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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 18. Mai 1837, Nro. 40</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
               <persName ref="http://d-nb.info/gnd/1046474146"><forename>Beata</forename><surname>Mache</surname></persName>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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               <orgName role="hostingInstitution"> Steinheim-Institut</orgName>
               <address><addrLine>Edmund-Körner-Platz 2, 45127 Essen</addrLine>
<country>Germany</country>
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            <bibl type="J">
               Universal-Kirchenzeitung
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               <titleStmt>
                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="40">
                     18. Mai 1837, Nro. 40
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-05-18</date>
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                     <name>Varrenkamp</name>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <language ident="deu">German</language>
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            <language ident="grc">Ancient Greek</language>
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            <hi rend="bold">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung <lb/>
               für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen, und israelitischen Deutschland's.</hi>
            <lb/> Frankfurt a. M., den 18. Mai 1837. Nro. 40.</head>
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         <div type="inhalt">
         <head>
            Inhalt:
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">Drei Briefe der palästinischen Juden aus </hi>
            <hi rend="italic bold">Jerusalem</hi>
            <hi rend="bold">, </hi>
            <hi rend="italic bold">Saffet</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Bairut</hi>
            <hi rend="bold">. A. d. Hebr. von Dr. I. M. </hi>
            <hi rend="italic bold">Jost</hi>
            <hi rend="bold">. 1 Schreiben aus </hi>
            <hi rend="italic bold">Jerusalem</hi>
            <hi rend="bold">. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>
            <hi rend="bold">.</hi> 
            <hi rend="italic">Afrika</hi>. <hi rend="italic">Aegypten</hi>. <hi rend="italic">Cairo;</hi> Corresp.-Ber., das Erdbeben in Palästina betr. ; <hi rend="italic">Alexandria</hi>; Bericht des prot. Missionärs <hi rend="italic">Kruse</hi>. <hi rend="italic">Jiddah;</hi> Schreiben des prot. Missionärs <hi rend="italic">Blumhard</hi>. — <hi rend="italic">Kirchenstaat</hi>. <hi rend="italic">Rom</hi>; Ableben des Kardinals <hi rend="italic">Weld</hi>; Trauerfeierlichkeiten; Verhandlungen wegen Heiligsprechungen; Uebertritt und Lebenswandel der Gräfinn von <hi rend="italic">Solms</hi>-<hi rend="italic">Baruth</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> 
            <hi rend="italic">Böckel's</hi> Abgang von <hi rend="italic">Bremen</hi> nach <hi rend="italic">Oldenburg</hi>. Vom Pfarrer Dr. A. J. Th. <hi rend="italic">Wohlfarth</hi> in Kirchhasel. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Rede an Firmlinge. Vom Pfarrer Ph. <hi rend="italic">Lichter</hi> in Piesport (Schluß.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Das Verhältniß des ehemaligen Tempels in Jerusalem zu den heutigen Synagogen. Von Dr. S. <hi rend="italic">Scheyer</hi> in Frankfurt a. M. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi> |Sp. 0623| 
         </p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
            † Drei Briefe der palästinischen Juden aus
        Jerusalem, Saffet, und Bairut
            datirt; an Herrn H. Lehren in Amsterdam. </head>
         <p> <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="bold">
                  <note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
                     <p rend="footnote text"> Vergl. den Original-Correspondenzartikel in unserer heutigen Nummer aus <hi rend="italic">Cairo</hi>.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
        
         <p>Getreu aus dem Hebräischen übersetzt von Dr. <hi rend="italic">I. M. Jost.</hi>
         </p>
         <p>1. Schreiben aus Jerusalem.</p>
         <p>Mit der Hilfe Gottes, er sey gepriesen! <hi rend="italic">Jerusalem</hi>, (die h. Stadt, die der Herr in unsern Tagen wieder erbauen möge! am 6. Wochentage, 14. Schebat, im J. 5597. (20. Jan. 1837.)</p>
         <p>Mit des Friedens Fülle und reichem Segen aus Zion segne der Herr, welcher in Jerusalem wohnt, den Herrn etc. H. <hi rend="italic">Lehren</hi> und alle seine barmherzigen Freunde etc. zu Amsterdam.</p>
         <p>Nach dem Gruße und den besten Wünschen sehe ich mich leider genöthigt, traurige Nachrichten mitzutheilen, so sehr wir auch Anstand nehmen möchten, dergleichen zu melden, weil es Pflicht ist, glückliche Ereignisse zu verbreiten, Unglücksfälle aber zu verschweigen bis sie von selber bekannt werden. Da indessen der Consul ohne Zweifel bereits geschrieben hat, so dachte ich, daß es auch meinerseits rathsam sey, bekannt zu machen, in welcher schauderhaften Lage sich <hi rend="italic">Jakob</hi> befinde. Mit dem innigsten Schmerze muß ich sagen, daß der Theil einer alten Prophezeiung (Sota gg. Ende) „Galiläa wird zerstört werden" eingetroffen ist.</p>
         <p>Am 24. Tebeth (1. Jan. 1837) zur Zeit des Abendgebetes (Nachmittags) kam ein entsetzliches Erdbeben von dem Herrn, „welcher auf die Erde herabschauet und sie erbebet". Durch dasselbe wurden hier viele Häuser und Höfe beschädigt und die ganze Stadt gerieth in Schrecken; doch kam, Gott sey Dank, kein Mensch zu Schaden. In <hi rend="italic">Sichem</hi> (Nablus) stürzten Häuser und sämmtliche Kaufbuden ein, und 60 Menschen kamen um's Leben, unter denen sich jedoch kein Israelit befand. In dem heiligen Galiläa aber, ach! wurden <hi rend="italic">Saffet</hi> und <hi rend="italic">Tabaria</hi> völlig umgestürzt, wie die Umkehrung ..... (Sodoms etc.); sämmtliche Häuser sind gänzlich zerstört, darunter auch alle Synagogen der <hi rend="italic">spanischen (portugiesischen) </hi>der C<hi rend="italic">hassidim</hi> und unserer <hi rend="italic">Pharisäer</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
                     <p rend="footnote text"> Die Gemeinden sind geschieden nach diesen drei Ritusarten. Die spanischen oder portugiesischen Gemeinden rühren von den im 15. und 16. Jahrhundert aus der pyren. Halbinsel Verjagten her; die <hi rend="italic">Chassidim</hi> sind Polen und Russen; die <hi rend="italic">Pharisäer</hi> sind nichts anderes als rabbinische Juden, wie sie vor der Ankunft jener andern waren und in Europa und Asien im Allgemeinen noch sind. — Ueber deren Geschichte s. m. Geschichte der Israeliten. J.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> Ge- |Sp. 0624| meinde, — kein Haus, keine Straße, kein freier Platz ist mehr zu erkennen; auch die Mauer von Tabaria ist umgestürzt und der See Kinnereth (Genesareth) trat aus und überschwemmte die Stadt. "O wäre mein Haupt des Wassers voll und meine Augen der Thränen Quelle, daß ich weinen könnte, um die Gefallenen meines Volkes" (Jer. VIII.23) denn aus unsrer Gemeinde kamen 200 Personen um. Man hat mir die Liste der Uebriggebliebenen, die jetzt nackt und bloß sind, zugeschickt, und außer diesen sind noch mehrere am Leben, die früher nach Jerusalem gezogen waren, und theils mit mir hieher gegangen sind), von den <hi rend="italic">Chassidim</hi> starben leider noch viel mehr, und von den Lebenden sind mehr denn 150 stark beschädigt, und haben zum Theil Hand oder Fuß eingebüßt; von der spanischen Gemeinde sind leider die meisten erschlagen, und unter diesen die wackern Gelehrten und frommen Männer, Vorsteher der Gemeinde: <hi rend="italic">R. Abraham Anhori</hi>, und mein theurer Freund <hi rend="italic">R. Nissim Serachja Asulai</hi>, und Rabbiner <hi rend="italic">Hajim Joseph Zarfati</hi>. Das Andenken der Frommen sey gesegnet! Ihre Seele sey dem ewigen Leben überwiesen! — Kurz in <hi rend="italic">Saffet</hi> starben insgesammt mehr, als 2000 Personen, und in <hi rend="italic">Tabaria</hi> ebenfalls sehr viele, doch sind von da mehrere Rabbiner und Vorsteher gerettet, namentlich der Treffliche, <hi rend="italic">R. Hajim Nissim Abulafia</hi>, doch mit einem gebrochenem Fuße. "Mein Haupt gleicht einem Mühlstein, und meine Augen sind trübe von der Leiden Menge" denn die Lebenden sind dem Hunger und Durste preisgegeben, der Regen und der Schnee fällt auf sie herab, und kein Haus, kein Obdach schützt sie gegen die Kälte! — Ich sandte die bei mir hier befindlichen Bewohner <hi rend="italic">Saffet's</hi>, und mit ihnen unsern Beglaubten, und meinen Schwiegersohn <hi rend="italic">R.Jesaia</hi>, und den Beglaubten <hi rend="italic">R. Arje</hi>, nebst andern, etwa 20 Männer, mit dem Gelde, welches ich von unsern hiesigen Freunden aus der spanischen Gemeinde auf 3 Monate erborgt hatte, dorthin, um die Todten zu bestatten, und die Lebenden zu retten und hieher zu bringen. O des Jammers! dem Einen fehlt die Frau, der Andern der Mann; Väter sehen sich ihrer Kinder, Kinder ihrer Eltern beraubt! -Die Rabbiner der spanischen Gemeinde haben über dieß grausenvolle Unheil allgemeine Trauer veranstaltet, völlige Arbeitsruhe ausrufen lassen, und sämmtliche Mitglieder der Gemeinde in die |Sp. 0625| Synagoge <hi rend="italic">Kehal Zion</hi> versammelt, welche