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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 16. August 1837, Nro. 66</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                  <title level="j" type="issue" n="66">16. August 1837, Nro. 66</title>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Der Stamm der Batlapi in <hi rend="italic">Südafrika</hi>. Aus dem Englischen.—</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten</hi>. <hi rend="italic">Frankreich</hi>. <hi rend="italic">Paris</hi>; Abgang von Missionären nach Asien und Amerika; Festfeier; musikalischer Unfug an h. Stätte; <hi rend="italic">Talleyrand's</hi> Monument; Angelegenheiten der Chatelisten; Thätigkeit der wesleyanischen Methodisten; Aufhebung eines Protest. Frauencomité‘s; Schrift über die Civllisirung der Sklaven. <hi rend="italic">Versailles</hi>; Unterstützung der sizil. Cholerakranken. <hi rend="italic">Lyon</hi>; Ankunft des Bischofs <hi rend="italic">Flaget</hi>; Mildthätigkeit des Kardinals <hi rend="italic">Fesch</hi>. <hi rend="italic">Cambray</hi>; Wohlthätigkeitssinn einer Familie. <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Pol de Léon</hi>; Wohltätigkeit. <hi rend="italic">Angers</hi>; Einkleidung des Frl. <hi rend="italic">Drach</hi>. <hi rend="italic">Carcassonne</hi>; afrikanisch-kathol. Seminaristen. <hi rend="italic">Rouen</hi>; protest. Traktatenverbreiter. St. <hi rend="italic">Martin</hi>; neue prot. Kirche. <hi rend="italic">Straßburg</hi>; prot. Theologiestudirende. <hi rend="italic">Insel Corsika</hi>. <hi rend="italic">Ajaccio</hi>; Monument <hi rend="italic">Napoleons</hi>. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Hessen</hi>-<hi rend="italic">Darmstadt</hi>. <hi rend="italic">Gießen</hi>; Wiedergewinn des Prof. <hi rend="italic">Staudenmaier</hi>. <hi rend="italic">Mainz</hi>; über wirkliche Toleranz. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth</hi>. Ueber das Trennungsprinzip der Reformation in seiner heutigen Bedeutung. Vom k. k. Rath <hi rend="italic">von Bucholz</hi> in Wien (Forts). — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Prot. Abth</hi>. <hi rend="italic">Delbrück</hi>. Der verewigte Schleiermacher etc. Rec. vom Pfarrer <hi rend="italic">Gollhard</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">Rousseau</hi>; Marienbüchlein. Rec. vom Appellationsgerichts-Assessor <hi rend="italic">Samhaber</hi> in Aschaffenburg. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Nachweise von Rezensionen theol. Schriften.</hi> <lb/> |Sp. 1039|
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
           † Der Stamm der Batlapi in Südafrika.</head>
         <p>Aus dem Englischen des Evangelical Magazine and Missionary Chronicle.</p>
         <p>Unter allen Stämmen des südafrikanischen Continents, mit denen die Missionarien bisher in Berührung kamen, war früher keine in so tiefe moralische Erniedrigung versunken, als der ebengenannte, der einen Zweig der <hi rend="italic">Sitchuana</hi>-Nation ausmacht; keiner auch schien nach menschlicher Ansicht mehr entblößt von allen Elementen geistiger Wiedergeburt. Darnach wäre die Hoffnung der Missionarien auch in eine weite Ferne hinausgestellt worden, hätten sie nicht die begeisternde Gewißheit gehabt, daß die Kirche des Erlösers sich dennoch über alle Wesen, Zungen und Völker verbreitet. Diese Voraussetzung förderte das Anfangs so wenig versprechende, so zu sagen entmuthigende Werk und es gedieh auf eine wunderbare Weise. Das sonst von allem Heiligen so weit entfernt stehende Volk wurde ihm näher gebracht und gab sich der Macht Gottes willig hin. Der König, oder das Haupt des Stammes, <hi rend="italic">Mateebe</hi>, obgleich nicht bekehrt, wurde Freund der Religion und nicht weniger, als 1500 Individuen seines Volkes, die eine heilsame Sinnesänderung erfuhren, beurkundeten den Einfluß der Religion durch einen christlichen Wandel, besuchten fleißig an jedem wiederkehrenden Sonntage das Bethaus, erfreuten und stärkten sich im Ausflusse der Gnaden, lebten in Frieden unter einander und erkannten Gott auf allen ihren Wegen. Manches Interessante in Bezug auf dieses Volk und die unter ihm angestellten eingebornen Prediger ist in den kürzlich aus <hi rend="italic">Griqua</hi>-<hi rend="italic">Town</hi>, der Central-Station dieser ausgebreiteten Mission, eingegangenen Berichten enthalten. Hr. Wright schreibt darüber am Schlusse des abgelaufenen Jahres, nachdem er verschiedene Außen-Posten besucht hatte, Folgendes:</p>
         <p>„Am Freitag Abend den 19. August 1836 gelangte ich an den Fuß des hohen Berges, auf welchem Mateebe's Stadt belegen ist. Als man meinen Wagen aus der Ferne gewahrte, kam die ganze Stadt, Alt und Jung von dem Berge herab, mich zu begrüßen und willkommen zu heißen. Unter ihnen befand sich der alte Häuptlinge <hi rend="italic">Mateebe</hi> und seine Frau <hi rend="italic">Mahooto</hi>, die bei mir bis zum späten Abend verweilten. Da es spät, kalt und sehr windig war, so mochte ich mich nicht zur Stadt hinauf begeben, um Gottesdienst zu halten, sondern behielt einen großen Theil des Volkes bei mir, um mich mit ihm über das Heil ihrer Seelen zu unterhalten, wobei ich von zwei mit mir gekommenen Brüdern unterstützt wurde. Nach dem Berichte, welchen mir der eingeborene Prediger <hi rend="italic">Tabé</hi> erstattete, nach der mit vielen Einzelnen gepflogenen Unterredung, nach dem ganzen Benehmen des |Sp. 1040| Volkes und nach der Freude, welches es über meine Ankunft an den Tag legte, konnte ich nur die Wunder der Allmacht anbeten. Am folgenden Morgen bei Anbruch des Tages versammelte sich die gesammte Bevölkerung zum gemeinschaftlichen Gottes- dienst, welchen <hi rend="italic">Tabé</hi> hielt und kurz nach Beendigung desselben kam ein großer Theil davon zu meinem Wagen mit mir über das eben gehörte Wort Gottes sich zu unterreden, indem mir manche den Eindruck schilderten, welchen dasselbe auf ihre Gemüther gemacht hatte. Hierauf begab ich mich zur Stadt hinauf, wo sich über 600 Menschen auf einem großen Weidefelde versammelt hatten, um meine Predigt zu hören; sie hatte zum Text Evang. Johannis 10. V. 27-28. Die herrschende Stille und die gespannte Aufmerksamkeit während des ganzen Gottesdienstes war höchst rührend. Darauf prüfte ich die versammelten Schulkinder und fand, daß unter 125 Schülern und einigen schon Erwachsenen Viele erstaunliche Fortschritte gemacht hatten. Außer dieser Schule hatte der Lehrer noch zwei Nebenschulen auf Außen Posten von über 50 Kindern unter seiner Aufsicht. Nachmittag hielt ich wiederum Gottesdienst und Abends Unterredungen über geistliche Gegenstände mit denen, welche darum eigens zu mir kamen. Die Kenntnisse, der Ernst und das kunstlose Benehmen von diesen 40-50 Personen freuten mich, und beide von Quiqua-Town mit mir gekommene eingeborne Brüder. Es war schon spät in der Nacht, als ich die Stadt verlassen und zu meinem Wagen zurückkehren konnte. Ich war von den Anstrengungen des Tages so sehr ermüdet, daß ich nicht einmal im Stande war, mir einige Erfrischungen zu bereiten.“</p>
         <p>„Am Sonntag — fährt Hr. <hi rend="italic">Wright</hi> fort — gingen wir wieder zur Stadt und fanden die ganze Einwohnerschaft, über 800 Personen, bereits zum Gottesdienst versammelt, nach dessen Schlusse ein Paar ehelich eingesegnet und ein Kind getauft wurde. Dieß war eine ganz neue Szene für diese Leute. Hierauf versammelte ich die Schuljugend um mich, sprach zu ihr mit zu Grundlegung Ps. XXXIV 11, und hielt eine Katechisation, der die Eltern lauschend beiwohnten. Nachmittags predigte ich wieder und hatte darauf Unterredungen mit einigen Zweifelmüthigen und solchen, die die Taufe begehrten; dieß waren über 50, unter ihnen 22 Weiber. Da hiebei mit Jedermann besonders gesprochen werden mußte, so nahm uns das viel Zeit hinweg, aber ungeachtet dieser großen Anstrengung halte ich doch die verlaufenen Tage für die glücklichsten, welche ich in Südafrika verlebte. Montags nach verrichtetem Gebete und nachdem ich von den guten Leuten Abschied genommen hatte, begab ich mich nach einer andern Abtheilung desselben Stammes, achtzehn Meilen abwärts am großen Flusse wohnend, wo der eingeborene Prediger <hi rend="italic">Ma</hi>- |Sp. 1041| <hi rend="italic">kume</hi> stationiert ist. Spät Nachmittags kam ich bei einem seiner Außen-Posten an. Mich besuchten sogleich vier Männer und zwei Weiber, welche geistlichen Zuspruch von mir begehrten; darauf begab ich mich noch in die Schule und fand auch hier gedeihliche Fortschritte. Erst als es schon finster war gelangte ich wieder zu meinem Wagen.“</p>
         <p>Nachdem Herr <hi rend="italic">Wright</hi> noch erzählt hat, wie er andere Außen-Posten besucht und sie in gleich blühendem Zustande gefunden hat, meldet er seine glückliche Rückkunft nach seiner Station in Begleitung einer Anzahl <hi rend="italic">Batlapi's</hi> und beschließt alsdann seinen Bericht folgendermaßen:</p>
