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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 3. August 1837, Nro. 62</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <publisher>Beata Mache</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="62">3. August 1837, Nro. 62</title>
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                  <publisher><name>Varrentrapp</name></publisher>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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               für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, <lb/> 
               katholischen und israelitischen Deutschlands. <lb/>Frankfurt a. M., den 3. August 1837. Nro. 62.</hi>
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       <div type="inhalt">
         <head>Inhalt: </head>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">Wirksamkeit der prot. Traktatengesellschaften. — </p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten.</hi> 
            <hi rend="italic">Nordamerika. Canada</hi>. <hi rend="italic">Montreal;</hi> Nachrichten über die Katholiken an der Hudsonsbay. <hi rend="italic">Vereinigte Staaten von Nordamerika. Newyork</hi>; Rückkehr eines prot. Professors nach Europa. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Oesterreich</hi>. <hi rend="italic">Salzburg</hi>; zwei Artikel in Betreff der Bewohner des Zillerthales. <hi rend="italic">Preußen</hi>. <hi rend="italic">Berlin</hi>; Angelegenheiten der Bewohner des Zillerthales; Verbot; Mordthat aus pietistischer Schwärmerei; Verordnung wegen geistlichen Unterrichts der Kinder von 14 Jahren; Verordnung wegen der Gesuche in Glaubens- und Gewissenssachen; Denkmals-Enthüllung. <hi rend="italic">Kottwitz</hi> bei <hi rend="italic">Sagan</hi> in Schlesien; Einziehung erloschener Parochien. <hi rend="italic">Königsberg</hi>; Mucker-Prozeß. Danzig; Bekehrungsgesellschaft. <hi rend="italic">Münster</hi>; Gottesdienst. <hi rend="italic">Westphalen</hi>; Verdienste des Landdechanten <hi rend="italic">Franz Darup</hi>. <hi rend="italic">Köln</hi>; königl. Verwilligungen. <hi rend="italic">Kreuznach</hi>; Hilfsmittel-Verein zur Bekehrung der Heiden. <hi rend="italic">Mecklenburg</hi>-<hi rend="italic">Schwerin</hi>. Schwerin; über die Conversion des Prinzen <hi rend="italic">Adolph</hi>. — </p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth</hi>. Neuere religiöse Poesie der Juden. Vom Cand. <hi rend="italic">Seligmann</hi> (Schluß). — </p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Anzeigen. — </hi>
         </p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Berichtigungen. —</hi> <lb/>|Sp. 0975|
         </p>
         </div>
         
         <div type="mantel">
         <head>
            Die Wirksamkeit der prot. Traktatengesellschaften.</head>
         <p rend="UKZ text">Der, von Pastor Fr. <hi rend="italic">Mallet</hi> herausgegebene, <hi rend="italic">Bremer Kirchenbote</hi> enthält (im Februarhefte 1836) eine umfassendere historische Schilderung des Tractatenwesens im Allgemeinen, aus welcher (mögen auch einige Uebertreibungen in diesem Berichte enthalten seyn) die enorme Ausdehnung erhellt, zu welcher in der neueren und neuesten Zeit die Wirksamkeit dieser Tractaten-Vereine angewachsen ist. In jenem Berichte heißt es unter Anderem:</p>
         <p rend="UKZ text">„Die <hi rend="italic">brittische</hi> Gesellschaft (gestiftet 1799) hat bereits über 180 <hi rend="italic">Millionen Tractate</hi> in verschiedenen Sprachen verbreitet, und außerdem größere Schriften, z. B. eine Geschichte der brittischen Reformation in 12 Bänden, einen Commentar über die ganze heilige Schrift, herausgegeben. — In <hi rend="italic">Frankreich</hi> ist die Pariser und Elsasser Tractatengesellschaft besonders thätig, und in den letztern Jahren gewachsen. In den Niederlanden, in <hi rend="italic">Belgien</hi>, in <hi rend="italic">Dänemark</hi>, in <hi rend="italic">Schweden</hi>, in <hi rend="italic">Norwegen</hi>, in der <hi rend="italic">Schweiz</hi> sind theils Vereine, theils Privatpersonen in dieser Angelegenheit in fortwährender und wachsender Thätigkeit. Die <hi rend="italic">russische</hi> Gesellschaft in St. Petersburg hat in verschiedenen Sprachen über eine halbe Million Tractate in die mongolische Sprache übersetzt, und diese wandern so in das Innere Asien's. In <hi rend="italic">Brittisch</hi>-<hi rend="italic">Ostindien</hi> haben die drei Präsidentschaften Calcutta, Madras und Bombay jede ihre eigene Tractatgesellschaft, die überall Hilfsvereine und eigene Druckereien besitzen, durch welche jährlich hunderttausende von christlichen Schriften in den verschiedenen Sprachen Indiens gedruckt und verbreitet werden. „Auf <hi rend="italic">Java</hi> sind beständig zwei lithographische Pressen in Arbeit, um das dringende Verlangen der Chinesen, Malayen und Javanesen auf Java und den umliegenden Inseln nach christlichen Schriften zu befriedigen. Im <hi rend="italic">indischen Archipelagus</hi> und in Siam und Pegu sind schon viele tausend christliche Schriften verbreitet, in <hi rend="italic">China</hi> sind sie bis in den Palast des Kaisers gedrungen. Aus dem Kaiserthume Birma schreibt <hi rend="italic">Judson</hi>: Allein im vorigen Jahre sind 200,000 verbreitet worden.</p>
         <p rend="UKZ text">Bereits hat <hi rend="italic">Australien</hi> seine eigene Tractatengesellschaften und seine eigens Druckereien. Die Gesellschaft in Neusüdwales hat in einem Jahre über 24,000 Tractate ausgegeben. Auf den Sandwich-Inseln sind durch amerikanische Missionäre über eine halbe Million verbreitet worden.</p>
         <p rend="UKZ text">Auch in das festverschlossene <hi rend="italic">Afrika</hi> haben sich die Tractatenvereine bereits gewagt. In Aegypten, Nubien, Habessinien, Algier und Tunis werden durch deutsche Missionäre christliche Schriften verbreitet, und kürzlich hat man eine Expedition nach |Sp. 0976| dem Niger benutzt, um im Herzen von Afrika durch christliche Tractate den Namen bekannt zu machen, der allein im Stande ist, alle seine Ketten zu sprengen.</p>
         <p rend="UKZ text">Die Gesellschaft in den <hi rend="italic">Vereinigten Staaten von Nordamerika</hi> ist im raschesten Zunehmen begriffen. Sie hat bereits über 26 Millionen Schriften vertheilt, und fühlt sich jetzt stark und reich genug, in das, die ganze Erde umziehende große Missionswerk, welches durch das lebendige, wie durch das geschriebene Wort muß gefördert werden, auf das Thätigste einzugreifen. Sollte die Tractatsache ferner so fortgehen, so wird sie bald in allen Theilen der Welt ihre Freunde, ihre Vereine, ihre Druckereien haben, und alle Länder der Erde in den Bereich ihrer Wirksamkeit hineinziehen.“</p>
         <p rend="UKZ text">Die Darmstädter <hi rend="italic">Allgemeine Kirchenzeitung</hi> bemerkt hierzu: „Dieser Bericht muß von Neuem darauf aufmerksam machen, wie nothwendig es ist, die Verbreitung von Tractaten nicht dem Parteieifer der Mystiker und Pietisten wie ein Monopol zu überlassen, sondern durch ähnliche Unternehmungen von anderer Seite her eine Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit zu verbreiten, und so dem nachtheiligen Einflusse entgegenzuwirken, den die mystisch-pietistischen Tractate schon so vielfach gestiftet haben, und immer mehr zu stiften drohen.“</p>
        </div>
         
         
         
         <div type="kn">
         <head>Kirchliche Nachrichten.</head>
         <p rend="UKZ 4 12 kursiv">Nordamerika.</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Canada</p>
         <p rend="UKZ text">‒† ‒ <hi rend="italic bold">Montreal</hi>, den 7. Aprill. Der Bischof von <hi rend="italic">Juliopolis</hi>, Hr. <hi rend="italic">Provencher</hi>, Generalvikar der <hi rend="italic">Hudsons</hi>- und <hi rend="italic">James</hi>-<hi rend="italic">Bay</hi>, schickte sich an, sobald die Jahreszeit es erlaubt, nach seiner gewöhnlichen Residenz am Rothen-Flusse zurückzukehren. Seine Ueberfahrt von England nach Canada war schnell und glücklich gewesen, aber die ihn begleitenden drei Fahrzeuge, auf deren einem viele für die Mission bestimmten Gegenstände verladen waren, als heilige Gefäße, Kirchen-Zierrathen, Andachtsbücher u. s. w., die er sich in Europa angeschafft und damit alle seine Hilfsquellen erschöpft hatte, erfreuten sich nicht desselben Glückes. Auf demselben Fahrzeug befand sich ein junger Mann, Namens <hi rend="italic">Morin</hi>, der bestimmt war, die Leitung einer für die Kinder der Wilden in seiner Diözese zu gründenden Schule zu übernehmen. |Sp. 0977| Diese 3 Fahrzeuge, der Hudsons-Bai-Compagnie angehörig, waren zu weit in die Bai vorgedrungen und wurden dort vom Eise überrascht. Das eine ging mit Mann und Maus verloren; das zweite mußte seine ganze Ladung über Bord werfen, und ist in dem elendesten Zustande nach England zurückgekehrt. Das dritte, auf welchem Hr. <hi rend="italic">Morin</hi> sich befand, machte sich nach unerhörten Anstrengungen vom Eise frei und lief ohne Verlust und beträchtliche Havarie in den Rothen Fluß ein.</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Ann. d. l. Propag. d. l. Foi)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Vereinigte Staaten von Nordamerika.</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">New</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">York</hi>, 30. Mai. Der früher in Deutschland gewesene Hr. <hi rend="italic">Robinson</hi>, Professor am hiesigen prot. theol. Seminar, wird in zwei Monaten mit seiner geistreichen Gattinn, gebornen <hi rend="italic">Jakobs</hi> aus Halle, der Herausgeberinn der „Serbischen Lieder“ unter dem Namen <hi rend="italic">Talvy</hi>, nach Deutschland zurückkehren. Ein unersetzlicher Verlust für das in Boston erscheinende  „North-American Review“, zu welchem sie mehrere Aufsätze geliefert hat, die in diesem ganzen Welttheile kein anderer Mensch zu schreiben im Stande gewesen wäre. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Pr. St. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ 3 12 normal">