ungemein groß ist; auch ihre 4 andern Synagogen waren voll. In denselben saßen wir auf dem Erdboden und sangen alle Trauerlieder die in Kikkun Chazoth stehen, und alle die des 9. Ab (Zerst. Jerus.); zwei Tage hintereinder sprachen die Rabbiner Trauerreden. Hernach ersuchten sie mich, und besonders der Oberrabbiner Zions, ebenfalls in der großen Synagoge einen Trauervortrag zu halten. Ich nahm auch keinen Anstand, zumal bei so wichtiger Gelegenheit, da so viele frommen Männer umgekommen sind — mögen sie in Eden ruhen! — Es versammelte sich wiederum alles Volk, Männer und Frauen und Kinder in die große Synagoge, und der Helfer Israels — gepriesen sey sein Name: — stand mir bei, ich predigte eindringlich und rührte die Gemüther unsrer Brüder; die Spanier sowohl, als die Deutschen vergossen Ströme von Thränen, und alle thaten Buße und bekannten ihre Sünden. Ich war von der Anstrengung tief ergriffen und gänzlich erschöpft,—gepriesen sey, der dem Erschöpften Kraft verleihet! Meine Herren und theueren Freunde! seyd erbarmungsvoll und erweiset Euch wohlthätig mir und den Ueberresten unsrer galiläischen Gemeinden deren Mehrzahl des Herrn Rathschluß ertragen und Sühnopfer geworden sind für ganz Israel! Es lasten jetzt auf mir alle Schulden derer, welchen wir auf ihre Häuser und auf die gehoffte Entschädigung derer, welchen im Sommer 5594 (1834) die Räuber große Summen entrissen hatten, Geld vorgestreckt hatten. Jetzt ist auch diese Hoffnung entschwunden, denn in <hi rend="italic">Saffet</hi> starben auch Tausende von Nicht-Juden. Ich muß nun Schulden bezahlen, die heilige Heerde ernähren, die Kranken und Beschädigten heilen, die Gesunden erretten, kleiden, und unterbringen. Helfet also, Ihr, meine Herren! Auch mir steht bei durch Verbreitung meiner Bücher בית ישראל und פאת השלחן, welche ich zur Vertheilung an Gelehrte und Freunde der Wissenschaft versendet habe; denn auch ich habe alle meine Bücher und mein in Saffet befindliches Eigenthum verloren, und habe nichts übrig; der Barmherzige helfe mir in dieser allgemeinen Noth! Nicht unerwähnt lasse ich der Gnade Gottes, welcher es so gefügt hat, daß ich bei dem Ankauf des Hofes zur Synagoge für unsre hiesige Gemeinde mitbetheiligt ward, — was ich Anfangs nicht einsah, jetzt aber als die Fügung des Herrn erkenne, welcher mich und die Meinigen zu erretten beschlossen hatte, und deßhalb mich hieher sandte, durch Zahlung des Kaufgeldes die Sache zu Ende zu bringen. Ich reis'te hieher am Abend zum 10. Tebeth (18. Dez. v. J.) mit mehreren jungen Gelehrten, Freunden und Schülern von mir, und damals reis'te auch meine Frau mit meinen Töchtern in die Bäder nach Tabaria, wie sie schon früher zur Herstellung ihrer Gesundheit beschlossen hatte, nur daß sie, so lange ich zu Hause war, nicht abkommen konnte. Also erst da ich nach Jerusalem ging, reiste sie mit meinen Töchtern in's Bad Tabaria, und sie fanden da ihre Rettung, denn von dem neuen Badehause, welches der ägyptische Pascha hat erbauen lassen, rückte sich auch nicht ein Steinchen. — Wir danken dem Herrn, ob seiner großen Gnade, welche ferner uns beistehen und aus allen Drangsalen erretten möge!</p>
         <p>Ich melde schließlich noch, daß auch die RR. Abraham <hi rend="italic">Dob </hi>und Gerson <hi rend="italic">Margalioth</hi> am Leben sind; von manchen andern, welche am Leben geblieben sind, fehlen uns noch nähere Nachrichten. </p>
         <p>Dieß sind die Worte Eures aufrichtigen Freundes, welcher für Euer Wohlseyn täglich betet; der Barmherzige erbarme sich seines Volkes Israel und aller, die den heiligen Boden bearbeiten.</p>
         <p>(gez.) Israel (Verf. der Werke בית ישראל, פאת השלחן, תקלין חדתין aus <hi rend="italic">Saffet</hi> (der Herr richte es wieder auf!) Vorsteher und Aufseher der pharisäischen Gemeinde im Lande Israel.</p>
         </div>
         <div type="kn">
            <head>
            Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Afrika</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Aegypten</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>* <hi rend="italic bold">Cairo</hi>, im Februar. Von der Catastrophe, welche die beiden Städte <hi rend="italic">Saffet</hi> und <hi rend="italic">Tabaria</hi> betroffen hat, ist schon |Sp. 0626| hie und da in öffentlichen Blättern die Rede gewesen. Das Erdbeben verwüstete die erstere Stadt auf eine entsetzliche Weise. Von den darin wohnenden Juden ist kaum der zehnte Theil am Leben geblieben. Die Zahl der umgekommenen Personen ist sehr groß, und der Zustand der Uebriggebliebenen ist höchst traurig. Das Entsetzen der Letztern war so groß, daß sie mehrere Tage auf allen Vieren über den Ruinen herumkrochen. Spätere wiederholte Stöße hatten übrigens keine so argen Wirkungen wieder. Am 21. Januar waren einige Häuser in <hi rend="italic">Saida</hi> umgestürzt, doch kam dabei kein Mensch um. Der Dragoman, welcher sich seit 15 Monaten in Palästina aufhält, um die berüchtigte Beraubungs-Angelegenheit zu untersuchen, — welche nunmehr durch das Erdbeben beendigt ist, indem Beraubte und Räuber unter den Trümmern begraben liegen, schreibt, man könne sich unmöglich von dem furchtbaren Elende, das unter den Bewohnern herrscht, eine Vorstellung machen. Es fehlt an Arbeitern, um die Ruinen wegzuräumen, und der Gestank der Leichen verpestet die Lust dermaßen, daß man nicht in der Nähe verweilen darf, ohne sein Leben in Gefahr zu bringen. Man hat hier eine Collecte eröffnet, welche bereits 20,000 Piaster eingetragen, die wir sofort durch sichere Gelegenheit dahin befördert haben. Auch anderweitig wird gesammelt. Kirchen, Schulen und Synagogen haben sehr gelitten; viele Gotteshäuser sind zerstört worden. Seitens der Juden in Palästina, welche sich in einer erschrecklichen Lage befinden, ist ein Aufforderungs-Schreiben zur Beitreibung milder Beiträge<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p> Dieß enthält ausführlichere und genauere Berichte. Wir geben dessen Inhalt in unsern Eröffnungs-Artikeln in getreuer Uebersetzung aus dem in Amsterdam erschienenen Abdruck. D. R.</p>
            </note> nach Europa gesandt worden.</p>
         <p>Schließlich sey noch bemerkt, daß die Juden in Jerusalem ihre alte Synagoge, welche ihnen seit 175 Jahren entrissen war, durch Verwendung des k. k. Oesterreichischen General-Consuls wieder erlangt haben, und der desfallsige Ferman vom Pascha bereits erlassen worden. Auch zu diesem Baue ist eine Sammlung veranstaltet, welche mit gutem Erfolge vor sich geht.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Alexandria</hi>, den 6. März 1837. (Schreiben des [prot.] Missionärs <hi rend="italic">Kruse</hi>): Am 19. Januar kam ich gesund und wohl in Malta an, und wäre gern gleich mit demselben Dampfboot nach Alexandrien gefahren, wenn es meine Familienverhältnisse erlaubt hätten. Meine Gattinn war noch nicht entwöhnt: wir blieben daher noch einen Monat in Malta, machten uns inzwischen reisefertig, und gingen mit dem nächsten Dampfboot am 23. Febr. Am 28. Morgens kamen wir hier in Alexandrien an. Zu unserer großen Freude trafen wir hier die l. Geschwister Gobat's, und bezogen gleich dasselbe Gasthaus, um einander diese paar Tage desto besser genießen zu können. <hi rend="italic">Gobat</hi> ist wieder ganz gesund. Er ist nun gestern Morgen mit dem Dampfboot, auf welchem wir gekommen sind, mit Frau und Kind und einer abyssinischen Magd nach Malta abgegangen; von dort wird er sich über Marseille nach der Schweiz begeben. Der Abyssinier <hi rend="italic">Hadara</hi> und Andreas <hi rend="italic">von Beuggen</hi> werden sich morgen auf einem französischen Segelschiffe direkt nach Marseille einschiffen.</p>
         <p>Br. <hi rend="italic">Schlienz</hi> ist am Tage unserer Abreise in Malta wieder angekommen, und hat einen Plan zu einer Kirche mitgebracht, die er in Malta bauen will. Er wird Dir wohl selber schreiben, was er in England ausgerichtet habe. — Von Br. <hi rend="italic">Lieder</hi> erhielt ich hier einen Brief; er ist wohl und wartet sehnlichst auf meine Ankunft, da sich die Aussichten für die Missionsthätigkeit sehr hoffnungsreich gestaltet haben. Er schreibt: "ich kann sagen, daß ich mich auf Euch freue, wie ein Kind auf das Weihnachtsgeschenk." Wir werden morgen nach Cairo abreisen. Schade, daß ich den theuren <hi rend="italic">Schubert</hi> nicht mehr dort antreffe! Ich werde in meinem Hause, das er bewohnt hat, Alles durchsuchen, ob nicht eine Spur von ihm dort zurückgeblieben ist. Hätte ich ihn sehen dürfen, ich hätte mich fast so glücklich gefühlt als <hi rend="italic">Elisa</hi>, da er den Mantel des <hi rend="italic">Elias</hi> auffing. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Calw. Miss. Bl.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Jidda</hi>, den 21. Nov. 1836. (Aus einem Briefe des auf der Reise nach <hi rend="italic">Abyssinien</hi> begriffenen (prot.) Missionärs, <hi rend="italic">Karl Blumhardt</hi>.)</p>
         <p>Diesen Morgen bin ich glücklich und gesund hier angekommen, und eile Euch dieß zu melden und Euch zu bitten, mit mir den Herrn zu danken für die gnadenvolle Bewahrung, die ich |Sp. 0627| auf dem rothen Meere erfahren durfte. Ich war nämlich in der Nacht vom 4. auf den 5. dieß in großer Gefahr, Schiffbruch zu leiden, aber die unergründliche Güte Gottes hat mich errettet. Mein Herz ist voll vom Lobe Gottes, so daß mein Mund kaum Worte findet, es auszudrücken; denn groß und herrlich ist der Herr unser Gott, und wer auf Ihn trauet, hat auch in den dunkelsten und gefahrvollsten Stunden eine Stütze, an der er sich halten kann und nicht zu Schanden wird!</p>
