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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 20. Aprill 1837, Nro. 32</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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               <resp>Neu hrsg. von</resp>
               <persName ref="http://d-nb.info/gnd/1046474146"><forename>Beata</forename><surname>Mache</surname></persName>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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               <email>mac@steinheim-institut.org</email>
               <orgName role="hostingInstitution"> Steinheim-Institut</orgName>
               <address><addrLine>Edmund-Körner-Platz 2, 45127 Essen</addrLine>
<country>Germany</country>
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               <idno type="URL">http://www.deutsch-juedische-publizistik.de/pdf/universal-kirchenzeitung_032.pdf</idno>
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         </publicationStmt><seriesStmt><title>Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title></seriesStmt>
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            <bibl type="J">
               Universal-Kirchenzeitung
            </bibl>
            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="32">
                     20. April 1837, Nro. 32
                  </title>
                  <editor>
                     <persName ref="http://d-nb.info/gnd/187133182">
                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
                     </persName>
                  </editor>
               </titleStmt>
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               </editionStmt>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-04-20</date>
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                     <name>Varrenkamp</name>
                  </publisher>
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            </biblFull>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <language ident="deu">German</language>
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            <language ident="grc">Ancient Greek</language>
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           Unparteiische Universal-Kirchenzeitung<lb/>für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen, und israelitischen Deutschland's.<lb/> Frankfurt a. M., den 20. Aprill 1837. Nro. 32.
         </head>
         
         </div>
         <div type="inhalt">
         <head>
          Inhalt:
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">Personal-Chronik der Univ.-K.-Ztg. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Kirchliche Zustände auf der Insel Island. 5. Bessestad. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>. <hi rend="italic">Ostindien</hi>. <hi rend="italic">Bombay;</hi> statist. Berichte. — <hi rend="italic">Dänemark</hi>. <hi rend="italic">Altona;</hi> Besetzung der Propsteien; wohlthätiger Verein. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. <hi rend="italic">Bayern</hi>. <hi rend="italic">Aschaffenburg;</hi> Corres-pondenzbericht. <hi rend="italic">Hessen</hi>-<hi rend="italic">Darmstadt;</hi> Errichtung eines Prediger-Seminars zu Friedberg; Denkmal der h. Elisabeth; <hi rend="italic">Roßbach; </hi>Ausweisung eines pietest. Geistlichen. <hi rend="italic">Bremen;</hi> Predigerwahl. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth</hi>. Hirtenbrief an die oldenburgische und jeversche protest. Geistlichkeit. Vom Generalsuperintendenten Dr. <hi rend="italic">Böckel</hi>. Mitgetheilt vom Pfarrer Dr. <hi rend="italic">Wohlfarth</hi> in Kirchhasel. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth</hi>. Ueber den Ursprung des Vater Unsers. Von M. B. <hi rend="italic">Friedenthal</hi>, vervollständigt von Dr. <hi rend="italic">Wilh</hi>. <hi rend="italic">Freund</hi> in Breslau. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth</hi>. Analogie zwischen den Ueberlieferungen verschiedener Völker, besonders der Chinesen, und den Erzählungen der Bibel. Von Dr. J. B. <hi rend="italic">Diehl</hi>, Subregens des Klerikal-Seminars zu Limburg. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth</hi>. Anzeige einer empfehlungswerthen Uebersetzung aus dem Franz. Von einem protestantischen Geistlichen. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi> |Sp. 0495|
         </p>
         </div>
         <div type="pch">
         <head> Personal-Chronik der Universal-Kirchenzeitung.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Mitarbeiter</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Correspondenten</hi>
            <hi rend="bold">:</hi>
         </p>
         <p>124) Dr. W. <hi rend="italic">Schwarz</hi>, evang. Stadtpfarrer zu Mannheim. </p>
         <p>125) Professor Dr. G. D. <hi rend="italic">Berg</hi> in Breslau. </p>
         <p>126) Provinzial-Rabbiner S. <hi rend="italic">Felsenstein</hi> in Hanau.</p>
         <p>(Wird fortgesetzt.)</p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <head>
            Kirchliche Zustände auf der Insel Island.
         </head>
         <p>5. <hi rend="italic">Bessestad</hi>.</p>
         <p>Da ich ein gutes Pferd zu meiner Verfügung hatte, so beschloß ich, die einzige öffentliche Schule — ja, ich möchte sagen, die einzige Schule irgend einer Art — auf der ganzen Insel, zu besuchen, die besonders zu Bildung für die dem geistlichen Stande sich widmenden jungen Leute bestimmt ist, und sich nicht weit von Havnefiord an einem Orte, Namens <hi rend="italic">Bessestad</hi>, befindet. Bei unserer Ankunft zeigte sich jedoch, daß eben Ferienzeit war, wo sich die Studirenden in ihre Heimath begeben, um ihren Eltern und Verwandten bei der Heuärnte und andern ländlichen Arbeiten hilfreiche Hand zu leisten; denn diese jungen Leute scheuen sich, gleich ihren Vorfahren, nicht, jede Handarbeit zu verrichten, zu welcher sie sich geeignet fühlen.</p>
         <p>Wir wurden bei unserer Ankunft von einem Mann empfangen, der, so viel ich weiß, den Titel eines Inspektors führt, das Hauswesen beaufsichtigt und die Anstalt mit Lebensmitteln versorgt. Er setzte uns, der Landessitte gemäß, Wein vor, Champagner, wie er sagte, den wir jedoch ablehnten und eine Tasse Kaffee vorzogen. Der Herr Inspektor war sehr höflich, und mittheilend, und zeigte uns die Hörsäle und das Schlafzimmer. Die ganze Anstalt sah sehr ärmlich und schmutzig, und ganz so aus, als ob seit vielen Jahren nichts gescheuert und geputzt worden wäre.</p>
         <p>|Sp. 0496| Das Schlafgemach hätte man leicht für eine Menagerie halten können. Ringsherum an den Wänden befanden sich hölzerne Verschläge mit Heu, Stroh und etwas schmutzigem Bettgeräthe, von denen jeder mit einem Deckel versehen war, der das Bett vollkommen verschloß. Mit Erstaunen und Abscheu hörte ich, daß jede dieser Krippen oder Bettstätten von zwei Knaben eingenommen werde, und daß erst unlängst noch sogar drei in jeder Platz finden mußten.</p>
         <p>Die Zahl der Schüler beläuft sich auf 40. Bevor die beiden Bisthümer <hi rend="italic">Skalholt</hi> und <hi rend="italic">Holum</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="italic">
                  <note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
                     <p rend="footnote text"> Beide aus der katholischen Zeit. H.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> auf Befehl der dänischen Regierung ,im Jahre 1797 zu einem einzigen zusammengezogen wurden, zählte Skalholt 40 und Holum 34 Schüler, und es waren Grundstücke zum Unterhalte dieser Anstalten und zur Besoldung der Lehrer angewiesen. Nach der Vereinigung der beiden Bisthümer wurden beide Schulen nach Reikiavik verlegt; in jeder Hinsicht der schlechteste Ort, den man hätte wählen können, was sich auch bald bemerkbar machte, und worauf dann die Anstalt nach Bessestad versetzt wurde, wo sich ein bequemes Haus, vormals die Wohnung der Gouverneurs von Island, nebst der besten Kirche auf der ganzen Insel befand. Es sind drei Lehrer angestellt; der eine, Professor der Theologie, unterrichtet die jungen Leute im Hebräischen und Griechischen, in welch letzterer Sprache das Neue Testament und der Xenophon gelesen werden; der zweite ist Kaplan und lehrt Lateinisch, Geschichte, Mathematik und Arithmetik, und der dritte die dänische, norwegische, deutsche und isländische Sprache. Sie sind sämmtlich sehr kärglich bezahlt, d. h. nach unsern Begriffen von ihrer Stellung und dem Werthe des Geldes, was indeß keineswegs immer ein richtiger Maßstab zur Beurtheilung ist. Die Schulzeit dauert vom Oktober bis Mai, die übrigen Monate, welche die Studirenden in ihrer Heimath zubringen, sind frei. Die der Schule zugewiesenen Fonds reichen hin, die Lehrer zu bezahlen und die Schüler unentgeldlich zu bekleiden und zu beköstigen.</p>
         <p>Den von Dr. <hi rend="italic">Hooker</hi> beigebrachten offiziellen Angaben zufolge bezieht der Bischof von Island ungefähr 1800 Thlr. oder 360 Pf. Sterl. des Jahres aus dem Schulfonds; der Professor der Theologie 600 Thlr. oder 120 Pf. St., und der Inspektor ungefähr 220 Thlr., nebst 20 Thlrn. jährlich für jeden Schüler, oder 480 Pf. Sterling in Ganzen für ihren Unterhalt. Die beiden andern Lehrer erhalten jeder 300 Thaler oder 60 Pf. St. jährlich.</p>
