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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 7. Mai 1837, Nro. 37</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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               <email>mac@steinheim-institut.org</email>
               <orgName role="hostingInstitution"> Steinheim-Institut</orgName>
               <address><addrLine>Edmund-Körner-Platz 2, 45127 Essen</addrLine>
<country>Germany</country>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                     7. Mai 1837, Nro. 37
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                  <editor>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
                     </persName>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-05-07</date>
                  <publisher>
                     <name>Varrenkamp</name>
                  </publisher>
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            </biblFull>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <language ident="deu">German</language>
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         Unparteiische Universal-Kirchenzeitung <lb/>für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen, und israelitischen Deutschland's.
       <lb/> Frankfurt a. M., den 7. Mai 1837. Nro. 37. </head>
         </div>
         <div type="inhalt">
         <head>
          Inhalt:
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">Die bittenden Worte des Missionspfarrers </hi>
            <hi rend="italic bold">A. F. Heiremanns</hi>
            <hi rend="bold">, um Beisteuer zur Erbauung einer neuen kathol. Kirche in </hi>
            <hi rend="italic bold">Friederichstadt</hi> 
            <hi rend="italic bold">an</hi> 
            <hi rend="italic bold">der</hi> 
            <hi rend="italic bold">Eyder</hi>
            <hi rend="bold">. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>
            <hi rend="bold">.</hi> 
            <hi rend="italic">Südamerika</hi>. <hi rend="italic">Guyana</hi>. <hi rend="italic">Essequebo</hi>; Bericht eines engl. prot. Missionärs. <hi rend="italic">Brasilien</hi>; Differenzen mit der Staatsregierung. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Waldeck</hi>. <hi rend="italic">Pyrmont</hi>; Erbauung einer neuen protest. Kirche. <hi rend="italic">Hannover</hi>. <hi rend="italic">Hameln</hi>; Vorfälle in der Garnison von religiöser Beziehung; <hi rend="italic">Hildesheim</hi>; über die Quinquennalen. <hi rend="italic">Churhessen</hi>. <hi rend="italic">Cassel</hi>; über das israel. <hi rend="italic">Schullehrerseminar</hi>; <hi rend="italic">Marburg</hi>; über die Bibelgesellschaft. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Der Geist des Mönchthums. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> Erinnerungen an Wilhelm den Ersten, Churfürsten von Hessen etc. Vom Kirchenrath und Metropolitan Dr. <hi rend="italic">Petri</hi> in Fulda (Schluß.) —</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> 
            Ein Kapitel aus der HH. Rabbinatscandidaten W. und L. 
            <hi rend="italic">Schlesinger</hi> Uebersetzung des Buches Ikkarim von 
            <hi rend="italic">R. Jos. Albo</hi>. Mit einem Vorwort von Dr. 
            <hi rend="italic">I. M. Jost</hi>.|Sp. 0575|</p>
         </div>
            <div type="mantel">
            <head> * Die bittenden Worte des Missionarius 
            <hi rend="italic bold">A. F. Heiremanns</hi>
            <hi rend="bold">, Pfarrer der katholischen Gemeinde zu Friedrichstadt an der Eyder in Dänemark</hi>, 
            </head>
         <p>geredet zum Herzen seiner geistlichen Brüder und Schwestern, um milde Spenden zur Herstellung der baufälligen Kirche.</p>
         <p>An der Spitze eines kleinen Häufleins katholischer Christen steht der Missionär am Strande der Eyder, mit unverwandten Blicken auf seine geistlichen Brüder und Schwestern gerichtet, entgegenharrend milden Gaben zur Herstellung eines vermoderten Gebäudes, in dem seither der Gottesdienst gehalten wurde, eines Gebäudes, das früher ein Pferdestall war, das aber zum Hause des Herrn geweiht werden mußte. Jetzt ist es indessen gänzlich verfallen, seine Mauern gleiten aus, das Holzwerk ist zum Theil vermodert, und das ganze Gebäude steht dem Einsturze nahe. In dieser Noth spricht der Missionär die Bitte um Theilnahme aus. Er nimmt das Herz seiner Glaubensbrüder in Anspruch, indem er um Hilfe fleht; nicht für sich sind seine Bittworte gesprochen, ob zwar er sich nur 400 Francs jährlicher Einkünfte zu erfreuen hat, nein, für die Erhaltung der treuen Schafe, die ihm von Gott anvertraut, sind sie zum frommen Gemüthe aller Edlen geredet.</p>
         <p>Der Missionär ist da, aber die Kirche fehlt; die Gemeinde ist da, aber es ermangelt des Gotteshauses. Aus der Nähe, aus der Ferne wallfahren gläubige katholische Christen an heiligen Festtagen zum Tempel des Herrn; aber ach! das Haus ist verfallen, kann sie nicht in seine Mauern aufnehmen, Regen und Wind, Hagel und Schnee haben darin ihren freien Spielraum.</p>
         <p>Was von der Kirche gilt, findet leider auch seine Anwendung auf die Schule. Daß solchergestalt die verlassene Gemeinde in sich selbst zerfallen werde, was Gott gnädig verhüte! ist eine traurige Gewißheit. Nur auf die Katholiken Deutschland's sind die Hoffnungen der hiesigen römisch-katholischen Gemeinde gerichtet. In Dänemark und den Herzogthümern ist seit dem 16ten Jahrhundert die lutherische Kirche die herrschende; wird der katholische Glaube auch daselbst geduldet, so geschieht doch nichts für dessen Bestehen. Der hiesige Kirchensprengel besteht gegenwärtig noch aus ungefähr 400 Communicanten, und nur durch die Verbesserung der Schule und Kirche kann die Gemeinde der katholischen Religion erhalten werden. Den Gemeinde-Mitgliedern |Sp. 0576| selbst gebricht es an Mitteln, das Gotteshaus herzustellen, indem der größte Theil derselben, wenn nicht zur Klasse der Verarmten, so doch zu der der Unbegüterten gehört. Die Kirchenkasse hat eine Einnahme von 5 Rthlr. jährlicher Zinsen, wovon die Baukosten, die Kosten der Ornamenten, die Ausgabe für Wachslichte, Abendmahlswein etc. bestritten werden. Die Kosten des etwaigen Neubau's einer Kirche sind zu 20,000 fl. berechnet. Hier im protestantischen Lande ist für die Katholiken keine Hilfe weder zu finden noch vorläufig zu erwarten. In der Noth, worin sich die Gemeinde befindet, bleibt den Bedrängten nur der Trost, die Hoffnung auf das thätige Wohlwollen der deutschen <hi rend="italic">Glaubensbrüder</hi>. Vor dem Angesichte Gottes glaubt der Missionär versichern zu können, daß die Spenden, worum er bittet, auf ein Erdreich fallen, das Früchte für den Himmel trägt. Das Vertrauen, welches in ihm auf die Erfüllung der ausgesprochenen Bitte lebt, ist gestützt auf die Anerkennung des frommen Sinnes der Katholiken und ihrer Freigebigkeit, wenn die Spende zur Ehre Gottes verwendet wird. Geleitet von der Liebe zu den verlassenen Mitbrüdern sucht der fromme Katholik seinen Lohn im Himmel, der ihm in einem um soviel volleren Maße wird zu Theil werden, jemehr seine Gabe auf eine Gott wohlgefällige Weise verwendet wird. Von der milden Gesinnung edeldenkender Katholiken ist das Fortbestehen der hilflosen Glaubensbrüder in den Herzogthümern <hi rend="italic">Schleswig</hi> und <hi rend="italic">Holstein </hi>einzig und allein bedingt. Der Missionär, der zu ihnen gesendet worden, um nach Kräften dafür zu wirken, daß das Häuflein der seit 3 Jahren verwaisten Glaubensbrüder sich nicht trenne, der gesandt worden ist, um sie vor dem Abfall von der katholischen Kirche zu bewahren, und die etwa abgefallenen wieder zurückzuführen, und sie dem Schooße der allgemeinen Kirche wiederzugeben, erkennt mit tiefer Wehmuth seine Ohnmacht, fortan im Weinberge des Herrn zu wirken, wenn ihm allenthalben die Hilfe versagt wird! Nur das hohe Ziel seines Strebens, nur der Hinblick auf die Jünger Christi, die von ihrem Herrn und Meister entsendet worden, um für das Wort Gottes wirksam zu seyn, nur das Vorbild der vielen muthvollen, von der Wahrheit durchdrungenen Männer, die für die Ausbreitung der Religion thätig waren, entflammten den Missionär bisher mit apostolischem Eifer, mit männlicher Beharrlichkeit. Möge seine geistige Regsamkeit, möge <hi rend="italic">sein</hi> lebendiges Interesse für die Sache des wahren Glaubens, wovon er sich ergriffen fühlt, nie erkalten; darum fleht er zu Gott um Kraft und Stärke, während sein inbrünstiges Gebet zu Ihm empor steigt, daß Er die Kirche schützen und das Häuflein vermehren möge, daß es sich nie und nimmermehr bewahrheitet, als sey der Eifer der Katholiken für die gute Sache erkaltet, während unsere, von der Mutterkirche ge- |Sp. 0577| trennten Brüder, die Protestanten, selbst in fernen Zonen, in unbekannten Ländern, das Großartigste für Missionen leisten. — Die hochlöbliche Redaction der <hi rend="italic">Universal</hi>-<hi rend="italic">Kirchenzeitung </hi>wird gebeten, milde Beiträge für die verlassene Mission in Empfang zu nehmen.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="footnote text"> Wir verweisen die kathol. Leser unseres Blattes, an welche obige beherzigungswerthe Bitte gerichtet ist, auf das, was bereits in No. 16 über die Verhältnisse unserer Glaubensbrüder in Dänemark, ehe eins direkte Aufforderung an uns gelangt war, gesagt wurde. An den Katholiken in <hi rend="italic">Schweden</hi> hat es sich auf eine höchst erfreuliche Weise erwiesen, daß in unserem Vaterlande keineswegs aller katholische Gemeingeist erstorben ist. Möchte doch die <hi rend="italic">Liebe</hi>, welche nach des Apostels Ausspruch <hi rend="italic">nicht müde wird</hi>, Gutes zu thun, auch bei diesem so <hi rend="italic">wichtigen</hi> Anlasse sich herrlich erweisen zur Ehre der deutschen Kirche und zum Segen für die demüthige Kirche Dänemark's! Auch die kleinste Gabe wird mit Dank angenommen werden; möge Jeder beisteuern nach seinen Kräften; der Herr wird sie schätzen nach der Gesinnung, mit der sie gespendet wurde. Dr. H.</p>