         <p>Der Anfang meiner Seereise von Suez bis hier, die ich am 27. Okt. antrat, kann gut genannt werden, denn wir hatten nur solche Beschwerden, die unter den hiesigen Verhältnissen fast unvermeidlich sind. Der Kapitän hatte gegen unsere Uebereinkunft 70 statt 50 muhamedanische Pilgrimme, die nach Mekka wallfahrten, und so viele Güter geladen, daß man einen ziemlichen Theil der letztern erst wieder ausladen mußte, ehe ich mich zur Abreise entschließen konnte; aber die für den Raum des Schiffes zu große Zahl Menschen blieb eben, und ich konnte nicht hindern, daß ein Theil des vielen Ungeziefers, das sie mit sich führten, auch mich besuchte, und mir viel Plage und Unruhe machte.</p>
         <p>Eine andere Last war der öftere Mangel an gutem Wasser. Wir versahen uns zwar immer wieder, so oft wir zu einer Quelle kamen, bei welchen immer gelandet wird, aber in unseren ledernen Schläuchen ging das Wasser immer bald wieder in Fäulniß über, so daß es ungenießbar wurde. Vom Trinken enthielt ich mich nun natürlich so viel als möglich, aber zum Kochen hatte ich eben doch kein anderes.</p>
         <p>Schon den zweiten Tag unserer Reise kamen wir an die Stelle, wo wahrscheinlich die einst Israeliten trocknen Fußes durch's Meer gezogen sind. Der Ort selbst zeichnet sich durch nichts besonderes aus, allein das Andenken an die besondere Herablassung Gottes zur Hilft seines Volkes erweckte Gefühle heiliger Ehrfurcht in mir.</p>
         <p>Bis zum Abend des 4. Nov. fiel sonst nichts bemerkenswerthes vor. Als aber nun der Kapitän an's Land fahren wollte, stieß das Schiff an einen Felsen, doch war dieß noch nicht unsere Noth. Einige Matrosen sprangen in's Meer, und es gelang ihnen bald, das Schiff vom Felsen loszumachen, und der Kapitän behauptete, dasselbe habe keinen Schaden gelitten. Die Leute baten mich aber, genauer zu untersuchen, und ich fand bald zwei Löcher, die obwohl nicht bedeutend, doch viel Wasser einließen. Auch dieß konnte schnell durch Ausstopfen mit Bast beseitigt werden. Aber nun fragte es sich, ob man weiter an's Land oder in's Meer zurückfahren solle. Es war indeß dunkel geworden, und man sah einige Beduinen dem Ufer mit Laternen zueilen, welche wahrscheinlich glaubten, es sey Zeit, sich von einem gescheiterten Schiffe eine Beute zu sichern. Ich rieth, an der Stelle Anker zu werfen, wo wir waren, aber der Kapitän willigte nicht ein, sondern stieß in's Meer, und als ein starker Wind uns bald weit vom Lande entfernt hatte, verwandelte sich derselbe je mehr und mehr in heftigen Sturm, der unser Schifflein zu zertrümmern drohte. Zudem hatte der Kapitän fast den Kopf verloren, und war nur durch meine gebieterische Forderung zu bewegen, die Segel einziehen zu lassen, so lange die Gewalt des Sturmes dieß noch erlaubte. Der Sturm stieg immer mehr, und unser Schifflein schwebte in der augenscheinlichsten Gefahr hilflos auf den Wellen, die sich wie Berge aufthürmten. Nach allen Richtungen hin waren wir mit Felsen und Riffen umgeben, die man aber in der finstern Nacht nicht sehen, und also auch nicht ausweichen konnte. Die Angst und der laute Jammer von mehr, als 80 Menschen, die den fast unvermeidlichen Untergang vor sich sahen, das Geschrei der Matrosen — Alles war so schrecklich, daß ich es nicht mit Worten ausdrücken kann. In dieser Lage waren wir von Abends 9 Uhr bis Morgens 8 Uhr! Es war eine lange Nacht! — Der Gedanke, ein Raub des Meeres zu werden, machte mir Anfangs viel zu schaffen; nach und nach konnte ich mich aber dem Herrn übergeben, und bat nur um Rettung meiner Seele. Nachdem ich einige Anordnungen auf dem Schiffe getroffen, und die theils fast verzweifelnden Leute mit meinem schwachen Trost aufgemuntert hatte, begab ich mich in meine Cabine, und schüttete mein Herz im Gebet vor Gott aus. Ach, wie ganz anders als gewöhnlich betet man in solchen Augenblicken! Stunde für Stunde ging vorüber, und der gefürchtete Untergang kam nicht, und mit dem neuen Tage legte sich der Sturm ein wenig, und wir konnten bald auf einer einsamen Insel landen, |Sp. 0628| und uns als Gerettete vom Tode begrüßen. Als ich den Fuß an's Land setzte, stoßen Thränen des Dankes und der Freude über meine Wangen, und mein Mund öffnete sich zum Lob Gottes!</p>
         <p>Auf der weiteren Reise hatte ich noch eine Schwierigkeit anderer Art. Der Gouverneur des kleinen Städtchens Yambo, wo wir am 11. Nov. anlangten, forderte vom Kapitän, daß er die Cabine, für die ich bezahlt hatte, einigen Leuten einräumen solle, die er ihm mitgeben wolle; dieß konnte natürlich nicht geschehen, und es schien, der Gouverneur wolle sich mit der Antwort des Kapitäns begnügen, als gegen Abend auf einmal ein furchtbares Geschrei auf dem Schiffe entstand, und die Leute mich zu Hilfe riefen. Ich fand in einem Boote 8—10 Menschen, welche rasch das Schiff besteigen wollten. Ich verweigerte ihnen den Zutritt auf das schon mit Menschen überfüllte Schiff, bis ich mit dem Gouverneur gesprochen, und ihm meinen Ferman gezeigt hätte. Während ich in's Boot stieg und an's Land fuhr, kamen meine Knechte mit den Leuten in Wortwechsel, worauf einige Beduinen das Schiff mit Gewalt bestiegen, über meine Knechte herfielen, sie jämmerlich mißhandelten, an's Land führten, und mit mir zum Gouverneur schleppten. Unterwegs stießen sie mich und die Knechte beständig mit den Fäusten und Füßen, und schienen ganz rasend über uns zu seyn. Der Gouverneur fragte meine Knechte sogleich: "Seyd Ihr Muhamedaner?" Als sie dieß bejaht hatten, fuhr er fort: "Ihr Hunde, wenn Ihr Muhamedaner seyd, warum geht Ihr in den Dienst eines Christen!" etc. Als sich einer entschuldigen wollte, rief er, ohne ihn anzuhören: „werfet die Hunde in's Gefängniß!" und es waren Beduinen genug bereit, dieß mit roher Freude auszuführen. Nun reichte ich dem Gouverneur meinen Ferman (Geleitsschreiben des Pascha's von Aegypten), und bat ihn, denselben zu lesen. Er aber sagte verächtlich: was geht mich Dein Ferman an, gehe Deines Weges!" Ich ging, weil ich fühlte, daß jede, auch freundliche Widerrede mir das Loos meiner Knechte zuziehen würde.</p>
         <p>Unserem Schiffskapitän ließ der Gouverneur 25 Peitschenhiebe geben, weil er mich ermuntert hatte, die Leute nicht auf's Schiff zu lassen. <hi rend="italic">Drey</hi> derselben mußten wir auf dem Schiff behalten, die andern verließen uns wieder.</p>
         <p>Aus der großen Verlegenheit, in der ich nun war, meine Knechte gefangen zurücklassen zu müssen, wurde mir durch einen französischen Arzt geholfen, der grade hier war, und den ich in Suez gesehen hatte, indem derselbe ihre Loslassung auswirkte. Der Gouverneur durfte mir aber für diese Gefälligkeit noch ein Trinkgeld abfordern lassen!</p>
         <p>So geht es durch Allerley hindurch, aber der Herr hilft immer wieder.</p>
         <p>Am 17. Novbr. erreichten wir <hi rend="italic">Rabagh</hi>, den Ort, wo die Pilgrimme, die nach Mecca wallfahrten, gewöhnlich ihr Pilgergewand anlegen. Auch meine Reisegesellschaft that dieß. Sie rasirten den Kopf, badeten sich, und dann legte jeder ein weißes Tuch um seine Lenden, und eines über seine linke Schulter; der übrige Theil des Körpers, auch der nackte Kopf ist unbedeckt. In dieser demüthigen Kleidung bleiben sie, bis sie ihr Gelübde in Mecca vollendet haben, wo sie dann als Heilige angesehen, und solche genannt werden. Es ist hart, mit dem bloßen Haupte den ganzen Tag der Sonnenhitze ausgesetzt zu seyn. Allein es ist dem menschlichen Herzen angeboren, seine Seligkeit lieber durch Büßungen erwerben zu wollen, als sie als armer Sünder aus Gnaden anzunehmen. Wenn die armen Leute sich zum Schlaf begeben, dürfen sie von hier an das Haupt nicht mehr auf's Lager niederlegen, sondern nur auf die linke Hand stützen. Diesen Festtag Abend trieben sie ein fürchterliches Unwesen mit ihren sogenannten Gebeten, und stellten sich fast unvernünftigen Thieren gleich.</p>
         <p>Am folgenden Tag zeigte mir einer der Pilgrimme seinen Kopf, der sehr stark geschwollen war, weil er stets unbedeckt der Sonne ausgesetzt war. Ich mußte fordern, daß er den Kopf bedecke, und sich wärmer kleide, wenn er gesund werden wolle; aber der arme Mann zog vor, seinem Gelübde getreu zu bleiben, und seinen geschwollenen Kopf zu behalten. Möge der Herr die Augen der Blinden aufthun, Menschenkraft vermag es nicht!</p>
         <p>In wenigen Tagen werde ich mich nach Massowa einschiffen. Gedenket mein vor dem Herrn, daß er mir beistehen möge, un- |Sp. 0629| ter diesem rohen Geschlechte zu leuchten als ein Licht, damit sein Name durch mich gepriesen werde! </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Der ev. Heidenbote)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchenstaat</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Rom</hi>, den 11. Aprill. Mit lebhaftem Schmerze erfüllen wir die herbe Pflicht, den gestern erfolgten Tod Sr. Eminenz des Kardinals Thomas <hi rend="italic">Weld</hi>, Presbyterialtitel von <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Marcellus</hi> zu berichten. Der ausgezeichnete Kirchenfürst war am 22. Januar 1773 zu London geboren, und wurde von <hi rend="italic">Pius VIII</hi>. in dem Consistorio vom 15. März 1830 mit dem Purpur bekleidet. Eine ausführlichere biographische Notiz behalten wir uns noch vor. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Diario di Roma.)</hi>
         </p>
