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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 22. Juni 1837, Nro. 50</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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<country>Germany</country>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="50">22. Juni 1837, Nro. 50</title>
                  <editor>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-06-22</date>
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                     <name>Varrentrapp</name>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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           Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/> 
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               katholischen, und israelitischen Deutschland's. <lb/>Frankfurt a. M., den 22. Juni 1837. Nro. 50.
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         <head>
           Inhalt: 
         </head>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="italic bold">Protestantismus in Portugal und Spanien. — </hi>
         </p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="bold">Kirchliche Nachrichten</hi>
            <hi rend="italic">. </hi>Asien. Palästina. Jerusalem<hi rend="italic">; Zweifel an der Ueberlassung des heiligen Grabes an die griechische Geistlichkeit. Berg Carmel; Herstellung des Klosters. </hi>Natolien. Smyrna<hi rend="italic">; Unterdrückung eines Pfenning-Magazins. </hi>Madura<hi rend="italic">; Mission daselbst. </hi>Insel Loz<hi rend="italic">; Besuch des Sultans von Lingu. </hi>China<hi rend="italic">; beruhigende Nachricht. — </hi>Spanien<hi rend="italic">; Schilderung des kirchlichen Zustandes; Verbannung; Ernennung. — </hi>Deutschland. Oesterreich. Wien<hi rend="italic">; Frohnleichnamsfest; Einzug des Nuntius; </hi>Salzburg<hi rend="italic">; Auswanderung — </hi>Würtemberg. Stuttgart<hi rend="italic">; Todesfall; Uebertritt; Wegräumung einer Kirche. </hi>Tübingen<hi rend="italic">; Katechismus von Hirscher. Rottenburg; Vakanzen. Saulgau; Begräbniß. </hi>Wilhelmsdorf<hi rend="italic">; Rettungshäuser für verwahrlosete Kinder etc. </hi>Calw<hi rend="italic">; Jahresfeier des Missions-Vereins. — </hi>Baden. Karlsruhe<hi rend="italic">; Besetzung der evang. Pfarrstellen. </hi>Banschlott<hi rend="italic">; Grundsteinlegung zu einer Kirche. </hi>Freiburg<hi rend="italic">; Wiederaufbau des Cisterzienser-Stiftes Tennenbach etc.; Todtenfeier; </hi>Heidelberg<hi rend="italic">; evang. Prediger-Seminar; Wiederbesetzung einer Professur. — </hi>
         </p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="bold">Kathol. Abth.</hi>
            <hi rend="italic"> Die fürstl. Bekehrungen zur kathol. Kirche im 16. Jahrhundert. Von Dr. </hi>J. V. Hoeninghaus<hi rend="italic">. — </hi>
         </p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="bold">Israel. Abth</hi>
            <hi rend="italic">. Einige Bemerkungen über den vom Hrn. Dr. </hi>M. Heß<hi rend="italic"> zur Diskussion gebrachten Gegenstand: „Die zwei theol. Parteien im Judenthum." Vom Rabbiner </hi>Aub<hi rend="italic"> in München. — </hi>
         </p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="bold">Kathol. Abth.</hi>
            <hi rend="italic"> De Maistre Examen de la philosophie de Bacon etc. (Forts.) – </hi>
         </p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="bold">Israel. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">The origine of the Egyptian language etc. Rez. von Dr</hi>. I. M. Jost.<lb/> |Sp. 0783| </p>
        </div>
           <div type="mantel">
         <head>">Protestantismus in Portugal und Spanien.
         </head>
         <p>Wir haben in No. 15 der <hi rend="italic">Univ.-K.-Z.</hi> einen Ueberblick der protestantischen Gemeinden in <hi rend="italic">Italien</hi> gegeben. Gewiß wird es von einem gleichen Interesse seyn, in derselben Beziehung auch die große westliche Halbinsel unseres Welttheils dem Auge der Betrachtung vorzuführen. Wir geben solche, wie sie das <hi rend="italic">Homiletisch</hi>-<hi rend="italic">liturgische Correspondenzblatt</hi> s. Z. aufstellte, und mit den Bemerkungen, womit die <hi rend="italic">Katholische Kirchenzeitung</hi> dieselbe damals (im Okt. 1835) bereitete. Daß gegenwärtig die englischen Protestanten beabsichtigen, Prediger ihres Glaubens in die pyrenäische Halbinsel zu schicken, haben wir bereits in No. 43 berichtet.</p>
         <p>a) <hi rend="italic">In Portugal</hi>.</p>
         <p>In diesem kleinen Reiche findet man nur in dessen Hauptstadt, <hi rend="italic">Lissabon</hi>, Protestanten, und von ihnen Eine Kirche (eigentlich nur Bethaus ohne Geläute), darinnen in deutscher und bisweilen auch in englischer Sprache geprediget wird. Diese Gemeinde besteht, erst seit 9 Jahren im dermaligen Zustande. Kaufleute dieser Confession, welche sich in Lissabon etablirt haben, sind die Gründer dieser Gemeinde. Die Staatsregierung hat sie liberal <hi rend="italic">begünstigt</hi> und <hi rend="italic">beschützt</hi>, so daß das Evange-lium auch nach diesem Ritus Eingang und Gedeihen erlangen kann. Ende Juni l. J. soll in Portugal ein beträchtlicher Theil der Klostergüter an Käufer aller Interessenten, die Geld haben, <hi rend="italic">ohne </hi>Rücksicht auf Religion und Nation, verkauft werden. Dadurch sind dortigen reichen Engländern und Deutschen protestantischer Confession Aussichten zum Ankaufe eröffnet.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="footnote text"> Bayer. National-Zeitung vom 10. Mai 1835.</p>
            </note>
         </p>
         <p>b) <hi rend="italic">In Spanien</hi>.</p>
         <p>In dem kleinen Dorfe <hi rend="italic">Osse</hi> oder <hi rend="italic">Ossau</hi>, nur eine Stunde von der spanischen Gränze entfernt (<hi rend="italic">West</hi>-<hi rend="italic">Pyrenäen</hi>), befindet sich eine protestantische Gemeinde, die zwar nicht sehr zahlreich ist, aber dennoch ihre eigene Kirche hat. Sie besteht aus Hirten, die die Sommer-Monate auf den spanischen Pyrenäen zubringen, wo Man sie, <hi rend="italic">ohne</hi> ihren Glauben zu kennen — oder zu beachten, gegen die gewöhnliche Bezahlung sehr gern zuläßt. Diese ehrlichen Leute, die seit der Verfolgung der Protestanten (unter König <hi rend="italic">Ludwig XIV</hi>. von Frankreich) bis 1805 <hi rend="italic">ohne</hi> Kirche gewesen waren, und in denen von Generation zu Generation über hundert Jahre doch das Wort des Herrn durch <hi rend="italic">kein</hi> Schicksal |Sp. 0784| konnte ausgelöscht werden, sahen sich endlich in genanntem Jahre im Stande, ein zwar nur ländliches, aber dennoch anständiges Gotteshaus, mit eigenen Händen und aus eigenen Mitteln zu erbauen. Einen Pfarrer haben sie bis jetzt noch nicht, und demnach könnte ein Missionär, der sich für etwas Weiteres vorbereiten wollte, hier ein Oberhirt über Hirten werden, und vieles Gute stiften. Einstweilen kommt in jedem Jahre auf das Pfingstfest ein reformirter Geistlicher, welcher aus Frankreich 15 Meilen dahin zu reisen hat, nach Ossau, und verrichtet die erforderlichen geistlichen Amtshandlungen nebst Communion. An den übrigen Sonn- und Festtagen versehen in ihrem patriarchalischen Zustande die Aeltesten der Gemeinde das, was die Gottesverehrung erfordert.<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="footnote text"> Curiositäten-Almanach v. J. 1805 S. 125.</p>
            </note> So leben diese armen Leute unbemerkt in stillem Frieden und im Glauben ihrer (calw.) Väter <hi rend="italic">ohne</hi> eine untere und obere kirchliche Behörde, und erkennen in sich die Wahrheit.</p>
         <p>Außer diesem Ossau hat <hi rend="italic">Gibraltar</hi> 16,000 Einwohner und 3000 Engländer als Garnison. Diese Besatzung ist der anglikanischen Episkopalkirche zugethan, und unter den 16,000 Einwohnern ist die <hi rend="italic">größere</hi> Anzahl von derselben Confession. Für diese Letztern befinden sich mehrere Kirchen in der Stadt. In der Festung ist noch eine Garnisons-Kirche für den engl. Cultus.</p>
         <p>Auch in <hi rend="italic">Cadiz</hi>, wo der Mittelpunkt des einträglichen Handels nach Amerika ist, wohnen Consuln von <hi rend="italic">allen</hi> europäischen Nationen, die verschiedene protestantische Hauskapellen unterhalten. Sowohl von <hi rend="italic">Gibraltar</hi> aus, als von Cadiz kommen durch Seefahrer aus England jährlich mehrere tausend Exemplarien in <hi rend="italic">spanischer</hi> Sprache gedruckter Missions-Bibeln an, welche hierauf an das dafür geneigte Publikum, in so ferne die Zollbeamten es nicht hindern, vertheilt werden. Durch Lesung derselben traten zwei gelehrte Spanier zur protestantischer Lehre über. Ihre Namen sind <hi rend="italic">Manuel Mendoza y Rios</hi> und <hi rend="italic">Joseph Blanco White</hi>, letzterer zuvor kathol. Weltpriester und Hofprediger zu <hi rend="italic">Sevilla</hi>. Ersterer edirte: Geschichte meines segenvollen Uebertritts zur evangel. Kirche. Aus der <hi rend="italic">spanischen</hi> Handschrift übersetzt von Dr. F. <hi rend="italic">Hebenstreit</hi>. Leipzig 1819. Dann: die wahre Kirche Jesu Christi. Leipzig 1820.<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p> Wenn die protestant. Confession lauter Eroberungen macht, wie <hi rend="italic">D. Manuel Mendoza y Rios</hi>, so wird sie im eigentlichen Sinne eine unsichtbare Kirche, denn bekanntlich ist dieser Don <hi rend="italic">Manuel</hi> eine— <hi rend="italic">fingirte Person</hi>, seine Geschichte ein — <hi rend="italic">Roman</hi>, und der Uebersetzer Dr. <hi rend="italic">Hebenstreit</hi> niemand anderer als — der berüchtigte Professor <hi rend="italic">August Fischer</hi> zu Würzburg. Wir wollen von dem Redakteur des hom. liturg. Correspondenzblattes nicht voraussetzen, daß ihm diese übrigens sehr bekannten Umstände bekannt gewesen; gut wäre es aber, wenn Schriftsteller von dem, worüber sie schreiben, auch etwas wüßten. 		D. Red. d. K. K-Z.</p>
