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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 23. Aprill 1837, Nro. 33</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
               <persName ref="http://d-nb.info/gnd/1046474146"><forename>Beata</forename><surname>Mache</surname></persName>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
            <publisher>
               <email>mac@steinheim-institut.org</email>
               <orgName role="hostingInstitution"> Steinheim-Institut</orgName>
               <address><addrLine>Edmund-Körner-Platz 2, 45127 Essen</addrLine>
<country>Germany</country>
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               <orgName role="project">DISS</orgName>
            </publisher>
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                  <p>CC by-nc-sa</p>
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               <idno type="URL">http://www.deutsch-juedische-publizistik.de/pdf/universal-kirchenzeitung_033.pdf</idno>
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            <bibl type="J">
               Universal-Kirchenzeitung
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            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="33">
                     23. April 1837, Nro. 33
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                  <editor>
                     <persName ref="http://d-nb.info/gnd/187133182">
                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
                     </persName>
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               </titleStmt>
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                  <measure type="column">16</measure>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-04-23</date>
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                     <name>Varrenkamp</name>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <language ident="deu">German</language>
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            Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/>
            für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen, und israelitischen Deutschland's.
       <lb/> Frankfurt a. M., den 23. Aprill 1837. Nro. 33.</head>
        
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         <div type="inhalt">
         <head>
          Inhalt: 
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">Personal-Chronik der </hi>
            <hi rend="italic bold">Univ</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
            <hi rend="italic bold">-K.-Ztg.</hi>
            <hi rend="bold"> — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Kirchliche Zustände auf der Insel Island. 6. Die Geistlichkeit und ihr Einkommen. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>. <hi rend="italic">Portugal</hi>. <hi rend="italic">Lissabon;</hi> Verfall und trauriger Zustand des Religionswesens. — <hi rend="italic">Frankreich</hi>. <hi rend="italic">Paris</hi>; Unzufriedenheit über die Verbindung des Thronerben mit einer Lutheranerinn; Freigebigkeit der k. Familie; über die dem luth. Kultus zu übergebende kathol. Kirche; sogenannte franz.-kathol. Kirche der Chatelisten; prot. Bibelgesellschaft; Tod des Convertiten <hi rend="italic">Börne</hi>; Rückkunft des Hauptes der S. Simonisten; Beurlaubung der griech.-russ. Kapelle; öffentliche Indignation über einen Atheisten; Götzenbilder von Australien; Fürsorge für Guiana; Rückkehr eines Missionärs aus China; <hi rend="italic">Drach's</hi> Reise nach Frankreich; <hi rend="italic">Lille</hi>; Uebertritt einer engl. Familie; <hi rend="italic">Blois</hi>; wohlthätige Stiftung; statist. Notiz. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Mecklenburg</hi>-<hi rend="italic">Strelitz</hi>. <hi rend="italic">Neu</hi>-<hi rend="italic">Strelitz</hi>; Tod des rationalist. Superintendenten <hi rend="italic">Glaser</hi>. — <hi rend="italic">Preußen</hi>. <hi rend="italic">Berlin</hi>; Berufung des Propstes <hi rend="italic">Brinckmann</hi> an die kathol. Hedwigskirche; über die köln.-bonn. Angelegenheit; Gesetz; Erlaubniß zu einer neuen theol. Zeitschrift; <hi rend="italic">Breslau</hi>; Jubelfeier der barmh. Schwestern; <hi rend="italic">Mühlheim</hi> am Rhein; Zusammentritt der Lutheraner und Reformirten zur ev. Union; <hi rend="italic">Burtscheid</hi>; ev. Union. — <hi rend="italic">Oldenburg</hi>; statist. Notizen über die Verhältnisse der Katholiken. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> Rundschreiben an die oldenburgische und jeversche luth. Geistlichkeit. Vom Generalsuperintendenten Dr. <hi rend="italic">Böckel</hi>. Mitgetheilt vom Pfarrer Dr. <hi rend="italic">Wohlfarth</hi> (Schluß). <hi rend="italic">— </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Analogie zwischen den Ueberlieferungen verschiedener Völker, besonders der Chinesen, und den Erzählungen der Bibel. Von Dr. J. B. <hi rend="italic">Diehl</hi>, Subregens des Klerikal-Seminars zu Limburg (Schluß). — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Franz. Lit. Ch. <hi rend="italic">Lucas</hi>, de la reforme des prisons. Rec. vom k. bayr. Appellationsgerichts-Assessor K. <hi rend="italic">Samhaber</hi> in Aschaffenburg. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> S. <hi rend="italic">Bloch</hi>, la régénération. Rec. von Dr. <hi rend="italic">Creizenach</hi>. — Neue israelitische Zeitschrift. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi> |Sp. 0511| 
         </p>
         </div>
         <div type="pch">
      <head>Personal-Chronik der Universal-Kirchenzeitung.</head> 
      
         <p>
            <hi rend="italic bold">Mitarbeiter</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Correspondenten</hi>
            <hi rend="bold">:</hi>
         </p>
         <p>127) Consistorialrath F. S. <hi rend="italic">Frieß</hi>, Direktor des Unter-Consistoriums und gräft. isenburg-meerholzischer Hofprediger zu Meerholz.</p>
         <p>128) Domsekretär Dr. K. <hi rend="italic">Wüstefeld</hi> in Hildesheim.</p>
         <p>129) Gymnasial-Professor Dr. <hi rend="italic">Kreizner</hi> in Weilburg.</p>
         <p>130) Kirchenrath Dr. <hi rend="italic">Stephani</hi>, Ehrenritter des kön. bayer. Hausordens vom h. Michael, in Gunzenhausen.</p>
         <p>(Wird fortgesetzt.)</p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
         Kirchliche Zustände auf der Insel Island.
         </head>
         <p>6. <hi rend="italic">Die Geistlichkeit und ihr Einkommen.</hi>
         </p>
         <p>Die Geistlichkeit besteht größtenteils aus gebornen Isländern, und ein großer Theil wird aus den Schülern von Bessestad genommen, da nur sehr wenige Familien die Kosten aufzubringen vermögen, um ihre Söhne auf der Universität von Kopenhagen studiren zu lassen. Die Zahl der Kirchspiele auf der Insel soll sich auf ungefähr 194 belaufen; die der Geistlichen aber ist größer, da viele Kirchspiele zwei Kirchen haben, weil es, besonders im Winter, wo die rauhe, mit Schnee bedeckte Lava das Reisen gefährlich macht, fast unmöglich ist, daß die entfernt lebenden Bauern alle eine und dieselbe Kirche besuchen könnten. Die Zahl der Kirchen, nebst den Gebäuden, die man bei uns Kapellen nennt, beläuft sich auf ungefähr 300, und bei jeder ist ein Geistlicher angestellt. Die über die Zahl der eigentlichen Pfarreien oder Pfründen überzähligen Geistlichen dienen als Hilfspriester. Aus dem hohen Alter der meisten Pfründenbesitzer läßt |Sp. 0512| sich schließen, daß jährlich ungefähr nur vier Prozent, oder zwölf, absterben; nimmt man nun an, daß jeder Studirende zu Bessestad im Durchschnitt fünf Jahre bedarf, um seine Erziehung so weit zu vollenden, daß er auf ein Amt Anspruch machen kann, so werden jährlich nur acht geistliche Stellen besetzt, und das noch fehlende Drittheil muß daher von andern Seiten her gestellt werden. Dieser Seiten sind nun sehr viele, da die meisten Geistlichen, wie bereits gesagt, ihre Söhne zu Hause erziehen.</p>
         <p>Die Geistlichen verrichten gewöhnlich jede nützliche Arbeit selbst, da ihr Einkommen zu klein ist, als daß sie Taglöhner bezahlen könnten; und sehr oft sieht man einen Pfarrer in einer groben wollenen Jacke Torf graben, Heu mähen, und überhaupt jede ländliche Arbeit verrichten. Alle sind zugleich Grobschmiede und verstehen am besten von allen ihren Zunftgenossen auf der Insel, Pferde zu beschlagen, was, der rauhen Lava wegen, auf der die Hufen der Pferde außerdem bald verdorben seyn würden, allerdings eine beachtungswerthe Geschicklichkeit ist. Der allgemeine Sammelplatz der Bauern ist die Kirche, und hat eines der Pferde ein Hufeisen verloren, so nimmt der Geistliche sein Schurzfell vor, zündet das Kohlenfeuer in der Schmiede an, die sich bei jeder Pfarrei befindet, und macht sich an die Arbeit. Eine nicht wenig mühevolle Beschäftigung für ihn ist es auch, sich mit den nöthigen Holzkohlen zu versehen; so nahe oder fern auch das nächste kleine Gehölz von Zwergbirken seyn mag, dorthin muß er gehen, das Holz fällen, Kohlen brennen und sie auf dem Rücken seines Pferdes in seine Wohnung schaffen.</p>