            <hi rend="italic">Deutschland.</hi>
         </p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Oesterreich.</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Salzburg</hi>. Die nachstehenden zwei Artikel in ihren Gegensätzen dürften zur unbefangenen Berichterstattung über die Zillerthaler Angelegenheit in der <hi rend="italic">Univ</hi>.-<hi rend="italic">K.-Ztg.</hi> nicht übergangen werden:</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic">Kreuth</hi> im bayerischen Gebirge, 2. Juli.<lb/>Seit einiger Zeit enthalten öffentliche Blätter Nachrichten über die Einwohner des Zillerthals, nach welchen es scheinen sollte, als würde sich mit ihnen ein Ereigniß wiederholen, das vor beinahe hundert Jahren, als ein großes Theil der Bevölkerung des Salzburger Hochlandes des Glaubens wegen aus ihrer Heimath vertrieben ward, die europäische Christenheit mit Schmerz erfüllte. Ich benutzte deshalb meinen Aufenthalt in Innsbruck, im Zillerthal selbst und hier, um über die Sache genauere Nachricht zu gewinnen, und theile sie Ihnen mit, damit die Sache nicht über die Gebühr vergrößert, die Gemüther beruhigt und die österreichische Regierung nicht mit Unrecht beschuldigt werde. Allerdings hat sich Ueberzeugung und Lehre der aus dem Pinsgau, dem Gasteiner Thal, den Thälern von St. Johann und der Rauris vertriebenen Salzburger unter den Zillerthalern im Stillen erhalten, und seit etwa zwanzig Jahren unter dem Schirme religiöser Duldung unbedenklicher gezeigt. Die Leute waren im Besitz zahlreicher Exemplare der lutherischen Bibel und mancher Schriften der Reformatoren, blieben auch durch ihre zahlreichen Reisen mit den evangelischen Gemeinden außer Oesterreich, besonders mit den schwäbischen in Verkehr, und hielten an dem Grundsatz, daß nichts für christliche und göttliche Offenbarung zu halten sey, was nicht in der Bibel stünde. Sie verwarfen darum den Papst, die Messe, das Fegfeuer und das Abendmahl unter Einer Gestalt, die Rechtfertigung durch die Werke und waren überzeugt, durch den Glauben an Christum und den Versöhnungstod allein gerecht und der göttlichen Gnade theilhaftig zu werden. Sie enthielten sich darum der Theilnahme an dem katholischen Gottesdienste, erbauten und trösteten sich unter einander und lebten im Uebrigen ohne Tadel, auf ihre Geschäfte gerichtet, und weder den kaiserlichen Behörden Anlaß zur Bestrafung gebend, noch säumig in Zahlung ihrer Abgaben. Indeß kam, als ihr Thun und Glauben immer offenkundiger wurde, die katholische Bevölkerung zwischen ihnen und um sie in Bewegung, die Geistlichkeit zumal, die es an Versuchen, sie bei der römisch-katholischen Kirche zu halten nicht fehlen ließ, obwohl vergeblich, weil die Bauern sich von ihrem Grundsatze, nur das Biblische für christlich anzuerkennen, nicht verdrängen ließen, und in der Bibel selbst sehr belesen waren. Desto mehr entzündete sich der Eifer, und desto stärker wurde der Haß der Uebrigen gegen sie erregt. Bald nahm das ganze Land Tyrol Theil an dieser Zwietracht. Es ward gegen die neuausbrechende Ketzerei gepredigt und gewirkt, und schon der Landtag von 1835 rief das Einschreiten der kais. Regierung an. Bischöfe, Adel und der größere Theil der Städte waren darin einig; die Meynung derjenigen, welche begehrten die |Sp. 0978| Zillerthaler ihres Glaubens leben zu lassen, war nur von Wenigen, nachdrücklich allein von dem Bürgermeister <hi rend="italic">Maurer</hi> von Innsbruck vertreten, der später sich genöthigt sah, in besonderer Darstellung seine Rechtgläubigkeit öffentlich zu erhärten. Man stellte vor, daß Tyrol nie andere als katholische Einwohner gehabt, daß es die einzige Provinz des Kaiserstaats sey, in welcher das Toleranzedict Kaiser Joseph's II. vom Jahr 1782 <hi rend="italic">nicht </hi>sey verkündigt worden. Es werde darum Se. kaiserl. Maj. angerufen, die Grafschaft bei ihrem katholischen Glauben nach ihren alten Privilegen zu schützen, und dem Uebel, von welchem er bedroht werde, Einhalt zu thun. Da der Widerwille der katholischen Bevölkerung auf mehrern Punkten in Gährung überging und Ausbrüche drohten, fand sich die kaiserl. Regierung bestimmt, jenem Ansinnen zur Erhaltung der Ruhe und zum Schutze der akatholischen Zillerthaler selbst in so weit nachzugeben, daß diesen bedeutet wurde, sie hätten sich entweder an die Landeskirche anzuschließen, oder in andere kaiserliche Staaten, in welchen protestantische Unterthanen geduldet würden, als in Steyermark, Ungarn und Siebenbürgen, überzusiedeln. Auch ward ihnen, im Fall sie keines von beiden wollten, die Auswanderung gestattet mit freier Verfügung über ihre Grundstücke und fahrenden Habe. Zur Vollziehung dieses Gebots ward ihnen der September d. J. als Termin gestellt. Die akatholischen Zillerthaler, wie sich bei näherer Aufzählung auswies gegen 400 Köpfe, wählten die Auswanderung, und schickten im vergangenen Mai mit kaiserlicher Genehmigung einen Abgeordneten nach Berlin, Namens <hi rend="italic">FIeuder</hi>, um in den k. preuß. Staaten als eine evangelische Gemeinde aufgenommen zu werden. Schon ehe <hi rend="italic">Fleuder</hi> in Berlin ankam, hatte Se. Maj. der König von <hi rend="italic">Preußen</hi> seinen Hofprediger Dr. <hi rend="italic">von Strauß</hi> nach Wien gesandt, um die Sache, im Fall es möglich wäre, zu vermitteln oder das Weitere einzuleiten. Im Junius kehrte der Abgeordnete aus Berlin mit der schriftlichen Zusage des Königs zurück, daß Se. Maj. bereit sey, die Gemeinde aufzunehmen, und ihr einen Wohnplatz in Schlesien anzuweisen, dessen Thäler und Gebirge sie die einheimischen Fluren weniger würden vermissen lassen. Hr. <hi rend="italic">von Strauß</hi>, den wir vor einigen Wochen auf seiner Rückreise von Wien hier sahen, bezeugte alle Zufriedenheit mit der Art, wie die Sache in Wien eingeleitet, geführt, und wie man der Bereitwilligkeit der k. preuß. Regierung anerkennend entgegen gekommen sey. Er fand keine Schwierigkeit den Termin, der den Zillerthalern für den Verkauf ihrer Güter und Habseligkeiten gesetzt war, bis zum nächsten Frühjahr zu verlängern, und die kaiserl. Regierung im Allgemeinen sehr bereit, alles vorzukehren, was dem Akte, den Widerwärtigen, der Zeit und den Gesinnungen von Deutschland widerstrebenden Charakter einer Religionsverfolgung nehmen, und ihn als eine im eigenen Interesse der Betheiligten, gegenüber einer aufgeregten und ihnen feindseligen Bevölkerung, getroffene Vorkehrung erscheinen lassen würde. Ebenso überzeugte er sich in Tyrol und hier durch Verkehr mit den Einwohnern des Zillerthals, daß ihr Glaube rein biblisch, ihr Wesen von Fanatismus und Sectirung ganz frei, aber auch ihr Entschluß auszuwandern fest und unerschütterlich sey, und nachdem er auf die Gemüther belehrend, beruhigend und tröstend gewirkt, ist er über München abgereist, um seinem Monarchen über den Erfolg seiner Mission Bericht zu erstatten, und die in vollkommener Eintracht beider großen deutschen Regierungen zu vollziehenden Maßregeln der Uebersiedlung dieser neuen Gemeinde von Tyrol nach Schlesien weiter einzuleiten.</p>
         <list type="ordered">
            <item>Z.)</item>
         </list>
         <p rend="UKZ text">Aus <hi rend="italic">Franken</hi>, den 19. Juli. Schon in Nro.171 der Neuen Würzb. Ztg. haben wir auf Veranlassung verschiedener Insinuationen der „Hannöver'schen Zeitung“ erklärt, daß wir über die Verhältnisse der <hi rend="italic">akatholischen Zillerthaler</hi> genaue Erkundigungen einziehen würden, in der Zwischenzeit aber jenem Blatte und seinem Berliner Korrespondenten acht <hi rend="italic">Fragen</hi> zu beantworten gäben. Die Beantwortung dieser Fragen ist aber bis jetzt wohlweislich vermieden worden, wahrscheinlich weil man nur zu gut einsieht, daß wir den Nagel auf den Kopf getroffen haben, und daß man nicht im Stande ist, seine böswilligen Verleumdungen der <hi rend="italic">Wahrheit</hi> gegenüber geltend zu machen. Die Herren werden daher für die Zukunft sich nicht mehr erkühnen dürfen, noch ferner ihre giftigen Insinuationen gegen den Erzbischof von Köln auszuschleudern, da ihr Stillschweigen auf die von uns gestellten Fragen das gesammte Publikum hinreichend |Sp. 0979| darüber belehrt haben wird, daß es den norddeutschen Journalisten leichter sey, anzufeinden und zu verleumden, als die Richtigkeit solcher Angaben zu erweisen, während man bis jetzt noch nicht im Stande gewesen ist, ein Jota von den Behauptungen der „Neuen Würzburger Zeitung“ als grundlos darzuthun. Damit ihnen jedoch auch über ihre Zillerthaler Schutzbefohlenen der Mund gestopft werde, und um unser früheres Versprechen zu erfüllen, andererseits aber auch zu zeigen, daß man Controversen nicht zu fürchten habe, wenn man sich, wie wir, auf den Boden der Wahrheit und des Rechts stellt, so lassen wir nachstehend den Bericht eines Korrespondenten folgen, dessen völlige Wahrheitsliebe wir verbürgen dürfen.