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            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 6. Aprill 1837, Nro. 28</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
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            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
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<country>Germany</country>
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               Universal-Kirchenzeitung
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                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
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                  <title level="j" type="issue" n="28">
                     6. April 1837, Nro. 28
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                  <editor>
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                        <forename>Julius Vinzent</forename>
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                     </persName>
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                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-04-06</date>
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         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
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            <hi rend="bold">Frankfurt a. M., den 6. Aprill 1837. Nro. 28.</hi>
         </p>
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         <div type="inhalt">
         <p>
            <hi rend="bold">Inhalt:</hi>
            <seg> </seg>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Personal-Chronik der </hi>
            <hi rend="italic bold">Univ</hi>
            <hi rend="bold">.-</hi>
            <hi rend="italic bold">K.-Ztg</hi>
            <hi rend="bold">. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Kirchliche Zustände auf der Insel Island. 1. Reikiavik. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche</hi> 
            <hi rend="italic bold">Nachrichten</hi>. <hi rend="italic">Kirchenstaat</hi>. <hi rend="italic">Rom</hi>; Besuch des heil. Vaters in dem irländischen, dem englischen und dem Collegium der Propaganda; Krönungsfest; Ernennungen; Weihen, Bücherverbot der Congregation des Index. — <hi rend="italic">Belgien</hi>. <hi rend="italic">Brüssel</hi>; Statistik des belgischen Klerus; Gefangenenpflege durch die barmh. Schwestern etc.; Bibelgesellschaft; <hi rend="italic">Lüttich</hi>; Kampf der Geistlichkeit mit dem Stadtrath; Kleinkinderschulen. — <hi rend="italic">Frankreich</hi>; <hi rend="italic">Paris</hi>; über die Protestation des Erzbischofs; pflichtmäßiges Benehmen des Abbé <hi rend="italic">Gerbet</hi>; Antrag zur Errichtung einer prot. theol. Fakultät; statist. und lit. Notizen über die prot. Franzosen; <hi rend="italic">Montauban</hi>; blühender Zustand der ref. Kirche.—</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Andeutungen über den Geist des Talmuds. Von Dr. <hi rend="italic">Creizenach</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kathol. Abth.</hi> Die <hi rend="italic">Strauß</hi>'sche Mythisirung des Christenthums, von der wissenschaftlichen und gelehrten Seite. Vom Regierungsrath <hi rend="italic">Wilhelm von Schütz</hi> in Reichenwalde (Forts.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Protest. Abth.</hi> Den Fluch und nicht den Segen? Eine Stimme aus Osten an alle Gelehrten. Mitgetheilt von <hi rend="italic">Ludwig Hofaker</hi> in Tübingen (Schluß.) — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi>|Sp. 0431| 
         </p>
         </div>
         <div type="pch">
         <p><hi rend="bold">Personal-Chronik der Universal-Kirchenzeitung.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Mitarbeiter</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Correspondenten</hi>
            <hi rend="bold">:</hi>
         </p>
         <p>102) Professor Dr. <hi rend="italic">Scheffer</hi> in Marburg.</p>
         <p>103) Kanzleisekretär <hi rend="italic">F. A. Graen</hi> in Hildesheim.</p>
         <p>104) Dr. <hi rend="italic">Diehl</hi>, Subregens des Klerikalseminars in Limburg. </p>
         <p>105) M. Anton <hi rend="italic">Lutterbeck </hi>in Münster.</p>
         <p>106) Herm. <hi rend="italic">Stern</hi>, isr. Lehrer in Heidingsfeld. </p>
         <p>(Wird fortgesetzt.)</p>
         </div>
         <div type="mantel">
         <p>
            <hi rend="bold">Kirchliche Zustände auf der Insel </hi>
            <hi rend="italic bold">Island</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Bei der Seltenheit der Quellen über diese ferne Insel, zumal über die religiösen Verhältnisse ihrer Bewohner, welche bekanntlich skandinavischen Ursprungs sind, im 10 Jahrhunderte zum katholischen Christenthum bekehrt, im 16. aber, nach langem Widerstande, zur Annahme der <hi rend="italic">lutherischen</hi> Confession gezwungen wurden, der denn auch die heutigen Isländer noch angehören, glauben wir, unsern verehrt. Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir ihnen die Ausbeute über ihre gegenwärtige Lage in der betreffenden Hinsicht mittheilen, welche <hi rend="italic">John Barrow</hi> in seinem, 1836 bei Cotta in Stuttgart erschienenen „Besuch auf der Insel <hi rend="italic">Island</hi> im Sommer 1834" niedergelegt hat.</p>
         <p>1. <hi rend="italic">Reikiavik</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Reikiavik</hi> (das rauchende Dorf) ist der Hauptort von <hi rend="italic">Island</hi>, und der Sitz auch des Bischofs von <hi rend="italic">Island</hi>.</p>
         <p>Die Hauptkirche steht abgesondert hinter der gegen das Meer gekehrten Häuserreihe; sie ist von Stein gebaut und hat ein großes Bretterdach; auf dem viereckigen hölzernen, mit einem Dache versehenen Thurme hängen zwei Glocken. Unter dem Dache der Kirche besindet sich die öffentliche Bibliothek, welche bei 6000 Bände enthalten soll, und zu welcher die Einwohner freien Zutritt haben. Es ist ihnen unter gewissen Beschränkungen sogar gestattet, Bücher mit nach Hause zu nehmen, und es sollen, wie |Sp. 0432| man mich versicherte, die Bewohner von Reikiavik große Liebhaber vom Lesen seyn. Die Bibliothek enthält größtentheils Werke über allgemeine und über Kirchengeschichte in nordischen Sprachen, als: Deutsch, Schwedisch, Dänisch und Norwegisch. Island betreffend befinden sich dessen Sagas und Eddas daselbst und auch einige englische Werke, größtentheils die Schriften der besten Dichter in dieser Sprache. Außerdem enthält die Bibliothek noch eine Sammlung der griechischen und lateinischen Klassiker und mehrere Manuscripte, größtentheils Arbeiten der Geistlichkeit der Insel. Die Isländer waren einst ihrer literarischen Erzeugnisse wegen berühmt, und es ist erfreulich zu bemerken, daß sie noch immer den Forschungsgeist und das literarische Streben lebendig erhalten, wodurch ihre Vorfahren sich auszeichneten.</p>
         <p>Unweit der Kirche befindet sich ein großer Raum als Gottesacker, der einst mit einer Mauer von Erde eingeschlossen war, die jetzt aber an vielen Stellen eingefallen ist, so wie der ganze Platz überhaupt sehr vernachlässigt aussieht und mit den Begräbnißplätzen, die man gewöhnlich in Norwegen findet, in einem auffallenden Mißverhältnisse steht. Nicht ein einziger Stein oder hölzernes Kreuz war zum Gedächtniß eines Dahingeschiedenen aufgerichtet; nur ein Stück ausgestochenen Rasens bedeckte die Vorangegangenen, unter dem sie, ganz vergessen, schlummerten.</p>
         <p>Unser nächster Besuch galt dem Bischof, der uns sehr gütig aufnahm. Sein Benehmen war eben so zuvorkommend als angenehm, und zeigte sogleich den Mann von Erziehung und den Reisenden, der die Welt gesehen hat. Sein Name ist <hi rend="italic">Jonson </hi>und sein Alter 68 bis 70 Jahre. Er besitzt eine Auswahl der besten Bücher mehrerer Sprachen und eine bedeutende Anzahl auf Island bezüglicher, hauptsächlich in das geistliche Fach einschlagender Manuscripte. Obschon wir ihm kaum eine Stunde vor dem Mittagessen unsere Aufwartung machten, so ließ er doch Wein und Kasse auftragen, welche Getränke der Landessitte zufolge gereicht werden müssen, der Besuch mag sich einstellen, wann er immer will.</p>
         <p>Dieser würdige Greis war einer der sanftesten liebenswürdigsten Männer, die ich noch Gelegenheit gehabt hatte, kennen zu lernen, und als solchen erkennt man ihn auch auf der ganzen Insel. Er ist ein geborner Isländer und hat sich nur durch Verdienst zu seiner jetzigen Stelle emporgeschwungen; in seiner Jugend besuchte er die Schule zu Skalholt und war später Lehrer in Bessestad.</p>
