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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 25. Juni 1837, Nro. 51</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
               <persName ref="http://d-nb.info/gnd/1046474146"><forename>Beata</forename><surname>Mache</surname></persName>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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               <email>mac@steinheim-institut.org</email>
               <orgName role="hostingInstitution"> Steinheim-Institut</orgName>
               <address><addrLine>Edmund-Körner-Platz 2, 45127 Essen</addrLine>
<country>Germany</country>
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               <orgName role="project">DISS</orgName>
            </publisher>
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                  <p>CC by-nc-sa</p>
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               <idno type="URL">http://www.deutsch-juedische-publizistik.de/pdf/universal-kirchenzeitung_051.pdf</idno>
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         </publicationStmt><seriesStmt><title>Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title></seriesStmt>
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            <bibl type="J">
               Universal-Kirchenzeitung
            </bibl>
            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="51">25. Juni 1837, Nro. 51</title>
                  <editor>
                     <persName ref="http://d-nb.info/gnd/187133182">
                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
                     </persName>
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               </titleStmt>
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               </editionStmt>
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                  <measure type="column">16</measure>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-06-25</date>
                  <publisher>
                     <name>Varrentrapp</name>
                  </publisher>
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      <encodingDesc>
         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <language ident="deu">German</language>
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            <language ident="grc">Ancient Greek</language>
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               katholischen, und israelitischen Deutschland's.<lb/>Frankfurt a. M., den 25. Juni 1837. Nro. 51.
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        <div type="inhalt">
         <head>
         Inhalt: 
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Gustav</hi> 
            <hi rend="italic bold">Adolph</hi>
            <hi rend="bold">, König von </hi>
            <hi rend="italic bold">Schweden</hi>
            <hi rend="bold">, in der Jesuitenkirche zu </hi>
            <hi rend="italic bold">Neuburg</hi> 
            <hi rend="italic bold">an</hi> 
            <hi rend="italic bold">der</hi> 
            <hi rend="italic bold">Donau</hi>
            <hi rend="bold">. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>
            <hi rend="bold">.</hi> 
            <hi rend="italic">Türkei</hi>. <hi rend="italic">Konstantinopel</hi>; kathol. Kirchenfeier; Toleranz. — <hi rend="italic">Schottland</hi>. <hi rend="italic">Edinburgh</hi>; Bericht der Kirchenkommission; <hi rend="italic">Aberdeen</hi>; Kirchensteuer. <hi rend="italic">— Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Sachsen</hi>. <hi rend="italic">Dresden</hi>; kathol. Kirchenfeier; Ordensverleihung; Verhandlungen in der ersten Kammer über die Errichtung einer kathol. theol. Facultät in Leipzig; <hi rend="italic">Guben</hi>; Gottesacker. <hi rend="italic">Lippe</hi>-<hi rend="italic">Detmold</hi>. <hi rend="italic">Detmold</hi>; Ernennung des Pastors <hi rend="italic">Althaus</hi> zum Generalsuperintendenten. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> Rede, gehalten bei Einführung des Landes-Rabbiners. Vom Superintendenten und Kirchenrath Dr. <hi rend="italic">Christian Schreiber</hi> in Stadt-Lengsfeld. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Bemerkungen über die ausgesprochene relig. Ueberzeugung des Hrn. Dr. <hi rend="italic">L. Fulda</hi>. Von Dr. <hi rend="italic">L. Adler</hi> in Unsleben. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">De Maistre</hi> Examen de la philosophie de <hi rend="italic">Bacon</hi> etc. (Schluß). – </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Berichtigung. —</hi><lb/>|Sp. 0799|
         </p>
        </div>
           <div type="mantel">
         <head> Gustav Adolph, König von Schweden, im Jahre 1632 in der Hof- und Jesuiten-Kirche zu 
          Neuburg an der Donau.
         </head>
         <p>Es war der erste Mai, als König <hi rend="italic">Gustav Adolph</hi> das erstemal nach <hi rend="italic">Neuburg</hi> kam; in seinem Gefolge befand sich Herzog <hi rend="italic">August von Sulzbach</hi>, Pfalzgraf <hi rend="italic">Friederich von Heidelberg</hi> und ein Prinz <hi rend="italic">von Holstein</hi>, der mit dem Herzog <hi rend="italic">August von Sulzbach</hi> nahe verwandt war.</p>
         <p>Da der Krieg der Religion wegen entstanden war, so machten sich die Lutheraner von der Ankunft des Königs die größten Hoffnungen, indem sie gar nicht zweifelten, derselbe werde den Herzog <hi rend="italic">Wolfgang Wilhelm</hi>, zu Folge des väterlichen Testamentes, der Regierung entsetzen, und solche seinem älteren Bruder, dem wirklich anwesenden Herzog <hi rend="italic">August</hi>, einräumen, wo sodann das Papstthum hier von selbst würde ausgerottet werden.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="footnote text"> 
                  <hi rend="italic">Wolfgang Wilhelm</hi>, Pfalzgraf <hi rend="italic">bei Rhein</hi> und Herzog <hi rend="italic">von Neuburg</hi>, war nämlich im Jahr 1614 zur katholischen Kirche zurückgekehrt, welchen Schritt im nämlichen Jahre auch der berühmte Feldherr Gottfried Heinrich Graf <hi rend="italic">von Pappenheim </hi>gethan hatte, so wie ihn nachmals <hi rend="italic">Gustav Adolph's</hi> eigene Tochter, die gelehrte Königin <hi rend="italic">Christine von Schweden</hi>, that. H.</p>
            </note> Sie wurden in dieser so schmeichelnden Erwartung noch mehr durch den Umstand bestärkt, daß sogleich bei der Ankunft des Königs alle fürstlichen Trabanten, die bisher noch die Wache im Schlosse versehen hatten, den Befehl erhielten, sich sämmtlich aus der Stadt zu begeben, und die Schanze außerhalb der Donau zu bewachen. Alle fürstlichen Räthe hatten sich ebenfalls schon entfernt, und, was noch gar das größte Aufsehen machte, es wurde selbst der Statthalter <hi rend="italic">von Spiring</hi>, nebst noch einem andern der vornehmsten herzoglichen Beamten, <hi rend="italic">Fabriani</hi> mit Namen, in einem Zimmer des Schlosses in Arrest gesetzt, und erhielten noch dazu eine starke schwedische Wache. Niemand konnte sich die Ursache eines solchen Verfahrens vorstellen, viel weniger aber die Entdeckung machen, wer denn diesen Arrest anbefohlen habe; wiewohl man so ganz gewiß wußte, daß dieser Befehl nicht vom Könige hergekommen war.</p>
         <p>Der König hatte die Lage und die Schanzen der Stadt am 2. Mai Vormittags mit großer Aufmerksamkeit besichtiget, und kehrte sodann gegen Mittag wieder in das Schloß zurück. Hier hörte er, was sich mit den Herren <hi rend="italic">von Spiring</hi> und <hi rend="italic">Fabriani </hi>zugetragen hatte. Er gab Befehl, daß beide auf der Stelle in Freiheit gesetzt werden sollten, und zog noch dazu den Hrn. <hi rend="italic">von </hi>|Sp. 0800| <hi rend="italic">Spiring</hi> Mittags zur königlichen Tafel, mit dem er sich auf das Gnädigste unterhielt. Die Sensation, die dieses Betragen bei den Bewohnern <hi rend="italic">Neuburg's</hi> erregen mußte, läßt sich leicht errathen.</p>
         <p>Der darauf folgende Tag (der 3. Mai) lieferte eine Szene, die noch größeres Aufsehen erregte. Am Vormittage, da eben ein Jesuit die Messe las, kam der König mit den hohen benannten drei Fürsten in die Hofkirche, um selbe zu besehen. Der Pater Rektor, <hi rend="italic">Friederich Hundbiß</hi> hielt es für seine Pflicht, hiebei seine unterthänigste Aufwartung zu machen. Der König nahm ihn sehr huldreich auf, fragte ihn mit der größten Leutseligkeit um seinen Namen, Vaterland, Amt u.s.w., und sagte dann (die Messe war eben bei dem Kanon):</p>
         <p>„Es ist doch wunderlich, daß bei Euch Katholiken das Opfer der Messe so still entrichtet wird, daß kaum der nächst daran Stehende die Worte des Priesters hören kann, da es doch eine von den ersten Pflichten eines Priesters ist, das unverständige Volk zu unterrichten, auf welches doch bei den Katholiken in ihrer Messe und Liturgie im Geringsten nicht gesehen wird.“</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Die Priester haben die Pflicht, theils für das Volk zu beten und zu opfern, theils dasselbe zu unterweisen. Letzteres geschieht bei uns Katholiken nicht bei der Messe, sondern in den Predigten, Christenlehren, Privatgesprächen und jeder anderen schicklichen Gelegenheit. Zum Beten aber und Opfern hat es eben keiner lauten Stimme vonnöthen, indem Gott ja auch die innersten Gedanken des Herzens nicht unbekannt sind. Vielmehr ist selbst das majestätische Stillschweigen, das bei einigen Stellen des Meßopfers beobachtet wird, ganz dazu geeignet, dem anwesenden Volke einen hohen Begriff und tiefe Ehrfurcht gegen dieses erhabene Geheimniß einzuflößen.</p>
         <p>(Nun ging der Zug über die vorderen Staffeln herunter, und es wurden die Seitenaltäre, beide von <hi rend="italic">Rubens</hi>, betrachtet.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">König</hi>. Wahrlich, schöne Gemälde und große Meisterstücke! Allein es ist denn doch gewiß nicht recht, daß Ihr sie anbetet.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Beileibe nicht, Euere Majestät! Wir sagen im Gegentheile selber, daß es eine grobe Abgötterei seyn würde, was immer für ein geschnitztes oder gemaltes Bild anzubeten. Wir hängen dergleichen Bilder in unseren Kirchen nur darum auf, um uns derselben als eines Mittels zu bedienen, uns desto leichter durch ihren Anblick von der Erde aufwärts zu Gott zu erschwingen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">König</hi>. Das ist ganz recht; allein wenn Ihr sie nicht anbetet, warum beuget Ihr denn die Kniee vor ihnen?</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Die Verbeugung geschieht nicht den Bildern, sondern dem Geheimnisse, oder auch dem Heiligen, den sie vorstellen. |Sp. 0801| Nur diesem, oder so einem Geheimnisse wird durch so eine Kniebeugung Ehre erwiesen. Uebrigens ist ja eine Kniebeugung noch keine Anbetung; denn auch vor fürstlichen Personen beuget man die Kniee, ohne sie deßwegen anzubeten; sondern nur, ihnen dadurch die denselben vor andern Menschen schuldige Ehrerbietung zu bezeigen.</p>