            </note> 
            <hi rend="italic">Letzterer</hi>, der- |Sp. 0785| malen Geistlicher von der anglikanischen Episkopal-Kirche in England<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="footnote text"> Und neuerlich, wie wir, Univ. K.-Ztg. No. 5, gemeldet haben, wegen seiner unitarischen Glaubensansichten seines Amts als anglikanischer Geistlicher entsetzt worden. 	H.</p>
            </note> ließ im Drucke erscheinen: Beleuchtung des römisch-katholischen Glaubens, nach der <hi rend="italic">zweiten</hi> Ausgabe des engl. Originals mit dem Motto in das Deutsche übersetzt: "Je klareres Christenthum, desto besserer Mensch und Bürger." Dresden und Leipzig 1825. Diese Beleuchtung wurde besonders in Holland und Norddeutschland mit einem Beifalle gelesen, welcher wenigen Schriften über genannten Gegenstand zu Theil wird. Dergleichen Männer aus Spanien sind allerdings im Stande, besonders von England aus, <hi rend="italic">Intelligenz</hi> in ihre Nation, die noch so sehr unter dem Joche des Mönchthums sich befindet<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="footnote text"> Wenn die span. Nation sonst nichts als das Joch des Mönchthums hindert, glücklich zu seyn, so hat sie jetzt Aussicht, es bald zu werden. Welches Joch, das der Mönche oder das der Soldaten, leichter zu tragen sey, wollen wir hier nicht untersuchen, und obgleich Hr. Dekan Brandt schon stichhaltige Beweise seines Fanatismus gegen die kathol. Kirche gegeben hat, so glauben wir doch, annehmen zu dürfen, daß sogar er selber lieber unter dem Joche der Ximenes und Franz von Xavier, als unter dem der Rodil und Mina zu schmachten, geneigt seyn dürfte. 							D. Red. d. K. K.-Z.</p>
            </note> und von inneren Unruhen gepeinigt wird, zu verbreiten.</p>
           </div>
         <div type="kn">
              <head>
           Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Asien</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Palästina</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Jerusalem</hi>. Wir haben in No 31 berichtet, daß in den ersten Tagen des Monats März im griechischen Patriarchate zu Konstantinopel ein großherrlicher Hattischerif verlesen worden, kraft dessen das heilige Grab zu Jerusalem ausschließend den griechischen Priestern überlassen wird. Eine französische Zeitschrift wiederholt nun auch diese Nachricht, fügt aber folgende Bemerkung bei: „Wir glauben, daran noch zweifeln zu dürfen; denn nach den neuesten Ereignissen in Syrien hat der Großherr in Jerusalem sicher nichts mehr zu befehlen. Diese Stadt steht unter der Herrschaft des Vicekönigs von Aegypten <hi rend="italic">Mehemet</hi>-<hi rend="italic">Ali</hi>, dessen Statthalter dort residirt. Der Hattischerif des Sultans, wenn ihn die Griechen auch erlangt haben, wird dort schwerlich beachtet werden." Es ist sehr zu wünschen, daß es sich so verhält.</p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Berg</hi> 
            <hi rend="italic bold">Carmel</hi>. Bruder <hi rend="italic">Johann</hi>-<hi rend="italic">Baptist vom heil</hi>. <hi rend="italic">Sakrament</hi>, Mönch vom Berge Carmel geht jetzt von <hi rend="italic">Paris</hi> in die westl. franz. Provinzen um Beiträge zur Herstellung des Klosters vom Berge Carmel zu sammeln. Er ist ein Italiener und wurde von seinen Obern 1819 von <hi rend="italic">Rom</hi> ausgesendet um den Versuch zur Herstellung jenes Klosters zu machen, das die Türken zerstört hatten. Aber 1821 ließ Pascha <hi rend="italic">Abdallah</hi> auch die letzten Ueberbleibsel desselben sprengen. Dessenungeachtet hat der Bruder die Muth nicht verloren, und da Syrien jetzt viel ruhiger ist, so hofft er diese so viel besuchte und berühmte Pilgerfahrt, die für Reisende aller Nationen zugleich einen Zufluchtsort abgab, wieder eröffnen zu können. Freilich fehlen ihm noch die Mittel, allein er hofft, die Vorsehung werde es ihm gelingen lassen, seinen Zweck zu erreichen. Uebrigens hat ein <hi rend="italic">Türke</hi> ihn durch ein Darlehn unterstützt, und sein erster Sammelgang in <hi rend="italic">Europa</hi> hat ihm ferner 20,000 Frs. eingebracht. Er selbst hat am <hi rend="italic">Frohnleichnamstage</hi> den Grundstein zu dem neuen Gebäude gelegt, und so ist er ein <hi rend="italic">Sammler</hi> und <hi rend="italic">Baumeister</hi> zu gleicher Zeit, und man kann rechnen, daß er in <hi rend="italic">Syrien</hi>, <hi rend="italic">Klein</hi>-<hi rend="italic">Asien</hi>, <hi rend="italic">Aegypten</hi>, <hi rend="italic">Nordafrika</hi>, und in mehreren <hi rend="italic">europäischen</hi> Staaten überhaupt 230,000 Fr. zusammengebracht hat. — Sein Anzug ist fremdartig, jedoch darin |Sp. 0785| nichts Anstößiges und es ist dabei das besonders zu bemerken, daß derselbe mehr für die türkischen Lande berechnet ist, und ihn dort gegen die möglichen Insulten des Fanatismus schützt.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Ami de la Religion)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Natolien</hi>.</p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Smyrna</hi>. Ein dahier erschienenes Pfennig-Magazin, in welchem die amerikan. (prot.) <hi rend="italic">Missionäre</hi> — dessen Herausgeber — unter Anderem auch einige moralische und religiöse Versuche, jedoch ohne alle Hindeutung auf Lehre und Gebrauch der griechischen Kirche hatten abdrucken lassen, wurde von dem Patriarchen und der versammelten Synode als verbrecherisch und ketzerisch erklärt. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Morn. Chron.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Madura</hi>.</p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Madura</hi> ist ein Königreich auf der großen indischen Halbinsel, dießseit des Ganges, an der südlichsten Gränze. (Die Insel <hi rend="italic">Madura</hi>, 63 Meilen gr., mit 218,659 Einw., liegt im N. O. von <hi rend="italic">Java</hi>.) Die Jesuiten hatten hier ehemals eine blühende Mission, die an 150,000 Christen gezählt haben soll. Seit der Aufhebung der Gesellschaft Jesu war diese Mission sehr vernachläßigt; sie war anfangs portugiesischen Geistlichen anvertraut, deren Betragen gerade nicht immer sehr erbaulich war. Zuletzt hatte die <hi rend="italic">Congregation de propaganda fide</hi> das Seminar der auswärtigen Missionen zu Paris ersucht, diese Mission zu übernehmen. Die Direktoren thaten es ungern, da sie bereits fünf ausgedehnte Missionen zu besorgen haben, und die Zahl ihrer Geistlichen sehr klein ist. Die Congregation wendete sich demnach an die <hi rend="italic">Jesuiten</hi>, Madura wieder zu übernehmen, und darauf wurden 4 französische Jesuiten ausersehen, dahin abzugehen, welche im Monat Januar ihre Reise antreten sollten. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(A. d. l. R.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Insel</hi> 
            <hi rend="italic bold">Loz</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Insel</hi> 
            <hi rend="italic bold">Loz</hi> im niederländischen <hi rend="italic">Hinter</hi>-<hi rend="italic">Indien</hi> den 16. Sept. 1836. (Von einer dort verheiratheten Berlinerinn.) Vor Kurzem hatten wir einige Male sehr hohen Besuch bei uns: der <hi rend="italic">Sultan</hi> von <hi rend="italic">Lingu</hi> gab uns nämlich die Ehre, hieher zu kommen. Er ist einer der größten Fürsten Indiens; sein Reich mag wohl größer seyn, als manches europäische, denn zu seinem Gebiete gehört, <hi rend="italic">Lingu</hi>, <hi rend="italic">Riouw</hi>, <hi rend="italic">Singapore</hi>, <hi rend="italic">Tringam</hi>, <hi rend="italic">Gohar</hi> und <hi rend="italic">Paham</hi>, und diese sind wieder Königreiche. Wir sind aber dennoch froh, daß dieser Fürst wieder nach <hi rend="italic">Lingu </hi>zurück ist; namentlich machte sich sein großes Gefolge, worin eigentlich sein Hauptstaat besteht, unangenehm. Sein Reichsminister und Waffenträger mit dem goldenen Zepter waren beständig um ihn. Es gefiel ihm bei uns gut. Er wunderte sich über mich, daß ich lesen und schreiben konnte, und noch mehr, daß ich fleißig nähte; er meynte, es wäre doch zu arg, ob denn alle Frauen in Europa das thun müßten. Eines Sonntags ging er auch mit seinen Ministern und Großen in die Kirche. Des Missionärs <hi rend="italic">Röttger</hi> Ornat gefiel ihm sehr, unsern Gottesdienst fand er einfach, aber feierlich. <hi rend="italic">Röttger</hi> mußte ihm nachher auf malayisch sagen, worüber er gepredigt hatte; dann fragte er wieder, ob ich denn das nun auch verstände, was er predigte; als ich ihm sagte: " ja wohl, die Frauen so gut als die Männer, und die Frauen kommen auch eben so gut in den Himmel, wie die Männer," war er ganz erstaunt. Bei den Malayen werden nämlich die Frauen sehr vernachlässigt. Als der Sultan fort war, kamen noch gegen hundert von seinen Weibern, die mich zu sehen wünschten. Glücklicherweise waren wir nicht zu Hause und unsere Leute ließen sie nicht hinein. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. M.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">China</hi>.</p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Macao</hi>. Eine durch die Corvette "<hi rend="italic">Bonite</hi>", commandirt von dem Capitain <hi rend="italic">Vaillant</hi>, aus China nach Frankreich überkommene Depesche, enthält, wenn sie anders richtig und wahr ist, sehr tröstliche Nachrichten für die Religion. Sie lautet: "Unser Commandant hat den Aufenthalt zu <hi rend="italic">Macao</hi> dazu benutzt, Schritte zu Gunsten der französischen Missionäre zu thun, welche mit den Local-Behörden in einige Zwistigkeiten gerathen waren, das Land hatten verlassen müssen, und nur mit der Aussicht demnächst zurückgekehrt waren, sich wieder vertrieben zu sehen. – Hrn. <hi rend="italic">Vaillant's</hi> Schritte haben die Regierung günstig für die Missionare gestimmt. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Univers)</hi>