         <p>Von einer Reise nach den Geysern zurückgekommen, erzählt der Verfasser weiter: "Am Sonntag nach unserer Ankunft in Reikiavik versäumten wir nicht, dem Gottesdienst in der Haupt- |Sp. 0433| kirche beizuwohnen. Er begann um 1 Uhr, und dauerte ungefähr eine Stunde. Der Geistliche las oder sang vielmehr einige Gebete vor dem Altar, und hielt dann von der Kanzel herab mit vielem Kraftaufwand eine Predigt, welcher die männliche und weibliche Versammlung mit großer Aufmerksamkeit zuzuhören schien. Mehrere der Anwesenden stimmten gelegentlich in den Gesang während des Gottesdienstes mit ein, doch klang er rauh und unangenehm, und war von keinem Instrument begleitet. Der Bischof hatte seinen besondern Sitz, dicht am Communiontisch, der auf einer erhabenen, ziemlich geräumigen und mit einem Gitter umgebenen Plattform stand, innerhalb welcher sich mehrere Bänke befanden, deren Inhaber sämmtlich aufstanden, sobald der Bischof eintrat; der letztere nahm keinen Theil an den geistlichen Verrichtungen des Gottesdienstes. Der Gouverneur hatte ebenfalls einen eigenen geräumigen Sitz auf der Gallerie; die Frauen saßen alle auf der einen, und die Männer auf der andern Seite des Raums. Wir wagten es, uns zu den Frauen zu setzen, und da uns dieß Niemand wehrte, so hielten wir uns für berechtigt, dort zu bleiben. Einige der ältern und der Frauen von mittlerm Alter, waren noch ganz nach alter Art in Schwarz gekleidet, mit ungeheuren, weißen, schwankenden Schleifen von Leinwand auf der Stirn, welche beim Herausgehen so vom Winde hin und her geweht wurden, daß sie von den Frauen mit der Hand gehalten werden mußten, um sie sich nicht entführen zu lassen. Als auch wir aus der Kirche traten, gesellte sich einer der Führer zu uns, die uns nach den Geysern begleitet hatten, und sagte, er habe bei'm Singen in der Kirche sein Möglichstes gethan, und er hoffe, daß wir ihn bemerkt hätten, und mit ihm zufrieden seyen.</p>
         </div>
         <div type="kn">
            <p>
            <hi rend="bold">Kirchliche Nachrichten.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchenstaat.</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic">Rom</hi>. Der h. Vater besuchte am 31- Jan. das irländische Collegium, welches nach seiner wohlwollenden Anordnung neuerlich aus dem Kloster Ginnafi, woselbst es von Leo XII. begründet wurde, nach dem neben der Kirche der h. Agathe der Gothen, früher im Besitze der Benediktiner Congregation von Monte-Virgine, verlegt worden war. Se. Heiligk. wurde von dem Kardinal Franzoni empfangen und zwei eben anwesende irländische Bischöfe, Wilhelm Higgins, Bischof von Ardagh, and Jakob Browne, Bischof von Kilmore, machten ihre Aufwartung, so wie der Rektor des Collegiums, Cullen, mit seinen zahlreichen Zöglingen. Der h. Vater nahm die beiden mit der Kirche zusammenhängenden weitläuftigen Gebäude in Augenschein, die eins der schönsten Collegien in Rom bilden und ermahnte die Zöglinge, sich vollständig auf den Kirchendienst in einem Lande vorzubereiten, das stets durch seine Anhänglichkeit an den katholischen Glauben berühmt gewesen sey. Die St. Agathenkirche, eine der ältesten in Rom, ist dem Collegium eingeräumt; dasselbe hat beschlossen, am Eingange derselben Sr. Heiligkeit Büste mit einer passenden Inschrift aufzustellen.</p>
         <p>† — Ferner besuchte der h. Vater das englische Collegium am 3. Mr., wo er von dem Kardinal Weld, dem Protektor desselben, vom Bischof Mac-Donnel, Bischof vom Olympus und Apost. Vikar der Antillen sowie von dem Rektor Wiseman empfangen wurde. Nach dem Besuch der Capelle vom h. Mhomas von Canterbmy, an deren Wänden man die Abbildungen der Heiligen aus dem angelsächsischen Königs Stamme sieht, trat Sr. Heiligk. in einen Saal und ließ die Zöglinge, so wie die übrigen zur Anstalt gehörigen Personen zum Fußkuß. Darauf begab derselbe sich in die Bibliothek, reich an seltenen und kostbaren Werken in Bezug auf die Vertheidigung des Glaubens und auf die Geschichte von England. Man trifft u. A. dort die schöne Sammlung von 70 Bänden in Folio, enthaltend die öffentlichen Verhandlungen, welche auf Befehl der Regierung publizirt und dem Collegium durch die Archiv Commission des Königreichs übersendet wurden. Sr. Heiligk. besuchte gleichfalls die verschiedenen Abtheilungen des Collegiums und nahm u. a. Gegenständen auch die Grabmäler der englischen Katholiken, welche vormals in der Küche, seit deren Abtragung aber meinem der Comdoredes |Sp. 0434| Collegiums aufgestellt waren, damit sie dem Gedächtnisse der Zöglinge stets gegenwärtig seyn möchten, in Augenschein. Die Güte des heil. Vaters bei diesem Besuche, wo er viele aufmunternde Worte an die Studierenden richtete, versetzte diese in tiefe Rührung. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Voce della verità)</hi>
         </p>
         <p>† — Auch das <hi rend="italic">Collegium der Propaganda</hi>, gegenwärtig unter Leitung der Jesuiten stehend, hatte sich am 7. Febr. Morgens eines Besuchs des h. Vaters zu erfreuen. Ihn empfingen der Kardinal <hi rend="italic">Franzoni</hi>, als Präfekt des Collegiums, dessen Sekretär <hi rend="italic">Mai</hi>, sowie die Superioren ihrer Genossenschaft. Nach Anbetung des heil. Sakramentes wurden die zu ebener Erde des Gebäudes vorgenommenen neuen Einrichtungen, nothwendig geworden durch den beträchtlichen Zuwachs an Zöglingen, in Augenschein genommen. Sodann zeigte man Sr. Heiligkeit seine, in dem Vestibulum, zum Andenken an seine Verwaltung der Anstalt als Präfekt, aufgestellte Büste, welche eine lateinische Inschrift im Lapidar-Style trägt. Auch hier ließ der h. Vater die Zöglinge und die gesammte Genossenschaft zum Fußkuß und sprach mit ihnen sehr leutselig. Als dieselben sich zuletzt in das Museum Borgia begeben hatten, hielt ein <hi rend="italic">chinesischer</hi> Zögling eine Rede in <hi rend="italic">seiner</hi> Landessprache. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Ami de la Religion)</hi>
         </p>
         <p>† — Das Jahresfest der Krönung <hi rend="italic">Gregor's</hi> XVI. wurde mit lebhaften Freudenbezeugungen gefeiert. Artillerie-Salven von der Engelsburg verkündigten am 6. Febr. mit Sonnenaufgang das Beginnen des Festes. Se. Heiligkeit begab sich in pontificalibus, mit der dreifachen Krone auf dem Haupte in die <hi rend="italic">sixtinische</hi> Kapelle und wohnte, auf dem Throne sitzend, der Messe bei, welche der Kardinal <hi rend="italic">Brignole</hi> las. Kardinäle, Prälaten u. A. waren gegenwärtig. Nach der Messe nahm der h. Vater in einem anstoßenden Saale die Glückwünsche des <hi rend="italic">heiligen Collegiums</hi> an, als dessen Organ der Kardinaldekan sich aussprach. Schon am Vorabend, so wie am Abende dieses Tages, fand die gewöhnliche Erleuchtung statt. Am Samstage vorher spendete des heiligen Vaters Almosenier, <hi rend="italic">Tevoli</hi>, Erzbischof von <hi rend="italic">Athen</hi>, die herkömmlichen Almosen an die Armen.</p>
         <p>† — den 11. Febr. Nach Verfügung Sr. Heil. hat der Majordomus des heil. apostol. Palastes Monsignor <hi rend="italic">Fieschi</hi> Emin., den Dr. Carl <hi rend="italic">Fisher</hi>, apost. Missionspriester im West-Distrikte von England, zum überzähligen geheimen Kammerherrn ernannt, und den Dr. Giovanni <hi rend="italic">Orlandi</hi>, Prior der Cathedralkirche von Orte, zu seinem Ehren-Kaplan extra urbem.</p>
         <p>† — Seine Eminenz der Kardinal Giacomo Filippo <hi rend="italic">Franzoni</hi>, Präfekt der heilige Congregation <hi rend="italic">de propaganda fide</hi>, weihete am 12. März in der <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Athanasius</hi>-<hi rend="italic">Kirche</hi>, neben dem griechischen Collegium, Monsignor Nicola <hi rend="italic">Candoni</hi>, Canonicus an der Kathedrale von <hi rend="italic">Corfu</hi>, zum Erzbischof von <hi rend="italic">Iconium</hi>, und Msgr. Stefano <hi rend="italic">Missir</hi>, Rector des erwähnten Collegiums, zum Erzbischof von <hi rend="italic">Irenopolis</hi> nach griechischem Ritus, in Assistenz von Msgr. Jacob <hi rend="italic">Browne</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Kilmore</hi> und Msgr. Wilhelm <hi rend="italic">Higgins</hi>, Bischof von <hi rend="italic">Ardagh</hi>, beide Irländer. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Diario di Roma)</hi>
         </p>
         <p>† — An der Aschermittwoche war päpstl. Capelle im <hi rend="italic">Vatikan. </hi>Der heil. Vater weihete die Asche, wohnte auch der Messe, welche der Groß-Pönitentiarius Kardinal <hi rend="italic">Gregorio</hi> hielt, bei.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(D. di R.)</hi>
         </p>