         <p>„Am letzten Sonntag hatte ich das unaussprechliche Vergnügen, 13 Erwachsene und 16 Kinder zu taufen, auch 16 neue Mitglieder zum erstenmal zu Gottes Tische treten zu sehen, unter denen sich der älteste Sohn König <hi rend="italic">Mateebe's</hi> befand. Außer diesem sind nach vier oder fünf andere Mitglieder seiner Familie und über hundert der einflußreichsten Angehörigen des Stammes auf dem Wege, sich unserer (der anglik.) Kirche anzuschließen, das wird hauptsächlich den talentvollen eingeborenen Predigern <hi rend="italic">Thabé </hi>und <hi rend="italic">Makume</hi> zu verdanken seyn, deren Arbeiten der Segen des Himmels augenscheinlich fördert. — Von den erwachsenen Eingebornen kann bereits der größte Theil lesen und über 300 Kinder besuchen regelmäßig die Schulen. Der Erfolg, mit welchem die Religion unter diesem Volksstamme ausgebreitet worden, ist mit demjenigen unter andern Stämmen in keinen Vergleich zu stellen; die Fortschritte der Erziehung und der Volksbildung zeigen den Zustand der Mission im befriedigendsten Lichte.</p>
       </div>
         <div type="kn">
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Frankreich.</p>
         <p>† <hi rend="italic">Paris</hi>, den 27. Juli. Bei uns legt sich der mit den theologischen Wissenschaften bereits so sehr vertraute Klerus nun auch auf andere, nicht in sein Fach einschlagende, und daher ihm gerade nicht notwendige. Indessen stellt er dadurch den alten Bund zwischen allen Zweigen des menschlichen Wissens in den Religionen her. Unsere Priester tragen muthig die Fackel des Glaubens, vereint mit den Annehmlichkeiten der Civilisation, in das Ausland. Es vergeht nicht leicht ein Monat, wo wir nicht die Abreise einiger solcher neuen Apostel, theils nach unsern Colonien, theils nach China und andern den Christen wenig geneigten Ländern, wo Märtyrer fallen, gleichwie in den ersten Jahrhunderten der Kirche, wo aber auch das Blut dieser heldenmüthigen Schlachtopfer fruchtbringend für den Glauben ist, zu berichten hätten. — Am vergangenen Sonntage nahmen <hi rend="italic">sieben Lazaristen</hi>, 3 Priester und 4 Brüder, nachdem sie den Reliquien des heil. <hi rend="italic">Vinzenz de Paula</hi> ihre Verehrung dargebracht, Abschied von ihren Mitbrüdern und von ihrer bescheidenen Wohnung, um sich nach der Levante in die dem Islam unterworfenen Lande zu begeben. Die letztern werden sich dem Schulwesen widmen, und andere der Mission förderliche Verrichtungen übernehmen. Die Priester sollen zunächst die treu gebliebenen Christen aufrichten, und die irregeleiteten auf die rechte Bahn zurückbringen. Sie werden auf diesem weiten Felde schon mehr, als fünfzig ihrer vorausgegangenen Brüder finden, die an dem heilsamen Werke arbeiten. — Gott sey gelobt! sein heiliger Name verbreitet sich überall auf der Erde. Die Namen der Priester sind <hi rend="italic">Basset</hi>, <hi rend="italic">Cros</hi> und <hi rend="italic">Amaye</hi>. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>† den 3. Aug. Die nach <hi rend="italic">Madura</hi> in <hi rend="italic">Indien</hi> bestimmten Missionare, deren Abreise durch verschiedene Umstände Verzögerung erlitten hatte, haben sich am 5. Juli zu Bordeaux nach Pondichery eingeschifft. Es sind ihrer vier; die HH. <hi rend="italic">Bertrand</hi>, <hi rend="italic">Duranguet</hi>, <hi rend="italic">Garnier</hi> und Alexander <hi rend="italic">Martin</hi>. Mit ihnen ist auch Hr. <hi rend="italic">Boulogne</hi>, ein anderer Priester abgereist, dessen Bestimmung Calcutta ist. Die Missionarien stehen unter der Jurisdiction des Bischofs von <hi rend="italic">Drusipare</hi>, der zu Pondichery residirt und Superior der Mission von Indien ist. Man hofft viel von ihrem Eifer, um den Glauben in Madura neu zu beleben, das ehemals der Schauplatz der Arbeilen des Pater de <hi rend="italic">Brito</hi> und anderer Jesuiten war. Ueber die Leistungen dieser Männer, die meist Franzosen waren, findet man genauere Aus- |Sp. 1042| kunft in der Sammlung <hi rend="italic">erbaulicher Briefe</hi>. Ihre Nachfolger gehören zu derselben Gesellschaft, werden mit Ungeduld an ihrem Bestimmungsorte erwartet, zumal die Anwesenheit einiger portugiesischen Priester, die der Verwaltung solchen Amts wenig würdig sind, viel Uebles gestiftet hat. Drei andere Missionarien, von der Congregation des heil. <hi rend="italic">Vinzenz de Paula</hi> sind gleichzeitig nach der Levante abgegangen: Hr. <hi rend="italic">Cros</hi> ist für die Mission von Smyrna bestimmt, und die HH. <hi rend="italic">Basset</hi> und <hi rend="italic">Amaye </hi>für die Missionen von Syrien. Sie haben am 1. August auf einem Dampfschiffe von Marseille abgehen sollen. Vier Brüder von derselben Congregation begleiten sie; der eine ist nach Smyrna, ein zweiter nach Santorin und die beiden letzten sind nach Constantinopel bestimmt.</p>
         <p>† — Hier ist vor einigen Tagen ein deutscher Missionär, auf seiner Reise nach Michigan, wo er sich unter Leitung des Bischofs von <hi rend="italic">Detroit</hi> den Missionen widmen will, durchpassirt. Derselbe ist ein Bekannter des Hrn. <hi rend="italic">Baraga</hi>, der ihn auch zu diesem frommen Werke vermocht hat. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ami de la Religion)</p>
         <p>† — den 5. Aug. Bei dem Todtenamte, das in voriger Woche für die Juli-Gefallenen gehalten wurde, hörte man in einer der Hauptkirchen der Hauptstadt die <hi rend="italic">Marseillaise</hi> und <hi rend="italic">Parisienne</hi> spielen, letztere sogar während der Monstranz-Erhebung. Es ist unbegreiflich, wie man das Unschickliche der Aufführung solcher Musikstücke in einer Kirche und sogar während der Feier der heil. Mysterien, hat übersehen können. Konnte die Behörde solchen Scandal dulden? — Aber die Behörde, wenigstens die höchste Behörde, wohnt solchen Feierlichkeiten nicht bei. Von der Geistlichkeit wird ihre Abhaltung imperatorisch gefordert. Weigerte sich ein Pfarrer derselben, er würde als ein Feind der Regierung betrachtet werden, und kaum der Ahndung der öffentlichen Gewalt entgehen. Aber die Minister, welche solche kirchliche Feierlichkeiten bestimmen, halten sie doch ihrer Anwesenden nicht würdig. Man sieht nur dazu eigens kommandirte Nationalgarden und Neugierige, die umherspazieren. Niemand erscheint dort zum Gebete, und kein Antlitz zeigt irgend eine Spur von Theilnahme für das Andenken der Gefallenen. Aber so viel könnte die Behörde doch mindestens thun, daß sie die Ausführung jener National-Hymnen verböte, welche doch wirklich einen zu grellen Contrast mit der Religion und den Gebeten der Kirche bilden.</p>
         <p>† — Gestern wurde das Fest <hi rend="italic">Unserer Lieben Frau zum Berge Carmel</hi> in der Kirche der Carmeliter-Frauen, Straße Vaugirard, von dem Hrn. Erzbischofe durch eine Messe gefeiert. Abends war Predigt und Gebet, und für das Kloster zum Berge Carmel in Syrien wurde eine Sammlung veranstaltet. Ein Mönch dieses Klosters, Bruder <hi rend="italic">Jean</hi>-<hi rend="italic">Baptist</hi> vom heil. Sakrament war gegenwärtig, und ist heute wieder abgereiset, um seinen Sammelgang in den Provinzen fortzusetzen. — Die <hi rend="italic">Charte</hi> von 1830, ein Regierungs-Blatt, hat sich neulich mit diesem guten Geistlichen beschäftigen wollen, hat namentlich einige Maires bezeichnet, die befremdender Weise vom Voltairianismus eingenommen, in Jedem, der ein geistliches Gewand trüge, einen Jesuiten witterten, und der Sammlung des Bruders Hindernisse in den Weg gelegt hätten. Mit dem Wohlnehmen der <hi rend="italic">Charte</hi> gibt es Mittel sie zu enttäuschen und ihnen das Lächerliche ihres Widerstrebens gegen ein Unternehmen, das alle Christen des Orients interessirt fühlbar zu machen. Die <hi rend="italic">Charte</hi> selbst hätte die hartnäckigste Entgegenlehnung beseitigen können, wenn sie die Gaben einer hochgestellten Familie angeführt hätte, welche zur Herstellung des Klosters zum Berge Carmel 2000 Fr. beigetragen hat.</p>
         <p>† — Bruder <hi rend="italic">Jean Baptist vom heil</hi>. <hi rend="italic">Sakrament</hi>, der für die Herstellung des Klosters auf dem Berge Carmel sammelt, ist zu Rouen angekommen, wo er von dem Hrn. Kardinal Erzbischof sehr huldvoll empfangen wurde. Se. E. empfahl das fromme Werk durch ein Rundschreiben seiner Geistlichkeit, so wie der Präfekt des Departements den Behörden auf das angelegentlichste. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ami de la Religion)</p>
         <p>† — Der hiesige Architekt, Hr. <hi rend="italic">Goddé</hi>, hat in der Metropole, links dem Chore in einer Kapelle ein Grabmonument, dem Andenken des Kardinal <hi rend="italic">Talleyrand von Perigord</hi>, letztem Erzbischofe von Paris gewidmet, errichtet. Die Stadt bezahlt die Kosten. Der Erzbischof ist knieend, in sehr hervorspringendem Basrelief in Marmor abgebildet. Eine zierliche gothische Einfassung umschließt das Monument. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>|Sp. 1043|— Der Abbé <hi rend="italic">Chátel</hi>, eines der Häupter der sogenannten französisch-katholischen Kirche, läßt in diesem Augenblick eine Subscriptionsliste bei seinen andächtigen Zuhörern zirkuliren, um die Miethe des Lokals, in welchem er seine Vorträge hält, bezahlen zu können, widrigenfalls der Eigenthümer sein Lokal nicht mehr zu diesem Zwecke hergeben will. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Pr. St. Ztg.)</p>
         <p>† — Es hatte sich das Gerücht verbreitet, Laverdet, ehemaligst Buchhändler zu Clichy, gegenwärtig Gehilfe von Auzou, habe der französischen Kirche entsagt und sein voriges Geschäft wieder angefangen; aber ein Journal widerlegt dasselbe, was uns seinetwegen leid thut. Sein Buchhändlerladen, so gering dessen Ertrag immer seyn mochte, war immer besser, als das Geschäft, welches er gegenwärtig treibt. Zum Priester ordinirt, ohne vorbereitende Studien gemacht zu haben, und ordinirt von <hi rend="italic">Chátel</hi>, dessen Bischofstitel mehr, als zweifelhaft ist, wäre es allerdings das Beste gewesen, was er hätte thun können, sich je eher je lieber von seiner jetzigen Beschäftigung zurückzuziehen.</p>