         <p>— Der Tod des Kardinal <hi rend="italic">Weld</hi>, dieses in jeder Hinsicht ausgezeichneten Mannes ist nicht allein für den päpstl. Stuhl ein herber Verlust, sondern auch für ganz Rom, dessen Armen er ein wahrer Wohlthäter war. Gelehrte und Künstler jeden Glaubens fanden an ihm einen Gönner, der das aufstrebende Talent auf alle Weise förderte. Aus einer sehr begüterten Familie stammend, verheirathete er sich in England mit einer geistreichen Dame, nach deren Tod er sich dem geistlichen Stande widmete, und auf sein Landhaus, welches später von <hi rend="italic">Karl X</hi>. bewohnt wurde, sich zurückzog. Sodann kam er hieher, um als Bischof in <hi rend="italic">Canada</hi> installirt zu werden. Der Papst <hi rend="italic">Pius VIII</hi>., durch seinen Vorgänger <hi rend="italic">Leo XII</hi>. aufmerksam auf ihn gemacht, gedachte diesen Mann für hier zu gewinnen, damit er gleichsam als Repräsentant des katholischen England's beim päpstlichen Stuhl erscheine. Er ernannte ihn in dem Consistorium vom 15. März 1830 zum Kardinal, mit dem Titel von <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Marcello</hi>. In dieser Stellung hat er für die Kirche mit That und Kraft rastlos gewirkt, und sich die Achtung Aller, die ihn kannten, erworben. In den bedrängnißvollen Jahren 1831 und 1832 war er der hiesigen Regierung eine mächtige Stütze. Er stellte einen großen Theil seines Vermögens zu ihrer Verfügung. Sein Haus war der Vereinigungspunkt aller ausgezeichneten Engländer ohne Ausnahme; hier war die wahre Frömmigkeit heimisch; hier sah man das echte Bild eines Priesters, dessen einziges Streben die Tugend war. Seine vor einigen Jahren verstorbene Tochter war mit Lord <hi rend="italic">Clifford</hi> verheirathet, welcher nun weinend mit seinen Kindern am Grabe des Hingeschiedenen steht. Ganz <hi rend="italic">Rom</hi> ist über seinen Verlust in Trauer.</p>
         <p>Auch die beiden Kardinale <hi rend="italic">Galeffi</hi> und <hi rend="italic">Tadini</hi> liegen gefährlich krank darnieder, so daß man heute an dem Aufkommen des erstern zweifelt. Der Kardinal-Staatssekretär <hi rend="italic">Lambruschini</hi> befindet sich noch immer auf seinem Landsitz am Ausflusse der Tiber. Ms Gerücht sagte ihn gestern bereits todt, doch höre ich heute auf's bestimmteste, daß er sich nicht allein besser befinde, sondern auch hoffe, bald so weit wieder hergestellt zu seyn, um sein Amt hier wiederum ganz übernehmen zu können.</p>
         <p>Sollten die beiden erstgenannten Kardinäle sterben, so könnte sich die Behauptung der Römer wieder bewähren, wornach fast immer drei Eminenzen zu gleicher Zeit aus der Welt scheiden.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>— Am 14. Aprill wurde in der Kirche St. Marzello das Requiem für den verstorbenen Kardinal <hi rend="italic">Weld</hi> gehalten. Der Papst wohnte dieser heiligen Handlung bei, was von seiner Seite als Beweis einer ganz besondern Hochachtung für den Hingeschiedenen angesehen werden muß, da ein Papst höchst selten bei solchen Funktionen erscheint. Die Kirche war außer der hohen Geistlichkeit mit den ausgezeichnetsten Fremden angefüllt. Noch nie haben wir eine so allgemeine Trauer und so viele Thränen gesehen, als bei dem Tode dieses trefflichen Mannes. Sein Vermächtniß ist noch nicht veröffentlicht, da der Vollstrecker des Testaments, Monsignor Acton, noch nicht aus Neapel angekommen ist. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schweiz. Kztg.)</hi>
         </p>
         <p>— den 14. Aprill. Monsignor <hi rend="italic">Acton</hi> hat vorgestern seinen Posten als Uditore Generale della Rev. Cam. Apostolica feierlich angetreten. Diese Stelle ist die nächste Stufe zum Kardinalshut, und es wäre möglich, daß er dieser Würde bald theilhaft würde, um den verstorbenen Kardinal <hi rend="italic">Weld</hi> zu ersetzen. Für Letztern hatten seine Verwandte heute in der Kirche der Waisenkinder, deren Beschützer der Kardinal war, ein feierliches Todtenamt veranstaltet, wobei <hi rend="italic">Mozart's</hi> berühmtes Requiem, unter Leitung des Marquis <hi rend="italic">Mutti</hi> aufgeführt wurde. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Z.)</hi>
         </p>
         <p>|Sp. 0630| † — Sonntags am 12. März ließ der Papst im vatikanischen Palaste das solenne Decret bekannt machen, wonach erklärt wird, daß man zur Canonisation des B. <hi rend="italic">Francesco di Girolamo</hi>, Priesters der Gesellschaft Jesu und berühmten Missionärs, mit Sicherheit so fort schreiten könne, nachdem bereits am 31. Januar von den Mitgliedern der heiligen Congregation über die Zulässigkeit dieser Procedur die vorläufigen Discussionen aufgenommen worden waren. Unmittelbar nach dieser Sitzung vom 31. Januar versammelten sich die Kardinäle in den gewöhnlichen Gemächern des Vatikans, um zum zweiten Male die Diskussion über die Zulässigkeit der Nonne Suor Teresa <hi rend="italic">Margherita</hi>, aus dem Kloster der unbeschuhten Carmelitanerinnen in Florenz, zu gleicher Ehre vorzunehmen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(D. d. R.)</hi>
         </p>
         <p>— Bei den Feierlichkeiten der heiligen Woche und des Osterfestes hat der heilige Vater alle Funktionen selbst verrichtet, und so die ausgestreuten Gerüchte seines Unwohlseyns am besten widerlegt. Nur das schlechte Wetter am Sonntag verhinderte den Papst, den Segen an das Volk von der Loggia der St. Peterskirche aus zu ertheilen, was immer einen der großartigsten Momente bildet, die man in Rom erleben kann. Man mußte sich begnügen, diese Feierlichkeit in der Kirche selbst abzuhalten. Auch fehlten diesmal die vielen Pilger, welche sonst jedes Jahr aus dem südlichen Italien her wallfahrten; der Kordon gegen Neapel versperrt ihnen den Weg. Wind, Hagel und Regen verhinderten am Abend auch die Beleuchtung der Kuppel, welche einstweilen auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Das Feuerwerk (la girandola) zur Feier des Osterfestes wurde gestern Abend, bei bedeckter Luft, sehr brillant gegeben. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>— Vor einigen Jahren schon ist zu Tivoli eine deutsche Dame von hohem Stande gestorben, die sich durch ihre große Wohlthätgkeit auszeichnet und über deren Leben das Diario di Roma so eben erst eine kurze Nachricht gegeben hat. Es ist dieß die Gräfinn Friederike Wilhelmine Louise von <hi rend="italic">Solms</hi>-<hi rend="italic">Baruth</hi>, Wittwe des Grafen <hi rend="italic">Burgheven</hi> in Schlesien. Ihre Mutter war eine Prinzesinn von Anhalt-Bernburg. Nachdem sie Wittwe geworden war, begab sie sich im Jahre 1789 nach Rom, und blieb da viele Jahre. Im Jahre 1812 ließ sie sich zu Tivoli nieder. Seit langer Zeit dachte sie ernstlich über Religion nach, und verglich die katholische Kirche mit den protestantischen Sekten. Die Gnade siegte endlich in ihr über alle irdischen Rücksichten und Hindernisse; sie legte am Feste des heiligsten Herzens im Jahre 1821 das katholische Glaubensbekenntniß ab. Ihr ganzes Leben und ihr Testament bezeugen die Aufrichtigkeit dieses Schrittes. Sie ließ zu Tivoli ein Spital bauen, welches sie den "Fate ben Fratelli" ("Thut Gutes Brüder", so nennt sich ein wohlthätiger Verein) übergab, und wo Genesende beider Geschlechter drei Tage lang verpflegt werden. Sie ließ das Bersorgungshaus von St. Getulus wieder herstellen, und versah es mit Einkünften zum Unterhalte von sechs Waisen. Sie berief die „christlichen Schulbrüder" nach Tivoli, und kaufte ihnen ein Haus, das sie für sie herstellen ließ. Sie wies ihnen Einkünfte an, um öffentliche Schulen zu eröffnen, und zum Unterhalte von sechs Waisen. Sie gab den Armen, stattete Jungfrauen aus, versorgte die Dürstigen mit Betten und Kleidern, zahlte Bedrängten ihre Schulden, beschenkte die Kirchen mit heiligen Gefäßen und Zierden. In ihrem Testamente verordnete sie, daß das alte Kloster der Kapuziner, das sie gekauft hatte und bewohnte, einem frommen Werke gewidmet wurde. Ihr Testamentsexekutor, Abbé Fabri, glaubte ihre Absicht am besten zu erfüllen, indem er das Kloster den Kapuzinern wieder einräumte. Die ganze Stadt war erfreut hierüber und beklagte den Hintritt der tugendhaften Gräfinn, der am 27. Dezember 1832 erfolgte. Ihrem Wunsche gemäß wurde sie in der Kirche des heil. Johannes der Florentiner zu Rom begraben. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Sion.)</hi>
         </p>
         <p>— Das Benehmen des Erzbischofs von Paris wird hier höheren Orts nicht gutgeheißen, und hat bei der Geistlichkeit allgemeine Mißbilligung gefunden. Der ganze Hergang ward von der französischen Regierung der hiesigen offiziell mitgetheilt, damit das bestehende gute Vernehmen auf keine Art geßört werde. Wenn diese Angelegenheit, wie man hofft, schnell beigelegt seyn wird, so sind dagegen die kirchlichen Verhältnisse mit Spanien und Portugal desto betrübender für das Oberhaupt der Kirche, da hauptsächlich in letzterem Land ein förmliches Schisma besteht. Der noch von Don Pedro eigenmächtig ernannte Bischof in par- |Sp. 0631| tibus, Padre Marco, spottweise Papa Marco genannt, der vom heiligen Vater nicht als Bischof anerkannt wurde, ertheilt ohne Ermächtigung alle Dispensation nach Willkühr, und mit Umgehung des bejahrten Patriarchen von <hi rend="italic">Lissabon</hi>, Kardinals <hi rend="italic">Silva</hi>. Auch von Brasilien verlautet noch immer nichts, und der Gesandte Ritter <hi rend="italic">Drummond</hi> hat gestern seine Reise nach Neapel fortgesetzt, ohne daß seine Anwesenheit hier zu einem Resultat geführt hätte. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(K. K.-Ztg.)</hi>
         </p>
         </div>
         <div type="ta">
         <head>
          Theologische Akademie.