         <p>† — den 18. März. Gestern Morgen hielt in Gegenwart Sr. Heiligkeit, Ihrer Eminenzen der Kardinäle, und vieler anderer angesehenen Personen, Pater <hi rend="italic">Lorenzo de Camerata</hi>, von den Minori Cappuccini die sechste Fastenpredigt. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(D. di R.)</hi>
         </p>
         <p>† — den 28. Jan. Nachdem die Würde eines Abate Generale der Congregation der regulirten Canonici des Seren. Salvator Lateranensis durch den Tod des Dr. Paolo <hi rend="italic">Del Signore</hi> erledigt worden, hat Se. Heil. geruhet, mittelst apostol. Breves vom 10. Januar l. J. den P. Abate Dr. Alessandro <hi rend="italic">Gozzi</hi>, Canonicus von S. Salvator zu <hi rend="italic">Bologna</hi> und Ex-Visitator der Congregation, zu dieser erledigten Würde zu erheben. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(D. di R.) </hi>
         </p>
         <p>† — den 11. März. Die schönen Künste haben neuerlich in der Person des berühmten Malers Professor Dominico Antonio <hi rend="italic">de Sequeira</hi>, eines Portugiesen, Commandeur des königl. Christus-Ordens, Ritter des kaiserl. brasil. Ordens vom Süd-Kreuze, Präsident der Akademie der schönen Künste zu Lissabon, Rath der illustren päpstlichen Akademie von <hi rend="italic">San</hi>-<hi rend="italic">Luca</hi>. Er war geboren am 10. August 1768. Nachdem er sich seit seinen Jünglingsjahren in Rom aufgehalten, beschloß er daselbst am 8.|Sp. 0435| d. M. seine irdische Laufbahn, auf der ihn die Religion bis zu ihrem Ende geleitete. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(D. di. R.)</hi>
         </p>
         <p>† — Die <hi rend="italic">Congregation des Index</hi> hat vermöge Dekrets vom 14. Febr., bestätigt von Sr. Heiligkeit am 20. und in üblicher Form publizirt den 25. desselben Monats, das Lesen, Ausgeben und den Handel mit folgenden Werken, sie mögen in welcher Sprache zum Vorschein kommen, in welcher sie wollen, verboten: </p>
         <p>1) Affaires de Rome par <hi rend="italic">M. F. de la Mennais</hi>.</p>
         <p>2) L’assedio di Firenze. Capitoli XXX.</p>
         <p>3) Religion St. Simonienne. Leçons sur l'industrie et les finances, prononcées à la salle de l'Athenée par <hi rend="italic">J. Pereire</hi>, suivies d'un projet de banque.</p>
         <p>4) Lettre du Père à <hi rend="italic">Charles Duveyrier</hi> sur la vie éternelle.</p>
         <p>5) Parole du Père à la cour d'assisses.</p>
         <p>6) Considerations sociales sur l'architectonique, par <hi rend="italic">Victor Considerant</hi>.</p>
         <p>7) Jddio e l'Uomo, salterio di <hi rend="italic">Gabriele Rossetti</hi>.</p>
         <p>8) Nouveau manuel de phrénologie par <hi rend="italic">George Combe</hi>, ouvrage traduit de l'anglais et augmenté d'additions nombreuses et des notes par le docteur <hi rend="italic">J. Fossetti</hi>.</p>
         <p>9) Occident et Orient, Etudes politiques, morales, religieuses pendant 1833 et 1834 de L’Ère chretienne, 1249 et 1250 de <hi rend="italic">l'Hégyre</hi> par <hi rend="italic">E. Barrault</hi>. </p>
         <p>10) Opere inedite di Fra Girolamo Savonarola, <hi rend="italic">vel alio titulo</hi> : libri cinque dell'Italia <hi rend="italic">cujus initium</hi>. Dell'Italia, libro primo, <hi rend="italic">J. Principi</hi>. </p>
         <p>11) Le tombeau de toutes les phil<hi rend="italic">o</hi>sophies tant anciennes que modernes; ou exposition d'un nouveau système de <hi rend="italic">l'Univers</hi> etc. par <hi rend="italic">R. B.</hi> 
         </p>
         <p>12) Corso completo di lezioni di Theologia Dogmatica per uso delle Scuole teologiche di Sicilia del Rev. Can. <hi rend="italic">Michele Stella</hi>. Der Verfasser hat, wie nur zu loben, sich unterworfen und widerrufen. (Auctor laudabiliter se subjecit et reprobavit.).</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Voce della Verità)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Belgien</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>† — <hi rend="italic bold">Brüssel</hi>, 2. März. Die Gesammtzahl der im J. 1836 in Belgien verstorbenen Geistlichen belief sich auf 183; im J. zuvor auf 186. Von jenen 183 kommen auf die Diöcese Mecheln 41; Lüttich 46; Gent 22; Brügge 15; Namur 40 und Tournay 18. Unter den Verstorbenen befanden sich <hi rend="italic">Goethals</hi>, <hi rend="italic">Ryckewaert </hi>und <hi rend="italic">Triest</hi>.</p>
         <p>† — Das <hi rend="italic">belgische</hi> Ministerium gibt gegenwärtig ein nachahmenswerthes Beispiel. Während man in andern Ländern sich in unhaltbare Spekulationen über den Gegenstand verlor, schlug dieses einen sichern unfehlbaren Weg ein, <hi rend="italic">die Gefängnisse zu verbessern</hi>, indem es die Aufsicht über dieselben den geistlichen Anstalten übertrug, welche sich mit liebreichen Werken beschäftigen. So sagte der Justizminister in der Sitzung der Stände vom 18. Jan., er habe versuchsweise in den weiblichen Gefangenhäusern <hi rend="italic">barmherzige Schwestern</hi>, als einzige Aufseherinnen angestellt, und den besten Erfolg davon erfahren. Jetzt beabsichtige er, ein Gleiches in den Gefangenhäusern für Männer zu thun, und dort <hi rend="italic">barmherzige Brüder</hi> anzustellen, zu welchem Ende bereits zu <hi rend="italic">Gent</hi> Vorkehrungen getroffen würden. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>† — Die hiesige Bibelgesellschaft beabsichtigt, Bibeln und Traktate von Haus zu Haus tragen und zu sehr geringen Preisen anbieten zu lassen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Union)</hi>
         </p>
         <p>† — Kürzlich berichteten wir über die Gründung einer Kleinkinderschule zu <hi rend="italic">Mecheln</hi> durch die Direktoren und Zöglinge des Diöcesan-Seminars daselbst. Dieß ist jedoch nicht allein in Mecheln, sondern in ganz Belgien der Fall gewesen und die Pfarrer, sowohl in Städten als Dörfern, scheuen sich nicht, zu der bescheidenen Stufe eines Schulmeisters herabzusteigen. Gewöhnlich werden zu Ende des Winters Preisvertheilungen vorgenommen. Wir wollen nach der <hi rend="italic">Union</hi> über diejenige Bericht erstatten, welche unlängst zu <hi rend="italic">Boom</hi> stattfand und man wird wahrnehmen, welches Interesse sie den Einwohnern einflößt. Die Vertheilung fand am 3. März in der Pfarrkirche statt. Nach einer zweckmäßigen und umsichtigen Anordnung bestanden die Preise in Kleidungsstücken. Man kann nicht beschreiben, welchen Eindruck der Anblick dieser, vormals der Unwissenheit überlassenen Kinder, die, |Sp. 0436| Dank dem Eifer und der Ausdauer des Hrn. <hi rend="italic">Wanzeelbroek</hi>, gegenwärtig im Lesen und Schreiben, so wie in den ersten Anfangsgründen der Arithmetik unterrichtet werden und denen man die Grundsätze einprägt, aus denen allein alle Tugenden herfließen, auf die Anwesenden machte. Die gesammte Geistlichkeit von Boom und aus der Umgegend nebst den achtungswerthesten Familien waren zugegen; ein musikalischer Verein hatte sich freiwillig erboten die Feierlichkeit durch seine Mitwirkung zu verherrlichen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>† — Dem <hi rend="italic">Journal von Flandern</hi> wird berichtet: "Auf Ansuchen unsers ehrwürdigen Pfarrers haben die würdigen Väter vom Jesuitenorden am 2. Febr. eine Mission eröffnet, welche bis zum 13. dauerte. Der Erfolg war außerordentlich und lieferte die unzweideutigsten Beweise von dem gläubigen Sinne, der in beiden Flandern vorherrscht. Die Vorträge ergriffen aller Herzen; 15 Beichtväter reichten kaum für den Zudrang der Bußfertigen hin. — Die Brüderschaft zur Ausrottung der Blasphemie ist zu großer Zufriedenheit des Volkes zusammengetreten. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Univers)</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Brügge</hi>. Die nicht zu bestreitenden wohlthätigen Früchte, welche sich täglich an den <hi rend="italic">belgischen</hi> Diöcesan-Missionen versichtbaren, haben auch den Bischof von <hi rend="italic">Brügge</hi> veranlaßt eine solche für seine Diöcese anzuordnen.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Univers.)</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Lüttich</hi>, den 26. Januar. Der Stadtrath und die Geistlichkeit liegen mit einander im Streit. Letztere begründet und begünstiget diejenigen Schulen, in welchen die Kinder in der Religion unterrichtet werden; jener, der sich die willkürliche Leitung des Unterrichtswesens anmaßt, gründet Schulen mit großen Kosten. So kaufte er ein am Fuße des Walles belegenes Haus für 30,000 Fr., und errichtete eine Schule darin, obgleich in demselben Quartiere sich schon sehr gute befinden. Ueberdem bewilliget er den Lehrern und Lehrerinnen starke Gehalte. Eigentlich hätte er die Stadt nicht mit solchen Ausgaben belästigen sollen. In der Stadt gibt es etwa zwanzig Schulen, die im Ganzen nahe an 2700 Schüler zählen. Die <hi rend="italic">Brüderschaft der christlichen Schulen</hi> hat zu <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Jacob</hi>, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Dionysius</hi> und <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Margarethe</hi> drei Schulen, die zusammen 897 Schüler zählen; außerdem befinden sich Kirchspielschulen zu <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Foi</hi> und <hi rend="italic">St</hi>.