         </p>
         <p>|Sp. 0787| <hi rend="italic bold">Spanien</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>* <hi rend="italic bold">Madrid</hi>, den 1. Juni. Der religiöse Zustand <hi rend="italic">Spanien</hi>’s wird von Tage zu Tage bedenklicher. Die früheren Regierungs-Verordnungen ließen noch eine gewisse Anzahl Klöster bestehen, und verschonten besonders die Nonnenklöster. Gottlosigkeit und Habsucht sind nun auch dieser Nachsicht zugleich müde geworden, und, um Geld zu machen, hat man beschlossen, Alles zu zerstören. Die Commission der Cortes hat den Vorschlag gemacht, alle Klöster gleichmäßig zu proscribiren. Der Bericht wurde am 28. v. M. nebst dem Gesetzes-Entwurf verlesen. Nach dem ersten Artikel werden in <hi rend="italic">Spanien</hi>, <hi rend="italic">den dazu gehörigen Inseln </hi>und in den <hi rend="italic">afrikanischen</hi> Besitzungen, alle Klöster, Collegien, Congregations- und sonstigen religiösen Institute und Häuser aufgehoben. Dieser Artikel hat zu gar keiner Discussion Anlaß gegeben, auch scheint sich nicht eine einzige Stimme zu Gunsten so vieler ehrwürdigern Institute, die mit einem gemeinschaftlichen Bannfluche belastet werden, erhoben zu haben. Ueber den zweiten Artikel dagegen fand nicht dieselbe Einstimmigkeit statt. Es wurde darin vorgeschlagen, als Ausnahme die zu <hi rend="italic">Valladolid</hi>, <hi rend="italic">Ocana</hi> und <hi rend="italic">Monte</hi>-<hi rend="italic">Agudo</hi> für die <hi rend="italic">asiatischen</hi> Provinzen errichteten Missionär-Collegien bestehen zu lassen, die Regierung zu authorisiren, die Zahl der Zöglinge in denselben festzusetzen, und Reglements für die innere Einrichtung und Verwaltung, so wie über die Zulassung der Novizen zu entwerfen. <hi rend="italic">Garcia Blanco</hi> tadelte diese <hi rend="italic">Ausnahme</hi>, und auch <hi rend="italic">Urquinaona</hi> verlangte die gänzliche Aufhebung, indem er sich in einer schauderhaften Philippica gegen die Klöster aussprach. „Zur Zeit des Dekrets der Cortes vom 27. October 1820 (sagte er), gab es 1892 Klöster, und die Zahl der Klosterbrüder erhob sich auf 20,000, die Mönche nicht einbegriffen. Trotz des Widerstandes der Bischöfe traten 4447 Klosterbrüder in den weltlichen Stand zurück, und dessenungeachtet fanden sich deren bei der Aufhebung noch 61,727 vor. Da in einem verhältnißmäßig so kurzen Zeitraume sich die Zahl derselben um mehr, als 46000 (genau 46,174) vermehrt habe, so könne man sich nicht genug beeilen, einen so verderblichen Keim ganz, und ohne Ausnahme zu ersticken." — Der Justiz-Minister und <hi rend="italic">Gomez Becerra</hi>, Mitglied der Commission, sprachen zu Gunsten der Missionär-Collegien. Sie stellten vor, es gäbe deren nur drei, fast mehr wie politische, als religiöse Anstalten zu betrachten, aus deren Aufhebung und Unterdrückung leicht der Verlust der Colonien hervorgehen könne.</p>
         <p>Die Discussion wurde am 29sten fortgesetzt. Ein Mitglied (<hi rend="italic">Huelves</hi>) war zur Annahme des Artikels bereit, vorausgesetzt, daß die Benennung „Novize" durch „Zögling" ersetzt werde, und als noch <hi rend="italic">Ferrara</hi> die Dienste hervorhob, welche die Missionäre auf den <hi rend="italic">Philippinen</hi> geleistet, wurde der Artikel angenommen.</p>
         <p>Wird dieß aber für die Dauer seyn? Werden nicht vielleicht schon im nächsten Jahre die Missionar-Collegien vor den Fortschritten des revolutionären Geistes fallen? Es ist alles zu fürchten, <hi rend="italic">Spanien</hi> werde durch Beharren auf dem eingeschlagenen Wege sich in religiöser Hinsicht in denselben verderblichen Abgrund stürzen, welchem von 50 Jahren her <hi rend="italic">Frankreich</hi> entgegenging. Aber für Parteimänner sind die Lehren der Erfahrung verloren.</p>
         <p>Der dritte Artikel authorisirt die Regierung vorläufig einige Häuser zu reserviren, um sie als medizinische Lehranstalten zu benutzen, als solche sie dann von ihr abhingen. In derselben Sitzung beantragte das Ministerium (durch den Finanzminister) die Confiscation und den Verkauf sämmtlicher Kirchen-Geräthschaften jeden Werthes; welchem die Cortes-Commission beitrat, um geachtet <hi rend="italic">Mendizabal</hi> ihr, auf die an ihn ergangene Frage, über die Höhe des Ertrages, antwortete: „er werde sich höchstens auf 30 Millionen Realen belaufen."</p>
         <p>Als diese neue Finanz-Operation in dem Publikum bekannt wurde, ertönte ein allgemeiner Schrei des Unwillens, der sich theils durch Verwünschungen Luft machte, theils sich in Wehmuth auflösete. Aber die Gemüther beruhigten sich wieder, als man aus dieser allgemeinen Entrüstung den Schluß zu ziehen sich berechtiget hielt: "Kein Spanier werde auch nur das geringste Gebot auf die durch so langen Gebrauch geheiligten Gegenstände thun, welche beiläufig einen höhern Werth durch kunstreiche Arbeit, als durch wirklichen Metallgehalt haben."</p>
         <p>In der That könnte <hi rend="italic">Mendizabal</hi> um einheimische Käufer in Verlegenheit kommen; aber er weiß sich zu helfen. (Man er- |Sp. 0788| innere sich nur der Verschiffung der Glocken nach Marseille). Aber vorauszusehen ist, daß der ganze Verkauf vielleicht kaum den achten, oder zehnten Theil der sich versprochenen Summen eintragen durfte, daß der Erlös nicht zur Deckung Eines Bedürfnisses hinreicht, ja daß ihm sogar das zehnfache und zwanzigfache vielleicht nachgeworfen werden muß, um die Folgen einer, jedem Menschen-Gefühle widerstrebenden Maßregel zu beseitigen. Man fahre nur in diesem Sinne fort, und man wird bald dem Feinde, der wenigstens die Kirche noch ehrt, das Feld räumen müssen. — Das Volk verlangt in der Kirche, was der Kirche gehört, was ihr eigen ist. Davon gab es am Feste der heil. <hi rend="italic">Rita</hi> einen redenden Beweis in der Kirche <hi rend="italic">del Incarnacion</hi>. Der Geistliche, welcher die Festrede halten sollte, schweifte nach wenigen Worten auf die jetzige Administration über, und ließ dieser die, der Heiligen zukommenden Lobsprüche zu Theil werden. Königinn, Regentinn, Minister und Cortes, nichts ging leer aus, aber die Zuhörer rächten die Unbilde, Anfangs durch Zischen, und als das nicht half, durch einen gränzenlosen Lärm, der erst aufhörte, als das Militär die Kirche, nicht ohne Gewalt brauchen zu müssen, räumte.</p>
         <p>— Nach der „Madrider Zeitung" ist Don Fernando <hi rend="italic">Echanove</hi>, Erzbischof von <hi rend="italic">Tarragona</hi>, der seine Diözese, ohne vorläufige Erlaubniß J. Maj. verlassen hat, mit der Verbannung bestraft worden. Er ist seiner Rechte, Prärogativen und Ehrenstellen beraubt, und seine Einkünfte sind sequestrirt worden. Der Bischof von <hi rend="italic">Tortosa</hi>, D. Victor Damian <hi rend="italic">Saez</hi>, der sich bis jetzt geweigert hat, der Regierung den Ort seiner Residenz zu erklären, ist ebenfalls zur Verbannung verurtheilt. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Köln. Z.)</hi>
         </p>
         <p>— Der Erzbischof von <hi rend="italic">Mejico, D. Pedro José de Fonte</hi>, ist von der Königin-Regentin zum Patriarchen von <hi rend="italic">Westindien </hi>und Großkanzler der Orden <hi rend="italic">Karl's VII.</hi> und <hi rend="italic">Isabellens</hi> der Katholischen ernannt worden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Leipz. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Deutschland.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Oesterreich.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Wien</hi>, den 26. Mai. Bei der gestrigen Frohnleichnams-Prozession bemerkte man die größte Pracht. Die Kaiserinn mit der Erzherzoginn Sophie und den vielen hohen Damen waren reich mit den schönsten Diamanten geschmückt. Kaum war die kaiserl. Familie in die Burg zurückgekehrt, so ergoß sich der Regen wieder in Strömen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. M.)</hi>
         </p>
         <p>— den 1. Juni. Der gestrige feierliche Einzug des päpstlichen Nuntius, Fürsten <hi rend="italic">Altieri</hi>, bot ein merkwürdiges Schauspiel dar. Man sah hier den Botschafter des heiligen Vaters, wie die Wiener scherzweise sagen, von Ketzern und Heiden begleitet, in die Residenz des apostolischen Kaisers und Königs einziehen. Wenn dieser Scherz auch unpassend erscheinen möchte, so ist doch nicht zu läugnen, daß es ein Zeichen von hoher Toleranz seyn dürfte, den Legaten des Papstes von dem Botschafter eines griechischen, reformirten und endlich gar eines türkischen Hofes begleitet, zu erblicken. Außer dem französischen Botschafter, Grafen St. Aulaire befindet sich nämlich kein Botschafter eines katholischen Hofes hier, weil die andern katholischen Höfe nur bevollmächtigte Minister am k. k. Hofe beglaubigt haben. So fügte es sich, daß außer dem Grafen St. Aulaire bloß die Botschafter von England, Rußland und der Türkei mit ihren Gallazügen erschienen. Der türkische Botschafter, Achmed Ferik Pascha entwickelte dabei, wie es scheint absichtlich, eine große Pracht; und das Erscheinen seines Gallawagens erregte, außer der merkwürdigen Thatsache selbst, unter der herbeigeströmten Menge ein ungemeines Erstaunen. II. MM. der Kaiser und die Kaiserinn hatten sich in den Schwarzenbergischen Palast verfügt, um von dem dortigen Balkone den Zug zu sehen. Man kann sagen, die halbe Bevölkerung von Wien war auf den Beinen. Der Landmarschall von Oesterreich, Graf <hi rend="italic">Goes</hi>, führte den Nuntius in einem Gallawagen, umgeben von k. k. Edelknaben und Hofdienerschaft, in den Palast der Nunciatur ein; und denselben folgten die Gallawagen obiger Botschafter nebst ihren Hausbeamten, von Gold und Silber strotzend. Heute erfolgte die feierliche Antrittsaudienz des Nuntius bei II. MM. in der Burg.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Rhein- u. Mos.-Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Salzburg</hi>. Ein Jahrhundert ist verflossen, seit die evangelischen Salzburger durch den Erzbischof von Firmian um ihres |Sp. 0789| Glauben’s willen, 30,000 Seelen stark, ausgetrieben wurden. Heute wiederholt sich vor unseren Augen dieselbe Szene. Zwar nicht in so großem Maßstabe, aber unter nicht minder auffallenden Umständen. <hi rend="italic">Gegen fünfhundert Bewohner des Zillerthales, die vor zehn Jahren sämmtlich noch der römisch-katholischen Kirche angehörten, haben den Befehl erhalten, ihr Vaterland zu verlassen, weil sie gesonnen sind, zur evangelischen Kirche überzutreten.</hi>