         <p>(Hier trat ein anderer Opponent auf, nämlich Herzog <hi rend="italic">August von Sulzbach</hi>, der die letzte Antwort des Pater Rektors mit einer Distinktion beantwortete, und sagte:)</p>
         <p>„Vor lebendigen Fürsten ja beugt man wohl die Kniee, nicht aber vor toten oder gemalten.“</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Die Heiligen im Himmel sind ja auch nicht todt, sondern leben wirklich, und als Freunde Gottes verehren wir sie. Dieselben anzubeten, bleibt aber immer verboten, und wenn sie auch selbst in Person vor unsern Augen erscheinen sollten.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">König</hi>. Wenn Ihr Euere Bilder nicht zur Anbetung ausstellt, so müßt Ihr dabei doch wenigstens die Absicht haben, durch selbe von den gemeinen Leuten auf eine feine Art durch Opfer Geld herauszulocken.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Euere Majestät befinden sich hier in der ersten und Hauptkirche der hiesigen Stadt, und Sie sehen darin weder einen Opferstock, noch sonst etwas, so auf eine dergleichen Geldmacherei könnte abgesehen seyn.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Herzog August</hi>. Ich habe aber doch zuverlässig gehört, daß mein Bruder, der Herzog, seinem Beichtvater für jede Beichte, die er bei ihm ablegt, fünfzig Dukaten bezahlen muß.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Da würde Se. Durchlaucht das Beichten in einem Jahre theuer zu stehen kommen; denn ungeachtet seines frommen Lebenswandels, beichtet derselbe doch beinahe alle vierzehn Tage. Uebrigens wird bei uns Katholiken für das Beichten nirgendwo in der Welt etwas, am allerwenigsten aber bei den Jesuiten, angenommen, die, kraft ihres Institutes, für ihre geistlichen Dienste lediglich gar nichts annehmen dürfen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">König</hi>. Aber dem werden Sie doch nicht widersprechen, daß bei Euch die so zahlreichen Wallfahrten ungemein viel Geld eintragen. Gott ist überall gegenwärtig; man kann ihn also auch überall anbeten. Zu was dienen aber die Wallfahrten anders, als zum Geldschneiden?</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Der Gebrauch, wallfahrten zu gehen, ist nicht neu, sondern schon uralt, und es läßt sich nicht läugnen, daß ein Ort (oder eine Kirche) mehr, als der andere, geeignet ist, das Herz des Betenden zu Gott zu erheben, und ihm Andacht einzuflößen. Auf diese Herzerhebung und Andacht kommt alles an, nicht aber auf den Ort; denn, wie Eure Majestät selbst zu sagen geruhen, man kann Gott an einem Orte eben so gut, als an dem andern, anbeten, und eben darum kann Jemand der beste katholische Christ seyn, wenn er auch seine Lebtage keinen Schritt weit wallfahrten gegangen ist.</p>
         <p>(Dem Könige, dem von Jugend auf ganz andere Ideen waren beigebracht worden, schienen einige dieser Antworten unerwartet gekommen zu seyn. Er klopfte deßwegen dem Pater Rektor mit der Hand sanft auf die Schulter, und sagte im huldvollsten Tone:)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">König</hi>. Pater Rektor, glauben Sie das alles aufrichtig, was sie mir da gesagt haben?</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. O ja, Eure Majestät, und nicht nur ich, sondern mit mir alle Katholiken; allenfalls nur diejenigen ausgenommen, welche in ihrer Religion schlecht unterrichtet sind, dergleichen es in allen Religionen gibt.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">König</hi> (sanft lächelnd). Bei mir sind es nun schon mehrere Jahre, wo ich kaum einmal mehr in die Kirche gekommen bin.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Rektor</hi>. Man kann Gott allerdings auf mehrere Arten dienen, als mit Kirchenbesuchen. Die Welt weiß es, und Gott noch besser, mit was für einer Last von Geschäften Euere Majestät seit einigen Jahren beladen sind.</p>
         <p>(Schluß folgt.)<lb/>|Sp. 0802|</p> 
           </div>
             <div type="kn">
         <head> Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Türkei</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Konstantinopel</hi>, den 31. Mai. Gestern, als am hohen Namensfeste Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich, wurde auf Veranstaltung des k. k. Internuntius, Freih. von <hi rend="italic">Stürmer</hi>, ein feierliches Hochamt mit Tedeum von dem hies. kathol. Erzbischofe, Msgr. <hi rend="italic">Hillereau</hi>, in der unter österreichischem Schutze stehenden Pfarrkirche zu Santa Maria Draperis gehalten. Dieser kirchlichen Feier wohnten, nebst dem Internuntiatur-Personale, auch die k. sardinische und die großh. toskanische Gesandtschaft in der Staats-Uniform, so wie alle k. k. Unterthanen bei. Die k. k. Korvette Veloce, so wie zwei österreichische, hier vor Anker liegende Dampfboote gaben die übliche Salve. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. M.)</hi>
         </p>
         <p>— Berichte aus Konstantinopel vom 24. Mai melden, daß der Sultan auf seiner Reise in Schumla an den Pascha, die Ulema's und die türkischen Chefs und Notabeln folgende Anrede hielt: „Das Glück, die Wohlfahrt und die Ruhe aller Meiner Unterthanen überhaupt, ohne Unterschied der Religion, sind jederzeit Mein erster Gedanke, und alle Meine Sorgfalt stets auf dieses Ziel gerichtet gewesen. Zu diesem Ende habe Ich die active Armee und die Landwehr organisiren lassen, und opfere beträchtliche Summen für den Bau und die Ausbesserung der Festungen Meines Reiches. Ich will, daß Ihr sorgfältig und ohne Unterlaß für das Wohl meiner Unterthanen, ohne Unterschied der Religion, wachet. Meine Anwesenheit in dieser Stadt hat keinen andern Zweck als den, die Befestigungsarbeiten selbst in Augenschein zu nehmen, den Zustand Meiner Unterthanen mit eigenen Augen zu sehen, und Euch persönlich Meine Befehle zu wiederholen, und es ist Mein kaiserlicher Wille, daß Ihr Euch streng und gewissenhaft darnach richtet. Indem Ich von Meinen Unterthanen spreche, meyne ich nicht bloß die Bewohner dieser Stadt, sondern die Bewohner Meines ganzen Reiches, ohne Unterschied der Religion. Betet daher für die Wohlfahrt und den Ruhm Meines Reiches und unserer Religion, so wie für die Erhaltung Meiner Tage.“ — An die griechischen, armenischen und jüdischen Rajas sich wendend, sprach der Sultan: „Ihr habt so eben die Befehle vernommen, die Ich in Eurer Gegenwart den Oberhäuptern dieser Stadt ertheilt habe. Ihr seht, daß Ich durchaus keinen Unterschied zwischen Euch und den Muhamedanern, die Religion ausgenommen, mache. Ihr seyd alle Meine Unterthanen, und Euer Glück liegt Mir ebenso am Herzen, wie das der Muhamedaner; seyd daher gehorsam, zahlt die Steuern, die auf Meinen Befehl erhoben werden, und betet zu dem Allmächtigen für die Wohlfahrt und den Ruhm Meines Reiches, so wie für die Erhaltung meiner Tage. — Fehlt Euch etwas? Bedürfen Eure Kirchen der Ausbesserung? Ihr seyd hier alle in meiner Gegenwart versammelt; wenn Ihr etwas nöthig habt, so richtet Euer Gesuch an Said Pascha, dem Ich Meine Befehle ertheilt habe.“ — Aehnliche Reden und Aufforderungen wurden überall an die muhamedanischen Ortsbehörden und Vorsteher der verschiedenen Nationen gerichtet. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Rh.- u. M.-Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>— In Pera ist in voriger Woche eine medizinische Schule eröffnet worden. Das Studium der prakt. Anatomie erlaubten die Ulema's allein unter der Bedingung, daß nur Körper von Christen und Juden secirt werden sollen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Ztg. des Judenthums, No. 1, Mai 1837)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Schottland</hi>.</p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Edinburgh</hi>. <hi rend="italic">Erster Bericht von der Kirchen-Commission für Schottland.</hi> Dieser Bericht, der sich ausschließlich über <hi rend="italic">Edinburg</hi> verbreitet, und sehr interessante Materien behandelt, füllt 350 Seiten. Dadurch wird nachgewiesen, daß durchschnittlich in den Pfarrkirchen und an andern mit der herrschenden Kirche verbundenen Predigt-Orten 29,370 mal Gottesdienst gehalten wurde, während dieß in den Kapellen der Dissenters 33,542 mal der Fall war. Die Versammlungen in der erstern Glaubensgenossenschaft waren 26,220, der dissentirenden Meetings 30,275. Solche statistischen Uebersichten sind von unendlichem Werthe, weil sie das Publikum über Thatsachen belehren, und das Vorurtheil beseitigen, von den vergleichsmäßigen (comparative efforst) Wirkungen des eingesetzten und nicht eingesetzten |Sp. 0803| Christenthums und die religiöse und moralische Belehrung des Volkes befördern. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Evang.-Magaz., Mai 1837)</hi>
         </p>
         <p>— Im Oberhause zu London brachte Lord <hi rend="italic">Huddington</hi> den neulich im Hause der Gemeinen besprochenen Bericht der schottischen Kirchencommission in Anregung. Lord <hi rend="italic">Melbourne</hi> erklärte, die Regierung werde alles Mögliche thun, um die Interessen der schottischen Kirche zu schützen und zu fördern, sey jedoch nicht gesonnen, eine Geldbewilligung für Errichtung neuer Kirchen in Schottland vorzuschlagen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Aberdeen</hi>. Die Agitation der hochkirchlichen Geistlichen gegen die nur aufgeschobene Abfassung der Kirchensteuern in allen Theilen des Landes dauert fort. Zu <hi rend="italic">Bourtir</hi> in der schottischen Grafschaft <hi rend="italic">Aberdeen</hi> benutzte hiezu der Pfarrer sogar die Kanzel, indem er Sonntags nach dem Gottesdienste von derselben herab eine Strafrede gegen die Minister hielt und seine Heerde zur Unterzeichnung einer Bittschrift gegen die Kirchsteuerbill aufforderte.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Speierer Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Deutschland</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Sachsen</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Dresden</hi>, den 7. Mai. Am 5. d. M., dem Jahrestage des Ablebens unseres trefflichen, nie unserm Gedächtnisse entschwindenden Königs, <hi rend="italic">Friedrich August</hi>, fanden, zum Andenken an denselben, Vormittags in der katholischen Kirche Exequien Statt. Die Kirche war schwarz decorirt, mit dem sächsischen Wappen und den Namenszügen des Seligen behangen. Die ganze königl. Familie wohnte, nebst dem Hofstaate in tiefer Trauer bei.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Hannovr. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>— Der Pastor in Seifertshain, <hi rend="italic">Vater</hi>, erhielt kürzlich bei der Feier seines Amts-Jubiläums zur Anerkennung seiner vorzüglichen treuen und nützlichen Amtswirksamkeit, das Ritterkreuz des Civil-Verdienst-Ordens. Er ist der erste Geistliche in Sachsen, dem eine Dekoration dieser Art zu Theil wurde.</p>
