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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 20. August 1837, Nro. 67</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="67">20. August 1837, Nro. 67</title>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-08-20</date>
                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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        <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Gegenwärtiger Bestand der katholischen Kirche in England und Schottland. Fünftes Schreiben. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi> 
            <hi rend="italic">Nordamerika</hi>. <hi rend="italic">Canada</hi>. <hi rend="italic">Kingstown</hi>; Wirksamkeit des Bischofs <hi rend="italic">Mac</hi>-<hi rend="italic">Donell</hi>. — <hi rend="italic">Asien</hi>. <hi rend="italic">Siam</hi>. <hi rend="italic">Bangkok</hi>; Erlaubniß zur Errichtung einer Druckerpresse. <hi rend="italic">Anam</hi>. <hi rend="italic">Cochinchina</hi>; Nachrichten über den Missionar <hi rend="italic">Jaccard</hi>. — <hi rend="italic">Spanien</hi>. <hi rend="italic">Madrid</hi>; Gesetz zur Unterdrückung der Klostergeistlichkeit und Erklärung des Eigenthums des Klerus für Eigenthum der Nation; Verhandlungen der Cortes. —<hi rend="italic">Irland</hi>. <hi rend="italic">Dublin</hi>; Uebertritt eines kathol. Priesters zum anglikan. Protestantismus; kathol. Weihe. — <hi rend="italic">England</hi>. <hi rend="italic">London</hi>; Ernennung; Uebertritte zum Katholizismus. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Oldenburg</hi>. <hi rend="italic">Oldenburg</hi>; Uebereinkunft mit Preußen wegen der Verbindung oldenb. Katholiken zur Diöcese Münster; Verordnung wegen Uebertritte. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Ueber das Trennungsprinzip der Reformation in seiner heutigen Bedeutung. Vom k. k.. Rath <hi rend="italic">von Bucholtz</hi> in Wien (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Bibelübersetzung etc. Rec. von Dr. <hi rend="italic">I. M. Jost</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Prot. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">Strauß</hi> Streitschriften zur Vertheidigung meiner Schrift über das Leben Jesu etc. 
            Rec. vom Candidaten <hi rend="italic">A. Boden</hi> in Oldenburg (Forts.) <lb/>|Sp. 1055|</p>
        </div>
         <div type="mantel">
         <head>† Gegenwärtiger Bestand der katholischen Kirche in England und Schottland.
         </head>
         <p>Aus dem Französischen des Univers. Fünftes Schreiben eines Britten an einen Franzosen.</p>
         <p>London, den 15. März 1837. Man beklagt sich bei Ihnen in Frankreich oft über Armuth, in der dort der katholische Klerus lebt; ein Zustand, der nur einen bekümmernden Einfluß auf die Organisation dieses Standes ausüben kann. Namentlich verhindert er die einem religiösen Sinne sich hinneigende Jugend wohlhabender Familien, den geistlichen Stand als einen ehrenvollen anzusehen und daher in ihn einzutreten. Diese Klagen haben einen reellen Grund dann, daß das Priesterthum durch die Kargheit des Staates, sich in einem solchen Zustande der Entbehrung befindet, daß Leute von sorgfältiger Erziehung, begabt mit allen erforderlichen Eigenschaften und Tugenden zweifelhaft werden müssen, der Religion, deren Diener sie werden wollen, Ehre machen zu können. Aber wie wäre das, wenn Sie nur einen Augenblick Ihre Aufmerksamkeit auf einen Klerus, wie den unsrigen richten wollten, der kein Eigenthum besitzt, keinen Gehalt bezieht, und keine andere Hilfsquellen für den Lebensunterhalt hat, als das Almosen? Denn nach dem materiellen Gesichtspunkte ist dieß die Stufe der Erniedrigung, auf welche unsere katholischen Priester gestellt sind. Ohne Zweifel war es bei Anbeginn der Kirche so, als die Apostel und deren erste Nachfolger das Licht des Evangeliums zu den entferntesten Völkern trugen, ohne andere Mittel, als das Vertrauen auf die Hilfe der Vorsehung. Aber die Zeiten haben sich sehr geändert; denn wenn wir auch vortreffliche Priester in unserer Mitte haben, wo sind heut zu Tage die Gläubigen, welche einem in Dürftigkeit lebenden Diener der Altäre, diejenige Hochachtung zollten, welche arme und verfolgte Hirten von den ersten Christen ärnteten? Und dennoch, ich wiederhole es, ist es das Almosen allein, aus welchem unsere Priester ihre Subsistenz-Mittel schöpfen. Den ersten Platz nehmen die Meß-Gebühren ein, die viel höher sind, als auf dem Continente; aber die Kaplans sind nicht sicher, deren jeden Tag zu haben, und der Vortheil eines höhern Preises ist, in einem Lande, wo alle Bedürfnisse des Lebens so außerordentlich theuer sind, unbedeutend. Dessenungeachtet kann man behaupten, dieß sey die beträchtlichste Einnahme unsers armen katholischen Klerus, und die Retributionen für die Messen,0 obgleich sehr zufällig ihrer Natur nach, bieten wenigstens den Vortheil dar, einer festen Taxe zu unterliegen, unter welche ein |Sp. 1056| Priester nicht herunterzugehen nöthig hat. Mit Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen ist es nicht so; die Gebühren dafür richten sich gewöhnlich nach dem Vermögen der Familien oder Personen, Und werden eher als eine freiwillige, durch keine Taxe bestimmte Gabe betrachtet, sind das in der That auch für diejenigen, welche nichts geben können, oder wollen. Es ist richtig, daß die Gläubigen, welche wissen, daß ihre Priester keine anderen Subsistenzmittel haben, als die ihnen durch Verrichtung ihrer Amtsgeschäfte zugehen, es als eine Pflicht anerkennen, nach ihrem Vermögen die für sie gehabten Mühwaltungen zu belohnen; darum steht es aber nicht minder bei ihnen, nichts zu geben, oder ihnen nur nach ihrem Gutdünken anzubieten, ohne darum weniger ihr geistliches Amt in Anspruch zu nehmen. Hieraus geht hervor, wie die Geistlichen, obgleich sie ihres Amtes vollkommen im Sinne und nach Vorschrift der Kirche walten, dennoch, was die zeitlichen Güter anlangt sich in einer sehr precairen Lage befinden. Die Apostolischen Vikare sind darin selbst in keiner glücklichern Lage, als die Kapläne, es sey denn sie hätten einiges Privatvermögen, was nur selten der Fall ist, da diejenigen, welche in den geistlichen Stand treten wollen, in der Regel sich mit Versprechungen begnügen, die der göttliche Mittler seinen Schülern und Aposteln ertheilte.</p>
         <p>Stets habe ich eine Kirche beklagt, die allzu reich ist; aber ich beklage fast eben so sehr eine solche, deren Klerus allzu arm ist. Theilen Sie hierüber nicht meine Ansicht? Die Erfahrung aller Zeiten lehrt, daß Verderbniß der Oppulenz auf dem Fuße folgte, und wir kennen diese furchtbaren Worte, die aus dem Munde der Wahrheit selbst hervorgingen: „es ist leichter daß ein Kameehl durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Himmelreich ein gehe.“ — Auf der andern Seite aber würdigt Armuth das Selbstgefühl herab, selbst bei unterrichteten und tugendhaften Personen, wenn ihnen nicht ganz die erhabene Kraftentwickelung eigen ist, welche uns die ersten Heiligen als Colossen erscheinen läßt, deren riesenhaften Leib zu umfassen, unsern schwachen Kräften nicht gestattet ist. Ferner, wo soll man, wie ich schon oben bemerkte, in unserm Jahrhundert des Egoismus und Stolzes, Hochachtung für Tugend allein finden? Ohne Zweifel ergänzt sich darum unser katholischer Klerus leicht nicht anders als aus den weniger bemittelten Volksklassen, aus Familien, wo die Lebendigkeit des Glaubens das auf der andern Seite Fehlende ersetzt. Aber ich wiederhole es, dieser Stand der Dinge läßt so viel zu wünschen übrig und unglücklicher Weise dürfen wir erst in fernen Zeiten eine Aenderung hoffen, wo unsere Priesterschaft wieder zu einigem Ansehen und zu einer behaglicheren Lage, die sie vor Zeiten genoß gelangt seyn wird. |Sp. 1057| Ich spreche hier im Allgemeinen, ohne mehrfache Ausnahmen zu berücksichtigen. Manche große Familien, wie die <hi rend="italic">Weld's</hi>, die <hi rend="italic">Vangham</hi> 's und andere, von denen ich künftig sprechen werde, gaben der englischen-katholischen Kirche Priester.</p>
         <p>Die völlig evangelische Entsagung unsers Klerus bietet einen bemerkenswerthen Contrast mit dem Benehmen des protestantischen dar, der eine feste Abgabe für jeden Geistlichen von den Gemeindegliedern in Anspruch nehmen darf, und bei diesem Contraste will ich einen Augenblick verweilen.</p>