         </p>
         <p>Ende April d. J. erschien der Kreishauptmann des Unterinnthales zu Zell im Zillerthal, ließ dort und an vier andern Orten die Verheiligten zusammenrufen und verkündigte ihnen den kaiserl. Befehl. Man muß es gestehen, sie erschraken im ersten Augenblicke nicht so sehr, denn zehnjährige Bedrückung und Verfolgung hatte sie nach der Stunde der Befreiung begierig gemacht. Es wurde ihnen nur eine kurze Frist vergönnt, denn bis zum 11. Sept. d. J. soll der äußerste Termin ihres Aufenthaltes seyn. Sie haben daher keinen Augenblick verloren und aus ihrer Mitte einen zuverlässigen Mann abgeordnet, der sich in Deutschland nach einem Zufluchtsorte für die Ausgetriebenen und unter den deutschen Fürsten nach einem Schutzherrn umsehen soll. Dieser Mann ist <hi rend="italic">Johann Fleidl</hi> aus Bichl im Zillerthal, welcher sich gegenwärtig in Berlin befindet, um dasselbe erhabene Fürstenhaus, welches vor hundert Jahren die evangel. Salzburger mit offenen Armen aufnahm, um Schutz und Hilfe anzuflehen. In seinen Händen befindet sich folgender obrigkeitlicher Ausweis: </p>
         <p>Ad. No. 36 Praesid.<lb/>
            <hi rend="italic">Certifikat.</hi>
         </p>
         <p>Nach dem ausgesprochenen Allerhöchsten Willen Sr. Maj. des Kaisers haben diejenigen Bewohner des Zillerthales, welche sich für den Austritt aus der kathol. Kirche erklärt haben, Tyrol zu verlassen, und entweder auszuwandern, oder ihr Domicil in einer anderen österreichischen Provinz an solchen Orten zu nehmen, wo sich akatholische Gemeinden des Religionsbekenntnisses, für welches sie sich erklären, befinden.</p>
         <p>Dieses wird nun dem <hi rend="italic">Johann Fleidl</hi> von Bichl, d. G. und dessen committirenden Glaubensgenossen, welche nach erklärtem Austritte aus der kathol. Kirche die gänzliche Auswanderung der Uebersiedelung in eine andere österreichische Provinz vorgezogen haben, zur Legitimation und zur Ausmittelung geeigneter Ansiedelungsplätze im Auslande in Folge kreisamtlicher Eröffnung vom 8. dieses Nr.4492/567 Publ. amtlich bestätiget.</p>
         <p>Vom K. K. Landgerichte Zell am Ziller den 11. Mai 1837. </p>
         <p>(L. S.) 	<hi rend="italic">Schlechter</hi>, Landrichter.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Evangel. K. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Würtemberg</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Stuttgart</hi>, den 25. Aprill. Ein von vielen Gläubigen hochverehrter Mann, der Stadtpfarrer an der St. Leonhards-Kirche dahier, <hi rend="italic">Dann</hi>, ist vor Kurzem gestorben. Seit vielleicht 20 Jahren erlebte man daselbst kein größeres Leichenbegängniß, keine rührendere Leichenfeier. Von verschiedenen Punkten des Landes her strömten andächtige Freunde des Seligen in Menge herbei, und nach seinen hinterlassenen Schriften geschieht unaufhörlich Nachfrage, um wenigstens noch im Geiste den theuern Lehrer des Heils fortzubesitzen; während zugleich die Umrisse seines Antlitzes in mehreren Tausend Exemplaren verkauft worden sind, und noch täglich verkauft werden. Man hat in diesem Manne das Oberhaupt der würtembergischen Pietisten zu sehen geglaubt; allein unter diesen selbst muß ein großer Unterschied gemacht und die verschiedenen Fraktionen derselben dürfen nicht mit einander vermengt werden; denn von der thatkräftigen, echt christlichen und rein humanen Wirksamkeit <hi rend="italic">Dann's</hi> und mehrerer seiner Freunde an, bis zu den obscuren Konventikeln und muckerartigen Bestrebungen kleiner Parzellen und vereinzelter Individuen herab, welche unter dem Kollektivnamen "Pietisten" vom Publikum genommen werden, gibt es ungemein viele Nuancen. Und so wird die Sache wohl auch andererseits hie und da zu nehmen seyn.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Frankf. Journ.)</hi>
         </p>
         <p>— Ein Sohn des hiesigen israel. Banquiers <hi rend="italic">Benedikt</hi> ist vor einigen Tagen zur protestantischen Religion übergetreten, und hat sich mit einer Fräulein <hi rend="italic">Lebret</hi> verheirathet. Daß sein in Neapel lebender Bruder, der berühmte Komponist, dem mosaischen Glauben schon vorlängst entsagt hat, ist bekannt. |Sp. 0790| </p>
         <p>— Wenn der geneigte Leser schon einmal von <hi rend="italic">Stuttgart </hi>her nach <hi rend="italic">Eßlingen</hi> gegangen oder gefahren ist, so wird ihm das Kirchlein, welches vor der äußern Neckarbrücke steht, schon aus der Entfernung in das Auge gefallen seyn, als ein Punkt der zur Verschönerung der Gegend nicht wenig beiträgt. Hat ihm das Kirchlein gefallen, so rathe ich ihm, es demnächst noch einmal zu besuchen, denn es soll abgebrochen werden. Hat es etwa Noth gelitten, und ist baufällig geworden? Nein! aber es verengt die Straße etwas; und deswegen soll es weichen. Doch wenn das Kirchlein auch nicht mehr steht, so trifft der schwere Frachtwagen, wenige Hundert Schritte weiter, die enge Pliensau-Straße, die er ebenfalls mit einiger Vorsicht passiren muß. Und darum Schade um das Kirchlein, da durch dessen Abbruch doch nur wenig geholfen, der Umgegend aber eine Zierde entzogen wird. Unsere gemeinnützige Zeit baut Runkelrüben- und endlose Papier-Fabriken, und legt Kanäle und Eisenbahnen an, welche einst von ihr, der gewerbreichen, zeugen sollen. Doch sie sollte billig, wo es nur immer möglich ist, die Denkmale der entschwundenen, der frommen Vorzeit schonen. Sechs Jahrhunderte voll Kampf und Noth sind an diesem Kirchlein vorübergezogen, ohne es zu stürzen; zwar des Priesters Stimme und des Betenden leises Flüstern hört es schon lange nimmer mehr, doch immer noch ruhte wohlgefällig auf ihm der Blick des Wanderers, und wohl in Manchem hat es ernste Gedanken an die Vergänglichkeit menschlicher Dinge erweckt. Und darum sollte unsere Zeit, die Zeit der Ruhe und der Segnungen des Friedens, das erhalten, was die Stürme der Kriege nicht zerstört haben — wenn es möglich ist.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. Merk.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Tübingen</hi>. Hr. Prof. v. <hi rend="italic">Hirscher</hi> hat sich entschlossen, einen <hi rend="italic">Katechismus</hi> auszuarbeiten, und auch seine Arbeit bereits begonnen. Ein Freund aus dem Würtembergischen gibt noch die nähere und zuverläßige Nachricht, daß Hirscher nicht nur Einen, sondern zwei und vielleicht drei für die verschiedenen Altersklassen bestimmte Katechismen wirklich ausarbeite, und diese Arbeit in etwa anderthalb Jahren beendigt seyn werde. Mit dem größern Katechismus, welcher dem Katecheten, wohl auch der gereiftern christenlehrpflichtigen Jugend, und dem unterrichtbegierigen erwachsenen Volke dienen soll, habe er vor kurzer Zeit bereits den Anfang gemacht; diesem folge dann der kleinere nach, welcher in angemessener Kürze und zweckmäßiger Darstellung die christliche Religionlehrer für die Elementarschüler enthalte. <hi rend="italic">Hirscher</hi> wird, davon sind wir insgesammt genügend überzeugt, nur etwas Tüchtiges liefern. Ein biblisch-psychologischer, geschichtlich-logischer, alle religiösen Glaubens- und Sitten-Grundwahrheiten organisch verbindender und auf das religiös-sittliche Leben beziehender, — ein gründlicher und gediegener Katechismus muß der <hi rend="italic">Hirscher'</hi>sche seyn. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Bad. Kirchenbl.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Rottenburg</hi>. Von den 635 Pfarreien des Bisthums Rottenburg sind gegenwärtig 130, und von den 159 Kaplaneien 80 unbesetzt. Diese Menge der Sedisvacanzen hat ihren Hauptgrund dann, daß nicht die erforderliche Zahl von Candidaten vorhanden ist, um dem Bedürfnisse zu genügen, und daß die aus dem Priesterseminare austretenden jungen Geistlichen nicht auf selbstständigen Stellen angesetzt werden können, ohne daß sie sich erst einige Jahre als Vicare die erforderliche Uebung in den Geschäften der Pastoration erworben haben. Die nachtheiligen Folgen, welche diese vielen und langen Amtserledigungen für das religiöse und moralische Interesse der Gemeinden haben, sind allgemein anerkannt, und werden um so mehr beklagt, da die Adspiranten des Kirchendienstes sich bei weitem nicht in dem Verhältnisse mehren, daß für die Zukunft bessere Hoffnungen gefaßt werden könnten. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Bemerker)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Saulgau</hi>, den 20. März. Heute verkündigte das Geläute vom Thurme unserer kathol. Pfarrkirche herab das Leichen-Begängniß einer Frau, die sich nicht zu der hier allein herrschenden, kathol. Religion bekannte, sondern dem protestantischen Glauben und Cultus angehört hatte. Sie wurde ebenso zu Grabe geleitet, wie jeder im Schooß seiner Kirche gläubig verstorbene Katholik. Es war rührend, unseren ehrwürdigen, greisen Stadt-Pfarrer, Dr. v. <hi rend="italic">Illmensee</hi>, an der Spitze einer ungewöhnlich großen Menschen-Menge, unter Begleitung des kathol. Grabgesanges, mit den irdischen Ueberresten einer Protestantinn zum Grabe wandern zu sehen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. M.)</hi>