         <p>Die Aufnahme in diese Schule wird nur denen gestattet, welche bereits confirmirt sind, schon einige Fortschritte gemacht |Sp. 0497| haben, und gute Zeugnisse von dem Geistlichen ihres Kirchspiels beibringen können. Ist ihre Erziehung vollendet, so haben sie ein strenges Examen in Gegenwart des Bischofs zu bestehen, nach welchem jene, welche tauglich befunden werden, von den Vorstehern des Collegiums ein Zeugniß erhalten, welches sie berechtigt, sich bei eintretenden Erledigungen um Pfarreien zu bewerben. Doch werden die geistlichen Stellen nicht ausschließlich aus dieser Schule besetzt, sondern Söhne von Geistlichen, und selbst von Bauern, welche ihre Bildung in ihrer Heimath vollendeten, haben, wenn sie das erforderliche Examen vor dem Bischofe bestehen, gleichen Anspruch.</p>
         <p>Es wäre anmaßend von mir, wenn ich darüber absprechen wollte, ob das Erziehungssystem der Schule zu Bessestad gut oder schlecht sey; so viel konnte ich indeß entnehmen, daß man im Ganzen die Privaterziehung zu Hause vorzieht, da die Sittlichkeit der jungen Leute minder gefährdet ist, als an einem Orte, wo vierzig Schüler ohne besondere Aufsicht beisammen leben, und wo mithin gar leicht ein oder zwei schlechte Charaktere auch die übrigen verderben können. Dieser Vorwurf, der in Island, wo so viel ich mich überzeugen konnte, Landleute und Geistlichkeit einen hohen Grad von Sittenreinheit und Tugend bewahrt haben, ganz natürlich erscheint, ließe sich gegen die meisten öffentlichen Schulen erheben, und die Frage, welche Art von Erziehung den Vorzug verdiene, ist noch immer unentschieden. Eines ist jedoch gewiß: nicht nur die isländische Geistlichkeit, sondern auch viele Landleute sind in den Klassikern wohl bewandert und schreiben ein recht fließendes Latein.<note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
               <p rend="footnote text"> Zum Ruhme des Collegiums von Bessestad muß jedoch bemerkt werden, daß aus demselben einige der besten und gelehrtesten Werke Island's hervorgegangen sind, und daß ganz kürzlich fünf Bände in dänischer und lateinischer Sprache, unter dem Titel: Scripta Historica Islandorum de rebus gestis veterum Borealium, von S. Egilsen, Lehrer an der Schule zu Bessestad, von der königlichen Gesellschaft nordischer Alterthümer zu Kopenhagen herausgegeben wurden. Es enthält historische Sagas von Begebenheiten außerhalb Island's, und besonders die Thaten der Dänen in England von der Mitte des zehnten bis zum Anfange des vierzehnten Jahrhunderts: eine dunkle Periode in der englischen Geschichte.</p>
            </note>
         </p>
         <p>Die Geistlichen cultiviren nicht nur die klassischen Sprachen und neuere Literatur, und es lesen die Bauern religiöse und historische Werke, sondern beide sind auch sehr gut bewandert in der alten Mythologie und den historischen Ueberlieferungen, welche in den Sagas und Eddas enthalten sind, und die, meist in kurze Verse eingekleidet, sich dem Gedächtnisse leicht einprägen.</p>
         </div>
         <div type="kn">
            <head>
        Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Ostindien</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Bombay</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Nassuck</hi>, den 20. Juli 1836. (Aus einem Brief eines deutschen protestantischen Missionärs):<lb/>„Die Bevölkerung von <hi rend="italic">Bombay</hi> besteht aus einer Mischung verschiedener Nationen, deren verschiedene Farben und Trachten den stets gedrängtvollen Straßen ein buntes Aussehen geben. Den größten Theil der Einwohnerschaft bilden die eigentlichen <hi rend="italic">Hindu's</hi>, von welchen die ärmeren beinahe ganz nackt gehen. Sie sind im Allgemeinen sehr träge, und liegen in fauler Ruhe in ihrer offenen Berandah. Gewisse Maalzeichen auf der Stirne und an den Wangen — rothe, weiße, oder gelbe Punkte und Linien — bezeichnen sie als die Angehörigen gewisser Casten, und als Verehrer gewisser Götzen, vor denen sie ihre Kniee beugen. Sehr verachtet ist unter ihnen das weibliche Geschlecht, und während der Mann den ganzen Tag müßig geht, muß die Frau oft tüchtig arbeiten. Ihre Nasen-, Ohren- und Arm-Ringe und ihre Fußkettlein, wie <hi rend="italic">Luther</hi> sie heißt, geben ihnen ein eigenthümliches Aussehen. Wasser holen in einem irdenem Krug oder in einem kupfernen Gefäß, daß sie auf der Achsel oder auf dem Kopfe tragen, fällt häufig zu ihrem Loos, wodurch ich manchmal an Rebekka erinnert wurde. Auch sieht man sie oft je zwei und |Sp. 0498| zwei in der Hütte sitzen und Korn mahlen, während sie sich durch Gesang gegenseitig aufmuntern. Sie alle sind noch in tiefer Unwissenheit begraben, und kennen den Weg des Friedens nicht. Als ein Beweis ihres Aberglaubens mag der Umstand dienen, daß sie von einer in der Nähe von Bombay befindlichen engen Felsenhöhle glauben, wer sie passire, erlange Vergebung der Sünden. Wir machten einmal in Gesellschaft einiger christlichen Freunde einen Spaziergang nach dieser Stelle. Mehrere von uns suchten durchzukommen, aber nur Einem gelang es; die übrigen, worunter auch ich, schonten ihre gute Kleidung zu sehr, und kamen unverrichteter Dinge wieder zurück. — Nächst den Hindu's kommen die <hi rend="italic">Muhamedaner</hi>, die hier ebenfalls sehr zahlreich sind. Sie stehen in mancher Hinsicht höher, als die Hindu's, sind aber auch sehr unwissend. Unter ihnen sind mehrere Araber und Perser, die des Handels wegen hieher kommen: Lange Bärte und weiße Turbane zeichnen sie aus. — Auf sie folgen die <hi rend="italic">Parsen</hi>, ein Volksstamm, dessen Aeußeres viel Anziehendes hat. Sie sind meist schöne Leute, von schönem Wuchs und milden ausdrucksvollen Gesichtszügen. Alle tragen Schnurbärte, bunte Turbane und weiße leinene Röcke. Durch Thätigkeit und Gewerbsfleiß verstehen sie sehr wohl, sich Reichthümer zu verschaffen, welche sie in den Stand setzen, nach ihrer Neigung alle Vergnügungen zu genießen. Diese Parsen sind Feueranbeter, und beobachten einige angeerbte Gebräuche, sind aber im Allgemeinen höchst gleichgiltig gegen alle Religion. — Wieder eine andere Nation, die sich hier niedergelassen hat, sind die <hi rend="italic">Juden</hi> von weißer und schwarzer Farbe. Beide zeichnen sich, wie überall, durch ihre jüdischen Gesichtszüge vor allen andern Nationen aus, und mehrere ältliche Männer unter ihnen stellen in ihren langen weißen Bärten recht ehrwürdige Patriarchen vor, und erinnerten mich lebhaft an jene Väter, von denen Christus herkommt nach dem Fleisch. — Sodann gibt's hier viele <hi rend="italic">Indo-Portugiesen</hi>, die von Goa aus hieher gekommen sind, und als Dienstboten bei europäischen Familien ihr Unterkommen finden. Sie besitzen in Bombay mehrere katholische Kirchen, haben aber sonst viel von dem Charakter der Eingebornen angenommen. Ihr Geschlecht bildet den Uebergang zu den Herren des Landes, den <hi rend="italic">Europäern</hi>, deren vielleicht über 2000 hier seyn mögen.</p>
         <p>"Die bischöfliche Missions-Gesellschaft hat bis jetzt keinen Missionär in Bombay, und, außer den beiden in Nassuck, und einem Schullehrer in Bombay, überhaupt keinen in der ganzen Präsidentschaft; dagegen hat sie eine ziemlich zahlreiche Hilfs-Gesellschaft und Hilfs-Committee, deren theilnehmende und zuvorkommende Liebe für uns nach einer langen Seereise ungemein erquickend, und in Beziehung auf unsere weitere Reise von großem Nutzen war. Die Engländer haben hier zwei Kirchen, einen Archidiacon und drei Kapläne, welche alle Beförderer der Missionssache sind. Die schottischen Presbyterianer unterhalten hier ebenfalls eine Kirche, und einige würdige Prediger, nebst einem Missionär in der Stadt und einigen andern im Innern des Landes. Auch die Amerikaner haben hier eine Kapelle, drei Missionäre, mehrere Schulen und eine große Druckanstalt. Endlich ist noch ein Juden-Missionär, Namens <hi rend="italic">Samuel</hi>, hier, dem unter den Juden in Bombay sowohl, als in Persien und Arabien, ein weites Arbeitsfeld geöffnet ist. Er ist ein deutscher Proselyte, kam aus freien Stucken nach Indien, und wird nun von christlichen Freunden in Indien in seinem Beruft unterstützt.</p>
         <p>"Nach einem zwölftägigen gesegneten Aufenthalte in Bombay traten wir unsere Weiterreise an, und legten den Weg nach <hi rend="italic">Nassuck</hi> in fünf Tagen zurück. Einen traurigen Contrast mit der schönen Natur, die uns unterwegs umgab, bildeten die Dörfer, durch welche wir kamen. Sie bestanden aus elenden Hütten von Bambusrohr und Lehm, waren gewöhnlich in zwei oder drei Gemächer abgetheilt, und mit armen, unwissenden Menschen vollgepfropft, welche ihre Kniee vor den stummen Götzen beugen. Diese Götzen sind in reicher Anzahl vorhanden; und schon ihr, Wehmuth und Schauder erweckender, Anblick, in Verbindung mit dem unsteten, finstern und oft feindseligen Aussehen ihrer Verehrer, reicht hin, einen tiefen Eindruck von dem Abgrund des Verderbens zu geben, in das der Fürst der Finsterniß diese Unglücklichen geführt hat. Diese Götzen sind meist elende, oft scheußliche Figuren, Hanuman, den Affengott vorstellend, und gewöhnlich mit einer gewissen rothen Farbe beschmiert, durch die der vermeintliche Gegenstand der Anbetung in das Bild hineingezaubert |Sp. 0499| werden soll. Häufig findet man nur roth gefärbte <hi rend="italic">Steine</hi> (fast unter allen schönen grünen Bäumen in der Nachbarschaft der Dörfer), die sie verehren, und deren Form oft nur allzu deutlich verräth, daß die böse Lutz selbst vergöttert ist.</p>