         <p>Diese Lebensweise scheint nun freilich eben nicht mit dem Charakter eines Mannes verträglich, der bestimmt ist, seinen Pfarrkindern Religionsunterricht zu ertheilen. Sir George <hi rend="italic">Mackenzie</hi> sagt, daß der Geistliche <hi rend="italic">von Garde</hi>, genannt der Propst von <hi rend="italic">Goldbringe Syssel</hi>, und Superintendent aller geistlichen Angelegenheiten des ganzen Distrikts, so arm war, daß dieser geistliche Würdeträger in seiner Kleidung und äußern Erscheinung ein Bild bot, dessen nähere Beschreibung der Reisende seinen Lesern vorenthalten zu müssen glaubte. Dennoch besaß dieser arme Mann eine beträchtliche Sammlung von Büchern, und unter diesen Uebersetzungen von einigen Werken <hi rend="italic">Pope's</hi> und von <hi rend="italic">Young's</hi> Nachtgedanken. Der Anblick eines solchen Mannes muß für die Bauern eine kräftige Aufforderung enthalten, mit ihrem Loose zufrieden zu seyn, denn mancher von ihnen befindet sich in weit bessern |Sp. 0513| Umständen, als sein Pastor. Ob aber diese Gleichheit der Beschäftigung und der Kleidung, der Verbreitung der Religion, der Moralität und jener Achtung günstig sey, auf welche der geistliche Stand gerechten Anspruch hat, will ich nicht untersuchen. Auf der ganzen Insel steht der Pastor mit seiner Gemeinde, hinsichtlich der weltlichen Güter, so ziemlich auf gleicher Stufe; keiner ist reich, alle scheinen aber zufrieden mit ihrem Loose. Herr <hi rend="italic">Hooker</hi> gibt an, daß der Werth, der zu 134 Pfründen gehörigen Ländereien, sich nebst den Zehnten auf 6464 Reichsthaler belaufe, wonach auf jeden Pfründenbesitzer ungefähr 50 Rthlr. oder 10 Pfd. St. jährlich kommen; viele beziehen jedoch nur 30—40 Thaler jährlich. Sir George <hi rend="italic">Mackenzie</hi>, oder vielmehr Dr. <hi rend="italic">Holland</hi> und <hi rend="italic">Henderson</hi>, schlagen die jährliche Einnahme eines Pfründenbesitzers im Durchschnitt auf nicht mehr, als 34 oder 35 Thaler an, weshalb sie größtentheils von ihren Ländereien, ihrer Viehzucht und den geringen Gebühren leben müssen, welche ihnen Taufen, Trauungen und Begräbnisse eintragen. Der Bischof selbst bezieht nur 2000 Thaler des Jahrs, ein sehr geringes Einkommen, zu Bestreitung eines anständigen Aufwandes, den er zu machen genöthigt ist, und um gegen die Geistlichen, welche aus entlegenen Theilen der Insel nach Reikiavik kommen, Gastfreundschaft zu üben.<note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
               <p rend="sdfootnote1"> Dr. <hi rend="italic">Holland</hi> erhielt von dem Bischof <hi rend="italic">Vidalin</hi> eine Tabelle, auf welcher die Zahl der Kirchspiele, der Kirchen und der Einwohner der verschiedenen Distrikte verzeichnet stand; die Gesammtsummen waren folgende: 184 Kirchspiele, 305 Kirchen und 47,207 Einwohner. „Aus dieser Tabelle, sagt der Doktor, erhellt, daß sich in Island 184 Kirchspiele und 305 Kirchen befinden. Die Durchschnittszahl der Bewohner für jedes Kirchspiel ist 256 oder 257; auf jede Kirche kommen 155 Menschen. Das größte Einkommen beläuft sich aus 182 1/2, Thlr. und das kleinste auf 5 Thlr. (wovon jedoch nur zwei oder drei Beispiele vorkommen). Das gesammte Einkommen der isländischen Geistlichkeit (das des Bischofs ausgenommen) beträgt kaum 6400 Speziesthaler, wonach auf jedes Kirchspiel im Durchschnitt nicht mehr, als 34 oder 35 Thaler jährlich kommen."</p>
            </note>
         </p>
         </div>
     <div type="kn">
         <head>
           Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Portugal</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Lissabon</hi>, den 8. März. Wie weit es hier mit der <hi rend="italic">Verachtung kirchlicher Gebräuche</hi> gekommen ist, zeigt ein neuerlicher Vorfall in der Stadt <hi rend="italic">Beja</hi>, wo einige Ruhestörer eine der in der Fastenzeit gewöhnlichen feierlichen Prozessionen völlig auseinander sprengten. Dieß ist etwas ganz Unerhörtes in Portugal. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. Merk.)</hi>
         </p>
         <p>— den 18. März. Ein Artikel des Correio erzählt, eine Bittschrift des Verwesers des Bisthums von <hi rend="italic">Coimbra</hi> stelle vor, daß der Cultus in der Kathedrale beinahe ganz aufgehört habe, was eine große Unzufriedenheit im Volke hervorbringe. Er ersuche den Minister der Justiz und der geistlichen Angelegenheiten, die und die Geistlichen (lauter Miguelisten) dabei anzustellen, was der Minister auch gethan, um der Kirche einen Dienst zu erweisen. Ferner erzählt er, wie beinahe im ganzen Lande kein Kultus mehr existire, wie selbst in Lissabon die Kathedralkirche oft verschlossen sey, weil man die Domherren schon seit einem Jahr und die Benefiziaten seit 15 Monaten nicht bezahlt hätte, so daß sie ihren Dienst nicht verrichten könnten und auf andere Art ihren Lebensunterhalt zu suchen gezwungen wären. Sie ernährten sich durch Unterrichtgeben, sonst müßten sie verhungern. Da dieses in Lissabon sich zutrage, so könne man sich vorstellen, wie es in den Provinzen beschaffen sey. Es sey dieses übrigens gar nicht zu verwundern, da Hr. <hi rend="italic">Leonel</hi> auch öffentlich in dem Kongresse die Blasphemie ausgesprochen, daß Gott sich nicht um den religiösen Kultus bekümmere u. s. w. Aus diesem Wenigen, was seine volle Richtigkeit hat, kann man abnehmen, wie es hier gegenwärtig mit dem Kirchenwesen und der Gottesverehrung steht.</p>
         <p>— den 13. März. Am 6. März legte die dazu ernannte Kommission den Cortes ihre Vorschläge zur Abänderung der Constitution von 1820 vor. Der erste Hauptpunkt der neugemodel- |Sp. 0514| ten Verfassung lautet: "Die römisch-katholische Religion ist die ist die herrschende, jede andere wird geduldet."</p>
         <p>— den 22. März. Unter der Ueberschrift: "<hi rend="italic">Melancholische Nachricht</hi>" zeigt der Correio an, aus sicherer Quelle erfahren zu haben, daß ein Dekret zur Unterschrift der Königinn fertig liege, worin „der Mann der Synagoge, der verheirathete Geistliche, der Verächter der Religion, das babylonische Unthier, der neue Nabucho, das Thier der Apokalypse, der Besucher der Bordelle, der als Folge seiner Ausschweifungen faulige Krankheiten an sich trägt" — zum Coadjutor und einstigen Nachfolger des Kardinalspatriarchen ernannt sey; darauf redet er die Königinn folgendermaßen an: „Erhabene Königinn! wir wagen es, Ew. M. zu bitten, sich mit dem kraftvollen Muthe zu bekleiden, der in glücklicheren Tagen Ihren erhabenen, nie genug beweinten, Vater beseelte. Widersetzen Sie sich, selbst mit Gefahr, ein königsmörderisches Schwert zu erblicken, welches die Tyrannen vielleicht gegen Sie zu erheben wagen, dieser rasenden Verachtung der Religion unsrer Väter, welche derselben nicht nur das Siegel der Vernichtung aufdrücken, sondern auch einen ewigen Schandfleck auf die glorreiche Regierung Ew. M. werfen würde, schmachvoller noch, als die Regierung <hi rend="italic">Elisabeth's</hi> von England durch die Hinrichtung der <hi rend="italic">Maria Stuart</hi> befleckt wurde."— Weiter unten in den politischen Miscellen steht: "Sey gegrüßt, lusitanische Kirche! erfreue Dich, Du wirst das goldene Zeitalter erleben: der allerleuchtetste, der frömmste und exemplarischste hochwürdige Staatsminister der Marine und Justiz (Vieira de Castro) ist zum Coadjutor und künftigen Nachfolger des Kardinals-Patriarchen, <hi rend="italic">Patricius</hi> I. ernannt." </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Frankreich</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Paris</hi>, 3. Aprill. Der "<hi rend="italic">Ami de la Religion</hi>" beklagt in Beziehung auf die bevorstehende Vermählung Sr. königl. Hoh. des Herzogs von <hi rend="italic">Orleans</hi> mit Ihrer königl. Hoh., der Prinzessinn <hi rend="italic">Helene Elisabethe Louise von Mecklenburg</hi>-<hi rend="italic">Schwerin</hi>, daß eine <hi rend="italic">lutherische</hi> Prinzessinn Frankreich's künftige Königinn seyn wird. Dieses Blatt sagt: Es habe anfangs gar nicht daran glauben können, daß, während Europa so viele katholische Fürstenfamilien darbiete, man sich dennoch an ein protestantisches Haus gewendet habe. Noch niemals habe ein französischer Thronerbe eine nichtkatholische Prinzessinn geheirathet, und das Haus <hi rend="italic">Orleans</hi> hätte sich diesem, auf hohe Convenienzen, wie auf Motive einer höheren Ordnung gegründeten, Gebrauche fügen sollen. Als <hi rend="italic">Philipp</hi> Herzog von <hi rend="italic">Orleans</hi>, Bruder <hi rend="italic">Ludwig's</hi> XIV., die pfalzgräfliche Prinzessinn <hi rend="italic">Elisabetha Karolina</hi> geheirathet, sey dieselbe vor ihrer Vermählung katholisch geworden. Wolle man sich etwa auf den Zeitgeist unseres Jahrhunderts beziehen, welcher solche Religionswechsel verabscheue? Es sey möglich, daß in den Augen der Indifferenten ein solcher Wechsel, als ein Akt der Politik, oder der Schwäche erscheine. Allein die andern Katholiken, welche fest glauben, ihre Religion wäre die einzig sichere, könnten nicht ohne Besorgniß eine Prinzessinn nach Frankreich kommen sehen, welche sich nicht zu dieser Religion bekenne. Es wäre dieß eine neue Stütze für den Protestantismus, welcher bereits überall Eingriffe mache. Es könne daraus leicht ein Zankapfel werden, und Frankreich bedürfe eben keiner neuen Gegenstände der Spaltung. Eine katholische Familie sollte nur wünschen, eine Katholikinn in ihren Schooß aufzunehmen. Alle protestantischen Prinzessinnen, welche russische Prinzen geheirathet, seyen zur griechischen Religion übergetreten. Die Prinzessinn <hi rend="italic">Helena von Mecklenburg</hi> möchte daher nur katholisch werden; sey ja doch einer ihrer Vorfahren, <hi rend="italic">Christian Ludwig</hi>, regierender Herzog von <hi rend="italic">Mecklenburg</hi>, 1663 in Paris auch katholisch geworden, <hi rend="italic">Ludwig XIV</hi>. sey ihm zu Gevatter gestanden. Als man im Jahr 1815 für den Herzog <hi rend="italic">von Berry</hi> eine Gemahlinn gesucht, sey man in der Wahl auf eine russische Prinzessinn verfallen. Man übertrieb die politischen Vortheile einer solchen Allianz; <hi rend="italic">Hr</hi>. <hi rend="italic">von Talleyrand</hi> zeigte aber in einer Denkschrift, daß ein französischer Prinz nur eine Katholikinn heirathen könnte, und das Heirathsprojekt mit einer Russinn wurde aufgegeben, aus Achtung für die Meinung des Veteranen der Diplomatie. Alles scheine also hier die Bahn zu bezeichnen, die man einzuschlagen habe: die Prinzessinn <hi rend="italic">Helena </hi>müsse als Kronprinzessinn von Frankreich Katholikinn werden. |Sp. 0515| </p>