         </p>
         <p>|Sp. 0791| <hi rend="italic bold">Wilhelmsdorf</hi>. In der seit 1824 angelegten Kolonie <hi rend="italic">Wilhelmsdorf</hi>, Oberamts Ravensburg, bestehen <hi rend="italic">zwei</hi>, mit der Kinderrettungs-Anstalt in Kornthal in Verbindung stehende <hi rend="italic">Rettungshäuser für verwahrloste Kinder</hi>, vom zurückgelegten sechsten bis zum vollendeten zehnten Jahre, deren eines 30 Knaben, und das andere 30 Mädchen enthält, welche in Erziehung und Haushaltung völlig abgesondert, und nur in den Schulstunden vereinigt sind. Nach zurückgelegtem zehnten Jahre gehen diese Kinder in die größere Anstalt in Kornthal über, wo sie neben dem Schulunterricht in landwirthschaftlichen Arbeiten auf einem zum Haus gehörigen Gute mit Aeckern, Wiesen, Gärten und Weingärten unterrichtet werden. Für Kost, Logis, Wäsche, Kleidung, Unterricht, Aufsicht, Arzt u. s. w., werden jährlich 36 fl. in Quartal-Raten bezahlt.</p>
         <p>Ferner ein Haus, in welches <hi rend="italic">Kinder von der Geburt an</hi>, bis sie selbst gehen können, aufgenommen und durch eigene Wärterinnen mütterlich verpflegt werden. Es sind besondere gedruckte Anweisungen vorhanden, nach welchen die Kinder, deren Zahl auf zwölf berechnet ist, bei Tag und Nacht behandelt werden müssen. Bis diese Kinder selbst gehen können, werden jährlich für jedes 52 fl. in Quartal-Raten bezahlt. Von da an, wo sie selbst gehen können werden die Kosten verhältnißmäßig verringert.</p>
         <p>Endlich sind auf einem eine halbe Stunde entfernten, zu Wilhelmsdorf gehörigen Hofe, die Linde genannt, seit einigen Jahren <hi rend="italic">zwei Zufluchtshäuser für entlassene Strafgefangene weiblichen Geschlechts</hi> erbaut, in welche solche Personen aufgenommen werden, bei denen noch Hoffnung zu einer gründlichen Besserung und Sinnesänderung vorhanden ist, damit sie nicht in Ermangelung eines Dienstes in Vergehungen fallen. So schwer auch dieses Unternehmen ist, so sind doch die bisherigen unvollkommenen Versuche nicht vergeblich gewesen. Gewiß würden aber erfreuliche Resultate sich ergeben, wenn diese Personen eine eigene Lehrerinn und Aufseherinn, und eigene Schlafzellen hätten, wo nur eine, höchstens zwei Personen bei einander wären. Dieß würde aber ein eigenes Gebäude erfordern, das zwar nicht sehr hoch zu stehen kommen würde, aber doch von der armen Gemeinde Wilhelmsdorf nicht bestritten werden könnte. Am leichtesten könnten wohl die Kosten durch unverzinsliche Aktien und freiwillige Beiträge zusammengebracht werden.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Der Christenbote)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Calw</hi>, den 1. Aprill. Am 17. März, Nachmittags 2 Uhr, wurde die öffentliche Jahresfeier des Calwer Missions-Vereins in der Kirche zu Calw begangen. Sämmtliche Einnahmen betrugen im letzten Rechnungsjahre 3165 fl. 46 kr., worunter jedoch der Ertrag des Calwer Missionsblatts nicht mit inbegriffen ist.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Calwer Miss.-Bl.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Baden</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Karlsruhe</hi>, 1. Mai. Durch unsere evangel. Kirchensektion wird ein Gesetzentwurf vorbereitet, durch welchen das bisherige System, nach welchem die evangel. Pfarrstellen des Landes besetzt wurden, umgestoßen, und ein neues an seine Stelle gesetzt werden soll, wodurch die Pfarreien in den lebenslänglichen Besitz der dem Staate für jeden einzelnen Fall approbirten Geistlichen gelangen, und durch Besoldungs-Erhöhungen etc. in den geeigneten Pausen die Zufriedenheit des Staates gegen den in seinem Alter und Dienste fortschreitenden Seelsorger bezeichnet werden. Dieses Gesetz, wenn es einst in Lebenskraft getreten, wird jedenfalls seine guten Wirkungen für die öffentliche Moral nicht verfehlen, und die Motive, die es aus unmittelbarer Lebensanschauung zu seinem Ursprunge genommen, werden dann gehörig gewürdiget werden.</p>
         <p>
            <hi rend="bold"> (H. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Banschlott</hi> (Oberamt Pforzheim), 6. Juni. Se. k. Hoh. der Großherzog, höchstwelche in hiesiger Gegend mehrere Besitzungen haben, und deßhalb oft hier verweilen, geruhten der unterthänigste Bitte des Gemeinderaths um allerhöchste persönliche Beiwohnung bei Legung des Grundsteines zu der neu erbaut werdenden Kirche zu willfahren, worauf die Grundsteinlegung am 30. v. M. in Anwesenheit Sr. k. Hoh. und der versammelten Gemeinde feierlich vollzogen wurde. Der geheime Rath <hi rend="italic">Deimling</hi>, als Oberamtsvorstand, und der erste Stadtpfarrer, Dekan <hi rend="italic">Frommel </hi>von Pforzheim, hielten gehaltvolle, dem Zwecke der Feier entspre- |Sp. 0792| chende Reden. Mit ehrfurchtvollstem Danke empfing der Gemeinderath aus der Handkasse Sr. k. Hoh. des Großherzogs zu diesem Kirchenbau einen Beitrag von 500 fl. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Karlsr. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Freiburg</hi>, den 11. Mai. Der Aufbau der von dem ehemaligen Cisterzienser-Stift <hi rend="italic">Tennenbach</hi> auf dem Schwarzwald hierher transferirten byzantinischen Kirche wird seit einigen Tagen wieder fortgesetzt. Man hofft, diesen Sommer damit ganz fertig zu werden. Unsere Stadt wird an dieser Kirche, die für den Gottesdienst der hiesigen evangelisch-protestantischen Gemeinde bestimmt ist, eines der schönsten Denkmäler des byzantinischen Styles erhalten, wie sie an ihrem Münster das vollendetste der deutschen Baukunst bereits besitzt. Die bisherige protestantische Kirche soll für das zu errichtende katholische Convict bestimmt werden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. M.)</hi>
         </p>
         <p>— den 7. März. Der 6. März, als der Todestag des in Gott ruhenden Hrn. Erzbischofs <hi rend="italic">Bernard</hi>, erregte bei seinem Nachfolger, dem hochwürdigsten Hrn. Erzbischof <hi rend="italic">Ignaz</hi> und dem ganzen Domkapitel wieder auf's Neue lebhaft seine Gefühle dankbarer Liebe und Verehrung, welche sie in seinem Leben Ihm mit wahrer Aufrichtigkeit gezollt, und die sich durch Hochdessen gnädige letztwillige Bestimmung wo möglich noch gesteigert haben. Um so inniger ward auch die auf heute angeordnete Todtenfeier für den Hingeschiedenen, als jährliche Gedächtnißfeier seines Hintritts, in der hiesigen Metropolitankirche begangen. Schon gestern Abend um 4 Uhr hielt das versammelte Domkapitel, den Herrn Erzbischof an der Spitze, mit der gesammten Domgeistlichkeit und dem Alumnat des hiesigen Seminars, eine feierliche Todtenvesper und Vigil, wobei der hiefür aufgerichtete Katafalk, mit den erzbischöflichen Insignien und persönlichen Wappen und Auszeichnungen des hohen Verstorbenen geschmückt, sehr prachtvoll beleuchtet war, so wie auch diesen Morgen bei dem Pontifikal-Traueramte, das der hochwürdigste Hr. Erzbischof <hi rend="italic">Ignaz</hi>, als erste feierliche Funktion seiner hohenpriesterlichen Würde, unter Anwohnung des hohen Domkapitels, der übrigen Domgeistlichkeit, der Pfarrgeistlichkeit zu St. Martin, der Alumnen mit ihrem Vorstand und einer beträchtlichen Anzahl frommer Gläubigen gehalten hat. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Freib. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Heidelberg</hi>, den 21. Aprill. Das von der letzten Generalsynode beantragte <hi rend="italic">Prediger-Seminar für evangelisch-protestantische Theologen</hi> wird nun nächstens wirklich in das Leben treten. Sämmtliche Theologie-Studirende haben nach Vollendung ihrer Universitäts-Studien, wenn sie im Badischen angestellt werden wollen, in dasselbe auf wenigstens ein Jahr zur Vorbereitung für ihren praktischen Beruf einzutreten. Nach dem Wunsche der Generalsynode sollte der Sitz des Seminars nicht in die Universitätsstadt Heidelberg, sondern nach Bretten kommen, indem erstere aus allerdings zu beherzigenden Gründen dem Zwecke eines solchen Seminars nicht ganz entsprechend zu seyn schien. Sicherem Vernehmen nach ist nun aber doch Heidelberg zum Sitze bestimmt, besonders aus dem Grunde, weil die dortige theologische Fakultät an dem im Seminar zu ertheilenden Unterricht mitwirken soll. — Zum Direktor der Anstalt, der, wenn dieselbe wirklich gedeihen soll, ein nicht nur wissenschaftlich, sondern auch praktisch gebildeter Mann seyn muß, soll dem Vernehmen nach entweder der durch seine wissenschaftliche Leistungen rühmlichst bekannte Pfarrer Dr. <hi rend="italic">Bär</hi> in Eichstetten im Badenschen oder der Seminariums-Direktor <hi rend="italic">R. Rothe</hi> in Wittenberg berufen werden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. Merk.)</hi>
         </p>
         <p>— Die theologische Fakultät unserer Universität, welche in letzter Zeit zwei bedeutende Verluste erlitten, hat sich jetzt einer schönen Acquisition zu erfreuen. Prof. <hi rend="italic">Rothe</hi>, früher k. preuß. Gesandtschaftsprediger in Rom, seit längerer Zeit zweiter Direktor des theologischen Seminariums in Wittenberg, ein durch wissenschaftliche Bildung und Lehrgabe ausgezeichneter und in praktischer Thätigkeit erprobter Mann, hat einen sehr ehrenvollen Ruf als Professor der Theologie und Direktor des hier zu gründenden Institutes für praktische Theologenbildung erhalten und definitiv angenommen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(A. K.-Z.)</hi> <lb/>|Sp. 0793|
         </p>
         </div>
            
           <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.