         <p>Weil einmal von <hi rend="italic">Auzou's</hi> Gesellschaft die Rede ist, so wollen wir noch eines, von einem Journale verbreiteten Gerüchtes erwähnen, wornach derselbe Schulden halber in dem Gefängnisse auf der Straße Clichy eingesperrt wäre. Das wird wieder so eine Art von Verfolgung seyn, als worüber er sich neulich beklagte. Seine Gläubiger müssen sehr intolerante Leute seyn, einen Mann von solchen Verdiensten und Tugenden zu quälen.</p>
         <p>— Französische Blätter vom 23. Juli enthalten ein merkwürdiges Urtheil des Kassations-Hofes gegen Hrn. <hi rend="italic">Laverdet</hi>, Priester der sogenannten französischen Kirche, welcher einen Tempel zu Senneville, im Dep. Seine und Oise, eröffnet, und wegen Gründung einer nicht autorisirten, über 20 Personen zählenden Association und Anwendung des den Priestern der katholischen Kirche vorbehaltenen Kostüms zu einer Geldstrafe von 50 Fr. verurtheilt worden war. Der Kassations-Hof hat das Kassations-Gesuch des Hrn. <hi rend="italic">Laverdet</hi> verworfen, 1) weil er, dem Gesetze zuwider, ohne ordinirter Priester zu seyn, die Priestertracht getragen; .2) weil Art. 5 der Charte, welcher bestimmt, daß „Jeder seine Religion mit gleicher Freiheit bekennt und für seinen Gottesdienst den nämlichen Schutz erhält," durch die zweite, den Schutz der Regierung versprechende Bestimmung, alle Kulte der Aufsicht der Regierung unterwirft, demnach kein Kult öffentlich ausgeübt werden kann, der nicht besonders von der Regierung authorisirt ist, der Kult des Hrn. <hi rend="italic">Laverdet</hi> aber nie authorisirt wurde; 3) weil die von ihm gehaltene Versammlung nicht der Ausübung irgend eines anerkannten Gottesdienstes gewidmet war, sondern bloß, als Resultat einer Association zu betrachten ist, die zum Zwecke hatte, sich an bestimmten Tagen mit religiösen Gegenständen zu beschäftigen, die Association der Einwohner von Senneville aber den Charakter einer wirklichen Association an sich trug, mehr, als 20 Mitglieder zählte, und von der Regierung nicht genehmigt war. Durch diese Entscheidung des Kassations-Hofes hat der die Freiheit des Kultus verbürgende Art. 5 der Charte eine beschränkende Auslegung erlitten, welche als Norm gilt, so lange nicht durch ein Gesetz anders verfügt wird.</p>
         <p>— Aus Paris hört man, daß alle brittischen und viele französische Protestanten in Paris, worunter auch der anglikanische Bischof und mehrere andere Geistliche derselben Konfession, dem Haupte der <hi rend="italic">wesleyanisch</hi>-<hi rend="italic">methodistischen Mission</hi> daselbst in einer öffentlichen Versammlung ihre Huldigungen wegen der erfolgreichen Bemühungen der wesleyanischen Missionare in Frankreich ausgedrückt haben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Schwab. M.)</p>
         <p>† — Die Protestanten beklagen sich laut über die Auflösung des Komité's der Frauen, welche sich mit Beaufsichtigung der Aufbewahrungsorte für kleine Kinder beschäftigten und auch darüber, daß man ihnen alle Einwirkung entzogen und beides den Maires und der Universität übertragen hat. Das Ministerium hat diese Aufbewahrungsorte den Primär-Schulen gleich geachtet und sie unter das Gesetz vom 28. Juni 1833 gestellt. Sicherlich erscheint die Maßregel, ganz kleine Kinder in den bloßen Aufbewahrungs-Sälen, unter die Verwaltung der Universität zu stellen, sehr sonderbar und widernatürlich; aber die Administration will einmal alles unter ihrer Hand haben; sie streckt ihren Herrscherstab über das geringste und bescheidenste Institut aus. Ohne Zweifel eigneten sich die Aufbewahrungsorte viel eher für Beaufsichtigung durch Frauen, die an der Spitze des Vereins |Sp. 1044| standen und der protestantische Einfluß war in der ganzen Einrichtung bemerkbar, dessen Aufhören nunmehr vielleicht einem protestantischen Journale Anlaß zum Tadel der neuen Maßregel gegeben hat. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. d. l. R.)</p>
         <p>† — Philantropen beschäftigen sich viel mit Abschaffung der Sklaverei, aber wenige denken an die Nothwendigkeit, die Gemüther auf diese Maßregel vorzubereiten. Es würde eine große Thorheit seyn, ganz unverhofft ein Abschaffungs-Dekret unter die Neger zu werfen. Das Beispiel von <hi rend="italic">Sanct Domingo</hi> beweiset die Nothwendigkeit von Vorsichts- und Klugheits- Maßregeln. Der Abbé <hi rend="italic">Hardy</hi>, Direktor des Seminars vom heil. Geist, hat über diesen Gegenstand eine kleine Schrift herausgegeben. Er zeigt, die katholische Religion könne einzig und allein die Sklaven auf die Freiheit vorbereiten. Er wendet sich an die Delegirten der französischen Colonien, und nachdem er ihnen die Wohlthaten der Religion in Erinnerung gebracht, gibt er zu verstehen, wie eine unmittelbare, allgemeine Freilassung der Neger, sie zum Müßiggange, zur Armuth, zum Verbrechen verleiten, und so den Untergang sämmtlicher französischen Colonien herbeiführen würde. Daher müsse man die Neger auf die Freilassung vorbereiten, worin freilich die größte Schwierigkeit liege. Hauptsächlich müßte die Zahl der Priester in den Colonien verstärkt werden, die Ausübung ihres Amtes müßte von den Colonisten begünstigt und befördert werden, und besonders müßte man ihnen häufigere und nähere Beziehungen mit den Negern eröffnen. Das freilich würde man von manchen Colonisten schwer erlangen. — Abbé <hi rend="italic">Hardy</hi> hat sich weniger mit den Mitteln der Ausführung, als mit dem Grundsatze beschäftiget, und verläßt sich in Rücksicht jener ohne Zweifel auf die Einsicht der Behörden. Alles das, was er über das unerläßliche Bedürfniß der Religion zur Aufklärung der Neger sagt, und wie man sie lehren müsse, ihre Leidenschaften zu zügeln, ist sehr wohl begründet. Die kleine Schrift, deren Ertrag einem Gefangenen zu Gute kommt, kostet 1 Fr. 25 Ct. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ami de la Religion)</p>
         <p>† — <hi rend="italic">Versailles</hi>, den 30. Juli. Man lies‘t in unten benanntem Pariser Blatte: Mein Herr! Das ausgezeichnete Wohlwollen, mit welchem ich 1823 zu Palermo aufgenommen wurde, wo der ehrwürdige Kardinal <hi rend="italic">Gravina</hi> und der Fürst von <hi rend="italic">Campo</hi>-<hi rend="italic">Franco</hi> die Fremden mit so vieler Zuvorkommenheit empfingen; die Beweise von gütigen Gesinnungen, die mir überall, wo ich durchreiste, selbst in den kleinsten Dörfern Siziliens, dieses so fromm-gewissenhaft gastfreien Landes, zu Theil wurden, sind nie in meinem Herzen erloschen. Ich schätze mich glücklich gegenwärtig den Bewohnern jenes Landes, das ich stets geliebt habe, seit ich es durchreiste und das leider von einer so furchtbaren Geißel heimgesucht wird, ein Erinnerungszeichen geben zu können.</p>
         <p>So eben habe ich an Hr. <hi rend="italic">Guys</hi>, General-Consul zu Marseille geschrieben und ihn gebeten, über eine Summe von 1000 Francs zur Bestreitung der Ueberfahrtskosten für Aerzte, welche sich berufen fühlen möchten, den unglücklichen Palermitanern mit ihrer Kunst gegen die Cholera mit Hilfe beistehen zu wollen, die aber in ihrem schönen Eifer durch den Mangel an Mitteln zur Bestreitung der Ueberfahrt, gehemmt seyn möchten, zu disponiren.</p>
         <p>Das Ueberhandnehmen des Nebels und die Nothwendigkeit einer schleunigen Hilfe, veranlassen mich, Sie zu bitten, in Ihrem schätzbaren Journale dieses Mittel zur Unterstützung der Hingebung von Heilkünstlern bekannt zu machen. Sofern die französische oder neapolitanische Regierung die Ueberfahrtskosten übernehmen möchte, so würde ich diese Summe zum Anschaffen dien, lich erachteter Medicamente in Marseille selbst bestimmen etc.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Vandeuheke</hi>, Vice-General Promot. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>† — Lyon, Mitte Juli. Hr. <hi rend="italic">Flaget</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Bardstown</hi> ist über Wien, München von Rom hier eingetroffen, wohin ihn der h. Vater in Angelegenheiten der amerikanischen Kirche berufen hatte. Zuletzt war er in Freiburg in der Schweiz, von wo er hier ankam. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. d. l. R.)</p>