            </note> Geschrieben zu <hi rend="italic">Friedrichsstadt an der Eyder</hi>, im März 1837.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">A. F. Heiremanns</hi>, katholischer Pfarrer und Miss.-Apost.</p>
         <p>Mit der lebhaftesten Theilnahme erklären wir uns bereit, Beiträge zu dem guten Zwecke in Empfang zu nehmen, den Eingang in diesen Blättern zu bescheinigen, und die Uebersendung an den würdigen Bittsteller zu besorgen. D. Red.</p>
            </div>
         <div type="kn">
               <head>
            Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Südamerika</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Guyana</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Caria</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Caria</hi> in <hi rend="italic">Essequebo</hi> im engl. Guyana. Gegen den Schluß des vorigen Jahres besuchte unser ehrw. Bruder James <hi rend="italic">Scott</hi> von der Ebenezer Kapelle, auf der Westküste von Berbice, die vorbenannte Station und theilte unter dem 2. Dez. folgenden Bericht über die erfreulichen Vorfälle, denen er beizuwohnen Gelegenheit gehabt hatte, mit:</p>
         <p>„Donnerstag, den 24. Nov. ging ich von Fort-Island nach Caria-Caria, früher unter den Namen <hi rend="italic">Castricome</hi> bekannt, gelegen am südlichen Arme des Essequebo-Flusses und von Fort-Island über fünf Seemeilen entfernt, ab. Ich fand hier vieles, was mich ermuthigte und freuete. Der Stand der Dinge an diesem Platze liefert eine praktische Erläuterung von den Worten des Apostels: "Gott hat die sonderbarsten Dinge auf der Welt ausgewählt, um den Weisen irre zu machen, und Gott hat wiederum die schwächsten Dinge von der Welt ausgewählt, um Mächtiges zu verderben." Auf einen meiner Ausflüge besuchte ich, von dem zu Fort-Island stationirten Katecheten <hi rend="italic">Peters</hi>, begleitet vor vier Jahren diesen Platz. Ich fand dort ein einzelnes Haus von einem Holländer Namens <hi rend="italic">Faber</hi> bewohnt, versteckt in einem düstern, finstern Walde; und in diesem Hause predigte ich vor einer kleinen, zwölf Personen nicht übersteigenden, Gemeinde. Man hatte darauf das benöthigte Grundeigenthum erworben, den Wald gelichtet und vorläufig eine Kapelle errichtet. Bald stieg aber die Zahl der Hörer des Wortes, die erforderliche Vergrößerung wurde angeordnet und sofort zur Ausführung gebracht. Eine Gemeinde von dreihundert Seelen, wie ich glaube, hat sich seitdem gesammelt, und 124 erwachsene Mitglieder gehören der Kirche an. Bei meiner Ankunft auf dieser Station fand ich zu meinem Erstaunen, daß man mit dem Bau einer größern und solideren Kapelle, als die vorige gewesen, beschäftigt und schon ziemlich weit vorgerückt war. Einen großen Theil der Arbeiten daran verrichteten die Indianer; sieben oder acht derselben fand ich beschäftigt, das Dach mit Palmblättern zu decken. Als ich diese Bewohner der Wälder sich von <hi rend="italic">Emanuel</hi> bringen und durch ihre eigene Arbeit zum Bestehen und Fortpflanzen der Lehre des Evangeliums unter ihnen selbst beitragen sah, wurde ich lebhaft an die Worte <hi rend="italic">David's</hi> erinnert: „Sein Name soll dauern ewiglich — Sein Name soll gepriesen werden, so lange die Sonne besteht!"</p>
         <p>|Sp. 0578| Bei diesem und meinem frühem Besuche im August v. J. reichte ich das h. Abendmahl an 34 Personen, nämlich 17 Indianern vom Arawak-Stamme, und an 17 Farbige, hauptsächlich Abkömmlinge von europäisch-afrikanischen Eltern. Fünf davon hatten in verschiedenen Gegenden von Guyana gewohnt, das Evangelium gehört und waren von verschiedenen Geistlichen getauft worden. Die übrigen 29 waren durch die Taufe in die Kirchengemeinschaft aufgenommen worden, da sie zuvor nie etwas von den einigen, treuen Gott und seinem Sohn Jesum Christum gehört hatten. Die Indianer verstehen etwas von der englischen Sprache; und mit geringer Ausnahme soviel, daß sie an dem öffentlichen Unterrichte mit Nutzen Theil nehmen können. Ich hatte die Genugthuung vor ihnen mit der Ueberzeugung zu predigen, daß ich allgemein verstanden wurde. Während der Woche meines Aufenthalts war Morgens und Abends Gottesdienst. Der Sonntags-Gottesdienst wurde, ich kann wohl sagen, mit wahrhaft heiliger Salbung gefeiert; ich selbst fühlte mich kräftiger mit dem Segen des Himmels begabt. Unter allen Klassen wurde ein Eindruck bemerkt, dergleichen ich selten gewahr worden bin; das Volk schien die Liebe Christi im Tode „der Gerechte für den Ungerechten!" zu verwirklichen, so schien es ergriffen von demüthigem Dankgefühle und frommer Wunder Anbetung. Da ich täglich fast beständig von Morgens 6 Uhr beschäftigt war, so mußte ich andere Sachen auf eine spätere oder frühere Stunde verschieben. Abends versammelten sich die <hi rend="italic">Indianer</hi> in einer benachbarten Hütte, oder unter einem bloßen Wetterdache, um Gebete in der Landessprache zu halten. Oefters erwachte ich Nachts und fand, daß sie noch spät zwischen zwei und drei Uhr ihrem Herzen in frommen Gebeten Luft machten.</p>
         <p>Gefällt es Gott, das Werk mit seinem Segen zu begnadigen, so werden wir auf dieser Station bald eine zahlreiche christliche Gemeinde beisammen haben. Die Indianer, welche noch abgelegen wohnen, machen bereits Anstalten, sich in der Nachbarschaft anzusiedeln. Eine Familie ist von Pomaroon-Flusse, aus einer Entfernung von hundert Meilen hergekommen, und es werden binnen Kurzem noch mehrere von dorther erwartet.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Missionary Mag. and Chron. Aprill)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Brasilien</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Die kirchlichen Differenzen mit Brasilien sind nichts weniger, als beigelegt, ja es ist an kein Uebereinkommen zu denken, wenn die dortige Regierung keine versöhnende Schritte thut. Die päpstl. Regierung habe sich, versichert man, mit der größten Mäßigkeit und Nachsicht in dieser Angelegenheit benommen, während man dort bisher eine Sprache geführt habe, welche allem diplomatischen Herkommen fremd seyn soll. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(A. Z.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Deutschland</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Waldeck</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Pyrmont</hi>, im Aprill. Erlauben Sie, daß ich Ihnen kürzlich Nachricht gebe von dem, was in unserer lieben Stadt jetzt vorzugsweise allgemeine Theilnahme erregt. — Es ist dies der intendirte Bau einer neuen Kirche. Die Veröffentlichung dieses Vorhabens durch Ihre Blätter wird nicht am unrechten Orte seyn, wenn man bedenkt, daß gewiß mancher Leser derselben, der des Sommers unseren Heilquellen zuspricht, nicht ohne Interesse diese Nachricht lesen wird; da gerade die Beschränktheit im Raume, sowie überhaupt die Hinfälligkeit und Unzulänglichkeit des bisherigen gottesdienstlichen Gebäudes klar am Tage lagen, und auch wohl manchen Kurgästen bisher ein Hinderniß waren, den frommen Sinn durch Theilnahme am öffentlichen Gottesdienste zu nähren. — Schon lange hat man hier das Bedürfniß eines neuen Baues gefühlt; doch fühlte man auch stets zugleich den Mangel an Mitteln dazu. Doch jetzt zeigt es sich, was vereinter Bürgersinn, angefacht durch die Reden kluger, achtbarer Männer, auszurichten vermag. — Schon findet man, nämlich durch freiwillige Beiträge der hiesigen Gemeinde, einen Haupttheil der Kosten gedeckt, während sich auch das noch weiter Erforderte von den Beiträgen der Töchter-Gemeinden, so wie von dem nicht genug zu rühmenden Eifer der hiesigen Frauenzimmer erwarten läßt. — Diese haben sich zu einem schönen Bunde vereint, durch ihrer Hände Arbeit reiche Beiträge zu den Kosten |Sp. 0579| des gottgefälligen Werkes zu liefern. — Da sich nun auf solche Weise Alles zu einem Zwecke mit warmem Eifer vereint, so dürfen wir hoffen, schon in diesem Jahre den Bau der sehnsüchtig erwarteten Kirche begonnen zu sehen. Freudig gewiß überzeugt sich der wahre Christ durch solche Nachrichten von dem Bestehen eines kirchlichen Sinnes, der sich denn auch hier noch immer frei von dem Gifte des Mysticismus und der Muckerei erhalten hat, ungeachtet jener nicht weit von hier, in einigen Oertern Hannover's, sein Wesen treiben soll.