         <p>Jedermann weiß, daß die herrschende Kirche von <hi rend="italic">England </hi>und <hi rend="italic">Irland</hi> die reichste in der ganzen Welt ist, dergestalt, daß noch zu unserer Zeit Lords und Mitglieder des Unterhauses, im öffentlichen Parlamente, einer politischen und religiösen, starken Opposition gegenüber, ohne von ihr widersprochen oder getadelt zu werden, das Schicksal dieses oder jenes protestantischen Geistlichen beklagen, der in den wilden Waldgegenden von <hi rend="italic">Wallis </hi>oder <hi rend="italic">Cornwallis</hi> überhaupt nur 200 Pf. St. festes Einkommen hat! — Als ob 200 Pf. St., die 5000 Fr. gleichkommen, nicht eine recht ausreichliche Summe wären, um entfernt von der Hauptstadt, auf dem Lande, wo alle Lebensbedürfnisse um zwei- bis dreimal wohlfeiler sind, auskommen zu können! — Nun, dieser so oppulente Klerus, von welchem die geringsten Titularen 200 Pf. Sterl. Einkommen, eine Menge aber noch ein viel Beträchtlicheres hat (hier ist nicht die Rede von Vikaren, welche keine Titel führen und nur die Lastthiere in dem Stande sind, welchem sie angehören),—dieser Klerus setzt ein Minimum an festem Einkommen für den geistlichen Beistand fest, der. von seinen Mitgliedern verlangt werden kann, gleich als wenn weitläuftige Ländereien, Zehnten von großem Werthe und die unter dem Namen Kirchentaxe bestehende Auflage nicht zum Lebensunterhalt völlig ausreichlich wären! — Aber der Unterschied beider Kirchengemeinden liegt dann: der Protestantismus auf dem beschränkten Prinzips der individuellen Vernunft begründet, erzeugt in dem ausgetrockneten Herzen den Egoismus, verscheucht die Tugend von seinen Bekennern und folglich auch von seiner Geistlichkeit, die ihren eigenen Eingebungen hingegeben bleibt; — während der Katholizismus, dieser unermeßliche Zusammenfluß so vieler Willenskraft und so vieler Gefühle, zwischen welchen unser göttlicher Mittler das Band ist, dem Wesen nach von milden Gaben lebt; denn Mildthätigkeit ist das nothwendige Element eines religiösen Vereines, der stets nach größerer Festigkeit strebt, zugleich aber auch dahin, sich zu universalisiren. — Was erfolgt in der Wirklichkeit von der einen, oder von der andern Seite? Daß der protestantische Geistliche, ein an sich sehr achtbarer und von religiösen Gefühlen durchdrungener Mann, zuerst an sich, und dann an seine Herde denkt; wogegen der gute katholische Priester sich erst dann mit seinen Bedürfnissen beschäftigt, wenn er zuvor für diejenigen Anderer gesorgt hat. Der Erstere muß gut wohnen, gut essen, gut gekleidet seyn, dann wird er an Andere denken und sie zu trösten suchen; — der Andere verlangt nach diesen Genüssen nicht, so lange er eines seiner Schafe leidend weiß, oder irgend einen Unglücklichen, der nach seinem Beistand schmachtet. Das ist es warum, wie ich oben erwähnte, England eine reich dotirte Kirche hat, die sich Alles bezahlen läßt, während unsere Priester, arm und ohne festes Einkommen, den Gläubigen allein die Sorge für ihre mehr oder weniger precäre Existenz überlassen.</p>
         <p>Fern sey es von mir, durch meine Anführung aus Parteigeist eine Kirchengemeinde tadelnd bezeichnen zu wollen, welcher ich nicht angehöre. Nein! ich glaubte nur wesentlich gegen die göttliche Tugend der Mildthätigkeit zu verstoßen, wenn ich nicht aufdeckte, wie sie allein in einem vollkommenen Umfange in der Kirche besteht, deren Glied ich zu seyn, das Glück habe. Nie wird meinem Munde, oder meiner Feder ein Wort entschlüpfen, das ungerechter Weise zum Nachtheil unserer verirrten Brüder gewendet werden könnte. Nützlich, nothwendig und erlaubt ist es in jedem Falle, die Thatsachen zu constatiren, wenn sie so beschaffen sind, daß dadurch die Wahrheit in ein helleres Licht gestellt und das Blendwerk des Irrthums verkleinert wird. Ja in der katholischen Religion findet man allein die heldenmüthige Entbehrung und Entsagung, die sonst überall unbekannt ist. Weil ich mich durch das Gesagte zur Generalisirung meiner Gedanken hingerissen fühlte, so muß ich hier bemerken, daß es nicht unsere Geistlichkeit bloß ist, welche so bewunderungswürdige Beispiele von Uneigennützigkeit aufstellt, sondern man findet sie auch durchgän- |Sp. 1058| gig bei allen, des Namens würdigen Katholiken, und deren ist eine große Zahl. Man betrachte diese Schaaren von barmherzigen Schwestern, von Hospitalfrauen, von Kloster-Lehrerinnen, wie sie ihr ganzes Leben dem Unterrichte der Armen, der Pflege der Kranken, dem Troste des Elendes widmen! Schweigend bringen Personen jeden Standes und Alters in Zeiten der Noth, wo Gottes Hand schwer auf seinem Volke ruht, Trost und Hilfe ihren leidenden Brüdern. Wo findet man das bei den Protestanten, deren Alltagsleben nur Eigenliebe erzeugt, oder wo wenigstens das Wohlthun Frucht der Eitelkeit und Ostentation ist! Ja! laut muß man es ausrufen, weil es sich um eine für den glorreichen Glauben unbestreitbare Thatsache handelt; — nur bei dieser heil. Kirche, die ohne Unterbrechung bis zu den ersten Aposteln hinaufsteigt, findet man den wahren Geist der evangelischen Liebe und Milde, der von Anfang an das Christenthum den Blicken der erstaunten Heiden unter einer so göttlichen Gestalt zeigte, und ihm den wunderbaren Aufschwung gab, dessen Erfolg die Eroberung des Weltalls war.</p>
         </div>
         <div type="kn">
         
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Nordamerika.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Canada.</p>
         <p> † <hi rend="italic">Kingstown</hi>. Bekanntlich wird <hi rend="italic">Canada</hi> in <hi rend="italic">Ober</hi>- und <hi rend="italic">Nieder</hi>-<hi rend="italic">Canada</hi> eingetheilt. Vor etwa 50 Jahren zählte ersteres nur noch sehr wenige Bewohner, aber die Regierung begünstigte die Einwanderung; Städte wurden erbauet, und Gehöfte angelegt. Zu jener Zeit war die Zahl der Katholiken noch immer sehr geringe. Als Hr. <hi rend="italic">Mac</hi>-<hi rend="italic">Donell</hi>, der gegenwärtige Bischof, dorthin kam, befanden sich nur zwei Priester und drei Kirchen im Lande. Einer von den beiden erstern verließ bald darauf seine Stelle, und der andere, welcher kein Englisch verstand, war natürlich auf einen sehr kleinen Wirkungskreis beschränkt. Hr. <hi rend="italic">Mac</hi>-<hi rend="italic">Donell</hi> hatte einen weiten Strich Landes zu bereisen, um die so sehr zerstreuten Katholiken, meist Irländer, zu besuchen. Im Jahr 1816 unternahm er eine Reise nach England. Hr. <hi rend="italic">Plessis</hi>, Bischof von Quebec ernannte ihn zu seinem Großvikar für <hi rend="italic">Ober</hi>-<hi rend="italic">Canada</hi>, und sollicitirte bei dem heiligen Stuhle um den Bischofstitel für den eifrigen Missionär. Demnach wurde er zum Bischof von <hi rend="italic">Resina</hi> in partibus erhoben, als Hilfsbischof für <hi rend="italic">Quebec</hi>. Er erhielt einige junge Priester aus <hi rend="italic">Nieder</hi>-<hi rend="italic">Canada</hi>, die in seiner Mission arbeiten sollten. Durch Einwanderung vermehrte sich nach und nach die Zahl der Katholiken, und unter Begünstigung der Regierung wurde 1826 ein neues Bisthum mit dem Sitze zu <hi rend="italic">Kingstown </hi>errichtet, und Hrn. <hi rend="italic">Mac</hi>-<hi rend="italic">Donell</hi> zugetheilt. Er ließ es seine erste Sorge seyn, sich mit einem Coadjutor zu versehen. Seme Wahl fiel auf Hrn. Weld, einen reichen englischen Katholiken, der nach dem Tode seiner Frau in den geistlichen Stand getreten war, und derselbe erhielt auch wirklich einen Bischofstitel in partibus. Ihn verhinderten jedoch mancherlei Umstände, sich in seine Mission zu begeben, und da er unter <hi rend="italic">Pius VII</hi>. nach Rom gegangen war und von <hi rend="italic">Pius VIII</hi>. am 15. März 1830 zum Kardinal erhoben wurde, so unterblieb es ganz. Der Bischof von <hi rend="italic">Kingstown</hi>, dessen Gesundheit durch die vielen anstrengenden Arbeiten wankend geworden war, verlangte einen andern Coadjutor. Er schlug zwei Geistliche aus dem Seminar von <hi rend="italic">Montreal</hi> vor, aber die Schützlinge des heil. <hi rend="italic">Sulpicius</hi>, deren Abneigung gegen Ehrenstellen man kennt, lehnten das Ansinnen des Prälaten ab, der alsdann einen kanadischen Priester, Remi <hi rend="italic">Gaulin</hi>, Pfarrer von <hi rend="italic">St. Pierre du Portage</hi>, im <hi rend="italic">District </hi>von Montreal wählte. Dieser wurde am 10. Mai 1833, als Bischof von <hi rend="italic">Tabraca</hi> und Coadjutor von Kingstown installlirt. — Hr. <hi rend="italic">Mac</hi>-<hi rend="italic">Donell</hi> hat mehrere Priester gebildet, auch ließ er mehrere Individuen in Canada studiren, erhielt deren aber auch aus Irland. Der gesammte Klerus beläuft sich auf 30 Priester, welche der Seelsorge für mehr, als 70,000 Katholiken, auf einem Landstrich von über 400 Meilen Ausdehnung zerstreut, und deren Anzahl durch Einwanderung noch täglich zunimmt, vorstehen sollen. Die Methodisten bearbeiten die Bevölkerung, |Sp. 1059| und ihre Anstrengungen werden allerdings durch Mangel an Priestern begünstiget. Man bedürfte sehr eines Seminariums, und der Bischof hat auch wohl den passenden Platz dazu, es fehlt aber ganz an den Mitteln zur Einrichtung; jedoch sind etwa ein Dutzend Schulen im Gange. In der Diözese gibt es gegenwärtig 49 Missionen; 35 Kirchen, größere und kleinere, sind errichtet worden, aber einige sind noch nicht vollendet.</p>
         <p>Kürzlich hat man uns einen <hi rend="italic">Almanach von Quebec</hi> zugeschickt, der die Namen der Priester und Benennung der Missionen in Ober-Canada enthält. Der Bischof hatte den Plan, auch eine Mission auf den Inseln im Norden des <hi rend="italic">Huronen</hi>-<hi rend="italic">See's</hi>, welche von der englischen Regierung den Indianern abgetreten sind, zu gründen. Auf mehreren Punkten des Landes gibt es noch Indianer, aber unglücklicher Weise sind die Methodisten bei ihnen eingedrungen, und haben mehrere von ihnen verführt.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ami de la Rel.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Asien.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Siam.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Bangkok</hi>, den 22. Juli. (Aus dem Schreiben eines Missionars). Die Missionare hatten bei der Regierung sich die Erlaubniß erbeten, eine Druckerpresse aufschlagen zu dürfen, und der <hi rend="italic">Prahklang</hi> (Minister der auswärtigen Angelegenheiten), ihnen eine günstige Antwort gegeben, wobei jedoch zugleich der Befehl ertheilt worden war, daß alle die weißen Gesichter zusammen wohnen sollten. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Pr. St. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Anam.</p>