         <p>— Es zeigt sich seit Kurzem eine ungewöhnliche Freigebigkeit in der königl. Familie für religiöse Anstalten. Man legt diese als eine Schadloshaltung für die von den gesetzgebenden Gewalten und den Administrations-Behörden vielfach jenen Anstalten widerfahrenen Hemmungen und Beschwerungen aus, die jüngsthin erfolgten Aussprüche des Staatsrathes gegen den Erzbischof von <hi rend="italic">Paris</hi> und das Domkapitel daselbst, nicht ausgeschlossen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Hanauer Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>† — Man lies't im <hi rend="italic">Moniteur</hi>: „Einige Journale beschäftigen sich voreilig mit Fragen, die noch entfernt liegen, und untersuchen was aus der Maria-Himmelfahrts-Kirche werden wird, wenn die Magdalenenkirche dem katholischen Cultus geöffnet wird. Zuvörderst aber ist die Magdalenenkirche noch lange nicht beendet; die Magdalenenkirche ist auf Rechnung des Staates erbaut und ausgeschmückt. Zwei oder drei Jahre werden vielleicht noch hingehen, bevor die Arbeiten der Kunst zu ihrer Ausschmückung vollendet seyn werden; dann erst wird der Staat ohne Zweifel die Magdalenenkirche der Stadt Paris wieder zustellen. Dann erst wird der Munizipalrath und die Verwaltung die Frage untersuchen, ob die Maria-Himmelfahrts-Kirche aufgehoben werden kann, oder ob das Bedürfniß des katholischen Kultus, ihren Gebrauch erheischt; aber weder die Verwaltung, noch der Munizipalrath werden die gegen die andern christlichen Kulte eingegangenen Verpflichtungen vergessen.</p>
         <p>Die Dekrete des Kaisers verfügten, daß vier Tempel für sie in Paris bestimmt werden sollten. Erst drei wurden ihnen eröffnet. Panthemont, das ihnen übergeben werden sollte, wird seit langer Zeit für den Kriegsdienst verwendet. Die Stadt reklamirt fortwährend gegen diese Bestimmung, und ihre Schritte werden fortwährend auf eine Erfüllung der positiven Versprechen der Regierung gehen, und wenn die religiösen Pflichten der protestantischen Communionen die Anwendung neuer Kirchen nothwendig erheischen würden, so würde die Stadt ohne Zweifel nicht anstehen, sie auf Miethe zu nehmen, wie sie schon früher in Paris zum Dienste der Kirchensprengel mehrere Kirchen gemiethet."</p>
         <p>So proklamirt der <hi rend="italic">Moniteur</hi>, und macht sich selbst groß damit, was weniger authorisirte Blätter und wir selbst bereits behauptet hatten. Die oberste Gewalt maßt sich die Disposition über unsere Kirchen eben so an, wie sie über die Wohnung unserer Bischöfe verfügt. Morgen untersucht der Municipal-Conseil, vereint mit der Verwaltungsbehörde, ob man die Maria-Himmelfahrts-Kirche eingehen lassen kann; warum sollten sie nicht übermorgen untersuchen, ob St. Sulpice, St. Eustach, St. Roch oder gar selbst die Kathedrale, welche dem katholischen Gottesdienste eingeräumt sind, nicht geeigneter für die Lutheraner, oder gar für Châtel wären.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Napoleon</hi> räumte die Kirchen den Bischöfen wieder ein; die heutige Staatsgewalt übergibt sie den Gemeinden und der Stadt Paris. So zwingt man die Religion in mehreren Beziehungen auf ihre Unabhängigkeit, das Verschwinden der Epoche des härtesten Despotismus, der jemals auf Frankreich und auf ihr lastete, zu bedauern. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>— Das Annonçen-Machen geht sogar bis in den Bereich der Religion und des Gewissens. Der Abbé <hi rend="italic">Ch</hi>â<hi rend="italic">tel</hi>, Oberpriester der französisch-katholischen Kirche zeigt im <hi rend="italic">Constitutionnel</hi> an, daß am Ostertage 3000 Personen das h. Abendmahl genommen hätten.</p>
         <p>Niemand wird sich über den Zweck einer solchen Anzeige irren. Wenn sie nur das Ziel hätte, ein Wiedererwachen und Vermehren der religiösen Gefühle glauben zu machen (obgleich wir den Cultus der sogenannten französischen Kirche nur für eine Mummerei halten), so wären wir doch die Ersten, welche applaudiren würden; denn es ist bestimmt noch besser, an den Gott des Abbé <hi rend="italic">Ch</hi>â<hi rend="italic">tel</hi>, als an gar nichts zu glauben; unglücklicherweise aber sieht man, wenn man sich an das Erscheinen des Abbé vor dem Zuchtpolizeigericht und an seine Diskussionen mit seinem Huissier erinnert, daß der Bischof und Primas die Anzeige, daß 3000 Personen in seiner Kirche Ostern hielten, gerade so machte, als wenn der Direktor von Porte St. Martin anzeigt, daß sein Theater nicht leer wird. — Dieß ist der auf Religion angewandte Charlatanismus. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Ztg. d. Ober- u. Nieder-Rheins)</hi>
         </p>
         <p>— <hi rend="italic">Die Bibelgesellschaft für Frankreich und das Ausland</hi> hat seit der letzten Jahresversammlung im Aprill bis zum Oktober 20,000 Abdrücke der heiligen Schrift vertheilt. Zu |Sp. 0516| den neuen Maßregeln, die sie ergriffen hat, gehört die, daß sie jedem jungen Menschen, der zum Soldatendienst ausgeloos't ist, ein Neues Testament zustellt. Zu dem Ende sucht sie sich die Listen derer, die das Loos getroffen hat, zu verschaffen, und zwei eifrige Mitglieder tragen jedem Soldaten das Neue Testament in seine Behausung. — Die Franzosen sind doch mit einer eigenthümlichen Erfindungskraft begabt. Gut, daß sie das sind. Nun können andre Bibelgesellschaften, die von selbst nicht auf dergleichen Einfälle kommen, doch desgleichen thun. — Von einigen Orten, wo Garnisonen liegen, oder sich Soldaten-Hospitäler befinden, sind von Freunden des Reiches Gottes Bitten eingegangen, sie doch mit Bibeln zu versehen, theils um sie den kranken Soldaten zuzustellen, damit sie auf ihrem Lager, wo Mancher zur Besinnung kommt, Gottes Wort haben; theils um sie unter die gesunden zu vertheilen, welche zur Zeit des Wachdienstes sowohl, als wenn sie von demselben frei sind, so sehr an Langeweile leiden sollen, daß sie zum Zeitvertreibe entweder die schlechtesten Bücher lesen, oder sonst allerlei treiben, wodurch sie sich zugleich um die selige Ewigkeit bringen. — Der Vorstand der Bibelgesellschaft hat es begriffen, daß Soldaten auch Seelen haben, und die verlangten Bibeln bewilligt.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Berged. Bote)</hi>
         </p>
         <p>* — Am 12. Febr. Abends um zehn Uhr starb der bekannte <hi rend="italic">Dr</hi>. <hi rend="italic">Ludwig Börne</hi> aus Frankfurt a. M., früher Israelit, dann Protestant. Am 15. desselben Monats fand sein Leichenbegängniß statt.</p>
         <p>— Der st. simonistische Papst <hi rend="italic">Pater Enfantin</hi> ist aus Egypten nach Paris zurückgekehrt. Er scheint im Orient schlechte Geschäfte gemacht zu haben. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. Merk.)</hi>
         </p>
         <p>— Im Januar d. J. ist die russische Kapelle hierselbst von Dieben rein ausgeplündert worden. Namentlich haben sie eine Menge silberner Gefäße, die zum Gottesdienste gehören, entwendet.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(K. priv. Berlin. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>— In der "Charte von 1830" lies't man: Folgendes Ereigniß scheint uns der Beachtung werth. Es handelt sich von einer lauten, eclatanten Protestation gegen die atheistischen und irreligiösen Aeußerungen, die nur zu unzertrennlich von allen, die gesellschaftliche Ordnung umwälzenden Grundsätzen sind. Dieses Mal wenigstens wird die Erfahrung bewiesen haben, daß Ort und Zeit schlecht gewählt warm. Dieß hatte im Theater der Porte St. Martin bei einer der letztern Vorstellungen des schrecklichen Drama's "Der Thurm von Neste" statt. In dem Augenblick, wo eines der zahlreichen Schlachtopfer den Todesstreich empfangen soll, zeigt ihm dieses sein Nachrichter liebreich mit den Worten an: „Nun bleibt Dir nichts übrig, als Deine Seele Gott zu empfehlen." — „Es gibt keinen Gott", ruft einer der Zuschauer. — Ein heftiger Tumult erhebt sich gleich im Saale; die Szene wird unter Lärmen und Flistern mit großer Mühe beendiget. Kaum aber ist sie beendigt, als das Geschrei: vor die Thüre! vor die Thüre! mit einer wenig gewöhnlichen Kraft beginnt. Die Loge, woraus der Ausruf kam, wird, so wie das Individuum, das ihn ertönen ließ, durch das ganze Publikum bezeichnet; der Tumult wird so groß, daß die Polizei genöthigt ist, einzuschreiten. Ungeachtet des lebhaftesten Widerstandes wird der Ruhestörer durch die Munizipal-Gardisten aus dem Saale geschleppt. Beifall erschallt von allen Seiten und das Stück wird ruhig bis zu Ende gespielt.</p>
         <p>† — Man meldet aus <hi rend="italic">Havre</hi> das Einlaufen eines Schiffes aus der <hi rend="italic">Südsee</hi>, welches einige Kisten für den Hrn. Erzbischof von <hi rend="italic">Paris</hi> und für den Hrn. Bischof von <hi rend="italic">Nancy </hi>am Bord hatte, deren Eröffnung die Zollbehörde verlangte. Sie enthielten <hi rend="italic">Götzenbilder</hi>, welche die Missionäre nach Europa sendeten. In der That wissen wir bereits, daß die Missionäre von <hi rend="italic">Picpus</hi>, welche das Licht des Glaubens nach den <hi rend="italic">Gambiers</hi>-Inseln verpflanzt haben, es dahin brachten, den Eingebornen Widerwillen gegen die Anbetung der Götzenbilder einzuflößen, und daß sie den Entschluß gefaßt hatten, einige dieser Bilder nach Paris zu senden, um darzuthun, wie tief jene Völker noch in dem Aberglauben versunken wären. Zugleich wird bemerkt, daß man nichts Häßlicheres sehen könne, als diese Götzenbilder. Das zugegeben, so ist wieder nichts schöneres, als einen so schändlichen Götzendienst zu Boden gestürzt zu haben. Haben die schönen Künste demnach wenig Gewinn aus der groben Arbeit dieser Denkmäler zu erwarten, so stimmen doch Religion und Menschheit in das Lob über den Eifer, die Ausdauer und den Erfolg |Sp. 0517| der edelmüthigen Missionäre überein, die in so ferne Gegenden sich der Verbreitung des Glaubens widmeten und den wahren Gottesdienst an die Stelle eines herabwürdigenden Aberglaubens setzten. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Ami de la Religion)</hi>
         </p>
