junge Mann einem Beruf versagt, zu dem er eben nicht <hi rend="italic">berufen</hi> ist.“ Soviel weiß Einsender als Seelsorger aus Erfahrung, welche mit der Erfahrung und Ansicht vieler würdigen Priester und einsichtsvollen Laien völlig übereinstimmt, daß spätere Abneigung gegen den geistlichen Stand oft nicht <hi rend="italic">Mangel an Beruf</hi> zum Grunde hat, sondern <hi rend="italic">Verführung zu einem leichtsinnigen Leben</hi>; und hierin können wir sicher keinen Vortheil, weder für den Jüngling noch für die Kirche, erblicken. </p>
         <p>„Die Universität ist mehr geeignet,“ wie Opponent sagt, „vor Einseitigkeit des Geistes und des Lebens“ — (wie dieses denn wirklich ziemlich bunt ist) — „zu bewahren; die größere Freiheit, aber fern von Ungebundenheit, welche dort dem Jüngling gestattet ist, offenbart die Geister und Herzen; gereicht sie manchem zum Falle, so gereicht sie auch manchem zum Auf- und Feststehen.“ Wie vielen solche größere Freiheit zum <hi rend="italic">Auf</hi>- <hi rend="italic">und Feststehen</hi> gereiche, können wir daraus schließen, daß bis jetzt noch kein einziger unserer Theologen besser, viele aber schlimmer zurückgekehrt zu seyn scheinen. Verletzend ist aber die Behauptung, daß der <hi rend="italic">Bischof</hi> „sich seltener getäuscht sehen, wenigstens nicht so leicht Gefahr laufen werde, einen Heuchler zu erhalten, als wenn Jünglinge fast von Kindesbeinen an unter seiner unmittelbaren Aufsicht, und zuletzt vom 18.-20. Jahre an, 3-5 Jahre lang im Seminar erzogen werden.“ Wir überlassen es dem Leser, zu entscheiden, ob die in der Regel für den Genuß der Freu-den der Welt eingenommenen Studenten der Universität, ob junge Leute, welche, nachdem sie sich in allen sittlichen Unordnungen herumgewälzt haben, sich ihres Aus- und Fortkommens wegen zum Priesterstand entschließen, und wegen Mangel an Candidaten auch zugelassen werden, nicht eher ein Jahr lang sich den <hi rend="italic">Heuchler</hi> zu machen herbeilassen, als Jünglinge, welche stets dem Geiste der Kirche gemäß unter der Aufsicht erfahrener und würdiger Männer erzogen worden. Bessere Vorschriften, als <hi rend="italic">Rousseau</hi> hat ohne Zweifel der <hi rend="italic">tridentinische Kirchenrath</hi> (Sess. XXIII. cap. 18 de ref.) über die Heranbildung des Clerus ertheilt, welche Opponent vorerst hätte lesen sollen, um nicht in einer so wichtigen Sache den Anordnungen der Kirche gegenüber zu stehen. Was nun die Herabsetzung der Pension für das Seminar betrifft, so möge Opponent, wenn auch in mäßigem Anschlage, jedoch aufrichtig die Universitätskosten mitberechnen, und das Resultat mit jenem der frühern Periode vergleichen, und er wird finden, daß unsere frühere Aeußerung, wie deßhalb dem unbemittelten Candidaten die (erhöhte) Schuldenlast eine betrübende Aussicht in die Zukunft lasse, vollkommen richtig ist. Wenn dem Opponenten keine Fälle bekannt sind, daß dadurch Jünglinge vom Antritte des geistl. Standes abgehalten worden, so beweiset das nur, daß er hierin eben so wenig Erfahrung besitzet, als in den schon besagten, und noch andern Stücken. Wir können nur wiederholen, daß wir davon zahlreiche Beweise haben, die wir namentlich anzuführen, im Stande wären. Und war nicht eben deßhalb das Seminar noch bis zu Anfang des vorigen Jahres, wo die Besoldungen der Obern, ungeachtet der bedeutend verminderten Anzahl der Alumnen, bedeutend erhöht wurden, und eine finanzielle Zerrüttung zu besorgen stand, ein freies Convict? Erklärten nicht auf letztere Maßregel hin, mehrere Candidaten in Gießen, unter solchen Verhältnissen unmöglich ihre Laufbahn vollenden zu können ? Wenn sich unser hochw. Hr. Bischof nicht bemüht, dem drohenden |Sp. 1115| Mangel an Priestern durch Aufnahme fremder Priester abzuhelfen, so sehen wir uns leider in unserer Meynung von ihm getäuscht; wir nehmen deßhalb unsere Behauptung zurück, und überlassen es dem Wahrheitsgefühle unsers