         <p>‒ † ‒ <hi rend="italic">Cochinchina</hi>. Das Interesse, welches sich an das Geschick des Missionärs <hi rend="italic">Jaccard</hi>, der um des Glaubens willen in Cochinchina im Kerker schmachtet, knüpft, läßt uns wohl mit Recht vermuthen, es werde der Auszug eines Briefes von ihm, der kürzlich in den Annalen zur Verbreitung des Glaubens erschien, eine willkommene Aufnahme finden. Der Brief ist von <hi rend="italic">Cam</hi>-<hi rend="italic">Lô</hi> datirt, und an Abbé <hi rend="italic">Voisin</hi>, Direktor des Seminars der fremden Missionen zu <hi rend="italic">Paris</hi> gerichtet. Hr. <hi rend="italic">Jaccard</hi> berichtet in demselben, er sey in die Ebene von <hi rend="italic">Ober</hi>-<hi rend="italic">Cochinchina </hi>durch den Kaiser zurückberufen worden, weil derselbe seiner Dienste bedurft, dessen ungeachtet aber noch fortwährend gefangen, in steter Gemeinschaft mit Räubern und Mördern. Seine Beschäftigung besteht in Uebersetzen. Vom September bis Ende Januar hat er die geographischen Charten der fünf Welttheile erklärt. Man hat von ihm alle nur möglichen Erläuterungen über Größe, Bevölkerung, Macht, Sitten und Religion aller Staaten verlangt. Der Fürst weiß jetzt — sagt Hr. <hi rend="italic">Jaccard</hi> — daß diejenigen Völker die barbarischsten sind, welche, wie er, die Götzen anbeten, und daß Indien, woher seine Götter stammen, nicht das Land der Philosophen ist. — Die Messe darf J. nicht lesen, und es war sogar eine Zeit, wo man ihm keine Bücher erlaubte, und damals mußte er sogar sein Brevier entbehren. Als der König drei Monate früher einige seiner Bücher hatte in Beschlag nehmen, und in seine Residenz bringen lassen, schickte er ihm einen Theil davon wiederum zu. Sonach kann der Missionär wenigstens wieder sein Brevier lesen und auch nach Europa correspondiren, doch ist es ein Glück für ihn, daß <hi rend="italic">Minh</hi>-<hi rend="italic">Menh</hi> es nicht weiß. — J. spricht auch von den Martern, die der Missionär <hi rend="italic">Marchand</hi> ausgestanden, und von der untreuen Verdollmetschung seiner Aussagen bei der Untersuchung. Es ist durchaus unwahr, daß er eingestanden haben sollte, seine Mitbrüder bedienten sich zur Ausübung eines Zaubers über die Christen, eines aus behexten Ingredienzien verfertigten Brodes; daß man die Augen der Verstorbenen unter den Weihrauch mische, und daß bei Vollziehung der Heirathen andere scheußliche Dinge vorgingen. <hi rend="italic">Marchand</hi> hat im Gegentheil diese Anschuldigungen stets bestritten, was aber die Aufnahme derselben in die letzte Verordnung des Königs keineswegs verhindert hat.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Ami de la Religion)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Spanien.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Madrid</hi>, 29. Juli. I. Maj. die Königinn-Regentinn hat so eben das Gesetz über Aufhebung des Zehnten, und das, welches die Unterdrückung der Klostergeistlichkeit verfügt, so wie das, welches die Güter des Klerus für Eigenthum der Nation erklärt, |Sp. 1060| sanktionirt. Bis jetzt beruhte der Unterhalt der Geistlichkeit und die Kosten des Kultus auf den Gaben und frommen Stiftungen der Gläubigen; einen großen Theil davon erhielt der Staat durch die ihm vom römischen Stuhl ertheilten Begünstigungen zurück, auf einen andern hatte die Armuth ein wohlbegründetes Recht. Jetzt muß die Geistlichkeit warten, ob es dem Staate gelingen wird, durch direkte Steuern die Kosten ihres nothdürftigen Unterhaltes zu bestreiten. Alles dieses ist durch eine gesetzgebende Versammlung verfügt worden, welche über die heiligsten Rechte der Privatpersonen, wie über die der Krone, ohne Einwurf und gleich den unbeschränktesten Despoten entscheidet. Nun endlich, nachdem Klöster. Kirchengeräthe, Güter der Geistlichkeit, Zehnten, beseitigt worden sind, wird auch das uralte Gebäude der spanischen Kirche selbst niedergerissen, die Rechte des päpstlichen Stuhls, welche auf Concordaten beruhen, mit Füßen getreten, und in geistlichen Sachen, deren Entscheidung an die Zustimmung des Oberhauptes der Kirche gebunden ist, wie die Aufhebung vorhandener, oder Errichtung neuer Bisthümer, von Laien einseitig entschieden. Die von den Cortes zum Behuf einer <hi rend="italic">Reform der Geistlichkeit</hi> niedergesetzte Kommission hat darauf angetragen, kein anderes Patronatrecht anzuerkennen, als das der Krone (bisher war dem Papste die Vergebung von 72 Pfründen, vorbehalten), das Tribunal der Nuntiatur, die geistlichen Ritterorden, das Commissariat der Kreuzbulle etc. abzuschaffen, alle Festtage bis auf sechs zu unterdrücken, die Halbinsel in 47 Bisthümer einzutheilen, deren Bezirk den Civil-Provinzen genau entsprechen soll, den Primat von <hi rend="italic">Toledo</hi> nach <hi rend="italic">Madrid</hi> zu verlegen, fünf neue Bisthümer zu errichten, 18 alte Bisthümer und alle Collegiatstifter, Primate, Abteien u. dgl. aufzuheben, und nur in einem jeden Bisthum ein Domcapitel bestehen zu lassen. Auch für die Besoldung der Geistlichen hat die Kommission Sorge getragen. Jeder Erzbischof soll jährlich 120.000 Realen (24,000 Fr.), jeder Bischof 80000 R. (16,000 Fr.), die Pfarrer der niedrigsten Klasse 3300 R. (600 Fr.), und die der obersten, d.h. der vierten Klasse, 10,000 R. (2000 Fr.) erhalten. Dieser Entwurf als Ganzes wurde von den Cortes am 26. mit 110 Stimmen gegen 17 angenommen, und gerade die Deputaten, welche in dem Grundgesetz die religiöse Intoleranz sanktionirt haben, sprechen sich am frechsten über kirchliche Gegenstände aus. Der Artikel, welcher der Krone das ausschließliche Patronatrecht beilegt, ist bereits angenommen worden.</p>
         <p>— den 30. Juli. Die Cortes haben gestern folgenden Artikel votirt: „Die Regierung wird die vacanten Kirchen binnen der durch die Canones und Gesetze vorgeschriebenen Frist mit entsprechenden Hirten versehen. Sollten die Umstände sie verhindern, vorstehenden Beschluß auszuführen, so hoffe man von ihrem Eifer, daß sie alle Mittel aufbieten wird, um den“ Beschluß in der kürzest möglichen Frist auszuführen, und die Cortes davon zu benachrichtigen. Dieß soll heißen, daß die Regierung, falls der Papst die Bestätigungsbullen der von jener designirten Bischöfe zurückhält, ein Mittel ausfindig machen soll, die Bischöfe ohne die durch die Kirchensatzungen vorgeschriebene päpstliche Bestätigung einsetzen zu lassen. Wo wird sie dieses Mittel finden? und welcher Bischof wird mit dem Beispiele vorausgehen, dem Ober-Haupte der Kirche abtrünnig zu werden? Gegenwärtig befinden sich in Spanien 32 Bisthümer verwaist, oder von Bischöfen verwaltet, denen die päpstliche Bestätigung mangelt. Der Antrag, den Bischöfen das Recht zu ertheilen, in ihren Sprengeln in Ehehindernissen zu dispensiren, wird noch discutirt. Alle diese Neuerungen werden vorzüglich von vier geistlichen Deputirten unterstützt: von Martinez <hi rend="italic">Velasco</hi>, designirtem Bischof von <hi rend="italic">Jaen</hi>, <hi rend="italic">Venegas</hi>, Canonicus von <hi rend="italic">Granada</hi>, <hi rend="italic">Gil Orduna</hi>, Canonicus von <hi rend="italic">Tortosa</hi> und <hi rend="italic">Garcia Blanco</hi>, Caplan an der königlichen Kapelle zu <hi rend="italic">Sevilla</hi>. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. Z.)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Irland.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Kilfyn</hi>. Zu Kilfyn in Irland ist ein katholischer Priester, Patrick <hi rend="italic">O'Brien</hi>, zu der anglikan. Kirche übergetreten.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Hannov. Ztg.)</p>
         <p>— Verbote ihrer Seelsorger verhindern die <hi rend="italic">Katholiken</hi> in <hi rend="italic">Irland</hi>, dem evangelischen Gottesdienste beizuwohnen, und diese Verbote haben in der letzten Zeit noch zugenommen, denn die Priester werden immer wachsamer, so daß an einigen Orten kein Katholik sich mit einem evangel. Prediger einläßt.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Berged. Bote)</p>