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Didaskalia)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Hannover</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Hameln</hi>, 10. Aprill. Schon seit mehreren Jahren hat sich im Weserthale, in und um Hameln, eine religiöse Bewegung kund gegeben, ähnlich der, wovon <hi rend="italic">Ezechiel</hi> 38 die Rede ist. Wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, ist darüber viel gesprochen, in öffentlichen Blättern geschrieben, auch geschmäht und gelästert. Die gute Sache hat dabei indeß bis jetzt nicht leiden können, weil das Wort vom Kreuz der Fackel gleicht, die geschlagen nur um so heller aufflammt, oder auch der Palme, die unter dem Drucke am kräftigsten emporwächst, und weil andrerseits das ungesalzene Gerede, welches man in unsern Tagen über Pietismus, Mystizismus u. s. w. bis zum Ueberdruß hören muß, leider nur zu oft die Spuren einer innern Fäulniß an sich trägt, die denen, welche geübtere Sinne haben zum Unterschiede des Guten und Bösen, unmöglich auf die Dauer entgehen kann. Die dortigen Geistlichen — es sind deren, wenn wir nicht irren, 5 oder 7, die, unterstützt von einer noch größern Anzahl in Einem Geiste mit ihnen verbundener Schullehrer, sich in jener Gegend im Dienste des Evangeliums die Hand reichen — sind überdieß so anerkannt tüchtig, so treu in ihrem Amte, so untadelig in ihrem Wandel, daß man ihnen höchstens, zu ihrem Ruhme den Vorwurf machen kann, daß sie, fern davon, sich, des Evangeliums zu schämen, laut und ernst Buße und Vergebung der Sünde predigen im Namen Jesu Christi des Gekreuzigten, und daß sie — was freilich von jeher den meisten Widerspruch gefunden hat — auf ein Leben dringen, das dem Glauben an solches Evangelium entsprechend ist und worin wir, verläugnend das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, züchtig, gerecht und gottselich lebend in dieser Welt, die Tugenden Dessen verkündigen sollen, der uns berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Lichte. Es scheint uns solches Urtheil über jene Männer so begründet zu seyn, daß es uns zur wahren Freude gereicht, jeden, der zu einem andern Urtheile sich <hi rend="italic">berechtigt</hi> glauben sollte, hiemit öffentlich zum Zeugniß wider dieselben auffordern zu dürfen.</p>
         <p>Besonders lebhaften Widerspruch hat bei dieser Gelegenheit die evangelische Wirksamkeit des in Hameln selbst angestellten, durch die Liedersammlung "Psalter und Harfe" in ganz Deutschland rühmlichst bekannten, Garnison- und Zuchthauspredigers S. gefunden. Während schon vor einigen Jahren von Seiten der Stadtprediger eine verdächtigende Anklage gegen ihn bei dem hochwürdigen Consistorio in Hannover eingereicht wurde, die, nach einer von letzterem verhängten und in echt evangelischem Geiste geführten Untersuchung, nur mit der Rechtfertigung des Beschuldigten endigen konnte, ist in der Stadt selbst der Kampf für und wider die heilige Sache des Evangeliums zu einer Entscheidung gekommen, zu der sich trotz mancher traurigen Zerwürfnisse, die in solchen Fällen unvermeidlich sind, die Kirche nur Glück zu wünschen hat. Denn so wenig ein Zweifel darüber seyn kann, daß ein guter Krieg immer besser ist, als ein schlechter Friede, so gewiß zeugt auch die Geschichte unserer Kirche davon, von der Aufrichtung des Kreuzes auf Golgatha, ja noch weiter, vom Opfer <hi rend="italic">Abel's</hi> an, worüber ihn <hi rend="italic">Kain</hi> erschlug, bis auf die neuesten Kämpfe in unsern Tagen, daß die Wahrheit nicht ohne Widerspruch und heißen Kampf ihr Haupt auf Erden erheben darf, daß sie aber, wie Jemand tröstlich bemerkt, nichtsdestoweniger hoch und höher durch die Menge geht und sich aller Orten stille, gläubige Herzen sucht, worin sie sich Wohnung machen kann.</p>
         <p>Solche Herzen hat die Wahrheit des Evangeliums zum Preise der göttlichen Gnade auch unter dem in Hameln garnisonirenden Militär, namentlich unter den dortigen Unteroffizieren gefunden. Daß dieß um so größeres Aufsehen erregte, je seltener im Allgemeinen solche Fälle zu seyn pflegen, durfte wohl von vorn herein nicht befremden; erfreulich aber konnte es nur seyn, daß |Sp. 0580| diese Männer, ihren Glauben durch ihr Leben rechtfertigend, sich mit Ernst und großer Entschiedenheit unter das Panier des Kreuzes stellten, das, wunderbar genug, das Friedens- und Siegeszeichen der Welt geworden ist, und das die Tapfern im Kriege und die Angesehenen vor der Welt als Ehrenzeichen auf ihrer Brust tragen. Es hätte vor Allem ein günstiges Zeugniß für das Evangelium ablegen müssen, daß einer der Unteroffiziere, der früher ein notorisch schlechtes Leben führte und deßhalb von seinen Obern schon gestraft war, seit der Zeit seiner Sinnesänderung seinen Lebenswandel auf eine musterhafte Weise geändert hatte. Nichtsdestoweniger haben die Obern sich bewogen gefunden, gegen diese Männer mit der größten Strenge zu verfahren. Die Veranlassung dazu, so wie überhaupt den Hergang der Sache, wollen wir, so weit wir Nachricht darüber empfangen haben, kurz und einfach in Folgendem mittheilen.</p>
         <p>Der Bediente eines in Hameln befindlichen Stabsoffiziers erkrankt, und wird von seinem Herrn, weil er auf seinem Krankenlager einen Traktat lies't, der über Tod und Ewigkeit handelt, mit den Worten zurechtgewiesen, daß er bei seiner Jugend sich solche Grillen noch nicht machen dürfte, da er, sein viel älterer Herr, an dergleichen Sache nicht denke. Dieser Vorfall veranlaßt einen Aufsatz in den hannoverschen Landesblättern, der sich dann außerdem mit der um sich greifenden Schwärmerei in Hameln beschäftigt. Da in diesem Aufsatze zugleich das hamelnsche Militär d. h. die Subalternen angegriffen und verdächtigt waren, so findet es das Ministerium für nöthig, die Sache auf's schärfste untersuchen zu lassen. Der erste Bericht, wahrscheinlich vom Superintendenten der Diözese, lautet vollkommen günstig, verschweigt weder, welches Glaubens und welcher Gesinnung die Leute seyen, an welchen Versammlungen sie Theil genommen, welche Schriften sie gelesen, noch daß die betheiligten Personen in ihrem Leben und Berufe allesammt untadelig seyen, und ihrer Geschäfte mit Gewissenhaftigkeit warteten. Ein zweiter Bericht vom dortigen General stellt dasselbe Zeugniß in bester Absicht aus, und weicht nur darin ab, daß er die Leute gradehin als einer Sekte angehörig und die gelesenen Schriften, als schwärmerisch bezeichnet. Auf einen dritten Bericht endlich, von dem oben erwähnten Stabsoffizier selber gefordert, dessen Inhalt nicht zuverlässig bekannt geworden ist, erscheint eine Ordre vom Generalkommando in Hannover, <hi rend="italic">worin vier Unteroffizieren und Einem vom Musikchore der Abschied gegeben wird, weil sie an pietistischen Versammlungen in dem Hause eines dortigen Bürgers Theil genommen</hi>. Ein Korporal wird unter der Bedingung freigesprochen, daß es sich erweise, daß er an jenen Versammlungen keinen Antheil genommen habe. Zu bemerken ist, daß diese Verurtheilung ohne vorhergegangene Verwarnung geschehen; daß diese Versammlungen, woran die Unteroffiziere von Zeit zu Zeit Theil genommen, durchaus den Charakter sogenannter Conventikel, die in Hameln überhaupt gar nicht gehalten werden, verläugnend, darin bestehen, daß einige Bürger, ohne Gesang und Gebet, einen Abschnitt der h. Schrift, oder was es sonst Lehrreiches und Erbauliches gibt, am Abend nach vollbrachter Arbeit mit einander lesen; daß endlich die vertheilten Traktate dem Consistorio vorgelegt und für bibelgemäß und zur Förderung christlichen Glaubens und Lebens geeignet erklärt sind.</p>
         <p>Dieß ist der einfache Hergang der Sache nach den uns zugekommenen Nachrichten. Wir enthalten uns billig für den Augenblick alles weitern Urtheils über die von der höchsten Militärbehörde erlassene Entscheidung in dieser Angelegenheit, können aber den Wunsch nicht unterdrücken, daß zur Beruhigung gewiß vieler Gemüther und zur Rettung der Gewissensfreiheit in unserm Lande es sich ergeben werde, daß noch andere Gründe, als die bis jetzt bekannt gewordenen, die Absetzung der Unteroffiziere in der Garnison zu Hameln verursacht haben.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Der Krchfrd. f. d. nördl. Deutschl.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Hildesheim</hi>. Mit den s. g. Quinquennalen wird bekanntlich den deutschen Bischöfen auch die Fakultät ertheilt: "dispensandi in 3 et 4 gradu simplici et mixto." Vielfach ist nun die Frage aufgeworfen, ob diese Concession auch den Fall mit umfasse, wo der dritte Grad mit dem zweiten gemischt sey. Manche haben dieses aus dem Grunde annehmen zu müssen geglaubt, weil die Worte: "simplici et mixto" sich auf beide Grade, d. h. sowohl auf den dritten, als vierten beziehen, der gradus tertius |Sp. 0581| mixtus aber nach der kanonischen Bezeichnung der Grade nach der entfernteren Person einen früheren Grad nothwendig bedinge. Andere haben dagegen mit Recht eingewendet, daß nach der Ausdrucksweise des römischen Curialstyls der nähere Grad stets mit angegeben werde, und zur Entkräftigung des oben angeführten Grundes insbesondere auch auf die jener vorbemerkten Fakultät nachgefügte Ausdehnung zu Gunsten neubekehrter Katholiken aufmerksam gemacht, wo gleichfalls von einem gemischten zweiten Grade die Rede sey, obwohl diese Vermischung, wie der Nachsatz: "dummodo nullo modo attingat primum gradum" beweise, nur auf einen entfernteren Grad gehe. So ist denn auch die Praxis in dieser Hinsicht bisher verschieden gewesen und während in einzelnen Diözesen, wie z. B. hier, in dem fraglichen Grade die Dispensation stets von Rom eingeholt worden, in anderen, wie z. B. in der Diözese Osnabrück, diese ohne Weiteres vi quinquennalium ertheilt. Ein unlängst hier eingetretener Fall, wo nämlich der hochwürdigste Hr. Bischof hieselbst zur Gewährung einer derartigen unmittelbaren Dispense, um großen Aergernissen vorzubeugen, sich gleichfalls bewegen fand, hat nun zu einer desfallsigen Anfrage bei dem h. Stuhle Veranlassung gegeben. Die hierauf unter dem 26. Nov. v. J. erfolgte Erwiederung, welcher zugleich eine besondere Fakultät für 50 solcher Fälle beigefügt war, lautet wie nachstehend:</p>