         </head>
       <div type="taka">
         <head>
          Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p> <title> <hi rend="bold">* Die fürstlichen Bekehrungen zur katholischen Kirche im sechzehnten Jahrhundert.</hi></title>
           </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">J. V. Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Die stets weitere Ausbreitung der Religion Jesu Christi ist ein wesentliches Kennzeichen ihrer Göttlichkeit. Wie diese immer wachsende Ausdehnung in Raum und Zeit in der römisch-katholischen<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
               <p rend="footnote text"> 
                  <hi rend="italic">Römisch</hi> hat im katholischen Sinne die doppelte Bedeutung 1) in dem Sinne, daß die römische Kirche die einzige apostolischer Begründung ist, welche sich einer ununterbrochenen rechtmäßigen Nachfolge zu erfreuen hat, und 2) in jenem der Vereinigung mit dem Mittelpunkts der Einheit, durch den Nachfolger Petri, dem der Heiland unter den oriental. Symbol der Schlüssel die oberste Leitung in seiner sichtbaren Kirche übertragen hat.</p>
            </note> Kirche, welche allein zu allen Zeiten und an allen Orten in allen Theilen Ein und denselben unversehrten und vollständigen Christenglauben verkündet und erhält, verwirklicht sey, und fortwährend verwirklicht werde, zeigt,— wie ich bereits bei einem andern Anlaß (in der Rezension der <hi rend="italic">Wiseman'schen</hi> Missionsschrift in Hedler's Christkathol. Religionsmagazin, Bd. II. H. I) andeutete, — die Geschichte jedem kundigen Forscher auf allen Blättern ihrer Annalen, und wer in einer <hi rend="italic">Totalauffassung</hi> aller einzelnen Jahrhunderte den sich stets darin bewegenden <hi rend="italic">gleichartigen</hi> Gang anschaut, der kann das Walten der <hi rend="italic">göttlichen</hi> Vorsehung über der wahren Kirche darin unmöglich verkennen. Das große Werk der Apostel ward nach deren Tode durch diejenigen fortgesetzt, die als ihre rechtmäßigen Nachfolger allein göttliche Sendung hatten, und selbst die grausamsten Verfolgungen der heidnischen Wütheriche konnten das Wachsthum des göttlichen Wortes nicht aufhalten, — das Blut der Märtyrer ward vielmehr, wie schon <hi rend="italic">Tertullian</hi> bemerkte, der Same des Christenthums, das sich in allen drei Haupttheilen der damals bekannten Welt ausdehnte, und die verschiedenartigsten Völker in den Schooß der Einen allgemeinen Kirche versammelte. Zwar traten nach und neben den rechtmäßigen Glaubensboten auch wohl Sendlinge häretischer Sekten auf, um ihrer eigenen Trennung von der Allgemeinheit der Kirche durch eine Predigt unlauterer Vermischung von Irrthum und verstümmelter Wahrheit stärkeren Anhang zu verschaffen, wie z. B. die Arianer, allein ihre falschen Bemühungen mußten am Ende nur dazu dienen, Vorarbeiten für den Katholizismus gewesen zu seyn, denn die arianischen West- und Ostgothen traten endlich in den Schooß der Kirche ein, aus welchen die Arianer erst herausgetreten waren. Als die schrecklichen Verwüstungen der <hi rend="italic">Muhamedaner</hi> die ersten Sitze des Christenthums in <hi rend="italic">Asien</hi> und <hi rend="italic">Afrika</hi> verschlangen, erhielt die Kirche Gottes neue Bekenner unter den <hi rend="italic">Germanen</hi> und andern europäischen Völkern, sowie das <hi rend="italic">Schisma der Griechen</hi> durch die Bekehrung des <hi rend="italic">skandinavischen Nordens</hi> und anderer mehr ersetzt ward. Als im 16. Jahrhunderte der <hi rend="italic">Protestantismus</hi> der Kirche mehrere Länder <hi rend="italic">Europa's</hi> entriß und der Religion, welche ein <hi rend="italic">Augustin</hi> und <hi rend="italic">Columban</hi>, ein <hi rend="italic">Ansgar</hi> und <hi rend="italic">Siegfried</hi>, ein <hi rend="italic">Willibrod </hi>und <hi rend="italic">Suitbert</hi>, ein <hi rend="italic">Poppo</hi> und <hi rend="italic">Bonifacius</hi> verkündet hatten, viele Anhänger entriß, erweckte Gott den großen <hi rend="italic">Franziskus Xaverius</hi>, den noch heute <hi rend="italic">Indien</hi> als seinen Apostel verehret, und dessen, so wie seiner Ordensgenossen gesegnetes Wirken der katholischen Kirche in <hi rend="italic">Asien</hi>, <hi rend="italic">Afrika</hi> und <hi rend="italic">Amerika </hi>mehr neue Bekenner erwarb, als sie in einigen Staaten Europa's verlor. Zwar erlitten wieder in <hi rend="italic">Japan</hi> unzählige Katholiken unter den gräßlichsten erneuerten heidnischen Christenverfolgungen den Martertod, und in <hi rend="italic">Abyssinien</hi> nahm die monophysitische Ketzerei wieder überhand, aber zahlreiche neue Bekehrungen in <hi rend="italic">China</hi>, <hi rend="italic">Paraguay</hi> und anderen glänzenden Missionen boten ein neues Gegengewicht; und gerade in derselben Zeit, als <hi rend="italic">Napoleon's</hi> tyrannische Gewaltherrschaft den unglücklichen <hi rend="italic">Pius VII</hi>. gefangen hielt, machte der heilige Glaube erstaunliche neue Fortschritte in <hi rend="italic">Nordamerika</hi>; und in der Botschaft der <hi rend="italic">Korea- </hi>|Sp. 0794| <hi rend="italic">ner</hi> erhielt der Vater der Gläubigen eine neue Huldigung von den äußersten Gränzen Asien's. Die Kirche, welcher die Geschichtsunkunde feindseliger Irrgänge so oft schon mit der allemal falschen Prophezeiung eines nahen Unterganges entgegentrat, sieht dennoch heute in fast 200 Millionen Bekennern, verbreitet über alle fünf Welttheile da, und ausgedehnter, als irgend eine andere. Wohl können einzelne Länder das Unglück haben, von ihr, gleich Aesten vom Baume, abgerissen zu werden, sie selbst aber wurzelt unerschütterlich, und dehnt ihre Zweige immer weiter aus unter dem Schutze und Segen ihres göttlichen Stifters.</p>
         <p>Bemerkenswerth dürfte es in diesem stets gleichmäßigen Geschichtsgange der kathol. Kirche erscheinen, wie gerade im 16ten Jahrhundert, als in Europa die damals entstandenen Neuerungen auch mehrere Fürsten zum Abfall leiteten, deren Stämme von da an zum Theil noch jetzt dem lutherischen, anglikanischen und reformirten Protestantismus angehören, sogar, und zwar namentlich in den übrigen Welttheilen, eine noch beträchtlichere Anzahl schismatisch-christlicher, muhamedanischer und heidnischer Kaiser, Könige und Fürsten zur katholischen Kirche bekehrt wurden. Ich habe darüber die folgenden Notizen zusammengestellt:</p>
         <p>In <hi rend="italic">Afrika</hi> wurde der König von <hi rend="italic">Segno</hi> durch den Kapuziner Zuchelli bekehrt, und der König von <hi rend="italic">Congo</hi>, nachdem er die h. Taufe empfangen, schickte zwei seiner Prinzen nach Portugal, um dort erzogen zu werden. <hi rend="italic">David</hi>, Kaiser von <hi rend="italic">Abyssinien</hi>, entsagte nebst mehrern Gliedern der kaiserl. Familie dem Monophysitismus, und trat zur römisch-katholischen Kirche. Ohne des amerikanischen Herrschers <hi rend="italic">Atahuala</hi>, Inka's von <hi rend="italic">Peru</hi>, zu gedenken, der im J. 1531 die h. Taufe empfing, finden wir zahlreiche Bekehrungen vornämlich in <hi rend="italic">Asien</hi>. Der Kronprinz von <hi rend="italic">Insanatapa</hi> erlitt wegen seines Uebertritts zur katholischen Religion den Martyrtod, allein seine Tante, die Schwester des regierenden Königs, eine tugendhafte Fürstinn, folgte mit dem zweiten königlichen Prinzen und ihrem eigenen Sohne dem gegebenen Beispiele, und sandte beide Prinzen in das Seminar von Goa, woselbst auch der vertriebene rechtmäßige König die heil. Taufe empfing. Der schon 60jährige König von <hi rend="italic">Supa</hi> ward mit seinem ganzen Hofe katholisch, und der König von <hi rend="italic">Sion </hi>(auf Makassar) folgte diesem Beispiele. Der regierende Fürst von <hi rend="italic">Momoya</hi>, welcher denselben Schritt that, erhielt in der heil. Taufe den Namen <hi rend="italic">Johann</hi>, und blieb standhaft dem h. Glauben getreu unter den Drohungen und Mißhandlungen der Muhamedaner. Am Hofe des Königs von <hi rend="italic">Ternate</hi>, Beherrschers der Molukken, wurden mehrere Fürsten und Fürstinnen vom königl. Geblüte durch den h. Franz Xaver bekehrt, darunter zwei Schwestern des Königs, welche, als Bräute Jesu Christi, mehr, als Eine ihnen dargebotene Krone ausschlugen, und lieber die übelste Behandlung von ihrem Bruder erduldeten, als dem h. Glauben entsagen zu wollen. Zu Goa bekehrte sich der König <hi rend="italic">Tabarigio</hi>, und im J. 1546 that dieses auch der König von <hi rend="italic">Ulate</hi>. Im nämlichen Jahre nahm die berühmte sarazenische Fürstinn <hi rend="italic">Neachile Pocaraga</hi>, verwitwete Königinn von <hi rend="italic">Ternate</hi>, geborne königliche Prinzessinn von <hi rend="italic">Tidor</hi>, den katholischen Glauben, und den Taufnamen <hi rend="italic">Isabella</hi> an, und errang eine hohe Stufe christlicher Vollkommenheit. Im J.1547 folgten der König von <hi rend="italic">Makassar</hi> sammt seinem Sohne und seiner Tochter, der Prinzessinn <hi rend="italic">Eleonore</hi>, im J. 1548 der König von <hi rend="italic">Cande</hi>, sämmtlich durch den h. Franz Xaver, und im J. 1551 den zwanzigjährigen König der <hi rend="italic">Maldiven</hi>, durch denselben und den Jesuiten P. Anton Heredia erleuchtet, und um dieselbe Zeit der durch Tapferkeit, Bildung und Feinheit des Benehmens ausgezeichnete König von <hi rend="italic">Tanor</hi>, bekehrt durch einen Franziskaner und den P. Gomez, und der junge König von <hi rend="italic">Trichenamalo</hi>, unterrichtet durch den P. Henriquez. Im japanischen Reiche ereigneten sich gleichfalls mehrere ansehnliche Bekehrungen, darunter namentlich die des Königs von <hi rend="italic">Bungo</hi>, der von dem Jesuiten P. Cabral die h. Taufe, und in derselben den Namen <hi rend="italic">Franz Xaver</hi> empfing, und einer der eifrigsten Christen wurde. Gemeinschaftlich mit zwei andern, ebenfalls katholisch gewordenen japanischen Herrschern, dem Fürsten von <hi rend="italic">Omura</hi> und dem Könige von <hi rend="italic">Arima</hi> schickte er Gesandte an den damaligen Papst <hi rend="italic">Gregor XIII</hi>. ab, welche bei der Krönung des, im J. 1585 letzterem auf dem h. Stuhle folgenden, Papstes <hi rend="italic">Sixtus V.</hi> den Thronhimmel trugen. Dazu kam noch, daß auch in Europa selbst mehrere Fürsten und Fürstinnen schon im |Sp. 0795| nämlichen Jahrhundert den Protestantismus wieder verließen, und das Beispiel glänzender Bekehrungen zur katholischen Kirche gaben, unter welchen jene des großen und guten <hi rend="italic">Heinrich IV</hi>., Königs von <hi rend="italic">Frankreich</hi>, eine der erfreulichsten war<note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
               <p rend="footnote text"> Ein chronologisches Verzeichniß der denkwürdigsten Bekehrungen vom Protestantismus zur katholischen Kirche, von der Reformation bis auf die neueste Zeit, von dem Verfasser des Obigen, erscheint in ganz kurzer Zeit bei Theodor Pergay in Aschaffenburg.</p>
            </note>.</p>
              </div>   
         <div type="tais">      
         <head>
          Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="bold">* Einige Bemerkungen, über den vom Hrn Dr. M. </hi>
            <hi rend="italic bold">Heß</hi>
            <hi rend="bold">, in der Univ.-K.-Ztg. No. 6 zur Diskussion gebrachten Gegenstand: „Die zwei theologischen Parteien im Judenthume."</hi>
         </title>
            </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Vom Rabbiner </hi>
            <hi rend="italic bold">H.</hi> 
            <hi rend="italic bold">Aub </hi>
            <hi rend="bold">in München.</hi>
         </p>
         <p>Abgesehen von der Ueberschrift dieses Aufsatzes, die etwas Anderes zu sagen scheint, als dessen Inhalt wirklich darthut, indem jene <hi rend="italic">theologische</hi> Parteien ankündigt, und dieser die Divergenzen unter den Laien behandelt, denn nur diese sind es, die sich über die Speisegesetze im Judenthum, und über die Feier der Sabbathe und Festtage hinwegsetzen, während die Theologen, selbst die neuesten und freiesten unserer Zeit, meines Wissens noch nicht Table d’hôte gespeis't, und auch die Sabbath-Feier nicht verletzt haben. Auch ist mir eine ähnliche Behauptung wie die des Hrn. Dr. <hi rend="italic">Heß</hi> von Seiten der jüdischen Theologen nicht bekannt, wenn anders nicht die des Hrn. Dr. <hi rend="italic">Creizenach</hi> im Tarjag gemeint sey, daß nämlich nach dem mosaischen Gesetze — gleichviel ob biblisch oder traditionell — Wildpret essen z. B. erlaubt sey, oder daß man am Sabbath, gleichwie an Werktagen arbeiten und sein Geschäft betreiben dürfe, und ihn, den Sabbath, nur auszeichnen soll durch besseres Essen und Trinken, und etwa auch durch den Besuch der Synagoge. Ich sage, abgesehen von diesem allen, wünschte ich vom Hrn. Dr. <hi rend="italic">Heß</hi> Aufschluß über folgende, von ihm aufgestellten Punkte:</p>
         <p>1) "<hi rend="italic">Die biblischen</hi> Juden nehmen diese <hi rend="italic">mündliche Ueberlieferung</hi> nicht an, und stellen die Interpretation der Schrift dem Studium etc. derjenigen anheim, die sich durch Kenntnisse und Muße dazu berufen fühlen." Vom historischen Standpunkte aus betrachtet, versteht man unter den <hi rend="italic">biblischen</hi> Juden die <hi rend="italic">Karaiten</hi>. Diese stellen aber die Auslegung der Schrift nicht den Forschungen von Berufenen oder Unberufenen anheim, vielmehr haben sie — auch bei ihrem strengen Festhalten am einfachen Wortsinn — doch auch manches Traditionelle, wie gerade über die Art des Viehschlachtens, das sie sich von keinem Interpreten neuerer oder älterer Zeit nehmen lassen würden. Diese <hi rend="italic">Karaiten </hi>läugnen einerseits die Tradition, und leben, wie gesagt, der Buchstäblichkeit des Gesetzes gemäß; so zünden sie z.B. am Sabbath kein Feuer oder Licht an, und hausen in kalten und finstern Wohnungen ; anderseits aber geben sie wieder eine mündliche Auslegung zu, und würden um keinen Preis an christlichen oder muhamedanischen Tischen speisen. — Aber, wendet Hr. Dr. <hi rend="italic">Heß</hi> ein, wir sprechen ja nicht von den alten <hi rend="italic">Karaiten</hi>, sondern von den <hi rend="italic">biblischen</hi> Juden unserer Zeit! Wohl ist es wahr, daß diese der Tradition keinen Glauben beimessen, aber worin besteht denn ihr biblisch Leben? — Arbeiten sie nicht an Sabbath und Festtagen? Machen sie nicht ihre Geschäfte an denselben ab, wie an den Werktagen? Essen sie kein Schweinefleisch, um nur <hi rend="italic">Eines</hi> zu erwähnen von den vielen in der Bibel ausdrücklich verbotenen Thierarten, aus dem Grunde, weil es die Bibel verbietet, oder weil es ihrer verzärtelten Natur nicht behagt? — Gesetzt aber, die biblischen Juden des Hrn. Dr. unterlassen dieß alles, <hi rend="italic">weil es Gott verboten</hi>, wie kam der Hr. Dr. </p>
         <p>2) zu der Behauptung, daß man nach der Bibel an christlichen Tischen speisen kann? Vermuthlich beziehet er die Verse 3 Mos. 7,23-25 nur auf das Opfer-Vieh. Wir wollen mit |Sp. 0796| ihm darüber nicht rechten, verweisen ihn auf die gründliche Widerlegung des <hi rend="italic">Wessely</hi> an a. R. — Aber was macht der Hr. Dr. mit dem Verbote des Blutgenusses? — Hier gibt es keinen Ausweg; hier kann das Verbot nicht bloß auf Opfer bezogen werden; hier heißt es deutlich 5 B. M. 12,20 und 23: „Du magst nach aller Lust Deiner Seele Fleisch essen (ohne auf das Blut und Fett opfern zu müssen). Nur halte fest darauf, das Blut nicht zu essen! denn das Blut ist selbst das Leben etc. Auf die Erde sollst Du es ausgießen, wie Wasser."</p>
         <p>Dürfen demnach die <hi rend="italic">biblischen Juden</hi> an christlichen Tischen, wo es mit dem Herausziehen des Blutes aus den Fleischtheilen nicht so genau genommen wird, speisen? Ach! erwiedert der Herr Dr. Dieß ist wiederum eine rabbinische Spitzfindigkeit, an die Moses nicht dachte! Zugegeben, Herr Dr. Aber was machen wir mit den Blutwürsten u. dgl., die von purem Blute bereitet werden? — Doch, wenn der Herr Dr. der Tradition ein kleines Zutrauen schenken wollte, wäre auch hier abzuhelfen, indem die Blutwürste gekocht werden, und also nicht <hi rend="italic">biblisch</hi>, sondern nur <hi rend="italic">rabbinisch</hi> verboten sind. Aber mein Gott! es gibt ja keine Tradition, hat nie eine gegeben, ergo bleiben den Juden die Blutwürste, und die christlichen Tische <hi rend="italic">biblisch</hi> verboten. —</p>
         <p>In allem Ernste, Herr Dr.! Glauben Sie mit uns an die <hi rend="italic">Göttlichkeit</hi> des Pentateuchs, dann können wir, wollen wir uns anders von unsern christlichen Mitbrüdern äußerlich nicht noch mehr unterscheiden, der Tradition <hi rend="italic">nicht entbehren</hi>, wie das Beispiel der <hi rend="italic">Karaiten</hi> beweist. Geben wir aber den Glauben an die Echtheit der 5 B. M. auf, nehmen wir sie nur, als ein zu seiner Zeit und seinem Orte weises Gesetzbuch an; dann sind wir bald im Reinen, und brauchen die Tradition nicht zur Sprache zu bringen.</p>
         </div>  
       </div>   
         <div type="lit">
              <head>
        Literatur.