         <p>|Sp. 1061| ‒ † ‒ <hi rend="italic">Derry</hi>. In der hiesigen katholischen Kirche wurde in den letzten Tagen des Juli Hr. John <hi rend="italic">M'Laughlin</hi>, der zum Bischof von <hi rend="italic">Avaren</hi> in partibus ernannt ist, feierlich consecrirt. Zu dieser Ceremonie hatten sich mehrere Bischöfe und eine große Anzahl Geistlicher versammelt. Nach Verlesung des päpstlichen Breve's, das die Wahl des jungen Prälaten bestätiget, wurde die Weihe vollzogen, worauf der Hr. Erzbischof von Tuam die Kanzel bestieg, über die Worte Math.: „Gehe hin, predige und lehre; das Reich Gottes liegt in Deiner Hand!“ — einen beachtenswerthen Vortrag hielt, darauf aber die Eigenthümlichkeiten der bischöflichen Würde und die damit verknüpften Pflichten schilderte. — Am Abende desselben Tages gab der eben geweihete Prälat den Bischöfen und vornehmsten Personen, welche der Feierlichkeit beigewohnt hatten ein glänzendes Gastmahl. Die Stadt that am folgenden Tage ein Gleiches.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Dublin Ev.-Post)</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">England.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">London</hi>, 2. August. Der torystisch gesinnte Bischof von <hi rend="italic">Worcester</hi>, welcher bei dem vorigen Könige die Stelle eines Kabinets-Sekretärs bekleidete, erschien, als verstände es sich von selbst, daß er von der Königinn in diesem Amte bestätigt wäre, vor J. Maj., um ihr, wie bei Ernennungen gebräuchlich, durch einen Handkuß zu huldigen. Es wurde ihm jedoch bedeutet, daß J. Maj. geruht habe, den liberalen Bischof von Norwich zu ihrem Kabinets-Secretär zu ernennen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Aschaffb. Z.)</p>
         <p>‒ † ‒ den 7. August. Täglich erfährt man irgend einen neuen und Aufsehen machenden Rücktritt zur katholischen Kirche. Uebermorgen wird in der York-Place-Kapelle ein protestantischer Geistlicher von großen Verdiensten, der damit einer Pfründe von 3000 Pf. Sterl. entsagt, seine Abschwörung leisten und in den Schooß der Kirche zurückkehren. — Gestern zeigte man uns einen Brief aus <hi rend="italic">Cossey</hi>, der eine Nachricht enthält, welche in England lebhafte Sensation machen wird, so weit sie sich in das Publikum verbreitet. Sie betrifft die Bekehrung von <hi rend="italic">Charles Wolseley</hi>, die in Leicestershire durch einen der ausgezeichnetesten katholischen Prälaten England's zu Wege gebracht wurde, den Uebersetzer der Discussion Amicale des gelehrten Bischofs von <hi rend="italic">Straßburg</hi>. Sir <hi rend="italic">Ch. Wolseley</hi> gehört einer der ältesten Familien Großbrittanien's an. Sein adeliger Ursprung ist älter, als der von neun Zehntheilen der Mitglieder des Oberhauses. Er ist ein Abkömmling der <hi rend="italic">Wolseley's</hi> von Staffordshire, ein altadeliges Haus, das schon vor der normannischen Eroberung blühete. Er ist außerdem ein Mann von anerkanntem Verdienste, Besitzer eines schönen Vermögens und vereinigt vielleicht die tiefste Kenntniß der Geschichte seines Landes mit derjenigen der Grundverfassung desselben. Seit 30 Jahren hielt er sich zu derselben politischen Partei. Persönlich radical gesinnt und vertrauter Freund des verstorbenen William Cobbett brachten seine Meynungen vereint mit der Richtung seines Geistes ihn zur Rückkehr zum Katholizismus. Als Freund der niederen Volksklassen überzeugte er sich, daß der Protestantismus ihren moralischen und materiellen Interessen entgegen sey und seine positiven Kenntnisse setzten es ihm außer allen Zweifel, daß das reformirte Glaubensbekenntniß keine ernsthafte Diskussion mit dem Katholizismus bestehen könne. — Beide angeführten Fälle sind die neuesten dieser Art, es würden sich aber, bei der bekannten allgemeinen Hinneigung, deren ohne Zweifel noch viel mehrere anführen lassen.</p>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Deutschland.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Oldenburg.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Oldenburg</hi>. Der im neuesten Stücke der k. pr. Gesetz-Sammlung enthaltene Vertrag zwischen Sr. Maj. dem Könige von <hi rend="italic">Preußen</hi> und Sr. k. H. dem Großherzog von <hi rend="italic">Oldenburg</hi>, die aus dem Anschlusse der kath. Kirchen im Herzogthum Oldenburg an die Diözese Münster hervorgehenden staatsrechtlichen Verhältnisse betreffend, enthält u. a. folgende Bestimmungen:</p>
         <p>Se. Maj. der König von <hi rend="italic">Preußen</hi> genehmigen, daß die bisherige Verbindung der kathol. Kirchen in den vormals Hochstift-Münsterschen Landestheilen des Herzogthums Oldenburg mit der Diözese Münster erhalten und selbige auch auf die zur Osnabrückschen Diözese gehörig gewesenen, neuerlich aber von dersel- |Sp. 1062| ben getrennten Pfarreien <hi rend="italic">Damme</hi>, <hi rend="italic">Neuenkirchen</hi> und <hi rend="italic">Holborf</hi> ausgedehnt, ingleichen, daß die Verwaltung der katholischen Kirchen zu Oldenburg und Jever, deren frühere Verbindung mit der nordischen Mission aufgelöst worden, von dem Bischofe zu <hi rend="italic">Münster</hi> nach gleichen Rechten geführt werde, als solche dem Fürstbischofe von <hi rend="italic">Breslau</hi> in der Bulle de salute animarum in Ansehung der kathol. Kirchen zu Berlin und Potsdam beigelegt sind; und daß dasselbe in Beziehung auf die, von dem Bischofe zu <hi rend="italic">Münster</hi> früher nach Missionsrechte geleitete katholische Kirche zu Wildeshausen stattfinde. — — Wenn die großh. oldenburgische Staatsregierung Sich etwa veranlaßt finden sollte, wegen besonderer Verhältnisse Ihrer Unterthanen zu dem päpstl. Stuhle mit diesem in unmittelbare Verhandlung zu treten, und Selbige nicht etwa einen eigenen diplomatischen Agenten in Rom haben oder einen anderen dazu ausersehen möchte; so wird Derselben dazu das kön. preuß. Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, auf jedesmaliges besonderes Ansuchen dieserhalb, insofern sonst nichts entgegensteht, durch Vermittelung der königlichen Gesandtschaft in Rom alle thunliche Erleichterung zu verschaffen suchen. Sofern in Beziehung auf die katholischen Kirchen in der preuß. Monarchie überhaupt oder auf die Diözese Münster kön. preuß. Antheils insbesondere Bestimmungen getroffen würden, welche für den oldenburgischen Antheil dieser Diözese von besonderem Interesse seyn könnten, verspricht das kön. preuß. Gouvernement, der großhgl. oldenburg. Staatsregierung hierüber freundschaftliche Mittheilung zu machen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Priv. Berl. Ztg.)</p>
         <p>— Durch die unterm 7. Oktober 1836 erlassene höchste Verordnung, die veränderte Einrichtung des Consistoriums im Großherzogthume Oldenburg betreffend, war festgesetzt, daß, bei dem Uebertritte von einer christlichen Confession zur anderen, und bei der Wahl nach eingetretenem Unterscheidungsjahre, kein Geistlicher einen Uebertretenden ad sacra zulassen solle, bevor ihm derselbe eine Bescheinigung seines bisherigen Beichtvaters oder Religionslehrers gebracht habe, daß diesen der Austritt angezeigt worden sey. Es können aber Fälle vorkommen, daß der Uebertretende in einem Kirchspiele wohnt, in dem kein Geistlicher, selbst kein Schullehrer der Confession sich befindet, die er verlassen will. Für solche Fälle ist von den oberen Behörden angeordnet, daß der Uebertretende, um das erforderliche Zeugniß zu erhalten, sich an den nächsten Geistlichen seiner bisherigen Confession, oder, wenn er ein Protestant war, an den Generalsuperintendenten in Oldenburg, wenn er ein Katholik war, an den bischöfl. Official in Vechta sich zu wenden habe.  </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. K.-Ztg.)</p>
         </div>
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
       
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p><title>
            <hi rend="bold">Von dem Trennungsprinzip der Reformation und dessen heutiger Bedeutung.</hi></title>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von J. B. </hi>
            <hi rend="italic bold">von</hi> 
            <hi rend="italic bold">Buchholtz</hi>
            <hi rend="bold">, k. k. Rath in Wien.</hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Es bleibt nun aber noch zu erwähnen übrig, daß im natürlichen Gang der Dinge, zum Theil aus den redlichsten Intentionen, Andere darauf fielen, daß nicht sowohl in einem bestimmten, streng oder minder streng festgehaltenen Glaubensdogma, als einer Theorie und Doctrin, und auch nicht in Anschauungen der höhern Phantasie oder Empfindungen des Gemüthes, sondern im <hi rend="italic">Willen</hi> der Wiedergebornen sich Gottes rettende Macht unmittelbar erweise; — welche Ansicht die Epoche der Pietisten, des <hi rend="italic">Spener</hi> und <hi rend="italic">Franke</hi>, bis zu den abgesonderten Gesellschaftseinrichtungen der mährischen Brüder, und damit verwandten Erscheinungen begründet. Todt ist das Christenthum (so sagt man), und zur Rettung unnütz, bis Gott in Christo unmittelbar den Willen (unfrei) <hi rend="italic">erweckt</hi>, welche Willenserweckung der Rechtgläubigkeit vorangeht, und das erste und hauptsächlichste ist; — |Sp. 1063| womit ungefähr anderthalb hundert Jahre nach <hi rend="italic">Luther</hi> das gerade Gegentheil von der Rechtfertigung aus dem Glauben <hi rend="italic">allein </hi>bei schlecht bleibendem Willen sich zeige, zum neuen und überflüssigen Beweise, daß das durchgreifend-trennende Prinzip von der katholischen Kirche nicht in der Lehre über das Verhältniß des Glaubens zu den Werken gesucht werden könne.</p>