         <p>Gregorius P. P. XVI. Venerabilis frater, salutem et Apostolicam benedictionem. Paucos ante dies perlatae ad Nos sunt Tuae Literae datae die 10 mens, proximi, quibus, Venerabilis Frater, ad Nos retulisti de dispensatione super impedimento propinquitatis tertii gradus secundum attingentis a Te in peculiari quodam casu ob graviores nonnullas causas tributa; simulque enixius postulasti, ut facultates, Tibi jam pro minoribus gradibus ad quinquennium gelegatas, Nostra declaratione aut nova concessione ita velimus extendere, ut aliis, qui saepe istic contingunt, similibus casibus prospicere possis. Nos igitur tribuimus Tibi ampliorem super ea repotestatem, certo tamen casuum numero definitam; prout ex Rescripto intelliges quod Nostris hisce Literis adjunctum est. Congnosces insuper ex eodem documento, Nos confirmasse dispensationem in praedicto casu a Te conccssam et matrimonium exinde initum in radice sanasse. Tuum verorerit adnotare in ejus Rescripti calce nomina et cognomina vii ac mulieris, qui matrimonium illud contraxerunt, ut de ipsius validitate ac de legitimitate prolis nullo deinde tempore dubitari valeat. — Si quid aliud, Venerabilis Frater, in quo commodare Tibi possimus, maxime si ad pastorales curas Tuas magis magisque adjuvandas pertineat, persuasum habeas, Nos ad id, prout in Domino visum fuerit, praestandam paratissimos fore. Et optamus ex animo, ut idoneae hujusmodi occasiones non desint, quibus facto ipso demonstrare datum sit, quanti Te faciamus et quanto propterea Fraternitatem Tuam prosequamur studiosae caritatis affectu. Hujus interea pignus adjungimus Ap benedictionem, quam ex intimo corde depromptam et cum verae omnis prosperitatis voto conjunctam Tibi, Venerabilis Frater, et omni, cui praees, Clero, Populoque fideli peramanter impertimur. Datum Romae apud S. Petrum die 26 Novembris anni 1836 — Pontificatus Nostri </p>
         <p>anno VI. (sig.) <hi rend="italic">Gregorius P.P. XVI.</hi>
         </p>
         <p>Nach dieser Erwiederung des h. Vaters dürfte es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die Quinquennal-Fakultäten den obengenannten gemischten Grad <hi rend="italic">nicht</hi> mit umfassen, und wird diesemnach von den Ordinariaten, welche bisher einer andern Ansicht gefolgt sind, die zeitherige Praxis nicht beibehalten werden können. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Bemerker)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Churhessen</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Cassel</hi>, im Aprill. Als das dringendste Bedürfniß für das ganze israelitische Schulwesen stellt sich immer mehr die Errichtung von <hi rend="italic">Seminarien</hi> heraus. Soll auf die aufwachsende Generation nur irgend israelitisch gewirkt werden, soll die Liebe zur Religion Israel's in ihr geweckt und erhalten werden, so kann dies nur von gebildeten <hi rend="italic">Lehrern</hi> ausgehen, die, als Repräsentanten ihrer Religion, schon durch sich Achtung zu erwecken vermögen. Daß aber alle israelitischen Gemeinden <hi rend="italic">studirte</hi> Lehrer haben können, ist weder nach der Zahl Dieser möglich, noch kön- |Sp. 0582| nen die ersteren, meist aus geringer Familienzahl bestehend, die höhere Besoldung eines studirten Lehrers aufbringen. Woher sollen daher tüchtige Subjecte zu Haus- und Gemeindelehrern kommen? Nur aus Anstalten, die zu der Ausbildung solcher bestimmt sind, und ihre Schüler mit den nothwendigen Kenntnissen versehen entlassen. Diese Anstalten müssen aber von ganzen <hi rend="italic">Provinzen</hi> erhalten werden, da sie zugleich zur Subsistenz der Seminaristen beizutragen hätten, indem in der Regel Unbemittelte nur sich zu diesem Stande bestimmen. Auch hier besitzen wir seit einigen Jahren ein <hi rend="italic">Seminar</hi>, dessen Vorstand, Dr. <hi rend="italic">Büdinger</hi>, mit wahrem Interesse und aufopfernder Eigennutzlosigkeit zu Werke geht — leider aber fehlt es noch immer an gehörigen Mitteln, um es zu einer gewissen Großartigkeit und zu größerem Umfange zu bringen. Ich berichte Ihnen über dasselbe, nach Kenntnißnahme gegen Ende vorigen Jahres, Folgendes: Früher (1825) machte dasselbe eine obere Abtheilung der obern Klasse der Knabenschule aus; wurde aber noch in demselben Jahre, bei der Zunahme der Zöglinge, dem Lehrplane nach von derselben <hi rend="italic">getrennt</hi>; seitdem ist die Organisation geblieben, wie sie ist. Die Lehrgegenstände sind: Hebräische Sprache und Bibelkunde mit hebr. Commentarien, mit besonderer Rücksicht auf Grammatik und hebr. Style; deutsche Sprache und Stylübungen; Methodik und Dialektik; Arithmetik nebst den Elementen der Geometrie und Algebra; jüdische und Weltgeschichte; Geographie, Naturgeschichte und Naturlehre, Zeichnen, Musik und Gesang; endlich Rituallehre, Religions- und Pflichtenlehre, mit besonderer Rücksicht auf das Lesen hebr. dogmatischer Schriften (Maimonides, Bechai, Albo etc.) Der Cursus ist zu <hi rend="italic">drei</hi> Jahren bestimmt, reicht aber bei den wenigsten zur völligen Ausbildung hin, weil die Schüler gewöhnlich zu wenig Vorkenntnisse mitbringen, und müssen die Meisten auch wohl 4 Jahre dableiben. In dem letzten halben Jahre geben die Seminaristen in den Elementarklassen wöchentlich 6 Stunden, um ihre Lehrergabe zu wecken und zu prüfen. Das Seminar ist übrigens bis jetzt nur für die Provinz Niederhessen, und diese zahlt für 8 Zöglinge jährlich, für einen Jeden 20 Thlr. Stipendium. Die Subsistenz derselben ist daher sehr schwierig, und größtentheils auf Kosten der Wohlthätigkeit hiesiger Einwohner. Die zu entlassenden Zöglinge werden von einer durch die Regierung bestellten Commission geprüft, und dann nach bestandener Prüfung in den Gemeinden angestellt. — Als Lehrer sind Dr. <hi rend="italic">Büdinger</hi> nebst einem stehenden und vier Hilfslehrern angestellt. Die meisten, bisher entlassenen Zöglinge versehen ihr Amt zur Zufriedenheit, einige sind ausgezeichnet und musterhaft. Das Resultat gibt demnach im Allgemeinen, den Umständen nach, ein völlig befriedigendes Bewußtseyn. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Ztg. des Judenthums)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Marburg</hi>, den 1. März. Aus einem Bericht der Marburger oberhessischen Bibelgesellschaft ergibt sich ein neuer Beweis, wie das christliche Leben in Hessen aller Orten auf eine erfreuliche Weise wieder erwacht. Schon seit 17 Jahren war in Marburg wie in Cassel eine Bibelgesellschaft gegründet, aber seit 13 Jahren hatte sie kein öffentliches Jahresfest und manches Jahr gar keins gefeiert. Jetzt wacht sie aus ihrem Schlummer auf, mehrere christliche Professoren sind an ihre Spitze getreten und ihre Wirksamkeit scheint mit verjüngter Kraft aufzuleben. Das Gebet von dem theuren Prof. <hi rend="italic">Kling</hi> gesprochen, die Predigt über Joh. 4,31-38 von Prof. <hi rend="italic">Scheffer</hi> gehalten, athmen beide frisches Leben und den Odem des h. Geistes. — So wecke der Lebensfürst noch manches Todte auf, nicht nur in Hessen, sondern überall, nicht nur erstorbene Bibelgesellschaften, sondern auch erstorbene Herzen und verdorrte Herzen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Barm. Missionsbl.)</hi>
         </p>
         </div>
         <div type="ta">
         <p>
            <hi rend="bold">Theologische Akademie.</hi>
         </p>
         <div type="taka">
            <head>
           Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p> <title><hi rend="bold">* Der Geist des Mönchwesens.</hi></title>
          
         </p>
         <p>Der Geist des Mönchwesens ist kein anderer, als der der Liebe. Die Liebe, welche Gott über Alles, und Alles wegen Gott liebt, dem sie Alles, sich selbst opferte, daher allem Irdischen entsagt, um in geistiger Freiheit nur dem Herrn allem zu dienen, |Sp. 0583| — ist die Wurzel, aus der das Mönchwesen hervorgesprosset ist. Es drückt sich hierüber aus <hi rend="italic">Möhler</hi> in seinem Werke: <hi rend="italic">Athanasius der Große</hi> u. s. w., Mainz 1827 bei <hi rend="italic">Kupferberg</hi>, II. Theil, IV. B. S. 86., also: „Liebe zur Keuschheit, und Erhabenheit des Geistes über den irdischen Besitz und die vergänglichen Güter, die er gewährt, überhaupt die Freiheit des Geistes von den Banden der endlichen Welt, oder doch die Sehnsucht nach dieser Freiheit, sind die ersten Elemente des Mönchwesens gewesen."</p>
         <p>Dieses bestätiget die Geschichte. <hi rend="italic">Ritter</hi> sagt in seiner Kirchengeschichte, Bonn 1826, I. Bd. §. 45. S. 115, indem er von dem evangelischen Geiste, welcher die Glieder der Kirche der ersten Periode auszeichnete, handelt: „Die Zahl derjenigen, welche <hi rend="italic">Justin</hi> und <hi rend="italic">Tertullian</hi> als Beweise der Kraft des Evangeliums anführten, ich meyne die christlichen Asceten, hatte eher zu, als abgenommen. Bereits fingen diese Enthaltsamen, die weder die Ehe, noch sonst einen sinnlichen Genuß kannten, den nicht etwa die Erhaltung des Lebens gebieterisch forderte, an, die wüsten Gegenden von Aegypten und Thebais zu bevölkern und sich, was sonst nicht geschehen war, von der menschlichen Gesellschaft loszureißen — <hi rend="italic">Paulus</hi> der Eremit, <hi rend="italic">Antonius</hi>, der Vater der Mönche."</p>