         <p>† — Es ist die Rede davon, im französischen <hi rend="italic">Guiana</hi> eine Anstalt zu begründen, um die Indianer und freien Neger zu colonisiren. Der Sitz derselben soll zu <hi rend="italic">Mapa</hi> auf der Gränze zwischen dem französischen und portugiesischen Guiana seyn. Zwei Geistliche sollen den Religions-Unterricht ertheilen und den Gottesdienst verrichten. Noch hat man keine Wahl getroffen, Geistliche aber, welche sich diesem Berufe in einer so entlegenen Mission, mit Genehmigung ihrer Bischöfe widmen wollen, können sich an den Hrn. Abbé <hi rend="italic">Fourdinier</hi>, Superior des Seminars zum heil. Geist, auf der Poststraße in Paris, wenden, wo sie die erforderlichen Nachweisungen erhalten.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Ami de la Religion)</hi>
         </p>
         <p>† — den 22. Febr. Abbé <hi rend="italic">Jurines</hi>, Priester aus der Diözese <hi rend="italic">Puy</hi>, ist vor einigen Tagen aus <hi rend="italic">China</hi> hier angekommen, wohin er 1833 von dem Seminar der fremden Missionen gesendet wurde. Während seines kurzen Aufenthaltes in Asien hatte dieser achtbare Geistliche Gegenden besucht, wohin vor ihm kein Europäer vorgedrungen war. Theils seine wankende Gesundheit, theils die Notwendigkeit, als Direktor in das Seminar der fremden Missionen einzutreten, veranlaßten ihn, sich von Völkern zu trennen, zu denen er als Verkündiger des Evangeliums gekommen war. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>† — <hi rend="italic">Hr</hi>. <hi rend="italic">Drach</hi>, ein bekehrter Rabbiner, der sich seit einiger Zeit zu <hi rend="italic">Rom</hi> aufgehalten, (woselbst er 1827 zum katholischen Glauben übertrat, Bibliothekar des Herzogs <hi rend="italic">von Bordeaux </hi>und darauf im <hi rend="italic">Vatikan</hi> wurde) ist, (bloß in seinen Privat-Angelegenheiten), nach Frankreich zurückgekehrt. Ihn begleitet eine seiner Töchter, die in ein Kloster zu gehen gedenkt, während eine andere sich bereits zu Rom bei den <hi rend="italic">Frauen zum heiligen Herzen</hi> dem klösterlichen Leben widmet. Sein Sohn befindet sich im Collegium der <hi rend="italic">Propaganda</hi>, wo er sich für die Mission von China vorbereitet. So hat sich diese ganze Familie (bis auf die Mutter, welche sich beharrlich von ihrem Manne entfernt hält, und Jüdinn bleibt) Gott geweihet. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Lille</hi>, den 22. Januar. Zu <hi rend="italic">Vazemmes</hi>, unweit von hier, ist eine englische Familie, bestehend aus der Mutter und 4 Töchtern, in den Schooß der katholischen Kirche zurückgekehrt. Abschwörung und Taufe fanden am 12. d. M. statt. Der Dechant von der hiesigen St. Stephanskirche verrichtete im Beistand des Pfarrers von <hi rend="italic">Vazemmes</hi>, der die Fremdlinge vorbereitet hatte, die Ceremonie. Die beiden ältesten Töchter besuchten seit einiger Zeit die hiesige Schwestern-Schule. Die Mutter erklärte, sie selbst sey weder getauft worden, noch habe sie ihre Kinder taufen lassen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Ami de la Religion)</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Blois</hi>. Im Kirchspiele <hi rend="italic">Anthon</hi>, Diözese Blois, ist durch Fürsorge und größtentheils durch eigene Freigebigkeit des Hrn. Abbé <hi rend="italic">Marceau</hi> eine wohlthätige Stiftung begründet worden. Zwei Nonnen aus Vendôme sind berufen worden, die Leitung derselben zu übernehmen. Ihre Beschäftigung besteht in Kranken besuchen, körperlicher und geistiger Pflege derselben, und im Unterrichten junger Mädchen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>* — Nach officiellen Angaben bestand zu Anfang 1836 das Personal der römisch-katholischen Geistlichkeit in Frankreich aus nachstehenden Elementen: Erzbischöfe 14 (wovon drei Kardinäle); Bischöfe 66; General-Vikare 174; Chorherrn 660; Pfarrer erster Klasse 767; Pfarrer zweiter Klasse 2634; Pfarr-Verweser (desservans), 26,776; Vikare 6,184; Kapitel von St. Denis 21. Im Ganzen 37,296 geistliche Personen. Der Staat hat 16 Kathedral-Kirchen zu unterhalten. Er bezahlt ebenfalls 3500 Stipendien in die Priester-Seminarien.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Deutschland</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Mecklenburg</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Strelitz</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Neu</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Strelitz</hi>. Am 21. März ist dahier der mecklenburg-strelitzische Superintendent <hi rend="italic">Glaser</hi> verstorben, ein Mann noch |Sp. 0518| aus der in sich gänzlich verkommenen und mehr und mehr auch im äußern Daseyn verkommenen Schule <hi rend="italic">Henke's</hi>, die den hohlsten, wenn auch zuweilen schwülstigen Denkglauben predigt. Der Verstorbene war schon länger unthätig, ohne eigentlich in Ruhestand versetzt zu seyn; seine Pfarrgeschäfte besorgte der Gehilfsprediger <hi rend="italic">Ohl</hi>, dessen erfreulicher Rede bei Gelegenheit der Einsegnung des Erbprinzen man sich erinnert. Da ein Superintendent in Mecklenburg-Strelitz dieselbe Bedeutung hat, wie anderswo ein General-Superintendent, so konnte das kirchliche Wesen durch <hi rend="italic">Glaser's</hi> Unthätigkeit nicht anders, als in's Stocken gerathen. Es verlautet nun, daß der bisherige Consistorial- und Schul-Rath <hi rend="italic">Kämpffer</hi>, ein geistvoller und wahrhaft christlicher Mann, zum Hofprediger und Superintendenten ernannt sey, während der bisherige ältere Consistorial-Rath <hi rend="italic">Visbeck</hi>, ein 71jähriger Greis, zum Ober-Consistorial-Rath ernannt sey. — Das wolle der Herr wahr seyn lassen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Berged. Bote)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Preußen</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Berlin</hi>, den 5. Aprill. Des Königs Majestät haben den Domherrn <hi rend="italic">Brinckmann</hi> zu Trier zum Propst an der kathol. Kirche zu St. Hedwig hierselbst und zu der damit verbundenen Würde eines Ehren-Domherrn am St. Johannis-Stift zu Breslau Allergnädigst zu ernennen geruht. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Pr. Stsztg.)</hi>
         </p>
         <p>— den 6. Aprill. Die bekannten Differenzen, welche sich, nach einigen Blättern, zwischen dem rheinischen Klerus und unserm Ministerium des Kultus entwickelt haben, sollen auf eine Weise beigelegt seyn, welche weder das Interesse der Kirche, noch das der Regierung verletzen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Frankf. Journ.)</hi>
         </p>
         <p>— den 8. Aprill. Die nach dem neuesten Stücke der Gesetz-Sammlung unterm 25. Februar d. J. an die Geheimen Staatsminister, Freiherrn <hi rend="italic">von Altenstein</hi> und <hi rend="italic">von Kamptz</hi>, ergangene Allerhöchste Kabinetsordre, wegen Ausschließung der Oeffentlichkeit bei Verhandlungen von Religions-Angelegenheiten und kirchlichen Verhältnissen, lautet also;</p>
         <p>"Da die öffentliche Verhandlung von Religions-Angelegenheiten und kirchlichen Verhältnissen unter obwaltenden Umständen eine gemeinschädliche Aufregung und selbst Aergerniß zu veranlassen geeignet ist, so bestimme Ich, auf Ihre gemeinschaftlichen Berichte vom 9. Dezember v. J. und 31. v. M., daß der Justizminister, auf den Antrag des Ministers der geistlichen Angelegenheiten, die Ausschließung des öffentlichen Verfahrens, sowohl in Civil- als in Strafsachen, anordnen soll, wenn von der zu erwartenden Erörterung religiöser und kirchlicher Angelegenheiten Aufregung oder Aergerniß zu besorgen ist. Sobald in solchen Fällen das öffentliche Ministerium oder die Verwaltungs-Behörde eine Berufung auf die Entscheidung der Ministerien einlegt, ist das weitere Verfahren von den Gerichten auszusetzen, bis die Vorbescheidung des Justizministers eingeht. Sie haben diesen Befehl durch die Gesetzsammlung bekannt zu machen.</p>
         <p>Berlin, den 25sten Februar 1837.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Friederich Wilhelm</hi>."</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(K. priv. Berl. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>— den 12. Aprill. Es ist in öffentlichen Blättern die Rede davon gewesen, daß der Buchhandlung <hi rend="italic">Dunker</hi> und <hi rend="italic">Humbold</hi> in Berlin die Herausgabe einer Wochenschrift unter dem Titel: "Christliche Blätter" nicht gestattet worden ist, weil nach "einem Allerhöchsten Befehl der Vermehrung der Zeitschriften entgegengewirkt werden soll." Wie es aber so ganz und gar nicht in des gerechten Königs Absicht gelegen hat, daß eine so buchstäbliche Anwendung von einem Befehl gemacht werde, der nur flachen, schalen Flugblättern gelten sollte, geht daraus hervor, daß, sobald der Buchhändler <hi rend="italic">Dunker</hi> Se. Maj. selbst von seiner Absicht und jener Entscheidung in Kenntniß gesetzt hatte, Se. Maj. Höchstselbst die Erlaubniß zur Eröffnung der gedachten Zeitschrift, und dem Vernehmen nach zugleich eine Deklaration an die hohen Ministerien erließ, wie Se. Maj. jenen Befehl verstanden wissen wollte. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. M.