</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic">Kreuth</hi> im bayerischen Gebirge, 15. Juli. Es ist hier sehr aufgefallen, daß man den Mißgriff oder, vielleicht richtiger, die Unvorsichtigkeit begangen hat, einen Aufsatz in der Allgemeinen Zeitung (2. Juli) über die Verhältnisse im Zillerthal von <hi rend="italic">hier</hi> zu datiren, da man doch hätte wissen sollen, daß gerade Kreuth, so wie die ganze Umgegend, streng katholisch ist. Inzwischen dürfte es, wie später hervorgehen wird, doch nicht gerade bedeutungslos erscheinen, daß man eben unsern Ort als Quelle jenes Artikels angegeben hat. Ueber die Umstände der akatholischen Zillerthaler sind bisher schon so mannichfache Versionen dem Publikum aufgetischt worden, daß es endlich wohl an der Zeit seyn dürfte, auch die <hi rend="italic">wahre</hi> Version zu geben. Als vor beinahe hundert Jahren die Protestanten aus Salzburg vertrieben wurden, so blieben in dem Condominat zwischen Salzburg und Tyrol, eben in dem Zillerthal, <hi rend="italic">Einzelne</hi> zurück, die vielleicht gar nicht beachtet worden waren, und äußerlich sich zur katholischen Kirche hielten. Sie vermischten sich jedoch sehr bald mit den wirklich katholischen Bewohnern des Thals, und es blieb unter ihnen fortan kein eigentliches protestantisches Bekenntniß, sondern bloß eine unbestimmte Opposition gegen den Katholizismus, ein gewisses Entfernthalten von der Kirche und dem Genuß der Sacramente, doch so vereinzelt, daß es, besonders bei der Lauheit des damaligen salzburgischen Klerus, gar nicht bemerkt wurde, unter der bayerischen Regierung trat bei den bekannten damaligen religiösen Verhältnissen dieß noch weniger hervor. Die Protestantischen Druckwerke, welche sich aus der alten Zeit bis dahin noch bei ihnen in einigen Häusern erhielten, bestanden nur in einigen Bibelübersetzungen und Gesangbüchern. Nachdem aber Tyrol nach dem Frieden wieder österreichisch geworden war, wurden bekanntlich theils durch das politische Interesse, welches der Krieg angeregt hatte, theils durch die Naturschönheiten viele Reisende aus dem nördlichen Deutschland in jene Gegenden gezogen. Dieß fiel in dieselbe Zeit, wo durch die Wiedererhebung des Katholizismus und durch den Uebertritt mancher ausgezeichneten Protestanten die bekannte Reaktion und der neue Eifer unter den norddeutschen Protestanten erwacht war. Jene Ueberreste von Protestantismus wurden also bald aufgespürt und Verbindungen angeknüpft; auch suchte man auf die durch ihre Handelsbeziehungen gelegentlich nach Sachsen und Preußen kommenden Zillerthaler <hi rend="italic">draußen</hi> zu wirken, wie mir dieß von katholischen Bewohnern des Thals, welchen solches selbst widerfahren, umständlich erzählt worden ist. Dann geschahen regelmäßige <hi rend="italic">Missionsreisen</hi>; protestantische Geistliche und Layen aus Norddeutschland und auch aus Bayern reisten herum, und suchten zugleich den Muth jener Leute <hi rend="italic">durch verheißene politische Unterstützung von Draußen zu stärken</hi>. Von den bekannten Traktätchen-Gesellschaften wurden ihnen Bücher und Schriftchen im neu protestantischen dogmatischen und polemischen Sinne zugesandt; alle diese Bücher sind neueren Datums, größtentheils in <hi rend="italic">Nürnberg</hi> bei Raw gedruckt, und darunter befinden sich namentlich Exemplare der augsburgischen Confession, Lebensbeschreibungen Luther's u. s. w. Zugleich wurde für die Verbreitung dieser Schriften als Hauptniederlagsort, wohin sich die Zillerthaler begaben, und der Nähe wegen leicht begeben konnten, nach der eigenen Aussage dieser Leute der bayerische Gränzort <hi rend="italic">Kreuth</hi> benutzt. Auf solche Weise suchte man sie zu dem Bewußtseyn zu bringen, daß sie wirklich Protestanten seyen, und ermunterte sie zugleich, unter ihren Landsleuten Proselyten zu werben, was ihnen auch bei ihren Verbindungen und Verwandtschaften mit katholischen Familien des Thals so weit gelang, daß sich ihre Zahl nach und nach auf einige hundert Köpfe vermehrte. Dieß mußte aber natürlich zur höchsten Spaltung, zum Unfrieden |Sp. 0980| in den Familien und zur äußersten Erbitterung des katholisch bleibenden Theils des Thales führen. Zugleich konnten auf solchem Wege natürlich nur sehr schwache und verworrene protestantisch-confessionelle Vorstellungen bei diesen Leuten entstehen, da es ihnen an allem regelmäßigen Unterrichte fehlte. Ihre confessisonellen Vorstellungen beschränkten sich daher, nächst einigen bekannten neuprotestantisch-pietistischen Phrasen über das Alleinseligmachende des Glaubens an Christum, auf die bloße <hi rend="italic">Negation </hi>katholischer Institutionen und katholischer Kirchengewalt. Dieß scheint auch der kluge Verfasser des Artikels der Allg. Zeitung „aus Kreuth“ selbst gefühlt zu haben, indem er, um sie als echte Protestanten zu erweisen, nur anführen kann, daß sie „<hi rend="italic">nichts </hi>für christliche und göttliche Offenbarung hielten, was <hi rend="italic">nicht</hi> in der Bibel stände“, daß sie darum „den Papst, die Messe, das Fegefeuer, das Abendmahl unter Einer Gestalt, die Rechtfertigung durch die Werke <hi rend="italic">verwürfen</hi>.“ Der Korrespondent hat also ebenfalls nur angeben können, was sie nicht glauben und <hi rend="italic">nicht </hi>annehmen, aber nicht, <hi rend="italic">was</hi> sie glauben und annehmen. Es ist ihm darneben der bei seiner Ehrlichkeit wohl unwillkürliche Irrthum begegnet, den Katholiken die oft widerlegte Lehre der „Rechtfertigung bloß durch die Werke“ ohne Weiteres unterzuschieben; auch ist er dabei in den weiteren kleinen Irrthum verfallen, den Verkehr der abgefallenen Zillerthaler als hauptsächlich mit „<hi rend="italic">schwäbischen</hi>“ Gemeinden stattfindend anzugeben, während, er sich doch in München und Berlin leicht darüber eines Anderen, und über ihre <hi rend="italic">wahren</hi> Verbindungen hätte belehren können. Seine versuchte Nachweisung des wirklich  „echt protestantischen Glaubensbekenntnisses“ der akatholischen Zillerthaler ist unverkennbar gegen einen früheren Artikel der hannover‘schen Zeitung gerichtet, worin behauptet worden war, daß jene Leute in Wahrheit weder der augsburgischen, noch der helvetischen Confession angehörten, sondern Sektirer von absonderlichen abweichenden, aus der Bibel individuell herausgefundenen Meynungen und nicht eben sittlichen Lebenswandels seyen. Wenn man nur die genauen und treuen Bekenner der augsburgischen oder der helvetischen Konfession für wirkliche Protestanten gelten lassen will, so dürfte jener Korrespondent der hannover'schen Zeitung wohl ohne Zweifel gegen unsern „Kreuther“ Briefsteller Recht behalten; wenn man aber die Dinge nicht so genau nimmt — und wer wollte das auch heut zu Tage noch, da ja dann selbst unser ehrlicher Kreuther, der gewiß gern für höchst orthodox gilt, kaum mehr als echter Protestant im alten Sinne des Wortes betrachtet werden dürfte, indem er gewiß wenigstens die <hi rend="italic">augsburgische Messe</hi> nicht mehr liest — wenn, sage ich, man die Dinge nicht so genau nimmt, sondern nach dem zeitlichen Sprachgebrauche unter Protestantismus nur alles versteht, was gegen die katholische Kirche protestirt, und sich dabei doch noch für christlich hält oder ausgibt, so dürfte unser Verfasser wieder seinerseits gegen den Korrespondenten der Hannover'schen Zeitung Recht behalten, und seine Zillerthaler Schutzbefohlenen mit Recht zu den Seinigen zählen. Auch wir glauben, daß dieselben so gut Protestanten seyen, wie alle Uebrigen, die sich so nennen. Was dagegen ihre <hi rend="italic">Moralität</hi> betrifft, so dürfte es ihm allerdings schwerer halten, sie gegen die Protokolle der Lokalbehörden rein zu waschen, denn da er kein Wiedertäufer ist, wird er wohl das <hi rend="italic">Concubinat </hi>der Ehe nicht gleich setzen, anderer kleinen moralischen Anstände nicht zu gedenken. Schon der <hi rend="italic">Führer und nach Berlin gesendete Agent</hi>, ein zu Grunde gegangener unruhiger Schuhflicker, ist kein empfehlender Repräsentant ihrer pietistischen Moralität, obwohl ein norddeutsches Blatt seine edle Einfalt nicht genug zu rühmen weiß. Wie man nun nach solchen Thatsachen und Verhältnissen noch, wie unser ehrlicher Kreuther Korrespondent der Allg. Zeitung, schiefe und gehässige Seitenblicke auf den tyrolischen Clerus und die Stände Tyrols werfen kann, ist freilich nur durch eine mit der Ehrlichkeit wenigstens verbundene große Dosis von Verblendung zu erklären; aber der Unmuth mußte natürlicher Weise doch nach einer Seite hin seinen Auslauf finden, und da man sich vor der österreichischen Regierung mit geziemender kläglicher Höflichkeit verbeugte, so konnte ein kleiner rückwärts gegebener Fußtritt gegen das unglückliche katholische Tyrol nur als eine sanfte Schadloshaltung und erlaubte Gemüthserleichterung gelten: denn verdrießlich ist es allerdings durch den <hi rend="italic">wohlbeendigten Abschluß der Sache</hi> weitergehende schöne Hoffnungen wenigstens vorerst aufgeben, oder doch |Sp. 0981| aufschieben zu müssen. Mindestens hatten die ungläubigen Zillerthaler noch vor Kurzem wenig Lust, auch unter den günstigsten Bedingungen das Thal zu verlassen und sich auswärtigen Gemeinden anzuschließen; sie äußerten im Gegentheil höchst naiv: „<hi rend="italic">ihre Brüder von Draußen</hi> hätten ihnen vielmehr gerathen, zu bleiben und sich lieber Alles gefallen zu lassen, weil es ihnen dadurch wohl gelingen werde, nach und nach daß ganze Thal, und zuletzt vielleicht ganzTyrol protestantisch zumachen.“ Solche weit aussehende Pläne müssen nun freilich vertagt, wenigstens müßte der Faden wieder neu angesponnen, und von vorne an weiter geführt werden. Vielleicht weiß der Korrespondent „aus Kreuth“ von dorther einige Auskunft darüber zu geben. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(N. Würzb. Z.)