<hi rend="italic">Veronika</hi>, die von 180 Schülern besucht werden. Die Mädchenschulen sind bei weitem zahlreicher. Im Kirchspiele <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Bartholomäus</hi> haben die <hi rend="italic">Schwestern des heil</hi>. <hi rend="italic">Kreuzes</hi> 432 Zöglinge. In <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Martin</hi>, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Nicolaus</hi>, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Dionysius</hi>, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Johann</hi>, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Christoph</hi>, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Foi</hi>, <hi rend="italic">St</hi>. <hi rend="italic">Veronika</hi> befinden sich zwölf Schulen mit fast 1200 Zöglingen. In dieser Uebersicht sind die Privat-Anstalten, die nicht unter der Leitung der Geistlichkeit stehen, doch der an ihrer Mitwirkung Theil nehmen, nicht mitbegriffen. Dieser Ueberfluß an Hilfsmitteln zeugt von dem Eifer der Geistlichkeit für den Unterricht. Woher mag nun wohl der Widerwille gewisser Leute gegen Unterrichtsanstalten stammen, die von der Religion ausgehen? Schwer ist es, darin ein feindseliges Streben gegen die Religion selbst zu verkennen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Ami de la Religion)</hi>
         </p>
         <p>† — Der zu <hi rend="italic">Lüttich</hi> erscheinende "Courier de la Meuse" berichtet Thatsachen, welche in befremdendem Widerspruche mit den sonst den Bewohnern Belgiens ganz gut bekannten kirchlichen Einrichtungen stehen. Jedoch muß bevorwortet werden, daß diese Thatsachen sämmtlich den Unterbehörden zur Last fallen. "In Lüttich — sagt jenes Journal — "hat der Gemeinderath in geheimer Sitzung den Beschluß gefaßt, es solle der Religions-Lehr-Cursus an dem dortigen Collegium aufgehoben, und der dafür bewilligte Gehalt im Budget gestrichen werden. Ferner existirt ebendaselbst eine Militärschule, in welcher Offiziere für die Armee ausgebildet werden. Auch hier mangelt es gänzlich an religiösem Unterricht. Man sagt den Zöglingen, sie möchten nach Belieben Sonntags ausgehen, und sofern es ihnen anstehe, ihren Gottesdienst abwarten. Man sieht leicht, wohin dergleichen führen muß; inzwischen steht das Institut unter alleiniger Leitung der Regierung, und die jungen Leute, welche in demselben zugelassen werden wollen, dürfen nicht unter sechzehn Jahre alt seyn.</p>
         <p>† — Dem Eifer der Bischöfe für die Beförderung des Unterrichts in Belgien werden durch fiscalische und ausschließende Gesetze, welche alles unter Leitung der Verwaltung stellen, keine Hindernisse in den Weg gelegt. Die in diesem Lande herrschende Lehrfreiheit vergönnt den Prälaten, ihre Ansichten für das höchste |Sp. 0437| Wohl der Religion und der Völker zu verwirklichen. Der Bischof von <hi rend="italic">Lüttich</hi> hat seiner Diöcese die Vortheile einer Normalschule für den ersten Unterricht zu verschaffen beschlossen. Schon seit einiger Zeit befindet sich eine ähnliche Anstalt, aber nur für den <hi rend="italic">flamändischen</hi> Theil, in Thätigkeit. Da sie mit dem Seminar von <hi rend="italic">Rolduc</hi> verbunden ist, so ist dies sehr vortheilhaft für sie, und zählt sie auch bereits einige dreißig Zöglinge, welche sich bald als Lehrer im Lande verbreiten werden. Inzwischen mußte man auch auf den <hi rend="italic">wallonischen</hi> Theil Rücksicht nehmen. Der Prälat erließ daher zu diesem Zwecke ein Rundschreiben, worin er dazu auffordert, Kinder gegen eine Pension von 250 Fr. in die Anstalt zu senden, in welcher außer den Elementargegenständen auch Naturgeschichte, Agricultur, Kirchen- und Landesgeschichte, Geographie u. s. w. gelehrt werden soll. Nur Kinder rechtlicher, anständiger Eltern werden zugelassen. In der höhern Abtheilung ist der Unterricht umfänglicher, und hier soll sogar den Schülern Gelegenheit gegeben werden, sich im Unterrichten kleinerer Kinder zu üben. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(L'Ami de la Religion.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Frankreich.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Paris</hi>, 23. März. Die von dem Erzbischof von <hi rend="italic">Paris</hi> erlassene Protestation gegen die beabsichtigte Abtretung des Bauplatzes vom ehemaligen erzbischöfl. Pallast an die Stadt Paris war nebst der angehängten Zustimmung seines Kapitels an den Staatsrath zur Untersuchung gewiesen worden. Dieser versammelte sich am 21. März in einer Anzahl von mehr als hundert Mitgliedern, und erkannte einstimmig, auf den Bericht des Hrn. <hi rend="italic">Dumont</hi>, beide Aktenstücke für ungesetzlich. Noch am nämlichen Abend wurde eine königl. Ordonnanz erlassen, und am 22. im "Moniteur" bekannt gemacht, wodurch die Erklärung des Erzbischofs und seines Kapitels als <hi rend="italic">Gewaltmißbrauch</hi> und <hi rend="italic">Uebertretung der Landesgesetze</hi> bezeichnet wird, indem nach den bestehenden Gesetzen und Konkordaten die Kirche nur in geistlichen, nicht in weltlichen Dingen Gewalt besitze, und das Kirchengut ein für allemal mit dem Staatseigenthum vereinigt sey. Die Ordonnanz befiehlt daher, daß beide Erklärungen, und alle zu ihrer Veröffentlichung unternommenen Akte als ein <hi rend="italic">Mißbrauch</hi> (abus) anzusehen und zu unterdrücken seyen, und daß die Eintragung derselben in die Register des Domkapitels als null und nichtig angesehen werden solle. Die Ordonnanz ist von dem Justiz- und Cultusminister, Hrn. <hi rend="italic">Persil</hi>, contrasignirt. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Nürnb. C.)</hi>
         </p>
         <p>— Aus einem öffentlichen Blatte entnehmen wir die Nachricht, welche wir mit großer Freude weiter verbreiten, daß nämlich der Abbé <hi rend="italic">Gerbet</hi> seinem Buchhändler verboten hat, irgend ein Exemplar von seinen beiden nachbenannten Schriften:</p>
         <p>1) Coup-d'oeil sur Ia controverse chrétienne und</p>
         <p>2) de la Certitude dans ses rapports avec la théologie</p>
         <p>zu verkaufen, und daß er den Entschluß gefaßt habe, beide Werke gänzlich zu vernichten. Wir gestehen, daß wir lebhaft von diesem Beweise von Muth gerührt sind, denn es gehört gewiß Muth für einen Schriftsteller dazu, die Früchte seiner Nachtwachen aufzugeben, und Bücher zu verwerfen, welche man früher mit Vergnügen verfaßt hatte. Hierin liegt ein neuer Beweis, daß der Abbé <hi rend="italic">Gerbet</hi> die Ansichten, welche ihn irre geleitet, gänzlich aufgegeben. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Zeitschr. f. kath. Theol. und Phil.)</hi>
         </p>
         <p>— Die protestantischen Geistlichen von Paris haben der Kammer eine Petition auf Errichtung einer protestantisch-theologischen Facultät in Paris eingereicht. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. Krchztg.)</hi>
         </p>
         <p>— Man hat die Absicht, zu Paris Konferenzen einzurichten, welche die reformirte Kirche Frankreichs im Allgemeinen repräsentiren, und im Interesse derselben Beschlüsse fassen sollen. Gegen diese beabsichtigte Einrichtung haben sich jedoch bereits einzelne Stimmen erhoben. Man fürchtet nämlich den Einfluß einer Versammlung, welche als die alleinige sich noch überdieß immer in derselben Stadt versammelt, und an die Spitzen der einzelnen Kirchen gewissermaßen die Geistlichen der Hauptstadt und deren Umgebung stellt. Man hält es für besser, die Regierung ganz einfach um Vollziehung des Gesetzes vom 18. Germinal Jahr X. zu bitten, welches Gesetz die Provinzialsynoden organisirt, die Centralpunkte vermehrt und der öffentlichen Meinung eine wirkliche Repräsentation gewährleistet. In diesen Synoden |Sp. 0438| würde man die Bedürfnisse der Kirche berathen, und alsdann der Regierung die Mittel vorschlagen, diese Bedürfnisse zu befriedigen.</p>
         <p>— Nach einer eben bekannt gemachten amtlichen Uebersicht gibt es in Frankreich jetzt 90 Consistorialkirchen des reformirten und 31 des lutherischen Cultus. Die ersteren verbreiten sich über 55 Departements mit 359 Pfarrern und 16 Suffraganen im Dienste, die letzteren beschränken sich auf 8 Departements mit 225 Pfarrern.</p>