         <p>Das Leben dieses, welches uns <hi rend="italic">Athanasius</hi> hinterlassen hat, ist der triftigste Beleg für das Gesagte. Nur einige Worte aus einer Rede des <hi rend="italic">Antonius</hi> an seine Schüler, welche <hi rend="italic">Möhler </hi>a. a. O. S. 95 anführt, mögen hier stehen: „Glaubet also nicht, Ihr habet großen Dingen entsagt, wenn Ihr Eure Güter, ein wenig Gold u. dgl. verlasset. Ihr könnet es ohnedieß nicht in's ewige Leben mitnehmen. Was Ihr mitnehmet, ist Weisheit, Erkenntniß, Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Tapferkeit, Liebe, die Sorge für die Armen, der Glaube an Christus, Milde, Gastfreundschaft. Wenn wir diese Güter besitzen, so werden wir finden, daß sie uns im Lande die Sanftmüthigen Gastfreundschaft bereiten." So verräth das Mönchwesen in seinem Entstehen, daß sein es belebender Geist die Liebe ist.</p>
         <p>Seine Wirkungen, welche es von seiner Entstehung bis zu unseren Tagen auf die Glieder der Kirche gehabt hat, zeugen weiter dafür, daß der Geist der Liebe der des Mönchwesens ist; denn was von der warmen, thätigen Liebe belebt wird, kann nicht spurlos und ohne Wirkung bleiben.</p>
         <p>Anfangs trat der Geist der Liebe aus dem Mönchwesen in der Ascese und der Anweisung in derselben hervor. Als solches bildete es fromme, heilige Männer — <hi rend="italic">Athanasius</hi> und Andere. Als aber mit dem römischen Reiche allmählich Cultur und Kunst verfielen, zeigte sich der Geist der Liebe im Mönchwesen als edeler Freund und Pfleger der bildenden Wissenschaft, nicht minder als eifriger Verkünder des Evangeliums. Wem ist es unbekannt, was Europa den Benediktiner-Mönchen verdankt? Ihre Klöster waren Zufluchtsorte der geächteten Wissenschaft und Kunst, sie Lehrer derselben, Erzieher und Muster der Sittlichkeit. Den Barbaren brachten sie Religion, Lebensart, Kunst, Wissenschaft — England, Deutschland u. s. w.</p>
         <p>Von dem Mittelalter an bis zu uns herauf entwickelt sich insonderheit der Geist des Mönchwesens in allseitiger Thätigkeit als Geist der Liebe. Nicht allein, daß bald zur Befriedigung der einzelnen geistlichen und leiblichen Bedürfnisse der Menschheit, zur Beseitigung dieses oder jenes Gebrechens, zur Einprägung dieser oder jener Tugend verschiedene Orden auftreten; sondern auch zum Beweise, daß der Geist der Liebe das Mönchwesen belebe und bewege in ständiger, die Verherrlichung Gottes und das Heil der Menschheit anstrebenden Thätigkeit, sehen wir die in Trägheit, Ueppigkeit ausgeartete, oder m ihrer alten Form nach dem Bedürfnisse der Zeit, ihr angegebenes erhabenes Ziel zu verfolgen, nicht mehr geeigneten Orden verschwinden<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="footnote text"> Hierher gehört natürlich nicht die gewaltsame Unterdrückung (1773) des jetzt wiederbestehenden Jesuitenordens.</p>
            </note> oder reformirt werden.</p>
         <p>Das Ebengesagte mit geschichtlichen Thatsachen zu beweisen, darf man nur anführen die verschiedenen Reformen des Benediktinerordens; die zur Zeit der Kreuzzüge entstandenen Ritterorden; den Orden des Roberts <hi rend="italic">von Arbrissel</hi>, im Jahr 1094 gestiftet zur Bekehrung gefallener Mädchen; den Orden von Johann <hi rend="italic">von Matha</hi> und <hi rend="italic">Felix von Balois</hi> 1209 zur Erlösung der Christen aus der türkischen Sklaverei, und der zu gleichem Zwecke von Petrus <hi rend="italic">von Nolaskus</hi>, Raymund <hi rend="italic">von Pennafort</hi> und <hi rend="italic">Jakob I</hi>., König von <hi rend="italic">Arragonion</hi> 1235 errichteten Orden der |Sp. 0584| h. Maria <hi rend="italic">de Macede</hi>. Dasselbe bezeugen der Orden der Theatiner, gestiftet 1524: "Zur Wiederherstellung der Sittenreinheit, Gelehrsamkeit, Regelmäßigkeit und Uneigennützigkeit unter den Geistlichen, der Würde und des Anstandes bei'm Gottesdienste; Reinigung der Kanzel von allem Niedrigen und Profanen, Unterdrückung der neuen Irrlehren, geistlichen Pflege der Kranken und Bereitung der Verbrecher zum Tode", sagt <hi rend="italic">Döllinger</hi> in <hi rend="italic">Hortig's</hi> Kirchengeschichte. Landshut 1828. 2 Bd. 2 Abthl. S. 757. Die Bornabiten 1530. "Sie verbrüderten sich", sagt <hi rend="italic">Döllinger</hi> a. a. O., "zum gemeinschaftlichen Leben nach dem Geiste der ersten Christen, durch Beichthören, Predigen, Jugendunterricht, Leitung der Seminarien, Missionen, sollte ihre Gesellschaft, je nachdem die Bischöfe die Mitglieder in ihren Diözesen gebrauchen würden, an dem Heile der Seelen arbeiten." Die 1528 von einem venetianischen Edelmanne gestiftete Congregation regulirter Chorherrn, die der Samasker, die Erziehung armer Waisen besorgend. Die Jesuiten (1540) sattsam bekannt, welche Alles zur größeren Ehre Gottes thaten. Nach Uebergehung der Orden vom mehr beschaulichen Leben, mögen nur noch kurz berührt werden die Congregation der Väter der christlichen Lehre (1595), welche sich mit dem Religions-Unterrichte der Kinder, der Armen, Unwissenden und Landleute beschäftigten; die durch ihre gelehrten Leistungen so berühmten Väter des Oratoriums (1604); und endlich die Schwestern der Liebe, barmherzige Schwestern, allbekannt; und zuletzt die Redemptoristen (1732), welche Missionen und den Unterricht der Jugend zur Aufgabe haben.</p>
         <p>Wenn man nur die Regeln dieser wenigen angeführten Orden betrachtet; so ergibt sich, daß Liebe der Geist des Mönchwesens ist, dessen lebenvolle und Leben zeugende Thätigkeit nach allen Seiten <hi rend="italic">Döllinger</hi> a. a. O. S. 767 eben so wahr, als schön zeichnet, indem er hauptsächlich die Leistungen der Mönche in der 1ten Periode der Kirchengeschichte im Auge hat, also: "Man kann alle in dieser Periode entstandenen geistlichen Corporationen in fünf Klassen theilen. Die eine Klasse bildet jene, welche sich vorzugsweise wissenschaftlichen Beschäftigungen und der Abfassung gelehrter Werke widmeten. Dafür ließ sich kein günstigeres Verhältniß denken, als das in einer Communität, wo man, ungestört von weltlichen Sorgen und Geschäften, im Bereiche einer großen Bibliothek, von mehreren Gehilfen unterstützt, das leisten konnte, was allen andern unmöglich war. Auch war eine solche Communität zugleich eine Bildungsanstalt für jüngere Gelehrte. Eine andere Klasse widmete sich der Erziehung und dem Unterrichte, durch alle Stufen hindurch, vom Kinde an bis zum angehenden Priester. Hier hatte der Ordens-Geistliche, die Nonne im Allgemeinen den Vorzug der Uneigennützigkeit, des religiösen Eifers, und daher auch des größeren Vertrauens, der reineren Achtung von Seite der Schüler. Eine dritte Klasse arbeitete in der Seelsorge, dem Predigtamte, der Leitung der Gewissen, und war um so unentbehrlicher, je größer der Mangel an guten Weltgeistlichen war. Eine vierte machte sich durch Ausübung der Werke der Barmherzigkeit, besonders durch Pflege der Kranken verdient. Eine fünfte Klasse endlich, widmete sich bloß dem Gebete und dem inneren geistlichen Leben; hier fanden Menschen, welche nicht zum Weltleben berufen waren, oder welche, dessen müde, sich nach einem stillen, Gott geweihten Aufenthaltsorte sehnten, oder welche ihre frühere Verirrungen betrauern, und sich mit Gott versöhnen wollten, eine Zuflucht."</p>
         <p>"An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen", sagt der Heiland Matth. VII,16. Die Früchte, welche das Mönchwesen getragen hat und trägt, können nur aus der Liebe getrieben haben und treiben; also an den Früchten des Mönchwesens erkennt man, daß Liebe der es belebende und bewegende Geist ist.</p>
         <p>Da nun der Geist der Liebe der des Mönchswesens, und Liebe Lebens-Wärme, Thätigkeit ist; so versteht sich von selbst, wie zum Theil schon berührt worden, daß ein Orden, ein Kloster, ein Mönch dem Mönchwesen, streng genommen, nicht mehr angehören, wenn sie in Unthätigkeit, Weltsinn u. s. w. verfallen; wenn sie die Gläubigen nicht beleben durch echt christlichen Wandel, die Geister fortreißend nach Oben durch beschauliches Leben, und sie losreißend von der Erde durch Lehre, Erziehung, Werke der Barmherzigkeit.</p>
         <p>Es fällt demnach auch die Schlechtigkeit einzelner oder vieler Ordens-Leute nicht auf den Geist des Mönchwesens, sondern auf diese Schlechten selbst. Und hiermit ergibt sich zugleich, daß die |Sp. 0585| Schmäher des Mönchwesens, welches vom reinsten Geiste der Liebe belebt und bewegt wird, nicht dieses, sondern sich selbst beschimpfen; denn sie legen an den Tag, daß sie das Mönchswesen und seinen Geist nicht kennen, oder nicht kennen wollen.</p>
         <p>Möge dieses Wenige dazu beitragen, daß das Mönchwesen des Katholizismus in der Reinheit seines Geistes erkannt und erfaßt werde, damit die falschen und schiefen Urtheile über dasselbe wegfallen mögen, wie ein solches in der Universal-Kirchenzeitung No. 4 zu lesen ist, wo es in einem der Neuen Kirchenzeitung der reformirten Schweiz entlehnten Aufsatze unter anderm heißt, indem von den grauen Schwestern gesprochen wird: "Ja, wenn wir für die guten Werke auch den Himmel versprächen, und die Fürbitte aller Heiligen, wie die Katholiken — so hätten wir wohl auch der protestantischen grauen Schwestern genug. <hi rend="italic">Aber eine Tugend, deren Beweggrund nicht auf Gottes Wort, sondern auf einer Täuschung beruht, können wir so wenig beneiden, als unsere Soldaten die Tapferkeit der Muhamedaner, insofern sie sich nicht auf Vaterlandsliebe, sondern auf den Glauben an ein blindes Faktum stützt</hi>." S. P.</p>
       
         </div>
            <div type="tapr">
             <head> 
    Protestantische Abtheilung.