Gegners, hinsichtlich der Unrichtigkeiten, die er auftischt, ein Gleiches zu thun. Mit großer Freude dagegen müßte uns die löbliche Absicht unserer <hi rend="italic">Staatsregierung</hi>, an den Gymnasien wieder mehrere <hi rend="italic">Priester</hi> als Lehrer anzustellen, erfüllen, wenn der Ausführung dieses Planes nicht eben der Priestermangel im Wege stände. — Schließlich bitten wir die Redactionen des „Bemerkers“ und der „Universal-Kirchenzeitung,“ gegenwärtigen Aufsatz gleichfalls geneigtest aufzunehmen; Opponent aber erwäge wohl das Resultat seiner Erwiderung: causa patrocinio non bona erit. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(K. K.-Z.)</p>
         </div>
         
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="tais">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p><title>
            <hi rend="bold">* Dreizehn Thesen über den Talmud als Gegenstück zu den Thesen in No. 2 der Univ.-K.-Ztg.</hi></title>
         </p>
         <p>Die geehrte Redaktion wird ersucht, beigehende 13 Thesen in Beziehung auf das in No. 2 der <hi rend="italic">Univ.-K.-Ztg.</hi> S. 29 erwähnte anonyme Schriftchen als Antwort auf jenes abdrucken zu lassen; zugleich aber die Frage zu stellen: Warum der Verf. seine 32 Thesen jetzt auf 18 reduzirt. Will der Verf. nunmehr seine Thesen in der Univ.-K.-Ztg. vertheidigen oder rechtfertigen, so soll ihm auf eben demselben Wege begegnet werden; nur wünscht man Unbefangenheit und Freundlichkeit.</p>
         <p>1. Der Talmud (Mischnah und Gemara) ist der Ausleger der Thora und bildet das mündliche Gesetz Mosis.</p>
         <p>2. Der Talmud ist für abgeschlossen erklärt worden.</p>
         <p>3. Die hierosolymitanische Akademie war kein Gegner des Talmuds.</p>
         <p>4. Die traditionellen Bestimmungen des Talmuds haben höhere Giltigkeit, als Synodalbeschlüsse.</p>
         <p>5. Es sind Synodalbeschlüsse auf alle Zeiten abgefaßt worden.</p>
         <p>6. Der Theil der Agada im Talmud darf nicht als Tradition betrachtet werden, und ist von dieser völlig getrennt.</p>
         <p>7. Die Erzählungen im Talmud haben oft allegorischen Sinn.</p>
         <p>8. Die Religionslehren des Maimonides sind im Talmud begründet.</p>
         <p>9. Die Gesetze werden als solche nur nach dem Talmud interpretirt.</p>
         <p>10. Die Karaiten sind Gegner des Talmuds.</p>
         <p>11. Das talmudische Civilrecht stimmt oft mit dem römischen Rechte überein, ist aber nicht daraus entlehnt.</p>
         <p>12. Maimonides zeigt sich in seinem Werke More Nevochim nicht als Gegner des Talmuds.</p>
         <p>13. Die orthodoxen Kommentatoren bezeugen, daß die Auslegungen des Talmuds mehrentheils dem natürlichen Wortsinn entsprechen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Nachschrift an den Verfasser der 32 Thesen</hi>.</p>
         <p>Sie wollen, wenn Sie keinen Widerspruch finden, dieß als eine Anerkennung (?) Ihrer Thesen ansehen, im entgegenge- |Sp. 1116| setzten Falle aber Ihre Sätze aus den Schriften der gelehrtesten und orthodoxesten Rabbiner und aus den Grundprinzipien des Talmuds beweisen. —</p>
         <p>Der Verfasser gegenwärtiger 13 Thesen hat den Fehdehand-schuh aufgenommen und fordert Sie in die Schranken. Lösen Sie Ihr Wort, und beweisen Sie öffentlich Ihre Sätze. — Dann sollen Sie den Namen Ihres Gegners und seine Anerkennung oder seine Widerlegung auf demselben Wege erfahren.</p>
       </div>
         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
         
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p>
            <hi rend="italic">Streitschriften zur Vertheidigung meiner Schrift über das Leben Jesu, und zur Charakteristik der gegenwärtigen Theologie</hi>. Von Dr. <hi rend="italic">David Friederich Strauß</hi>. Erstes Heft: Herr Dr. <hi rend="italic">Steudel </hi>oder die Selbsttäuschungen des verständigen Supranaturalismus unserer Tage. 192 S. —Zweites Heft: Die Herren <hi rend="italic">Eschenmayer</hi> und <hi rend="italic">Menzel</hi>. 247 S. 8. Tübingen, bei <hi rend="italic">Osiander</hi>. 1837.</p>