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Breslau</hi>, den 10. Aprill. Gestern feierte der hiesige Konvent der Elisabetherinnen das einhundertjährige Jubiläum der Stiftung seines Klosters und seiner Armen-Anstalt. Die ersten |Sp. 0519| von Prag nach Schlesien berufenen geistlichen Schwestern dieses wohlthätigen Ordens waren zwar schon am 2. Aprill des Jahres 1736 in Breslau angekommen, indeß hatten sie vor Begründung ihrer neuen Stiftung manche Hindernisse zu besiegen, so daß erst im Jahre 1737 am 2ten Sonntage nach Ostern die erste Oberinn, <hi rend="italic">Maria Johanna</hi>, von dem damaligen fürstbischöflichen Herrn General-Vikarius Adam Anton <hi rend="italic">Oexle</hi> von Friedberg in ihr Amt eingeführt, der Konvent für konstituirt erklärt, und die Kranken-Anstalt eröffnet wurde. Die gegenwärtige Frau Oberinn und der ehrwürdige Konvent gedachten die einhundertjährige Jubelfeier dieses Ereignisses — den beschränkten Verhältnissen des Klosters gemäß — nur durch ein kirchliches Dankfest in möglichster Einfachheit auszuzeichnen, und hatten den, dem Kloster so wohlgesinnten, gegenwärtigen fürstbischöflichen General-Vikarius, infulirten Prälaten, <hi rend="italic">Herrn von Montmarin</hi>, gebeten, an diesem festlichen Tage in der Klosterkirche zu St. Anton ein feierliches Hochamt halten zu wollen. Allein Se. fürstbischöfliche Gnaden, der <hi rend="italic">hochwürdigste Herr Fürstbischof Leopold Graf von Sedlnitzky</hi>, Hochwelche bereits bei Ihrer Konsekration dem Konvente Ihre hohe Gnade auf die huldvollste Weise dargethan hatten, erfuhren kaum die bescheidene Absicht der Frau Oberinn, als Hochdieselben auch zugleich im gnädigsten Wohlwollen zu bestimmen und zu veranlassen geruhten, daß dieses seltene, nicht nur für den Konvent, sondern für die Diöcese und das ganze Vaterland wichtige und hocherfreuliche Fest durch eine erhöhte und solenne Feier verherrlicht werde, indem die Kranken-Anstalt des Klosters für arme Unglückliche aus dem ganzen Vaterlande geöffnet sey. Es begann demnach gestern um 9 Uhr des Morgens in der Klosterkirche zu St. Anton ein feierlicher Gottesdienst. Nach der vom Curatus Dr. <hi rend="italic">Sauer</hi> gehaltenen Festpredigt über 2. Mos. 15, 2, hielten Sr. Hochwürden Gnaden, der Herr Dom-Dechant, ein solennes Pontifikal-Amt, und stimmten nach dessen Beendigung das Te Deum an. Der vom Dom-Kapellmeister Herrn <hi rend="italic">Hahn</hi> dirigirte, zahlreich besetzte Chor führte eine Messe von <hi rend="italic">Beethoven</hi> trefflich aus. <hi rend="italic">Se</hi>. <hi rend="italic">fürstbischöfliche Gnaden</hi>, Se. Excellenz der kommandirende General Herr Graf <hi rend="italic">von Zieten</hi>, eine Deputation des hochlöblichen Magistrats und der Stadtverordneten, so wie viele der höchsten und hohen Herrschaften, nahmen auf dekorirten Plätzen an dem vollständigen Gottesdienste Theil, und die für diesen Tag viel zu beschränkte Kirche vermochte nicht alle jene aufzunehmen, welche herbeiströmten; um so mehr verdient es aber besonderer Erwähnung, daß während des ganzen Gottesdienstes, sowohl in der Kirche, als außerhalb derselben, die feierlichste Ruhe herrschte. Um 2 Uhr des Nachmittags waren <hi rend="italic">auf Veranlassung eines ungenannten hohen Gönners und Wohlthäters</hi> der Anstalt, die höchsten geistlichen-, Militär- und Civil-Behörden und einige ausgezeichnete Freunde des Klosters — so weit es der beschränkte Raum gestattete — in dem Speisesaale des Konvents zu einem Mittagsmahle versammelt. Auf daß auch die in der Anstalt befindlichen armen Kranken dieses Tages sich freuen sollten, reichte ihnen die Frau Oberinn ein—ihren Krankheitsverhältnissen angemessenes Festtagsmahl, und ließ den großen Kraankensaal mit grünen Kränzen festlich zieren. So endete die für das Kloster denkwürdige und für jeden edlen Menschenfreund höchst interessante Feier. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schles. Kirchenblatt)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Mühlheim</hi>
            <hi rend="bold"> am </hi>
            <hi rend="italic bold">Rhein</hi>. Dahier bestanden seither zwei, dem Bekenntnisse und dem Kirchensysteme nach, von einander getrennte evangelische Gemeinden, eine lutherische und eine reformirte. Veranlaßt durch das fünfzigjährige Kirchweih-Fest der im Jahre 1784 zerstörten, im Jahre 1787 wieder im Bau vollendeten lutherischen Kirche, brachte der lutherische Prediger <hi rend="italic">Nöll</hi> daselbst die Union der beiden Gemeinden in Anregung. Die in den letztern Monaten darüber gepflogenen Verhandlungen haben zu einem sehr erwünschten Resultate geführt. Trotz der Schwierigkeiten, die insonderheit das beiderseitig vorhandene Kirchenvermögen auch hier machte, ist eine vollständige Union zu Stande gekommen. Da die lutherische Kirche für beide Gemeinden groß genug ist, wird die ältere reformirte Kirche wahrscheinlich ganz aufgegeben und verkauft werden. Uebrigens sollen immer zwei Prediger an der nunmehr vereinigten Gemeinde bleiben. Das Fest der glücklich vollzogenen Union sollte am Sonntage nach Ostern begangen werden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Der Kirchenfreund f. d. nördl. Deutschl.)</hi>
         </p>
         <p>|Sp. 520| <hi rend="italic bold">Burtscheid</hi>, den 3. Aprill. Gestern fand auch<hi rend="italic"> bei </hi>uns der feierliche Akt statt, durch den die Union der beiden evangelischen Konfessionen unserer Stadt eingeweiht wurde. Nirgends konnte dieselbe länger und besser vorbereitet seyn, als hier, und mit Recht mochte daher unser würdiger Pastor, Hr. <hi rend="italic">Brauß </hi>in einer trefflichen Predigt den Gedanken aussprechen, daß eine jede Vereinigung nicht von außen erzielt werden, sondern von innen heraus als Nothwendigkeit erscheinen müsse, und daß gerade dieser Fall hier am schönsten an's Licht trete. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Oldenburg.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Oldenburg</hi>. Das Großherzogthum Oldenburg (von der Nordsee von Hannover und dem Freistaate Bremen eingeschlossen) zählt gegen 240,000 Einwohner, von denen der größte Theil lutherisch ist; 6800 bekennen sich zur katholischen Religion und 2000 zur reformirten. Die katholischen Unterthanen des Großherzogs <hi rend="italic">Paul Friederich August</hi> gehören, mit Ausnahme der wenigen im Fürstenthum Birkenfeld, jenseit des Rheins, zur Diöcese <hi rend="italic">Münster.</hi> Sie wohnen vorzüglich in den Aemtern Vechta und <hi rend="italic">Kloppenburg</hi>, die ehemals zum Gebiete des Fürstbischofs von Münster gehörten und durch den Reichsdeputationsschluß vom Jahre 1802 an Oldenburg gekommen sind. Die Katholiken Oldenburg's haben über Druck unter der protestantischen Regierung sich keinesweges zu beklagen. Es haben sich die Worte des seligen Dr. <hi rend="italic">Driver</hi>,<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="footnote text"> Dr. Friedrich Matth. <hi rend="italic">Driver</hi> in der Zueignung seiner „Beschreibung des Amts Vechta im Niederstift Münster." Münster 1803.</p>
            </note> die er im Jahre 1803 an den damaligen Regenten <hi rend="italic">Oldenburg's</hi>, den Herzog <hi rend="italic">Peter Friederich Ludwig</hi> richtete, bisher bewährt. Er sagt nämlich zuerst, daß es eine freudevolle Nachricht für die Bewohner der Aemter Kloppenburg und Vechta gewesen, daß sie den Staaten des Herzogs von Oldenburg einverleibt werden würden, und fügt dann hinzu: "Dieses Häuflein Volks, das nur einen Theil Höchstdero Unterthanen ausmacht, ist im Ganzen an thätiges Christenthum, Arbeit, Sparsamkeit und Genügsamkeit gewöhnt, und sucht in der strengen Erfüllung seiner ihm als Staatsbürgern und Hausvätern obliegenden Pflichten seinen einzigen Ruhm und Beruhigung; es kann also mit Recht auf die höchste Huld seines neuen Regenten Anspruch machen."</p>
         <p>Die Regierung ist zufrieden mit den Unterthanen und umgekehrt. Rühmliche Erwähnung verdient es, daß der Großherzog jedem angehenden katholischen Geistlichen seines Landes den Titulus sustentationis ertheilt; während diesen im königl. preußischen Antheil der Diöcese Münster der reiche, im Allgemeinen religiöse und kirchliche Adel zu schenken pflegt. Da jetzt in der Regel nicht mehr Geistliche geweiht werden, als nöthig sind, so wäre es sehr zu wünschen, daß das Tisch-Titelwesen besser geordnet und eingerichtet würde. —</p>
         <p>Wegen der großen Entfernung von Münster, dem Sitze des Bischofes, besteht zu Vechta ein bischöfliches Officialat. Diesem sind das Decanat Vechta mit 13 Pfarreien, das Decanat Kloppenburg mit 16 Pfarreien und das Decanat Neuenkirchen mit 3 Pfarreien, so wie die kathol. Pfarrgemeinde in der Stadt Oldenburg und in der Stadt Jever untergeordnet. —</p>
         <p>Der katholische Klerus Oldenburg's ist sehr achtungswerth wegen seines kirchlichen Sinnes, Eifers und Wandels. Die übrigen Katholiken dieses Landes sind einfach, natürlich, sittlich, und bezeugen große Anhänglichkeit an ihre heil. Religion, besonders zeichnen sich die im Kloppenburgischen wohnenden <hi rend="italic">Saterländer</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
                     <p rend="footnote text"> Das Saterland, bestehend aus den Dörfern Ramsloh, Scharrel und Strücklingen, liegt in einem undurchdringlichen Moors und ist nur von Einer Seite zugänglich.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> durch eine Einfachheit in Tracht, Lebensweise und in den Sitten aus, die in Deutschland wohl nicht ihres Gleichen finden möchte. Sie sollen noch rein die Sprache der Altfriesen, ihrer Urahnen, reden. <hi rend="italic">Justus Gruner</hi> setzt ihnen in einem Werke ein schönes Denkmal. —</p>
         <p>Von den Söhnen dieses kleinen Landes widmet sich eine auffallende, zu dem Umfange desselben in keinem Verhältnisse stehende, Anzahl den Studien und besonders dem der Theologie. Sie frequentiren, nachdem sie die nöthigen Vorkenntnisse auf dem katholischen Gymnasium zu <hi rend="italic">Vechta</hi> oder auf dem zu <hi rend="italic">Meppen </hi>|Sp. 0521| im Hannöver'schen erworben, die theologische Fakultät der Akademie zu <hi rend="italic">Münster</hi> zwei oder drei Jahre, und werden dann nach glücklich bestandener Prüfung in das bischöfliche Seminar am genannten Orte aufgenommen, wie diejenigen Aspiranten des geistlichen Standes, welche königl. preußische Unterthanen sind. Nur Cooperatoren-Stellen, aber keine Beneficien können sie im Preußischen erhalten. Obschon wir das Loos mancher achtungswerthen jungen Priester aus dem Oldenburgischen bedauern, die, auf ihr kleines Land beschränkt, nur langsam angestellt und versorgt werden können, so können wir doch die Verfügung der preuß. Regierung, welche bei hinlänglicher Anzahl angehender inländischen Kleriker diese vorzüglich berücksichtigt, und nur mit ganz ausgezeichneten und verdienstvollen Subjecten aus dem Auslande eine Ausnahme macht, nur loben und sie um so weniger unbillig nennen, als sie nur Repressalien nimmt, und von Oldenburg schon früher eine gleiche Bestimmung gegen die auswärtigen Priester erlassen wurde. </p>
         <p>(Bemerker.)</p>
     </div>
         <div type="ta">
         <head>
           Theologische Akademie.