</p>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Preußen.</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Berlin</hi>, den 20. Juli. Der Professor <hi rend="italic">Strauß</hi> befindet sich seit einigen Tagen wieder in unsern Mauern. Derselbe ist auf seiner Mission nach Tyrol von dem österreichischen Hofe und von der dortigen Geistlichkeit mit der größten Zuvorkommenheit behandelt worden. Eine besondere gastfreundliche Aufnahme fand er bei dem Fürsten <hi rend="italic">Schwarzenberg</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Salzburg</hi>. Da von Seiten Oesterreich's gar keine Hindernisse in den Weg gelegt sind, und die Zillerthaler, 400 Köpfe stark, sich zum rein-evangelischen Glauben bekennen, und fest entschlossen sind, nach Preußen einzuwandern; so haben Se. Maj. der König geruht, die Erlaubniß zur Uebersiedelung derselben nach unseren Staaten zu geben. Bis jetzt ist den Tyrolern offiziell noch kein bestimmter Ort zur Kolonisation angewiesen. Wahrscheinlich wird es ihnen gewahrt werden, sich in unserm reizenden Riesengebirge anzubauen, um ihnen ihr mit Aufopferung verlassenes romantisches Zillerthal zu ersetzen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Freib. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ text">— Wie in hohen Zirkeln allgemein verlautet, ist nunmehr das Schicksal der Tyroler Dissenters definitiv und auf eine glückliche Weise gelöst worden. Sie kommen — vierzig Familien stark — auf königliche Kosten nach Erdmannsdorf in Schlesien, erhalten dort Aecker und Geräthschaften, und werden so lange unterhalten , bis ihre kräftigen Arme ihnen durch die Bearbeitung des Bodens ihre Existenz gesichert haben. Ueber die Audienz, welche diese schlichten Söhne der Natur bei unserm Könige gehabt haben, erzählt man sich viel Spaßhaftes. Sie fragten, wie sie sich bei'm gnädigen Kaiser — das Wort König scheint bei ihnen noch nicht geläufig zu seyn — verhalten sollten. Da bei unserm Hofe die größte Einfachheit herrscht, alle Etikette verbannt ist, so gab man ihnen auch die ganz einfache Verhaltungsregel, „sie sollten ohne allen Zwang so thun und sprechen, als wenn sie zu Hause wären. Sie nahmen denn auch keinen Anstand, den König in ihrem wohltönenden Zillerthaler Dialekt „Du“ zu nennen, was den guten Regenten in eine sehr freudige Stimmung versetzt haben soll. Da der Monarch aber bald merkte, daß zwischen dem Tyroler Dialekt und der Berliner Sprache ein weit größerer Abstand, als die geographische Entfernung beträgt, vorhanden ist, so war er so gütig, alle Fragen zum bessern Verständniß zweimal zu wiederholen. Solche Herzensgüte gegen Fremdlinge, die für Meynungen Schutz suchen, bedarf keines Kommentars, um eine bleibende Stelle in der Geschichte zu erhalten. Den in den öffentlichen Blättern angeblich aus guter Quelle den Zillerthalern gemachte Vorwurf: sie verleugneten die Ehe und Taufe, hält man allgemein für eine üble Nachrede, gegen die schon der Umstand spricht, daß man sie hier aufgenommen hat. Ihr künftiger Wohnort liegt übrigens sehr romantisch am Fuße des Riesengebirges, und während die Schneekoppe im Süden sie an ihre heimathlichen Gebirge und ihren gütigen Kaiser, der sie in Frieden hat ziehen lassen, erinnern wird, werden die unermeßlichen Auen des Westens und Nordens sie darauf aufmerksam machen, daß sie sich in einem Lande befinden, dessen historische Bestimmung von jeher gewesen ist, dem Glauben und Gedanken nur die weitesten und natürlichsten Gränzen zu setzen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften"> (Frankf. J.)</p>
         <p rend="UKZ text">— Das königl. preußische hohe Ministerium der geistlichen Angelegenheiten hat sein Augenmerk vor Kurzem auch auf die berüchtigten  „Stunden der Andacht“ gerichtet, und geboten, dieses anti-evangelische, das Christenthum gefährdende Werk nie zum kirchlichen Gebrauche, namentlich nicht zum Vorlesen bei Betstunden zu gebrauchen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Bemerker)</p>
         <p rend="UKZ text">— Gestern hat sich hier ein bedauernswerthes Ereigniß zugetragen, das leider, wie es scheint, eine neue Frucht pietistischer |Sp. 0982| Schwärmereien ist. Ein Studirender der Theologie, 20 Jahre alt, hat nämlich die 69 Jahre alte Schwiegermutter seines Wirthes mittelst Dolchstiche zu ermorden gesucht, und dabei immer ausgerufen: „Sie haben Ihren Glauben verleugnet, darum müssen Sie sterben.“ Der unglückliche Fanatiker fiel sodann auch über die auf den Hilferuf jener Frau herbeigeeilte Tochter derselben her, die nur mit Gewalt seinen Dolchstichen entzogen werden konnte. Man zweifelt an der Erhaltung der alten Frau, die drei Stiche in die Brust, und einen in die rechte Hand bekommen hat. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Allg. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ text">— Vor einigen Tagen sind auf Reklamation des Ministeriums des Unterrichts der Polizei Weisungen zugegangen, dafür zu sorgen, daß alle Kinder von 14 Jahren den geistlichen Unterricht der Prediger besuchen, und die Confirmation empfangen. Es ist nämlich in den untern Ständen des Volkes, deren Kinder früh zum Broderwerb in den Fabriken u. s. w. angehalten werden, der Fall nicht selten vorgekommen, daß die Kinder alles Religionsunterrichts ermangelten, ebenso bei den Gerichten, daß jugendliche Inculpaten nicht angeben konnten, zu welcher Religion sie sich bekennen. Vielleicht würde es aber doch besser seyn, wenn der Zuspruch der Prediger, vor welchem selbst verworfene Gemüther, vermöge der dem Menschen angebornen Ehrfurcht vor dem Uebersinnlichen, sich beugen, die Vernachlässigten zum Besuch des Confirmanden-Unterrichts bestimmte. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Leipz. Ztg.)</p>
         <p rend="UKZ text">— Des Königs Majestät haben Allerhöchst dem katholischen Unterthanen gestattet, sich in Religions- und Gewissens-Sachen, in welchen sie die Vermittelung des päpstlichen Stuhles zu bedürfen glauben, an diesen zu wenden, jedoch mit der Maßgabe, daß alle an den Papst gerichteten Gesuche dem Herrn Bischofe, oder dessen General-Vicariate, zuvor zur Prüfung und Bescheinigung eingereicht und von diesem, durch den Oberpräsidenten der Provinz an das Ministerium des Inneren zur weiteren Versendung nach Rom befördert werden müssen. Nur allein die das forum poenitentiale betreffenden, an die Poenitentiaria romana zu bringenden Gewissenssachen sind von dieser Regel ausgenommen. Unterthanen, die auf dem vorgeschriebenen, verfassungsmäßigen Wege dem Papste ihre Gesuche vortragen lassen, können auf schleunige Beförderung und kräftige Unterstützung derselben durch die königliche Gesandtschaft zu Rom, rechnen, die sich auch stets dahin verwendet, daß die Kosten möglichst ermäßigt werden. Wer sich aber beigehen läßt, dieser Vorschrift zuwider, ohne Vorbewußt der Staatsbehörde, den päpstlichen Stuhl mit Gesuchen unmittelbar anzutreten, wird zur Verantwortung gezogen, und nachdrücklich bestraft werden.</p>
         <p rend="UKZ text">— Am 3. Juli wurde das von den Verehrern <hi rend="italic">Schleiermacher</hi>'s demselben gewidmete Denkmal auf dem Friedhofe der hiesigen Dreifaltigkeitskirche mit angemessener Feierlichkeit enthüllt. Dasselbe ist in seiner jetzigen Vollendung eine Hauptzierde jenes Begräbnißplatzes.</p>
         <p rend="UKZ text">— Im gegenwärtigen Sommersemester sind an der hiesigen Friederich-Wilhelms Universität 1585 Studirende immatriculirt, worunter 430 in der theologischen Facultät. Die Zahl der Ausländer beläuft sich auf 402.</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Kottwitz</hi> bei Sagan in Nieder-Schlesien, 7. März. Das Gesetz über erloschene Parochieen und über die Behandlung des Vermögens derselben — vom 13. März 1833 (worüber in der <hi rend="italic">Univ.-K.-Ztg.</hi> No. 5 u. 35 zwei Aufsätze) — hat nunmehr seine erste — dem Referenten bekannt gewordene — Anwendung dahier gefunden. Auf den <hi rend="italic">offiziellen</hi> Antrag des zu diesem Geschäfte ernannten königl. Commissarius Hrn. Justizrath <hi rend="italic">Neumann</hi> in Grünberg hat die kön. Regierung zu <hi rend="italic">Liegnitz</hi> mittelst Resoluts vom 22. Dez. 1834 die hiesige kath. Kirche für erloschen erklärt. Hiergegen ergriff der General-Administrator des Bisthumes zu Breslau Recurs an das königl. Ministerium der geistlichen etc. Angelegenheiten zu Berlin. Dessen ungeachtet bestätigte das kön. Ministerium unter'm 6. August 1836 jenes Regierungs-Resolut purc, nachdem eine nochmalige und höchst sorgfältige Recherche der hier obwaltenden Verhältnisse an Ort und Stelle verfügt worden war. — Unter den Merkmalen, daß eine Kirche reif zur Erlöschung sey, war unter Anderem auch dieß aufgestellt worden, daß in derselben alljährlich nur ein <hi rend="italic">vier</hi>- bis <hi rend="italic">sechsmaliger</hi> Gottesdienst stattgefunden habe. Hiernach würde die hiesige katholische Kirche, in der Regel alle 4 Wochen — oder alljährlich neun, zehn ja bis elf Mal Gottesdienst gehalten wor- |Sp. 0983| den ist, nicht in die Kategorie der für erloschen zu erklärenden gehören. Aber weil jenes Merkmal zwar ein <hi rend="italic">Merkmal</hi>, aber nicht das <hi rend="italic">einzige</hi> ist, weil ferner hier seit länger, als 10 Jahren nie über 17 kathol. Einwohner (inclusive der Kinder und Dienstboten) sich aufgehalten haben, und die nächsten 3 katholischen Kirchen nur eine viertel oder halbe Meile entfernt sind, weil endlich die Erwachsenen unter jenen (17) Einwohnern sich dieser Kirchen in der Regel schon immer bedient haben