         <p>Man kann auf solche Weise zeigen, daß ein gewisser Wechsel und Folge der natürlichen Seelenkräfte stattfand, welche man sich von der übernatürlichen, einseitig und unbedingt wirkenden Gnadenmacht ergriffen vorstellte: nun das subjektive Glaubens bekenntniß, sey es mit Verachtung der gewöhnlichen Vernunft oder mit einer Herabstimmung und Ermäßigung nach dieser: nun das Gemüth und die schwärmerische Phantasie: nun der Wille, die thätige Seele. Diese verschiedenen Wirkungen und Arten des Ergriffenseyns von der Gnade wurden nur subjektiv und in solcher Weise innerlich gedacht, daß man die äußere Kirche, als Gnadenanstalt, Christum außer uns nicht bloß als überflüssig, sondern als Hinderniß ansah, und mehr oder minder entschieden ausschloß, oder sich davon ausgeschlossen fühlte. Wir sahen zwar, daß strenge Consequenz dazu nicht notwendig führte; da aber wenige Menschen scharf folgern, so diente diese Richtung eines immer nur subjectiv und innerlich aufgefaßten Christenthums (selbst wo an jenen schroffen und extremen Ansichten nicht gehalten wurde, die an sich selbst wegen der ganz vernichteten Freiheit im Widerspruch mit der Kirche stehen) sehr dazu, einen Gegensatz mit der Kirche zu begründen, welcher, wenn auch mehr nur oberflächlich aufgefaßt und vielleicht mehr nur scheinbar, doch mit großer Energie festgehalten wurde. —</p>
         <p>Anderer Seits ist nicht zu verkennen, daß wenn jene rationalistische Entwickelung, welche, wie oben erwähnt, aus dem formalen Prinzip des subjektiven Richtens über die Bibel, und aus dem tiefsten Begriffe der <hi rend="italic">Gleichheit</hi> aller Christen in der Kirche hervorging, dem Vernunftstolz schmeichelte; — diese letzterwähnte Seite in Vielen einer andern, nicht minder verkehrten Richtung dienen konnte, nämlich daß der Mensch in seinen Erkenntniß-, Gefühls- und Willens-Kräften in Gott aufgegangen, unbedingt, unabhängig, unfehlbar und vergöttlicht sich wähnte. — Also einer Seits gehoben durch so begeisternde Antriebe, konnte man anderer Seits dahin kommen, höchst Unchristliches und Unwahres für göttlich zu halten; und hierdurch konnte der Weg gebahnt seyn, eine vom Glauben gänzlich getrennte Welt natürlicher Phantasie des Sinnengenusses und der Naturbegeisterung selbst mit den Ansprüchen auf höhere Göttlichkeit auszuschmücken. In gleicher Weise nun, wie in jener rationellen Richtung es keineswegs in der Absicht jener lag, die das dahin führende Prinzip aufstellten, daß die Vernunft über den Glauben richten solle, eben so wenig lag es in der Meynung aller jener, oft in der achtungswürdigsten Weise frommen, von Gott sich ergriffen glaubenden Gemüther, der Natur irgendwo ein Recht beizulegen, sich für göttlich zu halten. Allein eben so wie nach der angenommenen Glaubensnorm, daß der Glaube im Einzelnen über den Sinn der Bibel richte, die Glaubenswahrheiten gegen die Vernunft theils in sehr vielen Individuen, theils in vielen einzelnen Fragen und Punkten wehrlos wurden; — eben so ließ die vorherrschende Ansicht von der Manifestation Gottes in den einzelnen Seelenkräften des Glaubenden, mit Wegsehen vom Freiheitsgebrauch des Menschen und mit Läugnung einer mystischen That Christi in der Kirche außerhalb des Subjects, — diese Ansicht ließ, sage ich, in vielen Fällen und in vielen Individuen das wahrhaft Göttliche und erleuchtet Fromme schutzlos gegen eine Vermischung und Verfälschung mit fremdartigen, nur menschlichen, oft höchst irrigen und selbst unsittlichen Bestandtheilen. </p>
         <p>Eine Ansicht von der gänzlichen Unfreiheit des Willens in Dingen des Heils, welche überall das Extrem dieser Richtung bildet, hat an sich selbst, da sie den menschlichen Geist nicht nur auf's tiefste erniedriget und in dem äußersten Elende darstellt, sondern auch mit der starrsten Ansicht von Prädestination zur Seligkeit oder zur Verdammniß so nahe verwandt ist, und zu besonders scheußlich auffallenden Lehren führt, wenig für den Menschen Anziehendes und dem menschlichen Herzen Verwandtes. Um sie erklären zu können, scheint es, daß man jene Seite derselben in's Auge fassen muß, daß sie bei aller Selbstvernichtung und scheinbaren Demuth, auf das tiefste dem menschlichen Stolze schmeichelt; denn wenn Gott sich unmittelbar und allein in dem |Sp. 1064| gläubigen Erkennen, Anschauen, Fühlen, Wollen manifestirt, so wird auch das ununterscheidbar Menschliche Gott; diese Lehre erscheint in der Anwendung als Vergöttlichung der eigenen Seelenkräfte. Ein gewisser Pantheismus, den man aus der Ordnung der Natur, mit Festhaltung christlicher Lebre verwiesen hatte, wird in die Ordnung des Heils wieder aufgenommen. Wenn es nun hierbei geschieht, daß irrige Gedanken, welche schon nach den in der natürlichen Ordnung erkennbaren Gesetzen verwerflich sind, dennoch aber nur zu oft den bethörten Geist des Einzelnen durch täuschende Seiten gefangen nehmen, auf Inspiration und göttliche Erleuchtung Anspruch machen, so lassen sie einen solchen, der sich gleichsam für ein Orgau der Gottheit und daher für gänzlich entbunden von jeder Authorität des Zeugnisses hielt, als wie zur Strafe für solchen geheimen Hochmuth, als armen Verirrten öffentlich erscheinen. Wo dagegen eine so sichtbare Täuschung nicht eintritt, wo der Gott im Innern, als in giltigen Glaubensanschauungen, in einer tiefen Aufregung der Seelenkräfte, in außerordentlichen und blendenden, das Erhabene, Lichtvolle, Ueberraschende mit Dunklem Schauerlichem und grauenvoll Dämonischem wunderbar vermischenden Vorstellungen, oder in schwärmerisch-süßen und andächtigen Rührungen sich darstellt, da liegt in dieser geglaubten Nähe Gottes, in diesem vermeinten Aufgehen der eigenen Kräfte in Gott etwas dem verborgensten Stolze Schmeichelndes. Es soll hiermit keineswegs gesagt werden, als wenn nicht auch in der Kirche ähnliche Erscheinungen eines geistlichen Stolzes vorkommen könnten; ja vielleicht läßt sich denken, daß ein solcher innerer Hochmuth sich mit einem werkheiligen Selbstvertrauen auf äußerlichen Gehorsam und Kirchlichkeit Verbände. Allein mit der aufrichtigen Unterwerfung der Privaterleuchtung unter ein richtendes Zeugniß in der Kirche, mit innerer Bereitwilligkeit, einer von Menschen getragenen, in ihrem Ursprunge göttlichen Authorität Folge zu leisten, ist jener bezeichnete Wahn, da der Mensch sein Erkennen und Wollen für Gottes Kraft, und daher Niemanden unterworfen, und Niemandes zu bedürfen glaubt, unvereinbar.</p>
         <p>Immer begründet seine Entbundenheit von aller Authorität und großen kirchlichen Thatsachen außerhalb des Einzelnen, die tiefste Unabhängigkeit des Geistes, welche sich zu Zeiten äußerlich als gewaltsamer Widerspruch oder als umwälzender Fanatismus zeigt, aber auch wo solches gar nicht der Fall ist, und wo überhaupt der Mensch den geistlichen Hochmuth verabscheuet, ihm dennoch jene Hilfsmittel der Kindlichkeit und Demuth entziehet, welche schon psychologisch aus Anerkennung objectiver kirchlicher Geheimnisse stießen.</p>
         <p>Außer diesen Gesichtspunkten ist aber ferner zu erinnern, daß ein solches absolut mystisches Annehmen der unmittelbaren Gotteskraft in einem solchen oder dem andern Vermögen der Seele gewöhnlich mehr dazu verleitet, dieses einzelne Vermögen mit Einseitigkeit und Ueberhebung zu ausschließlich in's Auge zu fassen, und andere, gleich wesentliche zu verletzen. Und wenn man allmählich von dieser entgegengesetzten Uebertreibung zurückkommt, und nun eine Harmonie für diese verschiedenen Richtungen des Glaubens, für die verschiedenen Seelenkräfte, in welche sich der Glaube wirksam erweiset, suchet, und will, so fehlet, wenn kein objektives Zeugniß jeder Kraft ihre eigentlichen Gränzen bestimmt, über welche sie nicht hinausschreiten kann, ohne zerstörend zu werden, auch nothwendig ein festes Prinzip, eine Norm und Richtschnur für solche Harmonie.</p>
         <p>Abgesehen von diesen aus der Natur der Sache und psychologisch sich ergebenden Beziehungen und Folgen, scheint auch die Thatsache selbst, daß man sie gegenüber einer Behauptung, die schon allein dadurch, daß sie gemacht wird, äußerst mächtig ist, im <hi rend="italic">Nein</hi> befindet, manche eigenthümliche Wirkungen hervorzubringen. Jene großartige Erscheinung, welche die Behauptung der Einheit einer äußeren Kirche nothwendig begleitet, kann nicht andern als einen mächtigen Eindruck auf das menschliche Gemüth machen, wenn sie anders, wie sie ihrem Wesen und ihrer Idee nach ist, und sich auch historisch geltend gemacht hat, unverstümmelt aufgefaßt wird. Die bloße Thatsache, daß eine auf jener Weihe und dem Glauben daran beruhende Kirche sich in ihrer Verzweigung durch so viele Nationen, und durch so viele Jahrhunderte wahrhaft als Einheit darstellt und behauptet, — dergestalt, daß in jeder kirchlichen Handlung und jedem gottesdienstlichen Worte, das gesprochen wird (gleichsam wie ein Gipfel des Baumes dem kundigen Auge der ganze Baum, oder wie in der Spitze eines |Sp. 1065| gothischen Gebäudes der vollständige Tempelbau erkennbar ist) der ganze Inbegriff eines unermeßlichen Zeugnisses durch That und Handlung, in Verbindung mit einem in sich fest begründeten und umfassenden System der Lehre ausgedrückt wird, — diese bloße Thatsache übt eine ergreifende Wirkung aus. — Es ist daher dieser Thatsache, daß die objektive Kirche da ist, gegenüber, ein Gefühl von Entzweiung, wo Eintracht seyn sollte, und eine gewisse Unruhe und Beunruhigung <hi rend="italic">oft</hi> in den Entwickelungen der getrennten religiösen Bestrebungen wahrnehmbar. Diese Unruhe zeigt sich vielfach im leidenschaftlichen Angriff, oder im scheuen Vermeiden des Eingehens in die Frage, oder im vornehmen Wegsehen über die Sache, als eine längst entschiedene, oder in polemischen oft auffallend vergeblichen Anstrengungen, um die Kirchenlehre in Widerspruch mit dieser oder jener biblischen Lehre darzustellen; oder das Imposante der Kirche aus Pfaffenwitz einer und Dummheit anderer Seits zu erklären; oder die historisch-erwiesene Thatsache, daß dieselbe kurz nach dem apostolischen Zeitalter schon im Wesentlichen so da stand, wie sie noch da steht, aus dem griechischen Heidenthum, und einer an allen Orten sich gleichmäßig erzeugenden Verfälschung des Christenthums nach heidnischen Opferideen begreiflich zu machen.</p>
