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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 14. Juni 1837, Nro. 48</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
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            <date type="publication">2014</date>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            katholischen, und israelitischen Deutschland's. <lb/>Frankfurt a. M., den 14. Juni 1837. Nro. 48.
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         <head>
           Inhalt:
                    </head>
         <p>
            <hi rend="bold">Bibelverbreitung außerhalb Europa. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Wirksamkeit der Jesuiten. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>
            <hi rend="bold">.</hi> 
            <hi rend="italic">Nordamerika</hi>. <hi rend="italic">Philadelphia</hi>; Kirchen-Einrichtungen in den Ver.-St. <hi rend="italic">Belgien</hi>. <hi rend="italic">Brüssel;</hi> Erziehung des Prinzen in der kathol. Religion; Wiedereinsetzung der Bollandisten; <hi rend="italic">Gent</hi>; Ordination; <hi rend="italic">Jodrigne</hi>; Mission der Väter Jesu; <hi rend="italic">Namur</hi>; Bibelverbreitung. <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Preußen</hi>. <hi rend="italic">Berlin</hi>; Corresp.-Bericht über isr. Schulanstalten; <hi rend="italic">Breslau</hi>; gemeinschaftliche kathol.-protest.-Kirche; Polemik in den Schlesischen Provinzialblättern; <hi rend="italic">Wesel</hi>; Bibelgesellschaft; <hi rend="italic">Meurs</hi>; Schulanstalten; <hi rend="italic">Aachen</hi>; Vereinigung der protest. Gemeinden; <hi rend="italic">Köln</hi>; Todesfall; den Dombau betr.; Uebertritt. <hi rend="italic">Anhalt</hi>-<hi rend="italic">Köthen</hi>. <hi rend="italic">Köthen</hi>; Schloßkirche. —<hi rend="italic bold"> </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abtheil</hi>. Confirmationsrede vom Pfarrer Dr. <hi rend="italic">Kirchner. – </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abtheil.</hi> Ueber die Trauergebräuche der Israeliten. Von Dr. <hi rend="italic">M. Heß</hi> Land-Rabbiner in Stadt-Lengsfeld. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> 
            Examen de la philosophie de <hi rend="italic">Bacon</hi> etc. – 
            <hi rend="italic">Nachweise von Rezensionen theologischer Schriften. </hi> <lb/>|Sp. 0751|</p>
         </div>
            <div type="mantel">
            <head> Bibelverbreitung der Protestanten außerhalb Europa.
         </head>
         <p>Hierüber lies't man in einer der jüngsten Nummern des <hi rend="italic">Homilet. lit</hi>. <hi rend="italic">päd</hi>. <hi rend="italic">Correspondenzblattes</hi>:</p>
         <p>Aus allen Gegenden gehen erfreuliche Nachrichten ein, über den gesegneten Fortgang der Bibelsache, die sich immer mehr und bis zu den fernsten Völkern, und in die dunkelsten, bis dahin undurchdringlichsten Finsternisse des Heidenthums Bahn macht; die Bibel ist der treue Gefährte der Heidenboten, ja der beste, eines segensreichen Erfolgs sichere Missionar selbst. So sprach sich der ehrwürdige Doktor <hi rend="italic">Abeel</hi>, amerikanischer Missionar in <hi rend="italic">China</hi>, bei der letzten Jahresversammlung in London aus. In <hi rend="italic">China</hi>, welches eine Bevölkerung von 360 Millionen Menschen hat, findet das Wort Gottes immer mehr Eingang, und ist sogar bis in den kaiserlichen Pallast siegreich eingedrungen. Besonders werden von dem besuchten Seehafen <hi rend="italic">Singapore</hi> in Ostindien aus, viele Bibel unter die hinkommenden Chinesen verbreitet. Ein bekehrter Chinese in <hi rend="italic">Canton</hi> bekennt in einem Briefe: "Ohne dieses heilige Buch würde er die Gnade Gottes und den Werth seiner Seele nicht haben kennen lernen können." —Auf <hi rend="italic">Ceylon </hi>empfängt jeder Knabe bei'm Austritt aus der Schule ein cingalesisches N. Testament, welches die Familie als das köstlichste Vermächtniß betrachtet. — In <hi rend="italic">Armenien</hi> dient das N. Testament nicht bloß zur Erweckung der Christen, selbst die Muhamedaner lesen es, und die Juden werden zu regerem Forschen nach der göttlichen Wahrheit dadurch aufgeweckt. — Auch in <hi rend="italic">Afrika </hi>findet die h. Schrift immer mehr offene Thüren und empfängliche Herzen. Von Paris wurden tausend Bibeln nach <hi rend="italic">Algier </hi>gesendet. Der coptische Patriarch in <hi rend="italic">Cairo</hi> läßt häufig durch die Mönche, welche aus allen Klöstern des Landes dahinkommen, Bibeln bei den dortigen Agenten der englischen Gesellschaft holen. Auf <hi rend="italic">Madagaskar</hi> ist Gottes Wort, besonders durch die Schulen, weitverbreitet, und zeigt bei Vielen seine erfreulichen Wirkungen. In der Colonie freigelassener Neger auf <hi rend="italic">Sierra Leona </hi>wird in kurzer Zeit die Mehrzahl die h. Schrift lesen können. Vom <hi rend="italic">Cap</hi> aus dringen die Missionarien mit der Bibel in der Hand immer weiter in die bisher unbekannte Wildniß des Innern ein. — In <hi rend="italic">Nordamerika</hi> wird das Werk der Bibelverbreitung unausgesetzt auf das eifrigste betrieben, und erfreut sich des größten Erfolgs. Zugleich wenden die dortigen Gesellschaften ihre Fürsorge auch dem Auslande zu, und senden Bibeln nach Mexiko, Südamerika, Griechenland, Ostindien und den Sandwich-Inseln. </p>
         <p>(Aus dem 18. Bericht der Bibelgesellschaft zu Bunzlau. 1834).</p>
         <p>|Sp. 0752| <hi rend="bold">Wirksamkeit der Jesuiten.</hi>
         </p>
         <p>Die <hi rend="italic">Sion</hi> sagt darüber: "So wenig zahlreich die Gesellschaft Jesu, besonders im Vergleiche mit der Zeit ihrer höchsten Blüthe vor ihrer Aufhebung, auch nur noch ist, so wirkt sie dennoch in drei Welttheilen mit dem alten Eifer so Bedeutendes, daß sich insbesondere für die weitere Ausbreitung des Christenthums durch sie in Amerika und Asien die schönsten Hoffnungen fassen lassen. Während sie sich in <hi rend="italic">Italien</hi> immer fester begründet, da dieses Jahr auch zu <hi rend="italic">Piacenza</hi> im Herzog-thum Parma ein neues Collegium errichtet werden wird, durchkreuzt jenes Land schon seit zwei Jahren eine kleine Schaar von Missionären mit so großem Erfolge, daß man einen ganzen Band zu schreiben hätte, um alle Wunder der Gnade aufzuzählen, die sich bei diesen Missionen zugetragen haben, besonders zu Loreto, Viterbo, Cesena, Forli, Imola, Faenza u. s. w. Vor zwei Monaten ist ein Glied der Gesellschaft nach dem Orient gereist, um in <hi rend="italic">Mesopotamien</hi> bei den Chaldäern eine Mission zu begründen, die jedoch mit der Mission am Berge <hi rend="italic">Libanon</hi>, wo seit Jahren schon mehrere Jesuiten arbeiten, in Verbindung gesetzt wird. Zu <hi rend="italic">Calcutta</hi> in Ostindien besteht ebenfalls eine Mission, welche mit solchem Beifall predigt, daß der Kirchenplatz und die anstoßenden Straßen mit Palankinen und Wagen bedeckt sind. Die Engländer haben sich sogar veranlaßt gesehen, in der anglikanischen Kirche deßhalb die Stunde des Gottesdienstes zu verlegen. Diese Mission blüht immer schöner heran, und das dort eröffnete Collegium wird so besucht, daß man sich gezwungen sieht, ein größeres zu erbauen. Bald werden auch nach <hi rend="italic">Jamaika</hi> 4 Missionäre abgehen, und wieder andere nach <hi rend="italic">Madura</hi>, einer Insel nordöstlich von Java, um feste Missionen zu eröffnen. Die Mission in <hi rend="italic">Missuri</hi> in Nordamerika bekommt täglich neuen Zuwachs und zählt allein 20 Novizen. Ohne Zweifel werden bald auch einige Missionäre in's südliche Amerika abgehen, da zwei Staaten Arbeiter verlangen. —</p>
            </div>
               <div type="kn">
               <head>
         Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Nordamerika</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Vereinigte</hi> 
            <hi rend="italic bold">Staaten</hi> 
            <hi rend="italic bold">von</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nordamerika</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Philadelphia</hi>. Ein hiesiges Journal enthält folgende interessante Nachweisungen über den Zustand und die Organisation der <hi rend="italic">anglikan</hi>. Kirche in den <hi rend="italic">Vereinigten Staaten</hi>:</p>
         <p>|Sp. 0753| "Die amerikanisch-bischöfliche Kirche steht unter Leitung von siebzehn Bischöfen, zählte 1836 siebenhundertachtundsechzig Prediger, in diesem Jahre aber bereits achthundertneunundvierzig. Ungeachtet der unzähligen, verschiedenen, in den einzelnen Staaten verbreiteten Sekten, schlägt man doch die Zahl der Bekenner des Glaubens der reformirten Episcopal-Kirche auf eine Million an. Die allgemeinen Angelegenheiten derselben werden durch einen National-Convent regulirt, der alle drei Jahre entweder zu Philadelphia oder zu Newyork zusammentritt. Derselbe zerfällt in zwei Abtheilungen, deren eine die Bischöfe, die andere Mitglieder der Geistlichkeit oder Laien ausmachen, welche von jedem besondern Convente jedes Staates ernannt werden. Der Central-Convent beschäftigt sich hauptsächlich mit Abfassung und Bekanntmachung der canonischen Regulative, welche diese Kirche in den einzelnen Staaten betreffen. Der Gehalt des Dr. <hi rend="italic">Onderdonk</hi>, Bischofs von Pensylvanien, beläuft sich auf 3500 Dollars; seine Diözese ist ungefähr eben so ausgedehnt als England. Sein Bruder, der Bischof von Newyork, erhält 6000 Dollars; sein Sprengel ist aber auch noch ausgedehnter. Im Allgemeinen übersteigt das Einkommen der Bischöfe 3500 Dollars nicht; um aber eine festere Norm zu haben, beabsichtiget man, es auf 5 bis 6000 Doll. zu bringen. Alle amerikanischen Bischöfe zeichnen sich durch ein sittenreines, vollkommen exemplarisches Leben aus, und doch sind sie in der Regel viel jünger, als die englischen Prälaten von derselben Kirche. </p>