         <p>† — 30. Juli. Sr. Em. der Kardinal <hi rend="italic">Fesch</hi>, welcher der hiesigen Stadt stets von Herzen zugethan gewesen und noch ist, hat das Seinige zur Unterstützung der beschäftigungslosen Handwerker beitragen wollen. Er hat von seiner großen Sammlung 39 werthvolle Gemälde ausgesetzt — die bereits hier angekommen sind — welche zum Vortheil der brodlosen Arbeiter verkauft werden sollen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>|Sp. 1045| † — <hi rend="italic">Cambray</hi>. Im Dekanate <hi rend="italic">Condé</hi> liegt ein kleiner Weiler, eine Stunde ungefähr von <hi rend="italic">Crépin</hi>, von dem er abhing, entfernt, bekannt unter dem Namen <hi rend="italic">Capiel</hi>. Die Regierung hat ihn jetzt zur Gemeinde erhoben. Seit undenklicher Zeit befindet sich dort eine dem h. <hi rend="italic">Hébert</hi> geweihete Kapelle, die schon nach den über ihrem Eingange befindlichen alten Inschriften im Jahr 1100 reparirt worden war. — Man erzählt, der Hr. <hi rend="italic">Hébert</hi> habe an diesem Orte sich als Einsiedler niedergelassen. Die neue Gemeinde erhält seinen Namen. In ihr wohnt eine wahrhaft patriarchalische Familie, deren Lebensweise an die Unschuld alter Zeiten und Sitten erinnert. Sie besteht aus zwei Brüdern und einer Schwester, wovon das jüngste der Geschwister 85 Jahre zählt. — Als sie ihre Scheune baueten, was — wie sie nach ihrem naiven Ausdrucke sagen — kaum ein paar Vierteljahre her ist, kam ein Unbekannter, weilte vor dem Baue, in dessen Aufführung man begriffen war, und prophezeihete, diese Scheune werde dereinst eine Kirche werden. Die Geschwister <hi rend="italic">Bourlard</hi> erinnerten sich stets dieser Voraussagung, und jetzt thun sie selbst noch vor ihrem Ende zu ihrer Verwirklichung. — Nachdem sie von dem Bischofe von Cerebrai die Zusage erhalten hatten, daß er ihnen einen Desservanten schicken würde, sobald eine Kirche und eine Pfarrwohnung vorhanden wäre, beeilten sie sich, ihre Scheune in eine Kirche umzuwandeln, der man jetzt auch nichts mehr von ihrer vorigen Bestimmung ansieht. Unter einem Gewölbe entfaltet sich ein schönes Schiff, Deckengemälde, Säulen, ein Chor und zwei Seiten-Kapellen, wovon eine der heiligen Jungfrau, die andere dem heiligen <hi rend="italic">Hébert</hi> geweihet ist. So eben ist man mit der Dekoration der Altäre und Legung des Fußbodens, der aus Marmorplatten bestehen soll, beschäftiget. Sämmtliche Einwohner wetteifern in der Theilnahme an diesem schönen Werke, und besonders haben sie die Fuhren übernommen. — Aber dieß ist noch nicht Alles! Die Geschwister Bourlard geben auch ihr eigenes Haus zur Pfarrwohnung her, und verschönern es noch, obgleich es bereits sehr anständig eingerichtet war; auch stiften sie einen immerwährenden Fonds für eine Besoldung des Pfarrers mit 600 Fr. jährlich. Die beiden Brüder leiten selbst die Arbeiten, obwohl der eine blind ist, was ihn nicht abhält, sich überall umherführen zu lassen, und sich durch Betasten von dem Fortgange der Arbeiten zu überzeugen. Mit feurigem Enthusiasmus sprechen sie von dem glücklichen Tage, wo lhr Werk durch die Weihe gekrönt werden wird, und wiederholen dabei oft den Wunsch, daß es ihrem Bischofe gefallen möge, selbst die Leitung, der Feierlichkeit zu übernehmen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ami de la Rel.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Pol de Léon</hi>. (Diözese <hi rend="italic">Quimper</hi>). Hier ist ein Zug von christlicher Gastfreundschaft bekannt geworden, der eine lobende Erwähnung verdient. Drei spanische Priester und ein Advokat, welche vor den Verfolgungen der revolutionären Regierung die Flucht zu ergreifen genöthigt gewesen waren, lebten in dieser Stadt beschränkt, eingezogen, meistens von der öffentlichen Mildthätigkeit. Der Herr Bischof hat dieselben in dem Versorgungshause, welches er neulich für emeritirte Geistliche gründete und hier werden sie gleich den ältesten der letztern mit aller Sorgfalt verpflegt. Der Advokat lebt noch vor zu St. Pol de Léon und wird durch öffentliche und Privat-Unterstützungen unterhalten.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p>† — <hi rend="italic">Angers</hi>. Am vergangenen 29. Aprill gab der Hr. Bischof von Angers der Demoiselle Marie <hi rend="italic">Drach</hi>, ältesten Tochter des Hrn. Drach, Bibliothekars der Propaganda, den Schleier. Sie war zu Rom bei den Frauen des <hi rend="italic">heiligen Herzens</hi> erzogen, und ist 19 Jahre alt. Zum religiösen Leben Beruf fühlend, ließ sie sich durch den Rath des Hrn. <hi rend="italic">Flaget</hi>, Bischofs von Bardstown, der damals in Rom war, für das Haus <hi rend="italic">vom guten Hirten</hi> zu Angers bestimmen. Ihr Vater geleitete sie dorthin. Trotz seines hohen Alters verrichtete der Hr. Bischof die erbauliche Ceremonie selbst, bei welcher viele fromme und auszeichnete Personen aus Angers gegenwärtig waren. Der Superior des Hauses zu Laval war eigens mit dem Abbé <hi rend="italic">Besnoin</hi> herübergekommen, welcher letztere eine der Feierlichkeiten angemessene Rede hielt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Ami de la Religion)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Carcassonne</hi>. Unter der Zahl der Ordinanden befanden sich am 19. Mai drei junge Afrikaner aus der Gegend von Senegal, welche Frau <hi rend="italic">Javouhey</hi>, Superiorinn der Schwestern vom h. Joseph zu Cluny zur Zeit gewonnen hatte, als sie unter der |Sp. 1046| Restauration im Interesse des französischen Handels in dieser fernen Gegend im Fort St. Louis den Spitaldienst einrichtete. Diese Katechumenen wurden hier im großen Seminar erzogen, und werden die h. Weihen erhalten, sobald die nöthigen Informationen geschehen sind, und vom h. Vater die Erlaubniß hiefür eingeholt ist. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Bemerker)</p>
         <p>† — <hi rend="italic">Rouen</hi>, den 25. Juli. Seit einigen Tagen durchstreifen zwei wohlgekleidete Männer, die sich Diener der Religion — wie sie sagen — <hi rend="italic">von der evangelischen Kapelle </hi>nennen, die Ortschaften längs der Meeresküste. Sie lassen sich mit Personen, die sie einzeln auf dem Wege oder bei der Arbeit finden, ein, erzählen ihnen von ihrer Mission, predigen ihnen etwas vor und beschenkten sie mit einer Sammlung vermeintlichen Wahrheiten ihrer Lehrsätze, Ferner besuchen sie abgelegene und vereinzelte Wirthshäuser und dort ist es, wo sie Massen von ihren Schriften niederlegen, mit der Bitte, solche an die Gäste zu vertheilen. Diese Agenten des Protestantismus sparen — wie man siehet — nichts, was zur Erreichung ihrer Zwecke führen kann. Ihre Mission ist jedoch fruchtlos gewesen, denn statt Proselyten zu machen, haben sie nur das öffentliche Gerede auf sich gezogen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Journal des villes campagnes)</p>
         <p>† — <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Martin</hi> auf der Insel Ré. Hier wurde am 2l. Mai eine neue protestantische Kirche eröffnet. Die Prediger <hi rend="italic">Vermeil</hi>, <hi rend="italic">Delmas</hi> und Jay assistirten dem Prediger <hi rend="italic">Bourdet</hi>. Der Maire, sein Adjunkt, ein Theil des Stadtrathes und der sonstigen Behörden wohnten der Feierlichkeit bei. Am 2. Aprill war bereits eine andere Kirche zu Mialet im Sprengel des Consistoriums von St. Jean du Gard geweihet worden, die auf der Stelle der alten Kirche aufgeführt war. Neue Pfarrstellen sind zu St. Marcel, Graissessac, St. Sauvant, Mages, Cabrieres d'Aigues und Celles gestiftet. Dieß alles beweiset deutlich, daß das Begünstigungssystem gegen die Protestanten im Fortschreiten ist, da man fortwährend ihre Kirchen und Prediger vermehrt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. d. l. R.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Straßburg</hi>, den 17. Aprill. Zufolge einer schon vor mehreren Jahren erlassenen ministeriellen Verordnung muß jeder Candidat der Theologie, welcher zu einer evangelischen Planstelle in Frankreich befördert werden will, den Grad eines Baccalaureus der Theologie auf einer der beiden Facultäten des Königreiches erworben haben. Außer den vorhergehenden Prüfungen ist dazu noch die öffentliche Vertheidigung einer gedruckten These erforderlich. Die Anzahl solcher im Laufe des Jahres 1836 bei der hiesigen protestantisch-theologischen Facultät im Drucke erschienenen und vertheidigten Thesen, um den Grad eines Baccalaureus der Theologie zu erlangen, beläuft sich auf 23, und diejenigen, welche stattfanden, um den Grad eines Licentiaten der Theologie zu erwerben, auf fünf. Diese öffentlichen Akte finden alle in französischer Sprache statt, außer wenn ein Candidat der Theologie, es vorziehen sollte, in lateinischer Sprache die Disputation zu. schreiben oder zu halten. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. K.-Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Insel Corsika.</hi>
         </p>
         <p>† — <hi rend="italic">Ajaccio</hi>, Hier ist der Grundstein zu einem Denkmale <hi rend="italic">Napoleon's</hi> gelegt worden. Die Religion ist der Weihe nicht fremd geblieben. Der Bischof von <hi rend="italic">Ajaccio</hi>, begleitet von seinem Klerus, begab sich in das Gezelt, in welchem sich bereits der Präfect <hi rend="italic">Jourdan</hi> und der Subdivisions-Commandant <hi rend="italic">Berthies</hi>, viele Angestellte und sonstige angesehene Bürger befanden. Der Bischof segnete gebräuchlicher Weise den Grundstein ein und hielt darauf eine Rede, in welcher er alles auseinandersetzte, was Napoleon zur Wiedergeburt der sozialen Verhältnisse gethan hatte. Dieser Held sah zu weit, als daß er nicht hätte wissen sollen, wie die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse für die Dauer nur auf dem Angelstein der Religion möglich sey. Auch war seine erste Sorge, sie aus der Verbannung zurückzurufen und ihre Altäre wieder aufzurichten. Gegenwärtig beeifert sich die dankbare Religion, ihre Lobgesänge mit denen des Vaterlandes zu vereinigen, um ein glorreiches Denkmal zu weihen.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Deutschland.</hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Hessen-Darmstadt.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Gießen</hi>, den 10. Aug. Der rühmlichst bekannte Professor der katholischen Theologie, Hr. Dr. <hi rend="italic">Staudenmaier</hi>, welcher |Sp. 1047| bereits einen Ruf nach Freiburg angenommen hatte, ist nunmehr auf Verwendung der höchsten Staatsbehörde für uns wieder gewonnen. Seine Schüler äußerten ihre Freude über dieses glückliche Ereigniß durch eine gestern Abend ihm veranstaltete brillante Nachtmusik. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Frankf. Journ.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Mainz</hi>, den 28. Juni. Unser gutes Deutschland, unsere frommen Seelen nehmen gewaltigen Antheil an der Dissenter-Angelegenheit in England. Ei! Ei! Es ist auch himmelschreiend, daß z. B. ein Nichtchrist oder Nichtprotestant zu protestantischen Kirchenabgaben beitragen soll, oder umgekehrt. Aber daß in den meisten Theilen Deutschlands die Juden, oft sehr arme gedrückte Leute, zu den christlichen Schulen beitragen müssen, während sie ihre eigenen kaum nothdürftig unterhalten, und es allein thun müssen, das sehen die Philister nicht. Muß doch in unserer Residenz Darmstadt die katholische Bevölkerung zu den protestantischen Kirchen und Schulen beitragen, weil Alles aus dem Gemeindevermögen bestritten wird, während die kathol. Kirchengemeinde die Kirche allein unterhalten muß. An dem Gehalte kathol. Lehrer zahlt jedoch die Stadt in neuerer Zeit mit. Aber wenn nicht E.E. <hi rend="italic">Hoffmann</hi> 15 fl. aus seinen Mitteln für Prämien den katholischen angewiesen hätte, hätte die katholische Jugend nicht einmal solche erhalten. Ist das von Seite der Stadt deutsche sentimentale Billigkeit? Vor einigen Jahren sollten Gemeindeschulen in Mainz (30,000 Seelen) und Darmstadt (22,000) eingerichtet werden; die Stadt Mainz wollte für ihre 3000 Protestanten dazu 3 bis 4 protestantische Lehrer anstellen, Darmstadt verweigerte es, für seine 2000 Katholiken 2 kathol. Lehrer anzustellen, und so unterblieb die Sache. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Mainz. Z.)</p>
         </div>
         
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="taka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p><title> <hi rend="bold">Von dem Trennungsprinzip der Reformation und dessen heutiger Bedeutung.</hi></title>
           </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von </hi>
            <hi rend="italic bold">F. B. von Buchholtz</hi>
            <hi rend="bold">, k. k. Rath in Wien.</hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Ein Vorherrschen der Ansicht, daß der Glaube und alles wahrhaft Gott Gefällige unmittelbares und Alleiniges Wirken Gottes im Menschen sey, ist durch vielfache Wechsel und Uebergänge die Hauptsache des tieferen Protestantismus bis auf die neueste Zeit geblieben. Trennend von der Kirche ist diese nur durch das Extrem, wenn die Freiheit <hi rend="italic">vernichtet</hi>, wenn jener Gegensatz Gottes zum freien Geiste (für die höhere Erleuchtung und Seligkeit) <hi rend="italic">ganz aufgehoben</hi> wird. Verhältnißmäßig sind es wohl nur Wenige, welche jenes Extrem festgehalten haben. Eine Milderung aber jenes Extrems wird sogleich Einräumung der Freiheit, und versöhnt sich mit der Lehre der Kirche über das Grundverhältniß des Einzelnen zur Erlösung. Wir sahen, daß selbst in jenem Extrem dieser Ansichten nicht das Prinzip der Kirchenspaltung strenge genommen liegen konnte; viel weniger also lag dieses in denselben, wenn sie gemildert, verändert wurden, und man die Freiheit in Sachen des Heiles, in irgend welcher wesentlichen Weise, zugab.</p>
         <p>Also lag nicht in diesen Fragen und Doktrinen der wahre Grund der Spaltung. Die erwähnte mystische Richtung bezeichnet zwar vorzüglich alle wichtigeren Epochen des Protestantismus; sie kann aber in ihrer Verschiedenheit von den analogen Erscheinungen in der katholischen Welt nur dadurch erkannt werden, daß man sie in Verbindung mit jener Verneinung gegen eine objektive Kirche, nämlich gegen Weihe und Opfer auffaßt. — Hier liegt, wie schon gesagt, und wie jetzt genauer nachgewiesen ist, ganz allein das eigentliche und wesentliche Prinzip der Trennung, und so bewährte sich dasselbe auch in den einzelnen Erscheinungen des Streites und der immer weiter greifenden Neuerungen. Es war die Ausstoßung der äußeren Kirche, nicht jedoch der äußeren |Sp. 1048| Kirchlichkeit und aller kirchlichen Werke an sich; man wollte nach wie vor gemeinsames Beten und Singen, Predigt und Taufe, Begehung des Abendmahles, eine Liturgie, Beichte und Lossprechung etc. Was man aber läugnete und angriff, war jener auf einer sacramentalen Darstellung der Menschheit Christi beruhende objectiv-nothwendige und heilkräftige Charakter kirchlicher Handlungen. — Man wollte wohl eine äußere Kirche, in welcher sich nämlich der subjective Glauben der Einzelnen äußerlich ansprach, aber nicht eine solche, welcher außerhalb dieses subjektiven Glaubens, durch fortwährende Wunder der Menschheit des Erlösers bestehe. In allen kirchlichen Handlungen, welche entweder die bestellten Prediger und Pfarrherren, oder sonst ein Gläubiger gegen den andern vollzog, sollte nichts liegen, was auf einem andern Fundament beruhe, anderer Natur sey, als was auch in jedem Einzelnen gleichartig vorhanden sey; kein Mensch sollte in der kirchlichen Ordnung von einem andern Menschen und dessen Handlungen in dem Sinn abhängig seyn, daß für Vollmacht und Würde derselben ein anderer Grund sey, als den jeder Gläubige auch in sich selbst habe, welcher nicht auf wesentlicher Gleichheit beruhe.</p>
         <p>Man wollte Sakramente und heilige Handlungen, aber unabhängig von einer priesterlichen Kirche, Folgerechter war wohl jene Ansicht, wozu die Meynungen der schweizerischen und oberrheinischen Theologen vom Abendmahl den Weg bahnten, daß gar kein objektives Geheimniß im christlichen Gottesdienste sey. Denn wenn man die durch Handauflegung fortgesetzte sakramentale Weihe der menschlichen Natur und eines menschlichen Wortes verwarf, so fehlte wie es scheint die Grundbedingung für eine sakramentale Weihe der äußeren Natur. Die Natur ist vor allen Dingen im <hi rend="italic">Menschen</hi>, steht in wesentlicher lebendiger <hi rend="italic">Wechselbeziehung</hi> mit dem Menschen; eine sacramentale Heiligung irgend einer äußeren Natur (in gänzlicher Trennung vom Menschen) würde abgerissenes Stückwerk, und eigentlich wohl undenkbar seyn. Die wirkliche objective Leiblichkeit des Herrn im Abendmahle, in Folge eines Wortes der Weihe, welches rein subjektiver Art wäre, welches nicht nach einer andern Kraft und Vollmacht gesprochen wird, als nach welcher das Zeichen empfangen wird, — scheint einen Widerspruch zu enthalten. Es kann das nämliche Individuum, wie es eben bei'm Opfer geschieht, das objektiv-weihende Wort aussprechen, mitwirkender Grund des Sacramentes seyn, und dasselbe subjectiv empfangen. Erstens geschieht kraft einer vorhergegangenen anderen sakramentalen Weihe der Person; kraft einer andern Vollmacht und Berechtigung, als das letztere. Ersteres geschieht auch von ihm und in ihm, aber nach einer Würde und Eigenschaft, welche <hi rend="italic">außer ihm</hi> liegt, wovon er nur der Träger ist, in welcher er <hi rend="italic">mit allen übrigen</hi>, welche dieselbe Würde und Eigenschaft haben, eine <hi rend="italic">wesentliche Einheit</hi> bildet, weil dieselbe Darstellung der Person Christi ist. Das Empfangen des Sakramentes aber soll zwar in brüderlicher Liebe und Frieden mit allen übrigen Empfangenden geschehen, bezieht sich aber in wesentlicher Sonderung und Individualisirung zunächst nur auf die Person des Empfangenden; — es sind so viele verschiedene Einheiten als Personen. Der Bedürfende kann als solcher nicht auch der Gebende seyn, bedarf der Christ des lebendigen Leibes des Gottmenschen; so kann er sich selbst ihn nicht geben, sonst hätte er ihn schon.</p>
         <p>Man wollte nun auch eine äußere Ordnung des Gottesdienstes; Beibehaltung der Sonn- und Festtage, Pfarrer, auch Bischöfe oder Superintendenten, aber alles dieses nur als menschliche Regelung, als Produkt des Gutbefindens aller Einzelnen, oder der Mehrheit von ihnen, nicht als Aufluß einer eigentlichen apostolischen und priesterlichen Binde- und Lösegewalt; — wie denn auch die Lossprechung nichts enthalten sollte, als was jeder in sich schon hatte. — Es versteht sich von selbst, daß hiernach die ganze Kirchenordnung auf keine andere Weise im Gewissen verpflichten könnte, als nach Maßgabe der allgemeinen Pflichten des Gebets, oder Aergerniß zu vermeiden etc.</p>