         <p>— In der Sitzung vom 13. März der ersten Kammer berichtete Bürgermeister <hi rend="italic">Hübler</hi> über die Petition des als Mensch, Lehrer und Gelehrten gleich achtbaren Prof. <hi rend="italic">Krug</hi> zu Leipzig: die Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät zu Leipzig und das Henotikon oder die Erlassung eines <hi rend="italic">neuen Religionsgesetzes für christliche Staaten</hi>, betreffend. Die Deputation hat sich nur mit dem ersten Theil, die Gründung einer katholisch-theologischen Fakultät zu Leipzig befaßt, den Theorieen aber, welche dem zweiten Theil zu Grunde liegen, aus bloß praktischen Gründen nicht beigepflichtet, wenn auch der dem Verf. eigene treue Eifer für die großen Interessen der Menschheit ihn geleitet, aber auch über die Gränzen hinausgeführt habe, welche die Wirklichkeit von den heitern Gebilden der Ideenwelt trennen. Prof. <hi rend="italic">Krug</hi> wiederholt im ersten Theile seinen Antrag auf Gründung einer katholisch-theologischen Fakultät zu Leipzig und hat schon ein kleines Kapital von 500 Thlr. dazu gesammelt, das er, wenn die Sache nicht durchgeht der Mendelsohns-Stiftung in Dresden zuwenden will. Schon am vorigen Landtage war die Stiftung einer katholisch-theologischen Fakultät zu Leipzig in Anregung gekommen, damit die Kandidaten des katholischen Priesterthums nicht genöthigt seyen, ihre Studien in Prag zu machen. Aber ohne Erfolg. Es sind im Königreich nur 22 katholische Kirchen und 2 Kapellen mit 52 fungirenden Geistlichen. Zu deren Vollständigkeit wären alle 2 Jahre drei Geistliche erforderlich, und zu ihrer Ausbildung hat der Staat dem wendischen Seminar in Prag jährlich einen Zuschuß von 400 Thlrn. geleistet. Zu einer Fakultät bedürfe man wenigstens drei Professoren mit anständigem Gehalte. Nach katholischen Kirchenvorschriften würde damit ein Seminar-Konvikt verbunden, also ein Gebäude angeschafft werden müssen. Andrerseits stellte sich aber auch in der Gleichheit der Rechte der christlichen Glaubensbekenntnisse, nach Landesrecht und Verf.-Urkunde, ein Moment dar, welchem das pekuniäre untergeordnet werden müsse; damit traten Klagen über Verfassung und Einrichtung des Prager Seminars in Verbindung. Die Deputation beantragt daher: die Staatsregierung um allseitige Erörterung des Sachverhältnisses und ob das Bedürfniß einer katholisch-theologischen Fakultät laut geworden, auch Mittheilung des Ergebnisses zu bitten. — Hr. <hi rend="italic">Ziegler</hi>-<hi rend="italic">und</hi>-<hi rend="italic">KIipphausen</hi> trat dem ersten Theil der <hi rend="italic">Krug</hi>'schen Petition bei; auf solchem Wege werde ein Näherrücken beider Konfessionen statt- |Sp. 0804| finden und die Zeit kommen, wo kein Statthalter Christi auf Erden mehr nöthig seyn wird (!) Nur möchte er keine Position auf das Budget werfen. Am meisten aber zieht Hr. <hi rend="italic">Ziegler</hi>-<hi rend="italic">und</hi>-<hi rend="italic">Klipphausen</hi> gegen den zweiten Theil des <hi rend="italic">Krug'</hi>schen Antrags zu Felde, der nichts weniger, als <hi rend="italic">Emanzipation</hi> im vollen Sinne bezwecke; die Juden hätten keinen Anspruch auf Bürgerrecht in christlichen Staaten, nur christliche Duldung und Milde könnten sie erwarten, müßten sich damit begnügen und bedürften nichts mehr. Nach dem Henotikon müßten dann auch Türken, St. Simonisten, Lama- und Brama-Anbeter Aufnahme in Sachsen finden. Hieran schloß Hr. <hi rend="italic">Ziegler</hi>-<hi rend="italic">und-Klipphausen</hi> noch eine lange Reihe von heftigen Aeußerungen gegen die Juden. — Bürgermeister <hi rend="italic">Hübler</hi> sagte: die Deputation habe über diesen zweiten Theil gar nicht sich ausgesprochen. — Dr. <hi rend="italic">Günther</hi> erklärte sowohl in des würdigen Verf. der Schrift, als in seinem Namen, mit Dank die wohlwollende Beurtheilung derselben von Seiten der Deputation anzuerkennen. Daß eine katholische Fakultät in Leipzig errichtet werde, sey gewiß wünschenswerth; ob sie möglich sey, wäre eine andere Frage und hänge allerdings von Voruntersuchungen ab. Jedenfalls würde es zweckmäßig seyn, von der Universität Leipzig ein Gutachten darüber zu fordern, namentlich in Bezug auf die Universitäts-Verfassung.—Dr. <hi rend="italic">v. Ammon</hi> stimmte im Ganzen mit dem vorigen Redner überein; wünschenswerth sey es, daß die jungen Theologen Sachsen's ihre Ausbildung in Sachsen erhielten; sie würden dadurch die Ueberzeugung gewinnen, daß die Verschiedenheit der religiösen Form keine Verschiedenheit des Wesens der Religion zur Folge habe (!) Daß der Gedanke ausführbar sey, bezeugen benachbarte Beispiele von Preußen, Hessen, Würtemberg, Baden, sowie von Oesterreich, welches eine protestantische Fakultät zugelassen. Vorzügliche Anerkennung verdiene die großmüthige Freigebigkeit, womit der Verf. seinen Vorschlag mit einem Opfer begleitet. Dennoch hält er die entgegenstehenden Gründe für überwiegend. Erstlich vermißt er die Initiative der Staatsregierung; dann die Stimme der katholischen Landeskirche selbst; beide müßten aber doch um das Bedürfniß wissen; endlich das Verhältniß der Mittel zum Zwecke; denn wenn auch die Professoren da wären, dürfte es an Studenten fehlen. Er tritt der Deputation bei. — <hi rend="italic">Prinz Johann</hi> erkennt die gute Meynung des Antragstellers an, wünscht aber, die Sache möchte auf sich beruhen. Die Parität der Glaubensbekenntnisse wäre bloß beeinträchtigt, wenn katholischen Inländern die Gelegenheit, sich für den Kirchendienst auszubilden, benommen würde; die könnte aber auch im Auslande vorhanden seyn. Eine kleine Gemeinde könne nicht alle Mittel in ihrem Schooße haben. Wäre das Prager Seminar mangelhaft, so würde die Kirche oder das Kultministerium es schon bemerkt haben. — Bürgermeister <hi rend="italic">Hübler</hi>: Wenn diese Mangelhaftigkeit aber begründet wäre, würde die Parität doch verletzt seyn, da die katholischen Theologen doch das Recht auf gleiche Ausbildung hätten. — Der Bischof <hi rend="italic">Mauermann</hi>: Er sey zwar, obwohl ein Sachse, nicht am Prager Seminar erzogen, könne aber alle, die dort erzogen worden, zu Zeugen anrufen, ob sie etwas dort vermißten. Vier Mitglieder der Deputation hätten Kenntniß davon haben müssen und es schmerze ihn, daß diese nicht geredet. Die Prüfungen erfolgten nicht im Seminar, sondern an der Universität zu Prag und seyen weit strenger. — Hr. <hi rend="italic">von Posern</hi>: Wir glaubten als Laien mit unserm Urtheil zurückhalten zu müssen; aber da wir in der Mehrzahl die Zöglinge des Prager Seminars, Geistliche in der Oberlausitz, als Männer von Gelehrsamkeit und Bildung kennen, so schenkten wir allerdings den Angaben keinen Glauben und schlugen deshalb Untersuchung vor. — Bürgermeister <hi rend="italic">Wehner</hi> schlug vor, den Antrag beruhen zu lassen, nahm dieses aber wieder zurück. — Herr <hi rend="italic">von Carlowitz</hi> schlug vor, die Staatsregierung zu ersuchen, die Einrichtung des Prager Seminars in Erkundigung zu bringen und, nach Befinden, der Ständeversammlung Vorlage zu machen. — Dr. <hi rend="italic">Großmann</hi> hielt die Anfrage bei der katholischen Gemeinde für unnöthig. Die katholische Gemeinde habe das Interesse nicht an der Bildung ihrer Geistlichen wie die protestantische; es komme bei ihnen hauptsächlich auf ascetische und liturgische Bildung an: die Predigt sey mehr Nebensache. Dann habe die katholische Gemeinde kein geeignetes Organ: Es wäre also Gegenstand der Gesetzgebungs-Politik. — <hi rend="italic">Prinz Johann</hi> stellte in Abrede, daß die katholische Gemeinde geringern Werth auf Ho- |Sp. 0805| miletik lege; dann fordere auch der Beichtstuhl anderweitige wissenschaftliche Ausbildung, z, B. Pastoral-Theologie. — Der <hi rend="italic">Kultusminister von Carlowitz</hi> bemerkte, weder von der kathol. Gemeinde, noch vom Klerus, noch evangelischer Seits wäre ein Tadel über die Bildung der katholischen Geistlichen geäußert worden. — Bürgermeister <hi rend="italic">Hübler</hi> nahm keinen Anstand, zu beantragen: so möge man die Sache auf sich beruhen lassen. — Dem stimmten die andern Deputationsmitglieder bei. — Herr <hi rend="italic">von Carlowitz</hi> nahm seinen Antrag zurück. — Dis Kammer beschloß, die Sache soll auf sich beruhen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Cass. Allg. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Guben</hi> in der <hi rend="italic">Niederlausitz</hi>. Auf dem hohen Stadtkirchhofe dahier ist ein neues Todtengräberhaus mit einer Leichenstube gebaut worden. Nach Westen liegt die Wohnung des Todtengräbers, nach Morgen das Behältniß der Leichen, der ganze Kirchhof ist planirt und mit Gängen, an deren Seiten sich Alleen befinden, versehen worden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. K.-Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Lippe</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Detmold</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Detmold</hi>, 19. März. Der Wunsch, daß wir keinen Fremdling, sondern einen heimischen Prediger zum Generalsuperintendenten bekommen möchten, ist schon in Erfüllung gegangen. <hi rend="italic">Serenissimus</hi> hat sich für den Pastor <hi rend="italic">Althaus</hi>, der seit 1821 als zweiter Prediger zu Detmold fungirt, entschieden. Zu der getroffenen Wahl können wir uns nur Glück wünschen, indem der Ernannte als Prediger und Mensch allgemeine Achtung genießt, und wegen seiner unbezweifelt geistlichen Gesinnung, seines regen Eifers für das Heil der Kirche, seiner unermüdeten Berufstreue, seiner vielseitigen Kenntnisse und seiner Geübtheit in Geschäftssachen, die gegründetste Hoffnung gibt, daß durch seine Amtsführung das Gedeihen der Landeskirche gefördert werde. Er ist der Schwiegersohn des Bischofs <hi rend="italic">Dräseke</hi> zu Magdeburg.</p>
         <p>Zu gleicher Zeit ist auch eine Reform des Konsistoriums beschlossen worden. Dasselbe wird nämlich in Zukunft als ein wirkliches Collegium aus dem Generalsuperintendenten, aus einem geistlichen und weltlichen Consistorialrath zusammengesetzt seyn. Zum geistlichen Consistorialrath ist der bisherige dritte Prediger zu Detmold, Pastor <hi rend="italic">Böhmer</hi>, der zugleich in die Stelle des zweiten Predigers einrückt, ernannt worden. Sein Fach wird hauptsächlich das Schulwesen, die Ober-Inspection der Volksschulen des Landes seyn, während der Generalsuperintendent vorzugsweise die Kirche und Geistlichkeit beaufsichtigt, und das eigentlich Juridische und Finanzielle dem weltlichen Beisitzer, gegenwärtig dem Geheimen Regierungsrath <hi rend="italic">Petri</hi>, zufällt. An die erledigte dritte Predigerstelle ist der Pastor <hi rend="italic">von Cöln</hi>, seit zwei Jahren Prediger zu Schöttmar und früher zu Haustenbeck berufen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Der Krchfrd. f. d. nördl. Deutschl.)</hi>
         </p>
             </div> 
         <div type="ta">
         <head>
        Theologische Akademie.