         <p>
            <hi rend="bold"> (Univers)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Belgien</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Brüssel</hi>, im März. Der "Courier Belge" hebt folgendes Zusammentreffen hervor: Der kürzlich dem Könige der Belgier geborene Prinz wird in der katholischen Religion erzogen, sein Vater ist Protestant, und der Bürgermeister von <hi rend="italic">Laeken</hi>, der die Einregistriung seiner Geburt besorgte, ist ein Israelit.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Großh. hess. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>† — Die Wiedereinsetzung der <hi rend="italic">Bollandisten</hi> ist entschieden beschlossen. Die <hi rend="italic">Väter Jesu</hi> haben den Bitten der Freunde kirchlicher Antiquitäten und historischer Forschungen nachgegeben, und werden baldigst Hand an das Werk legen. Nicht Antwerpen, der frühere Sitz dieses Instituts, sondern Brüssel ist zum Aufenthaltsort der neuen <hi rend="italic">Hagiographen</hi> ausersehen, wo auch ihre Vorgänger schon während der Unterdrückung der Gesellschaft einen Zufluchtsort fanden. Drei Väter sind ausersehen im Collegium <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Michael</hi> gemeinschaftlich zu arbeiten, nämlich Pater <hi rend="italic">L. Boone</hi> von <hi rend="italic">Poperingen</hi>, P. <hi rend="italic">J. v. d. Moeren</hi> von <hi rend="italic">Menin</hi> und Pr. <hi rend="italic">Coopens</hi> von <hi rend="italic">Gent</hi>, denen einige junge Ordensbrüder zur Hilfe beigegeben werden. Pater <hi rend="italic">v. d. Moeren </hi>hat das Collegium <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Barbara</hi> zu Gent bereits verlassen; dasselbe befindet sich in einem blühenden Zustande.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Journ. hist. de Liége)</hi>
         </p>
         <p>— Der König hat aus den für die Wissenschaften und Künste bestimmten Fonds eine Subsidie von 6000 Frs. der kürzlich zu Brüssel durch die Jesuiten gebildeten neuen <hi rend="italic">Bollandisten </hi>Gesellschaft bewilligt, um sie in den Stand zu setzen, die Arbeiten in Betreff der Fortsetzung der Acta Sanctorum zu beginnen.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Rh. u. M. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Gent</hi>. Der Hr. Bischof von <hi rend="italic">Brügge</hi> ordinirte am 21. Mai d. J. in der hiesigen Seminars-Capelle 11 Priester, 10 Diakonen, 9 Unterdiakonen, 5 Zöglinge des Seminars erhielten die niedern Weihen und 35 die Tonsur. — Unter den ordinirten Priestern befanden sich 4 Professoren des Collegiums.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Univers)</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Jodoigne</hi>, den 15. März, Am 5. d. begannen die <hi rend="italic">Väter Jesu</hi> eine Mission, die acht Tage währte, und von dem glücklichsten Erfolge gekrönt war. Von der Eröffnungs-Predigt an war der Zudrang derjenigen, welche die weisen Lehren der eifervollen Missionarien benutzen wollten, sehr groß und unverkennbar war der heilsame tiefe Eindruck, welchen dieselben machten. Vor allen Dingen trugen mehrere dogmatische Vorträge dazu bei, die Herzen mit Ueberzeugung zu erfüllen und die Vorurtheile gegen die Religion zu verscheuchen, denn viele Personen, welche in Vergessenheit ihrer religiösen Pflichten gelebt hatten, beichteten den ehrw. Vätern, und sprachen sich öffentlich über ihre beglückende Rückkehr zum Glauben aus. Während der Mission reichten 15 bis 20 Beichtväter täglich zum Beichthören nicht hin, |Sp. 0754| obgleich der Beichtstuhl von 4 1/2 Uhr Morgens bis gegen Mitternacht offen war. — Wenn gleich die Gemeinde nur 3200 Seelen zählt, so ward doch das Abendmahl mehr als 3000 Personen gereicht. Die Zahl derer, welche sich fern von dem Sacramente hielten, beschränkte sich auf wenig Individuen. Im Uebrigen fanden sehr viel Restitutionen statt. In Wirthshäusern und Werkstätten sieht man Zettel angeschlagen, worauf geschrieben steht: „Hier flucht man nicht!" und das wird so strenge gehalten, daß man den Fluch als ausgerottet in dieser Gemeinde betrachten kann. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Namur</hi>. An den hiesigen Kirchthüren war am 20. Mai d. J. ein Circulär des Hrn. Bischofs angeschlagen, worin bekannt gemacht wurde, daß Exemplare des alten und neuen Testaments in französischer Sprache umhergetragen, und zu niedrigem Preise feilgeboten würden. Der Hr. Bischof fordert ferner auf, diese verdächtigen Uebersetzungen nicht zu lesen, und weiset die Pfarrer an, ihre Gemeinde-Mitglieder davor zu warnen.</p>
         <p>Der <hi rend="italic">Ami de la Religion</hi>, welcher diese Notiz mittheilt, begleitet sie mit der Bemerkung: die Bibel-Gesellschaft scheine sich in Belgien eben so zu regen, wie in Frankreich.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Deutschland</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Preußen</hi>.</p>
         <p>* <hi rend="italic bold">Berlin</hi>, den 30. Mai. Ueberzeugt, daß jede neue Erscheinung, welche ein echtes Streben zur Besserung des Innern einer Religionsgemeinde, schon an und für sich einer Erwähnung und weitern Verbreitung würdig ist, verfehle ich nicht, Sie hiedurch von der gegenwärtigen Beschaffenheit der israel. Schulen in Kenntniß zu setzen. Die israel. Gemeinde besitzt deren zwei öffentliche, eine Knaben- und eine Mädchenschule. Die erstere, seit etwa 10 Jahren blühende, zählt gegen 100 Schüler, welche sich für das bürgerliche Leben recht gut vorbereiten. Ihr Standpunkt ist durch die — mitunter etwas zu redseligen und pomphaften — Programme des Hrn. <hi rend="italic">B. Auerbach</hi>, hinlänglich bekannt. Sie leistet alles, was man von Armenschulen irgend erwarten kann. Namentlich verdient Hr. <hi rend="italic">Auerbach</hi> den Dank seiner Gemeinde durch die große Sorgfalt, welche er auf das Aeußere verwendet, welches der sonst sehr verwahrlos't gewesenen Jugend der ärmeren Klasse, Sinn für die Reinlichkeit und Ordnung einflößt, die im Leben mehr leisten, als Wissen. Derselbe hat sich um die arme Jugend noch besonders dadurch verdient gemacht, daß er so zu sagen aus nichts ein, bis jetzt noch kleines, doch sehr heilsam wirkendes Waisen-Institut herstellt, für welches er die Theilnahme des Publikums auf alle Weise zu erhalten bemüht ist.</p>
         <p>Seit zwei Jahren besteht auch eine Mädchenschule, ebenfalls für die arme oder minderbemittelte, in Berlin sehr zahlreiche, Klasse. Jahrelange Kämpfe überwanden alle die Schwierigkeiten, welche der Errichtung derselben sich entgegenstellten, während die Regierung mit unerschütterlicher Festigkeit darauf drang, daß die weibliche Jugend endlich des Segens einer im Geiste der väterlichen Religion geordneten Schule sich zu erfreuen haben möge. Der vor einigen Jahren neugewählte Gemeindevorstand besteht aus Männern von wahrer Geistes- und Herzensbildung, welche bereit waren, der guten Sache Zeit und Geld zu opfern. Sie fanden in dem Hrn. <hi rend="italic">Engelmann</hi>, einem im Berliner Seminar gebildeten Lehrer, welcher bereits mehrere Jahre sich in der Privat-Anstalt, des Hrn. Dr. <hi rend="italic">Jost</hi> praktische Fertigkeit und Umsicht erworben hatte, den geeigneten Schulmann, welcher auch den Erwartungen vollkommen entsprochen hat. Die Anstalt, welche unter seiner Leitung eröffnet ward, erfreuet sich — wie das beigehende, kurze, anspruchslose, und lediglich auf reine Darstellung des Sachverhältnisses beschränkte, diesjährige Prüfungsprogamm beweist, — bereits der schönsten Blüthe. Seit dem Beginn derselben im Februar 1835, hatte sie bis zum März c. 132 Schülerinnen, von denen 100 noch da waren, wozu in diesem Semester noch neue hinzugekommen sind. Sie bilden 3 Klassen.</p>
         <p>Hr. <hi rend="italic">Engelmann</hi> wird von 3 Lehrern unterstützt, von denen Hr. Dr. <hi rend="italic">Auerbach</hi>, Bruder des obengenannten, den Religionsunterricht ertheilt. Zwei Lehrerinnen leiten die weiblichen Arbeiten, welche aber noch besonders von 7 Ehrenfrauen beaufsichtigt werden. Diese beschränken ihren Wirkungskreis nicht auf bloße Ermunterung der Kinder, sondern liefern ihnen auch Mate- |0755| rial zu Handarbeiten, und bezahlen ihren Fleiß, so daß die armen Kinder frühzeitig vom Ertrage ihres Fleißes sich nöthige Kleidung und sonstigen Bedarf anschaffen können. Sie beaufsichtigen aber zugleich den religiös-sittlichen Wandel der einzelnen Schülerinnen, und nehmen sich ihrer mütterlich an.</p>
         <p>Die Prüfung geschah nur vor einem kleinen Kreise der dazu eingeladenen Personen, und gewahrte ein recht erfreuliches Ergebniß.</p>
         <p>Heil und Segen den wackern Vorstehern und dem fleißigen Lenker einer so sehr die Sittlichkeit fördernden Anstalt, deren viele in Israel erblühen mögen!</p>
         <p>— Von dem Prediger <hi rend="italic">Ayerst</hi> dahier, welcher regelmäßige Predigten über alttestamentliche Texte für Israeliten hält, sind der letztern <hi rend="italic">fünfzehn</hi> im Jahr 1836 <hi rend="italic">getauft</hi> worden.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(N. N. März 1837)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Breslau</hi>. Als Beweis gegenseitiger Duldung und Annäherung in religiöser Hinsicht darf angesehen werden, daß der unbemittelten protestant. Gemeinde zu Steinkunzendorf (Kreis Reichenbach, Reg.-Bez. Breslau), die einer eigenen Kirche entbehrt, auf den Wunsch der protest. Geistlichkeit der Mitgebrauch der dortigen kathol. Ortskirche, nach Anordnung des Hrn. Fürstbischofs von <hi rend="italic">Breslau</hi>, durch das fürstbischöfl. General-Vikariat-Amt mit vieler Bereitwilligkeit verstattet worden ist, so daß nun in derselben alle 4 Wochen protestantischer Gottesdienst gehalten wird. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Pr. St.-Z.)</hi>