         <p>Beurtheilt von Candidat <hi rend="italic">August Boden</hi>aus <hi rend="italic">Oldenburg</hi>.</p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Ganz hat er sich indessen dieser Obliegenheit auch nicht entzogen. — In dem kleinen Abschnitt „Innere Nichtigkeit der <hi rend="italic">Menzel'</hi>schen Maßstäbe“ S. 177-187, wird Griechenland zur Zeit des <hi rend="italic">Sokrates</hi> mit unsrer Zeit verglichen. Es ist das eine der vielen geistreichen Darstellungen, denen, wir besonders im zweiten Heft begegnen, und hier wird <hi rend="italic">Menzel</hi>'n seine Anmaßung als ein Unrecht gegen unsere Zeit und seine Unbescheidenheit als ein Verkennen seiner selbst treffend vorgehalten. Auch auf die Erscheinung des jungen Deutschland wird im Allgemeinen andeutend hingewiesen, und sie wird mehr erklärt, als entschuldigt. Dasjenige aber, was bei dieser Gelegenheit dagegen gesagt ist, verschwimmt, besonders für junge Deutschlandsaugen, zu sehr mit dem übrigen dort Gesagten. „Wer einmal“ , heißt es nämlich S. 182, „auf die bloße Autorität der Sitte und Kirche sich nicht mehr zufrieden gibt; wer Gründe will für die Heiligkeit der Ehe, und zwar nicht bloß äußerliche Gründe der Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit" u. s. w. „auch nicht bloß das Vageste von den innern Gründen, wie, daß die Würde des Menschen eine solche Beschränkung des Verhältnisses der Geschlechter verlange; sondern einen eben so bestimmten, als Waren Beweis aus dem Begriffe des Menschen heraus: der kann auf dem Wege seines Nachdenkens leicht auf Standpunkte gerathen, wo ihm die Gründe für die Heiligkeit jenes Instituts ganz aus dem Gesichtskreis verschwinden, er mithin gegen dasselbe so zu handeln, wie zu reden, in Gefahr ist.“ Wir fragen uns, nicht Hrn. <hi rend="italic">Strauß</hi>, der das junge Deutschland nicht nennt: Sollte das junge Deutschland sich wirklich mit solcher Mühe von den einfachen Gründen für die Heiligkeit der Ehe ab in's Vageste verloren haben, oder nur deshalb, weil es ihm gar nicht um's Nachdenken und um Prüfung des Gegebenen oder, wie wir zu sagen pflegen, und wie es schön ist, zu sagen, um Prüfung der Wahrheit zu thun war? Wir fragen aber auch den Hrn. Strauß, ob dasjenige das Vageste ist, was man wegen seiner Bestimmtheit grade zu verlassen hat, um in's Vage und Vageste hinein zu gerathen?</p>
         <p>S. 185 folgt eine auf christliche Zustände übel angewandte Reminiscenz aus <hi rend="italic">Hegel</hi>'s Vorlesungen über die Geschichte der (griech.) Phil.: „Überhaupt“ , heißt es, „sofern es der Poesie am nächsten liegt, den Stoff zu ihren Darstellungen aus der umgebenden Wirklichkeit zu nehmen, so wird ein Dichter unserer Zeit eine Masse weit verwickelterer und nach Umständen selbst schlüpfrigerer Verhältnisse in seine Darstellung aufzunehmen haben, als der irgend eines andern Jahrhunderts. In der modernen Aufklärung hat die Subjektivität alle festen objectiven Bestimmungen in sich aufgezehrt, und arbeitet nun, sie aus sich wiederherzustellen. Nichts gilt mehr, weil es ist, sondern nur so weit es sich als geltend ausweisen kann, Da wird nun auf allen Seiten experimentirt, an Allem gerüttelt, ob es etwa bloß ein Popanz, den Pöbel zu schrecken, oder eine wirkliche Ausgeburt des Geistes, |Sp. 1117| eine Schranke sey, die er sich selbst aus sich gesetzt. Mit dem Glauben, der Liebe, der Ehe u. s. f, wird so verfahren;“ </p>