         </head>
            <div type="tapr">
         <head>
          Protestantische Abtheilung.
         </head>
         <p><title>  <hi rend="bold">* Rede, bei der Einführung des großherzoglichen sachsen-weimar-eisenach'schen Landrabbiners, Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Heß</hi>
            <hi rend="bold">, in der Synagoge zu Lengsfeld. </hi></title>
               </p>
         <p>Gehalten von dem, mit dem Bezirks-Landsrathe, Herrn <hi rend="italic">von Boyneburg</hi>, zu diesem Acte, <lb/>so wie überhaupt zur Organisation eines verbesserten Cultus und Schulwesens der jüdischen <lb/>Gemeinden im Großherzogthume Weimar beauftragten Kirchenrath und Superintendenten <lb/>
            <hi rend="italic">Dr. Christian Schreiber</hi>, in Stadt-Lengsfeld.</p>
         <p>Im Auftrage der Staatsregierung sind wir hier, um Sie, Herr Landrabbiner, in Ihr Amt einzuweisen, und diese Deputirten, Namens der sämmtlichen jüdischen Gemeinden des Großherzogthums, wie auch die gegenwärtigen Schullehrer und Vorbeter, in allem, was Ihr amtliches Verhältniß betrifft, Ihnen gesetzmäßige Folgsamkeit angeloben zu lassen.</p>
         <p>|Sp. 0806| Ehe wir jedoch zu dieser feierlichen Handlung schreiten, möge es mir vergönnt seyn, einige einleitende Worte zu sprechen; in der Absicht, Ihnen sowohl die Befugnisse und Pflichten des Amts, welches Sie heute übernehmen, als auch diesen Deputirten und übrigen Anwesenden den Zweck anzudeuten, weshalb überhaupt die Staatsregierung dieser jüdischen Angelegenheiten sich anzunehmen, für nützlich und nothwendig erachtet hat. Als nämlich in neuerer Zeit vielfach die Frage angeregt wurde:</p>
         <p>soll den jüdischen Unterthanen, nach ihren eigenen Wünschen, der volle Genuß bürgerlicher Rechte eingeräumt werden? </p>
         <p>so entschied die Versammlung der erhabenen deutschen Bundesfürsten auf dem Congreß zu Wien bekanntlich dahin:</p>
         <p>„daß in Berathung gezogen werden solle, wie auf eine möglichst übereinstimmende Weise die bürgerliche Verbesserung der Bekenner des jüdischen Glaubens in Deutschland zu bewirken sey; und wie insonderheit denselben der Genuß der bürgerlichen Rechte gegen die Uebernahme aller Bürgerpflichten in den Bundesstaaten verschafft und gesichert werden könne.“</p>
         <p>Es leuchtet von selbst ein, daß bürgerliche Verbesserung mit der moralischen Würdigkeit Hand in Hand gehen muß. Es ist von selbst klar, daß diejenigen, welche alle bürgerlichen <hi rend="italic">Rechte </hi>genießen wollen, auch fähig seyn müssen, alle <hi rend="italic">Bürgerpflichten</hi> übernehmen zu können. Und hier tritt nun die zweite wichtige Frage ein, nämlich:</p>
         <p>sind die Grundsätze der jüdischen Religion so beschaffen, daß sie gegen die Grundprinzipien der bürgerlichen Gesellschaft in christlichen Staaten nicht streiten?</p>
         <p>Ich denke, jeder unbefangene Beurtheiler wird zugestehen, daß die rein mosaische Religion, wie sie in den Schriften des A. T., und selbst in dem besseren Theile der Tradition vorliegt, daß diese, nicht nach dem todten Buchstaben genommen, sondern in ihrem Geiste ergriffen, mit den <hi rend="italic">vernünftigen Zwecken jedes Staates</hi> gar wohl verträglich sey; und daß sie <hi rend="italic">kein Hinderniß</hi> abgebe, ihre Bekenner zur Uebernahme aller Bürgerpflichten zu befähigen, und dadurch <hi rend="italic">auch gleiche Rechte</hi> mit <hi rend="italic">den übrigen Staatsunterthanen ihnen zu gewähren</hi>. Allein, daß dieses auch von allen <hi rend="italic">Veränderungen</hi> und <hi rend="italic">Zusätzen</hi> gelte, welche die mosaische Religion im Laufe der Jahrhunderte <hi rend="italic">erfahren</hi> hat, werden die <hi rend="italic">aufgeklärteren Bekenner</hi> des jüdischen Glaubens <hi rend="italic">selbst nicht behaupten wollen</hi>; denn das Zeugniß einer tausendjährigen Erfahrung liegt vor Augen. So gewiß jeder einzelne, denkende und rechtschaffene Israelit, und seine Religion selbst, zu schätzen und zu ehren ist, eben so gewiß wird man zugestehen müssen, daß in das <hi rend="italic">spätere </hi>Judenthum sich <hi rend="italic">mancher dem Wohl des Staats gefährliche Mißbrauch</hi> eingeschlichen hat; Manches dann wenigstens so <hi rend="italic">aussieht</hi>, als ob es dem reinen und vernünftigen Staatszweck gänzlich zuwiderlaufe; und welches daher allerdings weise Regierungen <hi rend="italic">bedenklich</hi> machen mußte, <hi rend="italic">ob</hi> diejenigen, die so ganz damit verwachsen sind, schon <hi rend="italic">jetzt</hi> alle Bürgerpflichten gegen den Genuß aller bürgerlichen <hi rend="italic">Rechte aufrichtig</hi> übernehmen <hi rend="italic">können</hi> und <hi rend="italic">wollen</hi>? Indeß, eine erleuchtete Regierung <hi rend="italic">sorgt selbst dafür</hi>, daß solche <hi rend="italic">bürgerliche und moralische Hindernisse allmählich verschwinden! Sie sorgt</hi>
         </p>
         <p>für die Belehrung der Erwachsenen, für die Erziehung der Jugend, unter <hi rend="italic">allen</hi> Confessionen, die im Staate <hi rend="italic">vorhanden</hi> sind. Und so hat unser höchstseliger Großherzog (<hi rend="italic">Karl August</hi>) dessen Ruhm leben wird, so lange die Geschichte dauert, auch hier, Einer der Ersten, die Bahn gebrochen,</p>
         <p>„die Rechte der jüdischen Unterthanen im Staate fester zu bestimmen; mehr Ordnung in ihren Gemeide-Angelegenheiten zu sichern; und insonderheit durch eine geeignete Aufsicht über Religionsübung und Schulen auf die Verbesserung ihrer Verhältnisse in Mitte der übrigen Staatsbürger hinzuwirken.“</p>
         <p>Verdiente dieß nicht den größten Dank? Gebührt dieser menschenfreundlichen Absicht des Landesfürsten und seiner weisen Räthe und Diener nicht die innigste Anerkennung und Verehrung? Und wird unser jetziger Großherzog und Herr (<hi rend="italic">Karl Friederich</hi>) nicht auch hierin die geöffnete Bahn verfolgen? so wie er überhaupt das preiswürdige Wort ausgesprochen hat, in Allem, was das Wohl Seiner getreuen Unterthanen betrifft, die leuchtenden Fußstapfen seines höchstseligen Herrn Vaters stets vor Augen zu haben? Wir wollen |Sp. 0807| hoffen, daß die Israeliten unseres Landes, wenigstens die <hi rend="italic">Urtheilsfähigen</hi> unter ihnen, das für sie selbst <hi rend="italic">Wohlthätige </hi>in jenen Veranstaltungen <hi rend="italic">anerkannt</hi> und <hi rend="italic">eingesehen</hi> haben; und daß diejenigen, die bisher aus Vorurtheil und mißverstandenem Glaubenseifer in den Schritten der Regierung zu ihrer bürgerlichen und sittlichen Verbesserung nur <hi rend="italic">Eingriffe</hi> in ihre Religion und <hi rend="italic">Gewissenszwang</hi> erblickten, in der Folge und bei größerer Bildung, von ihrem Irrthum zurückkommen werden. Gewiß! in das <hi rend="italic">Wesentliche</hi> und <hi rend="italic">Vernunftmäßige</hi> jeder Religion, die vom Staate geschützt wird, wird <hi rend="italic">keine</hi> erleuchtete Regierung, am wenigsten die unsrige, mit <hi rend="italic">Willkühr</hi> eingreifen, oder die Bekenner derselben mit irgend einem Glaubens- oder Gewissenszwang bedrücken wollen. Aber sie müßte sich selbst und ihre übrigen Staatsunterthanen aufgeben, wenn sie nicht die möglichen <hi rend="italic">Auswüchse</hi> einer Religion, die das <hi rend="italic">Staatswohl gefährden können</hi>, und welche als solche von dem besseren Theil der Religionsgesellschaft selbst dafür erkannt werden, beschränken; wenn sie nicht Irrthümer und Mißbräuche aller Art abstellen und unschädlich machen wollte, ob solche auch durch Jahrhunderte hin festgewurzelt, und in den Augen der Vorurtheilsvollen dadurch geheiligt seyn sollten.</p>
         <p>Aus allem diesem werden Sie, geehrter Herr, der Sie zum Landrabbiner-Amte im Großherzog-thum von Sr. königl. Hoheit, unserem durchlauchtigsten Großherzoge, berufen worden sind, ohne Fingerzeig ersehen, was eigentlich die Haupt-Befugnisse und Pflichten Ihres neuen Amtes sind. Sie sollen <hi rend="italic">mit</hi> und <hi rend="italic">vorzüglich </hi>dahin wirken, daß die wohlerwogene <hi rend="italic">Absicht</hi> der Staatsregierung</p>
         <p>die im Lande wohnenden Israeliten allmählich auf eine <hi rend="italic">höhere Stufe geistiger und sittlicher Bildung zu </hi>führen; sie zur Uebernahme <hi rend="italic">aller Bürgerpflichten</hi> geschickt zu machen, und besonders den Sinn für eine <hi rend="italic">geordnete Thätigkeit</hi> in den <hi rend="italic">bürgerlichen Gewerben </hi>in ihnen zu nähren, <hi rend="italic">von Tag zu Tag mehr befördert werde</hi>.</p>