         </p>
         <p>— Den 13. Mai. In den "Schlesischen Provinzial-Blättern" hat sich ein religiöser Streit erhoben, zwischen Protestanten und Katholiken. Es werden unter Anderem die Jesuiten einerseits angegriffen, andererseits vertheidigt. Dabei greift der Vertheidiger nicht allein das lutherische Dogma, sondern den Gründer desselben heftig an. Dergleichen Sachen, in einem Blatte niedergelegt, welches für die große Masse des Volkes zugänglich ist, können unmöglich gute Fruchte tragen und müssen Religionshaß und Spaltung hervorbringen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. Merk.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Wesel</hi>. Die Clevische Missions- und Provinzial-Bibelgesellschaft, mit ihrem Hauptsitz in Wesel, hat eben einen gemeinschaftlichen summarischen Bericht über ihre Wirksamkeit erstattet. Nach demselben verausgabte die Missionsgesellschaft in den Jahren 1829/36 beinahe 4200 Rthlr. Die Bibelgesellschaft nahm in den drei letztern Jahren 1308 Rthlr. ein (seit ihrem Bestehen vom Jahre 1815 ab über 9000 Rthlr.) und verbreitete 1095 heilige Schriften, im Ganzen seit ihrem Beginn 12,696 Exemplare.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Meurs</hi>. Meurs am Rhein (2000 Einw.) hat ein Gymnasium, eine katholische und evangelische Elementarschule, eine Abend- und Sonntagsschule für die Fabrikjugend, und eine Kleinkinderschule, letztere von einem Frauenverein gestiftet und von der Gattinn des Seminardirektors <hi rend="italic">Zahn</hi> geleitet. — Von tüchtigen Lehrern läßt sich bei solcher Ausdehnung der Anstalten für Lehre und Zucht eine Wirkung für dieß Städtchen erwarten, um welche mancher angesehenere Ort dasselbe beneiden könnte.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Der Krchfrd. f. d. nördl. Deutschl.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Aachen</hi>, 29. Mai. Am Osternsonntage fand in Aachen eine Feier statt, die, an sich tief ergreifend, durch die erhebende Weise, wie sie begangen wurde, eine noch größere Weihe erhielt. Schon längst war auch hier der fromme Wunsch laut geworden, daß die beiden protestantischen Konfessionen sich zu Einer Gemeinde vereinigen, Ein harmonisches Ganze bilden möchten. Von beiden Seiten hatten wackere Männer voll religiöser Begeisterung es sich mit dem besten Erfolge angelegen seyn lassen, die noch obwaltenden Hindernisse aus dem Wege zu räumen, und als in vergangener Woche die allerhöchste Genehmigung eingegangen war, konnte schon auf den ersten darauf folgenden Sonntag die festliche Vollziehung dieser Union anberaumt werden. Und es war ein wahrhaft heiliger Akt, als die beiden Gemeinden brüderlich vermischt in die mit Laubgewinden geschmückte Kirche zogen, die bald nicht mehr die Zahl der Andächtigen fassen konnte. Nach Absingung eines Liedes und dem Vortrage der Agende, hielt der Consistorialrath <hi rend="italic">Besserer</hi>, eine treffliche Festpredigt über die hohe Bedeutung des Tages und erweckte die tiefste Rührung, als er dabei an Christi Ermahnung zur Einigkeit erinnerte. Darauf sprach, zwischen zwei von der Gemeinde gesungenen Liedern, der Pfarrer <hi rend="italic">Reinhard</hi> von Jülich ein inniges Gebet und ertheilte sodann den Segen an die, welche der Feier der h. Communion nicht bei- |Sp. 0756| wohnten. Nachdem nun der Consistorialrath <hi rend="italic">Besserer</hi> und der Pfarrer <hi rend="italic">Reinhard</hi> sich gegenseitig das h. Abendmahl gereicht, wurde es von diesen beiden fungirenden Geistlichen gemeinschaftlich, nach den Vorschriften der Union, an die Versammlung ausgetheilt. Eine salbungsreiche Anrede, womit der Consistorialrath <hi rend="italic">Besserer</hi> die Communikanten entließ, schloß diese denkwürdige Feier. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Aachn. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Köln</hi>, 9. Juni. Am 5. d. starb hier im 63 Jahre seines Alters und im 40. Jahre seines Priesterstandes der hochw. Herr Johann <hi rend="italic">Mommen</hi>, Dom-Kapitular bei der Metropolitankirche des Erzstifts Köln. Die Beerdigung hatte am 8. d., in Begleitung des ganzen hochw. Domkapitels statt[gefunden]. Die feierlichen Exequien für den Verblichenen wurden heute Morgens in der hohen Domkirche gehalten. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Köln. Z.)</hi>
         </p>
         <p>— Des Königs Majestät haben für dieses Jahr zur Fortsetzung der Restauration des Doms zu Köln mittelst allerhöchster Kabinetsordre vom 25. Januar c. die Summe von 10,000 Rthlrn. in der Voraussetzung allergnadigst zu bewilligen geruht, daß ein gleicher Betrag durch die Kathedralsteuer und die in der Rheinprovinz und in der Provinz Westphalen in diesem Jahr abzuhaltende katholische Haus- und Kirchenkollekte aufkommen werde.</p>
         <p>† — Hr. F. <hi rend="italic">Herschel</hi>, dessen Name in Deutschland bekannt ist, war in der kathol. Religion erzogen, neigte sich aber während der 6 Monate, wo er zu Bonn studirte, dem Protestantismus zu. Von da ging er nach Halle und dort bekannte er sich öffentlich zum Protestantismus, hörte auch den theologischen Cursus und bestand ein Examen, um ein geistliches Amt übernehmen zu können. Kürzlich am 27. Febr. hat er nun aber zu Köln das protestantische Glaubensbekenntniß mit dem katholischen vertauscht und sein geistliches Amt niedergelegt. Gegenwärtig hofft er, nach der von ihm bestandenen Prüfung im Seminare zugelassen zu werden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(A. d. l. R.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anhalt</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Köthen</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Köthen</hi>, den 15. Mai. In dem sogenannten alten Schlosse dahier befindet sich eine kleine Kirche, in welcher bis zum Ableben des hochseligen Herzogs <hi rend="italic">August Christian Friedrich </hi>(† 1812) der sonntägliche Gottesdienst und die kirchlichen Actus von dem jedesmaligen Superintendenten zu Köthen, als Hofprediger, und dessen Gehilfen, dem Inspector des Waisenhauses und Landschullehrerseminars besorgt wurden. Die Schloßgemeinde bildete der Hof, die herzogliche Dienerschaft, die Staatsdiener in Köthen und das Militär; die Kirche wurde aber auch von anderen Einwohnern der Stadt besucht, weil die Zeit des Gottesdienstes, Vormittags von 11 bis nach 12 Uhr, Vielen mehr zusagte, als die in den Stadtkirchen von 8 bis 10 Uhr und Mittags von 2 bis nach 3 Uhr. Da August Christian Friedrich kinderlos starb und sein minderjähriger Neffe und Nachfolger, der Prinz Ludwig, am großelterlichen Hofe zu Darmstadt erzogen wurde, so blieb die Kirche in dieser Zeit evangelischerseits unbenutzt; die Schloßgemeinde besuchte die Stadtkirchen; doch wurden die kirchlichen Actus in derselben von dem Superintendenten und Inspektor nach wie vor verrichtet. Auf ihren Antrag bei den betreffenden Behörden wurde es den wenigen Katholiken in Köthen, welche keine eigene Kirche hatten, verstattet, die Schloßkirche von Zeit zu Zeit (— es kam dazu ein auswärtiger katholischer Geistlicher von Dessau —) nach ihrem Ritus zu benutzen. Nach dem frühen Ende des Prinzen (er starb auf der Universität Leipzig im Jahre 1818), trat der bisherige Fürst von Köthen-Pleß die Regierung des Landes an, und obgleich die Katholiken die Schloßkirche noch vor seinem Einzuge in Köthen hatten räumen müssen, so richtete er sie doch nicht zum evangelischen Gottesdienste von Neuem ein, sondern besuchte die Stadtkirchen. Als er aber im Jahre 1825 mit seiner Gemahlinn zur katholischen Kirche übergetreten war, wurde dieselbe einstweilen, bis zum vollendeten Baue des neuen katholischen Gotteshauses, für den katholischen Gottesdienst eingerichtet. Die Hofpredigerstelle wurde, da der seitherige Superintendent gestorben und sein Gehilfs-prediger anderweit versorgt war, eingezogen und die Schloßgemeinde theils in die reformirte St. Jakobs-, theils in die lutherische St. Agnuskirche gewiesen. Noch ehe der Bau der katholischen Kirche vollendet war, starb Herzog <hi rend="italic">Ferdinand</hi> (1830). Sein Nachfolger |Sp. 0757| <hi rend="italic">Heinrich</hi>, welche ebenfalls die beiden Kirchen in der Stadt besuchte, verstattete den Katholiken den ferneren Gebrauch der Schloßkirche, bis endlich ihre eigene vollständig ausgebaut war. Eine Zeitlang blieb die Schloßkirche noch unbenutzt, bis der für Kirche und Christenthum sich so sehr interessirende geliebte Herzog <hi rend="italic">Heinrich </hi>im Jahre 1833 sie eröffnete, jedoch nicht auf die Art, wie früher, daß wieder eine eigene Schloßgemeinde gebildet worden wäre und der Superintendent mit dem Inspektor die Geschäfte in derselben besorgt hätte, obwohl jener den Gehalt wieder empfing, der dem früheren Superintendenten als Hofprediger ausgesetzt gewesen war. Es wurde vielmehr folgende Einrichtung getroffen, die noch jetzt fortbesteht. Nur vom ersten Adventssonntage bis zum Pfingstfeste wird Gottesdienst gehalten, und zwar sonn- und festtäglich Einmal, Vormittags von 11—12 Uhr. Die Ordnung desselben ist die im Lande, wenigstens in den Kirchen reformirten Bekenntnisses gewöhnliche: Anfangslied, Altargebet und Vorlesung des Evangeliums, Kanzellied, Predigt und Schlußgesang, nur