         <p>„Als wir in Nassuck einzogen, staunte uns Alles an, und wir konnten aus den Blicken der Leute errathen, daß sie unsere Ankunft verdächtig fanden. Eine zahllose Menge Hunde, in denen nach hinduischer Ansicht die Seelen verstorbener Hindu's ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben, suchten auch ihr Veto (Verbot) gegen unser Kommen einzulegen. An dem alten Residenz-Pallast des ehemaligen Peischwah, welcher jetzt in ein Missionshaus verwandelt worden ist, angelangt, wurden wir von Miss. Farrar und seiner Frau mit viel Liebe aufgenommen, und bald kam auch Missionär Dickson, der in einem andern Theile der Stadt wohnt, um uns zu begrüßen. Die Einwohnerzahl von Nassuck beläuft sich auf etwa 25,000 Seelen, unter denen 3—4000 Brahminen und einige tausend Muhamedaner sind. Es ist der Hauptsitz der Brahminen auf dieser Seite Indiens. Außer der kleinen Missionsfamilie sind nur zwei oder drei Europäer hier, manchmal gar keiner. Die Folge davon ist, daß, wie im Allgemeinen auf der westlichen Seite Indiens, so besonders hier, europäischer Einfluß noch wenig gethan hat, den Aberglauben zu untergraben, und Vorurtheile, besonders im Erziehungsfach, aus dem Wege zu räumen. An andern Orten Indiens bringt europäische Bildung dem männlichen und oft auch dem weiblichen Geschlecht Achtung und Gewinn ein, was sie dieselbe schätzen und begehren lehrt: das Castenwesen hat bedeutende Stöße erlitten und das Christenthum hie und da Wurzel gefaßt. Hier ist's das Gegentheil: der brahminische Einfluß ist allzuüberwiegend; die Mission erst neuerlich begonnen; gegen den Unterricht Jedermann gleichgiltig, weil er kein Geld einbringt; und gegen den Unterricht der Mädchen sind beinahe unüber-steigliche Hindernisse vorhanden. Ein Mädchen, das lesen gelernt hat, ist verachtet, und gewöhnlich können sie nur durch Geld zum Schulbesuche angehalten werden, ein Mittel, das allerdings bei'm Hindu viel auszurichten vermag. Indessen, wie groß die Hindernisse und die Macht des Feindes immer seyn mögen, die Sache des Herrn gewinnt doch den Sieg, und bereits sind einige Spuren vorhanden, daß auch für diesen Platz der Herr im Anzuge ist. Zwar ist noch keiner herausgetreten, der den Namen Christi öffentlich bekannt hätte; aber die Bibel ist nun beinahe ganz übersetzt, viele christliche Tractate sind verbreitet, mehrere Schulen für Knaben, und eine für Mädchen errichtet, die viel Gutes hoffen lassen, und die Feindseligkeit, die man bisher gegen die Missionare zeigte, scheint in der Abnahme zu seyn. Hohn und Spott wurden den Knechten Christi oft zu Theil; und vor einem halben Jahre beschloß eine große Gesellschaft von Brahminen, sich standhaft allen Missionsversuchen zu widersetzen. Sie drohten, jeden, der seine Kinder zur Schule schicken würde, aus der Caste zu stoßen. Eine Zeit lang blieben die Schulen leer, jetzt aber werden sie wieder so zahlreich besucht als je, und die Brahminen scheinen durch ihren erfolglosen Versuch am meisten gelitten zu haben, sowie dagegen die Sache des Herrn im Erliegen siegte. Wir wohnen jetzt in einem Hause, das im Allerheiligsten der heiligen Stadt gelegen ist; ein Umstand, der bei'm Beginn der Mission nicht zugelassen worden wäre, und der auch jetzt große Bewegung verursachte. Das Haus gehört einem Brahminen von hohem Rang, dessen Vorurtheil durch Geldliebe besiegt wurde. Einige Eierschalen, die man auf dem Boden fand, verriethen unsere Gegenwart an diesem Platze. In der folgenden Nacht versammelten sich 500 Brahminen, um zu berathen, was zu thun sey, und drohten dem Eigenthümer unseres Hauses, ihn aus seiner Caste zu stoßen, was jedoch nicht geschehen wird. Wir wohnen unmittelbar an dem heiligen Fluß Godavery, und sind auf allen Seiten von Götzentempeln umgeben. Einen Affengott und einen heiligen Baum haben wir gerade vor unserem Hause; und vom frühen Morgen bis zum späten Abend kommen ganze Schaaren Götzendiener, um sich in dem heiligen Wasser gerade vor unsern Augen zu waschen, zu baden, und zu beten. Wenn irgendwo, so haben wir hier Gelegenheit, die Natur des Götzendienstes kennen zu lernen, und das Evangelium zu verkündigen. Unterdessen hat der HErr in der Mitte von Satan's Tempeln doch eine kleine Kapelle, und während um uns her die unreinen Lieder von Rama und Chrischna gehört werden, steigt hie und da auch ein Zionslied empor, zu Ehren des HErrn, dem |Sp. 0500| einst noch alle Kniee sich beugen sollen. Jetzt sehen wir noch nicht, daß Ihm alles unterthan ist; und es wandelt einen ein besonders wehmüthiges Gefühl an, wenn man so Viele um sich her sehen muß, die den Namen Jesu nicht kennen, oder verachten. Ach, daß der Geist des Gebets in reichem Maße ausgegossen würde auf die Kirche Christi und auf Seine Boten in der Heidenwelt insbesondere! Bald würde die Wildniß blühen, wie die Rose, und die Erkenntniß Christi die Erde bedecken, wie das Wasser den Meeresgrund." </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Calwer Missionsblatt)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Dänemark</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Altona</hi>, den 8. Aprill. Es ist jetzt ausgemacht, daß die Propsteien Altona und Pinneberg jede ihren eignen Propst erhalten und in dieselbe Stellung wie die übrigen Propsteien des Landes kommen werden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(M. C.)</hi>
         </p>
         <p>— Der bisherige Hauptpastor zu Apenrade und Kirchenpropst der Propstei Apenrade und Bygumkloster, <hi rend="italic">Paulsen</hi>, ist zum <hi rend="italic">Hauptpastor</hi> in <hi rend="italic">Altona</hi> und Kirchenpropsten der nunmehr von der Pinneberger getrennten Propstei Altona ernannt worden.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Bergedorfer Bote)</hi>
         </p>
         <p>— Gleichzeitig mit Ernennung des Propsten Peter <hi rend="italic">Paulsen</hi> zum Kirchenpropsten der Propstei Altona u. s. w., nämlich unter dem 31. v. M., ist auch die Ernennung des Compastors Georg Jos. Steph. <hi rend="italic">Adler</hi>, in Rellingen zum Kirchenpropsten der Propstei Pinneberg erfolgt.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Hamb. Corr.)</hi>
         </p>
         <p>— Nach dem Muster des hamburgischen hat sich seit Jan. 1836 auch in <hi rend="italic">Altona</hi> ein <hi rend="italic">weiblicher Verein für Armen- und Krankenpflege</hi> gebildet, der mit jenem nach gleichen Grundsätzen verfährt. Es besteht nämlich das Streben desselben darin: das Elend der Armuth durch geistig und leiblich dargereichte Hilfe zu lindern, und dabei richtet er besonders darauf sein Absehen: gänzlicher Verarmung vorzubeugen und die nur schlummernde Thatkraft, die gern das Ihrige thun will, um wieder zu Kräften zu kommen, zu wecken. Der Verein hat durch Unterstützung von Menschenfreunden bereits über 967 M. B. zu gebieten gehabt, wovon er 523 M. B. verwandt hat, um den Armen Beschäftigung zu verschaffen. Nöthige Kleidungsstücke werden nur dann ausgegeben, wenn alte vorhanden sind, sonst müssen die Pflegebefohlenen sie selbst anfertigen. Von der kleinen Anzahl von Mitgliedern, die sich bisher nur auf sechs beläuft, aber, gibt's Gott, bald mehren wird, wurden Ende des vorigen Jahres 20 Familien besucht. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Berged. Bote)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Deutschland</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Bayern.</hi>
         </p>
         <p>* <hi rend="italic bold">Aschaffenburg</hi>, den 10. Aprill. Die heilige Charwoche ist in geziemender Feier an uns vorüber gegangen, und ungeachtet der unangenehmen Witterung drängten sich am Charfreitage die Andächtigen schaarenweise zu dem Besuche der heil. Gräber, besonders in die reich ausgeschmückte Schloßkapelle, und in das mit Geschmack und Sorgfalt gezierte Oratorium der englischen Fräulein. Am Charsamstage, Abends 7 Uhr, wurden wir von einer, hier nicht gekannten Feierlichkeit überrascht. Auf bischöfliche Anordnung wurde nämlich die Auferstehung des Herrn in feierlicher Prozession, welche von der Stiftskirche aus durch die Hauptstraßen zog, festlich begangen. Die Theilnahme war außerordentlich, und diese hehre Feier machte einen tiefen Eindruck auf das Gefühl der Gläubigen. Die Bewohner der Straßen, durch welche der Zug sich bewegte, zeichneten sich rühmlich aus, durch Beleuchtung den Glanz der Feier zu verherrlichen, und besonders gingen Nicht-Katholiken hierin mit schönem Beispiele voraus. Bedauern mußte man, die Wohnungen einzelner Katholiken verdunkelt zu sehen, und wir hoffen, diesen Mißstand nicht einer Mißachtung religiöser Feier, sondern augenblicklichen Hindernissen zuschreiben zu dürfen, welche wir in künftigen Jahren nicht wiederkehren zu sehen wünschen. Dankenswerth war übrigens besonders die gefällige Anordnung des hiesigen Herrn Regimentsvorstandes, nach welcher die Militärmusik zur Verschönerung dieses Festes beitragen mußte. Nur Ein Wunsch blieb uns |Sp. 0501| übrig, daß nämlich auch die hiesige Geistlichkeit, wie am Frohnleichnamstage zu geschehen pflegt, sich dem Zuge angeschlossen hätte. Dank sey der väterlichen Vorsorge unseres bischöflichen Oberhirten, welcher dieses Fest uns bereitet hat! Das Fest der Auferstehung des Heilands nach katholischem Ritus ist ein Triumph des Katholicismus, und der schönste Schlußstein der Feier der h. Charwoche. Auffallend bleibt es, daß man diese herrlichen Ceremonien früherhin nie dahier in Ausübung brachte; desto überraschender war die vorher ungekannte Feier.</p>