         </head>
         <p><title>    <hi rend="bold">Erinnerungen an </hi>
            <hi rend="italic bold">Wilhelm</hi> 
            <hi rend="italic bold">den</hi> 
            <hi rend="italic bold">Ersten</hi>
            <hi rend="bold">, Churfürsten von </hi>
            <hi rend="italic bold">Hessen</hi>
            <hi rend="bold">, Großherzog von </hi>
            <hi rend="italic bold">Fulda</hi>
            <hi rend="bold"> etc.</hi></title>
          </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Blumen</hi>
            <hi rend="bold">, </hi>
            <hi rend="italic bold">in</hi> 
            <hi rend="italic bold">seine</hi> 
            <hi rend="italic bold">Gruft</hi> 
            <hi rend="italic bold">gestreut</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von </hi>
            <hi rend="italic bold">Dr. F. E. Petri</hi>
            <hi rend="bold">, Kirchenrath und Metropolitan in Fulda. </hi>
         </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Einsicht und Unbefangenheit bezeugte mir der Vollendete besonders in der vorerwähnten Unterredung, von welcher ich nun noch, obschon bereits im <hi rend="italic">zwanzigsten</hi> Jahre nach derselben, doch aus treuem Gedächtnisse, schriftlich mittheilen will:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Churfürst</hi>: Sie sind der hiesige <hi rend="italic">lutherische</hi> Pfarrer?</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ich</hi>: <hi rend="italic">Evangelischer</hi> Prediger, I. k. H.; aber <hi rend="italic">Lutherisch</hi> mag ich nicht heißen; denn das ist nicht christlich und selbst gegen des Doctor <hi rend="italic">Luther's</hi> ausdrücklichen Wunsch und Willen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Sie sind aber doch aus <hi rend="italic">Sachsen</hi>, wie man mir gesagt hat, aus <hi rend="italic">Dresden</hi> hierher gekommen; also ursprünglich ein <hi rend="italic">Lutheraner</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Allerdings, I. k. H. Ich war durch dm berühmten Oberhof-Prediger <hi rend="italic">Reinhard</hi> an dem Schullehrer-Seminarium zu <hi rend="italic">Dresden</hi>-<hi rend="italic">Friedrichsstadt</hi> angestellt, als Gehilfe des rühmlichst bekannten Schulmannes <hi rend="italic">Dinter</hi>; aber die Benennungen <hi rend="italic">Lutheraner</hi>, so wie <hi rend="italic">Calvinist</hi>, hab' ich von jeher nicht leiden können.</p>
         <p>Der Dr. <hi rend="italic">Luther</hi> hat ja selbst (im Jahr 1522), in seiner "<hi rend="italic">treuen Vermahnung, sich vor Aufstand und Empörung zu hüten"</hi> geschrieben, was ich mir wohl gemerkt habe: <hi rend="italic">"Hör' und laß Dir sagen</hi>: <hi rend="italic">Zum Ersten bitt' ich, man wolle meines Namens schweigen, und sich nicht</hi> lutherisch, sondern Christen heißen! Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein; so bin ich auch für Niemand gekreuzigt. St. Paulus wollte nicht leiden, daß die Christen sich sollten heißen Paulisch oder Petersch. <hi rend="italic">Wie käm' ich dazu, daß man die Kinder Christi sollte mit meinem heillosen Namen nennen. Nicht also, lieben Freunde! Lasset uns tilgen die parteiischen Namen, und uns Christen heißen. Ich habe mit der Gemeinde die einige gemeine Lehre Christi, der allein unser Meister ist."</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch.</hi>: Das hat der Dr. <hi rend="italic">Luther</hi> gut gesagt: — und Sie haben ein gutes Gedächtniß. Ich merke schon, Sie wollen auch gern Einer von den <hi rend="italic">Neuern</hi>, von den <hi rend="italic">Unirten</hi> seyn. Die möchten gern mit uns <hi rend="italic">Reformirten</hi> theilen. Aber die vom Prinzen von Oranien gestiftete Kirche und Pfarrei war doch wohl ursprünglich eine <hi rend="italic">reformirte</hi>. Wie konnten Sie denn an derselben Pfarrer werden? —</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Man hat mir am Ende des Jahres 1806, als der Hirte |Sp. 0586| vertrieben, und die Herde meist zerstreuet war, die Verwaltung dieser, plötzlich sehr gesunkenen Pfarrei, ohne mein Ansuchen, übertragen, und ich habe dieselbe glücklich erhalten, auch das Vermögen des Kirchleins, welchem noch immer keine Stiftung zu Theil geworden ist, aus dem Opfer-Beutel erhöhen helfen. </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch.</hi>: Nun, das war schön! Das gefällt mir. Aber, mein Lieber, wie haben Sie denn, zumal unter den Franzosen, unter dem Großherzoge von <hi rend="italic">Frankfurt</hi> und unter den Oesterreichern mit den Katholiken und ihren Geistlichen fertig werden können? </p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: O, I. k. H., recht gut. Ich habe denselben dankbar nachzurühmen, daß sie mir ganz ungleich mehr Angenehmes, als Unangenehmes erzeigt haben. Ich bin oft von Vätern katholischer Schüler eingeladen und beschenkt worden, auch katholischer Geistlicher Gast gewesen<note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
               <p rend="footnote text"> Vorzüglich des damaligen geistlichen Rathes und Studien-Direktors <hi rend="italic">Pfaff</hi>, dermaligen, höchst gastfreundlichen Herrn Bischofs von <hi rend="italic">Fulda</hi>.</p>
            </note>. Hiesige Katholiken, deren Mehrzahl aufgeklärter und unbefangener ist, als wohl an manchen andern Orten, besonders in Bayern und Oesterreich sind nicht selten Zuhörer, auch Tauf- und Trauungs-Zeugen in unserm Kirchlein gewesen, und haben mir ihr Wohlgefallen an deutschen, gemeinverständlichen Formularen bezeuget. Bei Beerdigungen, die nach oranischer Verordnung gemischt, in die Reihen erfolgen, haben sie theilnehmend zugehört, auch, zumal in Vorstädten, auch Grabes-Wegen gebetet, und evangelischen Mitchristen die ewige Ruhe von Gott erbeten.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Nun, das muß ich sagen, das freut mich recht sehr, von Ihnen zu hören. Aber ganz unangefochten sind Sie doch wohl nicht geblieben?</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I</hi>.: So ganz glatt ist's freilich nicht abgegangen. Unter den Franzosen, noch mehr aber unter dem Großherzoge von <hi rend="italic">Frankfurt</hi> hat man Versuche gemacht, uns unser schönes Kirchlein wieder zu entziehen, uns dagegen die düstre, feuchte und kleinere Severin-Kirche aufzudringen, oder wenigstens gemeinschaftlichen Gebrauch der unsrigen. Aber französische Gouverneurs, mit denen ich mich in ihrer Sprache benehmen konnte, haben mich als hiesigen Ministre de l'église protestante, sehr artig behandelt, auch eingeladen und zu einigem Genusse genöthigt, der mir bei diesen habsüchtigen Fremdlingen nicht behagte. Der Großherzog von <hi rend="italic">Frankfurt</hi> aber, dessen Gast ich nicht selten zu seyn die Ehre hatte, sagte mir von einer eingegangenen Rückforderung unsers Kirchleins: ich möchte deshalb ganz ruhig seyn. Dieselbe sey bei ihm ein unter den Tisch geworfenes Papier, und Simultaneen könnt' er auch nicht leiden, weil sie gewöhnlich Zank-Aepfel wären.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Da hat er sehr Recht gehabt. Das hab' ich auch gern vernommen. </p>
         <p>
            <hi rend="italic">I</hi>.: Uebrigens hat es mich auch lebhaft erfreut, daß er noch in seinem letzten Regierungs-Jahre, am 5. Juli 1813, und zwar nicht hier, sondern in seinem <hi rend="italic">Aschaffenburg</hi> mich zu seinem Kirchenrath ernannt hat. In dem von jenem unbefangenen katholischen Erzbischofe Höchsteigenhändig unterschriebenen, und mit dem größten Staats-Siegel versehenen Decrete stehen auch die mir unvergeßlichen Worte: "auf besondre Empfehlung unsres Ministers des Cultus, in Erwägung seiner <hi rend="italic">echt religiösen Eigenschaften</hi> und bewiesenen Geschicklichkeit und Fleißes etc. — wollen und befehlen auch, daß er von Jedermann als unser Kirchenrath geachtet und geehrt werde." </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Das war schön von ihm. Wenn er nur nicht so französisch gesinnt gewesen wäre. </p>
         <p>
            <hi rend="italic">I</hi>.: Ja, der schwache Herr konnte dem Drange der Umstände nicht widerstehen. Er hat aber doch auch nach Anwesenheit und Entfernung eines gewandten und schönen französischen Gouverneurs von seinem vormaligen lieben <hi rend="italic">Erfurt</hi>, der ihm Napoleon'sche Forderungen eingehändigt hatte, zu nur gesagt: "mein lieber Professor, der bringt mir auch wieder preces armatas, preces armatas! — die lassen sich nicht, gleich anderen abweisen.</p>
         <p>Doch hat der selige Herr<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="footnote text"> Der gern wohlthätige Großherzog war, als, verhältnißmäßig sehr armer Erzbischof von <hi rend="italic">Regensburg</hi>, daselbst am 10. Februar 1817 entschlafen.</p>
            </note> auch eine Fürbitte von mir nicht abgewiesen. Nachdem ich denselben um einen Steuer-Erlaß für die arme, damals noch fulda'sche, jetzt bayerische Gemeinde <hi rend="italic">Geroda</hi> gebeten, und er mir denselben zugesagt, der, nachmals |Sp. 0587| herbeigerufene Steuer-Inspector (<hi rend="italic">Seweloh</hi>) aber den, nicht unerheblichen Nachlaß gemißbilligt hatte, ward ihm erwiedert, was mir jener Freund<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="footnote text"> Jetzt noch königl. hannöver'scher Oberst-Lieutenant, im Ruhestand zu Hannover.</p>
            </note> sehr bald wieder sagte: "ja, mein Lieber, Sie kommen mit Ihrer Einrede zu spät. Ich habe dem — <hi rend="italic">Petri</hi> nun bereits meine Zusage gegeben; — die darf ich nicht zurücknehmen." —</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Das war auch schön von ihm, das war fürstlich. — Aber, à propos, sagen Sie mir doch nun auch, wollen Sie denn das angekündigte dritte Jubelfest der Reformation auch hier feiern? Ich möchte doch nicht, daß den hiesigen Katholiken dadurch Anstoß und Aergerniß gegeben würde.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Euer königliche Hoheit möchten doch auch nicht allzu besorglich seyn. Man soll sich ja seines evangelischen Glaubens nicht schämen<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