         </head>
        <div type="tapr">
            <head>
            Protestantische Abtheilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="italic bold">Böckel's</hi>
            <hi rend="bold"> Abgang von Bremen nach Oldenburg. </hi></title>
          </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von </hi>
            <hi rend="italic bold">Dr. A. J. Th. Wohlfarth</hi>
            <hi rend="bold">, Pfarrer in Kirchhasel bei Rudolstadt.</hi>
         </p>
         <p>Die Univ.-K.-Ztg. hat unlängst das treffliche <hi rend="italic">Rundschreiben</hi> des ehrwürdigen Bischofs der <hi rend="italic">oldenburgischen</hi> und <hi rend="italic">jever'schen</hi> (luth.) Geistlichkeit, Dr. <hi rend="italic">Böckel</hi>, mitgetheilt.</p>
         <p>In der vollen Ueberzeugung, daß die Leser dieser Blätter in diesem Sendschreiben goldene Früchte auf silbernen Schalen dankbar begrüßt haben, glauben wir den Wünschen derselben bloß entgegen zu kommen, wenn wir noch Einiges über den Amtswechsel dieser Leuchte der evangelischen Kirche mittheilen: </p>
         <p>Wir übergehen die früheren Amtsverhältnisse des hochgefeierten Mannes, da wir als bekannt voraussetzen können, daß derselbe in Königsberg, Greifswalde und Hamburg mehrere wichtige und einflußreiche Posten mit der ausgezeichnetesten Treue und dem größten Segen begleitete, und als Theolog und Kanzelredner schon längst als Stern erster Größe an dem Kirchenhimmel glänzte. Die Kirche erkannte dieß durch mehrfache Rufe dankbar an.</p>
         <p>Vor vier Jahren ungefähr folgte er, nach <hi rend="italic">Dräseke's</hi> Abgange nach Magdeburg, als damaliger Hauptpastor und Scholarch in Hamburg, dem Rufe an die <hi rend="italic">lutherische</hi> Predigerstelle bei der bekannten <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Ansgarii</hi>-<hi rend="italic">Gemeinde</hi> in <hi rend="italic">Bremen</hi>, welche, um den sich längst überlebten Unterschied zwischen <hi rend="italic">Reformirten</hi> und <hi rend="italic">Lutheranern</hi> aufzuheben, schon früher, als <hi rend="italic">Dräseke</hi> in diese Gemeinde kam, eine lutherische Predigerstelle creirt, und somit der evangelischen Kirche ein der allgemeinsten Nachfolge würdiges Beispiel gegeben hatte.</p>
         <p>Es war nicht bloß allgemeine Stimme, daß einen <hi rend="italic">Würdigern</hi> die <hi rend="italic">Ansgarii</hi>-<hi rend="italic">Gemeinde</hi> nicht würdiger hätte wählen können, sondern selbst von Denjenigen, welche damals mit zur Wahl proponirt waren, wurde dieß von <hi rend="italic">Böckel</hi> im Vertrauen, und öffentlich bezeugt. Doch, wie gedacht, nur kurze Zeit war der vortrefflichen <hi rend="italic">Ansgarii</hi>-<hi rend="italic">Gemeinde</hi> es vergönnt, <hi rend="italic">Böckel</hi> den Ihrigen zu nennen. </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Oldenburg's</hi> edler Großherzog hatte für Wiederbesetzung der ersten geistlichen Stelle seines Landes auf den gefeierten Mann sein Auge gerichtet. Und obgleich <hi rend="italic">Böckel's</hi> Herz so innig an der theuren Gemeinde hing, daß er einem Freunde unter anderm schrieb: „<hi rend="italic">Wie zittert mein Herz, daß nicht einem Miethling die Gemeinde befohlen werde, die ich weidete etc</hi>!" und lautes Zeugniß von dem edlen Sinn derselben ablegte, so fand er sich auch durch andere wichtige Gründe veranlaßt, als sein jetziger Fürst nach einem ersten, abgelehnten Rufe einen <hi rend="italic">zweiten</hi> an ihn ergehen ließ, diesem Winke der Vorsehung zu folgen.</p>
         <p>Die Kunde von <hi rend="italic">Böckel's</hi> Abgang machte auf die Glieder seiner Gemeinde, die wohl wußte, was sie in dem Mann voll echt evangel. Lichtes und frommer Kraft besessen hatten, einen schmerzlichen Eindruck. Mit wie schwerem Herzen er selbst aus so theuren Verhältnissen schied, darüber besagt seine uns vorliegende Abschiedspredigt (Leipzig bei <hi rend="italic">Wuttig</hi> 1836) das Nähere.</p>
         <p>Er benutzte diese Gelegenheit, über <hi rend="italic">Ephes</hi>. 4,15 seiner Ge- |Sp. 0632| meinde einige unter den dermaligen Verhältnissen zeitdringende Worte an's Herz zu legen, und thut dies auf der einen Seite mit so viel überzeugender Kraft, auf der andern aber wieder mit solchem herzgewinnenden Schwung, daß wir nicht umhin können, dieses Meisterstück, eine wahre Abschieds-Predigt, unsern Amtsbrüdern dringendst zu empfehlen. <hi rend="italic">Durch gegenseitige Gelübde</hi> und <hi rend="italic">Zusagen</hi>, mahnt er, <hi rend="italic">wollen wir die Stunde des Abschieds feiern</hi>, und setzt dieselbe in das Versprechen: 1) <hi rend="italic">Wir wollen Freunde der Wahrheit bleiben;</hi> 2) <hi rend="italic">den Geist der Liebe bewahren;</hi> 3) <hi rend="italic">unermüdlich in allem Guten fortschreiten;</hi> 4) <hi rend="italic">nach immer innigerer Gemeinschaft mit dem Erlöser streben!</hi>
         </p>
         <p>Es thut uns wehe, uns hier blos auf das treffliche <hi rend="italic">Abschiedswort</hi> beschränken zu müssen. Hier ruft der treue Hirt in Wehmuth und Hoffnung: „Das innigere Verhältniß, das, unabhängig von dem äußern, uns mit einander verknüpft, kann sich nicht lösen, und je treuer wir der Ermahnung des Apostels in unserm Texte nachkommen, desto lebhafter werden wir uns überall unseres Zusammenhanges bewußt bleiben, desto reiner und unvergänglicher wird die Anhänglichkeit seyn, mit der wir uns gegenseitig umfassen. Soll ich dieß von meiner Seite hier öffentlich betheuern? Soll ich Gott zum Zeugen anrufen, daß ich Euch nie vergesse, daß ich Euch ewig lieben werde? Verstummen würde ich, und beschämt aus Eurer Mitte gehen, wenn ich Ursache hätte, zu fürchten, es bedürfe einer feierlichen Versicherung, es wäre möglich, daß Ihr zweifeln könntet an der Aufrichtigkeit und Unwandelbarkeit meiner Gesinnungen? etc."</p>
         <p>In gleich herrlichem Geiste ist die <hi rend="italic">Chrysostomus</hi>-Antrittspredigt in <hi rend="italic">Oldenburg</hi> am 23. Okt. 1836 gesprochen. Ueber 1. Cor. 2,2 thut der begeisterte Redner dar, <hi rend="italic">daß die Lehrer der Religion auch in unsern Tagen für die Bedürfnisse der Zeit nicht besser sorgen können, als wenn sie Christum predigen.</hi> Nachdem er im evangel. Lichte erinnert, was es heiße: Christum predigen, zeigt er, daß diejenigen, welche dieß thun, am besten für die Bedürfnisse der Zeit sorgen, indem wir hier bei den <hi rend="italic">Irrthümern der Zeit, Licht und Wahrheit, bei den Fehlern der Zeit Kraft zum Guten, bei den Bestrebungen der Zeit das würdigste Ziel finden</hi>.</p>
         <p>Auch auf diese Predigt verweisen wir das Publikum. Es ist unmöglich, aus solchen Arbeiten Auszüge zu geben.</p>
         <p>Ein wahres <hi rend="italic">Bischofswort</hi> sprach <hi rend="italic">Böckel</hi> am 13. Sept. 1836 an den <hi rend="italic">oldenburgischen</hi> Predigerverein, dessen Stifter Herr Pastor <hi rend="italic">Crentepohl</hi> und <hi rend="italic">Zwischenahn</hi> ist. „Von ganzem Herzen," spricht der gerührte Redner dem Kreise der um ihn versammelten Amtsbrüder zu, „von ganzem Herzen gebe ich Ihnen das Versprechen, daß das Gebot unsers göttlichen Meisters, die Vorschrift seines Gesandten, mir heilig seyn soll, daß ich in allen Beziehungen und Verhältnissen, in welche mein Amt mich führt, Ihnen die Gesinnungen bethätigen werde, an welchen de Herr der Kirche seine wahren Schüler erkennt. Darauf gebe ich Ihnen, und durch Sie den abwesenden Brüdern meine Hand. Ihre Sorge soll fortan meine Sorge, Ihre Freude meine Freude seyn, und nichts von allem, was Sie froh bewegt oder mit Besorgniß erfüllt, wird mir fern bleiben. Soll irgend eine Auszeichnung, das die Gnade des Herrn und das Vertrauen unsers edlen Fürsten mich gewürdigt hat, in Ihrem Kreise meinem Geiste vorschweben, und soll es die seyn, daß schwere Pflichten auf mir ruhen, und eine größere Verantwortlichkeit, als auf Ihnen. Nur in theilnehmender Liebe, in aufrichtigem Wohlwollen, in christl. Dienstfertigkeit soll es mir Keiner zuvorthun etc. </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Oldenburg</hi> hat, wie wir hören, den würdigen Oberhirten nach dem Herzen Gottes mit verdienter Verehrung aufgenommen. Bremen's Segenswünsche ruhen auf ihm! Daß dieser treue Apostel mehrfach verkannt worden, können wir kaum glauben, und müssen auf jeden Fall diejenigen beklagen, welche dieser Vorwurf traf. <hi rend="italic">Böckel</hi> ist einer von den Wenigen, wahren Priestern des Herrn, welche über die unselige Systemsstreitigkeiten unserer Tage hoch erhaben stehen, und, weil sie selbst im heiligen Licht der Wahrheit wandeln, das nichts gemein hat mit der Dämmerung und der Nacht, sondern ebensowohl erleuchten als erwärmen. Möge <hi rend="italic">Böckel</hi> noch lange, lange seinen Mund öffnen, um das Reich des Herrn zu verkündigen! Möge <hi rend="italic">Oldenburg</hi>, |Sp. 0633| das seinen Besitz dankbar zu würdigen wissen wird, lange, lange Sein sich freuen!</p>