         <p>Unserem Lyceum und — wir dürfen behaupten — unserer Stadt, stehet ein herber Verlust bevor, — der Uebergang des eben so gelehrten, wie als Mensch und Priester gleich würdigen fungirenden Lyceal-Professors, Dr. <hi rend="italic">Loehnis</hi>, an die Universität <hi rend="italic">Gießen</hi>. Wir sind innig erfreut über die dem vortrefflichen Manne gewordene Auszeichnung eines so ehrenvollen Rufes, und erblicken mit gerührtem Herzen hierin wieder einmal ein so seltenes Beispiel, daß auch stille Bescheidenheit, auf Gottesfurcht und tiefe Wissenschaft gegründet, durch die unerforschlichen Wege der Vorsehung an das Licht gezogen wird. Der Verlust dieses, in den orientalischen Sprachen äußerst erfahrenen Mannes ist dem Lyceum schwer zu ersetzen. Auch die Feier der Kirche wird ihn vermissen, indem er nicht nur den sonn- und festtäglichen Gottesdienst in dem benachbarten Dorfe <hi rend="italic">Leider</hi> seit länger, als einem viertel Jahrhunderte, mit frommer Aufopferung besorgte, sondern auch durch sein thätiges Wirken als Priester sich in der Stadt auszeichnete, und bei höheren Feierlichkeiten ein treuer Diener des Herrn war. Sein Andenken wird uns immer gesegnet bleiben. Möge ihn die Gnade des Ewigen auf seiner neuen Laufbahn stets geleiten!</p>
         <p>Im Laufe der nächsten Monate wird unsere Stadt und Umgegend von der Anwesenheit unseres hochwürdigsten Herrn Bischofs <hi rend="italic">Friederich</hi> Frhrn. <hi rend="italic">von Groß</hi>, erfreuet werden, indem derselbe, kräftig und gesund, in einem Alter von fast 80 Jahren, die vorgeschriebenen Schul- und Kirchenvisitationen vornehmen, und das h. Sakrament der Firmung austheilen wird. — Dem Institute der englischen Fräulein dahier, dessen heilsames Wirken in Besorgung der äußern Mädchenschulen sowohl, als in sorgfältiger Ausbildung, der ihm zu innerer Pflege vertrauten Zöglinge auch Mißgünstige kaum mehr zu widerstreiten vermögen, wurde unlängst durch Anordnung der k. Regierung des Untermainkreises eine Erweiterung seiner Thätigkeit zu Theil, indem ihm die Haltung einer Industrieschule für die erwachsene Jugend zur Aufgabe gemacht wurde. Hierdurch ist nun Einheit in den ganzen weiblichen Unterricht, vom ersten Anfange, bis zu seiner Vollendung gebracht, was dankbare Anerkennung verdient. — Ein am Ostersonntage durch die Güte mehrerer Kunstfreunde, zum Besten der neu begründeten Kleinkinderschulen, gegebenes Konzert, hat eine zahlreiche Theilnahme gefunden, und sohin zur Vermehrung des Fonds dieser Anstalt wesentlich beigetragen. — Die durch den Abgang des Professors Dr. <hi rend="italic">Loehnis</hi> verwais'te Lehrstelle am hiesigem Lyceum soll nicht wieder besetzt werden; eine solche Besetzung wäre aber auch wirklich ein unnützer Aufwand, da unsere Theologie nur <hi rend="italic">Einen</hi> Schüler zählt, welcher ihn überdieß nur zur Hälfte angehöret. — Von der Redaktion der hiesigen Kirchenzeitung soll sich Prof. Dr. <hi rend="italic">Göschl</hi> zurückziehen, und ihr Druck nach Würzburg verlegt werden, wo Herr <hi rend="italic">von Pfeilschifter</hi> bereits einen andern Redakteur zu gewinnen sucht. — Die hiesige Pfarrkirche ad. B. M. V. befindet sich nun schon beinahe einem halben Jahre lang ohne Hirten. Man erwartet ihn aus Altbayern, den Sprößling eines hohen Hauses.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Hessen</hi>
            <hi rend="bold">-</hi>
            <hi rend="italic bold">Darmstadt</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Darmstadt</hi>, den 8. Aprill. Das Regierungsblatt enthält eine großherzogl. Verordnung vom 21. März, die <hi rend="italic">Errichtung eines evangelischen Prediger</hi>-<hi rend="italic">Seminariums</hi> betreffend. Um die durch das Edikt von 1832, die Organisation der Behörden für die evangelischen Kirchen-Angelegenheiten betreffend, beabsichtigte durchgreifende Verbesserung des kirchlichen Zustandes des evangel. Theils des Großherzogthums um so sicherer zu befördern und für die segenvolle Wirksamkeit der Kirche, in so weit dieselbe von der Persönlichkeit und Amtstüchtigkeit der Geistlichen |Sp. 0502| abhängt, eine weitere Bürgschaft zu begründen, hat des Großherzogs k. H. die Errichtung eines evangel. Prediger-Seminariums angeordnet. Dasselbe hat die Bestimmung, den angehenden evangel. Geistlichen des Großherzogthums, nach Vollendung der theologischen Universitäts-Studien, zur weiteren Ausbildung und zur unmittelbaren Einführung in das praktische Berufsleben zu dienen. Die Anstalt hat ihren Sitz zu <hi rend="italic">Friedberg</hi>, und wird daselbst mit den nöthigen Lokalitäten und wissenschaftlichen Hilfsmitteln versehen. Der erforderliche Aufwand an Kosten wird lediglich aus öffentlichen Fonds bestritten. Die Bestimmungen des Lehrplans und der Methode werden dem Zweck der Anstalt entsprechend besonders festgesetzt werden. Sie tritt in angemessene Verbindung mit dem zu Friedberg befindlichen evangel. Schullehrer-Seminarium (demnächst auch mit dem dahin kommenden Taubstummen-Institute). Jeder inländische evangelische Theologe, welcher auf eine Anstellung im Pfarramte Anspruch machen will, ist verpflichtet, das Prediger-Seminarium auf die Dauer eines Jahres zu besuchen. Auch ausländischen Kandidaten der Theologie kann durch das Ober-Consistorium nach Umständen der Zutritt gestattet werden. Zur Unterstützung vermögensloser und würdiger inländischer Kandidaten, während sie die Anstalt besuchen, ist eine gewisse Anzahl von Stipendien in Geld bestimmt worden. Die Mitglieder des Prediger-Seminariums sind in Absicht auf ihre äußeren, bürgerlichen und rechtlichen Verhältnisse den ordentlichen Gerichts- und Polizeibehörden unterworfen. Im Uebrigen stehen sie unter der Aufsicht des Direktors der Anstalt und der übrigen Professoren. Die Lehrer der Anstalt, deren Zahl auf drei festgesetzt ist, sind sämmtlich zugleich auch Prediger, und, mit Ausnahme des Direktors, wirkliche Seelsorger bei der Gemeinde. Sie treten in gleiche Dienst-Kategorie mit den akademischen Professoren der Theologie. Die Verwaltung der das Prediger-Seminarium betreffenden Angelegenheiten ist, unter der obersten Leitung und Aufsicht des Ministeriums des Innern und der Justiz, dem Ober-Consistorium übertragen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schwäb. M.)</hi>
         </p>
         <p>* — Vor Kurzem hat der Graf <hi rend="italic">Montalembert</hi> eine "Histoire de sainte Elisabeth de Hongrie, duchesse de Thuringue" herausgegeben. Diese Geschichte ist ein starker Oktavband und mit Kupfern geziert. Während sich so <hi rend="italic">Frankreich</hi> im Jahr 1836 <hi rend="italic">literarisch</hi> und in Ausübung der <hi rend="italic">Kupferstecherkunst </hi>mit dieser großen weiblichen Erscheinung des Mittelalters beschäftigte, hat zu gleicher Zeit in <hi rend="italic">Deutschland</hi> die <hi rend="italic">Plastik</hi> ihr gedient. Dann im Herbst 1836 wurde die Bildsäule dieser Ahnfrau des hessischen Fürstenhauses in dem Palais, des Prinzen <hi rend="italic">Karl von Hessen</hi>, in Darmstadt in dem Augenblick aufgestellt, als dieser Prinz mit seiner neuvermählten Gemahlinn, der Prinzessinn <hi rend="italic">Elisabeth von Preußen</hi> in dasselbe einzog.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Roßbach</hi> , den 5. Aprill. Auch bei uns und in der Umgegend versuchte der Pfarr-Vikar O...l durch Zusammenberufung pseudo-pietistischer Conventikel die Landleute der ruhigen, beglückenden Sphäre eines pflichtgetreuen, echt christlichen Lebens zu entreißen und besonders das reizbare Gehirn der Weiblein durch unselige Traktätlein zu entzünden, deren Lektüre schon so manches schwache Gemüth in das Irrenhaus gebracht hat. Allein unser ehrwürdiger Dekan berichtete deßhalb, nach vorhergegangenen vergeblichen Warnungen, an unser treffliches Ober-Consistorium, und alsbald wurde der Stifter dieses Unwesens — <hi rend="italic">ausgewiesen</hi>. Heil der Regierung, die so weise, nicht nur für das physische, sondern auch für das geistige Wohl ihrer Unterthanen Sorge trägt! </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Ev. Lichtfrd.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Bremen.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Bremen</hi>, den 10. März. Am 9. März hat die hiesige Gemeinde zu St. Ansgarii die durch den Abgang des Herrn Dr. <hi rend="italic">Böckel</hi> erledigte dritte Predigerstelle durch die Wahl des Herrn <hi rend="italic">Mühlenhoff</hi>, bisher Pastor in Braunschweig, wieder besetzt.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Brem. Kirchbote)</hi> |Sp. 0503| 
         </p>
         </div> 
         <div type="ta">
         <head>Theologische Akademie.