         <p>Friedliche und fromme Gemüther, welche fern von aller Neigung sind, den innern Zwiespalt zu vermehren, finden oder suchen öfters in der Ansicht Beruhigung, daß man beider Seits wohl endlich, im Wesentlichen dasselbe lehre, und wolle, und daß jene Verschiedenheit über Weihe, Opfer, Priesterthum, Nöthigung im Gewissen u. s. w. nur eine unwesentliche menschliche Meynung betreffe, über die man hinausgehen könne, die man etwa unentschieden lassen möchte. Diese beachten wohl nicht, daß hierdurch eigentlich nichts verändert wird; daß die Kirche ihre Dogmen nicht als etwas, das entbehrlich oder zweifelhaft sey, verkündet, und daß, wenn es wahr, daß dieselben <hi rend="italic">unwesentlich</hi>, die Kirche im Irrthume seyn, oder sonst die Trennung auf Irrthum beruhen müsse, kurz, daß die Ansicht von der Unwesentlichkeit der Kirche ganz eben so viel besage als ihre Verneinung.  </p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
            </div>
         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
         
         <div type="litis">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p>* Bibelübersetzung, <hi rend="italic">zweites Heft</hi> (vergl. No. 16 dieser <hi rend="italic">Univers.-K.-Ztg.</hi>). Die 24 Bücher der hl. Schrift, oder Bibel für Israeliten etc. unter der Redaction von Dr. <hi rend="italic">Zunz</hi>, übersetzt von H. <hi rend="italic">Arnheim</hi>, Dr. <hi rend="italic">Julius Fürst</hi> und Dr. M. <hi rend="italic">Sachs</hi>, <hi rend="italic">zweite Lieferung</hi> (von Lev. VI. 28 bis 1 Sam. IV. 12). S. 97-256.</p>
         <p>Beurtheilt von Dr<hi rend="italic">. I. M. Jost</hi>.</p>
         <p>Diesem Hefte sind zwei besondere Titel beigegeben, 1) der <hi rend="italic">Pentateuch</hi> etc. übers. von H. <hi rend="italic">Arnheim</hi> und Dr. M. <hi rend="italic">Sachs</hi>; und die <hi rend="italic">ersten Propheten</hi> von den. — Wir bemerken hierbei, daß es uns nicht bekannt ist, ob Hr. Dr. <hi rend="italic">Jul</hi>. <hi rend="italic">Fürst</hi> noch an den spätern Büchern mitarbeiten werde oder nicht. Für die Einheit des Styles dürfte es eher ein Gewinn seyn, je weniger Personen die Uebersetzung besagen.</p>
         <p>Nachdem wir im Allgemeinen diese Bibelübersetzung, — und insbesondere der sehr verdienstlichen Arbeit unsers <hi rend="italic">Johlsohn</hi> gegenüber — zu characterisiren versucht haben, nehmen wir gern von dem Erscheinen des zweiten Heftes Veranlassung, auf dieses Bibelwerk welches jedenfalls viele <hi rend="italic">Eigenthümlichkeiten</hi> entfaltet wiederum aufmerksam zu machen. Es kann unsere Absicht für jetzt nicht seyn, diese zu rühmen oder zu tadeln, so lange nicht das ganze Werk vollendet vorliegt, und die HH. Verf. oder die Redaction sich nicht über so manches, was uns neu oder auch bedenklich erscheinen möchte, ausgesprochen haben. Doch können wir nicht umhin, einige Bemerkungen zu machen, welche darthun mögen, daß wir dieser Arbeit mit aufrichtiger Theilnahme folgen, und bei Anerkennung so mancher Vorzüge der Ausstattung und |Sp. 1066| der praktischen Anwendung, doch für jetzt nicht überall mit der Ausführung einverstanden sind; wodurch wir vielleicht den Herausgebern Gelegenheit darbieten, in ihren Erklärungen am Schlusse des Werkes die Gründe ihres Verfahrens genauer nachzuweisen, und etwaige Fehler zu berichtigen.</p>
         <p>Was wir nämlich vorzugsweise als eine wesentliche Pflicht eines Bibelübersetzers ansehen, ist: <hi rend="italic">Strenge Consequenz</hi> in der Wahl des dem Originale entsprechenden Ausdrucks. Diese ist in der Bibel nicht so gar leicht zu handhaben, indem der hebräische Ausdruck bei der großen Unbestimmtheit seines Inhaltes häufig nach Maßgabe des Zusammenhanges, in der Uebersetzung mit bestimmtem, und folglich mehr oder minder den Ausdruck des Originals interpretirenden Wörtern wiedergegeben werden muß. Dazu kommt noch, die Verschiedenheit des Styles der einzelnen Bücher und Fragmente, ja sogar die Verschiedenheit des Zeitalters und folglich der einem alten Ausdrucke untergelegten Begriffe, und öfters auch die Rücksicht auf Wohlgefälligkeit der Uebersetzung lauter Gründe, die bezeichnete Pflicht zu modifizieren, und die geringern Beachtung derselben durch abweichende Ansichten zu entschuldigen oder gar zu rechtfertigen. — Dennoch müssen wir, nach individueller Ueberzeugung, diese Pflicht überall gelten lassen, wo keine dieser Entschuldigungsgründe vorhanden sind, und höchstens die <hi rend="italic">gefälligere Abwechselung</hi> als Grund angegeben werden müßte; denn, weil die Nothwendigkeit einer Abwechselung nur in seltenen Fällen nachzuweisen ist, und bei <hi rend="italic">dieser</hi> Uebersetzung, welche mit Hintansetzung der deutschen Construction offenbar auf eigentlichen Wohllaut der deutschen Sprache zu Gunsten der strengern Treue verzichtet, noch viel weniger erwartet wird, so muß jeder Kenner in der <hi rend="italic">Abwechselung</hi> des Ausdrucks immer geneigt seyn, <hi rend="italic">innere</hi> Gründe zu vermuthen, und, wenn diese nicht vorliegen, darüber von den Uebersetzern zum Nutzen der Erkenntniß Rechenschaft fordern.</p>
         <p>Dieß ist nun, was wir im Namen der Wahrheit unternehmen, wenn wir hier einige Beispiele anführen, worin wir durchaus gar keinen Grund zur Abänderung des Ausdrucks erkennen, vielmehr obige. Pflicht verletzt finden. </p>
         <p>Lev. 	V. 2. ואשם sich verschulden; 4. 5. 6. in Schuld gerathen; 23. der Schuld verfallen. </p>
         <p>V. 17. עונו Sünde, 1. Schuld. </p>
         <p>V. 15. einem Widder vom Kleinvieh ohne Fehl; 18. einen Widder ohne Fehl vom Kl. — (Im Texte keine Verschiedenheit) </p>
         <p>בערכך im Werthe, 18. mit dem Werthe. </p>
         <p>V. 17. תחטא fehlet, 20. sündiget. </p>
         <p>XVIII. 3. חקות Satzungen, 30. Gesetze.</p>
         <p>משפטים Vorschriften, dagegen XIX. 37. XXVI. 43. Rechte.</p>
         <p>XIX. 9-13. Du <hi rend="italic">sollst</hi> nicht, dagegen 14-16 direkter Imperativ; 15. Ihr sollt keine Ungerechtigkeit thun im Gericht; 35 thuet nicht Unrecht im Gericht.</p>
         <p>13. עשק bedrücken (berücken?) dagegen V. 21. den Lohn vorenthalten. </p>
         <p>27. Die <hi rend="italic">Enden</hi> des Bartes; XXI. 5. <hi rend="italic">Ecken</hi>. Ganz verschieden sind die bis auf das Wort בקצרך gleichlautenden und gleichbedeutenden Verse XIX. 9. und XXIII. 22. übersetzt</p>
         <p>XIX. 9. Und <hi rend="italic">wenn</hi> Ihr <hi rend="italic">ärntet</hi> in Eurem Lande, so sollst Du nicht ganz <hi rend="italic">abärnten</hi> das <hi rend="italic">Ende</hi> Deines Feldes und die Nachlese <hi rend="italic">bei Deiner Aernte</hi> nicht aufklauben — — <hi rend="italic">den</hi> Armen und <hi rend="italic">den</hi> Fremdlingen sollst Du <hi rend="italic">sie</hi> überlassen.</p>
         <p>XXIII. 22. Und <hi rend="italic">so</hi> Ihr <hi rend="italic">Aernte</hi> haltet in Eurem Lande sollst Du nicht ganz abmähen <hi rend="italic">die Enden Deines</hi> Feldes bei Deinen Aernten (בקצרך); und die Nachlese Deiner <hi rend="italic">Aernte</hi> sollst Du nicht aufklauben. <hi rend="italic">Dem</hi> Armen und dem Fremdling sollst <hi rend="italic">Du es</hi> überlassen.</p>
         <p>Ferner XXIII.28. dürft; 31. sollt; — 27. sollt; 32. müßt. </p>
         <p>Deut. 	V. 16. Daß Deine Tage <hi rend="italic">lang werden</hi>; VI. 2. <hi rend="italic">lange währen</hi>; XVII. 20. <hi rend="italic">lange leben</hi>. (Im Texte stets derselbe Ausdruck)</p>
         <p>I. 37. התאנף sich erzürnen; IX. 8. ergrimmen. </p>
         <p>V. 30. ערץ sich ängstigen; VII. 21. bange seyn.</p>
         <p>|Sp. 1067| XVI. 16. Fest der ungesäuerten Kuchen; Exod. XXIII ungesäuerten Brode.</p>
         <p>XVIII נחלה Besitz, Num. XVIII. und XXXVI. 62. Eigenthum; Jos. XIII. 23. Antheil; XVIII. 7. Erbe. </p>
         <p>IX. 17. שבר zerschlagen; X. 2. zerbrechen. </p>
         <p>Deut. 32. Anf. עשב Gras, Gen. 1. Kraut. </p>
         <p>Wenn im letztern Beispiele die Verschiedenheit allenfalls wie bei <hi rend="italic">Gesproß</hi> und <hi rend="italic">Grünes</hi>, sich aus der verschiedenen Diction erklären ließe, so läßt von den obigen Beispielen keines eine ähnliche Rechtfertigung zu.</p>
         <p>Wir möchten über einige Uebertragungen auch gern mehr im Reinen seyn.</p>
         <p>Lev. 	XVIII. 10. 11. נפש <hi rend="italic">Seele</hi>; uns erscheint <hi rend="italic">Leben</hi> die wahre Vorstellung wiederzugeben, da wir unter <hi rend="italic">Seele </hi>etwas Geistiges verstehen, was hier nicht gemeynt seyn kann.</p>
         <p>Deut. 	V. 30. <hi rend="italic">Durchaus</hi> auf dem Wege, entspricht nicht dem בכל הדרך </p>
         <p>VI. 25. Wie uns geboten, st. wie er uns geboten (vielleicht Druckfehler).</p>
         <p>VI. 1. Ende, scheint uns die Ergänzung: „sey dazu“ sehr gewagt.</p>
         <p>VII. 3. steht ein Hauptsatz st. eines Nebensatzes; ebenso 9. בא לרשת wird überall gegeben mit: „dahin gelangen zu...“ welches den sinnlichen Begriff בא vergeistigt; warum nicht <hi rend="italic">kommen</hi>?</p>