         <p>Man wollte endlich auch Rechtgläubigkeit und also Einheit der Lehre, aber man wollte diese ohne die Lehrauthorität eines die Person Christi darstellenden, die Einheit auch in äußerer Form kennbar machenden Priesterthums. Man kann sagen, daß die Orthodoxie <hi rend="italic">Luther's</hi> mehrentheils der Inbegriff des traditionellen Bibelverstandes war, wie ihn die katholische Kirche immer bezeugt hatte: mit Ausnahme der Lehre von der Kirche selbst, |Sp. 1049| nämlich vom fortwährenden Opfer Christi in der Kirche und darauf beruhendem Priesterthum. Er und so viele andere nach ihm, jene späteren Eiferer für die lutherische Rechtgläubigkeit gegen jede Abweichung von seiner Dogmatik auch im Punkte des Abendmahles oder sonst, dachten sich die Schrift allerdings als etwas dem Einzelnen gegenüber stehendes Positives, welches sich aus sich selbst dem Forscher erkläre, und zwar ganz in dem Sinne erkläre, wie es der Katechismus <hi rend="italic">Luther's</hi> enthielt. Das formelle Prinzip, daß jeder selbst darüber richten solle, was in der Schrift stehe (also was ein jeder in der Schrift finde) wurde weit mehr im Sinne eines Ausstoßens der Kirchenauthorität gesagt, als daß <hi rend="italic">Luther</hi> dasselbe in seinen Consequenzen und vollem Inhalt gewollt hätte. — Allein es war doch hiermit, indem die Schrift, von der Kirchenauthorität der Kirche getrennt und dem Urtheil jedes Einzelnen überlassen, als die alleinige Norm der Glaubenswahrheit aufgestellt wurde, der Einheit der Lehre ihre feste Grundlage genommen; die objective Authorität der Bibel wurde durch das mannigfache Verständniß der Einzelnen eine subjektive; ein gesicherter Ausspruch über das, was als Zerstörung des Dogma's unzulässig sey, konnte nicht erlangt — und den abweichendsten Auslegungen und Bekenntnissen konnte mit keiner formell-begründeten Rechtgläubigkeit, einer unbestimmt verschwimmenden Auffassung des Dogma's mit keinem bestimmten Ausspruch desselben begegnet werden. Man suchte die Einheit der Lehre, wie früher nachgewiesen worden, durch verschiedene Hilfsmittel zu erhalten, durch Katechismen, Postillen, Gesangbücher etc., durch das persönliche Ansehen der Reformatoren, oder durch das Ansehen eines rein menschlichen Lehramtes derselben als Doctoren und Prediger, und durch die freiwillige Zustimmung und Nachahmung der Gemeinden und Einzelnen; — besonders aber auch durch Maßregeln und Vorschriften weltlicher Obrigkeit; mit höchst mangelhafter innerer Consequenz und äußerm Erfolge, Es blieb kein konsequenter anderer Begriff für die Erhaltung der Lehreinheit übrig, als daß man dachte, der Glaube der Einzelnen werde sich nach echter Erleuchtung <hi rend="italic">übereinstimmend</hi> aussprechen, und daß die vielfachen Verschiedenheiten, welche die Erfahrung zeigte, entweder <hi rend="italic">unwesentlich</hi> seyen, oder daß sich ein giltiges Ansehen in Behauptung der Wahrheit Verwerfung des Irrthums in einer <hi rend="italic">aus den Privataussprüchen sich bildenden öffentlichen Meynung </hi>in Glaubenssachen aus eigenem Rechte dieser Meynungen ergeben könne, welche dann freilich immer nur einen schwankenden Character, höchst Ungewisse Giltigkeit und fließende Umrisse haben konnte. —</p>
         <p>Es ermangelte jene Glaubensnorm eines festen inneren Unterscheidungsmerkmales des echten Sinnes der Bibel von irrigen Vorstellungen, und sie hatte nicht die Kraft in sich, als Prinzip sich gegen schwärmerische Meynungen einer Seits geltend zu machen. Nicht als wenn nicht Viele, und auch mit vorherrschend geltender Meynung, in manchen einzelnen Beziehungen den Sinn der Bibel mit voller Gewißheit gegen gewiß irrige Schwärmereien hätten erkennen und behaupten können. — Aber nicht in allen wesentlichen Fragen und in Bestimmung dessen, was wesentlich oder nicht, konnte das der Fall seyn, und es fehlte an einem anerkannten Grundsatz, wodurch die eigene bessere Erkenntniß auch Andern mittelbar hätte gewiß gemacht werden können. — Dieses gilt in Bezug auf die naturgemäß immer weiter greifende, läugnende Anwendung der Vernunft. Indem nach jenem formellen <hi rend="italic">rationalistischen</hi> Prinzip, daß jeder darüber Richter sey, was in der Schrift stehe, und nichts anderes Dogma sey, als was Jeder darin finde, Andere immerfort Anderes in der Schrift fanden, andere Lehrbegriffe aufstellten, welche immer <hi rend="italic">weniger</hi> von dem altkirchlichen und von dem lutherischen Dogma enthielten, — wurde hierdurch der Uebergang gebahnt zu dem sogenannten reinen Denk- und Vernunftglauben, in welcher Entwicklung <hi rend="italic">Socin</hi> und die Unitarier eine so wichtige Stelle einnehmen; und man kam später dahin, auch die vier ersten Conzilien so viel weiter gehend, als die Schrift zu halten, in welcher selbst man endlich die Mysterien der Erlösung nicht mehr fand, sondern etwa nur eine Symbolik für natürliche Religion oder Sittengesetze etc. In welcher unermeßlichen Ausdehnung sich auf diesem Wege in der protestantischen Welt neuerlich eine theils unbestimmt und zweifelhaft, theils aber auch sehr entschieden bloß deistische, die Wunddogmen des übernatürlichen Christenthums läugnende Richtung entwickelt hat, bedarf hier keiner näheren Nachweisung. —</p>
         <p>|Sp. 1050| Angelangt auf diesem Punkte, wo der übernatürliche Character des Evangeliums selbst verkannt wird, hören zwar die Ansichten gänzlich auf, <hi rend="italic">gläubig</hi> zu seyn, sie fallen also außer den Bereich jeder Glaubensnorm, sey diese nun kirchlich oder protestantisch; aber für die dorthin stufenweife näher bringenden Auslegungen und Meynungen, bei welchen der Glauben selbst noch nicht aufgegeben worden, ist es von großem Belange, ob das Prinzip, und die Norm des Glaubens einen festen Character, sichere Unterscheidungsmerkmale des Dogma's von ungenügenden Meynungen enthalte oder nicht. — Man würde zwar den Sinn der Sache verkennen, wenn man meynte, daß jenes Prinzip des eigenen Richtens eines Jeden über die Schrift, <hi rend="italic">unmittelbar</hi> der bloßen Vernunft, dem natürlichen Wissen ein Recht über den Glauben einräumte; nicht die Vernunft, sondern der Glauben im Einzelnen sollte Richter seyn; — <hi rend="italic">mittelbar</hi> aber geschah es allerdings, da die Vernunft dem Glauben im Einzelnen engere oder weitere Gränzen setzte, und das außerhalb dieser Gränzen liegende ohne höhere Norm entweder verwerfen oder als zweifelhaft beseitigen konnte.</p>
         <p>Diese innere Schutzlosigkeit gegen den Rationalismus, in Verbindung mit dem rein subjectiven, ganz auf <hi rend="italic">Gleichheit</hi> beruhenden Character der protestantischen Christengemeinde, geben dem Prinzip der Kirchenspaltung jene oft angemerkte Eigenschaft, wodurch es vielen als die Mitursache, Uebergang, Vorspiel der heutigen Revolutionen und Konstitutionen auf dem Grunde der <hi rend="italic">Gleichheit</hi> und bloßer Vernunftbegriffe erscheint. Allein dieses ist jedenfalls nur <hi rend="italic">eine</hi> Seite der Sache. — Um die Bedeutung jenes Trennungsprinzips für die gegenwärtige Zeit vollständig zu verstehen, ist es keineswegs genug, die rationalistische Seite in demselben anzugeben, und daran zu erinnern, wie unter Begünstigung derselben, socianischer Unglauben sich neuerlich mehr und mehr verbreitet, — und auch in Anwendung auf den Staat die Doctrin der Gleichheit für alle politischen und politisch-religiösen Beziehungen mit hervorgerufen hat; sondern es ist dazu auch wesentlich nöthig, jenes Trennungsprinzip von der schon oben erwähnten inneren und mystischen Seite, und nach den Eigenschaften aufzufassen, die der auf demselben beruhende Glaube selbst (als die Wirkung Gottes im Glaubenden, nach der Vorstellung der Reformatoren) hatte, näher zu beleuchten. —</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Luther</hi> sah jene absolut gedachte Manifestirung Gottes im Menschen hauptsächlich im Glauben, und zwar in bestimmten Glaubensdogmen in der orthodox verstandenen Bibel, wie er sie beibehielt. Die göttliche Eingebung der Bibel und ihren Inhalt so glauben, wie er ihn glaubte, das war es, was <hi rend="italic">Luther</hi> als unmittelbare That und Offenbarung Christi und Gottes im Menschen ansah, und diesem in rechtgläubigen Dogmen erkannten Glauben schrieb er rettende Kraft zu mit weniger Berücksichtigung des Willens. Anfangs sagte er wohl mit grellster Uebertreibung (wie später <hi rend="italic">Agricola</hi>), daß der Glaube den Menschen rette, derselbe möge in so großen Lastern liegen und darin bleiben, als man wolle. Im Ganzen aber war <hi rend="italic">Luther</hi> (ob folgerecht mag zweifelhaft seyn) einverstanden, daß der Glaube nur rechtfertige, wenn er den Willen von den offenbaren schweren Sünden zurückhalte, denn es sey sonst nicht mehr ein rechter, rechtfertigender Glaube. Der Wille des Menschen bleibe aber dennoch immer verdammlich, nur der (lutherisch orthodoxe) Glaube rette ihn. — Ihm zunächst standen nun oder reiheten sich an Solche, welche im Ganzen seinen Sätzen (nämlich dem traditionellen Bibelglauben <hi rend="italic">ohne</hi> diese Kirche, welche die Tradition seither bewahrt hatte) anhingen, aber sonst versöhnlichen Gemüthes, Freunde des Friedens, verständige Männer waren, welche zugleich den inneren Widerspruch fühlten, daß die Lutheraner eine starre Orthodoxie auf den Verstand der Bibel gründen wollten, deren Auslegung zugleich Jedem frei gelassen werden sollte. — welche Männer daher dem Glauben, mit verständigem Sinn und sittlichen Tugenden verbunden, auch mit einer geringeren oder größeren <hi rend="italic">dogmatischen Unbestimmtheit</hi> die rettende Kraft zuschrieben. Der Anfang dieser Richtung ist im <hi rend="italic">Melanchton</hi> selbst gegeben; welcher dabei auch die Ansicht fest hielt, daß der Wille des Gerechtfertigten an sich verwerflich melde, aber durch jene den Willen mit bestimmende dogmatisch-unbestimmte Macht des Glaubens gerettet werde. — Hiermit verwandt waren solche, welche ein solches geistiges Verständniß, und innere Erleuchtung ganz vorzugsweise als die göttliche Macht des Glaubens — ansahen, vermöge welcher die Dogmen nicht mehr vorzugsweise |Sp. 1051| als Zeugnisse von unbegreiflichen undurchschaulichen Thatsachen geglaubt, sondern ihr Inhalt mit erleuchteter Phantasie <hi rend="italic">geschaut </hi>werden solle. Die Gegenwart und Manifestation Gottes in einer gläubig-erleuchteten Phantasie, wurde hier als die rettende Macht des Glaubens angesehen. Auch diese konnten wohl nicht an einer sehr bestimmten Dogmatik festhalten, weil sie in dem Ausdrucke nur gar zu leicht bloßen Buchstaben und menschliche Vorstellungsform erblickten. Blieb nun der Gegenstand des für erleuchtet