         </head>
        <div type="tapr">
            <head>
          Protestantische Abtheilung.
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">* Rundschreiben an die oldenburgische und jever'sche protest. Geistlichkeit.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Ernst</hi> 
            <hi rend="italic bold">Gottlieb</hi> 
            <hi rend="italic bold">Adolph</hi> 
            <hi rend="italic bold">Böckel</hi>
            <hi rend="bold">, großherzogl. oldenburgischem geheimen Kirchenrathe, Oberhofprediger und Generalsuperintendenten.</hi>
         </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Eine sichtbare Bürgschaft für Erfolge, die außerhalb des Gebietes sinnlicher Wahrnehmungen liegen, kann man nicht fordern, ohne mit sich selbst in Widerspruch zu gerathen, meine Brüder. Und doch hat uns der allweise Herr und Regierer der Welt ein Unterpfand seiner Gnade gegeben, auf welches wir unsre ehrerbietige Aufmerksamkeit unmöglich richten können, ohne mit freudiger Zuversicht unser Werk zu beginnen und fortzusetzen. Die Persönlichkeit unsers verehrten und geliebten Großherzogs ist das Unterpfand eines gesegneten Wirkens, dessen die Vorsehung uns würdigt. Nichts von allem, worauf wir, als evangelische Geistliche, unser Augenmerk richten, ist Ihm gleichgiltig oder fern; das Wohl der Kirche und das Gedeihen der Jugendbildung liegt ihm am Herzen, und jeder von uns, der sich mit treuer Liebe dem wichtigen Berufe des Religionslehrers und Seelsorgers hingibt, kann Seiner huldvollen Theilnahme gewiß seyn. Durch die That hat Er es ausgesprochen, daß er in der Kirche und in den Schulen Seines Landes ein neues Leben hervorrufen will, und so manche tief eingreifende und folgenreiche Verbesserungen sind vorbereitet oder beschlossen. Sie wissen überdieß, theuerste Amtsgenossen, welch' einer landesväterlichen Aufmerksamkeit Er die größeren und kleineren Predigervereine würdigt, die sich in unserm Lande gebildet haben, wie sehr Er diese freien Zusammenkünfte und den in ihnen beabsichtigten Austausch von Gedanken, Plänen, Wünschen, Hoffnungen begünstigt. Wir können gewiß seyn, daß keine Bitte, kein Anliegen, womit wir in Angelegenheiten unseres Amtes Seinem Throne, vielmehr Seinem Herzen uns nahen, ungeprüft werde zurückgewiesen oder verworfen werden; wo die Einsicht eines erleuchteten Geistes, die Entschiedenheit eines christlichen Sinnes, die Festigkeit eines Gott liebenden Herzens, unterstützt von der Macht des Landesherrn, helfen, gewähren, fördern, retten, belohnen kann, da wird unser edler, frommer Fürst keinen unerhört lassen; wo aber die Gewährung versagt wird, da dürfen wir der landesväterlichen Weisheit und Milde vertrauen, die statt des Versagten uns etwas Besseres und Höheres zugedacht hat.</p>
         <p>Und sollte es uns bekümmern, daß der Erfolg unserer amtlichen Thätigkeit nicht immer so sichtbar ist, als wir in dem Augenblicke einer schwärmerischen Begeisterung oder eines tadelns- |Sp. 0522| würdigen Unmuths glauben, fordern zu können; so wollen wir beherzigen, daß der Acker, der den Samen des göttlichen Worts aufnimmt, das Gemüth ist, und daß der stille Friede, die selige Eintracht, die überirdische Hoffnung, welche Glaube und Frömmigkeit in der Seele eines wahren Christen erzeugt, sich nicht immer so deutlich an den Tag legen können, daß man gezwungen wäre, sie wahrzunehmen. Der Mensch sieht, was vor Augen ist; nur Gott sieht in das Herz. Der Gedanke muß uns trösten, wenn wir auf Hoffnung säeten, und es scheinen will, als bliebe die Aernte aus. Die edelsten Früchte gedeihen langsam und allmählich; aber um so herrlicher lohnen sie den, der in seinem Fleiße nicht müde ward, und in gläubiger Zuversicht dem Herrn der Aernte vertraute. Oft, geliebte Brüder, haben Sie gewiß in einer längern oder kürzern Amtsführung die segensreichen Wirkungen zu beobachten Gelegenheit gehabt, welche der Herr aus der Predigt des Evangeliums hervorgehen läßt; und nicht selten mag die Wahrnehmung derselben Sie überrascht und den Kleinmuth beschämt haben, der nicht glaubt, wenn er nicht Zeichen und Wunder sieht. Mögen Sie in Ihrem künftigen Leben noch oft solcher Erfahrungen von Gott gewürdiget werden! Möge unter dem Einflusse derselben Ihre Kraft wachsen und Ihr Muth! Und scheint der Erfolg sich zu verzögern oder auszubleiben, so möge der Glaube an Den, der da will, daß Allen geholfen werde, Sie erheben und stärken zur unverbrüchlichen Treue; wir kennen ja die Verheißung des Herrn: Sey getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben.</p>
         <p>Mit Ihnen richte ich dorthin den Blick, der unter den flüchtigen Erscheinungen der Zeit, wem er auch alle Perioden der Geschichte durchspäht, nirgend Befriedigung findet. Lassen Sie uns, Hand in Hand, durch Liebe und Vertrauen innigst verbunden, nach diesem Ziele ringen, und uns gegenseitig durch die lebhaftesteTheilnahme unterstützen. Ich wenigstens werde fortan nichts wissen, nichts haben, nichts gewinnen, nichts thun, das nicht Ihrem Dienste gewidmet wäre. Dabei überlasse ich mich der Hoffnung, daß Sie, was ich Ihnen anbiete und gebe, nicht bloß liebevoll annehmen, sondern auch wohlwollend erwiedern werden, so, daß, wie aus Einem Herzen und Munde, unser aller Gebet zum Vater bringe: Dein Reich komme! Je ernstlicher und gewissenhafter wir diese gegenseitigen Zusagen erfüllen, desto ruhiger werden wir einst scheiden, wenn der Herr, in dessen Dienste wir stehen, uns abruft; das aufblühende Geschlecht kann alsdann getrost in unsre Fußstapfen treten, und fortsetzen, was wir unvollendet ließen; wir aber, die hier über Wenigem treu waren, sollen dort über Viel gesetzt werden, und eingehen zur Freude unsers Herrn. Diese Gnade wolle er Ihnen verleihen und mir!</p>
        </div>
            <div type="taka">
           <head>
      Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">* Analogie zwischen den Ueberlieferungen verschiedener Völker, besonders der Chinesen, und den Erzählungen der Bibel. — Nach dem Französischen der </hi>
            <hi rend="italic bold">Annales de Philosophie chrétienne,</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Johann</hi> 
            <hi rend="italic bold">Baptist</hi> 
            <hi rend="italic bold">Diehl</hi>
            <hi rend="bold">, Subregens des bischöfl. Klerikal-Seminars in Limburg. </hi>
         </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Alle Reisenden und Missionäre kommen darin überein, daß die Chinesen auch den untergeordneten Geistern, die von dem höchsten Wesen abhängen und den Städten, Flüssen, Bergen etc. vorstehen, eine Anbetung zollen, aber eine <hi rend="italic">untergeordnete </hi>Anbetung. Auch ihren Vorfahren erzeigen sie eine religiöse Verehrung. Und in Beziehung auf dieselbe sagte der Kaiser <hi rend="italic">Kanghi</hi> in einer öffentlichen Audienz zum Legaten <hi rend="italic">Mezzabarba: </hi>Sie müssen einen niedrigen Begriff von den Chinesen haben, wenn Sie denken, dieselben glaubten, daß die Geister, die Seelen ihrer Vorfahren unter dem Tafel- und Schnitzwerk, daß ihren Namen trägt, gegenwärtig seyen. |Sp. 0523| Man lies't ferner in "<hi rend="italic">Confucius</hi>": "daß die Vernunft ein Geschenk des Himmels ist, <hi rend="italic">daß aber die Begierlichkeit sie verderbt hat</hi>. Und ältere Ausleger der <hi rend="italic">fünf King</hi> fügen hinzu: <hi rend="italic">daß in dem Zustande des ersten Himmels</hi> der Mensch innerlich mit der höchsten Vernunft vereinigt gewesen, und äußerlich alle Werke der Gerechtigkeit geübt habe; daß aber, <hi rend="italic">nachdem er sich gegen den Himmel empört</hi>, die allgemeine Harmonie gestört worden, und die Uebel und Laster das Angesicht der Erde überschwemmt hätten.</p>