         </head>
            <div type="tapr">
         <head>
        Protestantische Abtheilung.
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">* Rundschreiben an die oldenburgische und jever'sche protest. Geistlichkeit.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold"> Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Ernst</hi> 
            <hi rend="italic bold">Gottlieb</hi> 
            <hi rend="italic bold">Adolph</hi> 
            <hi rend="italic bold">Böckel</hi>
            <hi rend="bold">, großherzogl. oldenburgischem geheimen Kirchenrathe, Oberhofprediger und Generalsuperintendenten.</hi>
            <hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="bold">
                  <note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
                     <p rend="footnote text"> Wir glauben dem Publikum einen Dienst zu erweisen, wenn wir dieses Rundschreiben, ein wahrhaft unübertreffliches Muster eines Hirtenbriefes, des mit Recht hochgefeierten Gottesmannes, in der Universal-Kirchenzeitung im ganzen Umfange mittheilen. Einen Würdigern hätte der Großherzog von Oldenburg nicht zum Bischof seines Landes wählen können. <lb/>Kirchhasel, bei Rudolstadt, den 10. Aprill 1837. <lb/>Dr. Wohlfarth, evangel. Pfarrer.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>Seyen Sie mir in dem Herrn gegrüßt, verehrte Amtsgenossen! Gott hat mich durch den Wechsel der verschiedenartigsten amtlichen Verhältnisse zu Ihnen geführt, um in inniger Gemeinschaft mit Ihnen zur Ausbreitung seines Reiches zu wirken. Mit den schönsten Hoffnungen bin ich dem Rufe Ihres, jetzt auch meines gnädigsten Fürsten gefolgt, der mir einen ehrenvollen und herrlichen Wirkungskreis öffnet; aber ich bin auch nicht ohne mannichfache Besorgnisse in die mir neuen Verhältnisse getreten. Beides kann Sie nicht befremden, wenn Sie die gegenwärtige Stellung des evangelischen Geistlichen in Erwägung ziehen.</p>
         <p>Daß die Forderungen, welche man an jeden Gebildeten, insbesondere an wissenschaftliche Männer macht, immer höher gesteigert werden, will ich nur beiläufig erwähnen, obgleich die Aufgabe, welche die Religionslehrer unserer Zeit zu lösen haben, dadurch unstreitig erschwert wird. Die Zeiten sind vorüber, wo man die Diener des Evangeliums um ihres Amtes willen so verehrte, daß ihre Persönlichkeit nur wenig in Betracht kam, wo man ihre Vorträge nicht zu kritisiren wagte, weil man gewohnt war, sie als Gottes Wort zu betrachten, wo man nicht nur menschliche Schwachheiten, sondern Unsittlichkeiten, wohl gar offenbare Laster an ihnen übersah, weil ihr Amt sie mit einem blendenden Heiligenschein umgab. Heute zu Tage wird ein ganz anderer Maßstab an uns und unser Wirken gelegt. Unsere Predigten sollen nicht nur ihrem Inhalte nach erbaulich seyn, sondern auch in Ansehung der Form den Gesetzen des herrschenden, vielleicht irregeleiteten Geschmackes entsprechen, und wenn unsere Kirchen leer sind, so entblödet man sich nicht, uns allein die Schuld beizumessen. Und welche seltsamen, widersprechenden Anklagen werden hier laut! Die Verbildeten, denen die Schrift Widerwillen und Ekel einflößt, weil sie sich nicht lesen läßt, wie ein Zeitungsblatt oder ein Roman, nennen uns Dunkelmänner und Mystiker, wenn wir zur Sprache bringen, was sie nicht Lust haben, zu hören; die Einseitigen aber, die Christum nur auf Golgatha kennen, schmähen uns als Rationalisten und Heiden, wenn wir von seiner Lehre und seinem Vorbilde reden. Dabei wird unser Wandel vor den Richterstuhl einer Kritik gezogen, die uns wenig oder gar nichts zu gute zu halten geneigt ist. Wir könnten uns das, trotz der Unsicherheit jedes menschlichen Urtheils, freilich wohl gefallen lassen, da wir die elendesten Menschen wären, wenn wir Andern predigten, und selbst verwerflich würden, und da unser Bewußtseyn über ungerechten Tadel uns erheben muß; aber auch hier sind die Forderungen, welche man an uns macht, so widersprechend und unvereinbar, daß es unmöglich ist, ihnen nach ihrem ganzen Umfange Genüge zu leisten. Vorurtheil und Heuchelei machen auf der einen Seite uns manches zur Sünde, was dem Unbefangenen als erlaubt und untadelhaft erscheint; auf der andern Seite spottet die Lieblosigkeit unser, wenn wir mit dem Apostel sprechen: Wir haben zu Allem Macht; aber es frommt nicht Alles. Dazu kommt, daß der Kampf religiöser Ansichten und Vorstellungen in unsern Tagen mit einer Lebhaftigkeit geführt wird, die nicht sowohl unparteiliche und tief eindringende Untersuchungen, als vielmehr leidenschaftliche Ergüsse |Sp. 0504| und feindselige Angriffe erzeugt. Wenn hier mit einem unleugbaren Aufwande von Scharfsinn und Gelehrsamkeit fast die ganze evangelische Geschichte in eine Reihe von Sagen und Mythen verwandelt wird, denen alle historische Glaubwürdigkeit abgehen soll; wenn dort mit der Aengstlichkeit eines irrenden Gewissens oder mit dem Eigensinn eines beschränkten Verstandes der Buchstabe, auch in den ältesten biblischen Urkunden, festgehalten und so gepreßt wird, daß der Geist entflieht; wenn hier mit unabweislichem Ernste die Schriftauslegung abhängig gemacht wird von den Ansichten eines Jahrhunderts, das an Hexen und Kobolde glaubte; wenn dort eine moderne Scholastik ihre Orakelspruche in Ausdrücke hüllt, die unserer Bibelübersetzung und den Schriften orthodoxer Theologen entlehnt sind, jede andere Auffassungs- und Darstellungsweise mit einer Art von Mitleid verwerfend: wie schwer ist es da, die grade, allein sichere Mittelstraße zu finden, die, von allen Irr- und Abwegen fern, zum Throne der Wahrheit führt! Und, was das Wichtigste ist, wir sollten nicht nur selbst zu einer befriedigenden Gewißheit gelangen, sondern auch im Stande seyn, Jedem Rede und Antwort zu geben, und die Zweifel zu lösen, die der Zeitgeist nicht selten ungebildeten und im Nachdenken ungeübten Personen in's Ohr raunt. Das ist um so schwieriger und mißlicher, da man uns nicht überall mit dem Vertrauen und der Empfänglichkeit, die unsre Vorfahren von ihren Zeitgenossen empfingen, entgegen zu kommen pflegt. Sind wir gute Gesellschafter, Theil nehmend an den Interessen des Tages, auch dem Flüchtigen und Nichtigen unsre Aufmerksamkeit zuwendend, wenn die Tonangeber es zum Gegenstande der Unterhaltung machen, so stehen uns die Thüren offen; aber wollen wir die Pflichten der Seelsorger ausüben, und ihre Rechte geltend machen, so langweilen wir, stoßen zurück, oder werden Freunde einer anmaßenden Hierarchie gescholten. Gleichwohl sollen wir die Rathgeber unserer Gemeinden seyn, und insbesondere allen dem entgegenarbeiten, was auf das häusliche Leben, auf die Kindererziehung, auf Religiosität und wahre Frömmigkeit nachtheiligen Einfluß haben kann. Freier und glücklicher erscheint hier wohl der Landprediger, zumal, wenn er eine Reihe von Jahren seiner Gemeinde angehört hat, oder doch an die Stelle eines würdigen, echt evangelischen Vorgängers getreten ist; ihm bleiben so manche Hindernisse der Amtsthätigkeit fremd, auf welche der Stadtprediger bei jedem Schritte stößt. Aber auch Sie, meine Brüder, die Sie als vertraute Freunde, vielleicht als hochgeehrte Väter, im Kreise einfacher Dorfbewohner stehen, auch Sie haben Ursache, zu klagen. Am meisten tritt wohl die Anmaßung, von dem Herkommen gerechtfertigt, Ihnen zu nahe, indem sie Ihnen einen großen Theil Ihrer kostbaren Zeit raubt; wozu eine Stunde hingereicht hätte, wenn es nur darauf angekommen wäre, Lehre und Trost des Evangeliums empfänglichen Gemüthern mitzutheilen, das kostet Ihnen einen halben Tag, und indem Sie nicht ohne Ursache fürchten, daß der Segen Ihres Amts unter dem Einflusse von Unterhaltungen und Zerstreuungen großen Theils verloren gegangen sey, glaubt der Unverstand Sie durch Bewirthung und Bezahlung reichlich schadlos zu halten.</p>