         <p>— Der erste Band von <hi rend="italic">Merle d'Aubigny's</hi> "Histoire de la reformation au 16ième siècle" ist größtentheils der Biographie <hi rend="italic">Luther's</hi> gewidmet, die darin bis zum 28. Nov. 1518 geführt wird und sehr zweckmäßig und geschickt die Geschichte der Reformation, welche man mit <hi rend="italic">Luther</hi> gleichsam wachsen sieht, einleitet. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Allg. K.-Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>— An Hrn. <hi rend="italic">Roussel's</hi> Stelle ist Hr. <hi rend="italic">Hoffmann</hi>, bisher Evangelist im Dienste der evangel. Gesellschaft von Genf, nach Algier abgegangen. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schweiz. evang. Kirchztg.)</hi>
         </p>
         <p>* <hi rend="italic bold">Paris</hi>, den 2. Aprill. Der <hi rend="italic">Temps</hi> enthält ein Schreiben des Consistorial-Mitgliedes, Herrn <hi rend="italic">Culmann</hi>, von der <hi rend="italic">Augsburgischen</hi> Confession, in welchem mit fast völliger Gewißheit den Bekennern dieser Confession die Aussicht eröffnet wird: "daß ihnen, bei einer Bevölkerung von 15,000 Seelen, neben der bisherigen, einzigen, in einem entfernten schmutzigen Stadttheile, zwischen der <hi rend="italic">Affen</hi>- und <hi rend="italic">Brunnen</hi>-<hi rend="italic">Straße</hi> belegenen, wenig geräumigen Kirche, noch eine zweite eingeräumt werden solle. Es ist dies die Kirche <hi rend="italic">Mariä Himmelfahrt</hi>, bisher im Gebrauch der katholischen Gemeinde, für welche dagegen die prächtige <hi rend="italic">Magdalenen</hi>-Kirche (bisher außer Gebrauch) wieder hergestellt wird. Die Bekenner der <hi rend="italic">augsburgischen</hi> Confession haben vermöge des Gesetzes vom 18. Germinal, des Jahres X für je 6000 Seelen Anspruch auf eine Kirche, und wo 13 Repräsentanten protestantischer Mächte residiren, wo die künftige Gemahlinn des präsumtiven Thronerben dasselbe Glaubensbekenntniß theilt, erfordert es wenigstens der Anstand, jenem Cultus einen schicklichen und nothwendig gewordenen Tempel einzuräumen." —</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Montauban</hi>. Das Reich Gottes hat, dem Herrn sey Dank, einen freien Fortgang unter uns. Bald ist unsere reformirte Kirche so blühend und zahlreich, wie in den schönsten Zeiten der Väter vor der Verfolgung durch <hi rend="italic">Ludwig XIV</hi>. O, daß sie nur auch an Glaubenskraft so stark würde, wie damals! Wenn auch von Zeit zu Zeit einzelne Fälle vorkommen, daß die freie Aeußerung unseres Glaubens von den Behörden verkümmert wird, so wird doch meistens von den Gerichten der Grundsatz der durch die Charte gewährleisteten Religionsfreiheit festgehalten. Auch betrafen jene Fälle seltener Mitglieder der vom Staate unterhaltenen reformirten Kirche, als die, wenn auch treu und segensreich, doch rasch wirkenden Sendboten evangelischer Gesellschaften. Doch auch solche momentane Hindernisse können den Eifer der Protestanten nur erhöhen. Wir haben im Laufe des letztern Jahres die Freude gehabt, manchen neuen Tempel dem Herrn geweiht zu sehen; Bethäuser wurden erbaut, und Gottesdienste eingerichtet, wo seit Jahrhunderten kein evangelisches Zeugniß vernommen wurde, und der Herr steht zu seiner Sache. Denn die Lust zu seinem Worte nimmt sichtbar zu, auch unter den Millionen unserer katholischen Brüder, denen wir seine Bibel näher bringen dürfen, als noch nie. Die beständige, wunderbare Erhaltung des Königs macht auf Manche einen tiefen Eindruck. Hoffen wir, daß es ihm selber klar werde, wie nur die weiteste Verbreitung der Religion des Gekreuzigten in seinem Reiche im Stande wäre, die Zahl der geheimen Verbündeten zu vermindern, die in ihrem wilden, blutdürstigen Sinne den Umsturz aller Ordnung wollen. — Die glückliche Wahl des Hrn. Adolf <hi rend="italic">Monod</hi>, des beredetsten unserer Prediger, zum Professor der Theologie in Montauban gibt uns die süße Hoffnung, daß unserer Universität durch diesen talentvollen Mann eine geistige Neubelebung bevorstehe, was mit Gottes Hilfe um so möglicher ist, da die Tendenz der meisten Professoren längst eine rein christliche war. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Schweiz. evangel. K.-Ztg.)</hi>|Sp. 0439|
         </p>
         </div>
         <div type="ta">
         <p> <hi rend="bold">Theologische Akademie.</hi>
         </p>
            <div type="tais">
         <p>
            <hi rend="bold">Israelitische Abtheilung.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">* Andeutungen über den Geist des Talmuds.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">M. Creizenach</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>Wenn irgend ein Buch häufig von Personen, die es nicht kennen, mit leidenschaftlichem Hasse verschrieen und verurtheilt wird, so ist es der Talmud, jenes voluminöse Buch in 12 starken Foliobänden, welches, durch unzählige Eigenthümlichkeiten in Sprache, Styl und Ideengang, selbst unter den Juden, nur einer so geringen Anzahl von Adepten verständlich ist. Es ist die Absicht dieses Aufsatzes ganz und gar nicht, den Talmud gegen seine Ankläger in Schutz zu nehmen. Wer die Wahrheit liebt und nicht einer Partei dient, darf an die literarischen Denkmäler des Alterthums nicht den Maßstab der heutigen Bildungsstufe anlegen; er darf nicht außer Acht lassen, daß selbst die ewigen Wahrheiten der Religion und der Sittenlehre, sobald sie durch unsre unvollkommnen Sprachen verkörpert werden, in ihrer äußern Erscheinung das Gepräge des Zeitalters tragen, in dem sie hervortreten. Suchen wir alle, die ehrwürdigen Urkunden, welche den verschiedenen Religionssystemen zur Grundlage dienen, nach ihrem wahren Geiste und mit unbefangenem Sinne aufzufassen und, so weit es die Satzungen der Kirche gestatten, zu der wir uns bekennen, das Gute darin zu unsrer eignen religiösen Aufklärung zu benutzen. Der Glauben und die Wissenschaft werden dabei besser gedeihen, als wenn wir das Anstößige allenthalben aufwühlen, um damit die Gemüther zu gegenseitigem Hasse aufzuregen. Sehr wäre es zu wünschen, daß es thunlich wäre, eine allgemeinere gründliche Würdigung des Talmuds durch eine treue Uebersetzung des Buches zu befördern. Für die Mischnah, welche in Verbindung mit den unter dem Namen Gemara bekannten Glossen den Talmud bildet, ist dieß bereits geschehen, und die neue Uebersetzung des Hrn. Dr. <hi rend="italic">Jost</hi> läßt in dieser Beziehung nichts zu wünschen übrig. Minder glücklich waren die Versuche, welche bisher mit der Uebersetzung einzelner Traktate der Gemara gemacht worden sind, und zwar vorzüglich deßhalb, weil die Form und der Inhalt der dialektischen Erörterungen der Gemara in gleichem Grade den mit dem Stoffe nicht ganz vertrauten Leser abstoßen und auf eine wenig belehrende Weise sehr ermüden. Weit nützlicher, als eine eigentliche Uebersetzung des Talmuds dürfte ein Werk seyn, daß sich zur Aufgabe setzte, den Geist, der alle talmudische Diskussionen durchweht, so wie den Charakter, die moralischen und religiösen Grundsätze seiner Koriphäen durch eine Sammlung methodisch geordneter und mit Wahrheitsliebe erläuterter Auszüge bekannt zu machen. Ein solches Werk würde bald die gangbarsten Urtheile und Ansichten über den Talmud und über die Verbindlichkeit, welche die Aussprüche dieses Buches für die Juden haben, wo nicht gänzlich niederschlagen, doch dermaßen beleuchten, daß alle Anwendungen, welche von derselben auf den heutigen religiösen Standpunkt der Juden gezogen werden, sich in ihrer fast gänzlichen Gehaltlosigkeit zeigen würden. Einzelne Abhandlungen und Aufsätze werden dieß nie leisten, wenn sie auch dem aufmerksamen Leser die Ueberzeugung geben, daß die hergebrachten Gemeinplätze einer soliden Begründung ermangeln und sehr einer wissenschaftlichen Berichtigung bedürfen. Indessen wäre auch dieß schon ein sehr belohnender Gewinn, der es wohl verdiente, unsre jungen Theologen zu Versuchen in diesem Gebiete anzuspornen. Vor Allem wären hier gewisse Grundwahrheiten an das Licht zu bringen und hinreichend zu belegen, deren Auffassung allein eine gründliche Würdigung des Talmuds möglich macht, und deren Anwendung uns gerade den wahren Sinn derjenigen Stellen offenbart, die von jeher mit besonderer Vorliebe, als <hi rend="italic">corpora delicti</hi> producirt wurden. Zu den prägnantesten Wahrheiten dieser Art gehören etwa die folgenden:</p>
         <p>I. Der Talmud ist weit davon entfernt, den buchstäblichen Sinn im Texte des Pentateuchs mit allen daraus sich ergebenden Folgesätzen gelten zu lassen; vielmehr weicht er sehr oft davon ab, und es ist selbst für seine eifrigsten Anhänger nicht anstößig, wenn man ihnen gegenüber behauptet, daß viele sei- |Sp. 0440| ner Entscheidungen dem Wortsinne der heil. Schrift widersprechen.</p>