         <p>Der treue Gottesmann aber wolle nicht zürnen, der Wünsche, die wir ihm aus weiter Ferne weihen!<lb/>Wohl, wie der Dichter sagt:<lb/>„Wahre Größe wich sich stets so zeigen, Demuth, sie ist dem Edlen eigen!<lb/>Aber ihr gebührt ja vor Allem der Lorbeerzweig, ob sie dessen sich auch weigere.</p>
        </div>
            <div type="taka">
           <head>
        Katholische Abteilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="italic bold">Rede</hi>
            <hi rend="bold">, an </hi>
            <hi rend="italic bold">Firmlinge</hi>
            <hi rend="bold">, vorgetragen bei Gelegenheit, als der hochwürdigste Herr Weihbischof </hi>
            <hi rend="italic bold">Wilhelm</hi> 
            <hi rend="italic bold">Günther</hi>
            <hi rend="bold"> am 3. Mai 1836 das heil. Sakrament der Firmung in Klausen austheilte.</hi>
         </title>
             </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von </hi>
            <hi rend="italic bold">Philipp</hi> 
            <hi rend="italic bold">Lichter</hi>
            <hi rend="bold">, Definitor und Pfarrer in Piesport, im Bisthum Trier.</hi>
         </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>2.</p>
         <p>Sehet nun aber auch, Ihr lieben Kinder! wozu Ihr Euch heute feierlich verbindet. Ihr machet Euch heute im Angesichte der ganzen Kirche verbindlich, in dem Glauben, worauf Ihr getauft und in welchem Ihr unterrichtet wurdet, zu leben und zu sterben, diesen Glauben offen vor der ganzen Welt zu bekennen, das Licht des Glaubens also vor den Menschen leuchten zu lassen, daß sie Eure guten Werke sehen, und den Vater preisen, der im Himmel ist. — Ihr sollet das Erbgut des christlichen Glaubens, das vom apostolischen Zeitalter an in unserem Vaterlande treu, aufbewahrt wurde, als das theuerste Kleinod bewahren, lieber Alles dulden, als ein Pünktlein von der reinen Lehre Jesu abzuweichen. — Wachet und stehet fest im Glauben. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen und selig zu werden. Es ist aber auch nicht genug, daß Ihr den Glauben habet, Ihr müßet auch die Gesinnungen des Glaubens besitzen, kindlich auf Gott vertrauen, Ihn lieben und gute Werke üben, die des Himmels würdig sind. — Vergesset es nie, daß Ihr als Bekenner des christlichen Glaubens auch einen rechtschaffenen Wandel führen müßt. Denn was nützt es auch den Glauben zu haben ohne die guten Werke des Glaubens? Ueberall, wo Ihr Euch immer befindet, soll man es an Euch, wie auf offener Stirne geschrieben lesen, daß Ihr an Jesum, den Gekreuzigten, glaubet, und daß sein Geist in Euch lebe. Ihr sollet, wie der Heiland, zunehmen, wie an Alter, so an Gnade, an Liebenswürdigkeit vor Gott und den Menschen. Ihr sollet stets wachsen in der Erkenntniß und in der Liebe Gottes. Dieselbe Gesinnung, die in Jesus war, über welchen der heil. Geist am Jordanfluß herabkam, soll auch in Euch seyn, nur Gott und der Tugend zu leben, — alle Eure Obliegenheiten so treu zu erfüllen, wie Jesus that, so für die Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit zu eifern, wie Er; so Gott und die Menschen zu lieben, wie Er that, so gehorsam zu seyn, wie Er gehorsam war bis zum Tode des Kreuzes; so zu leiden, so zu sterben, zu überwinden, wie Er; so Eure Feinde zu lieben, wie Er seine Feinde liebte.</p>
         <p>Ihr sollet so fest an Jesus den Sohn Gottes glauben, so auf Ihn vertrauen, so feurig Ihn lieben, so warmen Antheil an der Religion Jesu nehmen, so Euch dem Wohl Eurer Brüder widmen, so Euer Heil Euch angelegen seyn lassen, wie die heiligen Apostel und die Gläubigen, die von seinem Geiste geleitet und geführt wurden. Ihr seyd zwar nicht berufen, wie die Apostel, die Leuchte des Glaubens unter fremde Nationen hinzutragen; allein Ihr tretet dennoch in die Reihe der christlichen Kämpfer, die bereit seyn müssen, für Christus Schmach und Verfolgung zu leiden, in die Reihen jener, die aus Zornmüthigen Sanftmüthige, aus Rachsüchtigen versöhnliche Menschen geworden sind, |Sp. 0634| die sich selbst verläugneten und über ihre Leidenschaften den Sieg davon getragen haben. Wir leben zwar nicht mehr in Zeiten, wo wir des Glaubens wegen verfolgt werden; allein es gibt auch in unseren Zeiten Gelegenheiten, wo der Glaube gelästert, verhöhnt wird, wo die verderblichsten Grundsätze ausgestreut werden, wo man Euch im Glauben irre zu machen sucht. Was sollet Ihr also da thun? Ihr sollet nicht nur feststehen im Glauben, sondern auch lieber Alles leiden wollen, als im Glauben treulos werden. — Ihr sollet Mitleid tragen mit den Irrgeführten, allein Euch keineswegs m dem Glauben an Jesum wankelmüthig machen lassen, vielmehr sollet Ihr Jesum und seine Religion frei und offen bekennen. — Wenn wir auch nicht gegen äußere Gefahren zu kämpfen haben, so hat dennoch jeder Getaufte gegen seine bösen Neigungen zu streiten. Selig ist der Mensch, der da überwindet, denn er wird die Krone des Lebens empfangen, die Gott Allen gibt, die Ihn getreu lieben. Damit Ihr aber überwindet, so flehet den heiligen Geist oft um sein Licht und seinen Beistand an, wirket den Einflößungen seiner Gnade getreu mit, und fliehet alles, was den heiligen Geist aus Eurem Herzen vertreiben würde.</p>
         <p>Ihr müsset, wenn Ihr die Gefahren Eures Alters besiegen wollet, die Gemeinschaft der Ausgelassenen meiden, wachsam seyn über Euch selbst, Euch stärken in dem Herrn und in seiner allmächtigen Kraft, ehrbar und eingezogen seyn in Eurem ganzen Wandel. Ihr müsset, wenn Ihr einen guten Kampf kämpfen wollet, mit einem folgsamen Herzen Gottes Wort hören, dasselbe bewahren, der Stimme Eures hochwürdigsten Bischofs, der Stimme Eurer Seelenhirten, der Stimme Eurer Eltern willig gehorchen, ihre Befehle, als Gottes Befehle ansehen, Euch zu Hause, in der Kirche, sittsam betragen, Eure Seele und Euren Leib stets als eine Wohnung des heiligen Geistes ansehen, und Gott verherrlichen durch Alles, was Ihr gedenket, redet oder thut. — Ihr habet aber nicht nur gegen das Böse zu streiten, Ihr sollet auch das Gute üben, alle Eure Mitmenschen durch Euren Wandel erbauen. Ihr sollet die Sünde meiden und Allen durch ein tugendreiches Leben zu einem Vorbilde der Nachahmung dienen — überall den Wohlgeruch der guten Lehre und des christlichen Wandels, gleich dem stärkenden und wohlriechenden Balsam verbreiten. Möget Ihr einst Euch im Soldatenstande befinden, oder häusliche Pflichten zu erfüllen haben, zeiget, daß Ihr Gott liebet, rechtschaffene und gute Kinder seyd, die Gottes Gebote halten, die mitten unter einem verkehrten Geschlechte nimmer von der Reinheit der Sitten abweichen. — Wie Manche indeß gibt es, die nach der Firmung sogleich ihrer großen Verbindlichkeiten vergessen, und lieber die Wege des Unglaubens gehen, sorgenlos für ihre Tugend dahin leben, und wie Unsinnige sich in alle Gefahren hineinstürzen, und ihre Unschuld unter muthwilliger Freude zu Grabe tragen! Dagegen warnt uns Gottes Wort, da wir in göttlicher Schrift ermahnt werden, den Tempel Gottes nicht durch Sünde zu entweihen, denn wer den Tempel Gottes entheiligt, den wird Gott vertilgen. — Betrübet den heiligen Geist nicht, womit Ihr besiegelt seyd auf den Tag der Auferstehung.</p>
         <p>Liebe Eltern! die Ihr heute Eure Kinder hieher führet, damit sie mit dem heiligen Geiste erfüllet werden, auch Ihr werdet durch die heilige Firmung an Eure große Pflicht erinnert, als schon erwachsene Kämpfer den noch unerfahrnen Streitern beizustehen, Euren Kindern beständig zur Seite zu bleiben, alle Gefahren von ihnen zu entfernen, sie zur Andacht und zu einem gottseligen Wandel anzuleiten. Laßt es Eure erste und wichtigste Angelegenheit seyn, für das Wohl ihrer unsterblichen Seelen aus allen Kräften zu sorgen: Lehret sie das Laster fliehen, und stellet ihnen die Tugend in ihrer Liebenswürdigkeit vor. Haltet sie an zum Gottesdienste und zum öfteren Empfang der heiligen Sakramente, und unterstützet in Allem die Bemühungen Eurer Seelenhirten. Vor Allem befleißet Euch, Eure guten Lehren und Ermahnungen durch Eure guten Beispiele zu begründen. Wohnet selbst fleißig dem Gottesdienste und den christlichen Unterweisungen bei, und der Allgütige wird Eure Bemühungen mit einem segenreichen Erfolge krönen. Ihr werdet folgsame gottesfürchtige Kinder erziehen, die Euch in trüben Stunden trösten, Euch in der Krankheit und Armuth beistehen, in Eurem Alter sich Eurer annehmen, die selbst nach Eurem Hinscheiden durch ihre fromme Fürbitten Euch nützlich werden. Wenn Ihr Euch |Sp. 0635| die christliche Erziehung Eurer Kinder angelegen seyn laßt, so wird Gott gewiß Eure Bemühungen im Himmel krönen. — Wehe aber den Eltern, die dieses nicht thun, und ihre Kinder muthwillig in Gefahren führen, worin sie ihren zeitlichen und ewigen Untergang finden.</p>