gehaltenen Anschauens mehr das allgemeine protestantische Dogma, so bildeten sie eine Reihe von Männern, welche von <hi rend="italic">Schwenkfeld</hi> etwa angefangen, bis in neuere Zeiten, sich sondernd und oft entgegensetzend, den auf Orthodoxie Anspruch machenden Bekenntnissen, zum Theil mit kühnem Schwung der natürlichen Seelenkräfte, die Glaubenslehren in Phantasie und Gemüth aufzufassen, in geistlicher Erleuchtung anzuschauen strebten. In dieser Reihe ist wohl <hi rend="italic">Jacob Böhm</hi> eine der wichtigsten Erscheinungen, jedoch am meisten in der philosophischen Richtung; nämlich als Anschauung der Natur mit glaubendem Verstande, aber mit Verlierung der Gränze zwischen Gott und der Creatur, und also auch in seinem Gegenstande pantheistisch. Wurde der Gegenstand aber vermeinte Privaterleuchtung, so entstanden sogenannte Propheten, zum Theil in der Form der zügellosesten Schwärmerei, nämlich, wenn der Gott in ihnen Dinge befahl, welche auch das Sittengesetz auflösten, wie z. B. die Wiedertäufer, und so viele andere teils wüthig kriegerische, teils friedlich stille aber fleischliche, Freiheit mit vorgeblicher Erleuchtung beschönigende, Sekten. — Blieben die Erleuchteten in äußeren und sittlichen Dingen bei den darüber anerkannten Gesetzen, so nahm das Ganze mehr die Gestalt eines angeblichen frommen Seher- und Prophetenthums an, wie z. B. in <hi rend="italic">Swedenborg</hi> u. a. </p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
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         </div>
         <div type="lit">
         <head>Literatur.</head>
         
         <div type="litpr">
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Protestantische Abtheilung.</p>
         <p>* <hi rend="italic">Der verewigte Schleiermacher.</hi> Ein Beitrag zu gerechter Würdigung desselben, seinen Verehrern geziemend dargeboten von <hi rend="italic">Ferdinand Delbrück</hi>. Bonn, in Commission bei Adolph Marcus. 1837. 129 S. 8.</p>
         <p>Beurtheilt vom Pfarrer <hi rend="italic">C. F. Gollhard</hi>.</p>
         <p>Die eben erwähnte Schrift wurde zunächst hervorgerufen durch eine Musterung <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi> über <hi rend="italic">Delbrück</hi> in den letzten Stunden seines Lebens. Der Verewigte sagte damals unter Anderm zu dem Prediger <hi rend="italic">Jonas</hi> auch dieses: „Erinnerst Du Dich, daß ich mit Dir vor nicht langer Zeit über <hi rend="italic">Delbrück </hi>in Bonn gesprochen habe? Kannst Du noch wieder zusammenbringen, was ich damals äußerte, so sprich es gelegentlich aus. Wiederholen kann ich es nicht. Ich bin zu schwach." <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi> Worte aber sollen etwa folgende gewesen seyn: „Was mich betrifft, so bin ich fest überzeugt, er (Delbrück) ist ein durch und durch ehrlicher und rechtschaffener Mann, und er tritt gegen mich nur auf, wie er es thut, weil es ihm Gewissenssache ist, gegen mich wie gegen einen Menschen ohne Gesinnung, wie gegen ein böses Prinzip, mit seinen stärksten und schärfsten Waffen zu Felde zu ziehen." Dieselben in's Auge fassend, sucht nun D. darzuthun, daß S. ihn verkannt habe, indem er eine Erzählung seiner Streitigkeiten mit dem Verewigten gibt, ihres Anfangs, ihres Fortgangs, und der Wendung, welche sie zuletzt ohne sein Zuthun nahmen, und wodurch sie, wie es scheint, für S. verletzend wurden.</p>
         <p>Es war bereits im J. 1826, als D. mit einer Streitschrift gegen Dr. <hi rend="italic">Augusti</hi>, als Herausgeber der theologischen Lehrstücke Melanchthon's, aufgetreten war. Hierin hatte er S. einen Jünger Spinoza's genannt. Dieser vertheidigte sich dagegen in einer der drei von <hi rend="italic">Sack</hi>, <hi rend="italic">Nitzsch</hi> und <hi rend="italic">Lücke</hi> herausgegebenen theol. Sendschreiben angehängten brieflichen Zugabe. Auch entspann sich zwischen ihm und D. ein Briefwechsel, dessen Inhalt von S. 12-32 der vorliegenden Schrift verbotenus mitgetheilt |Sp. 1052| wird. Damit war die Sache übrigens keineswegs beigelegt worden. D. hatte nämlich indessen eine neue Schrift erscheinen lassen, unter dem Titel: „Erörterungen einiger Hauptstücke in Dr. F. <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi> christlicher Glaubenslehre. Nebst einem Anhange über verwandte Gegenstände." Sie hatte die Darlegung zum Zweck, daß S's evangelische Glaubenslehre ihrem innersten Wesen nach mit den unveränderlichen Grundsatzungen des apostolischen Christmthums unvereinbar sey. Was der Angegriffene darauf in einem an Dr. <hi rend="italic">Lücke</hi> gerichteten Sendschreiben erwiderte, ist in den Theol. Studien und Kritiken (1829. II. 2.) nachzulesen. D. meynt, S. habe darin, bei Nebensachen verweilend, das Wesentliche seiner Einwürfe ganz unberücksichtigt gelassen, und, was das Schlimmste, seine Angriffe nicht gegen seine Behauptungen, sondern gegen seine Person gerichtet. Ueber ein zweites, in derselben Zeitschrift (1829, II, 3.) abgedrucktes Sendschreiben bemerkt er, G. habe ihm die Ehre erwiesen, ihn dreimal darin zu nennen, aber freilich nur, um seiner zu spotten. Eine eigentliche Erwiderung indessen blieb D. während dreier Jahre schuldig. Erst 1832 gab er eine bei Eröffnung akademischer Vorträge gehaltene Rede heraus, welche auch, mit einer rechtfertigenden Anmerkung begleitet, in vorliegender Schrift wieder abgedruckt ist. Beide behandeln die mehrerwähnte Polemik besonders zum Behufe einer noch gedrungenen Selbstvertheidigung, weshalb D. u. A. sich gegen den Schluß hin also ausspricht: „Nicht habe ich ihn (Schleiermacher) bekämpft, weil ich in ihm, wie er sich ausgedrückt hat, ein böses Prinzip gesehen, sondern, ich habe, wie ich schon vor Jahren öffentlich aussprach, ihn bekämpft, weil ich dafür hielt, daß so hoch begabte, so beharrlich strebende, so mächtig wirkende, auf abkreisenden Bahnen so kühn einherschreitende Männer, wie er, zu den größten Wohlthätern ihrer Zeit und aller Zeiten gehören, aber nur, wenn sie einen tapferen und unermüdlichen Widerstand finden, wenn auf je Tausende, welche sich ihnen gutwillig ergeben, wenigstens Einer kommt, der sich ihnen zur Wehre setzt, so lange er weiß und kann, um ihnen, so viel in seinen Kräften steht, wie gering diese auch seyn mögen, die Verbreitung ihrer Herrschaft möglichst zu erschweren, damit sie das Ihrige thun, dieselbe, so weit sie ihnen gebührt, zu sichern, nicht allein für die Mitlebenden, sondern auch für die Nachkommen. Ich habe, wie ich heute hinzusetze, ihn bekämpft, weil er als Wortführer einer neu entstandenen Kirche auftrat mit Lehren, welche diese nicht anerkennen kann, ohne sich mit der gesammten Christenheit auf Erden in Widerspruch zu setzen; ich habe ihn bekämpft, um, so viel an mir liegt, zu verhüten, daß man durch das Herrliche, was er vollbracht hat, sich verblenden lasse für das von ihm verfehlte, und durch dieses nicht verstimmen für jenes; ich habe ihn bekämpft, weil mir eben so unmöglich war, mich gleichgiltig gegen ihn zu verhalten, als ihm anzuhangen; ich habe ihn bekämpft in der Gesinnung, in welcher einst er selbst sagte „Alles (aus dem Glauben an Christum in der Lehre sich Entwickelnde) werde geduldet, aber alles werde auch bestritten, nur so, daß, wenn es einmal scharf hergeht, jeder doch wisse und merke, daß Brüder mit einander streiten.“ Auf diese Selbstvertheidigung folgen noch zwei Nachschriften, worin der Verf. die Gründe zur Herausgabe vorliegender Schrift auseinander setzt, und eine Anzahl Anmerkungen zur Erläuterung manches früher Gesagten.</p>
         <p>Sämmtliche Mittheilungen <hi rend="italic">Delbrück's</hi>, so wie <hi rend="italic">Schleiermacher's</hi>, mögen zwar für Freunde und Bekannte beider betheiligten Personen einiges Interesse haben, so wie für Alle, welche S's Ansichten und Schriften besondere Aufmerksamkeit widmen. Daß sie aber wegen ihres speciellen, persönlichen Inhaltes weniger für das größere Publikum sich eignen, mag wohl schon aus unserm bisher gegebenen Berichte zur Genüge erhellen.</p>
          </div>
         <div type="litka">
         <head>Katholische Abtheilung.</head>
         <p>* <hi rend="italic">Marienbüchlein</hi>. Gesänge aller Zeiten und Völker zu Ehren der allerheiligsten Jungfrau. Ein Buch der Andacht und frommen Erhebung, herausgegeben von Dr. <hi rend="italic">J. B. Rousseau</hi>. Frankfurt a. M. 1836. Druck und Verlag von J. D. Sauerländer. kl. 8. XI. und S. 488. Mit einem |Sp. 1053| Stahlstiche und einer Titel-Vignette. Preis, geh. in farb. Umschlage 1 fl. 48 kr.</p>
         <p>Beurtheilt von <hi rend="italic">K. Samhaber </hi>Appellationsgerichts-Assessor in Aschaffenburg.</p>