         <p>II. Wo der Talmud Entscheidungen abgibt, die in der h. Schrift nicht ihre Begründung finden, beruft er sich selten auf die Tradition, meistens aber auf eine schon längst erloschene geistliche Autorität.</p>
         <p>III. Wo der Talmud in gezwungenen Auslegungen dem Texte Gewalt thut, ist er sich dessen gewöhnlich bewußt und bedient sich bloß der angezogenen Schriftstellen als brauchbarer mnemonischer Hilfsmittel, ganz nach dem Beispiel der ältern Juristen, welche ähnliche Kunstgriffe gebrauchten. (z. B. testamentum testatiomentis).</p>
         <p>IV. Nichts ist dem Geiste des Talmuds mehr zuwider, als das Forschen nach den Ursachen der mosaischen Gebote. Er weis't auch die plausibelsten Hypothesen zur Erklärung der Ursachen der Gebote ab, aus Furcht, man möchte daraus Anwendungen ziehen, die nicht ohnedieß aus dem Text oder den Entscheidungen der Schriftgelehrten hervorgehen. Er nimmt jedes Gebot mit den entferntesten Consequenzen an, die sich, nach der ihm eigenthümlichen Logik daraus ziehen lassen. Keine Herleitung, sie möge überaus lästig, oder dem gesunden Verstande anstößig oder lächerlich erscheinen, schreckt ihn zurück. Nur hilft er in diesen Fällen durch neue Satzungen nach, deren Aufstellung er in den Kreis seiner Befugnisse zieht.</p>
         <p>V. Der Talmud erschwert die Ritualpflichten nie aus einem andern Grunde, als aus Furcht, man möchte in ihrer Ausübung erschlaffen. Wo diese nicht obwaltet, sucht er gern Erleichterungen auf, und er zeigt sich besonders sinnreich in der Erfindung von Fiktionen, durch welche die Verbote ihre Lästigkeit verlieren.</p>
         <p>VI. In Beziehung auf Ritualpflichten läßt der Talmud nie die an Propheten nach Moses ergangenen Offenbarungen gelten.</p>
         <p>VII. Hingegen sind ihm die Propheten in Beziehung auf die natürlichen Pflichten des Menschen und des Israeliten eine reiche Quelle nützlicher Belehrungen, aus welcher er die nöthigen Satzungen zur Ergänzung der mosaischen Gesetze schöpft, besonders manche Verbote, die sich aus dem Texte des Pentateuchs nicht herleiten lassen.</p>
         <p>Diese wenigen Andeutungen mögen so lange genügen, bis sie die erforderliche Erläuterung und Begründung erhalten haben, und ich kann den Wunsch nicht unterdrücken, daß sich andere israelitische Mitarbeiter dieses Blattes diesem Geschäfte unterziehen mögen.</p>
         <p>Ein späterer Aufsatz soll Andeutungen über den Grad der Verbindlichkeit enthalten, welche die Aussprüche des Talmuds für die heutigen Juden haben.</p>
            </div>
            <div type="taka">
               
               <p>
            <hi rend="bold">Katholische Abtheilung.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">* Die </hi>
            <hi rend="italic bold">Strauß</hi>
            <hi rend="bold">'sche Mythisirung des Christenthums, von der wissenschaftlichen und gelehrten Seite.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von dem Regierungsrath und ritterschaftlichen Direktor </hi>
            <hi rend="italic bold">Wilhelm</hi> 
            <hi rend="italic bold">von</hi> 
            <hi rend="italic bold">Schütz </hi>
            <hi rend="bold">in Reichenwalde, in der Mark Brandenburg.</hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Es gehört zu den größten Uebelständen unserer Zeit, daß die im wissenschaftlichen Gebiete herrschend gewordene Rastlosigkeit den menschlichen Geist so unglaublich verleitet sich mit seinen Betrachtungen auf das Einzelne zu werfen, besondere Gegenstände und Glieder aus einem mit der größten Consequenz zusammenklingend organisirten Ganzen herauszureißen und durch einseitige Untersuchungen Gesetzlichkeiten feststellen oder Wahrheitsbehauptungen verbreiten zu wollen, welche die Grundbedingungen eines Ganzen und mit ihm das Ganze selbst, dem jene alle seine Eigenschaften geben, in allen seinen Fugen zu erschüttern, zu zerstören umzugestalten; eines Ganzen, dessen wesentlichste Eigenschaft |Sp. 0441| Heiligkeit ist, und das mit der Heiligkeit alles einbüßt, dem folglich nach Verlust der Heiligkeit gar nichts mehr übrig bleibt.</p>
         <p>Hat denn der verstorbene schweizerische Theologe, der nun schon vor dem Richterstuhle Gottes stehet, indem er sich in die mitgetheilten Betrachtungen über den Mythos verlor, sich so ganz und so unglaublich vergessen können, daß es ihm gar nicht auffallen wollte, wie jene Betrachtungen sich auf heilige Bücher bezogen, auf Bücher, deren Verfasser er selber Hagiographen nennen muß, auf Schriften, welcher in seinen Funktionen tausend und tausendmal so unverbrüchlich wahr und heilig muß erklärt haben, daß im Eidschwur sogar er sie bezeichnete, als die Bürgen, heiliger unantastbarer Wahrheit?— Man gehet darauf aus, in protestantischen Staaten von fast gleich starker katholischer Bevölkerung das Anrufen der Mutter Gottes als Zeuginn der Wahrheit aus dem Eide zu entfernen und die Formel substituirt: „so wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum und sein heiliges Evangelium." Wer verkennt, daß in gleich unverbrüchlicher Heiligkeit der Wahrheit hier das Wesen Gottes, das Wesen Christi und das Wesen das Evangelium zum Grunde gelegt wird. Die Worte wollen sagen: so gewiß in Gott, an den wir glauben, nichts enthalten seyn kann, was der erdichtende Sinn des dem Selbsttruge unterworfenen Menschen hineingelegt hätte, eben so wenig ist dessen auch in Christo, eben so wenig dessen endlich im heiligen Evangelien enthalten." Darf nun aber ein noch in der kirchlichen Gemeinschaft befindlicher, noch nicht von ihr ausgeschlossener Getaufter den mythischen Charakter des Evangeliums lehren und eine kirchliche Behörde seiner Lehre provisorische Probabilität beilegen, ohne daß da, wo dieß geschiehet, das ganze Wesen, die ganze Wirksamkeit der christlichen Religion unterbrochen und gehemmt würde? — Es ist eine Lücke entstanden, welche gleichzeitig die übrigen Momente der christlichen Kirchlichkeit verschlingt. Es ist virtuell gar keine Kirche da, sie ist einstweilen mit allen ihren Elementen und Heiligthümern, ist mit ihrem Glauben an Gott und Jesus Christus bis auf weiteres suspendirt. Denn wenn der Eid Gott, Jesu und dem Evangelium gleiche Heiligkeit und Unverbrüchlichkeit der Wahrheit und Wahrhaftigkeit beilegt, wenn letztere bei allen dreien ganz für die nämliche erklärt wird, im Evangelium aber sie bezweifelt und sogar unter landesherrlicher Autorität für möglich erachtet werden darf, daß darin auch Erdichtungen des betrüglichen Menschengeistes enthalten seyn können, mögen sie auch nicht einer <hi rend="italic">fraus dolosa</hi> sondern einer <hi rend="italic">piu fraus</hi> ihr Entstehen beigemessen haben, finden sich nach der in die Sprache übergegangenen Volksansicht auch ersonnene, erdichtete, erlogne Momente darin; so ist hiermit der ganze Teig des Glaubens an eine heilige unverbrüchliche göttliche Wahrheit durchsäuert, und in Sauerteig ist nicht nur der Süßteig das Evangelium und seiner Wahrhaftigkeit, sondern auch der Wahrhaftigkeit Jesu und Gottes umgeschlagen. Die christliche Kirche hat nichts mehr, hat alles verloren, sie ist ärmer, tausendmal ärmer, als der Judaismus und Muhamedismus! Doch dieser von der wissenschaftlichen Richtung etwas abgewichenen Betrachtung näher nachzuhängen muß dem Leser überlassen bleiben, indem die mitgetheilte wissenschaftlich seyn wollende Erörterung des Mythus noch zu einigen anderen Bemerkungen auffordert, deren Bezüglichkeit zur Hauptsache unmittelbarer ist.</p>
         <p>Es sind derselben nämlich bei <hi rend="italic">Usteri</hi> einige fremdartige Punkte eingemischt, z. B. ist von einer vorgeschichtlichen Zeit relativer Art gesprochen worden, oder von einer vorgeschichtlichen und relativ vorgeschichtlichen Zeit. Kein glücklich gewählter Ausdruck, kein Ausdruck, der eine bestimmte Vorstellung gibt, und dessen es gar nicht bedurfte, weil, was der Verfasser zu sagen bezweckte, sich höchst schlicht und faßlich ausdrücken ließ! Der künstlich gestellten Worte einfacher Sinn ist der: daß im Leben Christi zwei Perioden zu unterscheiden sind; diejenige nämlich, wo der Herr öffentlich als Lehrer auftrat, und sein ganzes Leben mit fast allen dazu gehörigen Momenten als ein öffentliches der Welt vor Augen liegt, und diejenige, welche jener letzteren öffentlichen Lebensperiode vorangegangen war. Nur jener ersteren den angeblich mythischen Charakter beizutragen, darauf beschränkte sich der verstorbene <hi rend="italic">Usteri</hi>.</p>