daß hier, weil der Gottesdienst nicht länger, als ungefähr eine Stunde dauern soll, der Gesang sehr abgekürzt wird. Der Landesherr wählt für jeden Sonntag einen Prediger aus der Gesammtzahl seiner Geistlichen, sowohl der schon angestellten, als auch der Kandidaten, welche letztere vorzüglich für die Festtage bestimmt sind, damit kein Prediger des Landes an denselben seine Gemeinde zu verlassen braucht. Gewöhnlich einen Monat vorher werden die Namen der Gewählten und die Texte, über welche dieselben predigen sollen, dem Superintendenten, der die betreffenden Prediger mit dem herzoglichen Befehle bekannt macht, zugeschickt. Wie gelungen die Wahl der biblischen Abschnitte ist und wie der Wille des hohen Textwählers dahin geht, vorzüglich solche Gegenstände zur Sprache zu bringen, welche sich auf das dem Christenthume Eigenthümliche und den Mittelpunkt desselben, Christum, beziehen, das beweist die vierjährige Erfahrung hinlänglich. Zu Orgelspielern und Vorsängern werden Zöglinge des herzogl. Landschullehrer-Seminars abwechselnd gewählt. Zuweilen wird auch eine Kirchenmusik von der herzogl. Kapelle und dem Singvereine zu Köthen aufgeführt. — Um den Predigern, namentlich denen vom Lande, die etwaigen Reisekosten zu ersetzen, erhält ein jeder aus der herzogl. Kasse durch den Superintendenten einen Louisd'or ausbezahlt, sowie auch die Seminaristen für ihren Dienst in der Kirche remunerirt werden. Jeder, der gepredigt hat, wird an dem Tage, mit Ausnahme der noch nicht ordinirten Candidaten, zur herrschaftlichen Tafel gezogen, und ist außerdem verpflichtet, Text, Thema und Disposition seiner Predigt in das sogenannte Schloßkirchenbuch einzutragen. Von solchen Predigten, die Sr. Durchlaucht vorzüglich zugesagt haben, läßt sich derselbe auch eine Abschrift geben.</p>
         <p>Seit dem ersten Advent 1833 besteht diese Einrichtung, und gewiß nicht ohne segensreiche Folgen. Denn abgesehen davon, daß es für jeden, dem seine Religion am Herzen liegt, höchst erfreulich seyn muß, das große Interesse wahrzunehmen, welches sein Landesherr an derselben nimmt, so kann das Beispiel von Kirchlichkeit, welches von Oben herab gegeben wird, — denn die Herrschaft versäumt fast nie diesen Gottesdienst, besucht aber auch außerdem die zwei Kirchen in der Stadt, — nicht ohne heilsame Früchte bleiben, und dieß ist um so dankenswerther und muß um so mehr anerkannt werden zu einer Zeit, in welcher leider so Viele aus den höheren Ständen, der apostolischen Ermahnung Hebr. 10,25. zum Trotz, der Kirche den Rücken kehren, und an jedem anderen Orte häufiger, als in ihr sich einfinden. Zudem muß sich ja ein Jeder, den die herzogl. Wahl trifft, nur geehrt fühlen und kann freudig dem hohen Befehle genügen, zumal da die Herrschaft in ihrem Urtheile über die gehaltene Predigt sich so höchst liebevoll ausspricht, denn bei der Vorstellung vor der Tafel ergreift sie stets die Gelegenheit, mit dem Prediger über seinen Vortrag zu sprechen und hebt dann gewiß immer die gelungensten Stellen desselben hervor. Von neuem erwärmt für seinen schönen Beruf kehrt er dann auf sein friedliches Dorf zurück und freut sich der Leutseligkeit und Herablassung seines Herzogs und gelobt ihm höhere Liebe und größere Treue und sucht auch die seiner geistlichen Pflege anbefohlenen Gemeinden zu derselben Anhänglichkeit zu entflammen und das Band, welches den Unterthanen an den Landesherrn bindet immer enger und fester zu knüpfen.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(A. K.-Z.)</hi> <lb/>|Sp. 0758| 
         </p>
               </div>      
           <div type="ta">  
         <head>Theologische Akademie.
         </head>
              <div type="tapr">
         <head>
           Protestantische Abtheilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="bold">* Rede bei der Confirmation evang.-luther. Religionszöglinge, gehalten am 2. Juni 1837 in der Dreikönigskirche </hi>
       </title>
              </p>
         <p>
            <hi rend="bold">von Pfarrer Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Kirchner</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Die Liebe Gottes, die Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sey mit Euch, sey mit uns Allen! Amen.</p>
         <p>Meine geliebtesten Freunde!</p>
         <p>Eine der feierlichsten Stunden Eueres Lebens hat Euch jetzt geschlagen. Ihr habt auf Euerer Lebensreise einen jener verhängnißvollen Punkte erreicht, wo eine durchwanderte Bahn sich auf immer hinter Euch schließt und täglich Euerem Auge immer mehr zurückschwinden, immer dichter sich hüllen wird in die Nebel der Vergangenheit. Vor Euch dehnen sich neue Pfade aus, und eine dämmernde Feme steigt geheimnisvoll und ernst vor Eueren Blicken empor. Was Ihr erschauen, wem Ihr begegnen, wie es Euch ergehen, womit Ihr zusammentreffen werdet — ach, über dem Allen ruht ein Schleier, den keines Sterblichen Hand Euch lüften kann. Wir Alle, deren Auge bisher über Euch gewacht, deren Hand bisher Euch geleitet, deren Blicke voll Liebe, voll Hoffnung, voll Theilnahme auf Euch ruhen, wir können nichts, als mit heißen Wünschen Euch segnen, Euch mit innigem Flehen in des Allwaltenden Schutz befehlen, und mit Weisung und Warnung, mit Rath und Trost hinaussenden in die Zukunft, die Gott über Euch verhängt.</p>
         <p>Und so vernehmet denn, Ihr meinem Herzen so Theuern, noch einmal ein herzlich wohlgemeintes Wort. Es ist ja das Lebewohl, mit dem Euer Lehrer von Euch scheidet — o nehmt es nicht flüchtig auf, nicht mit betrübendem Leichtsinn, nicht mit verachtender Kälte, prägt es tief, tief in Euere noch empfängliche Brust. Sehet, in dieser Stunde, deren Schauer mit fortreißendem Strome uns Alle ergreifen und keinen, auch den Gleichmüthigsten nicht unerschüttert lassen, frage ich Euch: wer unter Euch ist, der sich beklagen dürfte, ihm sey das Wort des Lebens verheimlicht worden, ihm sey der Schatz der Gnade verschlossen geblieben? Wie? Wurde nicht ein jeder unter Euch hingeleitet zu dem, der für uns <hi rend="italic">der Weg der Wahrheit und das Leben</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
                     <p rend="footnote text"> Johannes 14,6.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> ist? Zu ihm, dem herrlichen Meister, ward Euer strebender Geist gewiesen, durch ihn Euer sehnendes Herz mit Fülle reinster Freuden gelabt. Im klaren, himmlisch strahlenden Spiegel seiner Lehre ward des Lebens ernste Gestalt Euch enthüllt, das Kleinod der Unschuld, die Heiligkeit der Pflicht, der holde Engelreiz der Tugend, der beglückende Trost unendlicher Liebe, der wunderbare Friede der Ewigkeit — das Alles ward Euch in Jesu offenbart, und das Heil Euch nahe gebracht. Und so faßt es denn in dieser Stunde, die Euch auf ewig mit ihm verbinden soll, nochmals zu Herzen, <hi rend="italic">wie selig das Loos derer sey</hi>, <hi rend="italic">denen die Vatergnade Gottes in Christo Jesu erschienen ist</hi>.</p>
         <p>O wohl, wohl ist ihr Loos selig zu preisen, denn <lb/>Von keinem Wahne wird ihr Geist berückt, <lb/>Das Leben ist ihm hell; <lb/>Der reine Seelenadel, der sie schmückt, <lb/>Ist süßer Freuden Quell.</p>
         <p>Und da kein Wurm am innern Frieden nagt, <lb/>Stört nichts ihr bess'res Theil. <lb/>Doch — wehe dem, der treulos Gott entsagt, <lb/>Dem Frommen nur blüht Heil.</p>
         <p>Von keinem Wahne wird ihr Geist berückt, <lb/>Das Leben ist ihm hell.</p>
         <p>|Sp. 0759| Welche Anfechtungen, meine Freunde, in der Welt, in die Ihr jetzt eintretet, von allen Seiten her Euer höchstes Gut, Euern Glauben bedrohen, das habe ich Euch unverhohlen zu wissen gethan. So war es auf jeden Fall besser. Und ich wiederhole es: seyd darauf gefaßt, der kalte Vernichtungstrieb, der zu den furchtbaren Zeichen der Zeit gehört, wird sich früher oder später auch an das Heiligthum Euerer Ueberzeugung mit düsterem Frevel wagen, der seelenverderbliche Unglaube, der hinter der geschminkten Larve einer trügerischen Weisheit das bleiche Todtenantlitz birgt, wird auch Euch im Goldgefäße den Gifttrank reichen, die heillose Gleichgiltigkeit, deren Herz mit ungöttlichem Feuer ganz für das Vergängliche glüht, und die höchstens nur noch das werthlose Gefühl eines schwächlichen Erbangens zu dem verläugneten Kreuze hinführt, wird sich auch Eurer zu bemeistern suchen, um auf spielenden Wellen dem Abgrunde Euch entgegenzutreiben. Dann, wann der Versucher zu Euch herantritt, in welcher Gestalt, mit welchen Lockmitteln er auch komme, ob in dem blendenden Schmucke des Witzes, ob mit der schneidenden Waffe des Hohnes, ob mit der unbefangenen Miene des belehrenden Ernstes oder mit dem verführerischen Lächeln des gedankenlosen Leichtsinnes — dann ruft Euch diese Stunde zurück, meine Warnung, Euer Gelübde, und wahret, rettet das Unterpfand Eueres zeitlichen Glücks, Euerer ewigen Hoffnungen: die Vatergnade Gottes, die Euch erschienen ist in Christo Jesu. Ihr habt den <hi rend="italic">Namen</hi> vernommen, <hi rend="italic">auf dem unser Heil beruht</hi>;<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="footnote text"> Apostelgeschichte 4,12.</p>
            </note> auch Ihr seyd Jünger des Meisters, den die erlös'te und wiedergeborne Schöpfung feiert. Kein Zwang soll Euch an ihn fesseln. Die blinde Unterwürfigkeit eines Sklaven ist ihm verhaßt. Ihr dürft prüfen. Ihr sollt ihm nichts vorenthalten. Keinen Kampf Eueres Geistes, keine Befürchtung Eueres Herzens sollt Ihr ihm verheimlichen. O er weiß Rath, er hat Mittel für Alles! Und habt Ihr ihn nur erst ganz kennen gelernt, Euch völlig zurecht gefunden in der Klarheit seines Lichtes, habt Ihr den Zauber seiner Freundlichkeit gekostet, und einen festen Bund der Treue mit ihm aufgerichtet — o dann seyd Ihr sicher, dann seyd Ihr ewig geborgen, Gott ist mit Euch, und wer wollte wider Euch seyn?</p>