und auch ferner bedienen müssen, so fand das königl. Ministerium einen jährlich neun, zehn, ja bis elf Mal abgehaltenen Gottesdienst nicht entscheidend für die Aufrechthaltung eines besonderen katholischen Pfarrgottesdienstes im hiesigen Orte, indem nur ein wirkliches und erweislich vorhandenes Bedürfniß der Anwendung des Gesetzes vom 13. Mai 1833 entgegentreten könne. — Der Referent erinnert sich in der A. K. Z. über diesen Gegenstand einen Aufsatz des Hrn. P. <hi rend="italic">Eichler</hi> in Raudten gelesen zu haben, welcher sehr scharfsinnig Kirchenvermögen vom Pfarrgute unterscheidet und das letztere als im Gesetz qu. nicht berührt darzustellen sucht, daher dessen Ueberweisung behufs der Besoldung der Kirchendiener von den Gemeinden rechtlich in Anspruch genommen werden könne. Referent kann aber mit Grund der Wahrheit versichern, daß diese Ansicht dermalen noch nicht in die Praxis der hier kompetenten höheren Staatsbehörden übergegangen sey. Dieselben weisen fortwährend noch ausdrücklich darauf hin, daß etwaige durch ein erweislich vorhandenes Bedürfniß motivirte Anträge der betreffenden Gemeinden lediglich auf die Ueberweisung des Kirchengebäudes und des zur Erhaltung desselben <hi rend="italic">ausdrücklich</hi> und <hi rend="italic">unzweifelhaft</hi> bestimmten Kirchenvermögens (der sogenannten fabrica ecclesiae) zu richten, nicht aber auf die Wiedermuthen zu erstrecken seyen. — Uebrigens geschieht die Auflösung erloschener Parochieen nicht im Interesse der Gemeinden, auch wird damit nicht Anstand genommen, bis etwa die betreffenden Privatpatrone deßhalb Anträge und Reclamationen formiren; es geschieht vielmehr Alles im Interesse des Staates und die kön. Regierungen sind verpflichtet ex officio einzuschreiten. Da der kathol. Kirchen in Schlesien, die mit der Kottwitzer unter gleichen Verhältnissen stehen, viele seyn mögen, wie denn in vielen gar nur alljährlich ein einmaliger Gottesdienst stattfindet; so scheint die dem gegebenen Falle analoge Anwendung des fraglichen Gesetzes zu einem sehr bedeutenden Resultate hinzuführen, jedesfalls aber durch die Beschränkung des katholischen Pfarrgottesdienstes auf eine geringere Anzahl von Kirchen der katholischen Geistlichkeit, die bisher durch den Dienst an einer Unzahl von Filialen oder vereinigten Mutterkirchen erschwerte und zersplitterte Amtsführung bedeutend erleichtern zu wollen, so daß durch diese heilsame Aussonderung eines nutzlosen Ballasts überflüssiger Kirchen die katholische Kirche an intensiver Kraft gewißlich nicht verlieren wird. Da die große Hauptmasse des durch diese Maßregel vacant werdenden Kirchenvermögens lediglich zum Vortheil der kathol, Kirche selbst verwendet werden soll, so hat dieselbe auch keine reelle Beeinträchtigung ihrer finanziellen Interessen zu befürchten. Kein billig denkender Katholik wird aber, in Berücksichtigung der im 17. Jahrhunderte an den evangelischen Gemeinden Schlesiens katholischer Seits verübten Unbilden<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Vergl. J. G. Worbs, die Rechte der evang. Gemeinden Schlesien's an den ihnen im 17. Jahrhundert gewaltthätig genommenen Kirchen und Kirchengüten, geschichtlich dargestellt. Sorau 1825.</p>
            </note> der armen evangelische Kirche die geringen Brocken mißgönnen, die ihr bei dieser Gelegenheit von dem Tische ihrer reichen Schwester etwa zufallen möchten. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. K.-Z.)</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Königsberg</hi>, 7. Juli. Mit der Muckerei ist's nun still und stumm, und sie treibt ihr Wesen jetzt ganz im Geheimen. Von dem Urtheil über die in Untersuchung stehenden Geistlichen Ebel und <hi rend="italic">Distel</hi> will noch immer nichts Sicheres verlauten, obgleich es schon einmal hieß, sie wären zu schwerer Strafe bestimmt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Cass. A. Z.)</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Danzig</hi>, 14. Juni. Die Gesellschaft zur Bekehrung der Juden in London (ein Witzbold — es war wahrscheinlich ein jüdischer Börsenmann, dem das Wort Schuldentilgungskommission vorschwebte, hat sie „Judentilgungs-Kommission“ genannt) hat bekanntlich Töchter-Vereine in Deutschland, und unter andern auch einen solchen hier. Diese Vereine mögen das Bekehren der Alten etwas zu schwer finden, und richten daher ihr Augenmerk mehr auf das Unterrichtswesen der Jungen. Es scheint dabei vorzüglich darauf abgesehen, der Jugend <hi rend="italic">indirekt</hi> das |Sp. 0984| Christenthum beizubringen, nämlich indem man ihr bei'm Lesen des alten Testaments zeigt, wie dort schon die Keime des neuen überall ausgestreut liegen. Wenn man sich hierauf beschränkte, so ließe sich, vom allgemeinen christlichen Standpunkte aus, nichts dagegen, ja sogar viel dafür sagen; allein es scheint diese Methode den Bekehrern, welche doch auch dafür zu sorgen haben, daß von Zeit zu Zeit etwas über die Resultate ihrer Bemühungen in den Jahresversammlungen zu London und Berlin verlaute, nicht schnell genug zum Ziel führen, man hätte dabei das Nachwirken des eigenen Nachdenkens der Schüler, abzuwarten, und das kommt bekanntlich erst in reiferen Jahren. Man nahm daher auch seine Zuflucht zu direkteren Mitteln, indem man die jüdische Jugend zur Anhörung christlicher Predigten in die Kirche führte. Hiergegen nun hat kürzlich die hiesige Synagoge feierlich protestirt. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Fr. M.)</p>
         <p rend="UKZ text">— Das Justizministerium in Berlin hat ein Rescript folgendem Inhaltes erlassen: „Nach Vorschrift des allgemeinen Landrechtes müssen uneheliche Kinder, deren Mutter eine Christinn, deren Vater aber einer anderen Religionspartei zugethan ist, bis zum geendigten 14. Jahre in der christlichen Religion erzogen werden. Dasselbe findet statt, wenn der Vater ein Christ, die Mutter aber einer andern Religionspartei zugethan ist. Es ist die Frage entstanden, ob eine Uebereinkunft der Eltern an diesen Vorschriften etwas ändern könne? Da jedoch uneheliche Kinder nach dem allgemeinen Landrechte nicht unter der Gewalt des Vaters, sondern lediglich unter der vom Staate für sie angeordneten Vormundschaft stehen, und die Vorschrift des §. 78. Th. II. Tit. 2. auf uneheliche Kinder keine Anwendung leidet, so kann dem Vater eine Einwirkung auf den dem Kinde zu ertheilenden Religionsunterricht überhaupt nicht zugestanden werden. Die vormundschaftlichen Behörden sind vielmehr verpflichtet, in dergleichen Fällen dafür Sorge zu tragen, daß die Kinder in dem christlichen Glaubensbekenntnisse erzogen werden. Mit diesen Grundsätzen haben sich des Königs Majestät in der Allerhöchsten Cabinetsordre vom 21. Dez. v. J. einverstanden erklärt.“</p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. K.-Z.)</p>
         <p rend="UKZ text">‒ † ‒ <hi rend="italic bold">Münster</hi>. Die Provinzial-Stände von Westphalen, denen die Interessen der Religion stets am Herzen lagen, haben von Neuem einstimmig eine Adresse an den König von <hi rend="italic">Preußen </hi>votirt, um die Abschaffung des Gesetzes zu erbitten, daß die katholischen Soldaten verpflichtet, Sonntags dem protestantischen Gottesdienste beizuwohnen. Das ganze Land, der Adel, der Bürgerstand und das übrige Volk begehren das Ende dieser Anordnung. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p rend="UKZ text">— Die hiesige theologische Facultät hat dem Landdechanten und Jubilarpriester <hi rend="italic">Franz Darup</hi> zu Sendenhorst, in Anerkennung der vielen Verdienste desselben in Wort, Schrift und Beispiel um die katholische Kirche und Wissenschaft, das Doktordiplom übersandt, welches dem würdigen Manne am 29. Dez. v. J. überreicht wurde. Früher verlieh ihm auch des Königs Maj. den rothen Adlerorden dritter Klasse. Wenn das <hi rend="italic">wirkliche</hi> Verdienst solche Anerkennung findet, muß die Theilnahme immer mehr steigen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(A. K. Z.) </p>
         <p rend="UKZ text">‒ † ‒ <hi rend="italic bold">Köln</hi>. Der König hat eine beträchtliche Summe bewilligt, um das Loos der auf dem linken Rheinufer belegenen Pfarreien zu verbessern. Von 1837 an werden jährlich 22,084Thlr. (81,931 Fr. 64 Cent.), aber nur während der ersten drei Jahre nach der gewöhnlichen Vertheilungsweise, verwendet. Nach Ablauf dieses Zeitraums werden die nöthigen Maßregeln ergriffen werden, um sich eine genaue Kenntniß von den Hilfsmitteln der einzelnen Kirchen zu verschaffen, welchen Unterstützungen ferner zu verabreichen sind. Von jenen 22,084 Thlr. erhalten die katholischen Pfarreien jährlich 15,484 Thlr. (57,449 Fr. 34 Ct.), die protestantischen 6,599 Thlr. (24,482 Fr. 30 Ct.) Die Vertheilung an die erstern geschieht so, daß von der jährlichen Summe auf den Regierungsbezirk <hi rend="italic">Aachen</hi> 3,270 Thlr., auf den Regierungsbezirk <hi rend="italic">Koblenz</hi> 3,914 Thlr., auf den Regierungsbezirk <hi rend="italic">Köln</hi> 4,005 Thlr., auf den Regierungsbezirk <hi rend="italic">Düsseldorf </hi>2,074 Thlr., und auf den Regierungsbezirk <hi rend="italic">Trier</hi> 2,222 Thlr. kommen. Um sich zu überzeugen wie precair und elend die Existenz vieler Pfarrer in dieser Provinz war, wird es hinreichen, daran zu erinnern, daß nach jener Bewilligung noch nicht dahin zu gelangen war, das Einkommen eines jeden kathol. Pfarrers auf das festgesetzte Minimum von 300 Thlr. zu bringen. Für die protestantischen Geistlichen haben die Provinzialstände dasselbe |Sp. 0985| auf 400 Thlr. in Anspruch genommen. Jene königl. Bewilligung wird von allen denjenigen gebührend geschätzt werden, denen darum zu thun ist, ihre Pfarrer vor Noth und Mangel gesichert zu sehen. Obgleich wir nicht unbemerkt lassen können, daß es uns auffällt, der protestantischen Geistlichkeit in einer Provinz, wo die Reformirten nur die schwache Minorität ausmachen, eine erhöhte Besoldung ausgesetzt zu sehen, so wollen wir darüber gegen die Wohlthätigkeit keinen Streit erheben, sind vielmehr die ersten, welche die Beweggründe anerkennen, die zu dieser Erhöhung Anlaß gegeben haben und versichern, daß wir uns glücklich schätzen würden, nur Thatsachen ähnlicher tröstlicher Art veröffentlichen zu dürfen. </p>