         </head>
            <div type="litka">
         <head>
         Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p><title>* Examen de la philosophie de <hi rend="italic">Bacon</hi>
            , ou l'on traite différentes questions de philosophie rationelle; ouvrage posthume du comte 
            <hi rend="italic">Joseph de Maistre</hi>, II Tom. Paris et Lyon 1836. 325. 367 p. 8.˚</title></p> <lb/>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="italic">(Fortsetzung.)</hi>
         </p>
         <p>Die Philosophie des <hi rend="italic">Baco</hi> ist durchaus materialistisch, oder führt nothwendig zum Materialismus hin. Von diesem geben alle seine Werke Zeugniß, nirgend aber erscheint er so versteckt und sophistisch, (<hi rend="italic">Maistre</hi> fügt hinzu, "so gefährlich und heuchlerisch,") als wenn er über die Seele spricht. Zuvörderst unterscheidet er noch auf herabgebrachte Weise die vernünftige von der empfindenden oder thierischen Seele, (Anima rationalis et sensibilis). Um aber die erste, die ihn wie ein Aergerniß hindert, sich vom Halse zu schaffen, und dabei doch den Schein eines Christen zu retten, verdreht er den klaren Sinn der. h. Schrift, indem er vorgibt, daß die Worte: „Formavit Dominus hominem de limo terrae et inspiravit in faciem ejus spiraculum" sich auf den Ursprung der vernünftigen Seele beziehen, der frühere Befehl aber: Producant aquae etc. und Producat terra etc. die empfindende Seele hervorgebracht habe. Er Übersicht hierbei geflissentlich, daß in den Stellen "Producant etc." von dem Menschen gar nicht die Rede ist, daß dieser erst den Schluß und die Krone der ganzen Schöpfung ausmacht, <hi rend="italic">besonders</hi>, und zwar nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen, und dabei von einer thierischen Seele kein Wort erwähnt worden ist. Die Lehre von der vernünftigen Seele wird von <hi rend="italic">Baco</hi> sofort in das Gebiet des Glaubens und der Theologie verwiesen, und heißt doctrina de spiraculo, was ungefähr so viel bedeutet, wie Lehre vom blauen Dunst, und nachdem er sich solchergestalt der Vernünftigen entledigt, gelangt er zu der Geliebten, mit welcher er es allein zu thun hat, zur empfindenden Seele, quae communis est cum brutis, anima sensibilis sive producta, um welche die Theologie sich wenig kümmert, und worüber es erlaubt ist zu sagen, was man will. Diese sensible oder eigentliche Seele kommt aus |Sp. 0797| den Urelementen, auch nach der Bibel, worin stehen soll, daß Gott den <hi rend="italic">Menschen</hi>, nicht aber den <hi rend="italic">Körper</hi> des Menschen aus dem Lehm der Erde gebildet habe; sie ist eine rein materielle Substanz, (plane corporae) die ihren Hauptsitz im Kopfe hat, durch Wärme verdünnt und unsichtbar gemacht. Weiterhin ist aber nicht mehr von einer sensiblen, sondern von der Seele <hi rend="italic">überhaupt</hi> die Rede, und nun werden, wie durch eine grobe List, Verstand, Vernunft, Gedächtniß, Begehrungsvermögen, Wille, Phantasie u. s. w. zu einer Hinterthür als Eigenschaften der <hi rend="italic">Seele</hi> eingeschmuggelt, die man <hi rend="italic">physisch</hi> erklären müsse! Unter dem Worte <hi rend="italic">Geist</hi> (spiritus) wird nichts anderes, als ein unsichtbares Fluidum, ein Gas verstanden, welches den Körper in Bewegung setzt, und dieser massiven Ansicht entspricht die Lehre von den Sinnen, die sogar den gemeinsten Physiologen unserer Zeit zu grob erscheint.</p>
         <p>Alles, und selbst die Absurdität, wodurch die höchste Wahrheit angegriffen wird, ist <hi rend="italic">Baco</hi> und seiner Sekte willkommen; niemals können sie mit kaltem Blut von den sogenannten Endursachen reden, ohne den Philosophen, die sich damit beschäftigen, ihren Unwillen zu zeigen. Die Quelle dieser Abneigung ist im Herzen desjenigen, der nicht sehen will, was er nicht lieben will. Ein Beweis vom Daseyn Gottes bedrängt und betrübt die Menschen, und die Entdeckung irgend eines selbst lächerlichen Einwurfes ist ein wahrer Fund für sie. Deßhalb wird <hi rend="italic">Baco</hi> durch <hi rend="italic">Epikur</hi> ergänzt, und durch <hi rend="italic">Plato</hi> geärgert. Gegen diesen ist er mit einer Art von Wuth erfüllt; er wirft ihm vor, den Anker stets nur auf demselben Grunde ausgeworfen, und die Naturphilosophie durch Einmischung der Theologie <hi rend="italic">befleckt</hi> zu haben, er nennt ihn abwechselnd den amüsanten Schwätzer, den aufgeblasenen Poeten, den ausschweifenden Theologen, der die Narrheit vergöttert, den Vater der Wortphilosophie, der eine Menge sonst vernünftigen Männer, <hi rend="italic">Cicero</hi>, <hi rend="italic">Seneca</hi>, <hi rend="italic">Plutarch</hi> u. A. <hi rend="italic">verführt</hi> habe u. s. w. Nicht minder ist er gegen <hi rend="italic">Pythagoras</hi> aufgebracht, beständig versichernd, daß der Mensch noch nicht gehörig unterrichtet sey, um die Endursachen zu fassen, daß die vorzeitige Untersuchung derselben der Erkenntniß der physischen Ursachen geschadet, ja sogar den Atheismus befördert habe. Kein verdammliches Wort hat er gesagt, welches nicht durch irgend ein Echo des achtzehnten Jahrhunderts wäre vervielfältigt worden.</p>
         <p>Seiner Philosophie gleicht seine Religion, die als eine durchaus negative beständig protestirt und widerspricht. Er gesteht, der Christ sey zuweilen so verwirrt, daß er denkt, in seiner Religion sey nichts Wahres enthalten. Ohne feste Prinzipien, voll von Verneinung, gestellt zwischen den alten Glauben und die neue Reform, zwischen Autorität und Rebellion, zwischen <hi rend="italic">Plato </hi>und <hi rend="italic">Epicur</hi>, weiß er am Ende nicht mehr, was er weiß, daher ist er abwechselnd Materialist, Zweifler, Christ, Deist, Protestant, Jesuit sogar, wenn es die Noth erfordert, je nachdem er getrieben wird von dem Gedanken des Moments. Er war es, der laut verkündigte, der Anblick der Natur könne nie einen Menschen zu Gott führen, und es sey absurd, anzunehmen, daß der Mensch durch seine Vernunft das Daseyn eines Wesens erkannt habe, von welchem er sich keine Idee zu bilden im Stande ist. Er wußte nicht, oder wollte nicht wissen, welch' eine Blasphemie gegen Gott und den gesunden Menschenverstand in der Behauptung liegt, daß man keine Idee von Gott haben kann, weil man von ihm keine vollkommene hat. Aus dieser Annahme würde folgen, daß wir keine einzige Idee haben können, weil uns das Wesen keines Dinges vollkommen bekannt ist. — Nichts aber kann dem Menschen eine Idee geben; diese kann nur geweckt werden, und der Zweck der Offenbarung ist, den Menschengeist dahin zu bringen, in ihm selbst das zu lesen, was Gott in ihm geschrieben hat. Ja die Offenbarung wäre nichts, wenn die Vernunft nicht fähig wäre, <hi rend="italic">nach der göttlichen Unterweisung</hi> sich selbst die geoffenbarten Wahrheiten zu beweisen. Trennt die Vernunft von dem Glauben, und die Offenbarung beweis't nichts mehr, weil sie nicht mehr bewiesen werden kann, und dann hat Euch <hi rend="italic">Paulus</hi> vergebens belehrt, daß der Glaube durch die Vernunft gerechtfertigt wird. <hi rend="italic">Baco</hi> hat jene Trennung stets gewollt, und überall hat er Gott vertrieben, um ihn allein in die Bibel zu verweisen und einzuschließen. Es bleibt nur übrig, noch |Sp. 0798|dieses Buch zu verbrennen, und jener Gedanke an Gott muß endlich abhanden kommen.</p>
         <p>Dennoch finden sich in <hi rend="italic">Baco's</hi> Schriften religiöse Züge bis ihm Wohlwollen erwarben, und dem guten <hi rend="italic">Emmery</hi> sogar zu einem Buche (Christianisme de <hi rend="italic">Bacon</hi>) Veranlassung gaben. <hi rend="italic">Baco</hi> konnte ebensowohl ein Heuchler gewesen seyn, wie er ein Schmeichler und Macchiavellist gewesen. Indessen ist die eigentliche Heuchelei viel seltener in der Welt, als man glaubt, obgleich der Mensch voll ist von Widersprüchen. (Magna res est, <hi rend="italic">unum</hi> hominem agere. <hi rend="italic">Seneca</hi>.) Es mag also dahin gestellt bleiben, ob <hi rend="italic">Baco</hi>, der abwechselnd Wahres und Falsches behauptet, oft oder nimmer gesagt habe, was er eben gemeint." Der allgemeine Eindruck, aber, der mir geblieben, (sagt <hi rend="italic">Maistre</hi>) ist der, daß man ihm in nicht trauen darf, und ich verachte ihn ebensowohl um deßwillen, was er behauptet, als um deßwillen, was er verneint."</p>
         <p rend="Klein">
            <hi rend="italic">(Schluß folgt.)</hi>
         </p>
            </div>
            <div type="litis">
         <head>
          Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p>* Neue Erscheinungen im Gebiete der israelitischen Literatur. <lb/>The origin of the Egyptian language, proved by the analysis of that and the hebrew, in an introductory essay by, Dr. L. <hi rend="italic">Loewe</hi>, member of the <hi rend="italic">societé asiatique </hi>of Paris (extracted from the Asiatic Journal). London. 1837. 34. S. 8˚.</p>
         <p>Beurtheilt von Dr<hi rend="italic">. I. M. Jost</hi>.</p>
         <p>Obgleich diese Schrift nicht unmittelbar in die theologische Literatur gehört, so tragen wir doch kein Bedenken, unsere Leser, besonders da sie mittelbar für die Exegese der Bibel von einigem Werthe seyn möchte, auf dieselbe aufmerksam zu machen. Der Verf. ist ein Deutscher (aus Czülz im Großherzogthum Posen) und ein überaus talentvoller, für grammatische Sprachforschung sehr viel versprechender junger Mann, welcher seit etwa zwei Jahren in London lebt. (Dieß bemerken wir lediglich, um die Nachsicht der Kenner in Betreff der Härten seines englischen Ausdrucks in Anspruch zu nehmen.)</p>
         <p>Durch die Inschrift von Rosette, jetzt im brittischm Museum, welche von verschiedenen Gelehrten bearbeitet, zu der Entdeckung geführt hat, daß die Hieroglyphen nicht Verzierungen und auch nicht Begriffs-Darstellungen, sondern Laut-Charaktere sind, findet sich der Verf. veranlaßt, noch etwas weiter in den Geist der ägyptischen Sprache einzudringen, und über deren Etymologie Forschungen anzustellen. Zuvor gibt er erstlich (bis S. 9) eine gedrängte Uebersicht der bisherigen Leistungen in diesem Fache, welche er S. 6. unterbricht, um gelegentlich eine ganz neue Erklärung des Wortes צפנת פענח zu geben, welches nach seiner Entwickelung beinahe mit החייתנו (Gen. XLVII 25) einerlei ist — nämlich: "Der Sohn des Beschützers des Lebens (des erhaltenden Gottes)"; was wenigstens sehr genial durchgeführt ist. </p>
         <p>Der Verf. erklärt, er sey sich wohl bewußt, wie gefährlich die Sucht zum Etymologisiren sey, und wie leicht sie auf Abwege gerathe, und gehe daher mit aller nöthigen Behutsamkeit zu Werke. Dann aber entwickelt er verschiedene Theile der ägyptischen Grammatik, und kommt zu dem Ergäbniß, daß viel Aehnlichkeit zwischen derselben und dem Semitischen stattfinde. Er vergleicht eine ziemliche Anzahl von Wörtern und Wortbedeutungen. Darunter ist besonders interessant die hieroglyphische Deutung des Namens Mose משה.</p>
         <p>Wir enthalten uns billig — und zwar, weil wir uns dazu nicht competent dünken — jedes Urtheils über den wissenschaftlichen Werth der von dem Verf. gemachten Entdeckungen. Wie diese auch befunden werden mögen, so hat er doch der Wissenschaft einen neuen Stoff dargereicht, an welchem der Scharfsinn sich üben kann; und dessen Bearbeitung sicherlich dereinst fruchtet.</p>
         <p>Schließlich bemerken wir noch, daß der Verf. eine andere wichtige Arbeit unter der Feder hat, nämlich die Ableitung der griechischen Götternamen aus ägyptischen Verbalien, wodurch deren ursprünglicher Gehalt dem Monotheismus zugewiesen werden soll.</p>
            </div>
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         <div>
            <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung</hi>
            <hi rend="italic bold">: F. Varrentrapp – </hi>
            <hi rend="bold">Herausgeber:</hi>
            <hi rend="italic bold"> Dr. J. V. Hoeninghaus. –</hi>
            <hi rend="bold"> Druckerei</hi>
            <hi rend="italic bold">: Heller </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Rohm. </hi>
            <hi rend="bold">Maschinendruck</hi>
            <hi rend="italic bold">.</hi>
           
         </p>
         </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