         <p>Selig seyd Ihr in der Erkenntniß, die Ihr Christo verdankt. Durch ihn verehret Ihr Gott als den majestätischen Herrscher, der hehr, gewaltig und in sich selbst herrlich vollendet, über dem Sichtbaren und Vergänglichen waltet. Durch ihn fürchtet Ihr Gott, als den allvergeltenden Richter, der die Thränen der Unschuld trocknet, und den Triumph des Lasters in Entsetzen wandelt. Durch ihn liebet Ihr Gott, und hoffet auf ihn, als auf den erbarmenden Vater, dessen Auge leuchtet in die irdischen Nächte und auf die Kämpfe der Sterbenden. O pfleget ihrer, der heiligen Glaubensblü-then, die noch lieblich und kräftig im Kranze des Lebens Euch strahlen! Wehe der Stunde, wo sie Euch hinwelken und sterben! Wo die belebenden Flammen der Andacht, der Frömmigkeit, der Herzensgluth und der Himmelsbegeisterung in Euch erlöschen! Wehe, Nacht wird es um Euch her: Zweifel, wild und schmerzlich, erwachen, Räthsel, düster und drohend, ängstigen, Schrecken, sich immer mehrend und steigernd, stürmen auf Euch ein; und alle Weisheit dieser Welt gibt Euch die verlorene Ruhe nicht zurück, und alle Güter dieser Erde ersetzen Euch nicht den heillos verschwendeten Schatz. Darum — wohl denen, die <hi rend="italic">auf das Licht achten, das da scheinet an einem dunkeln Orte</hi>,<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="footnote text"> 2 Petrus 1,19.</p>
            </note> denn</p>
         <p>Von keinem Wahne wird ihr Geist berückt, <lb/>Das Leben ist ihm hell.</p>
         <p>Und</p>
         <p>Der reine Seelenadel, der sie schmückt, <lb/>Ist süßer Freuden Quell.</p>
         <p>Wie, meine Theuren, könnte es auch anders seyn? Wie könnten unlautere Begierden, verdammliche Lüste, herabwürdigende Leidenschaften das Herz beflecken, das durch Jesum <hi rend="italic">geschmecket hat die himmlische Gabe und die Kräfte der zukünftigen Welt</hi>.<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="footnote text"> Hebr. 6,4.</p>
            </note> Ueber die Thorheiten des Stolzes werdet Ihr lächeln, wenn, gleich ihm, der Adel des Geistes Euch schmückt. |Sp. 0760| Das zerrüttende Fieber des Hasses wird Euch nicht ergreifen, wenn, gleich ihm, Euer Wesen nur Wohlwollen athmet und Liebe. Wie füllt sich dann Euer Leben immer mehr mit den seligsten Empfindungen an, gegen welche die festlichsten Stunden, die Weltkinder feiern sich verhalten, wie ein minder rauher, erträglicher Wintertag gegen des Frühlings volle, blühende Pracht. Gönnet dem, der die Botschaft des Heils verschmäht, immerhin seinen armseligen Triumph über erhaschten Gewinn, über errungenen Vorzug, wisset Ihr ja doch, wieviel seliger das Geben ist, als das Nehmen, und welch' ein Friede den Kampf der Entsagung krönt. Mögen sie, die Thoren, mit übermüthiger Freude die Früchte pflücken, die an der staubigen Heerstraße reifen, Euch, Gesegnete des Herrn, winken die seltenen und unschätzbaren Blumen im heimlich stillen Thale. Und wie reich ist ferner das Leben der Kinder Gottes an den herrlichsten Tugenden! Mögen wohl auch die Kinder dieser Welt gar manches aufzuweisen haben, was Billigung und Lob verdient — wie wird doch immer dieser vereinzelte Lichtpunkt von mächtigeren Schattenseiten überragt! Es ist wahrlich nichts leichter, als hier und da etwas Gutes zu thun, ja, es ließe sich nichts Schwereres denken, als mit folgerechter Beharrlichkeit ein gänzlich verdienstloses Leben zu Ende zu führen. Der Eine ist wohlthätig, weil seine Eitelkeit dabei in's Spiel kommt. Der Andere vergibt in gut gelaunter Stunde seinem Beleidiger. Ein Dritter wird bei dem Anblicke einer großen Noth von augenblicklicher Rührung überwältiget, und eilt bereitwillig zu Hilfe. Einem Vierten gelingt es, durch muthige Anstrengung sich aus den Banden eines Lasters loszureißen, er kämpfte dagegen, sobald er fühlte, daß es ihm verderblich wurde. Nun, ist das Alles nicht ganz löblich? O gewiß! Aber was weiter! Sie haben ihren Lohn dahin. Die Eitelkeit des Ersten wird befriediget. Der Andere hat einen Feind weniger. Der Dritte erwirbt sich neue Freunde, und kann, im Falle der Noth, auf Gegendienste rechnen. Der Vierte hat noch zu rechter Zeit die Schlange erstickt, die ihn einst tödtlich getroffen hätte. So, sehen wir, belohnt sich jede gute That, aus welcher Gesinnung sie auch hervorgehe. Aber freilich steht der Lohn im innigsten Verhältnisse zu der Größe des Verdienstes.</p>
         <p>Und die Größe des Verdienstes wird eben ganz allein durch die Gesinnung entschieden. Das wisset Ihr, meine Theuern, ich habe es Euch gelehrt und bewiesen, daß vor dem Ewigen nur das Herz gilt, ein demüthiges und reines, daß unsere Tugend keinen Werth hat, so lange sie uns etwas Fremdes und Aeußerliches bleibt, und daß nur die Werke, die aus Liebe zu Gott hervorgehen, die Gnade Gottes krönt. Wenn Ihr diese Erkenntniß nun auch thatkräftig im Leben übt, dann reihet Ihr Euch der Schaar der Glücklichen an, von denen es heißt:</p>
         <p>Der reine Seelenadel, der sie schmückt, <lb/>Ist süßer Freuden Quell. <lb/>Und da kein Wurm am innern Frieden nagt, <lb/>Stört nichts ihr bess'res Theil.</p>
         <p>Ihr besseres Theil, meine Freunde. O beachtet dieses Wort! Denn was die Erde Euch gibt, das betrachtet nimmer als Euer Eigenthum; erbarmungslos reißt das Glück das geliehene Gut wieder an sich, ihm gilt es gleich, ob das Herz, das sich an die süße Gabe liebend gewöhnt hat, dabei verblute oder nicht. Ja, in Euere theuersten Gewohnheiten, Euere innigsten Verbindungen bricht, seyd dessen gewiß, früher oder später ein zerstörender Wechsel ein. Und was von Eueren Gefühlen dem Sichtbaren und Zeitlichen angehört, vermögt Ihr dann nimmer zu wahren, nimmer zu retten! Ich will keine allzufinstern Züge in den heiteren Glanz dieser Stunde flechten. Ich will nicht hinweisen auf die Opfer, die menschlicher Verblendung und Leidenschaft fallen. Ich will nicht die Wunden berühren, welche Undank und Treulosigkeit dem Herzen schlagen. Ich will nicht ein Bild vorführen von all' der verlassenen, vergessenen, verachteten und verwais'ten Liebe, die über die Erde irrt, eine Geächtete, eine Heimathlose. O nein — nein — es bedarf hier nicht erst der tief eingehenden Schilderung: Trauervolles der Art hat mancher unter Euch schon erlebt, und Euch Allen steht es noch bevor.</p>
         <p>Dann, meine Freunde, in diesen Stunden der Schwäche und der Angst, der Verödung und des Jammers, bedürft Ihr Gottes am meisten, und er steht Euch am nächsten. Dann werdet Ihr |Sp. 0761| es erst erfahren, was das Meisterwort sagen will: <hi rend="italic">selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden</hi>.<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="footnote text"> Matthäus 5,4.</p>
            </note> Nicht mit dem Troste dieser Welt, der nur noch kränker und elender macht, nein, mit dem starken, heilenden Balsam, der aus den Gefilden der Unsterblichkeit zu uns herniederquillt. Worauf beruht denn der wahre Werth, worin besteht der edelste Schmuck des Lebens? O diejenigen beklagt, die es in Trägheit durchträumen, in Leichtsinn verschwenden, in Ueppigkeit verschwelgen, in Lasterhaftigkeit entweihen, aber die nicht, welche es unter heiligen Schmerzen tragen. Denn wisset: auch aus den Thränen eines frommen Dulders werden Schätze gesammelt, die mit uns gehen, und nicht bloß Thaten, oft viel herrlicher noch Leiden bereichern die Krone unseres Lebens. Das sey denjenigen unter Euch ein Trost, denen die Welt sich einst versagt, sie können dennoch reich werden, denjenigen ein Trost, denen die Welt feindlich widerstrebt, sie können dennoch zum Frieden gelangen, denjenigen ein Trost, die einsame Pfade wallen werden, sie können dennoch die beseligendste Liebe gewinnen. O wo Jesus ist, da wird es hell und still, und seinem treuen Jünger offenbart es sich, daß auch die trüben Schickungen des Alliebenden Engel des Erbarmens sind, die nur mit ernsterem Angesicht und in ein Trauergewand gehüllt, zu ihm niedersteigen. Leidest Du unverschuldet, wie bist Du zu ehren und zu beneiden, denn siehe, die Ewigkeit ist Deine Schuldnerinn geworden, und ein gnädiger Vater hat Dir, seinem geliebten Kinde, schon im Geheimen eine süße Genugthuung, eine herrliche Ueberraschung bereitet. Ja, Ihr Theuern, das glaubet fest:</p>
         <p>Wenn nur kein Wurm am innern Frieden nagt, <lb/>Stört nichts das bess're Theil. <lb/>Doch — wehe dem, der treulos Gott entsagt, <lb/>Dem Frommen nur blüht Heil.</p>
         <p>Diese Worte rufe ich Euch mahnend nach, mit ihnen entlasse ich Euch und befehle Euch von Herzen in die Arme Gottes. Es ist Euch schon hier gegeben, über Alles, womit Natur, Welt, Sünde und Schicksal Euch bedroht, herrlich zu siegen, größer dazustehen als Euer Feind und des Lebens Fin-sternisse und Schreckbilde mächtig zu überragen. Aber freilich geschieht das nicht durch Euere Kraft, Euer Verdienst, sondern ganz allein durch die Macht, die Gnade eines Höheren. Und müsset Ihr es nicht, wenn Ihr einsehet, wie übel Ihr berathen seyd, so Ihr auf Eure Weisheit und Stärke baut, müsset Ihr es da nicht klar erkennen und lebendig empfinden, es sey nur Eine Rettung, nur Ein Heil möglich, und des Geistes treueste Freundinn, die ihn nie aufgibt, nie sinken läßt, durch Sturm und Nacht und Abgrund zu unsterblichen Bahnen führt, sey das geoffenbarte Kleinod des Himmels, die Religion? So bewahret denn den Glauben an den Allmächtigen, in dessen Hand Ihr stehet, ob auch Verderben Euch rings umlagern, an den Allweisen, dessen Zweck immer einheiliger ist, welche Mittel er auch nach unendlicher Einsicht wähle, an den Allgütigen, der keines seiner Kinder vergißt und dem das ärmste und traurigste vielleicht das liebste ist. So bewahret denn den Glauben an den, der <hi rend="italic">sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