         <p rend="UKZ 7 11 zeitschriften">(Univers)</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic bold">Kreuznach</hi>, 5. Aprill. Seit bereits länger, denn zwei Monaten hat sich hier ein Hilfsmissionsverein zur Bekehrung der Heiden zum Christenthum gebildet und sich an die bestehende Hauptmissions-Gesellschaft der Residenz Berlin angeschlossen; von dieser auch die freundlichsten Zusicherungen mit einem Auszuge aus den von dem Ministerium genehmigten Statuten für das Missionswesen erhalten. </p>
         <list type="ordered">
            <item>K. Z.)</item>
         </list>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte">Mecklenburg-Schwerin.</p>
         <p rend="UKZ text">* <hi rend="italic bold">Schwerin</hi>, den 20. Juli. In mehreren französischen Blättern ist der Wunsch laut geworden, unsere verehrte Prinzessinn Helene, nunmehrige vermählte Herzoginn von <hi rend="italic">Orleans</hi> möge dem Lutherthum entsagen, und den katholichen Glauben annehmen. Abgesehen davon, daß der Grund, weil dieser Glaube jener der Mehrzahl der Franzosen sey, wohl von besonnenen Katholiken selbst gar nicht als statthaft erkannt werden dürfte, — denn nur innere Ueberzeugung, unrücksichtlich irgend äußerer Verhältnisse rechtfertigt einen solchen Schritt, und gewiß würde man das Motiv nicht mehr gelten lassen wollen, wenn z. B. der Königinn von <hi rend="italic">Schweden</hi> angemuthet werden sollte, dem katholischen Glauben zu entsagen, weil seit 300 Jahren die Mehrzahl der Schweden Lutheraner sind, — so ist doch andrerseits die bei diesem Anlaß kundgewordene und unseres Wissens noch nicht veröffentlichte Conversionsgeschichte unseres verewigten Prinzen <hi rend="italic">Adolph</hi> bemerkenswerth, und dürfte darum auch Anspruch auf ein Plätzchen in der <hi rend="italic">Univ.-K.-Ztg</hi>. haben. Ein Pariser Blatt enthält darüber Folgendes: „Ein so schönes Beispiel wurde der jetzigen Herzoginn von <hi rend="italic">Orleans</hi> durch den Herzog <hi rend="italic">Adolph Friederich</hi>, geb. den 18. Dez. 1785, gest. 1822, gegeben. Von seiner Kindheit an zeigte er viel Neigung für den kathol. Glauben, und diese vergrößerte sich noch durch das Lesen vorzüglicher Werke. Es kam so weit, daß der junge Prinz von seinem Vater, dem Großherzog, die Erlaubniß erbat, sein Glaubensbekenntniß ändern zu dürfen. Sie wurde ihm verweigert, und um ihn von dem Gedanken abzubringen, schickte man ihn unter Leitung eines Gouverneurs auf Reisen, wobei die vorzüglichsten protestantischen Universitäten Deutschland's besucht, der Prinz aber von allem Umgange mit Katholiken und dem Lesen ihrer Schriften verhindert werden sollte. Dieß Verbot schwächte jedoch die Neigung des Prinzen nicht, vielmehr trug das Lesen protestantischer Schriften nur dazu bei, ihm neue Nahrung zu geben, und ihn von seinen Lehrsätzen abwendig zu machen. Er machte seinen Gouverneur zum Vertrauten seiner Zweifel, und dieser versuchte wohl, sie zu beschwichtigen, so gut er konnte, allein als kluger und gemäßigter Mann enthielt er sich aller Ausfälle und fanatischen Verläumdungen, welche sich so viele Protestanten gegen die Katholiken erlauben. Von der Geistesstärke des Prinzen selbst entzückt, überzeugt von der Nutzlosigkeit aller Maßregeln zur Abwendung von seinem Vorhaben, gestattete er ihm katholische Bücher zu lesen, und begnügte sich damit, dem Vater von der Sinnesart dieses interessanten jungen Mannes Rechenschaft abzulegen. Zu jener Zeit nun las Prinz Adolph „die Darlegung der Lehre des kathol. Glaubens von <hi rend="italic">Bossuet</hi>“ und „die Geschichte der Religion <hi rend="italic">Jesu Christi</hi>, das Meisterwerk des Grafen <hi rend="italic">Stolberg</hi>“ eine Lectüre, die einen tiefen Eindruck auf den Prinzen machte, und vollständig über ihn entschied. Das Exemplar der „Darlegung der katholischen Kirche“, dessen er sich bediente, ist von eigenhändigen Bemerkungen begleitet, aus welchen sich die Hauptbeweggründe zu seinem Uebertritt abnehmen lassen. Endlich erhielt er nach vielen Bitten von seinem Vater die Erlaubniß, dem Drange seines Gewissens zu folgen, jedoch solle sein Uebertritt fern von der Familie geschehen, |Sp. 0986| und er selbst seinen Aufenthalt in fremdem Lande nehmen. Ihm wurde jährlich eine bestimmte Summe ausgesetzt. Sein Uebertritt erfolgte zu <hi rend="italic">Genf</hi>. Frömmigkeit, anhaltende Religions-Uebungen und häusige Unterhaltungen über religiöse Materien zeugten, wie sehr er von dem wahren Glauben durchdrungen war, und gaben ein unzweifelhaftes, dauerndes und erhabenes Beispiel.</p>
         <p rend="UKZ text">Möge — schließt jenes Blatt — das Andenken an diese Bekehrung von der Prinzessinn <hi rend="italic">Helene</hi> nicht vergessen werden, und ihr das Verlangen einflößen, einen Glauben anzunehmen, zu welchem sich der bei Weitem allergrößte Theil der Einwohner des Landes bekennt, das seit so langer Zeit von Fürsten beherrscht wurde, deren vornehmster Titel stets der: <hi rend="italic">allerchristlichsten Königs und geliebten Sohns der Kirche war</hi>.“</p>
         </div>
         
         
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.</head>
         
         <div type="tais">
         <head>Israelitische Abtheilung.</head>
         <p rend="UKZ 5 11 kursiv mitte"><title>* Neuere religiöse Poesie der Juden.</title></p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="bold">Von L. </hi>
            <hi rend="italic bold">Seligmann</hi>
            <hi rend="bold">, Candidat der jüdischen Theologie. </hi>
         </p>
         <p rend="UKZ text">(Schluß.)</p>
         <p rend="UKZ text">So hätten wir die vorzüglichsten in hebräischer Sprache verfaßten religiösen Dichtungen neuerer Zeit gewürdigt. Schon lange hatten wir uns keines größern hebräisch geschriebenen Gedichtes (mit Ausnahme etwa der Zionide von <hi rend="italic">Fürstenthal</hi>, dem geistreichen Uebersetzer des הוֹבוֹת הַלְבָבוֹת erfreuen, und wohl mag behauptet werden, daß überhaupt die national-jüdische, namentlich religiöse Poesie immer mehr ihrem Ende entgegengehe, je mehr wir uns der allgemeinen europäischen Kultur und unsern Mitmenschen anschließen, so daß man sagen möchte, gerade unsere bürgerliche Wiedergeburt, welche so mächtig die Herzen der heutigen Israeliten bewegt, sey der Tod unserer Poesie, der schönsten Blüthe geistigen Lebens. Wir wenden uns nun zu den neuesten deutsch geschriebenen auf dem Boden der Bibel oder der Sage erwachsenen religiösen Dichtungen. Zuvorderst müssen „die Stufengesänge von Leopold <hi rend="italic">Stein</hi> (Würzburg 1834)“ genannt werden. In den Kreis unsrer Betrachtung gehören nur zwei, <hi rend="italic">Joseph</hi> und <hi rend="italic">Jedida</hi> (S. 18), und <hi rend="italic">Amnon</hi> (S. 63), wovon das erstere die schönen Legende Talmud Gittin pag. 58 behandelt. Zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels lag in Salem unter den zahlreichen andern Leichen eine Mutter, das lebende Kind in dem Arme. Der edle kinderlose Probus nimmt das weinende Mädchen mit sich nach Hause, erzieht es und wird ihm zweiter Vater, da der wahrhafte schon längst zu Grabe gegangen. Marcus aber, der Freund des Probus, ebenfalls der Kinder beraubt, nimmt einen treuen Knecht, Publius, an Kindesstatt an. Publius und Proba (so nannte der edle Pflegevater das Mädchen) wachsen mit einander heran, und lieben sich. Mit Entzücken sehen die beiden Freunde die Liebe ihrer Kinder von Tag zu Tag inniger werden. Publius und Proba wurden Bräutigam und Braut. Schon sitzen die Gäste bei‘m hochzeitlichen Schmause, als ein ermatteter Greis herein tritt, um ein Stück Brot bittend, damit er sich vom Hungertode errette. Das überglückliche Brautpaar wird vorgeführt, damit der Alte ihm „Wohlergehen prophezeie“; aber Entsetzen bemächtigt sich aller Anwesenden, als der Alte in Proba seine Tochter <hi rend="italic">Jedida</hi>, und hierauf in Publius seinen Sohn, <hi rend="italic">Joseph</hi>, erkennt. — Das Ganze ist mit tiefpoetischem Gefühle und mit Wärme dargestellt. Man lese nur folgende Stelle:</p>
         <p rend="UKZ text">In der Mutter starren Armen, </p>
         <p rend="UKZ text">An der Brust, der nimmerwarmen, </p>
         <p rend="UKZ text">Lag ein Mägdlein, wunderhold; </p>
         <p rend="UKZ text">„Mutter“, schrie das Kind, ach beste, </p>
         <p rend="UKZ text">„Traute Mutter! hörst Du nicht?“ </p>
         <p rend="UKZ text">Mütterchen, ach schläft so feste, </p>
         <p rend="UKZ text">Hört nicht, wenn Jedida spricht.</p>
         <p rend="UKZ text">Die Erzählung, die der Alte von seinem und seines Volkes Unglück gibt, ist vorzüglich gelungen.</p>
         <p rend="UKZ text">|Sp. 0987| Das zweite behandelt eine nicht minder interessante Legende aus dem 13ten Jahrhundert im Piut von Rosch Haschana. Amnon soll, auf Befehl seines Gönners, des Erzbischofs von <hi rend="italic">Mainz</hi>, seinen Glauben, wenn auch nur äußerlich, verläugnen. 3 Tage erhält er zur Bedenkzeit, und 3 Tage kämpft er gegen sich selbst den heftigsten Kampf. Nach Verlauf derselben macht er sich aber die peinlichsten Vorwürfe darüber, daß er nur einen Augenblick unentschieden seyn konnte:</p>