         <p>So? Also unser Jahrhundert unterschiede sich so gewaltig durch seine Verworfenheit von andern Jahrhunderten? oder andere Jahrhunderte unterschieden sich deshalb von unserm Jahrhundert, weil sie auf uns nicht den frischen Eindruck der Gegenwart machen, und weil wir in das gemeine tägliche Leben derselben nicht so mitten hineingestellt sind? Weil die Erscheinung früherer Jahrhunderte vorüber ist, und wir mehr ihr Wesen erkennen können, so gäbe es für unser Jahrhundert nur eine Erscheinung der Dinge, und sein Wesen ginge uns nichts an? so wäre Hegelthum Philosophie, Hegel'sche Philosophie aber Wahrheit, junges Deutschland Poesie, Goethianismus aber höchste Poesie? Wir fürchten sehr, hier einmal wieder bei Herrn St. stark auf etwas gestoßen zu seyn, was in der Theologie Rationalismus heißt und ist, und was, wenn es bei den Theologen in die Vorderthür eingedrungen ist, aus der Seitenthür wieder in's Leben wischt. Hören wir weiter:</p>
         <p>„und stellt der Dichter dieses kecke, mitunter wohl auch freche Treiben dar, ohne die Subjekte desselben sogleich zu verdammen, trägt er seine, wenn auch zum Verderben bestimmten, Gefäße der Unehre mit einer gewissen Langmuth:“</p>
         <p>So? Das sind also Dichter, die so etwas mitthun, mehr, als zum Schein, mitthun? Das sind Dichter? und nicht vielmehr Theilhaber jenes frechen, „kecken“ Treibens? Das sind Dichter, welche die Subjecte eines solchen Treibens mit Langmuth tragen? und sie trügen nicht vielmehr sich, als die Heldensubjecte eines solchen Treibens, und dieß Treiben selbst, mit Uebermuth einher?</p>
         <p>„so erheben kurzsichtige und böswillige Beurtheiler ihr moralisches Zeter. Bedächten sie doch, daß, so gewiß in den Grundsätzen und Instituten, an welchen auf diese Weise gerüttelt wird, etwas Wahres ist, dieselben so gewiß nur geläutert und neu befestigt aus dem Processe hervorgehen können; daß aber auch, so gewiß der Geist seine Unendlichkeit sucht, diese Richtung der Zeit nicht zurückgedrängt werden kann.“ —</p>
         <p>Vor Aeußerungen, wie den obigen, würde <hi rend="italic">Strauß</hi> bewahrt geblieben seyn, wenn er das Unrecht des Herrn <hi rend="italic">Menzel</hi> durch das Unrecht des jungen Deutschland erst recht in's Licht gestellt hätte. <hi rend="italic">Strauß</hi> bemerkt selbst, wie wenig der Unfug des Literaturblatts gegen den Unfug der Literatur ausgerichtet habe, wenn er S. 181 sagt:<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Wir bemerken übrigens, daß diese Worts durch das, was bei Herrn <hi rend="italic">Strauß</hi> darauf folgt, wieder beschränkt werden.</p>
            </note> „Was hat es (<hi rend="italic">Menzel</hi>'s unverständiges Geschrei) aber gefruchtet? Es hat seine Gegner in's Gefängniß gebracht," (Sollte <hi rend="italic">Menzel</hi> das wirklich vermocht haben? Wir zweifeln) „ihre Bücher unterdrückt, ihre nächsten literarischen Pläne gesprengt," (Sollte Hr. Strauß das Letztere im Ernst bedauern?) „der Masse des Publikums einen moralisch-religiösen Schrecken" eingejagt," (Sollte das nicht sehr heilsam dem Kitzel entgegengewirkt haben, den jene unterdrückten Bücher der Masse des lesenden Publikums erregt hatten?) „bei Andern wenigstens ein Stillschweigen augenblicklicher Verlegenheit“ (des bösen Gewissens oder des erwachenden bessern Bewußtseyns?) „hervorgebracht. Aber hat es das Uebel gehoben? Nein. Warum nicht? Weil es dasselbe nicht an der Wurzel, sondern nur oberflächlich angriff; weil es ein Palliativ, kein Radikalmittel war. Ein Krebsschaden ist nicht mit dem einfachen Hausmittel zu curiren, wie wenn sich Jemand in den Finger geschnitten hat.“</p>
         <p>Von einem Manne, wie <hi rend="italic">Strauß</hi>, läßt sich nicht erwarten, daß er etwas an dem jungen Deutschland, als solchem, zu loben finden werde. Wenn das junge Deutschland sich selbst einen Ruhm und etwas Gutes zuschreibt, so ist das ein Irrthum, und dieser Irrthum das Einzige, dessen wir uns an den jungen Deutschen, als solchen, freuen, so sehr wir ihn auch bedauern. Das Gute, was diese sich zueignen, kommt allein der jungen Literatur Frankreich's zu, so chaotisch diese auch noch ist, denn Frankreich hat nur eine, wenn auch unsichere, Gegenwart; seine Vergangenheit wird es erst mit seiner