                     <p rend="footnote text"> Philipper 2,7.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
            <hi rend="italic">, der arm ward um unseretwillen, auf daß wir durch seine Armuth reich würden</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
                     <p rend="footnote text"> Römer 8,9.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>. Seine Erscheinung im Fleisch, sein Wandel als Mensch hat die Ehre unseres Geschlechts gerettet. Und wen unter Euch die argen Gedanken des Herzens zum Bösen locken, dem trete sein leuchtendes Bild entgegen, und der wunderbare Anblick himmlischer Tugend rühre und rette seinen Geist. Und wen unter Euch die Sünde immer weiter treibt und immer tiefer hinabzieht, dem erscheine er im Glanze seiner Majestät, und von den Strahlen der Erkenntniß umflossen und erweicht, zerrinne in Thränen aufrichtiger Buße der starre Trotz. So bewahret denn den Glauben an einen heil. Geist von Gott, der <hi rend="italic">Eurer Schwachheit aufhilft</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn8" n="8">
                     <p rend="footnote text"> Römer 3,26.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> 
            <hi rend="italic">und Euch in Gnade und Wahrheit leitet</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn9" n="9">
                     <p rend="footnote text"> Johannes 16,23.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>. So tröste Euch in allen Trübsalen und Erschütterungen dieses Leben der Glaube an <hi rend="italic">jene Herrlichkeit</hi>, <hi rend="italic">die dereinst an Euch soll of</hi>- |Sp. 0762| <hi rend="italic">fenbaret werden</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn10" n="10">
                     <p rend="footnote text"> Römer 8,18.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>. Heilige Stunde wo alle Mißtöne zum Einklange sich fügen, alle Räthsel der Seele sich lösen, alles Bangen vom Herzen genommen wird — Stunde, die der ewige Lenker der Geschicke uns Allen zugesagt hat — siehe, wir harren Dir getrost entgegen, und wollen nur <hi rend="italic">mit Furcht</hi> und <hi rend="italic">Zittern schaffen</hi>, <hi rend="italic">daß wir selig werden</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn11" n="11">
                     <p rend="footnote text"> Philipper 2,12.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>. Amen.</p>
              </div>  
             <div type="tais">  
         <head>
          Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p><title>  <hi rend="bold">Ueber die Trauergebräuche der Israeliten.</hi></title>
          
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Vom großherzogl. sachsen-weimarschen Land-Rabbiner Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">M. Heß </hi>
            <hi rend="bold">in Stadt-Lengsfeld.</hi>
         </p>
         <p>Was unter den Satzungen und Vorschriften des Talmuds in unseren Tagen besonders auffallend, ja jedem gebildeten Gefühle höchst widerwärtig erscheinen muß, sind die nach dem Tode von Verwandten vorgeschriebenen Trauergebräuche (אבילות). Eine freimüthige Beleuchtung derselben dürfte daher von nicht geringem praktischen Interesse seyn. Wir wollen es versuchen, eine solche hier zu geben:</p>
         <p>Es dürfte jedoch dem Zwecke dieser Darstellung genügen, wenn wir nur die <hi rend="italic">Hauptbestimmungen</hi> und von diesen auch nur die, welche von <hi rend="italic">besonders drückender</hi> und <hi rend="italic">repugnirender Natur</hi> sind, hervorheben. Es sind folgende:</p>
         <p>1) Die Enthaltung vom Genusses des Fleisches und Weines und selbst jedweder geistigen und religiösen Beschäftigung; jedoch nur so lange der Todte nicht bestattet ist. (אנינות)<lb/>2) Das Zerreißen der Kleider. (קריעה)<lb/>3) Das Verbot der Betreibung des Gewerbes und Handels. (מלאכה ופרקמטי)<lb/>4) Das Verbot des Waschens des <hi rend="italic">ganzen</hi> Körpers mit kaltem oder des Gesichtes und der Hände und Füße mit warmem Wasser. (רהיצה)<lb/>5) Das Verbot, (mit Ausnahme weniger Kapitel) in religiösen Schriften und namentlich in der Bibel, oder dem Talmud zu lesen. (תלמוד תורה)<lb/>6) Das Verbot, zu grüßen, oder einen Gruß zu erwiedern (letzteres jedoch nur in den ersten drei Trauertagen. (שאלת שלום)<hi rend="bold">
               <lb/>
            </hi>7) Das Verbot des Schuhanziehens. (נעילת הסנדל)<hi rend="bold">
               <lb/>
            </hi>8) Das Verbot etwas waschen zu lassen, oder weiße Wäsche in Gebrauch zu nehmen. (כביסה)<lb/>9) Das Verbot, die Haare des Hauptes, oder Bartes wegzunehmen (גילוח)<hi rend="bold">
               <lb/>
            </hi>Die Verbote unter 3—8 finden nur während der sieben, das unter 9 hingegen, während der ganzen dreißig Trauertage statt. Ebenerwähnte Bestimmungen sucht der Talmud nun auf folgende Weise zu begründen.</p>
         <p>Zu 1.</p>
         <p>Dieses Verbot beruht auf der Besorgniß, daß körperliche wie geistige Genüsse die Hinterlassenen zerstreuen und dadurch die Bestattung des Todten, sowie die Vorbereitungen hiezu verzögern könnten (Talmud Berachoth f. 17. Moed Katon f. 23 und zur letztern Stelle das Thosphoth. (ד'ה מאן דאמר) Aus der Schrift kann dieses Verbot nicht abgeleitet werden, indem dort nur erzählt wird, daß der Hohepriester <hi rend="italic">Aron</hi> es ungeziemend gehalten, am Sterbetage seiner Kinder das Sündenopfer zu verzehren. (3 Mos. is. iq.) Zur Zeit des Talmuds, wo man die Todten wenige Stunden nach dem Hinscheiden beizusetzen eilte, geht der angeführte Grund jedoch noch an; jetzt aber, wo die jüdischen Leichen ebenfalls vor Ablauf von 2-3 Tagen nicht beerdigt werden dürfen, muß die Strenge des Verbotes um so härter, der Grund aber um so schwächer erscheinen, als man wohl nicht fürchten darf, die Hinterlassenen würden die menschlichen Gefühle verletzen und freventlich die Bestattung ihrer Todten verzögern. |Sp. 0763| </p>
         <p>Zu 2.</p>
         <p>Diese Vorschrift leitet der Talmud aus 3 Mos. 10,6 ab, wo <hi rend="italic">Aron</hi> und seinen Söhnen, <hi rend="italic">als funktionirenden Priestern</hi>, geboten ward wegen des Todes von <hi rend="italic">Nadab</hi> und <hi rend="italic">Abihu </hi>ihre Kleider zu zerreißen, woraus denn folge, daß <hi rend="italic">jeder andere </hi>hiezu verpflichtet sey. (Ps. Moed Katon f. 22.) <hi rend="italic">Nachmanides</hi> behauptet indeß selbst, daß diese Vorschrift nur rabbinisch (מדרבנן) sey, angeführte Schriftstelle keine Beweiskraft habe; (קרא אסמכת' בעלמא) f. auf das Thosphoth und den Commentar Shiphoe Cohen zu Jore Deah, Kap. 340.</p>
         <p>Zu 3.</p>
         <p>Dieses Verbot wird vom Talmud und allen Gesetzlehrern als <hi rend="italic">rein rabbinisch</hi> angesehen. (Siehe Moed Katon f. 21 und den Commentar Keseph Mischnah zu Maimonides über die Trauergesetze, Abschn. 5.)</p>
         <p>Zu 4.</p>
         <p>Dieses Verbot wird aus 2 B. Sam. 14,2. abgeleitet, wo <hi rend="italic">Joab</hi> unter anderen Zeichen der Trauer, die er einem Weibe aufgab, auch forderte, daß sie sich nicht mit Oel bestreiche (סיכה) daß Waschen sey aber dem gleich zu setzen (רחיצה בכלל סיכה) was jedoch erst des Beweises bedarf (Talm. a. a. O).</p>
         <p>Zu 5 u. 6.</p>
         <p>Diese Verbote sucht der Talmud (a. a. O.) durch den Ausdruck (האנק דום) „<hi rend="italic">Seufze</hi> im <hi rend="italic">Stillen</hi>" in der angeführten Schriftstelle zu begründen, wodurch das <hi rend="italic">laute</hi> Grüßen, sowie das (früher üblich gewesene) <hi rend="italic">laute</hi> Lesen der religiösen Schriften untersagt sey. Der natürliche Sinn ist kein anderer, als daß Gott dem Propheten befohlen, sich aller <hi rend="italic">öffentlichen</hi> Trauergebräuche zu enthalten und seinen Todten nur im Stillen zu beweinen. Auch ist es nach der talmudischen Exegese unerklärlich, warum Gott den Propheten grade <hi rend="italic">diesen</hi> Trauergebrauch befohlen, während er ihm die übrigen untersagte, eine Schwierigkeit, die schon <hi rend="italic">Thospoth</hi> berührt, aber nicht genug löset.</p>
         <p>Zu 7.</p>
         <p>Dieses Verbot wird aus <hi rend="italic">Ezechiel</hi> 24,27 abgeleitet, wo Gott, dem Propheten, alle Trauerzeichen untersagend, ihm <hi rend="italic">das Ausziehen der Schuhe</hi> zur Pflicht macht, woraus denn folge, daß jedem Andern dieses verboten sey. (Talm. a. a. O.)</p>
         <p>Zu 8.</p>
         <p>Dieses Verbot, wird aus derselben Schriftstelle, wie das unter 4 bewiesen; aber auch eben so ungenügend.</p>
         <p>Zu 9.</p>
         <p>Dieses Verbot leitet der Talmud (a. a. O.) ebenfalls aus 3 B. Mos. 10,6 ab, wo den <hi rend="italic">Priestern</hi> das Wildwachsen der Haupthaare (in gleiche Kategorie werden nun die des Bartes gesetzt) untersagt wird. Es fragt sich indeß, ob, zumal nach Analogie vom 4 B. Mos. 5,18, פרע nicht das <hi rend="italic">Haupt entblößen</hi> heiße, wie mehrere Exegeten behaupten. (S. Aben Esrah zu dieser Stelle).</p>
         <p>Daß übrigens die vorgeschriebene <hi rend="italic">Trauerzeit</hi> von sieben und bezüglich dreißig Tage שבעה (שלשים) nur <hi rend="italic">rabbinisch </hi>sey, wird von fast allen Gesetzlehrern behauptet (S. Joreh Deah Kap. 398).</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
             </div>  
           </div>  
         <div type="lit">
         <head>
           Literatur.