         <p rend="UKZ text">Zur Bedenkzeit? was war zu bedenken? spricht er zu sich selbst, </p>
         <p rend="UKZ text">Und drei Tage? Traten mir entgegen </p>
         <p rend="UKZ text">Zeugend, warnend nicht dreitausend Jahre?</p>
         <p rend="UKZ text">Er ruft selbst die Strafe des Himmels auf sein gottlos Haupt herunter. Mit kühnen Galubensworten tritt er vor den Fürsten, welcher, erbittert über diesen Ungehorsam, seinen Freund in den Kerker werfen läßt. Amnon sinkt auf‘s Krankenlager, an der Seite seiner treuen Rahel. Schon naht der Tod, da läßt er sich mit dem Krankenbette in die Synagoge tragen, wo die Gemeinde (es war Neujahr ראׁש הַשָׁנָה) im Sterbekleide gerade das Dreimalheilig zu beten, im Begriffe war. Mit starker Stimme spricht er nun vor der Bundeslade noch ein Loblied an Gott (das נְתַנָה תּוֹקֶף), da „fleugt des Dulders freie Seele himmelwärts.“ Rahel folgt ihm bald nach in's Grab.</p>
         <p rend="UKZ text">Wir hätten gewünscht, daß mit dem Leichenzuge, welcher vor dem Pallaste des Erzbischofs vorüberzieht, und ihm noch eine Thräne entlockt, das Gedicht schlösse. Das Gesicht des Kleonymos schwächt den Totaleindruck. Eine wohlthuende Jugendfrische und heitere Wellanschauung gibt sich indessen fast allenthalben zu erkennen, und wo des Guten so viel ist, kann einzelnes minder Gelungene übergangen werden. Jedenfalls hat der Verfasser das Verdienst, gezeigt zu haben, wie auch die Hagada und der Midrosch Manches enthalten, dessen sich die Poesie bemächtigen kann. Mochte sich die Muse des talentvollen Verfassers mehr solchen Legenden zuwenden!<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="UKZ 8 fussnote"> Wir gedenken hier auch noch einer poetischen Bearbeitung der Sage im Talmud Thanith pag. 21 über den wegen seiner Entschlossenheit und Fassung, vermöge deren alle Widerwärtigkeiten und Verlegenheiten besiegt wurden, so genannten נָחוּם אִׁישׁ גּם זו) von Abraham Stabel aus Austerlitz (Bikure haithim תקץ S. 152.)</p>
            </note>
         </p>
         <p rend="UKZ text">Steinheim endlich war der Letzte, welcher ein größeres Gedicht (Sinai, Gesänge von Obadiah, dem Sohne Amos von Dr. S. L. <hi rend="italic">Steinheim</hi>, Altona 1823), mit einem biblischen Vorwurfe schuf. Mit Recht legt Steinheim seine Gesänge dem Obadiah in den Mund, denn in der That weiß er seiner Zionsharfe Töne zu entlocken, welche uns in ihrer Reinheit in die schönsten Propheten-Zeiten zurückversetzen. Dieser religiöse Hymnus ist eine Zierde unserer neuen poetischen Literatur. Wir bewundern nicht nur die reichbegabte Einbildungskraft, sondern lieben noch mehr das herrliche Gemüth. Da begegnet uns nichts, was nicht erhöbe, da ist Alles rein und lauter wie das Licht.</p>
         <p rend="UKZ text">Du sah'st mich einst (redet er seine Gattinn Hannah, der er sein Lied widmet, an) </p>
         <p rend="UKZ text">Du sah'st mich ernst; da legt' ich den Finger </p>
         <p rend="UKZ text">Auf Dein Aug' und schloß es. –</p>
         <p rend="UKZ text">Du wirst mich schauen. Dann leg' ich den Finger </p>
         <p rend="UKZ text">Auf Dein Aug' und öffn' es. Wandle des Lebens lärmende Straße! </p>
         <p rend="UKZ text">Und ob Alles sich von Dir wende, </p>
         <p rend="UKZ text">Ich will Dir treu seyn! </p>
         <p rend="UKZ text">Ich weiß nicht, wie Dich Unsterbliche nennen; </p>
         <p rend="UKZ text">Aber ich grüße Dich meine Gattinn! </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Mit dem Gruße des heiligen Saitenspiels; </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Und Dir sing' ich das Lied der Erlösung, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Weil mein Auge Dich schaut, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Dich, Freude meiner Seele, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Weil an dem Deinen mein Herz schlägt.</p>
         <p rend="UKZ text">Moses, der Befreier der Israeliten aus dem ägyptischen Sklavenhause ist der große Mittelpunkt des großartigen Epos. Seine |Sp. 0988| Handlungen, wie seine Worte sind, wie in der Bibel, bis zur Göttlichkeit verklärt, würdig des Mannes, der Gott aus dem Himmel auf die Erde rief (Midrasch Rabba, פַּרְשַת נָשָאׁ) der mit Gott sprach von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mensch mit dem andern spricht (2 Mos. 33,11). Ihm folgt der Dichter von der Zeit an, wo er auf Midian's Bergen Jethro's Heerden weidet, das eine Auge gerichtet auf die Leiden seines Volkes unter Aegyptens grausamem Pharao, das andere auf das gelobte Land, in das er nur von ferne schauen, aber nicht kommen sollte, bis zur Schlacht mit Amalek. Die Hartnäckigkeit Pharao's der da sprach „wer ist der Ewige, dessen Stimme ich gehorchen sollte“ (2 Mos. 5,2) seine und seiner Priester gegenseitige Eifersucht und Tücke, die gern den Andern preisgibt, wenn nur die eigne Macht gerettet wird, die Gräuel des ägyptischen Osirisdienstes sind mit tiefer Kenntniß des Alterthums und des Menschen überhaupt, das abscheuliche Fest des Moloch (3 Mos. 18,21) trefflich geschildert.</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Vater der Menschen! Richter der Menschen! (ruft die hohe Seele des Sängers)</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Jeden Trieb der Liebe zerreißt die Verirrung; </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Frommer Glauben wird zum heiligen Wahnwitz; </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Und was den Menschen hebt, des Ewigen Ahnung, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Wehe uns! wandelt ihn zum blutdürstigen Raubthier. </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Ach! wann schau'st Du herab auf die Werke des Abgrunds, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Und vertilgst von der Erde die Schande der Menschheit?</p>
         <p rend="UKZ text">Rührend dargestellt ist der Schmerz der unglücklichen Thirza und des Joal, welche ihr einziges Kind dem glühenden Ungethüme zu opfern, sich von der einen Seite durch ihre angeerbte Religion für verpflichtet halten, aber von der andern vor dem Flammentode, den die zahllosen andern Kinder sterben, zurückschaudern, mit dem weinenden Sohne fliehen, aber von den Schergen des Feuerungeheuers eingeholt, und selbst dem Tode geweihet werden.</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Ach daß Thirza gebären mußte! — so ruft sie — </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Daß Du, theurer Gemahl, mich Mutter begrüßtest! </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Daß ich die bittersüßen Weh'n überwunden! </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Den Flammen gebar ich, nicht Dir, den Sprößling,</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Sieh' Deinen Knaben und meinen, und klage mit mir! </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Schau‘ ihm noch Einmal in die dunkeln Augen! </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Süße Töne lallt er, er ruft seinen Vater. </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Schmerzensknabe! o mögen die Götter mir zürnen, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Denn umsonst verberg' ich des Herzens Jammer.</p>
         <p rend="UKZ text">Ueber allen Ausdruck erhaben ist die Darstellung der Gesetzgebung auf Sinai (S. 459.)</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Berg des Zeugnisses — redet er den Sinai an — Fels des ewigen Denkmals,</p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Von der Liebe, von der Gnade des Ewigen, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Die sich erbarmt des Menschen in tiefer Verderbniß. </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Heil Dir, Sinai! Heil Dir Zwillingsgebirge! </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Heil Dir, Gipfel, wo der lebendige Born sprang, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Born des Ewigen, Adam's frohe Verheißung! </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Denn es lebet, was vom Quelle geschöpft hat, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Der mit breitern Wellen — Gott gebeut es — </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Durch die erlöste, wieder erstandene Welt strömt. </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Wer trug, Sinai, solche Wunder, wie Du trägst? </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Bruder Moria's bist Du, des Gipfels, den Gott wies, </p>
         <p rend="UKZ Gedicht">Seinem Geliebten — den Namen rief er auf Dir nur!</p>
         <p rend="UKZ text">Doch genug der Auszüge, denn wollten wir alle die erhabenen Stellen anführen, wir müßten das ganze Buch abschreiben. Jede Zeile zeugt von einem reinen, für das Höhere glühenden Gemüthe, welches überall den göttlichen Funken erkennt und mit Wärme zurückgibt. In Beziehung auf poetische Kunst darf sich das Werk kühn an die Seite der bessern Erzeugnisse, welche deutsche Muse auf diesem Gebiete hervorgebracht, stellen. Wenn die Seele unsers Dichters betrübt ist ob der Leiden seines Volkes, die auch noch in unsere Tage hineinreichen, so sind seine „Klagen“ nicht erheuchelt, wie diejenigen, welche man uns von Berlin aus vorlamentirt, sondern heraufgeholt aus einem vollen Herzen, nicht |Sp. 0989| hervorgegangen aus innerer Zerrissenheit und einem mehr Mitleid, als Theilnahme erweckenden Zwiespalte mit sich selbst, sondern aus einer Glaubenswärme, die unmittelbar das Gefühl trifft. Möchte uns der Verfasser bald wieder durch eine Gabe seiner Muse von der freundschaftlichen Musenstadt her erfreuen!</p>