         <p>XXXII. 14. Widder <hi rend="italic">der Söhne</hi> Baschan's. Sollte das der Sinn seyn von בני בשן, welches doch nur Apposition, nicht Genitiv ist?</p>
         <p>Jud.	V. 13. Damals bewältigten Entronne für die Edlen des Volkes, bewältigte der Ewige für mich die Helden — wie ist das zu verstehen?</p>
         <p>VI. 26. Und baue einen Altar dem Ewigen Deinem Gotte auf der Spitze des Felsens <hi rend="italic">in der Schicht</hi> (??) </p>
         <p>Sam. 	I. 3. כהה <hi rend="italic">stumpf</hi>, warum nicht <hi rend="italic">getrübt</hi>, wie Deut. XXXIV. 7.? ויסף wird hier immer mit <hi rend="italic">fortfahren </hi>gegeben, da es doch dem Begriff <hi rend="italic">wiederholen</hi>, <hi rend="italic">abermals</hi>, <hi rend="italic">thun</hi> entspricht?</p>
         <p>Diese Bemerkungen könnten wir noch um viele vermehren, und unterlassen es nur, um jeden Anschein von Tadelsucht zu vermeiden. Gewiß aber rechtfertigen sie den Wunsch, daß über alle solche, oft auch jedem Laien auffallende Eigenheiten, die mitunter sicherlich als unverzeihliche Uebereilungen angesehen werden möchten, ein genügender Ausschluß gegeben werde. Denn die Bibel und namentlich eine <hi rend="italic">Volksbibel</hi> verlangt die allergrößte Sorgfalt und der Ausdruck darf nicht leichthin wie er in die Feder kommt, hingeworfen werden; ist er ja die Aussaat für alle religiösen Begriffe, die sich daraus im Gemüthe des Lesers entwickeln sollen, und der Text für künftige Lehrer und Prediger.</p>
         <p>Sollte daher, wie es allerdings scheint, das Spiel mit synonymen Wörtern und Sätzen, und die Unbestimmtheit in der Wahl mancher Stelle diese sonst in vielen Beziehungen schönen und vortrefflichen Uebersetzung, verunziert haben, so wäre es sehr rathsam, vor dem Stereotypiren nochmals die Feile daran zu setzen.</p>
         </div>
         <div type="litpr">
         <head>Protestantische Abtheilung.</head>
         <p>* <hi rend="italic">Streitschriften zur Vertheidigung meiner Schrift über das Leben Jesu, und zur Charakteristik der gegenwärtigen Theologie</hi>. Von Dr. <hi rend="italic">David Friederich Strauß</hi>. Erstes Heft: Herr Dr. <hi rend="italic">Steudel </hi>oder die Selbsttäuschungen des verständigen Supranaturalismus unserer Tage. 192 S. — Zweites Heft: Die Herren <hi rend="italic">Eschenmayer</hi> und <hi rend="italic">Menzel</hi>. 247 S. 8. Tübingen, bei Osiander. 1837.</p>
         <p>Beurtheilt von Candidat <hi rend="italic">August Boden </hi>aus Oldenburg.</p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Wir gehen zum <hi rend="italic">zweiten Heft der Streitschriften </hi>über. Die erste Abtheilung „<hi rend="italic">Eschenmayer</hi>“ (S. 7-88) hätte füglich überschrieben werden können: <hi rend="italic">Herr Eschenmaner oder </hi>|Sp. 1068| <hi rend="italic">die Selbsttäuschungen des unverständigen Supranaturalismus unserer Tage</hi>. Dieser Theil der <hi rend="italic">Strauß</hi>schen Streitschriften ist noch gelungener, als die vorhergehende, und wenn von den Bekennern des unverständigen Supranaturalismus unserer Tage im Allgemeinen auch wenig zu hoffen ist, so können doch diejenigen unter ihnen, deren Verstand im Dienste der Unvernunft noch nicht grau geworden ist, durch diese Schrift zu ernsthafter Selbstprüfung veranlaßt werden. Um diese Leute hat sich Herr <hi rend="italic">Eschenmayer</hi> mit dem abschreckenden Beispiel, als welches er sich ihnen hier vorhalten läßt, wirklich ein großes Verdienst erworben und (wie wir hinzusetzen müssen) — erwerben wollen; so daß seine Aufopferung als aus einer geheimen Zustimmung zum <hi rend="italic">Strauß</hi>'schen Werk hervorgegangen anzusehen ist. Der Titel seiner Schrift verräth leise, was aus dem Buch selbst nicht zu errathen wäre. „<hi rend="italic">Der Ischariothismus unserer Tage, </hi>von<hi rend="italic"> C. A. Eschenmayer</hi>. <hi rend="italic">Eine Zugabe zu dem jüngst erschienenen Werke; Das Leben Jesu, von Strauß. Tübingen, 1835</hi>.“ „Hier hast Du etwas“ , wollte Hr. <hi rend="italic">Eschenmayer Strauß'</hi>en mit dieser Zugabe zu verstehen geben, „was Deinem <hi rend="italic">Leben Jesu</hi> dienen kann; mach' nun daraus, was Du kannst; beweise, daß Du kein Ischarioth bist, daß es dem Groll Deiner Gegner nicht gelingen werde, den verhaltenen Groll, der, wenn man auf ihren Groll hören will, Dir Dein Leben Jesu dictirt hat, zu reizen und zum Durchbruch zu bringen. An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen." <hi rend="italic">Strauß</hi> hat sich dieses zunutze gemacht, und die <hi rend="italic">Eschenmayer'sche</hi> Schrift ist nun in Wahrheit geworden, wozu ihr Verfasser sie bestimmt hatte: eine treffliche, dankenswerthe Zugabe zu dem <hi rend="italic">Strauß'schen</hi> Werke: Das Leben Jesu. Da aber auch Strauß das Complott, welches Hr. Eschenmayer mit ihm eingegangen ist, als ein Geheimniß unter ihnen beiden allein, behandelt, so dürfen wir es nicht weiter verrathen, sondern müssen in den Ernst Beider eingehen. „Was für ein Geist es sonst gewesen“ , sagt <hi rend="italic">Strauß</hi> S. 10, „aus welchem die <hi rend="italic">Eschenmayer'sche</hi> Schrift hervorgegangen, darüber könnte man durch den entsetzlichen Titel und die verdammende Sprache des Buchs leicht auf allzu harte Vermuthungen geführt werden, ich sage daher lieber hier zum Voraus, was ich davon halte, und im Verlaufe dieser Entgegnung beweisen werde: In der <hi rend="italic">Eschemayer'schen </hi>Schrift macht sich der Aerger eines frömmelnden Phantasten Luft, dem es unbequem kommt, daß aus der evangelischen Geschichte, auf welcher, als einem Ruhepolster, seine faule Vernunft sich Jahrelang gewälzt, auf einmal kritische Stacheln hervorgetrieben werden, welche ihn zu nöthigen drohen, einen Augenblick wieder auf seinen eigenen Füßen zu stehen. Dieß ist es, weiter nichts. Daher wird, wie gewaltsam aus dem Schlaf Geweckte zu thun pflegen, eben so wild, als planlos um sich geschlagen; auf die Kritik als ein unnützes und fatales Ding geschimpft; daher die von früher her bereit liegenden Kissen und Teppiche eiligst wieder untergeschoben, um alsbald mit derselben Behaglichkeit die denküberdrüssigen Glieder auf dem alten Polster ausstrecken zu können.“</p>
         <p>Wenn <hi rend="italic">Strauß</hi> dieses alles nun zur Genüge, und nicht zum Ueberdruß, beweist, so wird man doch nicht vom Recensenten verlangen, daß er die Lectüre des <hi rend="italic">Strauß'schen</hi> Buchs unnöthig zu machen strebe und die schlagendsten Stellen herausschreibe, um sich zum Entdecker zu machen, der dem Erfinder alle Ehre lasse, die ihm nächst dem Entdecker nur immer noch gebühren könne? Und das ist heutzutage noch die beste Art des Recensirens! So erschienen (ich sage das beispielswegen) vor einigen Jahren <hi rend="italic">Kleine Erzählungen in humoristischen Skizzen und Bildern, </hi>von<hi rend="italic"> Theodor von Kobbe,</hi> zwei kleine Bändchen, worin den Recensenten mit Recht so Vieles gefiel, daß sie es mit Unrecht in ihren Journalen abdrucken und sich ihr Honorar dafür zahlen ließen.</p>
         <p>Wir behalten also nur das Ganze unserer Beurtheilung im Auge, und nur sofern dieses es verlangt, bleiben wir bei den Einzelnheiten der Streitschrift stehen, so wie wir auch nur, so weit diese es verlangt, tadelnd oder lobend, im Allgemeinen oder im Einzelnen, auf das Leben Jesu unseres Verfassers hindeuten können.</p>
         <p>Hr. <hi rend="italic">Eschenmayer</hi>, heißt es S. 23, kehre der Wissenschaft schon seit Jahren den Rücken zu, und danke (Vorrede, S. VI) Gott, daß derselbe seinen Glauben früher habe erstarken lassen, als er die „Scyllen des neuern Dogmatismus und die Charybden des neuern Kriticismus kennen lernte.“ Daher gebe er denn auch |Sp. 1069| unsern jungen Theologen den Rath, in weltlichen Dingen zwar vorher durch Prüfung sich zu überzeugen, und dann erst zu glauben; in geistlichen aber umgekehrt den Glauben der Prüfung vorangehen zu lassen (S. VIII). Man sieht allerdings nicht ein, wie Jemand, der den letzteren Theil des Raths schon selbst befolgt, ihn Andern noch geben kann, da wir Andern nicht einen Rath geben dürfen, den wir befolgen, oder wenigstens keinen Rath geben dürfen, weil wir ihn befolgen. Ferner sieht man nicht ein, wie Jemand, der in dem einen der angegebenen Punkte prüft, nicht auch in dem andern prüfen sollte. Endlich wäre der Rath ganz gut, wenn er eben so nöthig wäre. Die nöthige Zahl von Menschen, die weder in geistlichen, noch in weltlichen Dingen prüfen, ist so groß, daß es gar nicht nöthig und selbst übel gethan ist, die wenigen, die zum Prüfen taugen, davon abzumahnen. Die Erstern aber muß man um so eher davon zurückhalten, als sie unfähig dazu sind, und aus diesem Grunde hätte auch Hr. <hi rend="italic">Eschenmayer</hi> eine Prüfung des <hi rend="italic">Strauß'schen</hi> Werks unterlassen sollen.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Wer den Becher der Forschung austrinkt, wird, wie <hi rend="italic">Baco </hi>sagt, wenn auch im Anfang irre gemacht, auf dem Grunde des-selben Gott wieder finden: aber wie viele sind der Trinker, die ihn bis auf den Grund zu leeren vermögen? <hi rend="italic">Strauß</hi> S. 182.</p>