         <p>Allerdings wird dadurch seine Mythisirung nicht jene wilde und verwegene, gränzenlose und zerstörende Pseudokritik, die derselben fast auf der Ferse nachfolgte; viel jedoch bessert es die Sache kaum. Es gibt eine Ansicht und Meynung, welche auch |Sp. 042| nicht ganz frei ist von skeptischem Geist, wonach bei allen berühmten Männern es geschehen, daß, weil man von ihrer Jugend nichts wußte, aber weil sie auf niedrige Standesverhältnisse hinwies, man in der Regel später erst bemühet wurde, sie mit Fabeln und Sagen auszuschmücken, welche in der Weise ersonnen und erdichtet werden mußten, daß sie namhaften Wahrscheinlichkeiten sowohl, als den Hauptmomenten der Wirksamkeit des Heros entsprechend, einen gewissen Einklang damit und den möglichsten Schein der Wahrheit an den Tag legten. So soll es, um nur einige Beispiele anzuführen, schon sich verhalten haben mit einem <hi rend="italic">Pythagoras</hi>, <hi rend="italic">Solon</hi>, <hi rend="italic">Lykurg</hi> und <hi rend="italic">Numa</hi>, späterhin aber mit einem <hi rend="italic">Philipp</hi> und <hi rend="italic">Alexander von Macedonien</hi>. Die Sagenweise zum Leben der Heroen an dem Mittelalter, gehörig, <hi rend="italic">Karl der Große</hi>, <hi rend="italic">Alfred</hi> u. s. w. sollen in gleicher Weise entstanden seyn. Man hat der Geburt und der Jugend solcher Helden einen Glanz, der ihnen wirklich mangelte, beilegen wollen, darum aber ersonnen und gedichtet in verschiedenem Geiste, hier mehr religiös, dort mehr phantastisch. Die Chroniken aber nahmen die Dichtungen allmählich auf, und so wurden sie geschichtlich oder halbgeschichtlich, wenn man will relativ-geschichtlich.</p>
         <p>Damit bleibt denn Alles bei'm Vorigen. Vorherrschend im Bewußtseyn behauptet sich die Ueberzeugung, daß wegen der ersteren Lebensperiode des Herrn, nämlich bis zu seinem öffentlichen Auftreten, Nachricht und Gewißheit ganz fehlten, also nach Wahrscheinlichkeit und möglicher Analogie darüber gedichtet worden sey. Ja, was noch mehr ist; eigentlich sagt sich das Bewußtseyn, daß die ursprünglichen Lebensverhältnisse des Herrn sehr dunkel, niedrig und unbedeutsam gewesen, drum aber auch unbekannt geblieben seyn müssen. Und dieß nämliche Bewußtseyn weiß denn gleichzeitig sehr wohl, wie der in die Stelle jener Bedeutungslosigkeit hingestellte Glanz bloßes Product einer Erfindungsgabe gewesen sey, die das Frühere dem Späteren analog zu gestalten verstand."</p>
         <p>Vereinigen sich in solchem Verfahren Unwahrheit und Unklarheit des wissenschaftlichen Sinnes, so bekundet sich dieser, verbunden mit einem großen Mangel an Ueberlegung, noch von einer anderen Seite und zeigt ein sehr schiefes Raisonnement. <hi rend="italic">Usteri </hi>nimmt eine relativ vorgeschichtliche und eine geschichtliche Periode an im Leben Jesu. Von jener wußte man nichts; drum sind wunderartige Verhältnisse hineingetragen worden. Aber daraus folgt ja, daß die zweite, die geschichtliche Periode, als echt historische, sich rein und frei von allen Wundern darzustellen habe. Ist dieß nun wohl der Fall? — Erhöhen sich nicht vielmehr jetzt erst die wundervollen übernatürlichen Momente und sparen sie nicht sich gleichsam recht auf für den Schluß der irdischen Tage des Herrn? — Also fehlt der Hypothese alle Consequenz; sie ist gar nicht gehörig durchdacht, und der richtige Schluß mußte ganz anders gefaßt werden. Der kritische, wahrheitliebende Historiker und Forscher, wenn er auch das Leben Jesu nur betrachtete als einen der Profangeschichte angehörigen Vorwurf, hätte gesagt: so wie der Herr öffentlich und vor aller Welt auftritt, ist sein ganzes Leben begleitet mit wunderbaren übernatürlichen Momenten, gleichsam erfüllt damit und gesättigt, auch steigern sie sich je mehr er der Schlußzeit seines hiesigen Berufes näher rückt. Es würde widersinnig seyn, anzunehmen, es habe Jesu Leben erst am Punkt einer gewissen Scheidelinie diesen Charakter gleichsam ex abrupto angenommen, wie wenn nun ein Deus ex machina ihm sich zur Seite gestellt. Es muß sich ganz anders verhalten; es muß von Anfang an Christi Leben eine höhere, wunderähnliche übernatürliche Beschaffenheit verrathen haben, die sich nur m fortwährender Steigerung befinden konnte. Man darf also durch die Frage; wer Zeuge jener vor die Oeffentlichkeit des Lebens Jesu fallenden wundervollen Momente gewesen sey, sich nicht irren und am wenigsten sich verleiten lassen, deshalb sie als Sagen und Mährchen zu betrachten, sondern das historisch-kritische Nachdenken und Forschen hat sich zu beschäftigen mit der Ergründung der wirklichen oder der möglichen Art und Weise, wie dessenungeachtet jene Thatsachen zur Kunde der Jünger gelangen konnten.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Usteri</hi> hatte sich also in seiner ganzen Ansicht schon von Grund aus sehr vergriffen, obwohl immer noch Absicht und Neigung verrathen sich vor Impietät und Irreligiosität zu bewahren. Allein er war seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen, und wer sie von neuem aufnehmen wollte, der brauchte ganz anderer Mit- |Sp. 0443| tel, um sich dem Werke unterziehen zu können. Der Verstorbene hatte wirklich etwas hingeworfen, das weiter durchgearbeitet seyn wollte, gründlich, wissenschaftlich, hauptsächlich widerlegend. Aber darauf hat Hr. Dr. <hi rend="italic">Strauß</hi> sich nicht eingelassen, sondern bloß mit der vorgefundenen Halbidee seines Antecessors weiter geschaltet. Er hat sich gleichsam auf das gesattelt vorgefundene Roß geschwungen und ist, dem guten Glücke vertrauend, darauf weiter geritten indem er ein Buch an das Licht gestellt hat, welches in Folge gewisser eingetretenen Umstände die Frage hervorruft: ob es Wichtigkeit genug besitze, um es zum Gegenstande ernsterer Beleuchtung und Untersuchung machen zu müssen. Ein protestantischer Geistlicher hat ihm dieß Zeugniß ausgestellt, während andere sich dagegen erklärten und mit Widerlegungen aufgetreten sind. Von der katholischen Seite dürfte ein Beurtheiler in der Zeitschrift "Athanasia" vollkommen recht haben, wenn er demselben den höheren Werth ganz abspricht; dessenungeachtet haben auch in diesem Gebiet ausgezeichnete Köpft es zum Gegenstande einer ernsteren Beschäftigung gemacht.</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
            </div>
            <div type="tapr">
               
         <p>
            <hi rend="bold">Protestantische Abtheilung. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">*Den Fluch, und nicht den Segen?</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Eine Stimme aus Osten, an alle Gelehrte, besonders germanischen Stamm's.</hi>
         </p>
         <p>Die Stimme des Rufers in der Wüste:</p>
         <p>Bereitet dem Jehova einen Weg, und ebnet in der</p>
         <p>Oede eine Bahn für unsern Gott! Esaias 40,3.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">Mitgetheilt von </hi>
            <hi rend="_PERSON19">
               <seg rend="italic">Ludwig</seg> 
               <seg rend="italic">Hofaker</seg>
            </hi>
            <hi rend="bold"> in </hi>
            <hi rend="_ORT19">Tübingen<seg rend="normalweight">.</seg>
            </hi>
         </p>
         <p>(Schluß.)</p>
         <p>Nur in diesem Lichte, lieben Brüder, kann die Menschheit, für die Ihr arbeitet, sich wahrhaft erleuchten, veredeln, und sofort befreien und beglücken. Nur in diesem Lichte, seinem heimischen, gedeiht das Christenthum zur allgemeinen Religion auf Erden; und in dem <hi rend="italic">so wieder erhellten</hi> Christenthum finden alle Religionen Berührungs- und Anhaltspunkte, auf die sie ihre Hauptlehren und Gefühle beziehen, an sie wieder berichtigend anknüpfen, und so sich zur ursprünglichen Wahrheit derselben erheben können: die mancherlei Heiden finden da die stufenweise Abstammung und allmähliche Ausgestaltung ihrer, ursprünglich nur <hi rend="italic">symbolischen</hi> Gottheiten, ihrer nun symbolisch sich darlegenden Traditionen, und werden nicht vom Polytheismus der <hi rend="italic">Sage</hi> zum Polytheismus der <hi rend="italic">Ueberzeugung</hi> gedrängt, auf's neue mit drei Göttern und einer Unzahl von Untergöttern geärgert; der Hindu, der Gaure, der Chinese etc. finden da ihre Uroffenbarungen, ihre Aebnen von Götter- und Halbgötterreichen etc., der Moslim findet da seine Religion Abrahams mit ihrer strengen Einheit Gottes, für die seine Väter, in heiligem Ingrimm über den Götzendienst der damaligen Christen und Heiden, das Schwert zogen, und, von ihrem Koran begeistert, drei Welttheile eroberten; er stößt sich da nicht mehr an der nicänischen Dreipersönlichkeit Gottes, die seine Väter vom Christenthum entfernt, und ihm selbst bisher dasselbe unzugänglich gemacht hat; der Israelit findet da den auf seine <hi rend="italic">Alleinheit</hi> so eifersüchtigen Gott, seinen Vater, Jehova, mit seinen zehn Geboten, er findet da, nach Hinweghebung <hi rend="italic">des Deckel Moses</hi> durch den geistigen Sinn des ihm