         </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <head>Anzeigen.</head>
         <p rend="UKZ text">(57) In unterzeichneter Verlagshandlung ist so eben erschienen und durch alle soliden Buchhandlungen Deutschland's, der Schweiz, und des Auslandes zu beziehen:</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic">Das Resultat meiner Wanderungen durch das Gebiet der protestantischen Literatur</hi>, oder: die Nothwendigkeit der Rückkehr zur katholischen Kirche, ausschließlich durch die eigenen Eingeständnisse protestantischer Theologen und Philosophen dargethan Dr. <hi rend="italic">Julius V. Hoeninghaus.</hi>
         </p>
         <p rend="UKZ text">Zweite, vermehrte Auflage 1837. Erste Abtheilung oder Lieferung VI und 240 in gr. 8. Preis 1 fl. 21. Zweite Abtheilung, desgleichen. Die dritte und letzte folgt ehestens.</p>
         <p rend="UKZ text">Eins starke Auflage war nicht im Stande, die außerordentliche Nachfrage zu befriedigen, der hiemit eine so bald schon nothwendig gewordene <hi rend="italic">zweite</hi> Auflage entgegenkommt, welche am sprechendsten für das hohe Interesse dieses bedeutenden Werkes zeugt.</p>
         <p rend="UKZ text">Es ist solches das Ergebniß mehrjähriger Forschungen in den Schriften von mehr, als 360 namhaften protestantischen, insbesondere theologischen Autoren, sowohl älterer einschlüssig der Reformationszeit, als der neuern und neuesten, nicht nur deutscher, sondern auch französischer, ungarischer, schwedischer, dänischer, holländischer und insbesondere englischer, in <hi rend="italic">mehr, als zweitausend</hi> zu logischem Zusammenhange verbundenen wichtigen und merkwürdigen Ein- und Zugeständnissen.</p>
         <p rend="UKZ text">Mit dem hohen und gewiß für alle christlichen Confessionen wünschenswerthen Ziele, den gestörten Kirchenfrieden wieder hergestellt zu sehen, im Auge, zeigt der Hr. Verf., allemal bloß durch die eigenen sich untereinander bestätigenden Aeußerungen protestantischer Gelehrten, den Zustand des Protestantismus als eine natürliche Entwicklung aus seinem eigenthümlichen Prinzips, die Unzulänglichkeit und Inkonsequenz des letztern vom supernaturalistischen Standpunkte aus, und die alleinig völlig befriedigende Auskunft im Systeme des Katholizismus, entfaltet dieses System und behandelt die dogmatischen Divergenzen, welche die Eigenthümlichkeit der protestantischen Trennung hervorrief, nach Schrift, Tradition und Vernunft. Dann führt er den Leser auf den Boden der Geschichte und beleuchtet die Reformation mit besonderer Berücksichtigung sowohl ihrer theologischen Bedeutung, als ihres faktischen Herganges in Deutschland, der Schweiz, Holland, England, Schotttand, Frankreich, Ungarn, Schweden, Dänemark, Norwegen, Island etc., und reiht daran eine historische Entfaltung des durch sie in der lutherischen, reformirten, anglikanischen, taufgesinnten, socinianischen u. a. Kirchengenossenschaften durch die drei Jahrhunderte des Fortbestandes des Protestantismus bis auf unsere Zeiten fortentwickelten Sektengeistes. Endlich werden auch noch die Disziplin, der Kultus, und andere erhebliche Punkte behandelt, und der Schluß gezogen in einem Gesammtresultate.</p>
         <p rend="UKZ text">Die Verlagshandlung beschränkt sich darauf, einige der Beurtheilungen auszuheben, welche die hohe Bedeutung und das vorzügliche Interesse dieses wichtigen Werkes bestätigen.</p>
         <p rend="UKZ text">Eine vom Professor <hi rend="italic">Staudenmaier</hi> unterzeichnete Rezension in den Gießener <hi rend="italic">Jahrbüchern für Theologie und christliche Philosophie</hi> beginnt:</p>
         <p rend="UKZ text">„Man würde, wie wir glauben, die Tendenz des sehr gelehrten Hrn. Verfassers verkennen, wenn man glauben wollte, es seyen zunächst nur polemische Regungen gewesen, die ihn zur Herausgabe vorliegender Schrift, bestimmt haben. Etwas Edleres hat ihn sicher geleitet, Liebe zur Wahrheit und Liebe zum Frieden, der doch endlich in den Gemüthern hergestellt seyn will“ und schließt: „Es kann nicht fehlen, daß diese Schrift das <hi rend="italic">Interesse</hi> sowohl von <hi rend="italic">Katholiken</hi>, als <hi rend="italic">Protestanten in hohem Grade</hi> in Anspruch nehmen wird etc.“</p>
         <p rend="UKZ text">Eine Rezension in der zu Landshut erscheinenden Zeitschrift <hi rend="italic">Chrysostomus</hi> rühmt den „ ungemeinen Fleiß und die klare Erudition“ des Verfassers und sagt: „Wahrlich! eine seltene Arbeit; sie läßt sich den Schriften eines Cobbett und Thomas Moore mit vollem Recht an die Seite stellen.“</p>
         <p rend="UKZ text">Die von Dr. <hi rend="italic">Weis</hi> in Speyer redigirte Zeitschrift, <hi rend="italic">Der Katholik</hi>, sagt nach Darlegung des Inhaltes: Dieß mag genügen, auf die <hi rend="italic">Wichtigkeit</hi> dieses Werkes die Leser aufmerksam zu machen. Es läßt weit hinter sich, was <hi rend="italic">Sulzer</hi> in seiner „Wahrheit in Liebe,“ <hi rend="italic">Stark</hi> in „Theoduls Gastmahl“, <hi rend="italic">Hohenegger </hi>in den „Zeichen der Zeit“ und Andere in diesem Gebiete geleistet haben.“</p>
         <p rend="UKZ text">In einer Rezension in den <hi rend="italic">Katholischen Literaturblättern </hi>zur Katholischen Kirchenzeitung heißt es: „Der Gedanke ist neu und die Ausführung zeugt von einem erstaunlichen Fleiße und einer ungewöhnlichen Belesenheit. Bei dem <hi rend="italic">großen Interesse</hi> ihres Gegenstandes kann diese Schrift eine <hi rend="italic">bedeutende Sensation</hi> zu erregen, nicht verfehlen. In der protestantisch-theologischen Zeitschrift: <hi rend="italic">Die christliche Kirche in der Idee</hi>, von <hi rend="italic">Kempf</hi> und <hi rend="italic">Ullrich</hi> wird gesagt: „Zum Voraus müssen wir dem Verfasser das Zugeständnis machen, daß sich in seinem Buche eine wohl in Erstaunen setzende Belesenheit in der neuern und neuesten theol. Literatur der protestantischen Kirche zeigt so wie auch sein Fleiß im Sammeln und im Ordnen Anerkennung verdient.“</p>
         <p rend="UKZ text">Auch sogar die zu Rom erscheinende Zeitschrift, <hi rend="italic">Annali dello eqience religiose</hi>, hat bereits rühmliche Erwähnung dieser Schrift gemacht, welche sie eine <hi rend="italic">importantissima</hi> opera nennt.</p>
         <p rend="UKZ text">Auf das rühmlichste spricht sich dergleichen die holländische Zeitschrift <hi rend="italic">Catholijke nederlandsche Stemmen over Godsdienst, Staat-, Geschieden Letterkunde</hi> aus welche das Werk so wichtig fand, daß sie glaubte, eigens im Voraus auf die seitdem auch wirklich erschienene <hi rend="italic">Uebersetzung in's Holländische</hi> aufmerksam machen zu müssen, welcher Uebersetzungen in's <hi rend="italic">Französische</hi> und in's <hi rend="italic">Englische</hi> folgen werden. Das ganze Werk, von mehr, als 45 Bogen in gr. 8 rosset 4 fl. — oder 2 Rthlr. 6 gr. Geistliche und gebildete Laien jeder Confession werden es mit dem lebhaftesten Interesse lesen.</p>
         <p rend="UKZ text">
            <hi rend="italic">Theodor Pergay</hi>'sche Verlagshandlung in <hi rend="italic">Aschaffenburg</hi>.</p>
         <p rend="UKZ text">58) 	ששה סדרי משנה</p>
         <p rend="UKZ text">oder Mischnah, 6 Bände 4., über 200 Bogen, brosch., enthaltend den hebräischen Text punktirt, mit Lesezeichen versehen, mit hochdeutscher Uebersetzung daneben, und Erklärungen unter dem Texte, wie auch einen ältern rabbinischen Commentar. (Alles mit hebräischen Lettern) Berlin 1832-4.</p>
         <p rend="UKZ text">Diese schöne Ausgabe eines für jüdische Theologen unentbehrlichen und allen Freunden rabbinischer Literatur willkommenen Werkes, hat in wenigen Jahren so starken Absatz gefunden, daß die Kosten des Unternehmens reichlich gedeckt sind. Der Herausgeber (Dr.<hi rend="italic"> I. M. Jost</hi>, Verf. der Geschichte der Israeliten, und Mitredakteur der Universal-Kirchenzeitung) findet sich daher bewogen, eine Anzahl Exemplare, die ihm als Mitunternehmer noch zur Verfügung stehen, den Rabbinern, Lehrern, Candidaten und Freunden dieser Literatur, welche bisher des hohen Preises wegen (es kostete im Subsciptionspreise 10 Thlr.) es nicht angeschafft haben, so weit dieserVorrath reicht, zu dem <hi rend="italic">bedeutend ermäßigten Preise</hi> von 10 fl. anzubieten, und bei Partieen noch einen Rabbat zu gewähren. Näheres auf portofreie Briefe. Adresse Dr. <hi rend="italic">I. M. Jost</hi> in Frankfurt a. M.</p>
       
         </div>
         <div type="ber">
         <p rend="UKZ 2 13 zwischentitel">Berichtigungen.</p>
         <p rend="UKZ text">S. 951 Z. 57 v. u. l. statt glänzenden — <hi rend="italic">glänzender</hi>. — S. 952 Z. 2 v. o. st. Agorn — <hi rend="italic">Agora</hi>. — Z. 6 v. o. st. seinen — <hi rend="italic">seinem</hi>. — Z. 33-37 v. o. sind als Anmerkung zu parenthesiren.— Z. 65 v. o. st. Mensphim — <hi rend="italic">Meafphim</hi>. — Z. 66 v. o. st. Vergnügten — <hi rend="italic">verjüngten</hi>. — Z. 70 religiösen — <hi rend="italic">religiöser</hi>. — S. 953 Z. 4 v. o. st. anführe — <hi rend="italic">anführen</hi>. — Z. 39 v. o. st. diejenigen — <hi rend="italic">denjenigen</hi>.</p>
       </div>
         <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
         </p>
     </div>
      </body>
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</TEI>