         </head>
          <div type="litka">       
             <head>
         Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p>* Examen de la philosophie de <hi rend="italic">Bacon</hi>, ou l'on traite différentes questions de philosophie rationelle; ouvrage posthume du comte<hi rend="italic"> Joseph de Maistre</hi>. II Tom. Paris et Lyon 1836. 323, 367 p. 8˚.</p>
         <p>Sechzehn Jahre nach dem Tode des edlen <hi rend="italic">de Maistre</hi>, welcher in Frankreich von seinen Gegnern ein Klassiker, von seinen Verehrern der Prophet unseres Jahrhunderts genannt worden ist, erscheint noch von ihm ein nachgelassenes Werk, für viele |Sp. 0764|eine theure Reliquie, für alle Freunde der christlichen Philosophie ein willkommenes Geschenk. Niemals — so äußerte sich einst der französische Herausgeber der Soirées de St. Petersbourg über <hi rend="italic">de Maistre</hi> — "niemals hat <hi rend="italic">die</hi> verworfene Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts einen furchtbareren Gegner gefunden; <hi rend="italic">weder</hi> Wissenschaft, noch Genie, noch Berühmtheit machen ihn irre; unaufhaltsam schreitet er vorwärts, alle Götzen von Thon vor <hi rend="italic">sich</hi> zermalmend; er hat Waffen aller Art, um zu schlagen: den Ausruf der Entrüstung, das bittere Lachen der Verachtung, den gestählten Pfeil beißenden Spottes, eine Dialektik, die zu Boden wirft, eine Beredsamkeit, die niederdonnert. Nie hat ein durchdringenderer Scharfsinn alle Sophismen in ihre schlauesten Krümmungen und Wendungen verfolgt, und nie ist eine ausgedehntere und mannichfaltigere Gelehrsamkeit mit mehr Kunst und Umsicht angewendet worden, um das Urtheil des Verstandes mit aller Macht geschichtlicher Zeugnisse zu verstärken." Dem Verewigten genügte aber nicht, die unseligste Verirrung des Geistes nur in ihren Erscheinungen und Wirkungen oder in den näher liegenden Causalmomenten zu erforschen und darzulegen; er suchte mit unermüdlicher Geduld und Kraft den Ursprung dieses unheilbringenden Stromes auf, und ging bis auf die erste Quelle zurück, welche alle späteren Zuflüsse, die sich mit ihr vermischten, mehr oder weniger verunreinigt hat. Diese Quelle ist <hi rend="italic">Baco</hi>, der Anfänger der antitheistischen Philosophie, welche der unterscheidende Charakter des 18ten Jahrhunderts ist. Ganz und gar in die Natur versenkt und in dieser seine Geliebte verehrend, erkannte <hi rend="italic">Baco</hi> die Naturwissenschaft für die einzige an, die noch wahrhaft fortschreiten, und den Menschen Alles lehren könne, was ihm zu wissen möglich ist. Eine dreifach geschichtete Pyramide, welche die Naturbeschreibung zur Basis, der Physik zum Körper, die Metaphysik zur Spitze hat, ist seine magna scientiarum mater, außer welcher es kein wahres Wissen gibt. Was von diesem Stamm getrennt erscheint, beruht entweder auf bloßer Autorität, oder auf leerem Wortschwall, und ist einer Vervollkommnung unfähig. Ein Priester der Sinne, wie er sich selber nennt, und von jedem sinnlichen Versuch die größten Erfolge hoffend, bleibt er beständig in der Endlichkeit befangen, die er zum Unendlichem erweitern möchte.</p>
         <p>Nichts ist ihm recht, was vor ihm geschehen — instauratio facienda est ab imis fundamentis. — Daher versucht er auf allen Seiten neue Wege zu eröffnen, obgleich kein einziger sich practikabel zeigt; ein novum organon für die Wissenschaft will er erschaffen, ohne zu merken, daß schon dieser Name ein Fehler ist, da es im Geiste kein neues Werkzeug mehr geben kann, vermittelst dessen derselbe erreichen könnte was ihm von jeher unerreichbar gewesen; daher verwandelt er den alten Formalismus in einen neuen, indem er seine vielgepriesene Induktion an die Stelle des Syllogismus setzt, obgleich schon <hi rend="italic">Aristoteles</hi> gezeigt, daß die Induktion nur ein zusammengezogener Syllogismus, ein Syllogismus ohne den mittleren Terminus ist. Um es sogleich zu sagen, was <hi rend="italic">Maistre</hi> erst am Schlusse seines Werkes als Resultat zusammengefaßt, <hi rend="italic">Baco's</hi> ganze Philosophie ist eine fortwährende Verirrung. Er irrt sich im Zweck wie in den Mitteln, und nichts von Allem hat er gefunden, was er sich angemaßt, zu entdecken, nicht aus Mangel an Beobachtung, sondern wegen einer tief innerlichen Krankheit seines geistigen Blickes, welcher zugleich falsch, verkehrt und schwach gewesen. <hi rend="italic">Baco</hi> irrt in der Logik, in der Metaphysik, in der Physik, in der Naturgeschichte, in der Astronomie, Mathematik, Chemie und Medizin, mit Einem Worte, in allen Dingen, worüber er in seiner Naturphilosophie zu sprechen wagt. Er täuscht sich selbst, aber nicht wie andere Menschen, sondern auf eine Weise, die nur ihm eigenthümlich ist, und aus einem so radikalen Unvermögen entspringt, daß er keine einzige Bahn vorgezeichnet hat, die nicht zum Irrthum führen müßte. Er fängt beständig mit der Erfahrung an, verkennt aber den Charakter und die Anwendung derselben dergestalt, daß er sogar dann noch irreführt, wenn er irgend einen wahren Zweck verfolgt, oder ein richtiges Mittel zur Sprache bringt. Er irrt im Großen und Allgemeinen, indem er die Ordnung der Hierarchie der Wissenschaften stört, und ihnen falsche Namen und eingebildete Zwecke unterlegt; er irrt im Einzelnen, indem er läugnet, was ist, und erklärt, was nicht ist, und seine Schriften mit unbedeutenden Versuchen, kindischen Beobachtungen und lächerlichen Erklärungen erfüllt. Die unzählbare |Sp. 0765| Menge seiner Ansichten und Versuche ist gerade das, was ihn am meisten anklagt, und jedes Lob einer Voraussetzung ausschließt, weil er, die Wissenschaft ganz aus sich selbst restauriren wollend, über Alles gesprochen, und über Alles sich geirrt hat. Er irrt, wenn er etwas behauptet, und irrt, wenn er etwas läugnet; er irrt auf alle Weise, wie man sich immer nur irren kann. Maßlos der natürlichen Neigung sich überlassend, widerspricht er sich selbst, ohne es zu bemerken, und greift in Andern seine eigenen charakteristischen Züge an. So verspottet er ohne Unterlaß jede Abstraktion, er selbst aber thut nichts als abstrahiren, indem er stets auf seine mittleren, allgemeinen und allgemeinsten Grundsätze zurückkommt, und das Individuelle der Aufmerksamkeit eines Philosophen für unwürdig erklärt. Die Theologie ist bei ihm eine wahre Krankheit, und so oft er ein neues Wort erfunden, glaubt er eine neue Idee erlangt zu haben. So z. B. sieht er mit Erbarmen auf die zu seiner Zeit thätige Alchymie herab, und doch ist seine ganze Physik nur eine Art von Alchymie, schwatzhaft wie die andere Kinder, die viel sprechen und nichts hervorbringen, wie er irgendwo gut und schlecht von den alten Griechen sagt. Die Natur hatte ihn zu einen eleganten Schriftsteller geschaffen, und mit einer poetischen Ader begabt, die ihm eine Menge sehr treffender Bilder eingibt, und seine Bücher, wenn man sie als Dichtungen betrachtet, sogar unterhaltend macht. Hierin besteht sein eigentliches Verdienst, was man nicht verkennen darf; so wie er aber aus diesem Kreise heraustritt, in welchem sein wahres Talent eingeschlossen ist, wird er der verkehrteste Geist, der größte Schwätzer, und der schrecklichste Feind der Wissenschaft, den es jemals gegeben hat. —</p>
         <p>Wir gestehen, daß dieses allgemeine Urtheil durch <hi rend="italic">Maistre's </hi>eindringende Kritik der <hi rend="italic">Baco</hi>nischen Schriften auf eine mehr, als hinreichende Weise gerechtfertigt ist. Man kann aber fragen, ob es nicht überflüssig war, einen so großen Aufwand von Scharfsinn, Gelehrsamkeit und Fleiß auf die Widerlegung eines Schriftstellers zu verwenden, mit welchem nähere Bekanntschaft zu machen, heute gewiß nur die wenigsten Menschen noch Geduld und Neigung haben. Dieser Einwand läßt sich am besten beantworten, wenn wir die Tendenz der <hi rend="italic">Maistre</hi>'schen Arbeit bezeichnen.</p>