            </note> Wer weiß aber, ob wir hier nicht wieder dem Complott auf der Spur sind, welches wir oben zwischen <hi rend="italic">Strauß </hi>und Hrn. <hi rend="italic">Eschenmayer</hi> geahnt haben? Wie hätte jener sonst den Rath des Letztern tadeln können, der doch recht gut ist, wenn er nur nicht gegeben wird? Wir lesen bis zur 43ten Seite weiter, aber nicht, ohne daß unsere Achtung gegen Hrn. <hi rend="italic">Strauß </hi>immer mehr stiege. S. 43 kommen u. a. die folgenden Worte der <hi rend="italic">Eschemayer'schen</hi> Schrift vor: „Die Erzählung der Evangelisten ist eine so nüchterne Darstellung von Begebenheiten, daß man sich eigentlich wundern muß, wie sie über das Außerordentliche derselben ihre eigenen Reflexionen und Hinweisungen zurückhalten und ohne alle geflissentliche Ausschmückung lassen konnten.“<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> So sagt auch <hi rend="italic">Bretschneider</hi> a. a. O.: „Ihre Schilderung ist eine rein objektive, d. h. sie beschreiben nicht den Eindruck, den Jesus auf sie gemacht habe, und sie ergießen sich nicht in Deklamationen, wie groß, weise, edel und erhaben ihr Meister gewesen sey, sondern sie erzählen auf die schlichteste, oft auch auf nachlässige Art, was Jesus gesprochen und gethan habe, woraus das erhabene Bild Jesu für den aufmerksamen Leser von selbst hervortritt;“ <hi rend="italic">Bretschneider</hi> fügt hinzu: „und gewiß nicht selten größer und herrlicher, als es die Evangelisten dachten und fühlten.“ Das Letztere würde ich nicht gesagt haben, wenn ich es auch gedacht hätte; ich hätte es aber auch nicht gedacht, sondern auf sich beruhen lassen. — <hi rend="italic">Strauß</hi> will bloß, daß uns das Bild Jesu nur anders entstehe, als den Aposteln, nicht stärker, nicht schwächer. — Bretschneider fährt fort: „Nie sind sie es, die den Stoff beherrschen, sondern der Stoff beherrscht sie.“ Ebendeßhalb, meint Strauß, müssen wir, einestheils ungünstiger, anderntheils wieder günstiger* gestellt, als die Evangelisten, den Stoff beherrschen, damit wir von ihm auf unsere Weise wo möglich eben so viel erhalten, als er jenen gab. „Wie unbegreiflich“ , sagt <hi rend="italic">Bretschneider</hi>, „daß dieser Galilaer, dem nach <hi rend="italic">Strauß</hi> alles fehlte, was der Jude von seinem Messias erwartete, sich nur bei einigen seines Volks als Messias ausbringen, und bei ihnen die tiefste, unauslöschlichste Ehrfurcht erzeugen konnte?" etc.</p>
               <p rend="UKZ 8 fussnote">Wie begreiflich (heißt das vielmehr), daß dieser Galiläer u. s. w., da ihm nach <hi rend="italic">Strauß</hi> alles fehlte u. s. w. Eben weil Christus ein Heiland für alle Völker seyn sollte, so mußte ihm alles fehlen, was der <hi rend="italic">Jude</hi> als <hi rend="italic">solcher</hi> von <hi rend="italic">seinem</hi> Messias erwartete, so konnte und durfte er nur bei Einigen seines Volks Anhang finden, weil die Mehrzahl der Juden viel zu verkommen war, um das alte Jüdische dem neuen Christlichen auch nur unterzuordnen, und ihre Messiasideen dem Leben Christi auch nur zu accomodiren, versteht sich, vom Stoff beherrscht, also absichtslos. <hi rend="bold">**</hi> Vgl. <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> a. a. O. S. 384 f. und 397.</p>
               <p rend="UKZ 8 fussnote">
                  <hi rend="bold">*</hi>Was für unsere Zeiten an die Stelle der Wunder tritt, das ist die geschichtliche Kunde von dem Umfang und Bestand der geistigen Wirkungen Christi, welche wir vor den Zeitgenossen Jesu voraus haben, und dieß ist ein Zeugniß, dessen Kraft in demselben Maß zunimmt, nach welchem die Anschaulichkeit der Wunder sich verliert.“ <hi rend="italic">Schleiermacher's Christl</hi>. <hi rend="italic">Glaube</hi> Bd. 2. S. 280, die <hi rend="italic">erste Ausgabe</hi>.</p>
               <p rend="UKZ 8 fussnote">„Was würde man“, sagt <hi rend="italic">Bretschneider</hi>, „von dem urtheilen, der von dem Urheber der gewaltigen Reformation des 16. Jahrhunderts, von <hi rend="italic">Luther</hi>, Nichts für historisch halten wollte, als daß er ein armer Bergmannssohn und Äugustinermönch gewesen sey, in Wittenberg ein Katheder gehabt, mit <hi rend="italic">Tetzeln</hi> sich gezankt habe, und dafür vom Papst in den Bann gethan worden sey.“ Was würde man, sagt auch <hi rend="italic">Strauß</hi>, von demjenigen urtheilen, der von dem großen Urheber des Christenthums nichts für historisch halten wollte, als daß er der Sohn geringer Eltern, und bis zu seinem dreißigsten Jahre bei diesen im Hause gewesen sey, dann in Palästina Schüler gehabt, öffentlich und in den Synagogen gelehrt, mit den Pharisäern gestritten habe, und dafür von dem hohen Rath in Jerusalem zum Tode verdammt worden sey? Durch etwas ganz Anderes, als durch alles dieses, wenn es so nackt und äußerlich hingestellt werde, Habe Jesus jenen Eindruck hervorgebracht, dem u.a. auch die judaisirenden Mythen (von Spöttern, oft auch von nur kräftigen Laien, <hi rend="italic">jüdische Fabeln </hi>genannt), ihr Daseyn verdankten, deren Durchdringung von der christlichen Idee man nur nicht zu verkennen, um deren willen sich also Niemand an dem Christenthume zu ärgern habe.</p>
               <p rend="UKZ 8 fussnote">
                  <hi rend="bold">** </hi>Hierzu Folgendes aus Schleiermacher's Dogmatik Bd. 2., S. 173: „In Gottes ordnender Anschauung muß alles Menschliche, das der ersten Weltzeit angehört, einen Antheil haben an der Beziehung auf den Erlöser, woraus denn auch die in dem religiösen Bewußtseyn selbst sich manifestirende Voraussetzung, daß diese. Beziehung auch an einzelnen Punkten besonders heraustrete, zu erklären ist, welche Voraussetzung nämlich dem Aufsuchen von Vorbildern und Weissagungen zum Grunde liegt.“ S. 165. „Auch die Beweise, deren sich die Apostel selbst bedienten aus den Weissagungen, sollten und konnten nicht den Glauben hervorbringen, da kein Apostel auf diesem Wege gläubig, geworden ist, sondern nur den lebendig und unmittelbar entstehenden Glauben in Einklang bringen mit den früheren frommen Andrücken; und so sind sie mehr Beweise für die Würde der Propheten und für das Verhältniß des Judenthums zum Christenthum, als für die Erlöserwürde Christi.“ Vgl. S. 472 f.; 501. S. 192: „Wenn sich das Volksthümliche in Christo nicht auf untergeordnete Art verhielte, so hätte das Jüdische in dem Leben Christi als allgemein giltig in die christliche Lebensnorm aufgenommen werden müssen. Christus könnte nicht als allgemeines Vorbild verehrt werden, wenn er sich nicht zu allen ursprünglichen, Verschiedenheiten der Einzelnen auf gleichmäßige Art verhielte, denn sonst müßte er für einige mehr Vorbild seyn, als für Andere." Vgl. S. 479; 611.</p>
            </note> „Wen oder was ohne Ausschmückung lassen?" fragt</p>
         <p>|Sp. 1070| <hi rend="italic">Strauß</hi>. „Ich finde keinen Accusativ“ u. s. w. Man wird nun freilich mitunter erinnert, daß <hi rend="italic">Strauß</hi> Streitschriften schreibt und gezwungen ist, sie zu schreiben, denn sonst hätte sich leicht „ und es ohne alle geflissentliche Ausschmückung lassen konnten" lesen lassen. Es wäre passender gewesen, das Wort <hi rend="italic">geflissentlich</hi> zu urgiren, denn auch <hi rend="italic">Strauß</hi> hat ja nirgends den Evangelisten eine geflissentliche Ausschmückung der von ihnen erzählten Begebenheiten vorgeworfen, welche erst den apokryphischen Evlien zur Last fällt, bei denen der Mythus daher nicht mehr auf Sagen beruht, und so wesentlich ist, wie unwesentlich beiden Evangelisten.—In den zuletzt angeführten <hi rend="italic">Eschenmayer'schen </hi>Worten begegnen sich vielleicht alle <hi rend="italic">Strauß'schen</hi> Gegner, welche ich in zwei sich entgegengesetzte Hauptklassen theile, die <hi rend="italic">Gleichgiltgen</hi> und die <hi rend="italic">Erbitterten</hi>. Jene finden, eben wie <hi rend="italic">Eschenmayer</hi>, bei den Evangelisten eine nüchterne, einfache Erzählung von Begebenheiten und glauben mit Recht, daß die Vorstellungen, unter welchen die Apostel aufgewachsen waren, ihnen auch natürlich waren, und daß diese überhaupt nur da das innere Auge des Geistes, das gesunde Urtheil, trüben können, wo sie künstlich hervorgerufen werden, wie, wenn das in unserer Zeit geschieht. Sie glauben also den Evangelisten eben so wenig zum Anstoß zu gereichen, als diese ihnen zum Anstoß sind. Wie es sich nun hierin mit den erbitterten Gegnern unsers Verfassers verhalte, leuchtet aus dem Gesagten von selbst ein. Indem sie den vergeblichen und unnatürlichen Versuch machen, der Vergangenheit mehr als der Gegenwart anzugehören, entgehen ihnen beide, und das Ewigwahre in den Evangelien besitzen sie nur in einer so trüben Auffassung, daß es ihnen ganz so fremd ist, wie unsere Gleichgiltigen um das Unwahre unbekümmert sind. — Es versteht sich indessen, daß Hr. Eschenmayer eben so wohl eine absichtslose, als eine geflissentliche Ausschmückung der evangelischen Geschichte durch die Sage von Seiten der Apostel läugnet. Er erklärt (S. 58 bei <hi rend="italic">Strauß</hi>): „wenn die evangelische Geschichte nicht durchaus historische Wahrheit sey, so müsse sie auf absichtlicher Lüge beruhen.“</p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
        </div>
         </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
     </div> 
      </body>
   </text>
</TEI>