         <p>Und gewiß, diese erstaunliche Uebereinstimmung zwischen den Patriarchal-Ueberlieferungen und jenen der Chinesen ist nicht bloß zufällig, sie ist gegründet in der ursprünglichen Identität des Glaubens und der Sitten zwischen dem Ur- und Muttervolke und seinem Sprößlinge, der nach China übergepflanzt wurde.</p>
         <p>Möchte man etwa sagen, daß die Bewohner China's aus Assyrien gekommen, so übersehe man nicht, daß keine Nachricht, die uns über Assyrien geworden, die Verfassung dieses Landes als rein patriarchalisch darstellt, keine, die uns die Assyrier in irgend einer Periode ihrer Geschichte als frei vom Götzendienste erscheinen läßt, und die nicht vielmehr den Beweis lieferte, bis zu welchem Grade des Aberglaubens sie gekommen, gerade zu der Zeit, wo ihre Macht sich nach Außen auszubreiten anfing, und wo sie im Stande waren, Kolonien zu bilden. Ueberdieß findet man von den urältesten Zeiten bei den Assyriern, Egyptiern, Chaldäern und Persern (welche man alle als die Stammvölker der Chinesen schon bezeichnen wollte), die Sklaverei im Gebrauche. Die Genesis selbst bezeichnet nicht genau die Zeit des Ursprungs der Sklaverei; aber sie scheint sie doch unmittelbar in die Zeit nach der Sündfluth zu setzen, durch den furchtbaren von Noa gegen Chanaan ausgesprochenen Fluch: "<hi rend="italic">Verflucht sey Chanaan</hi>! <hi rend="italic">Er soll ein Knecht der Knechte seiner Brüder seyn</hi>. (Gen. 9,25). Indem Moses von Abraham redet, unterscheidet er bestimmt die Knechte, die unter seinem Zelte geboren worden, und solche, die er gekauft hatte — vernaculos et emptitios; und der h. Geschichtschreiber spricht ohne Umstände von diesem Unterschiede, wie von einer schon längst zur öffentlichen Gewohnheit gewordenen Sache.</p>
         <p>In China ist die Freiheit alt, die Sklaverei aber neueren Ursprungs. Hören wir hierüber den Fong-sou-tong nach den King: „In dem Alterthume gab es keine Sklaven, weder Männer noch Weiber; die Ersten, die Sklaven wurden, waren Verbrecher, welche die Freiheit verwirkt hatten, und zur Strafe ihrer Vergehen zu Zwangsarbeit und Gefängniß verurtheilt wurden." Die Kriegsgefangenen sowohl, als jene, welche sich aus Noth verkauften, gehören einer späteren Zeit an. Gegenwärtig sind ebenfalls wenige Sklaven in China; ihre Behandlung ist nicht strenge; sie verheirathen sich frühzeitig, und werden niemals von ihren Weibern getrennt. —</p>
         <p>Wir übergehen andere Analogieen zwischen den chinesischen und den Sitten der Patriarchen; die Vorliebe der Chinesen für den Ackerbau, den sie so alt, als das Reich selbst halten; die Polygamie, in Egypten verboten, von <hi rend="italic">Confucius</hi> aber erlaubt, mit dieser besondern Bestimmung, daß die Frau im Alter, wo sie keine Hoffnung der Fruchtbarkeit mehr hat, ein Nebsweib wählen kann, um ihrem Manne durch sie Kinder zu geben; endlich die von dem Kaiser auf 27 Monate festgesetzte Trauer bei dem Mode der Eltern, während welcher man sich aller öffentlichen Geschäfte enthält.</p>
         <p>Zum Schlusse mag es nicht ungeeignet erscheinen, noch ein Wort über <hi rend="italic">Bauer's</hi> Ansicht in Bezug auf den Ursprung der Verfassung der Chinesen in seiner "Allgemeinen Weltgeschichte für alle Stände" beizufügen. S. 22 und 23 wird da die chinesische, durch und durch auf das Familien-Verhältniß gegründete, Verfassung als ganz natürlich aus dem früheren Nomaden- und späteren Stillleben hervorgegangen, angenommen. Allein diese rein subjektive Ansicht setzt eine ganz andere Vergangenheit des chinesischen Volkes voraus, als man sie nach obiger Betrachtung dieses Volkes voraussetzen darf. Selbst die Sage, daß <hi rend="italic">Fohi</hi>, der <hi rend="italic">Noe</hi> des chinesischen Volkes, die Seinigen in den ersten Künsten des gesitteten Lebens unterrichtet habe, nöthigt, auf einen positiv gegebenen Grund, auf dem sich die chinesische Bildung entwickelt oder erhalten, zu schließen. Der Geschichtsforscher muß |Sp. 0524| so viel als thunlich auf objectiven Boden sich stellen, und von diesem Stand- und Gesichtspunkte aus die Ereignisse, wie die Eigenthümlichkeiten der Völker betrachten. Faßt er nun den historischen Charakter eines früheren Volkes in seiner Totalität auf, findet er in einem späteren Stamme einen gänzlichen und theilweisen Abdruck dieses Charakters, besonders den wesentlichen Zügen nach, so kann er diesen folgerecht, wenn nichts anderes im Wege steht, nur für eine Verzweigung und Ueberpflanzung jenes ersten gelten lassen. Oder wie kann man die Uebereinstimmung der ganzen Gesittung und Lebensweise der Chinesen mit jener der Völker des patriarchalischen Zeitalters erklären? <hi rend="italic">Confucius</hi> hat die auf Bambus eingegrabenen Denkmäler der Vorzeit und die alten Geschichtbücher früherer Königsfamilien studirt, und die Ergebnisse zwanzigjähriger Studien in zwei Werken, den <hi rend="italic">fünf King</hi>, niedergelegt. Dadurch kommen wir aber nur der Quelle, mithin unsrer Behauptung näher, die Chinesen seyen eine Ueberlieferung früher Nachkommen <hi rend="italic">Noe's</hi>, die ihre ganze Eigenthümlichkeit mit hinüber genommen. Diese Erklärung, weit entfernt, irgend etwas Willkührliches zu haben, scheint uns die einzig zulässige, um so viel mehr, weil sie mit der Erzählung der ehrwürdigen Urkunde der Bibel völlig übereinstimmt, und dem Unbefangenen einen neuen Beweis für die Wahrhaftigkeit dieser Erzählung liefert.</p>
         <p>Wäre freilich in dem I. Hefte die Auctorität jener Urkunde mehr berücksichtigt worden, so hätte auch die länger geflissentlich vermiedene Frage: "Ob die vielen Völker, die unsere Erde bewohnen, sämmtlich von <hi rend="italic">einem</hi> oder von mehreren Paaren abstammen?" nicht dahin beantwortet werden können, „daß, nach den bisher gesammelten Erfahrungen, die Abstammung von mehreren Paaren wahrscheinlicher sey, als der entgegengesetzte Fall."</p>
         <p>Die Bibel, auch abgesehen von ihrer göttlichen Inspiration, hat als ältestes geschichtliches Dokument alle mögliche äußere und innere Garantie der Wahrhaftigkeit. "Diese alte ehrwürdige Urkunde" sagt <hi rend="italic">Fichte</hi> in seiner Grundlage des Naturrechts, "enthält die tiefsinnigste und erhabenste Weisheit, und stellt Resultate auf, <hi rend="italic">zu denen alle Philosophie am Ende doch wieder zurück muß</hi>." Diese Urkunde nun erzählt einfach, im Tone der Wahrheit, wie Ein Menschenpaar, von Gott geschaffen, das Geschlecht fortgepflanzt habe. Selbst <hi rend="italic">Fichte</hi> gesteht a. a. O.: "Ein erstes Menschenpaar anzunehmen, ist auf einem gewissen Reflexionspunkte allerdings nothwendig." Und jener klaren und schlichten Erzählung gegenüber, die alle Fragen über den Ursprung der Menschen lös't, und selbst über ihre physische und moralische Verschiedenheit und Mangelhaftigkeit mehr oder minder Aufschluß gibt, wird nun auf bloße Wahrscheinlichkeitsgründe hin angenommen, die Menschen stammten von mehreren Paaren ab! — Doch für jetzt genug davon. Wir behalten uns vor, s. Z. ein allgemeines Urtheil über diese ganze Geschichte mitzutheilen. —</p>
         
            </div>
         </div>
         <div type="lit">
            <head>
         Literatur.