         <p>Wenn wir jemals mit voller Ueberzeugung dem Leser bei Erwähnung eines Buches zuriefen: „<hi rend="italic">nimm und lies!</hi>“ — so muß sich dieser Zuruf bei dem Vorangezeigten aus ganzer Seele widerholen; denn es ist wirklich eine herrliche Perle, ja eine der schönsten Zierden in dem Kranze der Andachtsbücher, welche unsere Zeit so freigebig den frommen Seelen darbietet. Was die Poesie Herrliches zur Feier der allerseligsten Gottesgebärerinn jemals geschaffen hat, findet sich hier in diesem Liederschatze mit kritischer Auswahl vereinigt, und der Herr Herausgeber hat seine Aufgabe, die aus den verschiedenen Zeitaltern herrührenden Gesänge so zusammenzustellen oder mitunter zu modifiziren, daß sie hinsichtlich des kirchlichen Lehrbegriffs als aus Einer Gesinnung entsprungen, erscheinen konnten, im Ganzen mit glücklichem Erfolge gelöset. Kein Wunder daher, daß die Approbationen und Empfehlungen kirchlicher Oberbehörden von Aachen, Trier, Paderborn, Limburg, Köln, Mainz, Freiburg, Speyer, Münster und Augsburg dem Leser an der Spitze des Büchleins freundlich entgegenwinken. Diese Gabe ist übrigens in unsern Tagen um so willkommner, als unläugbar der religiöse Sinn in Verehrung der seligsten Jungfrau sich gegenwärtig weit lauter, als in frühern Jahren, kundgibt. Dieses Büchlein athmet einen Geist der Liebe und des Glaubens, welcher nicht ohne Rührung und Erbauung vernommen werden kann, und gewiß Alle zum Guten führen muß, welche nicht taub sind für Stimmen aus höheren Sphären. Besonders empfehlend ist die Mannichfaltigkeit der dargebotenen Erzeugnisse religiöser Begeisterung, welche, in Ave-Maria-Klängen, Anrufungen und Gebeten, Lyrischen Gesängen, Hymnen und Antiphonen, Festtagsgesängen, Traditionen, Legenden, Volksliedern u. s. w. sich so herrlich aussprechend, nur zu Einem Ziele führen, — den Geist in der Verehrung der Gottesmutter zum Himmel zu erheben, bedarf es daher noch zur Empfehlung dieser liebenswürdigen literarischen Erscheinung, daß wir die Namen jener Männer hier aufrufen, deren geistige Schöpfungen uns hier begegnen! — Es sind ehrenwerthe Leute, längst gefeiert in dem Heiligthume der Dichtkunst. Drum genüge, aus ihnen hervorzuheben <hi rend="italic">Ludwig</hi>, den König von Bayern, <hi rend="italic">Balde, Dante, Follen, Görres, Herder, Fr. Kind, Lavater, Novalis, Petrarca, Platen, Schiller, Schlegel, Christoph Schmid, Gilbert, Tieck, Uhland, Zach. Werner</hi> u. A. — Der Hr. Herausgeber selbst eröffnete das Ganze mit einem <hi rend="italic">Festkranze</hi>, um hier gleichsam als in einer Ouvertüre die Gefühle zu entfalten, welche das Werk in seiner Totalität beleben. In dem Eingänge dieser Poesie wird die Gottesmutter als Patroninn Deutschlands gepriesen, und zu Ihrer Feier und unserer Erbauung sey uns vergönnt, die schönen, hierher bezüglichen Strophen anzuführen:</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">„Wir Deutschen, hohe Himmelsköniginn, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">In unserm schlicht einfältiglichen Sinn </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Weih'n Dir nicht anders tiefer Andacht Zoll, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Als daß wir Dir uns nah'n vertrauensvoll. </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">
            <hi rend="italic">Dich Mutter</hi>, grüßen in der Sternenau </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Und kindlich nennen <hi rend="italic">Unsre liebe Frau</hi>. </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Und auf das deutsche Volk, das deutsche Land </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Hast Du von jeher Deinen Blick gewandt, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Hast unsre Brust für Tugend heiß entflammt, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Und deutschen Frau'n ein feierliches Amt </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Von Gott vertraut: treu, demuthvoll und rein, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Der Sitte Heroldinnen stets zu seyn.</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Kein Hochgefühl wogt in des Menschen Herz, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Es gibt nicht Wonne, und es gibt nicht Schmerz, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Den Du, die balsamreich die Wunden heilt, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">In alt- und neuen Tagen nicht getheilt </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Mit einem Volk, das Du so hoch erhobst </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Und mit dem Kranz der Sittlichkeit umwobst.</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">|Sp. 1054| Wir schmachteten in Sinnesbanden noch, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Die Frauen trugen noch der Knechtschaft Joch, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Hätt nicht die hohe, reine Lieb' zu Dir — u. s. w.“</p>
         <p>Doch genug! Die Kürze des zugemessenen Raums verbietet, weitere Aushebungen zu machen, obschon wir bedauern, nicht noch so manche duftende Blume aus diesem herrlichen Kranze unsern Lesern bieten zu können, wobei wir übrigens bekennen müssen, daß die Wahl wegen Fülle des hier waltenden Schönen uns nur schwer werden möchte.</p>
         <p>Ehe wir jedoch schließen, erlauben wir uns, — nicht um zu tadeln, sondern nur, um bei einer neuen Auflage zur Verherrlichung des schönen Ganzen ein Scherflein beizutragen, den Hrn. Herausgeber zu bitten, einige Gesänge, welche einen etwas mystischen Charakter an sich tragen, und nicht ganz den reinen Geist der katholischen Küche athmen (z. B. das „<hi rend="italic">wüßten wir</hi>“ von <hi rend="italic">Raumsland</hi>, den Preisgesang von <hi rend="italic">Eberhard von Sax</hi>, S. 69), aus dieser Sammlung zu entfernen, und wir zweifeln um so weniger an der Erfüllung dieser Bitte, als auch bereits einige geistliche Behörden in ihren Approbationen auf diesen Mangel hingedeutet haben.</p>
         <p>Endlich sey noch der Verlagshandlung für die Ausstattung gebührender Dank gesagt. Ein schöner, richtiger Druck auf milchweißem Papier und die Beigabe eines vortrefflichen Stahlstichs (die Madonna nach Holbein von <hi rend="italic">Leopold Beyer</hi> in Wien) dienen nämlich allerdings dem Werke zur herrlichen Zierde. In dieser Rücksicht finden wir auch den gestellten Preis sehr billig, und wünschen herzlich die möglichste Verbreitung dieses, uns so, lieb gewordenen Büchleins, welches auch besonders zu Geschenken höherer Stände sehr geeignet ist.</p>
       </div>
         </div>
         <div type="litr">
         <p rend="UKZ 2 13 zwischentitel">Nachweise von Rezensionen theologischer Schriften.</p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>
            <hi rend="bold">Theologisches Literaturblatt</hi>
         </p>
         <p>No. 31. 32. F. <hi rend="italic">Clemens</hi> Das Manifest der Vernunft; eine Stimme per Zeit in Briefen an eine schöne Mystikerinn. — No. 31. <hi rend="italic">Crusius </hi>Christliches Psalmbüchlein. — No. 32. <hi rend="italic">Fischer</hi> Casualreden. — Zwei Predigten von <hi rend="italic">Scheifele</hi>. — No. 33-35 Das Leben Jesu, krit. bearbeitet von Dr. <hi rend="italic">Strauß</hi>. 2 Bde. 2. Aufl. Rec. von <hi rend="italic">Paulus</hi>. — No. 33. <hi rend="italic">Ackermann</hi> Grundlegung des Heils. Für christliche Katecheten und Prediger. — No. 36. E. <hi rend="italic">Duller</hi> Loyola. 3 Bde. Rec. von Künzel. — <hi rend="italic">Menken</hi> homilet. Blätter. — <hi rend="italic">Riquet</hi> Drei Predigten. — No. 37. <hi rend="italic">Bretschneider</hi> Corpus Reformatorum. Vol. III. Selbstanzeige. — <hi rend="italic">Niethammer</hi> Fragen zur Erklärung der sonntägl. Evangelien. — Katechismus, oder: kurzer Unterricht christlicher Lehre, für die angehende Jugend in kurfürstl. Pfalz-Schulen. — No. 38. K. W: <hi rend="italic">Schultz</hi> Predigten. Rec. von Lorberg. — Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangel.-luther. Bekenntnisses. — No. 39-41. Beiträge zur Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Rec. von Carové. — No. 40. Magazin von Casual-, besonders kleineren geistl. Amtsreden. 5 Th. — No. 41. <hi rend="italic">Wilberforce</hi> Familiengebete, übers. von Lüders, bevorwortet von Neander. — No. 42. 43. <hi rend="italic">von Olivier </hi>Volksbilderbibel. 1. — 3. Lief. — No. 43. <hi rend="italic">Comnik</hi> Die Bibel, das allerwichtigste und unentbehrlichste Mittel zur rechten Erziehung und wahren Bildung der Menschheit. — <hi rend="italic">Kaiser</hi> Osterpredigt. — No. 44. <hi rend="italic">Buckland</hi> Geology considered with reference to natural Theology. — <hi rend="italic">Mathesius</hi> Gebetlein für alle Noth der Christenheit. Neue Aufl. — No. 45-46. <hi rend="italic">Klein</hi> Darstellung des dogmatischen Systems der evang. Protest. Kirche. 2. Ausg von Dr. L. Lange. — No. 45. <hi rend="italic">Ernesti </hi>Preispredigt. — No. 46. <hi rend="italic">Helbig</hi> Das Dankfest zu Königsee, am 10. Aug. 1836. — <hi rend="italic">Erdmann</hi> Predigt über die Gebetserhörung. — No. 47. Schriften von <hi rend="italic">Wagenfeld</hi> und <hi rend="italic">Grotefeind</hi> über Samhuniathen's Urgeschichte der Phönicier. Rec. von Paulus. — L. <hi rend="italic">Schmid</hi> Erklärung kirchlicher Pericopen u. s. w. Rec. von Paniel. — No. 48. 49. Die christliche Kirche in der Idee. Quartalschrift von <hi rend="italic">Kempf</hi> und <hi rend="italic">Ullrich</hi>. Heft 1 und 2. — No. 48. <hi rend="italic">Langbecker</hi> Das deutsch-evangelische Kirchenlied. — <hi rend="italic">Böckel</hi> Zwei Predigten und Traurede. Rec. von Paniel. — No. 49. <hi rend="italic">Kirchsteiger</hi> Die Eine, einzig wahre, daher ewig unveränderliche und für alle Vernunftwesen nothwendige Religion der Vernunft und Offenbarung. Ein Gebet und Lehrbuch für alle Menschen. — No. 50. A. <hi rend="italic">Schweizer</hi> Christl. Predigten für denkende Verehrer Jesu. — <hi rend="italic">Willich</hi> Predigt. — <hi rend="italic">Hessel</hi> Leitfaden zum Confirmanden-Unterricht. —</p>
         <p>(Wird fortgesetzt.)</p>
       </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
         </p>
     </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