         <p>Sie sollen daher der Lehrer, der Freund und Rathgeber Ihrer Gemeinden seyn. Sie sollen nicht etwa eine <hi rend="italic">andere</hi> Religion, als die Ihrer Väter, predigen; sondern vielmehr die Ehrfurcht vor derselben, die Ausübung der göttlichen Gebote, und den frommen <hi rend="italic">Glauben</hi>, der aber auch in <hi rend="italic">Liebe</hi> thätig seyn muß, in den Gemüthern Ihrer Glaubensgenossen lehren und nähren. Sie sollen nur Das, was die weisesten Lehrer Ihrer Nation selbst als gehaltlos, irrig oder schädlich in den religiösen Grundsätzen und Gebräuchen Ihrer Nation anerkannt oder doch angedeutet haben, durch helle Belehrung, mit Sanftmuth und Eifer allmählich entfernen!</p>
         <p>Sie sollen unermüdet daran arbeiten, daß die Jugend <hi rend="italic">vernünftig</hi> erzogen, in der väterlichen Religion <hi rend="italic">sowohl</hi> als in <hi rend="italic">andern</hi> nützlichen Kenntnissen <hi rend="italic">unterrichtet</hi>, das Alter durch <hi rend="italic">echt</hi> religiöse Vorträge und Gebete <hi rend="italic">erbauet</hi>, und Jedem <hi rend="italic">Nahrung für Geist und Herz</hi> bei dem öffentlichen Gottesdienste sowohl, als sonst, wo Sie in Ihrem Amte auftreten, <hi rend="italic">dargereicht</hi> werde. Sie werden sich also besonders der <hi rend="italic">Schulen </hi>Ihres Bezirks mit Fleiß und Eifer annehmen, sie sorgfältig mit beaufsichtigen, und selbst, so viel möglich, mit dem Religions-Unterricht in denselben sich befassen. Sie werden unausgesetzt darauf bedacht seyn, in Ihrem Lebenswandel die reinste Tugend, die uneigennützigste Gesinnung an den Tag zu legen, und so Ihren Glaubensgenossen mit dem besten Beispiel voran zu gehen. Sie werden auch, als Lehrer und Geistlicher, der Armen und Verlassenen in Ihren Gemeinden mit Rath und That sich annehmen, und überall als der Erste erscheinen, wo es Religionspflicht, Bürgerpflicht und Menschenliebe gilt. Sie werden alle Gesetze des Staats, in welchem Sie leben, besonders diejenigen, welche die Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse, des Cultus und Schulwesens Ihrer <hi rend="italic">Gemeinden</hi> angehen, nicht nur <hi rend="italic">selbst ehren </hi>und auf's gewissenhafteste befolgen; sondern auch, so viel an Ihnen ist, Ihre Glaubensgenossen bei jeder schicklichen Gelegenheit zur <hi rend="italic">Achtung</hi> und zum <hi rend="italic">Gehorsam</hi> gegen dieselben ermuntern; und Alles thun, was in Ihren Kräften steht, um in dem Ihnen angewiesenen Berufs-Kreise nützliche <hi rend="italic">Bürger</hi>, redliche und gewissenhafte <hi rend="italic">Menschen</hi>, gehorsame <hi rend="italic">Unterthanen</hi> und treue <hi rend="italic">Anhänger</hi> an unser <hi rend="italic">erhabenes Regentenhaus</hi> zu bilden.</p>
         <p>|Sp. 0808| Bei einem solchen Verhalten werden Sie dann gewiß das Vertrauen Ihrer Glaubensbrüder (selbst derer, die aus Vorurtheil Ihnen bisher abgeneigt waren), die Achtung Ihrer Vorgesetzten, die Liebe Ihrer Mitbürger und die Anerkennung der Regierung sich erwerben; welche, nachdem man Sie sorgfältig geprüft, und ungeachtet Ihrer Jugend mit zureichenden Kenntnissen und Fähigkeiten zu Ihrem wichtigen Amte ausgerüstet befunden), durch die Anstellung Ihrer Person als Landrabbiner Ihnen einen großen Beweis Ihres Zutrauens und Ihrer Erwartung gegeben hat.</p>
         <p>Ihr aber, Deputirte und Vorstände, auch Lehrer und Vorbeter der israelitischen Gemeinden unseres Landes, empfanget Euern neuen Landrabbiner mit Zuneigung, mit Achtung, und mit dem redlichen Vertrauen, welches Ihr schon deshalb zu beweisen hättet, weil bei der gesetzlich angeordnet gewesenen Wahl zum Landrabbiner <hi rend="italic">der größte Theil</hi> der Stimmen der Wählenden auf ihn gefallen; sodann, weil seiner Ernennung, wie gesagt, die sorgfältigste Prüfung vorhergegangen; und endlich, weil das Andenken an seinen ehrwürdigen Vater, <hi rend="italic">der auch diese Stelle rühmlichst bekleidete</hi>, doch wohl aus Eurem Herzen noch nicht verschwunden ist! Er, der zu früh dahin Geschiedene, hat diesen jungen Mann von Kindheit an, als seinen Benjamin, geliebt und erzogen. Wie er selbst fromm und gut war, hat er ihn auch nur zum Guten, zur väterlichen Religion und zur frühen Wissenschaft seines Glaubens und der damit verbundenen Gebräuche angehalten. Er hat Alles aufgeboten, ihn zu seinem würdigen Nachfolger zu bilden, damit auch dadurch sein Andenken in der Gemeinde bleibe, und noch auf spätere Geschlechter sein Segen und sein Beispiel fortwirke. Ehret also den Vater im Sohne, und seyd überzeugt, auch dieser wird sich redlich bemühen, in die Fußtapfen des Verewigten zu treten, und seinen Gemeinden ein treuer Lehrer in Wort und That zu seyn.</p>
            </div>
            <div type="tais">
               <head>
        Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="bold">* Bemerkungen über die ausgesprochene religiöse Ueberzeugung des Hrn. Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Leopold</hi> 
            <hi rend="italic bold">Fulda</hi>
            <hi rend="bold">, prakt. Arztes in Offenbach, in der </hi>
            <hi rend="italic bold">Universal</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Kirchen</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Zeitung</hi> 
            <hi rend="bold">No. 30. 31. </hi></title>
                 </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">L. Adler </hi>
            <hi rend="bold">in Unsleben.</hi>
         </p>
         <p>Einer meiner Lehrer der Philosophie pflegte oft zu sagen: „Junge Männer seyd nicht zu schnell überzeugt, und wenn Ihr es in Meynungen und Ansichten zu seyn meynt, so seyd es immer mit Mißtrauen gegen Euch selbst. Man glaubt oft von einer Ansicht fest überzeugt zu seyn, und wird es in nicht langer Zeit vom Gegentheil.“ Mein Lehrer hatte recht, das wird ihm Niemand bestreiten wollen. Ob Hr. Dr. <hi rend="italic">Fulda</hi> noch ein junger Mann sey, weiß ich nun nicht, da ich ihn nicht persönlich kenne, aber das weiß ich, daß es mit einer solchen religiösen „Überzeugung“ etwas Mißliches ist und schwer mehr, als religiöse Meynung wird genannt werden können.</p>
         <p>Hat Hr. Dr. <hi rend="italic">Fulda</hi> nie eine andere Überzeugung gehabt oder ist er fest überzeugt, daß er nie eine andere bekommen wird? Doch das ist Nebensache und betrifft mehr seine Person. Die Ueberzeugung selbst würde uns weniger zur Gegenrede veranlaßt haben, wenn sie hier nicht öffentlich ausgesprochen worden wäre und also öffentlich beurtheilt seyn will. Ich bin nun keineswegs gesonnen, eine Prüfung und Beurtheilung hier zu geben, sondern nur einige <hi rend="italic">Bemerkungen</hi> entgegenzusetzen. Hr. Dr. <hi rend="italic">Fulda </hi>darf versichert seyn, daß sein Gegner weder zu den intoleranten Schwärmern, noch zu den heuchlerischen Frömmlern gehört, sondern die <hi rend="italic">Wahrheit</hi> liebt und die Meynung eines jeden <hi rend="italic">Wahrheitsliebenden</hi> ehrt.</p>
         <p>In dem in Sprache stehenden Aufsatze ist zwar mehrmals von <hi rend="italic">Offenbarung</hi>, von <hi rend="italic">göttlichen</hi> Büchern die Rede und es wird auch dem alten Testamente <hi rend="italic">göttliche Autorität</hi> zugeschrieben, allein der Verf. hat sich nicht erklärt, was nach sei- |Sp. 0809| ner religiösen Ueberzeugung <hi rend="italic">Offenbarung</hi> sey, in wiefern oder in welcher Art das alte Testament <hi rend="italic">göttliche Autorität </hi>habe. Darauf kommt aber doch nun gewiß Viel, wenn nicht Alles, an. Und eine deutliche Erklärung hierüber wäre um so nöthiger gewesen, nachdem der gelehrte <hi rend="italic">Steinheim</hi> in seiner trefflichen Schrift den Mißbrauch enthüllt hat, der von den größten Gelehrten mit dem Worte „Offenbarung“ getrieben wird. Dürfen wir nun aus seinem Stillschweigen annehmen, daß hierin seine Meynung die natürliche sey: Die Bücher der h. Schrift enthalten Lehren und Vorschriften, welche uns von <hi rend="italic">Gott gegeben</hi> worden sind, also Lehren Gottes, Vorschriften Gottes; so stimmt er auch mit ein, alle Ceremonialgesetze in der h. Schrift seyen göttliche oder von „Gott“ gebotene Gesetze. Sind sie dieses, so ist die Aufhebung derselben wohl ein ernstes Unternehmen und ein Akt, der nur aus der vollen Ueberzeugung entspringen darf, daß es Gott erlaube, und aus einer Ueberzeugung, die auch nicht durch den geringsten Zweifel beunruhigt wird. Diese können wir dann, und nur dann haben, wenn in der heil. Schrift selbst Bedingungen sich finden, an welche die Beobachtung der Ceremonien geknüpft ist und deren Abwesenheit klar und nicht mehr bezweifelt werden kann, wie z.B. Opfer, Erlaßjahre u. dgl., Gesetze aber, von denen eine ausdrückliche Aufhebung bei'm Verschwinden eines Umstandes sich nicht findet, bei welchen sogar nicht recht abzusehen ist, warum das damals eher, als heute ver- oder geboten seyn sollte: solche Gesetze aufheben zu wollen aus irgend einer Muthmaßung, irgend einer Ansicht oder Mangel an Einsicht, hieße das ganze religiöse Gebäude dem Wellenspiele der Gefühle Preis geben, oder diese Satzungen nicht für göttlich, sondern für menschlich halten.</p>