         <p>Doch warum soll ich die Schattenseite unsers Standes noch weiter ausmalen? Sie, die ich in diesem Schreiben begrüße, verstehen mich; Sie haben gewiß schon oft ähnliche Betrachtungen angestellt, und haben das Niederschlagende derselben empfunden. Aber ich glaube, Sie werden mit mir auch das Erhebende, ich möchte sagen: das Begeisternde, erkennen und fühlen, das unser Beruf um so mehr darbietet, je schwieriger er erscheint. Oder sollten wir nicht der Vorsehung danken, daß unser Leben und Wirken in eine Zeit gefallen ist, wo man von dem Lehrer des Evangeliums viel erwartet und fordert, und wo er seine große Bestimmung nicht erreichen kann ohne Anstrengung und Kampf? Sollten wir den Schamanen die Verehrung beneiden, welche ihnen die Blindheit des Aberglaubens zollt, während wir die Achtung der Welt und das Vertrauen unsers Publikums durch nichts anders gewinnen können, als durch persönliche Vorzüge und Verdienste? Sollten wir bei redlicher Treue im Dienste unseres Herrn uns nicht über den Wankelmuth und die Härte des öffentlichen Urtheils trösten, und, ob wir verkannt, gelästert, angefeindet würden, mit dem Apostel sprechen: Wenn uns unser Herr nicht verdammt, so haben wir Freudigkeit zu Gott — ? Sollten wir uns nicht glücklich preisen, daß unsere Stellung, |Sp. 0505| indem sie unsere Verantwortlichkeit vergrößert, für uns die Reizungen zur Sünde schwächt, und die Ermunterungen zum Guten vermehrt und belebt? Und bedürfen wir eines äußern Antriebes, in der Erkenntniß immer weiter fortzuschreiten, was könnte uns dazu dringender auffordern, als der mit allen Waffen geführte Kampf der Meynungen, der unsere Zeit bewegt? Unmöglich können wir gleichgiltige Zuschauer bleiben, wenn das Höchste und Heiligste auf dem Spiele steht. Wollen wir nicht Miethlinge werden, die auf dem einmal betretenen Wege mechanisch fortgehen, oder Heuchler, die ihre Ueberzeugung hinter vieldeutigen Worten verbergen, oder Schwächlinge, die sich darauf steifen, zu glauben, was die Kirche glaubt, ohne daran zu denken, daß jedes menschliche Institut im Lauf der Jahrhunderte sich umgestalte; so müssen wir alle unsere religiösen Vorstellungen und Ansichten, so wie alle Theile unseres Wissens, die damit im Zusammenhange stehen, immer auf's neue durchprüfen und auf ihre ersten Gründe zurückführen, um in dem stets sich erneuenden Kampfe mit Zweifeln und Widersprüchen die Gewißheit zu erlangen, nach der ein Wahrheit liebendes Gemüth unausgesetzt ringt. Haben wir doch den alle Furcht überwindenden Trost, daß das eigentliche Fundament unseres christlichen Glaubens nicht erschüttert werden kann, daß die Kirche des Herrn auf einen Felsen gebaut ist, und daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen! Durch keinen Angriff erschreckt, durch keinen Kampf ermüdet, durch keine Gefahr beunruhigt, sprechen wir mit Paulus: Einen andern Grund kann zwar Niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus; so aber Jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, Edelstein, Holz, Heu, Stoppeln, so wird eines Jeglichen Werk offenbar werden, der Tag wird es klar machen. Die Schwierigkeiten endlich und Hindernisse, die sich uns in den Weg lagern, und die Ungewißheit des Erfolges bei allem, was wir thun, können und sollen unserm Wirken nicht nur eine Beharrlichkeit und Ausdauer geben, die ihres Zweckes niemals verfehlt, sondern auch eine Uneigennützigkeit, die keinen Lohn begehrt, und einen Glaubensmuth, der nicht zweifelt, daß, wenn auch von dem ausgestreuten Samen manches am Wege zertreten wird, manches auf dem Felsen verdorrt, manches unter den Domen umkommt, doch der auf ein gutes Land fallende hundertfältige Frucht trägt.</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
            </div>
      <div type="tais">
         <head>
          Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">* Einiges über den Ursprung des Vaterunsers.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Von M. B. Friedenthal</hi>
            <hi rend="bold">, vervollständigt von </hi>
            <hi rend="italic bold">Dr</hi>
            <hi rend="bold">. </hi>
            <hi rend="italic bold">Wilhelm</hi> 
            <hi rend="italic bold">Freund </hi>
            <hi rend="bold">in Breslau.</hi>
         </p>
         <p>So wie es in allen historischen Untersuchungen die erste Pflicht des Forschers ist, die Zeit, in welche der Gegenstand seiner Untersuchung gehört, genau in's Auge zu fassen, so scheint auch die richtige Beantwortung der über den Ursprung des <hi rend="italic">Vaterunsers </hi>vor Kurzem erregten Streitfrage von der Bemerkung abzuhängen, daß Christus als Jude geboren, von jüdischen Eltern gebildet, und was hier ganz besonders zu betrachten ist, <hi rend="italic">unter Juden lehrend</hi>, von der Sitte und dem Sprachgebrauch seines Volkes weder ganz abweichen konnte, noch auch durfte, wenn anders seine Lehre unter demselben Eingang finden sollte. Daß er aber von den zu seiner Zeit bereits vorhandenen, sogenannten 18 Gebeten abging, erklärt sich unter anderm auch daraus, daß zufolge der <hi rend="italic">universalen</hi> Richtung, welche die von ihm gestiftete Religion nehmen sollte, die in jenen Gebeten enthaltenen <hi rend="italic">nationalen</hi> Beziehungen für ihn alle Bedeutung verloren hatten. Im Allgemeinen bemerken wir indeß, daß die Anleitung zu einem kurzen Gebete bei den Juden öfters vorkommt; wie denn das bekannte אבינו מלכנו eine Abkürzung der 18 Gebete ist, und daß spätere מגן אבות derselben Absicht seinen Ursprung ver- |Sp. 0506| dankt. Die vorzüglichsten Rabbiner folgten nachmals diesem Beispiele, und gaben ihren Schülern einen Auszug der 18, mittelst Beibehaltung des ihrer Meinung nach vorzüglichsten Inhalts, als zureichende Formel für solche Fälle, wenn Zeit und Umstände ihnen nur eine kurze Andacht gestatteten.<note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
               <p rend="footnote text"> Zur Beseitigung des leicht zu erwartenden Einwurfs, als können die 18 wegen der darin enthaltenen Gebetformel: "Nach Jerusalem mogest Du zurückkehren und den Thron David's von neuem dort errichten" nicht vor Christo abgefaßt seyn, diene die Bemerkung, daß die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil keinesweges eine vollständige und den Verheißungen Gottes von dem Einen und unter David's Nachkommen blühenden Staate vollig entsprechende gewesen sey; so daß selbst bei'm Vorhandenseyn eines Tempels in Jerusalem dennoch die Bitte: „Herr kehre nach Jerusalem zurück, und errichte den Thron David's, wie Du verheißen hast" gar nichts Widersprechendes enthielt.</p>
            </note>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Indem wir nun hier die einzelnen Theile des V. U. in Bezug auf ihren Ursprung näher betrachten, wird es sich von selbst ergeben, ob dasselbe in seinen Einzelheiten bereits vor Christo bei den Juden in Gebrauch gewesen, und inwieweit sich die von Otho</hi> in seinem Lexikon aufgestellte Ansicht rechtfertigen lasse.</p>
         <p>Was zunächst den Gebrauch des <hi rend="italic">Plurals</hi> im V.U. betrifft, so ist es Thatsache, daß derselbe bereits vor Christo unter den Juden stattgefunden; es sollte dadurch nicht nur jede unreine, selbstsüchtige Absicht bei'm Gebete verdrängt, sondern der Betende, wie es scheint, auch veranlaßt werden, seine Andacht zur Zeit des öffentlichen Gottesdienstes zu verrichten, und sich so in Gedanken an die betende Gemeinde anzuschließen; und obgleich die Stelle <hi rend="italic">Berachoth</hi> Fol. 30,2. sich auf einen speziellen Fall bezieht, so ist doch schon <hi rend="italic">Maimonides</hi> (Jad Hachsaka, Hilchoth Tephila §. 1) der Meinung, daß aus dieser Stelle der Vorzug eines in Gemeinschaft mit mehreren Menschen verrichteten Gebetes abzuleiten sey, was auch im Commentar Kessef mischne zu demselben §. sehr richtig bemerkt wird. Daher ist die Ansicht <hi rend="italic">Otho's</hi> ganz der talmudischen Schlußweise gemäß.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Unser Vater</hi>, <hi rend="italic">der Du bist im Himmel</hi>. Des Ausdrucks "unser Vater" bediente sich schon <hi rend="italic">David</hi> im Dankgebot (1. B. d. Chron. 29,10) und <hi rend="italic">Jesajas</hi> (63,16. u. 64.7);<note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
               <p rend="footnote text"> In dem von R. Akiba abgefaßten (d.h. ihm zugeschriebenen) Gebet אבינו מלכנו wird Gott immer mit dem Namen „unser Vater" angeredet.</p>
            </note> 
            <hi rend="italic">und mit dem Beisatze "der Du bist im Himmel" ist er im Morgengebete der Juden ("Himmlischer Vater, </hi>אבינו שבשמים <hi rend="italic">erzeige uns Gnade" etc.) und Gebet Wehu Rachum zu wiederholten Malen noch jetzt im Gebrauche. Die Stellen, welche Otho</hi> aus dem Talmud als Belege citirt, sind zwar alle aus der nachchristlichen Zeit; allein bei der traditionellen Art, wie Lehre und Sprache des jüdischen Volkes sich fortgepflanzt haben, dürften wir uns wohl keines Anachronismus schuldig machen, wenn wir die Ueblichkeit jener Gebetform schon in den Zeiten Christi für wahrscheinlich annehmen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Geheiligt werde Dein Name</hi>. Eine Preisverkündigung Gottes, die im <hi rend="italic">Jesajas</hi> sehr oft, namentlich Cap. 29, V. 23 und ebenso auch in den jüdischen Gebeten Keduscha und Kadisch vorkommt.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Zu uns komme Dein Reich</hi>. In dem bekannten Alanu-Gebet findet sich ein ähnlicher Ausdruck: "Durch das Reich des Allmächtigen möge die Welt vervollkommnet werden."