Zukunft wieder gewinnen, und wenn ihm eine bessere Zukunft bevorsteht, so müssen deren Keime in der Gegenwart zu finden seyn, und sind es. Mit der Literatur |Sp. 1118| Deutschland's ist das glücklicheweise etwas ganz Anderes, und ein Hineinpfuschen der Deutschen in die junge französische Literatur eben so unnöthig, als eines Deutschen unwürdig. Die deutsche Literatur und die feste Grundlage, die sie gewonnen hat, sind es mit, was die Worte <hi rend="italic">Strauß'</hi> nicht einseitig macht, S. 179: „Daß die beiden Nachbarländer, Deutschland und Frankreich, darauf angewiesen seyen, im Friedensfuß einander abzulernen, was daß eine vor dem andern voraus habe.“ Was aber die junge Literatur Frankreichs betrifft, welche wir den Franzosen doch nicht ablernen, wohl aber den jungen Deutschen ablehren sollen, so ist das, was Hr. <hi rend="italic">Strauß</hi> S. 185 sagte, für den bessern Theil der jungen französischen Literatur, auch der verworfenen, ebenso zu nachtheilig, wie es eine Beschönigung des jungen Deutschlands seyn würde. Es ist hier aber wohl nicht der Ort, darüber fortzufahren, denn nun bliebe uns nichts übrig, als zum Einzelnen der jungen französischen Literatur überzugehen, da wir doch bei'm Einzelnen unsers Buchs stehen bleiben müssen. <hi rend="italic">Strauß</hi> fährt nämlich S. 186 fort, wie er S. 185 gar nicht anders hätte anfangen sollen. „Aber geleitet“, sagt er, „vor Verirrungen bewahrt, kann sie jene Richtung der Zeit werden. Es gibt Dichter, welche mit ihrem Denken und Wesen zu sehr nach der negativen Seite hängen, deren Darstellungen den Schein erregen, als sollte bis freie Prüfung aller geltenden Meynungen und Institute mit durchgängiger Verwerfung derselben endigen, die Subjektivität, nachdem sie die objective Normen verschlungen, nur ohne feste Bestimmungen, rein nach Neigung und Willkür sich bewegen dürfen. Was hat diesen gegenüber der besser gesinnte Schriftsteller zu thun? Ist er Dichter, so gehe er eben so tief als jene“ (oberflächlich) „in die theoretische und practische Skepsis der Zeit ein; schildere eben so lebendig die Verwickelungen" etc. etc. „Aber hinter diesen Verwirrungen lasse er, kräftiger, als jene Dichter, die Wiedergeburt des Glaubens und der Sitte, ihr verjüngtes Hervorgehen aus dem Geiste, ahnen, der fortan nichts anerkennen will, was er nicht aus sich selbst geboren hat. Eine ähnliche Aufgabe wird der Kritiker solcher Arbeiten haben.“ Hierauf kommt Hr. <hi rend="italic">Menzel</hi>, den wir schon kennen. </p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
        
         </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <head>Anzeigen.</head>
         <p>(61) Bei F. <hi rend="italic">Varrentrapp</hi> in <hi rend="italic">Frankfurt</hi> a. M. ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Abba (lieber Vater). Vollständiges Gebetbuch für die Gläubigen der Kirche Christi, nach Anleitung der heil. Schriften und der kirchlichen Ueberlieferungen</hi> von <hi rend="italic">P. Fr. Henricus Goßler</hi>, Priester aus dem Orden der mindern Brüder der Observanten. Mit erzbischöflichen und bischöflichen Approbationen. <hi rend="italic">Nebst vier Stahlstichen</hi>. 8. Preis 18 ggr. oder 1 fl. 21 kr. rh.</p>
         <p>Schon der in der katholischen Ascetik rühmlichst bekannte Name des hochw. Herrn Verfassers ist eine volle Bürgschaft für der Werth und innern Gehalt dieses inhaltreichen Gebetbuches, das außerdem für seine echt kirchliche Gesinnung die Bestätigung einer erzbischöflichen und mehrerer bischöflichen Approbationen an der Spitze tragt. Die Verlagshandlung hat ihrerseits nichts gespart, demselben eine würdige Ausstattung angedeihen zu lassen, wodurch, so wie namentlich durch 4 schöne Stahlstiche dasselbe in jeder Beziehung als ein höchst werthvolles Weihgeschenk erscheint.</p>
        </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
     </div> 
      </body>
   </text>
</TEI>