         <p>„Die heil. Schrift“ sagt der Verf. „unterscheidet klar und deutlich zwischen dem, was sie als ewig wahr und ewig verpflichtend verkündigt, und zwischen dem, was nach ihrem eigenen Willen nur eine lokale und temporelle Bestimmung haben sollte.“ Und das ist insofern ganz richtig als sie gewisse Gebote an Palästina geknüpft, oder so lange der Tempel gestanden. Wo findet sich dieser Unterschied aber soweit ausgedehnt, daß er alle Sitten- und Ceremonialgesetze scheidet?</p>
         <p>Auch ich betrachte die Ceremonialgesetze als Mittel zum Zwecke, aber als Mittel, die von Gott uns vorgeschrieben sind, und die wir auch anwenden müssen und unter allen Umständen, ob wir es begreifen oder nicht, so lange sie nicht geradezu den Zweck hindern und die Erreichung desselben beeinträchtigen. Ist dieses nicht der Fall, so sind wir zur Beobachtung verpflichtet. Nicht aber folgt daraus, wie der Verfasser schließt, was man noch jetzt beobachtet, müsse als <hi rend="italic">objektiv vernünftig erkannt seyn. Zwischen objektiv vernünftig erkannt</hi> und <hi rend="italic">objektiv unvernünftig erkannt</hi> liegt eine weite Strecke in der Mitte. Es müßte nachgewiesen werden, daß die mosaischen Ceremonialgesetze die Religion stören, das sittliche Leben beeinträchtigen, dann ließe sich so etwas hören. Aber das kann man nicht und unter allen mosaischen Ceremonien ist keine einzige, die auf das sittliche Leben nachtheiligen Einfluß übte. Vielmehr läßt sich aus der <hi rend="italic">menschlichen Natur</hi> und aus der <hi rend="italic">Geschichte</hi> der hohe Werth dieser Ceremonialgesetze außer allem Zweifel setzen.</p>
         <p>Eben so ist es viel zu rasch geurtheilt, wenn der Verfasser dem Talmud <hi rend="italic">nur</hi> einen historischen antiquarischen Werth zugesteht, also <hi rend="italic">alle mündliche Ueberlieferung</hi> leugnet. Es ist diese eben so wenig objektiv unvernünftig, als es Offenbarung überhaupt seyn müßte. Nur das <hi rend="italic">Objektiv</hi>-<hi rend="italic">Unvernünftige</hi> im Talmud ist als nicht zur Religion gehörig zu betrachten und als menschliche Meinung zu verwerfen.</p>
         <p>Abgesehen davon und gesetzt — obgleich wir uns unverholen und mit allem Nachdruck dagegen erklären — gesetzt es sey die Ansicht so unrichtig nicht, daß die mos. Ceremonien so gerade zu modifizirbar seyen<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="footnote text"> Der Verf. selbst gesteht, daß sie nur <hi rend="italic">modifizirbar</hi> seyen, will sie also nicht gänzlich aufgehoben wissen; wie überhaupt ein mit der Menschennatur nicht Unbekannter eine Religion ohne Ceremonien nicht ausreichend finden wird. Müssen aber Ceremonien bleiben und sollen die mosaischen bloß modifizirbar seyn, so ist klar, daß eine gänzliche Aufhebung oder Modifikation nur dann zulässig seyn kann, wenn sie dem sittlichen Leben selbst nachtheilig sind und Nachtheil verhindert wird durch diese Aufhebung oder Modifikation.</p>
            </note>, gibt es denn nicht höhere Rücksichten und heiligere Zwecke, die die Leiter des Volkes von Manchem |Sp. 0810| zurückhalten müssen, ohne daß man ihnen vorwerfen kann, sie seyen“ von irdischen Zwecken gebunden;“ ja die selbst den redlichen Laien zurückhalten sollten? Was gewinnt die Religion oder was wird bezweckt, wenn dieser verbotene Speisen genießt, am Sabbath seine Pfeife raucht, und sonstige Ceremonialgesetze übertritt? Welches Gute wird dadurch befördert? welches Edle hervorgerufen? Kann man diese Gebote nicht halten und ein <hi rend="italic">freies sittliches Wesen</hi> seyn? Und dieses erst von den Leitern des Volkes verlangen, heißt nichts anders, als von ihnen verlangen, daß sie sich des Zutrauens des Volkes geflissentlich berauben sollen, um alle ihre Thätigkeit unfruchtbar zu machen. Die gebildeten Laien gerade sollten nicht wollen, daß ihnen von den Geistlichen gehuldigt und nachgesprochen werde, sonst wollen <hi rend="italic">sie</hi> ja die Geistlichen seyn und diese zu ihren Maschinen machen.<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="footnote text"> Gerade wie es von den sogenannten orthodoxen Gemeindegliedern sehr unrecht ist, wie sie dem Rabbiner Vorschriften geben wollen, was er nothwendig zu thun, oder zu lassen hätte.</p>
            </note> Nein, gerade <hi rend="italic">an</hi> sie kann man die gerechte Forderung stellen, auf den Geistlichen zu hören und sich Manches, nach eigener Ansicht Erlaubte zu versagen, um den Mindergebildeten Muster zu seyn und dem Geistlichen sein Werk zu erleichtern. Soll ich meine Ueberzeugung offen aussprechen, so halte ich manche Gebildeten unter Israel noch mehr für mitschuldig daran, daß es mit der Bildung und Verbesserung im <hi rend="italic">Ganzen</hi> nicht recht vorwärts will, als die strengsten Pharisäer. Der Einfluß dieser kann von einem, sein Amt würdig bekleidenden wissenschaftlich gebildeten und in seinem Wirkungskreise eifrigen Geistlichen leicht gestört werden. Wirkt er auf der einen Seite vernünftig aufklärend und religiös sittlich-predigend jenen entgegen und entzieht ihnen ihre Macht, so kann auf der andern Seite durch sein Betragen durch die Beweise seines frommen Sinnes und die Beherrschung aller sinnlichen Reize sie anziehen und mit ihnen von Stufe zu Stufe höher steigen und so seine Brüder mit emporheben. Nachtheilig aber wirkt die zügellose Einreißung von Seiten derer, welche die gebildete Klasse repräsentiren wollen. An sie denkend verliert der religiöse Israelite alle Achtung vor der gepriesenen Bildung und glaubt in ihr die Ursache des Religions-Verfalls zu erblicken.<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="footnote text"> Man wird doch wahrlich dem, nicht auf der Stufe der Wissenschaftlichkeit stehenden Israeliten zumuthen, oder auch nur erlauben wollen, in der Religion zu seciren und nach Auswahl für göttlich oder menschlich zu halten, und zu beobachten, oder zu übertreten. Dem gewissenhaften Israeliten ist es nicht zu verargen, ja es ist von ihm zu erwarten, daß er an die von seinen Vätern ererbte Lehre hängt, wie sie auf ihn gekommen ist und nur dann  und das aufgibt, wann und wovon er überzeugt worden, daß es nach den Grundsätzen seiner Religion, welcher er huldigt, nicht Religion sey, und nicht seyn könne. Eine weitere Ausführung dieses Punktes behalte ich mir auf eine andere Gelegenheit vor.</p>
            </note> Und hält sich der Geistliche an diese, weil er sie um anderer Tugenden und Vorzüge willen achtet und hochschätzet, obgleich sie nicht nach der Religion, wie er sie lehrt, leben, so verliert er dadurch des <hi rend="italic">Volkes</hi> Zutrauen und dieses schenkt seinen Worten nicht mehr die erforderliche Aufmerksamkeit. Will er sich von ihnen trennen, so erlaubt ihm dieses seine eigene <hi rend="italic">Ueberzeugung </hi>nicht, nach welcher er den sittlichen Lebenswandel zu hoch achtet, als daß er den, welcher mit Uebertretung der Cermonialgesetze einen solchen führt, zurücksetzen sollte, und noch weniger das Beispiel von Intoleranz, das er hierdurch gibt. Wie viel könnten gebildete Laien zur Verbesserung und zur Hebung der Juden und des Judenthums beitragen, wenn diese auch in den Augen ihrer mindergebildeten Glaubensbrüder sich als Juden<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="footnote text"> Sit venia verbo. Ich bitte, mich hier nicht mißdeuten zu wollen. Ich erkenne nicht weniger den Grundsatz an: כל הכופר ב'ען נקרא יהורי, als jeder Andere, aber ich rede im Sinne des Volkes.</p>