</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Dein Wille geschehe</hi> etc. Hier ist zwar der jüdische Ausdruck: "thue Deinen Willen im Himmel" verschieden von der christlichen Gebetformel: "Dein Wille geschehe wie im Himmel etc." Dennoch finde ich in dieser obwaltenden Verschiedenheit keinen Widerspruch, da wir im Gebiet der <hi rend="italic">Nothwendigkeit</hi> das <hi rend="italic">unmittelbare</hi> Einwirken der Gottheit (das <hi rend="italic">Thun seines Willens</hi>) erflehen müssen, während im Reiche der zur Vervollkommnung der Menschen führenden <hi rend="italic">Freiheit</hi> die Herbeiführung der Mittel zur <hi rend="italic">Vollziehung</hi> des göttlichen Willens (auf daß <hi rend="italic">sein Wille geschehe</hi>) schon hinreicht, indem das unmittelbare Eingreifen der Gottheit die menschliche Freiheit aufheben würde.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Gib uns heute unser täglich Brod</hi>. Mit dem in diesem Gebet sich aussprechenden kindlichen und um die Zukunft unbekümmerten Vertrauen auf Gott pflegte schon R. <hi rend="italic">Hillel</hi> bei seinen Handlungen sich des ersten Heimstichon's des 20. Verses im 68. Ps. (ברוך ה'יום יום) zu bedienen; und hinsichtlich der |Sp. 0507| mäßigen Ansprüche des nur um Brod bittenden Menschen an die Gottheit dienen als Belege zu diesem Theile des V. U. Genes. 28,21. Prov. 38,9. Uebrigens rührt die von <hi rend="italic">Otho</hi> citirte Stelle von Unbekannten her, deren Zeitalter sich nicht genau bestimmen läßt.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Vergib uns unsere Schuld</hi>, <hi rend="italic">wie auch wir vergeben unsern Schuldigern</hi>; oder wörtlich: <hi rend="italic">erlasse uns unsere Schuld</hi>, <hi rend="italic">wie auch wir</hi> (dieselben) <hi rend="italic">unsern Schuldigern erlassen</hi>.<note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
               <p rend="footnote text"> „ϰαὶ ἄϕες ἡμῖν τά ὀϕειλή ματα ἡμῶν, ὡς ϰαὶ ἡμεῖς ᾀϕίεμεν τοῖς ὀϕειλέταις ἡμὥν“ (Matth. 6,12.). Es ließe sich aus der Gleichheit der Ausdrücke in dieser Stelle und bei der Lehre vom Erlaßjahre 5. Mos. 1. f.f. (ᾄϕεσις; ἀϕήσεις πᾶν χρέος ἴδιον ὁ ὀϕείλει σοι ὁ πλήσιον; ἂϕεσιν ποιήσεις; siehe die LXX z. d. St.) vielleicht in dem Sinne der Betenden der Gedanke vemuthen: „Herr, erlasse uns unsere Schulden (hier bildlich für Sünden), so wie auch wir dieselben (ein Erlaßjahr) unsern Schuldigern erlassen."</p>
            </note>
            <hi rend="italic"> Die Idee, die dieser Bitte zu Grunde liegt, ist ganz biblisch, und in dem bekannten Gebete Abinu malkenu noch bestimmter ausgedrückt: „Unser Vater und Herr, vertilge durch Deine große Barmherzigkeit alle Dokumente unsrer Schuld</hi> (כל שטרי חובותינו). Denn nach dem bildlichen Sprachgebrauch im A. T. werden die Sünden eines jeden Menschen, wie eine Geldschuld, in das große Weltenbuch eingetragen, Jerem. 18,23. vgl. Ps. 139,16; und der Schuldige wird ausgelöscht und aus dem Buche des Lebens Ps. 69,29. 2 Mos. 32,32 und 33. vgl. dagegen Jes. 4,3., mit welcher letztern Stelle das Gebet in den 18 „Herr, der Du gefallen hast am Leben, schreibe uns ein in's <hi rend="italic">Buch des Lebens"</hi> übereinstimmt.</p>
         <p>In Betreff des Nachsatzes in obiger Gebetformel ("so wie auch wir unsern Schuldigern vergeben") verdient verglichen zu werden Talm. Joma Fol. 67 und Baba Kama Fol. 92 wo gelehrt wird, daß derjenige besonders auf Vergebung der Sünden hoffen könne, der seinen Schuldigern vergibt, dagegen der Unversöhnliche keine Verzeihung zu erwarten habe. Auch hat sich von den ältesten Zeiten her bis auf den heutigen Tag bei den Juden der Gebrauch erhalten, am Tage vor dem großen Buß- und Versöhnungsfeste (im Monat Tischri) mit allen ihren Glaubengenossen, mit denen sie im Laufe des Jahres in feindliche Berührungen gekommen, gegenseitig verzeihend, sich auszusöhnen, weil sie nur nach Entfernung aller Feindschaft und allen Hasses gegen ihren Nebenmenschen von Gott Vergebung ihrer Sünden hoffen zu können glauben.</p>
         <p>Die Bitte: <hi rend="italic">führe uns nicht in Versuchung</hi>" wird täglich von jeden Israeliten im Morgengebet ausgesprochen<hi rend="italic">: </hi> אל תביאנו לידי נסיון<note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
               <p rend="footnote text"> Wer aber diese, wie überhaupt irgend eine jüdische Gebetformel, die mit einer christlichen so genau übereinstimmt, aus dem christlichen Ritus herleiten wollte, wurde eine völlige Unkunde in der Religionsgeschichte der ersten christlichen Jahrhunderte verrathen.</p>
            </note> Daß die Vorsehung zur Vervollkommung des Menschen sich zuweilen der Versuchungen bedient, erhellt aus folgenden Stellen des A. T.: 2 M. 16,4. 5 Mos. 8,2. 16. 13,3. Richt. 3,1. Da aber nur wenige in dem Kampfe mit der Versuchung den Sieg erringen, so betet der Mensch im Bewußtseyn seiner Schwäche: Herr führe mich nicht in Versuchung.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Erlöse uns von dem Uebel</hi>, mit vorwaltender Beziehung auf die <hi rend="italic">Sünde</hi>; hiezu vergleiche 1 M. 48,16. Ps. 130,8. 141,4.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Denn Dein ist das Reich</hi> u. s. w. Dieser Schlußsatz des V. U. trägt so sehr das Gepräge des biblisch-hebräischen Ausdrucks an sich, das kein Kenner des A. T. über seinen Ursprung in Zweifel seyn kann. Man erinnere sich nur an das Gebet <hi rend="italic">David's</hi> 1 Chr. 28,10. und 11., aus welchem sich durch bloße Wortversetzung obige Formel im V. U. vollständig zusammenfügen läßt: </p>
         <p>לך ה' הממלכה והגבורה והתפארת מעולם ועד עולם</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Amen</hi>, ein bei den Hebräern bekanntlich am Schlusse der Gebete gebräuchliches Wort, daß namentlich in den Psalmen (vgl. |Sp. 0508| besonders Psalm 72,19. 106,48) häufig wiederkehrt. Daher auch in den Gebeten der Israeliten die Schlußformel: Und laßt uns hierauf sagen: <hi rend="italic">Amen</hi>.</p>
      </div>
            <div type="taka">
         <head>
         Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">* Analogie zwischen den Überlieferungen verschiedener Völker, besonders der Chinesen, und den Erzählungen der Bibel. — Nach dem Französischen der </hi>
            <hi rend="italic bold">Annales de</hi> 
            <hi rend="italic bold">Philosophie</hi> 
            <hi rend="italic bold">chrétienne</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Johann</hi> 
            <hi rend="italic bold">Baptist</hi> 
            <hi rend="italic bold">Diehl</hi>
            <hi rend="bold">, Subregens des bischöfl. Klerikal-Seminars in Limburg.</hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Den Osten von <hi rend="italic">Asien</hi> bewohnt ein Volk, das sich im buchstäblichen Sinne wie eine große Familie betrachtet, wovon der Kaiser nicht sowohl der Herrscher, als der Vater ist. Der Fürst, sagt <hi rend="italic">Confucius</hi>, soll seine Staaten, sowie seine Familie beherrschen — seine Unterthanen soll er betrachten, wie seine Kinder. Reisende versichern, daß <hi rend="italic">China</hi> noch heut zu Tage die auffallende Erscheinung einer rein häuslichen Regierung darbiete, einer Regierung, die mit und in den Familienverhältnissen besteht, einer Gesellschaft, die kein andres Band zusammenhalte, als der Patriarchal-Geist.</p>
         <p>Die öffentliche Verwaltung in China hat keine andere Stütze, als die Pflichten der Eltern und Kinder. Der Kaiser trägt den Namen Vater und Mutter des Reiches. Ein Vicekönig ist der Vater der Provinz, der er vorsteht; ein Mandarin, der Stadt, an deren Spitze er steht. Zur Erfüllung der Pflichten eines guten Unterthanen, sagt <hi rend="italic">Confucius</hi>, wird nichts erfordert, als die Erfüllung der Pflichten eines guten Sohnes. Der Fürst wird für den Sohn des Himmels gehalten (— die Weihe der höchsten Gewalt durch die Religion), die Unterthanen sind anzusehen als Söhne des Fürsten. Handelt jener als liebevoller Vater und diese als gehorsame Söhne, so wird Ordnung im ganzen Reiche herrschen.</p>
         <p>Ein andrer Zug der Aehnlichkeit mit der patriarchalischen Theokratie liegt darin, daß der Kaiser in China, mit Ausschluß jedes Andern, der Hohepriester der Nation ist; er allein hat das Recht, öffentlich dem Himmel zu opfern. Nach der Vorstellung der Chinesen ist das Priesterthum so enge und innig mit der höchsten Gewalt verbunden, daß sie sich beide getrennt durchaus nicht denken können.</p>
         <p>Die Thronfolge ist erblich. Der älteste Sohn folgt dem Vater nach. Jener Sohn, der von der ersten und rechtmäßigen Gattinn, die den Titel Kaiserinn führt, geboren wurde, hat den Vorzug vor seinen Brüdern, wie Isaak vor Ismael. Dessenungeachtet kann aber der Kaiser einen andern Sohn zum Nachfolger ernennen (Jakob vor Esau); nur muß diese Ernennung zu Lebzeiten des Vaters geschehen.</p>