         <p>Endlich wende ich mich zu Euch, liebe Christen! die Ihr im Angesichte der ganzen Kirche für diese jungen Christen gutsprechet, daß Sie den Verbindlichkeiten, die Sie heute feierlich übernehmen, getreu nachkommen werden. Ihr übernehmet die Pflicht, über Eure anempfohlenen Söhne und Töchter treu zu wachen, für ihre fernere Erziehung zu sorgen, daß sie ihrem Glauben nicht untreu werden, und die Heerde Christi nicht verlassen. Ihr sollet Lehrmeister dieser neuen Kämpfer seyn. Die Kirche vertraut aus mütterlicher Sorgfalt für ihr Heil Euch dieselben an, damit sie unter den Flügeln der Liebe Jesu bewahrt werden. Sehet Ihr einen (eine) dieser Firmlinge den Weg des Verderbens, des Unglaubens oder der Sittenlosigkeit gehen, so seyd Ihr verpflichtet, sie zu warnen, Euch alle Mühe zu geben, sie wieder zurückzuführen. — Wehe Euch am Tage des Weltgerichtes, wenn Ihr Eure Pflicht versäumt habet, und eines Eurer Kleinen durch Eure Schuld verloren geht. Gebet Euch alle Mühe, Eure anempfohlenen Söhne und Töchter durch gute Lehren, vorzüglich durch einen christlichen Lebenswandel zur Tugend und zu einem christlichen Leben zu ermuntern.</p>
         <p>Was aber sind alle unsere Bemühungen, wenn die Gnade des heiligen Geistes uns nicht zuvorkommt, uns nicht begleitet, und das Gute nicht zu Stande bringen hilft. Ohne Ihn können wir nichts Gutes denken noch thun. Von Ihm kommt das Wollen und das Vollbringen. Darum laßt uns also Alle zu dem heiligen Geiste stehen, daß Er über diese Firmlinge herabkomme, und auch uns Gnade verleihe.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Gebet</hi>.</p>
         <p>O heiliger Geist! sieh' vor Dir steht unser Herz offen, Du siehst unsern Glauben, unsere Liebe, unsere Sehnsucht, unsere Herzenszerknirschung, erhöre heute das Gebet Deiner Kinder, die zu Dir flehen. Nimm uns und Alle in Deinen allmächtigen Schutz. Hefte alle Menschen auf den Weg der Wahrheit und Liebe. Wirf einen Blick der Erbarmung auf unser Vaterland, damit Glaube und Tugend, Liebe und Eintracht in demselben tiefe Wurzel fasse. Blicke mit Huld und Liebe herab auf unsern hochwürdigsten Bischof, leite seine Schritte, daß er das, was Dir wohlgefällt, begehre und mit allen Kräften vollziehe; beschütze und erhalte ihn, daß er noch länger den Samen des Guten ausstreue, und sowohl hier als jenseits die Früchte seiner edlen Bemühungen sehe, — damit sowohl Er als wir, das Ziel unserer Hoffnung glücklich erreichen. Wirf auch einen Blick der Erbarmung auf unsern König, rüste ihn aus mit dem Geiste der Weisheit und Stärke, damit wir unter seiner Leitung ein zufriedenes und gottseliges Leben führen, als getreue Unterthanen auch würdig des Evangeliums Christi wandeln, und den verheißenen Gütern des ewigen Reiches nachstreben. Beschütze, segne und bewahre ihn, indem seine Sicherheit die unserige ausmacht. Wirf einen Blick der Erbarmung auf uns Alle, erfülle uns Alle mit Deinem Geiste, mit dem Geiste der Liebe gegen Alle, mit dem Geiste des Friedens und der Sanftmuth, Demuth und Leutseligkeit, mit dem Geiste der Gottesfurcht, damit wir alles Böse meiden und die Siegeskrone erlangen. Amen.</p>
            </div>
            <div type="tais">
               <head>
          Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="bold">Das Verhältniß des ehemaligen Tempels in Jerusalem zu den heutigen Synagogen. </hi></title>
             </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von </hi>
            <hi rend="italic bold">Dr. S. Scheyer </hi>
            <hi rend="bold">in Frankfurt am Main.</hi>
         </p>
         <p>Es ist nur Eine Stimme, daß in unserer Zeit die Hindernisse, welche dem Aufblühen wahrer Frömmigkeit entgegentreten, hier die verjährten Vorurtheile, dort die Lauigkeit und der anmaßliche, absprechende Unglaube, nur durch die Waffen der Wis- |Sp. 0636| senschaft zu besiegen sind, und daß die Morgenröths besserer Zeiten in unserem religiösen Leben von der immer mehr sich verbreitenden Liebe zu der Nationalliteratur, und von der Beförderung und Anerkennung der begonnenen Forschungen im Gebiete der väterlichen Religion bedingt und abhängig ist. Zwar fehlte es uns seit dem Untergange des Staatslebens nicht an geistreichen, gelehrten und frommen Männern, welche die Bedürfnisse der Israeliten verstanden und die jedesmalige falsche und verkehrte Richtung ihrer Zeitgenossen treffend und mit Scharfsinn beurtheilten, allein die letztverflossenen Jahrhunderte hatten noch nicht die Reife erlangt, um die, aus einer tiefer eingehenden Ergründung des göttlichen Wortes gewonnenen Ueberzeugungen dieser Männer richtig zu würdigen, und deren edle, wohlmeinende Nachschläge zu beherzigen.</p>
         <p>Erst auf unsere Zeit, die, durch eine unglückliche Vergangenheit belehrt, an vielem Herrlichen und Trefflichen reich ist, scheinen die redlichen Forschungen und Bemühungen derer, die an der Spitze stehen, eine segenvollere Wirkung hervorzubringen, und in der israelitischen Religion ein Fortschreiten und eine Entwickelung zu ermitteln, bei welcher bloß das Veraltete und Unbrauchbare abgestreift, das Schädliche und Fremdartige ausgeschieden, dagegen das Wesentliche und Ewige heilig gehalten, das Belebende und Begeisternde in den religiösen Formen und Gebräuchen bewahrt und zu der ihm gebührenden Würde erhoben wird.</p>
         <p>So wie aber überhaupt die Geschichte eine vortreffliche Lehrmeisterinn ist, aus deren Schule man nie unbelehrt weggeht; so ist noch insbesondere über Fragen, welche religiöse Institute betreffen, nur auf historischem Wege eine befriedigende Lösung zu erwarten. Wenn man sich das Bedürfniß verdeutlicht, aus dem solche Institute hervorgingen, wenn man auf ihre erste Entstehung und ursprüngliche Beschaffenheit zurückgeht, und die im Laufe der Jahrhunderte eingetretenen Veränderungen und Umgestaltungen derselben in Betrachtung zieht; erst dann gewinnt man ein Prinzip der Beurtheilung, man hält hiermit die objektive Bedeutung der religiösen Institute fest, und kommt zugleich zur Einsicht, ob und in wiefern das vormalige Bedürfniß in unserer Zeit eine andere Gestalt gewonnen. Hierdurch wird man in den Stand gesetzt, das Wesentliche von dem Unwesentlichen, das gänzlich auszuscheidende Veraltete von dem bloß Verunstalteten zu trennen, welches letztere zu verbessern und unentstellt beizubehalten ist.</p>
         <p>Vor allen andern Gegenständen der Religion, die zur Sprache kommen, behauptet der öffentliche Gottesdienst in den Synagogen an Wichtigkeit und Bedeutung unstreitig den ersten Rang, und die zweckmäßige Verbesserung desselben, welche mit der innern und äußern Glückseligkeit der Israeliten im genauesten Zusammenhange steht, muß gewiß jedem Verehrer der Religion und Freunde seiner Glaubensgenossen als dringendes Bedürfniß am Herzen liegen.</p>
         <p>Man hat neulich<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="footnote text"> Siehe Univ. K. Z. No. 4. Die Synagoge ein Gotteshaus und kein Bethaus. Von A. <hi rend="italic">Tendlau</hi>.</p>
            </note> die heutigen Synagogen mit dem ehemaligen Tempel in Jerusalem verglichen, und aus dieser Vergleichung den Schluß gezogen, daß die Synagoge ein Gotteshaus und kein Bethaus sey. Ohne die Richtigkeit dieser Folgerung in Erwägung zu ziehen, und ohne uns gegenwärtig in Verbesserungsvorschläge des synagogischen Gottesdienstes einzulassen, wollen wir bloß, um die wahre Bedeutung der Synagoge zu gewinnen, näher zu entwickeln suchen, in wiefern man die Synagoge mit dem Tempel vergleichen könne, und welches Verhältniß zwischen beiden bestehe.</p>
         <p>Welchen Zweck hatte das Gebot, die Stiftshütte, und später den Tempel in Jerusalem zu bauen? Diese Frage setzt etwas voraus, was wohl gegenwärtig kein gebildeter Theologe bestreitet, und was auch von den Theologen früherer Zeiten nicht in Zweifel gezogen worden wäre, wenn sie die ausdrückliche Erklärung der Talmudisten nicht übersehen hätten<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="footnote text"> Traktat Pesachim, Seite 119a מאי למכסה עתיק זה המגלה דברים שכיסה עתיק יומין מאי נינהו טעמי תורה</p>