               <p rend="footnote text"> Vergl. <hi rend="italic">Paulus</hi> an die <hi rend="italic">Römer</hi> I, 16.</p>
            </note> oder, wie man sagt, ein Knippchen in der Tasche schlagen wollen. Höchstdero ruhmwürdiger Ahnherr, <hi rend="italic">Philipp der Großmüthige</hi>, hat ja zu den eifrigsten Beförderern der Reformation gehört, und auch schon die Vereinigung der beiden evangelischen Kirchen gewünscht und versucht<note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
               <p rend="footnote text"> Landgraf <hi rend="italic">Moritz</hi> l. (der Gelehrte), hat i. J. 1614 geschrieben: Estote uniti, moneo, <hi rend="italic">Calvine</hi>, <hi rend="italic">Luthere</hi>!</p>
            </note>. Und wir sollten unter seinem würdigsten Nachfolger hier in <hi rend="italic">Churhessen</hi> das Reformations-Jubiläum nicht feiern? — Das soll übrigens geräuschlos und unanstößig geschehen<note place="foot" xml:id="ftn8" n="8">
               <p rend="footnote text"> Es ist jedoch noch genannten Tages, mit den, auf einem Kasernen-Thürmchen befindlichen Glocken in das nahe Kirchlein, erstmals eingeläutet worden.</p>
            </note>. Zudem ist der 31. Oktober, wie ich schon bemerkt habe, ein Sonntag.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Das ist recht gut. Uebrigens sagen Sie auch an dem Sonntage nichts, was die Katholiken ärgern könnte. Sie möchten belauscht werden.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Das hab' ich nicht zu scheuen. Uebrigens hab' ich stets wenigstens <hi rend="italic">einen</hi> katholischen Zuhörer, der Organist und Küster.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Was Sie sagen? — Einen katholischen Cantor und Organisten?</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Allerdings! Und als solcher bin ich mit ihm, mehr denn als Schullehrer, ziemlich zufrieden. Uebrigens hab' ich schon gestern zwei gedruckte Anzeigen von Reformations-Feierlichkeiten aus paritätischen Ländern erhalten, und zwar beide mit landesherrlicher Unterzeichnung; eine aus dem Herzogthume<note place="foot" xml:id="ftn9" n="9">
               <p rend="footnote text"> Dieses wird nicht genannt, weil der ehrenwerths, jetzt freilich viel älters, Herzog noch lebet.</p>
            </note> und die andre von dem königlich bayerischen Decane <hi rend="italic">Lampert</hi> aus <hi rend="italic">Gersfeld</hi>. Ueber die letztere, von dem Könige <hi rend="italic">Maximilian I</hi>. unterzeichnete, hab' ich mich gefreut, und einigermaßen verwundert.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Mit dem Herzoge von .. bleiben Sie mir weg. Der ist noch ein zu junger Mann, und hat noch nicht genug Erfahrung. Aber, was der alte König von <hi rend="italic">Bayern</hi> erlassen hat, das möcht' ich sehen, das will ich lesen. Schicken Sie das doch an meinen <hi rend="italic">Rivalier</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn10" n="10">
                     <p rend="footnote text"> Das ist noch desselben Tages geschehen, und S. k. H. haben diesen Erlaß mit nach <hi rend="italic">Cassel</hi> genommen.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>.</p>
         <p>S. k. H., der langen Unterhaltung noch nicht müde, wendeten dieselbe hierauf wieder zunächst auf die Vereinigung beider evangelischen Kirchen, wobei ich bemerkte, daß sie bei der Entfernung vernünftiger <hi rend="italic">Lutheraner</hi> von dem <hi rend="italic">Augustinismus </hi>und der <hi rend="italic">Ubiquitäts</hi>- oder gar <hi rend="italic">Transsubstantiationslehre</hi>, so wie der <hi rend="italic">Reformirten</hi> vom <hi rend="italic">Calvinischen Prädestinationsglauben</hi> der der Sittlichkeit schade und die Zurechnung untergrabe, fast nur des Aussprechens bedürfe, nebst billiger Ausgleichung hinsichtlich der Kirchen, Schulen und ihres Vermögens, die von reformirten Grafen im <hi rend="italic">Hanau'</hi>schen, andererwärts von lutherischen Fürsten nicht unbefangen, von andern, begünstigt worden wärm.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Was Sie mir da gesagt haben, das läßt sich hören. Ich unterhalte mich gern mit Theologen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Ich muß wohl besorgen, schon zu viel gesprochen zu haben und E. k. H. lästig zu werden<note place="foot" xml:id="ftn11" n="11">
               <p rend="footnote text"> Dabei hatt' ich, unklug, nach der Uhr gesehen.</p>
            </note>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Das würd' ich Ihnen sagen. Fahren Sie nur fort, wenn Sie mir noch Etwas sagen wollen, mein lieber Consistorial-Rath<note place="foot" xml:id="ftn12" n="12">
               <p rend="footnote text"> Der deutsche Titel <hi rend="italic">Kirchen</hi>-<hi rend="italic">Rath</hi> war dem lieben alten Herrn eine Neuerung.</p>
            </note>. |Sp. 0588| </p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Je nun, hinsichtlich des gebrochenen Brodes müssen wir sogenannte Lutheraner den Reformirten wohl nachgeben; denn es steht in drei Evangelien (<hi rend="italic">Matth</hi>. 26,26. <hi rend="italic">Marcä</hi> 14, 22, und <hi rend="italic">Lucä</hi> 22,19) daß <hi rend="italic">Jesus Christus</hi> das Brod nahm, dankete (oder segnete) und es hierauf <hi rend="italic">brach</hi>, und „<hi rend="italic">wir können nichts wider die Wahrheit</hi>, <hi rend="italic">sondern nur für die Wahrheit</hi> (2. <hi rend="italic">Korr</hi>. 13,6).</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Das ist richtig. Sie scheinen recht belesen und mit der heiligen Schrift wohl bekannt zu seyn. Bin ich aber nicht auch ziemlich <hi rend="italic">bibelfest</hi>?<note place="foot" xml:id="ftn13" n="13">
               <p rend="footnote text"> S. k. H., die sich wirklich dieses Ausdruckes bedienten, hatten im Lauft dieser Unterredung mehrere Bibel-Sprüche wiederholt.</p>
            </note>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Das hab ich mit Ehrerbietung vernommen, und schweigend bewundert.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Wo haben sie denn studirt?</p>
         <p>
            <hi rend="italic">I.</hi>: Zu <hi rend="italic">Leipzig</hi>, I. k. H., noch am Ende des vorigen Jahrhunderts.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ch</hi>.: Nun, Adieu, mein Lieber, Sie sollen mein Gast seyn, und ich werde weiter für Sie sorgen.</p>
         <p>N. S. Das ist, theils, vorerwähnter Weise, wirklich geschehen, wär' auch wohl noch weiter erfolget, wenn jener Nestor höheres Lebens-Ziel erreicht hätte. Ehre Seinem Andenken! Friede Seiner Asche!</p>
            </div>
               <div type="tais">
            <head>
         Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p><title> <hi rend="bold">Ein Kapitel aus der Herren W. und L. </hi>
            <hi rend="italic bold">Schlesinger</hi>
            <hi rend="bold"> (Rabbinatskandidaten hieselbst) Uebersetzung des Buches Ikkarim (Grundsätze des jüdischen Glaubens) von R. </hi>
            <hi rend="italic bold">Joseph</hi> 
            <hi rend="italic bold">Albo</hi>
            <hi rend="bold">.</hi></title>
          </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Vorwort. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. I. M. Jost.</hi>
         </p>
         <p>Vielen verehrl. Lesern unserer Univ. K.-Ztg. dürfte es unbekannt seyn, daß unter den mehr, als 4000 Originalschriften der Juden, sich außer den ascetischen und exegetischen, — welche natürlich die Mehrzahl bilden — auch echt theologisch-philosophische, mit wissenschaftlicher Umsicht, Ruhe und Würde verfaßte befinden, welche ein allgemeines Interesse in Anspruch nehmen. Diese Unkunde zeigt sich mindestens in den Urtheilen der meisten christlichen Theologen über die Lehren des Judenthums, welche sie nur aus den trübesten Quellen schöpfen, indem sie sich begnügen, ältere Auszüge aus ascetische Schriften, oder fremde Urtheile und Citate nachzuschreiben, ohne zu den Quellen selbst zurückzugehen, wo der Zusammenhang oft ganz anders lautet, oder durch einen Blick auf die Zeit, in welcher sie entstanden, anders aufgefaßt werden muß. Es ist hier nicht der Ort, dieß weiter auszuführen, doch behalten wir uns vor, verschiedene allgemein herrschende verkehrte Ansichten zu berichtigen. Hier wollen wir nur besonders darauf verweisen, daß die spanischen Juden, und zwar besonders im 14—16 Jahrhundert (theils in Spanien selbst, theils in Italien und den türkischen Ländern, wohin sie sich flüchteten) nach dem Beispiele des <hi rend="italic">Maimonides</hi>, die jüdische Religion nicht bloß gesetzlich zu ordnen, sondern auch philosophisch zu begründen bemüht waren.</p>
         <p>Unter diesen nimmt eine der ersten Stellen <hi rend="italic">R. Joseph Albo</hi> ein, welcher in einer Zeit lebte, in der die Juden wahrlich des religiösen Trostes sehr bedurften. Von seinen Lebensverhältnissen ist nichts bekannt, außer daß er in <hi rend="italic">Soria</hi> in Castilien geboren ward, in Spanien Zeuge der entsetzlichen Schicksale seiner Genossen war, in Saragossa wohnte, bei der Dissputation des getauften Juden <hi rend="italic">Josua Lorki</hi>, (als Christ <hi rend="italic">Hieronymus a Sancta Fide</hi> genannt) mit den Rabbinern in Tortosa vor dem Gegenpapst <hi rend="italic">Benedikt XIII</hi>. (<hi rend="italic">Petrus de Luna</hi>) im J.1412 gegenwärtig war, und da das Christenthum sich den Sieg zugeschrieben hatte, im Jahre 1425 das Werk <hi rend="italic">Ikkarim</hi> verfaßte, um die Juden im Glauben zu befestigen und besonders gegen das Christenthum zu stärken, — daß er außerdem auch ein, sonst nicht weiter bekanntes Werk gegen die Christen, in spanischer Sprache schrieb, und 1430 verstarb.</p>