         <p>Es unterliegt keinem Zweifel, daß <hi rend="italic">Baco</hi> nicht allein jetzt, sondern von jeher nur wenig gelesen worden ist, und daß sogar eine nicht kleine Zahl derjenigen, die ihn am meisten gelobt und empfohlen, nicht vollständig gewußt haben, was in seinen Werken enthalten ist. Diese Unkunde hat aber nicht verhindert, daß <hi rend="italic">Baco</hi>, besonders nachdem die Encyklopädisten seinen Ruhm auf übertriebene Weise vergrößert hatten, ein hochgefeierter Name geworden ist, daß seine oft kühnen, oft glücklichen Sentenzen und Gleichnisse überall als Motto's glänzen, und um seinen abgeschiedenen Geist eine Art von Nimbus sich gebildet hat, dem es bis heut' nicht an Verehrung fehlt. Diese halb usurpirte, halb verliehene Autorität muß vernichtet und der falsche Schimmer beseitigt werden. Und dieß ist um so nöthiger, da <hi rend="italic">Baco</hi> als der Ahnherr der neuen materialistischen Schule erscheint, und in den Söhnen, die er gezeugt, noch jetzt zu leben nicht aufgehört hat. Die letzteren selbst erkennen die Abstammung als eine richtige an, und <hi rend="italic">Cabanis</hi> hat uns gesagt: <hi rend="italic">Baco</hi> war derjenige, der in Mitten der Finsternisse und des barbarischen Geschrei's der Scholastik neue Bahnen für den Geist eröffnete, <hi rend="italic">Locke</hi> war sein Nachfolger, <hi rend="italic">Helvetius</hi> nahm <hi rend="italic">Locke's</hi> Lehre an, <hi rend="italic">Condillac </hi>erweiterte und vermehrte sie, <hi rend="italic">Condillac</hi> autem genuit Lancelin, es folgten <hi rend="italic">Volney</hi> etc. etc. Seitdem hat es keinen Atheisten, keinen Materialisten, keinen Feind des Christenthums gegeben, der sich nicht als Schüler aller dieser Leute bekannt, und dieselben nicht als die ersten Befreier des Menschengeschlechtes ausgegeben hätte. Neuerlich hat der ehemalige Kanzler von England noch an <hi rend="italic">Lasalle</hi> in Genf einen nicht zu verachtenden Uebersetzer und Erklärer gefunden, und es ist um so nöthiger gewesen, auch diesen nicht unberücksichtigt zu lassen, je größere Mühe er sich gegeben, den Ruhm seines Helden zu retten, oder doch den besten Theil davon aufrecht zu erhalten. Vielleicht aber hätten alle diese Umstände <hi rend="italic">Maistre</hi> nicht vermocht, die durch ein tiefes Studium des <hi rend="italic">Baco </hi>gewonnenen Ergebnisse niederzuschreiben, wenn nicht das in dessen Schriften enthaltene Gift des Materialismus oft so versteckt und versüßt wäre, daß es eben deßhalb um so gefährlicher erscheint, |Sp. 0766| und selbst wohlgesinnte Männer getäuscht hat, und fortwährend täuschen kann. Im 17ten Jahrhundert nämlich war es noch nicht erlaubt, den Materialismus <hi rend="italic">rein</hi> und klar zu predigen; die Verhältnisse, in welchen <hi rend="italic">Baco</hi> lebte, legten in dieser Beziehung eine kluge Zurückhaltung und Schonung auf, manche Lehren mußten mit Vorsicht ausgesprochen, andre noch verschleiert, und durch gute fromme Redensarten gemildert werden; nicht selten ist der Zusammenhang der Meinungen und Schlüsse, besonders an wichtigen Stellen, so absichtlich verdunkelt, daß nur die größte Aufmerksamkeit den wahren Gedankengang feststellen, und den Faden zu Tage bringen kann, welcher den anhängenden Gespinnsten zur Grundlage dient. <hi rend="italic">Maistre</hi> hat diesen Faden so beharrlich, so geschickt und kühn entwirrt, und in seiner Blöße gezeigt, daß es zweifelhaft ist, ob man hierbei mehr die feste Ausdauer, den durchdringenden Scharfsinn, oder den glücklichen Griff bewundern und anerkennen soll, daher sein Werk, auch abgesehen von allen andern Vorzügen, und bloß als kritische Arbeit betrachtet, ein Meisterstück bleibt, obgleich demselben, wie allen posthumis, die letzte Feile und Rundung abzugehen scheint. Ein sicherer Blick läßt den Verfasser niemals die Hauptpunkte des Angriffs übersehen, wenn diese auch noch so sehr verdeckt und von einander entfernt zu seyn scheinen; kein Hinterhalt ist so sicher, der nicht von ihm erspäht, keine Dunkelheit so dicht, die nicht von ihm beleuchtet würde, oft auf überraschende Weise; unbarmherzig verfolgt er mit dem schärfsten anatomischen Messer, ja mit Werkzeugen der verschiedensten Art, den Irrthum bis in die letzte Wurzelfaser, er verfolgt ihn mit einer Energie, die man Haß und Zorn nennen könnte, wenn sie nicht stets mit der reinsten Liebe zur Wahrheit und mit der kaltblütigsten Untersuchung verbunden wäre. In der That; gibt sich das philosophische Talent, wie Jemand gesagt hat, vorzüglich in der Entdeckung und Darlegung des Irrthums zu erkennen, so gehört <hi rend="italic">Maistre</hi> unstreitig zu denen, welche dieses Talent im höchsten Grade besessen und ausgeübt haben. </p>
         <p>(Fortsetzung folgt.)</p>
          </div>
            <div type="litr">
             
         <head>
          Nachweise von Rezensionen theologischer Schriften.
         </head>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Theologisches Literaturblatt</hi>.</p>
         <p>No. 13. <hi rend="italic">Bernet</hi> Gedanken über die Einführung einer kirchlichen Bibelübersetzung. — <hi rend="italic">Theophilus</hi>. Ein Sonntagsblatt. 1835. No. 1-26. <hi rend="italic">Szeberingi</hi> epistola encyclica de praecipuis ideis Theologiae pastoralis evangelicae. — <hi rend="italic">Wachter</hi> Predigt. — No. 14. 15. <hi rend="italic">George </hi>Die ältern jüdischen Feste mit einer Kritik der Gesetzgebung des Pentateuch. – Predigt über die Armenpflege. — <hi rend="italic">Ehrenberger</hi> Erbauung in sittlich-religiösen Dichtungen. — <hi rend="italic">Lersch</hi> Religiöse Gedichte. 1. und 2. Sammlung. — <hi rend="italic">Peters</hi> Synodalpredigt — No. 16. 17. Schriften von <hi rend="italic">Ullmann</hi> und <hi rend="italic">Fritzsche</hi> über die Sündlosigkeit Jesu. —Versuch eines alten Mannes zur Erklärung der Offenbarung Johannis. — <hi rend="italic">Härtl</hi> Primiz Rede. — No. 18. Predigten für Gebildete in der Gemeinde. — <hi rend="italic">Gruber</hi> Prakt. Handbuch der Katechetik für Katholiken. 2. Th. — <hi rend="italic">Bengelii</hi> Gnomon N. T. , ed. Steudel. — No. 19. 20. <hi rend="italic">Amann</hi> Bestrebungen an der Hochschule Freiberg im Kirchenrecht. 2. Beitrag. — <hi rend="italic">Läncher</hi> Das Reisegemüth des Christen. Erbauungsschrift. — <hi rend="italic">Bormann</hi> Adventspredigten. — <hi rend="italic">Petri Abaetardi</hi> epitome theologiae christ. ed Rheinwald. — No. 21. <hi rend="italic">Wallin</hi> Predigten und Reden bei feierlichen Gelegenheiten, herausgegeben von Roth-lieb. — <hi rend="italic">Scheibel</hi> Wort brüderlicher Belehrung über die lutherische Kirche und die Vereinigung derselben mit der reformirten. — No. 22. <hi rend="italic">Hüffel</hi> Die Unsterblichkeit, oder die persönliche Fortdauer des Menschen nach dem Tode, auf's Neue beleuchtet. — <hi rend="italic">Frey</hi> Rede am Grabe des Mitpredigers <hi rend="italic">Hesse</hi>. — No. 23. 24. <hi rend="italic">Vatke</hi> Die biblische Theologie, wissenschaftlich dargestellt. — Todtenfeier des evangel. Bischofes Dr. <hi rend="italic">Müller</hi>. – <hi rend="italic">Weiß</hi> Pfingstpredigt — <hi rend="italic">Steinhard</hi> Erste Confirmationsfeier. — No. 25. <hi rend="italic">Lisco</hi> Biblische Betrachtungen über Johannis den Täufer. — <hi rend="italic">Schulz</hi> Sammlung geistlicher Amtsreden. 2. Th. — <hi rend="italic">Zyro</hi> Rede über des praktischen Theologen Gesinnung in dieser Zeit. — No. 26. 27. Kleine Schriften von <hi rend="italic">Schweizer</hi> und <hi rend="italic">Nitzsch </hi>über praktische Theologie. — <hi rend="italic">Kunze</hi> Geschichte des Cistercienser-Nonnenklosters Adersleben. — <hi rend="italic">Haupt</hi> Repertorium der Predigtentwürfe der vorzüglichsten Kanzelredner. — No. 28. <hi rend="italic">Krabbe</hi> Die Lehre von der Sünde und vom Tode in ihrer Beziehung zu einander und zur Auferstehung Christi. — No. 29. 30 Briefe über Dr. Justinus <hi rend="italic">Kerner's</hi> Geschichten Besessener neuerer Zeit. — <hi rend="italic">Hörner</hi> Homilet. Repertorium über die sonn- und festtäglichen Evangelien des ganzen Jahrs. Bd. 3. Abth. 2. — <hi rend="italic">Löhn</hi> Sieben Predigten in Nürnberg gehalten.</p>
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         <div>
            <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber: Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Rohm</hi>
            <hi rend="bold">. Maschinendruck.</hi>
         </p>
     </div> </body>
   </text>
</TEI>