            </note>; es setzt voraus, daß die positiven Verordnungen nicht willkührliche Aussprüche der göttlichen Autorität sind, sondern allen, irgend ein höherer, das Aufblühen des Staats, die Sittlichkeit oder die Religiosität der Is- |Sp. 0637| raeliten fördernder Zweck zum Grunde liege. Sowie aber zur Auffindung der meisten, im Gesetze nicht ausdrücklich hinzugefügten Zwecke der Verordnungen das Studium der Schrift selten genügt, so ist dieß auch der Fall bei dem Zwecke, welcher der Erbauung des Heiligthums zum Grunde liegt. In den Worten nämlich (2 B. Mos. 25,8.) "Sie sollen mir ein Heiligthum machen, daß ich wohne in ihrer Mitte", ist eben so wenig als in dem Verse 1 B. Kön. 8,12. der Zweck des Heiligthums angegeben. Allerdings bezeichnet diese allegorische Ausdrucksweise den Tempel als einen heiligen, Gott geweihten Ort, den daher der Israelite mit Scheu und Ehrfurcht betreten, und in welchem er sich des Verhältnisses, in dem er zu Gott steht, lebhafter bewußt werden sollte. Allerdings war der gesammte Tempeldienst auf die Erhebung der Gemüther zu Gott berechnet. Allein gewiß würde man den eigentlichen Zweck des Tempels gänzlich verkennen, und die wesentliche Bedeutung desselben aus einem durchaus einseitigen Gesichtspunkt betrachten, wenn man in dem Tempel bloß ein Institut zur Erweckung der Andacht und Erbauung erblickte. Wäre dieß wirklich die Hauptabsicht Gottes gewesen, so würde Ein Tempel nicht genügt haben, und ganz unbegreiflich wäre das Verbot, neben dem Tempel zu Jerusalem noch andere Tempel in den übrigen Städten Palästina's zu erbauen. Zwar heißt es (Exod. 23,14) "Dreimal im Jahr erscheine Deine Mannschaft vor dem Angesichte des Herrn, des Ewigen". Aber ist die Pflicht der Gottesverehrung an die Zeit gebunden? muß sie nicht häufiger geübt werden, als Dreimal im Jahr? und verräth eine so seltene Sehnsucht, vor dem Angesichte Gottes zu erscheinen, nicht ein Zeichen mangelnder Religiosität? Ferner, warum blieben von der Verbindlichkeit, den Tempel zu besuchen, die Frauen ausgeschlossen? Ist die Pflicht und das Bedürfniß der Gottesverehrung nicht in der Natur des menschlichen Geistes begründet? Bedenkt man überdieß, daß an den Hauptfeierlichkeiten des Tempels, welche am Versöhnungstage stattfanden, der größte Theil der Nation keinen Antheil nahm, daß denselben nur die Bewohner Jerusalem's und höchstens die der Umgegend beiwohnen konnten: wie völlig wäre mit dem Tempel der Hauptzweck verfehlt worden, wenn dieser die Bildung der sittlichen und religiösen Gefühle bezielt hätte! Eben so wenig konnte aus diesen Gründen, wie schon aus der Einweihungsrede des Königs <hi rend="italic">Salomo</hi> hervorgeht, (1 Kön. 8,24 ff.) das Beten, weder das Privat- noch öffentliche Gebet, Hauptzweck des Tempels gewesen seyn. Auch war in unserer Religion stets der Grundsatz herrschend, daß jeder Ort zum Beten die erforderliche Weihe habe.<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
               <p> Nach <hi rend="italic">Maimonides</hi> (Hilchoth Tephilla, Kap. 1) ist der Israelite gesetzlich [מן התורה] verpflichtet, jeden Tag zu einer beliebigen Zeit zu beten, und es soll diese Anrede an Gott aus einem Lob- Bitt- und Dank-Gebet bestehen, für welches von Moses bis Esra außer dieser Bedingung keine weiteren Vorschriften gegeben wurden. <hi rend="italic">Ramban</hi> bestreitet mit Recht diese Meynung des <hi rend="italic">Maimonides</hi> und hat die ausdrückliche Erklärung des Talmuds für sich (Berachoth 21a) תפילה מדרבנן Der Israelite richtete sich bei dem Beten nach dem inneren Drange und Bedürfnisse seines Herzens, ohne sich an eine Zeit oder an eine Form des Gebets zu binden. So gewiß es daher (auch nach <hi rend="italic">Maimonides</hi>) ist, daß vor <hi rend="italic">Esra</hi> außerhalb des Tempels keine Gebethäuser zum Behufe der gemeinschaftlichen Andacht bestanden, so sollen doch, wie der Talmud berichtet, schon durch <hi rend="italic">Moses</hi> allenthalben periodische Zusammenkünfte angeordnet worden seyn, in welchen theils am Sabbath und an dem zweiten und fünften Wochentage Vorlesungen aus dem Gesetzbuch (Baba Kama 82a) theils an Festtagen Vorträge über die, das jedesmalige Fest betreffenden Verordnungen gehalten wurden (Megilla S. 32a) משה תיקן לישראל שיהו שואלין ודורשין בענינו של יום וכז <hi rend="bold"> </hi>Wir halten dieß für anticipirt, obwohl man allerdings an Festen und Neumonden ausgezeichnete Lehrer zu besuchen pflegte (2 B. Könige 4,23) auch wahrscheinlich an diesen der Ruhe gewidmeten Tagen die Propheten das Volk belehrten und ermahnten.</p>
            </note>
         </p>
         <p>(Fortsetzung folgt.) <lb/>|Sp. 0638| </p>
            
            </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <head>Anzeigen.
         </head>
         <p>(39) Literarische Anzeige. <lb/><hi rend="italic">Interessantestes Werk über Palästina</hi>.</p>
         <p>Im Verlage der K. <hi rend="italic">Kollmann'</hi>schen Buchhandlung in Augsburg erschien so eben und wurde an alle solide Buchhandlungen Deutschland's, Oesterreichs, der Schweiz etc. versandt: <lb/>
            <hi rend="italic">Pilgerreise nach Jerusalem und auf den Berg Sinai</hi>, <lb/>in den Jahren 1831, 1832 und 1833, unternommen von dem ehrwürdigen Vater <hi rend="italic">Maria Joseph von Geramb</hi>, vom Orden der Trappisten. Drei Theile.<lb/>Mit 3 Abbildungen und einer Karte. Aus dem Französischen, im Einvernehmen mit dem hochw. Verfasser.</p>
         <p>Motto: „Er allein! Er überall! Er immer!"</p>
         <p>Erster und zweiter Theil. Mit dem höchstähnlichen Bildnisse des Verfassers, nebst Fac simile, einer Ansicht von Jerusalem und vom Berge Sinai. Groß Duodez, in Umschlag broschirt; Preis für alle drei Theile von mehr als 50 Bogen schön gedruckt: 3 fl. 42 kr. rhein. oder 2 Thlr. sächs. NB. Die Käufer der ersten 600 Exemplare erhalten das Bildniß in Abdrücken auf chinesischem Papier.</p>
         <p>Unter allen ältern und neuern Werken über den Orient und über Palästina insbesondere, nimmt das vorliegende, welches erst im vorigen Jahre zu Paris erschienen ist, eine ausgezeichnete Stelle ein. Der fromme Reisende, der früher als Offizier höhern Grades einer der größten und berühmtesten Armeen angehört, dann aber der Welt entsagt und als ein armer Klosterbruder in den strengen Orden der Trappisten sich begeben hat, beschreibt seine Pilgerreise und die heiligen Orte, die er besucht, mit so hinreißendem Gefühle und solcher Zartheit der Empfindung, zugleich so lebendig, anschaulich und erbauend, daß der Leser mit dem größten Interesse ihm folgt und gleichsam mit ihm sieht, mit ihm anschaut und fühlt. Wir beziehen uns auf die in der <hi rend="italic">Sion </hi>Nr. 136 bis 141 vom Nov. 1836 gegebenen Auszüge. Fürwahr, wer das Erhabene und Begeisternde jener heiligen Orte, an denen die merkwürdigsten aller Ereignisse der Welt sich zugetragen, an denen der Sohn Gottes als Mensch gewandelt, gelitten, gestorben und verherrlicht zum Vater aufgefahren ist, kennen lernen, wer an der Betrachtung so theuerer Gegenstände seines Glaubens und Hoffens, sich laben und erbauen will, der nehme dieses Werk zur Hand; er wird demselben die schönsten Stunden verdanken, und ein besserer Mensch werden. Mögen andere Beschreibungen des heiligen Landes noch so schön seyn, so ist doch keine so erbauend, so ganz für fühlende Herzen geschrieben, wie diese. Die Beschreibung ist zugleich so einfach und edel, daß sie für alle Stände gleich geeignet und verständlich ist. Der hochwürdige Clerus insbesondere (der Herr Verfasser hat sie dem französischen gewidmet) wird ohne Zweifel besonderes Interesse für diese Schrift zeigen; ihm empfehlen wir sie daher auch vorzüglich. Die Uebersetzung selbst, aus einer gewandten, mit den Feinheiten beider Sprachen vertrauten Feder, läßt nichts zu wünschen übrig; sie kommt dem reinen Style des Originals gleich. Herr <hi rend="italic">von Geramb</hi> ist bereits auch durch mehrere ascetische Werke rühmlich bekannt, welche auf seine schöne, reine Seele schließen lassen. Der hochw. Verfasser, sehr erfreut, dieses Werk in so gelungener Uebersetzung auch zum Eigenthume Deutschlands gemacht zu sehen, kam höchst bereitwillig den Wünschen des Herausgebers und der Verlagshandlung entgegen, beide in den Stand zu setzen, diese Uebersetzung in gewisser Beziehung noch reicher ausstatten zu können, als selbst das französische Original es ist. Denn durch seine Güte erhielten wir <hi rend="italic">sein wohlgetroffenes Bildniß nebst einem Fac simile</hi>, und <hi rend="italic">er selbst </hi>unterzog sich der Arbeit, die beizugebende Karte des heil. Landes zu berichtigen und zu vervollständigen. Ferner ist <hi rend="italic">dieser Uebersetzung </hi>e<hi rend="italic">ine kurze Beschreibung des höchst interessanten</hi> und <hi rend="italic">erbaulichen Lebens des hochw</hi>. <hi rend="italic">Verfassers</hi> vorausgeschickt, welche auch dem französischen Original mangelt. <hi rend="italic">Diese Vorzüge werden derselben daher stets vor jeder andern Ausgabe</hi>, welche durch Spekulation noch etwa sollte in's Publikum gebracht werden, <hi rend="italic">den Vorrang sichern</hi>. Um auch Unbemittelten den Genuß dieser herrlichen Lektüre zu verschaffen, wurde der Preis, in Hoffnung auf große Verbreitung, <hi rend="italic">beispiellos billig</hi> gestellt. Der dritte Band folgt zu Ende Mai <hi rend="italic">sicher</hi> nach, es wird unablässig daran gedruckt.</p>
         <p>K. <hi rend="italic">Kollmann'</hi>sche Buchhandlung</p>
         </div>
         <div>
            <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber: Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Rohm</hi>
            <hi rend="bold">. (Maschinendruck.)</hi>
         </p>
         </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