         <p>Alle Schriftsteller, die über China geschrieben, nehmen ziemlich allgemein an, daß einige unmittelbare Nachkommen <hi rend="italic">Noa's</hi>, vom Aufgang herkommend, den Grund zum chinesischen Reiche gelegt, und die Religion ihrer Väter mit übergepflanzt haben. Das höchste Wesen ist der einzige Gegenstand der chinesischen Gottesverehrung. Als den Ursprung aller Dinge beten sie es an unter den beiden Namen <hi rend="italic">Chang</hi>-<hi rend="italic">ti</hi> und <hi rend="italic">Tien</hi>, die in ihrer Sprache auch höchsten Herrscher und Himmel bedeuten. Im Chou-king heißt es: "Dieses höchste Wesen ist der Schöpfer alles dessen, was da ist. Es ist unabhängig und allmächtig; es durchschaut auch die verborgensten Geheimnisse der Herzen; es wacht über die ganze Welt, wo nichts ohne seine Fügung geschieht; es ist heilig. Es verhängt große Strafen über die Bösen, ohne selbst der Könige zu schonen, die es in seinem Zorne vom Throne stößt. Der öffentlichen Heimsuchungen bedient es sich, um die Menschen zur Besserung der Sitten zu erwecken, worin das sicherste Mittel besteht, seinen Unwillen zu besänftigen." |Sp. 0509| Glaubt man da nicht einen fernen Nachhall der Stimme der Propheten des Alten Bundes zu vernehmen?</p>
         <p>Da man die Chinesen beschuldigte, als verehrten sie den materiellen Himmel, oder wenigstens eine intelligenzlose himmlische Wirksamkeit, erklärte der Kaiser <hi rend="italic">Kang</hi>-<hi rend="italic">hi</hi> durch ein feierliches Manifest, das in der Gesetz-Sammlung niedergelegt wurde, die wahre Religion des Reiches, in diesen Worten: "Nicht dem sichtbaren und materiellen Himmel werden Opfer dargebracht, sondern einzig und allein dem Herrn und Schöpfer des Himmels und aller Dinge. Deshalb trägt die Gesimstafel, vor welcher die Opfer dargebracht werden, die Inschrift: "dem <hi rend="italic">Chang</hi>-<hi rend="italic">ti</hi>" d. h. dem höchsten Herrn. Aus Ehrfurcht pflegt man ihn unter der Benennung: <hi rend="italic">höchster Himmel</hi> anzurufen, wie man auch aus Ehrfurcht den Kaiser nicht bei seinem Namen nennt, sondern sagt: <hi rend="italic">die Stufen seines Thrones</hi>, <hi rend="italic">der höchste Hof seines Palastes</hi>."</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Kang</hi>-<hi rend="italic">Hi</hi>, noch nicht zufrieden mit dieser Erklärung, die für seine individuelle Ansicht hätte gehalten werden mögen, versammelte die Großen des Reichs, die ersten Mandarinen, die ausgezeichnetsten Gelehrten, und Alle erklärten einstimmig, daß bei Anrufung des <hi rend="italic">Tien</hi> sie das höchste Wesen anriefen, den <hi rend="italic">Herrn des Himmels</hi>, der Alles sieht, Alles erkennt, und dessen Fürsehung dieses Weltall regiert. Hätte nicht Eigensucht und Leidenschaft über diesen und die folgenden Punkte die katholischen Glaubensboten früherer Zeiten entzweit: wer weiß, ob nicht das Reich der Mitte nun wirklich ein <hi rend="italic">göttliches</hi> Reich, eine der schönsten Blumen im Garten der katholischen Kirche geworden wäre?</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
            </div> 
         </div>
         <div type="lit">
         <head>
            Literatur.
         </head>
            <div type="litpr">
         <head>
           Protestantische Abtheilung.</head>
         <p>
            <hi rend="bold">* </hi>
            <hi rend="italic bold">Anzeige</hi> 
            <hi rend="italic bold">einer</hi> 
            <hi rend="italic bold">empfehlungswerthen</hi> 
            <hi rend="italic bold">Uebersetzung aus</hi> 
            <hi rend="italic bold">dem</hi> 
            <hi rend="italic bold">Französischen</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von einem protestantischen Geistlichen.</hi>
         </p>
         <p>Wenn auch auf der einen Seite unsere Zeit noch keineswegs die <hi rend="italic">kirchliche</hi> ist, zu welcher dieselbe manche Lobredner der Gegenwart machen möchten, und dieserhalb und bei der entschiedenen materiellen Richtung vieler der Zeitgenossen der Wirksamkeit des geistlichen Berufs sehr große Hindernisse entgegenstehen, so ist von der andern doch auch eben so sehr zu beklagen, daß nicht wenigen geistlichen Würdeträgern jener wahrhaft geistige Sinn fehlt, wodurch sie allein mit überwältigender Kraft auf ihre Heerde einwirken können.</p>
         <p>Muß man allerdings wiederum zugeben, daß auch diese Erscheinung, nächst in der Zeit überhaupt, in der profanirten heil. Wissenschaft ihren Grund hat, so muß doch nur um so mehr jede Anregung, das Uebel bei denen, welche das "<hi rend="italic">Salz der Erde</hi>" seyn sollten, zu beseitigen, die dankbarste Anerkennung finden.</p>
         <p>Ref. kann in dieser Hinsicht nicht umhin, die verehrlichen Leser dieses Organs der Oeffentlichkeit auf den auf deutschen Boden verpflanzten Beitrag zur Charakteristik des bekannten <hi rend="italic">Oberlin</hi>, eines wahren <hi rend="italic">Melchisedek</hi> der christlichen Kirche, aufmerksam zu machen, welche bei <hi rend="italic">Anholt</hi> in <hi rend="italic">Blankenhain </hi>unter dem Titel: </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Der Pastor Oberlin</hi>. Elsassische Novelle nach dem Französischen des Paul <hi rend="italic">Merlin</hi>, von Dr. M. W. G. <hi rend="italic">Müller</hi> erschienen ist.</p>
         <p>Der würdige, mit <hi rend="italic">Wohlfarth</hi> als Herausgeber des von allen Seiten mit lebhaftem Interesse aufgenommenen <hi rend="italic">Predigerspiegels</hi>, Weimar bei Voigt, 1836, so wie als geistlicher Dichter und Kanzelredner rühmlichst bekannte Dr. <hi rend="italic">Müller</hi> in Berka bei Weimar hat durch gegenwärtige, das Originalgemälde treu und |Sp. 0510| lebendig wiedergebende Uebersetzung sich um die Pastoral-Literatur unserer Kirche ein wahres Verdienst erworben. Mißt man den Werth einer Schrift nur nicht nach ihrem Volumen, sondern dem Aether, der in demselben wohnt, so würden Geistliche diese Bogen nicht aus der Hand legen, ohne gestehen zu müssen: ich bin vielfach belehrt, ich bin mächtig geweckt, ich bin mit neuem Eifer für meinen Beruf erfüllt worden!</p>
         <p>Solche Charakteristiken können für junge Theologen nur höchst belehrend und erweckend werden, sie können die Ermatteten nur ermuthigen und stärken. Denn lebendige Charakterbilder dieser Art bekleiden das dürre Skelett der wissenschaftlich geordneten Pastoralwissenschaft und hauchen ihm Leben ein. Pia per precepta longa, per exempla brevis!</p>
         <p>Und wahrlich, solcher Ermuthigung, — wer bedürfte sie mehr, als der Geistliche in seiner Abgeschiedenheit von der Welt, in seinen oft so niederbeugenden Verhältnissen!</p>
         <p>Ref. drückt dem wackeren Gottesmanne im Geiste die Hand für dieses Geschenk, das ihm einige sehr angenehme und lehrreiche Stunden gewährt hat, fest überzeugt, daß der Geistesbrüder viele ihm dafür danken werden. Th.</p>
            </div>
         </div>
         <div type="anz">
            <head>
      Anzeigen.
         </head>
         <p>(31) Bei J. A. <hi rend="italic">Mayer</hi> in <hi rend="italic">Aachen</hi> ist so eben erschienen und an alle Buchhandlungen versandt worden:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Leben der heiligen Elisabeth von Ungarn, Landgräfinn von Thüringen und Hessen. (1207 — 1231)</hi>
         </p>
         <p>Aus dem Französischen des Grafen von Montalembert, Pair's von Frankreich, im Einverständnisse mit dem Verfasser, und mit steter Rücksicht auf gedruckte und ungedruckte Quellen, übersetzt, und mit Anmerkungen vermehrt von J. Ph. Städtler. Mit 5 Kupfern. CLVII und 596 Seiten gr. 8., elegant geheftet, Preis 3 1/3 Thlr. od. fl. 6.</p>
         <p>Das Leben dieser Heiligen ist schon mehr, als Einmal geschrieben worden, aber gewiß noch nie hat sie einen Bibliographen gefunden, der seine Aufgabe so würdig, mit solcher Begeisterung des Glaubens, mit so frommer, kindlicher Verehrung, und mit so tiefem Studium gelös't hätte, als dieß Hr. v. <hi rend="italic">Montalembert</hi> gethan. Ueber den berühmten Verf. etwas zu sagen, ist unnöthig. Wer weiß nicht, wie er mit dem Abbé <hi rend="italic">Lamennais</hi> nach Rom gepilgert, aber sich von seinem ehemaligen Freunde losgesagt, als der Papst dessen Lehre verworfen? Wie er später selbstständig auftrat, und von dem katholischen Frankreich mit Bewunderung aufgenommen worden? Sein neuestes Werk hat seinen Ruhm mehr, als alles erhoben, und der Uebersetzer hat den Werth desselben durch Zusätze und Anmerkungen, die für die Geschichte von Wichtigkeit sind, da er aus manchen, bisher unzugänglichen Quellen schöpfte, noch bedeutend erhöht. Wir glauben daher mit Recht, mit diesem schön ausgestatteten Werk der ganzen katholischen Welt im Allgemeinen und den Historikern insbesondere eine eben so würdige, als interessante Gabe anzubieten.</p>
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            <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber: Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Rohm</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
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      </body>
   </text>
</TEI>