            </note> verhielten. Die Pflichtenlehre ist und bleibt wohl die Hauptsache, aber die Glaubens-Ceremonien sind das Charakteristische des Judenthums, sie sind die göttliche Schale, in welcher jener göttliche Kern aufbewahrt wird. Zum Genusse ist keine Schale, aber zur Erhaltung des Kernes ist sie nothwendig. Selig werden kann der, der sittlich gut lebt, und seine Pflichten erfüllt, aber die Lehre derselben erhalten und ihre Wurzel, die Lehren des Glaubens beleben und erfrischen, dazu sind die Ceremonien nothwendig, dazu hat Gott sie gegeben und wer sie nicht beobachtet, der trägt zum Verfalle der Religion bei und läugnet entweder die Ableitung der Cere- |Sp. 0811| monien von Gott oder sündigt gegen Gott. —<hi rend="italic">Vorsicht</hi> ist das erste, was im religiösen Leben und besonders bei religiösen <hi rend="italic">Verbesserungen</hi> nothwendig ist, und jede Uebereilung schadet. Mißbräuche abzustellen, mag man nicht zögern, den Aberglauben zu bekämpfen, mögen die Waffen rüstig geführt werden, aber es müssen auch der Mißbrauch und der Aberglaube als solche unbezweifelbar erkannt seyn. Auch ich hege wohl die Meynung, und die scheue ich nicht hier auszusprechen, aber für nichts mehr, denn als Meynung und Muthmaßung; es werde einst einen Zeitpunkt geben, wo Ceremonialgesetze nicht mehr beobachtet werden und beobachtet zu werden brauchen, d. i. zu jener Zeit, wo der Zweck erreicht und das Mittel entbehrlich ist; zu jener Zeit, wo Reinheit des Glaubens und vollkommene Sittlichkeit über den ganzen Erdball sich verbreitet hat. Das finde ich selbst im Talmud,<hi rend="italic"> T. Niddah</hi>, angedeutet. Davon sind wir aber noch sehr weit ferne, und der Gebrauch der Mittel ist uns als <hi rend="italic">Menschen</hi> unentbehrlich, so lange noch Irrwege möglich sind, so lange noch Unglaube, Aberglaube, Irrglaube und Sittenlosigkeit ihr Haupt erheben, und in sichtbarer Gestalt einhergehen. Erst wenn diese gänzlich von der Erde verschwunden sind, dann ist es wohl möglich, daß Gott von der Erfüllung aller Ceremonien uns entbindet.</p>
         <p>Manches noch, was ich entgegenzusetzen habe, will ich übergehen und breche mit dem Wunsche ab, daß der Verfasser gegen mich eben so freundlich gesinnt seyn möge, wie ich es gegen ihn bin und meine Worte so aufnehmen möge, wie sie aus dem Herzen fließen, als Worte eines seine Religion liebenden, und für ihre Erhaltung besorgten, aber darum das Licht der Vernunft nicht scheuenden <hi rend="italic">Bruders</hi>.</p>
            </div>
         </div>
         
         <div type="lit">
            <head>
          Literatur.
         </head>
            <div type="litka">
         <head>
          Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p>* Examen de la philosophie de <hi rend="italic">Bacon</hi>, ou l'on traite différentes questions de philosophie rationelle; ouvrage posthume du comte <hi rend="italic">Joseph de Maistre</hi>. II Tom. Paris et Lyon 1836. 325. 367 p. 8.˚</p>
         <p>(Schluß)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Die Religion ist das Gewürz, welches die Wissenschaft vor dem Verderben schützt</hi>. Wer sollte glauben, daß dieser schöne Ausspruch demselben <hi rend="italic">Baco</hi> angehört, der alle mögliche Mittel aufgeboten hat, um die Religion und die Wissenschaft zu trennen und von einander geschieden zu erhalten? Eine Verbindung dieser Art mißfällt ihm so sehr, daß er sie eine schlechte Heirath nennt, die schlimmer, als ein offener Krieg zwischen beiden Mächten sey. Indem er die Naturwissenschaft für die erste und wichtigste erklärt, die von aller Einmischung der Theologie und der ihm verhaßten Wortphilosophie befreit und gereinigt werden müsse, verwirft er auf das entschiedenste jenes himmlische Gewürz, und verkennt durchaus die Stellung, in welcher sich die einzelnen Wissenschaften gegen einander befinden, denn die Naturwissenschaften müssen an ihrem Platze bleiben, welcher der <hi rend="italic">Zweite</hi> ist; der Vorsitz gebührt mit Recht der Theologie, der Moral und Politik, und jedes Volk, wo diese Stufenfolge nicht mehr beobachtet ist, befindet sich ohne Zweifel in einem Zustande von Degradation. Er verkennt aber auch das Verhältniß, in welchem die Wissenschaften zu den verschiedenen Ordnungen der menschlichen Gesellschaft stehen. Ein Staatsmann z. B. wird sich niemals in rein physikalische Untersuchungen vertiefen, die weder seinem Amte noch seinem Talente entsprechen, und <hi rend="italic">Baco</hi> selbst hat durch die Abweichung von dieser Regel sich dem Spotte ausgesetzt. Ebensowenig scheinen dergleichen Untersuchungen den Priestern zuzusagen, die indeß immer ein besonderes Talent, ja selbst einen gewissen Beruf für die Astronomie haben werden, denn dieser Zweig des Wissens war im Alterthum wie in den mittleren Zeiten in den Tempeln verborgen, bis am Tage des Wiedererwachens der Wissenschaften das wahre Weltsystem von einem Priester (<hi rend="italic">Copernikus</hi>) gefunden wurde. Und wenn die strengen Pflichten und die unermeßlichen Arbeiten dem legiti- |Sp. 0812| men Priesterthum erlaubten, sich mit der Chemie, und vorzüglich mit der Heilkunst zu befassen, so würde man sicher überraschende Erfolge sehen. Alle Völker aber fangen mit der Theologie an, und sind gegründet auf Theologie. Man kann sich hierbei auf Aegypten, Etrurien, Rom, Lacedemon u. s. w. berufen; nirgend wird man eine Ausnahme finden. Ueberall sind Priester die Gründer, Wächter und Ausspender der Wissenschaft, die ihren Heerd in den Tempeln hat. Und je vollkommener die Theologie in einem Lande ist, je mehr sie cultivirt, geehrt, und herrschend wird, desto vollkommener wird unter übrigens gleichen Umständen die menschliche Wissenschaft seyn, d. h. desto mehr Stärke und Ausdehnung wird diese gewinnen, und desto freier wird sie von aller gefährlichen und verderblichen Beimischung seyn. Deshalb haben die christlichen Völker alle anderen in den Wissenschaften übertroffen, und deshalb werden Indier und Chinesen mit ihrer so viel und hoch gerühmten Weisheit uns niemals erreichen, so <hi rend="italic">lange wir nämlich bleiben, was wir sind</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Copernikus, Descartes, Newton, Keppler, die Bernoulli's u. s. w.</hi> sind Erzeugnisse des Evangeliums. <hi rend="italic">Ja, die Verbindung der Religion und der Wissenschaft, von Baco als ein Uebel betrachtet, ist das große Ziel, nach welchem alle Gesetzgeber aus allen Kräften streben müssen</hi>, weil die Religion den Geist erhellt und reinigt, ihn zu Entdeckungen geschickter macht, das Laster, welches der Hauptfeind der Wahrheit ist, ohne Unterlaß bekämpft, und, so auf zweifache Weise die Wissenschaft befördernd, diese auch dadurch noch vervollkommnet, daß sie ihr eine gewisse auflösende Schärfe (alcalescence) benimmt, welche fortwährend eine Neigung zur Fäulniß erzeugt. Die Priester sind es gewesen, die Alles erhalten, Alles wieder belebt, und uns Alles gelehrt haben. Es wäre überflüssig, hier daran zu erinnern, wie viel wir den Mönchen verdanken; tausend Federn haben diesen Gegenstand erschöpft. Das Wort <hi rend="italic">Clerc</hi> bedeutete und bedeutet noch jetzt zuweilen in der französischen Sprache einen Gelehrten, und <hi rend="italic">Clergie</hi> war gleichbedeutend mit Wissenschaft. (So bedeutete auch im Deutschen das jetzt so verrufene Wort <hi rend="italic">Pfaff</hi> einen gelehrten oder weisen Mann, und <hi rend="italic">Plato</hi> hieß noch bei <hi rend="italic">Tauler</hi> der <hi rend="italic">große Pfaff</hi>). Im alten Italien wurde ein unwissender Mensch ein <hi rend="italic">Laie</hi> genannt, und in derselben Bedeutung wird dieses Wort auch anderwärts noch jetzt gebraucht. Die Erhaltung und Wiedererweckung der Astronomie verdankt man allein der Frage über das Osterfest. Die Verbesserung des Kalenders war das große Werk des Priesterthums, welches selbst denen ein Geschenk damit machte, die es verschmähten. Der Jesuit <hi rend="italic">Clavius</hi> war einer der ersten Arbeiter bei diesem schwierigen Unternehmen, und beiläufig sey hier bemerkt, daß der Jesuitenorden, weil er den Geist des Priesterthums im eminenten Grade besitzt, von jeher viel Talent und Neigung für die Astronomie bewiesen hat. Schon <hi rend="italic">Lalande</hi> hat dieses beobachtet, und ein langes Verzeichniß von Astronomen geliefert, die dieser Orden hervorgebracht. Man weiß, was sie in China geleistet, und man darf hoffen, daß sie bald dieselben Arbeiten mit noch größerem Erfolge wieder aufnehmen werden. — Die schönen Künste sind auf dem nämlichen Wege, wie die Wissenschaften, entwickelt und vervollkommnet worden. Unsere Musik entstand in der Kirche, und nachdem die Reste der alten Poesie und Melodie mit dem Genius des Nordens eine Verbindung eingegangen waren, deren wunderbare Beschaffenheit für immer in den Hymnen der römischen Kirche geschrieben ist, da war es wieder ein Priester (<hi rend="italic">Guido von Arezzo</hi>), welcher Europa mit der musikalischen Schrift beschenkte, die allem Anschein nach eben so lange dauern wird, als die Buchstabenschrift. In der Malerei und Sculptur waren die ersten Versuche, wie die größten Bemühungen, von jeher den Göttern und Helden geweiht, und bei der Wiedergeburt der Künste boten sich <hi rend="italic">Christus und seine Helden</hi> dem künstlerischen Geiste