         </head>
         <div type="litka">
            <head>
            <hi rend="bold">Katholische Abtheilung.</hi>
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic">Französische Literatur. </hi>* <hi rend="italic">De la reforme des prisons</hi>, ou de la théorie de l'emprisonnement, de ses moyens et de ses conditions pratiques, par M. <hi rend="italic">Charles Lucas,</hi> inspecteur général des prisons du royaume etc. Tome premier. Paris Ed. <hi rend="italic">Legrand</hi> et J. <hi rend="italic">Bergounioux</hi>. 1836 S. CIII et p. 390.</p>
         <p>Beurteilt vom k. Appellationsgerichts-Assessor K. <hi rend="italic">Samhaber </hi>in Aschaffenburg.</p>
         <p>Die Behandlung der Verbrecher während der Untersuchung, in der Strafzeit und nach überstandener Strafe hat ein so allgemein-menschliches Interesse, und beruhet so sehr auf moralischen Prinzipien, daß es dem Zwecke dieser Blätter unmöglich entgegen seyn kann, vielmehr unseren Lesern erwünscht seyn muß, wenn |Sp. 0525| wir hier auf eine Schrift aufmerksam machen, welche auf dem Gebiete der Gefängnißkunde, als eine äußerst bemerkenswerthe Erscheinung sich darstellt. Schon der Name des Verfassers bürget für ihre Vortrefflichkeit. Wer nämlich kennet nicht Hrn. <hi rend="italic">Carl Lucas</hi>, den eifrigsten Vertheidiger der heiligsten Angelegenheiten der Menschheit, — den gekrönten Herausgeber des Werkes <hi rend="italic">über Abschaffung der Todesstrafe</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
                     <p rend="sdfootnote1"> Uebersetzt von K. <hi rend="italic">Samhaber</hi>. Darmstadt bei <hi rend="italic">Leske</hi>. 1830.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> und über das <hi rend="italic">Pönitenziarsystem</hi>? — Die vorliegende Schrift, deren erster Theil bis jetzt nur erschienen ist, wird ein vollendetes System der Gefängnißkunde geben. Der Hr. Verf. entfaltet hiebei einen reichen Schatz psychologischer Weisheit und tiefer Menschenkenntniß, ein Herz voll Theilnahme an dem Elende seiner Mitbürger, eine seltene Erfahrung in einer, noch wenig bekannten Sphäre und einen glänzenden Scharfsinn. Sein Beruf, welcher ihn zum Generalinspektor aller Gefängnisse Frankreich's erhoben hat, machte ihm den hier von ihm bearbeiteten Stoff schon an sich zu seiner Lebensaufgabe; allein er hat dieselbe auch mit einer solchen Liebe umfasset, daß wir uns nicht wundern dürfen, wie er wirklich Großes leisten konnte und mußte.</p>
         <p>Es kann hier nicht Zweck des Ref. seyn, in das Einzelne dieser Schrift einzugehen, und ihre Vorzüge der Reihe nach aufzuzählen. Nur aufmerksam sollte auf dieselbe gemacht werden, da ihre Erscheinung in dem gegenwärtigen Augenblicke — an dem Vorabende so mancher bevorstehenden neuen Strafgesetzgebungen Deutschland's — von besonderer Bedeutung ist, und zwar um so mehr, als in Beziehung auf das Gefängnißwesen Deutschland sich wohl veranlasset sehen darf, die Fortschritte Frankreich's auf diesem Gebiete sich zum Vorbilde zu nehmen.</p>
         <p>Um übrigens nur Einen Nachweis zu liefern, von welchem edlen Geiste der Hr. Verf. beseelt ist, und daß er auch den religiösen Standpunkt bei seiner Aufgabe nicht übersehen hat, wollen wir erwähnen, daß er es dem Staate zur Pflicht machet, für Besorgung des Kultus der Gefangenen vor und nach ihrer Aburtheilung mit Eifer zu wachen, und zu diesem Zwecke eigene Geistliche zu besolden, welchen es obliegt, den Gefangenen in ihren Seelenleiden beizustehen, und den Gottesdienst im Gefängnißhause zu besorgen. Die deßhalb etwa zu machenden Einwürfe werden mit Scharfsinn und auf eine Weise widerlegt, woraus man erkennet, wie angelegen dem Hrn. Verfasser die heilige Sache der Menschheit ist. — Wir wünschen herzlich, daß die herrlichen Ansichten desselben auch in Deutschland Eingang finden, damit unsere Gefängnisse nicht länger eine Pflanzschule des Lasters zum Verderben der Verbrecher und der übrigen Staatsmitglieder seyen!<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="sdfootnote1"> Sollten wir nicht hoffen dürfen, dem wackern Herrn Referenten selbst eins Verdeutschung zu verdanken? H.</p>
            </note>
         </p>
         </div> 
       <div type="litis">
         <head>
           Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p>*<hi rend="italic">La régénération</hi>, eine Monatschrift zur Beförderung religiöser Aufklärung und moralischer Bildung, von Simon <hi rend="italic">Bloch</hi>, in Verbindung mit mehrern israelitischen Gelehrten. Paris. (Französisch und deutsch.)</p>
         <p>Beurtheilt von Dr. <hi rend="italic">Creizenach</hi>.</p>
         <p>Obgleich diese Zeitschrift zunächst die Bestimmung hat, den im Titel angegebenen Zweck bei den französischen Juden zu befördern, empfiehlt sie sich doch für Leser aller Klassen durch eine sehr erfreuliche Lebhaftigkeit ihrer Richtung, welche sie bereits zum Kampfplatz für die entgegengesetzten Meinungen gemacht hat und ihr eine sehr segenreiche Wirksamkeit sichert; denn so sehr eine leidenschaftliche Polemik, welche das Gepräge eines fanatischen Hasses trägt, die Gemüther mit gegenseitiger Erbitterung erfüllt und dadurch die Verbreitung der Wahrheit hemmt, so förderlich ist ein besonnener, tiefer Conviktion entfließender Austausch der Idee zur Vermittelung der Extreme, und es wäre sehr zu wünschen, daß auch |Sp. 0526| in Deutschland die jüdischen Theologen, durch eine friedliche literärische Controverse eine so sehr noththuende Ausgleichung herbeizuführen versuchten. Leider sind die meisten literärische Unternehmungen der Juden durch die Geringzähligkeit des Publikums gehemmt, von dem sich für dieselben einige Aufmerksamkeit erwarten läßt. Auch die <hi rend="italic">Regeneration</hi> würde nicht einen zweiten Jahrgang erlebt haben, hätte ihr nicht das hochherzige Haus <hi rend="italic">Ratisbonne</hi>, dem auch eine sehr gut verwaltete Gewerbschule für jüdische Knaben und bedeutende Verbesserungen im israelitischen Gottesdienste zu Straßburg zu verdanken sind, durch die Abnahme einer Anzahl von Exemplaren zu 500 Frs. jährlich, ein einstweiliges Bestehen gesichert. Möge ein so lobenswerthes Beispiel allenthalben bei den Juden zahlreiche Nachahmer finden, damit die schönen Kräfte, welche sie in ihrem Schooße bergen, zum Nutzen und Frommen Aller in Thätigkeit kommen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Neue israelitische Zeitschrift</hi>.</p>
         <p>Die <hi rend="italic">Baumgärtner'</hi>sche Buchhandlung in Leipzig kündigt eine politisch-belletristische Zeitung des Judenthumes an, welche unter der Redaktion des isr. Predigers Dr. <hi rend="italic">Philippson</hi> in Magdeburg, wöchentlich 3 mal erscheinen soll. Die Zeit wird lehren, ob solche Centralisation des Stoffes eine große Mannigfaltigkeit darbietet, und ob dieser einen größern Kreis ansprechen werde. Die bisherigen Erfahrungen sind allen ähnlichen Versuchen, und wir glauben, aus natürlichen Gründen, ungünstig, indem nämlich selbst die gebildetern Israeliten, welche warmes Interesse für ihre Religion und ihre Rechte haben, es nicht lieben, sich öffentlich zu isoliren, und sogar in <hi rend="italic">Zeitungsnachrichten </hi>und <hi rend="italic">Novellen</hi> und <hi rend="italic">Gedichten</hi> (!) eine besondere Klasse zu bilden. Unternehmungen dieser Art dürfen nur dann Eingang finden, wenn sie das religiöse Leben allein im Auge behalten, und in dem Ernst, den die Sache fordert, abgefaßt sind.</p>
        
       </div>
         </div>
   <div type="anz">
            <p>
            <hi rend="bold">Anzeigen.</hi>
         </p>
         <p>(32) Bei Fr. <hi rend="italic">König</hi> in <hi rend="italic">Hanau</hi> ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu erhalten:</p>
         <p>Eberhard (Superintendent), der Beruf des evangelischen Geistlichen, Jesum Christum, den Gekreuzigten, Jungen und Alten in das Herz zu predigen. Nebst einem Anhange über Union und Mission. Geh. 4 ggr. oder 18 kr.</p>
         <p>Desselben, <hi rend="italic">die evangelische Vereinigung</hi>. Kleine Weihnachtsgabe, den evangelischen Gemeinden in der Herrschaft Schmalkalden den 25. Dez. 1836 gewidmet; nebst einer Fortsetzung an alle Freunde der evangelischen Union. Geheftet 4 ggr. oder 18 kr.</p>
         <p>(33) ששה סדרי משנה</p>
         <p>oder Mischna, 6 Bände 4., über 200 Bogen, brosch., enthaltend den hebräischen Text punktirt, mit Lesezeichen versehen, mit hochdeutscher Uebersetzung daneben, und Erklärungen unter dem Texte, wie auch einen ältern rabbinischen Commentar. (Alles mit hebräischen Lettern) Berlin 1832-4.</p>
         <p>Diese schöne Ausgabe eines für jüdische Theologen unentbehrlichen und allen Freunden rabbinischer Literatur willkommenen Werkes, hat in wenigen Jahren so starken Absatz gefunden, daß die Kosten des Unternehmens reichlich gedeckt sind. Der Herausgeber (Dr. I. M. Jost, Vf. der Geschichte der Israeliten, und Mitredakteur der Universal-Kirchenzeitung) findet sich daher bewogen, eine Anzahl Exemplare, die ,ihm als Mitunternehmer noch zur Verfügung stehen, den Rabbinern, Lehrern, Candidaten und Freunden dieser Literatur, welche bisher des hohen Preises wegen (es kostete im Subscriptionspreise 10 Thlr.) es nicht angeschafft haben, so weit dieser Vorrath reicht, zu einem <hi rend="italic">bedeutend ermäßigten Preise</hi> anzubieten, und bei Partieen noch einen Rabbat zu gewähren. Näheres auf portofreie Briefe. </p>
         <p>Addresse: Dr. <hi rend="italic">I. M. Jost</hi> in Frankfurt a. M.</p>
   </div>
         <div>
      <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber: Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Rohm</hi>
            <hi rend="bold">. Maschinendruck.</hi>
         </p>
         </div>
      </body>
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</TEI>