         <p>|Sp. 0589| Jenes Hauptwerk zerfällt in 4 Abschnitte. Der erste handelt in 26 Kapiteln von den verschiedenen Religionen, von Naturreligion, Gesetz und Theologie im Allgemeinen, und von den drei Fundamentallehren des Judenthums, welche nach ihm nur in dem Glauben an Gott, an die Göttlichkeit der Offenbarungslehre und an künftige Vergeltung bestehen; so wie ferner von den Gränzen des Wissens und Glaubens, von den Wirkungen des Glaubens, von den verschiedenen andern Grundlehren, von der Denkfreiheit. Der zweite Abschnitt verbreitet sich in 31 Kapiteln über den Glauben an Gott; der dritte in 32 Kapiteln über die Göttlichkeit der h. Schrift; in diesem Abschnitte werden im 25sten Kapitel die Einsprüche des Christenthums scharf bekämpft; der vierte enthält eine Einleitung und 61 Kapitel, über die Vergeltung. Das Werk ist von den Juden ungemein hochgeachtet, wenn gleich es manche Ansichten des unvergleichlichen <hi rend="italic">Maimonides </hi>bestreitet. Es erschien zuerst Soucino 1486, 106 Bl., dann ohne Ort und Jahr, (auch zu Soucino), 141 Bl.; hierauf Venedig 1521 und 1544, Rimini 1722, Saloniki 1521, Lublin 1597; dann mit dem Commentar des <hi rend="italic">R. Gedalja</hi> ben <hi rend="italic">Schlomo </hi>(jedoch mit Auslassung des K. XXV im 3. Abschn.) Venedig 1618 und 1624, und endlich wieder vollständig Frankfurt a. d. Oder 1788. </p>
         <p>Mehrere haben es in's Lateinische übersetzt, aber es ist davon nichts erschienen außer <hi rend="italic">Genebrard's</hi> Widerlegung des mehrerwähnten K. 25, <hi rend="italic">R. Jos. Albonis argumenta quibus nonnulos fidei Christianae articalos oppugnat, Parisiis 1506</hi>. Daß die christlichen Theologen den <hi rend="italic">Albo</hi> für einen Fanatiker halten, ist natürlich, obwohl bei ihm die ruhige Haltung nicht vermißt wird. Wenn aber <hi rend="italic">Albo</hi> Alles aufbietet um der christlichen Religion entgegen zu arbeiten, so darf man dieß eben so wenig seiner Ueberzeugung verargen, als man nicht umhin kann, einzuräumen, daß gerade in seiner Zeit die Christen am allerwenigsten den Weg der Liebe einschlugen, um ihrer Religion bei den Juden Eingang oder auch nur Achtung zu verschaffen.</p>
         <p>Wir glauben ein kleines Bild von den Ereignissen geben zu müssen: welche der Verf. erlebte, und welche sicherlich nm dazu beitragen konnten, seine Aufmerksamkeit, auf die innern Wahrheiten des Judenthums zu lenken, für welche zu sterben, damals fast jeder spanische Jude gewärtig seyn mußte.</p>
         <p>Lesen wir die Darstellung eines Zeitgenossen nur über die Leiden der Juden, während zweier Monate. <hi rend="italic">Js. b. Schechet </hi>Rechtsgutachten No. 158 sagt: Wenn ich Euch alle die entsetzlichen Leiden, die uns betroffen haben, erzählen sollte, so würden Euch die Haare zu Berge stehen; nur einen kleinen Theil des Wermuths und der Galle, will ich auf Euren Tisch setzen, und aus meinem wahren Berichte werdet Ihr genug der Bitterkeit und des Giftbechers kosten, den wir ausgeleert haben. Zwar denke ich, es sey Euch bereits mitgetheilt worden, dennoch will ich es kurz darstellen.</p>
         <p>Am Neumonde Tamus 5152 (Sommer 1392) spannte der Herr die Bogen des Feindes gegen die Gemeinde der großen <hi rend="italic">Sevilla</hi>, worin etwa 7000 jüdische Familienväter wohnten; man steckte die Thore (der Judenstadt) in Brand, und erschlug eine Menge; viele ließen sich taufen, viele Frauen und Kinder wurden an die Mauren verkauft. Die Judengassen wurden völlig verödet; viele starben für die Religion, viele gingen vom heiligen Bunde ab. Von da ging das Feuer, und faßte die Zeder Libanon's", die heilige Gemeinde zu <hi rend="italic">Cordova</hi>, wo viele sich taufen ließen, und alles verwüstet ward. Am Trauertage, den 17. Tamus traf Gottes Zorn die heilige Gemeinde zu <hi rend="italic">Toledo</hi>, den Sitz der Gelehrsamkeit, und "man erschlug im Heiligthum Gottes Priester und Prophet;" dort heiligten öffentlich den göttlich Namen, die Rabbiner, die treffliche Nachkommenschaft des <hi rend="italic">R. Ascher</hi> (eines deutschen, im Jahre 1306 in Spanien eingewanderten, und 1321 zu Toledo verstorbenen R.) Aber auch dort gingen viele über. „Wegen dieser drei Thaten erbebte die Erde," dasselbe Schicksal hatten aber andere Gemeinden in deren Nähe, deren Zahl fast 70 beträgt; wir hingegen saßen noch in Angst und Tag und Nacht in Erwartung da „vernichtete der Herr ohn' Erbarmen" am 7ten Ab auch in <hi rend="italic">Valencia</hi> gegen 1000 Familien, es starben für Gott gegen 250 Männer, die übrigen ergriffen die Flucht, wenige entkamen, die meisten gingen über. Von da ver-|Sp.0590|breitete sich die Plage über die Gemeinden <hi rend="italic">Mallorca's</hi> der Seestadt; am Neumonde Elul fielen wilde Haufen sie an, plünderten und raubten, und verwüsteten sie gänzlich, es starben für Gott 300 Seelen; gegen 800 aber retteten sich auf das königliche Schloß, die übrigen gingen über. Am Sabbath darauf „ergoß der Herr seinen Grimm und zerstörte sein Heiligthum und entweihte die Krone seines Gesetzes" die Gemeinde <hi rend="italic">Barcelona's</hi>, welche überfallen ward; es verloren 130 das Leben; die übrigen flohen in's königl. Schloß; die Judenstraßen wurden geplündert und zum Theil in Brand gesteckt. Der Statthalter der Provinz hatte keinen Theil an diesem Verbrechen, er wollte vielmehr die Juden schützen, und ließ ihnen Speise und Trank reichen, während er gegen die Unruhestifter richterliches Verfahren einleitete. Aber da brach das niedere Volk hervor und griff die im Schlosse befindlichen Juden an mit Bogen und Wurfgeschoß. Viele verloren hier das Leben, manche stürzten sich vom Thurm herab, manche traten heraus und starben im Kampfe für Gott, die übrigen ließen sich taufen. Nur wenige entkamen, die sich in den Städten der Barone aufhielten; „ein Knabe kann sie aufschreiben"; doch sind es die ehrenwerthesten. Leider ist heute nicht einer mehr in Barcelona, welcher Israel's Namen führt. In <hi rend="italic">Levida</hi> starben viele, die meisten gingen über; nur wenige sind in <hi rend="italic">Gevona</hi> entkommen, wo Gelehrsamkeit und Sittsamkeit herrschte; die Rabbiner daselbst heiligten Gottes Namen (starben für die Religion) nur wenige fielen ab, die meisten retteten sich in Häuser der Bürger. Kurz im Königreich <hi rend="italic">Valencia</hi> ist keine Jude übrig geblieben, außer in <hi rend="italic">Morviedro</hi>; und in der Provinz <hi rend="italic">Catalonien</hi> keiner außer in den Städten der Barone, welche ihnen kein Leid zufügten. — Nach allen diesen Leiden und Zerstörungen und Verstreuung unseres Eigenthumes blieb uns nur der nackte Körper übrig! Aber ihr Gewissen ist qualbelastet, und unser Auge auf unsern Vater im Himmel gerichtet, welcher uns seine Gnade zuwenden, unsere Wunden heilen, und unsern Fuß nicht ferner wanken lassen möge! — So weit dieser Bericht. Wir fügen nur noch hinzu, daß die Verfolgungen zwar in den folgenden Jahren nicht einen bösartigen Charakter annahmen, aber dennoch fortdauerten, und meist von getauften Juden angeregt wurden. — Unsere Leser mögen aus einem solchen Rückblick nebenher einen kleinen Trost schöpfen, für die heutigestages, minder gewaltsamen zwar, aber dafür das sittliche Gefühl eben so sehr, und vielleicht noch stärker verletzenden, Verfolgungen der Menschen um des Glaubens willen, wozu wir die Entziehung irdischer Vortheile, die Zurücksetzung gerechter Ansprüche, die Herabwürdigung der Lehre, und am allermeisten die Keckheit vieler besoldeten (von frommen Missionären wohl zu unterscheidenden) Landstreicher rechnen, welche, weil sie nichts gelernt haben, um in der Heimath einem bürgerlichen Berufe obzuliegen, sich für das scheinbar heilige Geschäft, in Judenfamilien einzudringen, ihnen schale Predigten zu halten, die schwache Jugend zur Feindschaft gegen ihre Religion aufzureizen, und alle Bande der Familien zu zerreißen bezahlen lassen. Das Christenthum ist offen vor aller Augen da, und wer es erkennen will, findet der guten Belehrung genug. Wer ernst durch die bezeichneten, noch gar häufig gesetzlich autorisirten Mittel bekehrt worden, bringt der Kirche wahrlich keinen ehrenvollen Zuwachs, während der Widerstand, je schwächer der Mensch in irdischen Dingen zu seyn pflegt, offenbar die moralische Kraft, der Synagoge steigert, und ihr nur Achtung verschaffen kann! — Doch ich entferne mich zu sehr von meinem Gegenstande; man verzeihe mir diese Seufzer über die gegenwärtigen Zustände, welche selbst in dem aufgeklärten Deutschland noch nicht gehörig erkannt werden, wie das die Verhandlungen in <hi rend="italic">Sachsen</hi> insbesondere eben jetzt zur Genüge darthun. — Wir bedürfen in unsern Zeiten keines <hi rend="italic">R. Joseph Albo;</hi> wir vertrauen der fortschreitenden Civilisation und dem geraden Sinn und der sittlichen Richtung der Synagoge zu sehr, als daß wir glauben könnten, sie werde durch kleinliche Rücksichten erschüttert werden. Aber das Werk dieses Rabbiners hat für alle Zeiten historisch-literarischen Werth, und die gelehrte Welt wird es den Herren Uebersetzern Dank wissen, daß sie dessen Kenntniß durch eine gute Uebersetzung verbreiten. Wir liefern das 30ste Kapitel aus dem 2ten Abschnitte. </p>
         <p>(Folgt in der nächsten Nummer)</p>
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            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber: Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Rohm</hi>
            <hi rend="bold">. Maschinendruck.</hi>
            
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