dar, und erforderten Meisterstücke einer höheren Art; die alte Kunst strebte nur nach dem schönen Ideal, das Christenthum aber erforderte himmlische Schönheit, und für diese stellte es in aller Art die vollkommensten Muster auf. — In den Bemerkungen, mit welchen unser Verfasser sich weiter über die Kunstwerke vernehmen läßt, lernen wir an ihm eine neue Seite kennen, und ersehen mit Vergnügen, wie in einem universellen Geiste, neben dem strengen Ernst, den die Wissenschaft fordert und gibt, zugleich der zarteste Sinn für die christliche Kunst bestehen kann. |Sp. 0813| <hi rend="italic">Baco</hi> hat das verborgene und heilige Band zerrissen, welches die Religion mit der Wissenschaft vereinigen und diese vor dem Verderben bewahren soll. Die Folgen dieses strafbaren Beginnens sind unermeßlich gewesen. Denn kaum war die Scheidung proklamirt, und der erste Impuls dazu gegeben worden, so kam die Wissenschaft immer mehr von Gott los, und, ihres göttlichen Salzes beraubt, gerieth sie durch den Schlamm des Materialismus in einen Zustand der Verwilderung und Auflösung, der, bald auch auf das öffentliche Leben übergehend, sich in den zerstörendsten Wirkungen zu erkennen gab. — Ein Strom von Unrath, worin Diamanten sich mit fortbewegten, hat während des achtzehnten Jahrhunderts ganz Europa durchwühlt, und die Urne, die sich zu <hi rend="italic">Ferney</hi> ergoß, war ähnlich dem Schiffe, welches, aus der Levante kommend, in schimmernden Stoffen die Pest verbirgt. Wären diese Wasser gereinigt worden, und hätte man sie springen lassen aus jener hohen Quelle, die aller menschlichen Verunreinigung enthoben ist, so konnte jener Strom Europa befruchten und bereichern, ohne es zu verderben. Denn obgleich das siebzehnte Jahrhundert vielleicht mehr erhabene Talente, als das unsrige hervorgebracht hat, so zeigen sich doch jetzt die Talente in ungleich größerer Zahl, und wer weiß, bis zu welchem Grade sich diese erhoben hätten, wenn das verdorbene und schuldvolle Genie nicht freiwillig seine Flügel hätte sinken lassen. — Was hat man während dieses letzten Jahrhunderts nicht Alles gegen die religiöse Erziehung gesägt, was hat man nicht Alles gethan, um die Wissenschaft und die Moral <hi rend="italic">rein menschlich</hi> zu machen? — Die Franzosen vor Allen haben den großen Schlag von 1763 geführt; die Wirkung desselben ist bekannt, sie war deutlich, unmittelbar, unbestreitbar gewiß, und dieser Zeitpunkt wird ewig merkwürdig in der Geschichte seyn. Von da ab beginnt jene unselige Generation, die alles das <hi rend="italic">gewollt</hi>, <hi rend="italic">gethan</hi> und <hi rend="italic">erlaubt</hi> hat, wovon wir Zeugen gewesen. — <hi rend="italic">Baco</hi> ist der Vater dieser verderblichen Maximen, und nichts ist geschehen, wozu er nicht gerathen, und nichts hat er gerathen in diesen Dingen, was man nicht ausgeführt hätte. Wenn die Encyclopädisten, diese Verschwörer gegen die Altäre und Throne, ihn zu ihrem Orakel erkoren, und allgemein in Aufnahme brachten, so wußten sie ohne Zweifel, was sie thaten; die Wahlverwandtschaft in der geistigen Ordnung ist eben so gut ein Gesetz, wie in der physischen Welt, und wenn Alle sich um <hi rend="italic">Baco</hi> vereinigten, so geschah es, weil Alle das bei ihm fanden, was sie suchten. —Noch jetzt ist die Zahl seiner Verehrer nicht unbeträchtlich, selbst unter Wohlgesinnten, die seine in Rauch und Nebel gehüllten Schriften entweder nicht gelesen, oder nicht verstanden haben. Dieser Täuschung ist nun durch das Werk, aus welchem wir hier einige Auszüge mitgetheilt haben, ein Ende gemacht, und <hi rend="italic">Maistre </hi>dürfte, auf seine Arbeit zurücksehend, in Wahrheit sagen: J'ai forcé ce Sphinx à parler clair, et ses enigmes ne feront plus desormais que des dupes volontaires. — 										n.</p>
            </div>
            </div>
         <div type="anz">
            <head>
       Anzeigen.
         </head>
         <p>(47) Im Verlage der <hi rend="italic">Theissing</hi>'schen Buchhandlung in <hi rend="italic">Münster </hi>ist erschienen:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Philosophie der Geschichte oder über die Tradition</hi>  Zwei Theile. gr. 8. Geh. 4 Thlr.</p>
         <p>Der erste Theil zerfällt in 10 folgende Abschnitte:</p>
         <p>A. Die Einleitung. Ueber die mündliche Ueberlieferung im Allgemeinen.<lb/>B. Ueber die jüdische Tradition. |Sp. 0814| <lb/>C. Kurzer Grundriß zur Geschichte der mündlichen Ueberlieferung in dem Zeitalter des Tohu.<lb/>D. Geschichtsfolge der Tradition in dem Zeitalter des Gesetzes. <lb/>E. Fortleitung der Tradition in dem Zeitalter des leidenden Maschiachs. <lb/>F. Ueber die Wichtigkeit der jüd. Tradition für das Christenthum. <lb/>G. Ueber den Ursprung der Sprache und Schrift bei den Ebräern. <lb/>H. Ueber den Ursprung der Vokalpunktation. <lb/>I. Einige Bemerkungen zur M'sorah. <lb/>K. Ueber die Gesetzes-Tradition.</p>
         <p>Der zweite enthält folgende 3 Abschnitte:</p>
         <p>A. Ueber die spekulative Erkenntniß der Gottheit.<lb/>B. Versuch einer spekulativen Entwicklung der allgemeinen Grundbegriffe der Theosophie nach den Grundsätzen der Kabbalah. <lb/>C. Ueber die Nothwendigkeit einer göttlichen Offenbarung und das Verhältniß des Wissens zu dem Glauben.<lb/>D. Als Anhang einige Stellen aus der Kabbalah.</p>
         <p>Ueber den ersten Theil dieser, die Resultate vieljähriger Forschungen enthaltenden Schrift haben sich fast alle Zeitschriften bereits auf das günstigste ausgesprochen. Die ausführlichsten Rezensionen finden sich im <hi rend="italic">Katholiken</hi>, Jahrgang 1830, 1s und 2s Heft, und in der <hi rend="italic">Sengler</hi>'schen Kirchenzeitung, Jahrg. 1832, 2s Heft. Letztere führt zuvor das Urtheil von Männern an, die den Werth dieser Schrift zu würdigen gewußt, als Friederich <hi rend="italic">von Schlegel</hi>, Alb. <hi rend="italic">Kreuzhage</hi>, A. Th. <hi rend="italic">Hartmann</hi>, Friedr. <hi rend="italic">von Meyer</hi> und Franz <hi rend="italic">von Baader</hi>, und schließt mit folgenden Worten:</p>
         <p>„Wir können nicht umhin, dieses Werk in Uebereinstimmung mit obigen Männern für eine wichtige Erscheinung unserer Zeit zu erklären. Der Verf. hat nicht etwa bloß für den Theologen, und insbesondere hier für den Dogmatiker, Exegeten, Kirchenhistoriker, sondern auch für den Philosophen und Historiker im Allgemeinen gearbeitet. Insbesondere sollte es keinen Theologen geben, der dieß Buch nicht in Händen hätte. Möge es dem Verf. bald gefallen, sein tiefsinniges Werk uns in seiner ganzen Vollendung zu übergeben.“</p>
         <p>Dasselbe Urtheil gilt in jeder Beziehung von dem zweiten Theile, und es dürfte keinem aufmerksamen Leser entgehen, daß die neuere Literatur auf dem Gebiete der Religionsphilosophie wenige Erscheinungen aufzuweisen hat, die an Tiefe der Forschung, christlicher Erkenntniß und Liebe zur Wahrheit in jeglicher Gestalt, mit einem verglichen werden können, welchem im Interesse des Glaubens und der Wissenschaft die größtmögliche Verbreitung zu wünschen ist.</p>
         <p>Der dritte Theil ist jetzt bereits dem Druck übergeben und wird noch zum Herbst d. J. erscheinen. Derselbe zerfällt in folgende 3 Abschnitte:</p>
         <p>A. <hi rend="italic">Erster Abschnitt</hi>. <lb/>Zur Kritik der Offenbarung oder über Heiden-, Juden- und Christenthum im Allgemeinen.<lb/>B. <hi rend="italic">Zweiter Abschnitt</hi>. <lb/>Spezielle Darstellung des Judenthums. Die Lehre von der real und physischen Unreinheit, ihre Reinigung und Versöhnung.<lb/>C. <hi rend="italic">Dritter Abschnitt</hi>. Forts. der speziellen Darstellung des Judenthums. Von der geistigen Unreinheit, ihrer Reinigung und Versöhnung. <lb/>D. Anhang der darauf bezüglichen Stellen aus der Kabbalah.</p>
         </div>
         <div type="ber">
            <head>
          Berichtigung.
         </head>
         <p>In der Anzeige des <hi rend="italic">Brück'</hi>schen Werkes, S. 718, ist das ad No. 3 und 6 beigefügte חצות welches aus einer Rand-Glosse des Ref., an die sich eine (nachher wieder gestrichene) Anmerkung knüpfen sollte, in den Text gerathen ist, zu streichen. Obgleich dieß jeder bei'm ersten Blick wahrnimmt, halten wir es doch für angemessen, solches zur Vermeidung eines Mißverständnisses hier zu bemerken.</p>
         <p>Die Redaktion.</p>
         </div>
            <div>
         <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber: Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Rohm</hi>
            <hi rend="bold">. Maschinendruck.</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
            </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