gegebenen Wortes, sein göttliches, so lang ersehntes Messiasreich, und seine mit so viel Blut und Thränen in der zweitausendjährigen Gefangenschaft erkaufte, ewige Herrschaft des Sohnes Davids; er findet da den ehrwürdigen Ursprung und das hohe Alterthum seiner Sprache und Schrift, sowie die hohe Bedeutung seines Gesetzes und seiner Propheten; er findet da die von seinen Sehern vorher verkündigte allgemeine Verehrung seines Jehova im <hi rend="italic">neuerbauten Jerusalem</hi> mit seinem Alles überstrahlenden Tempel, und verunreinigt sich ferner nicht mehr an den Gräueln der Gojim, der seine Väter und ihn bisher von |Sp. 0444| der Anbetung Jehova's in Christo verscheuchten; und endlich die Christen <hi rend="italic">aller</hi> Bekenntnisse, finden die da nicht ihr Urchristenthum wieder, welchem sich jeder wieder zu nahen strebt; finden sie da nicht die Lehre Christi in ihrer unbefleckten Reinheit und höchsten Entwickelung, und zwar nicht nach verfälschenden Auslegungen und Zusätzen ihrer einander widersprechenden, verketzernden, blutig verfolgenden Priester und Schriftgelehrten, sondern nach der untrüglichen Auslegung, welche der HErr selbst, bei seiner verheißenen und nunmehr erfolgenden zweiten Ankunft, mittelst der Enthüllung des geistigen Sinnes jener Worte uns gibt, die er <hi rend="italic">vor</hi> und <hi rend="italic">bei</hi>, und bald <hi rend="italic">nach</hi> seiner ersten Ankunft theils durch die Propheten, theils Selbst gesprochen hat; des geistigen Sinnes seines Wortes sage ich, dessen die rauhe, natürliche Welt bei seiner ersten Ankunft und seither nicht fähig war, und das, als Samenkorn des einst die ganze Erde erquickenden und ernährenden Brunnens, vorerst in dem Humus der finstern Erde des Juden- und Heidenthums ersterben, und dann aus dem Tode seiner Umhüllung den innersten Keim zum Leben wecken, und allmählich entwickeln mußte; welchen zarten Keim der HErr endlich im Beginn seiner zweiten Ankunft zu Tage enthüllte, aber gegen den feindlichen Andrang der Elemente und Thiere aller Art mit Papyrusblättern umgab, und so der von Finsterniß und grobem Weltsinn drohenden Entheiligung entrückte: und erst jetzt, nach 60 Jahren der Wiederverkündung, dürfte, <hi rend="italic">wie so viele Zeichen deuten</hi>, die Zeit gekommen seyn, wo die Besseren und Weiseren unter uns die göttliche Natur und himmlische Bestimmung dieses Bäumchens hienieden nach und nach erkennen, und dann in treuer Pflege desselben die Völker mit seinen Blüthen erquicken, und mit seinen Früchten ernähren werden.</p>
         <p>Ferner in diesem Lichte nur finden Theoreme wirklicher Philosophie Anhalt, Bestätigung und Beruhigung; denn der <hi rend="italic">Supernaturalist</hi> findet da, statt seiner bisherigen kümmerlichen und stückweisen, nur unsicher erschlossenen und ungewiß erahnten Kenntnisse, ein ganzes, anschauliches und lebendiges System von übersinnlichen Wahrheiten, welche dergestalt in einander greifen, und zu einem geistigen Organismus sich abschließen, daß immer die eine die andere trägt und stützt von der niedersten bis zur höchsten hinauf. Der <hi rend="italic">Naturalist</hi> findet hier die ursprüngliche Güte und Würde der Natur und Naturreligion, wie jene von Gott erschaffen, und diese dem Menschen eingepflanzt war; aber leider auch der beiden Fall und Verderbniß, und doch wieder zugleich die tröstliche Zuversicht ihrer Wiedererneuerung durch Den, der da Alles neu macht. Der <hi rend="italic">Rationalist</hi> findet hier die erleuchtete Vernunft in ihre vollen angestammten Rechte und Würden eingesetzt; während freilich, zu heilsamer Warnung der unerleuchteten, ihre Beschränktheit und Unmacht aufgezeigt wird. Der <hi rend="italic">Polytheist</hi>, wenn es deren unter Philosophen noch geben sollte, findet hier den stufenweisen Ursprung seiner Götter; der <hi rend="italic">Monotheist</hi> seinen Einen und einzigen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden; und er darf freudig hinzufügen, daß dieser Eine Gott unter uns Mensch geworden, um die gefallene Erde wieder mit dem Himmel zu verbinden. Und endlich der <hi rend="italic">Atheist </hi>—? auch der, sollt' ich meynen, dürfte bei einer solchen Begründung und Darstellung der ihm verhaßt und lächerlich gewordenen Religion betroffen und nachdenklich werden, da ihm hier das reine Gotteswort, dessen Buchstabensinn mit seinen Auslegern ihm so viel Aergerniß oder Lächeln verursachte, nach seinem bisher verschlossenen geistigen Sinn eröffnet wird, in welchem der ernst Forscher gewiß nichts Lächerliches mehr, oder gar Aergerliches finden mag.</p>
         <p>Nur in diesem Licht endlich, und nur in dieses Acht <hi rend="italic">allein </hi>wird sich nun einmal das Christenthum auch zur leitenden Staatskunst entfalten; aber nicht etwa zu einem ewiger Priester-Vormundschaft der Völker zuführenden Hierarchismus, wie ihn vormals die Jesuiten erstrebten, und neuerlich die St. Simonisten obwohl auf andern Grundlagen, wieder versuchten, sondern der eine, wahre, ächt-christliche Liberalismus in Staat und Kirche, wie ihn dessen Freunde von jeher, und in letzter Zeit sogar seine <hi rend="italic">früheren Feinde</hi>, herbeisehnen; nur in diesem, <hi rend="italic">Staat und Kirche nach heller und fester Marke scheidenden </hi>Lichte reift die wahre und bleibende, seit Jahrhunderten mit Strömen Bluts und Thränen, heute erkaufte, morgen wieder verlorene <hi rend="italic">religiöse</hi>, <hi rend="italic">bürgerliche</hi> und <hi rend="italic">politische Freiheit</hi>. |Sp. 0445| Kurz, nur dieses Licht mit seiner Wärme versöhnt im Glauben, Wissen und Leben alle Gegensätze, erhellet alle Dunkelheiten, löset alle Zweifel und Widersprüche, und vereint Alles zu einem allumfassenden, abgeschlossenen und herrlichen Ganzen; nur dieses Licht macht uns hier zeitlich und dort ewig frei, weise, glücklich, selig, "denn nur der Sohn macht Euch wahrhaft frei." Lieben und pflegen wir dieses Licht, so stießt es von selbst in all' unser Erkennen, Fühlen und Wollen ein; unser gesammtes Wissen und Können erhalten aus ihm ihre wahren Prinzipien, und werden sofort mit Riesenschritten sich ihrer irdischen Vollkommenheit nähern; alle religiöse, bürgerliche und politische Sklaverei und Tyrannei wird von selbst fallen; frei über die ganze Erdfläche hin werden sich die Völker ihr Wahres und Gutes auf immer kürzeren Wegen und durch immer schnellere Beförderungsmittel zu Lande und zur See wechselseitig mittheilen und austauschen.</p>
         <p>Und wirklich wer, der Augen hat, sieht nicht bereits aus allen Zeichen der Zeit dem Aufgang einer <hi rend="italic">neuen</hi> Sonne, der Annäherung des verlornen goldnen Zeitalters, in dessen Vorgenuß in der Idee der edle <hi rend="italic">Fichte</hi> geschwelgt, mit hoher Geistesfreude entgegen, des Zeitalters der <hi rend="italic">Neuen Kirche</hi>, in welcher nur Ein Hirt und Eine Heerde seyn wird? in welcher nicht mehr finstere Wolken verfeindete Beargwohnung ziehen, und Blutströme drohen werden, sondern das heitere Licht der Frühe, der wolkenlosen Frühe, walten wird; in welcher nicht mehr das Durcheinanderschreien rathloser und schwergeängsteter Seelen vernommen wird, sondern nur die Töne des seligen Friedens in Gott?</p>
         <p>Und was wird von Euch gefordert, auf daß Ihr aus bangen Gefühlen der Gegenwart, und noch bangerer Ahnung der Zukunft in diese Pfalz des Friedens und der Freude versetzt werdet? — nichts, gar nichts, lieben Brüder, als daß Ihr, die Ihr Augen habt zu sehen, — kommet und <hi rend="italic">sehet</hi>.</p>
         <p>Von der Mitteldonau.</p>
         <p>L....t O.....d.</p>
            </div>
         </div>
         <div type="anz">
         <p>
            <hi rend="bold">Anzeigen.</hi>
         </p>
         <p>24) Im Verlage der <hi rend="italic">Theissing</hi>'schen Buchhandlung ist Münster ist eben erschienen, und in allen Buchhandlungen zu haben:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Ueber die Erkenntniß der Wahrheit. Von Albert Kreuzhage</hi>. gr. 8. Druckvelinp. Geh. 1 Thlr. 15 Ggr. od. fl. 2. 42 kr.</p>
         <p>Diese Schrift steht in enger Beziehung zu des Verfassers „Mittheilungen über den Einfluß der Philosophie auf die Entwickelung des inneren Lebens", welches Werk beinahe von allen gelehrten Zeitschriften Deutschlands mit so außerordentlichem Beifalle aufgenommen ist. Was in den "Mittheilungen" in der Gestalt <hi rend="italic">individuell</hi>-<hi rend="italic">persönlicher</hi>  Entwickelung über den Weg, der umgeben von mannichfachen verlockenden Irrwegen zur Wahrheit führt, und über das Weilen in und bei der Wahrheit gesagt und mehr nur erst <hi rend="italic">angedeutet</hi> wurde, das wird hier nach seiner <hi rend="italic">Allgemeinheit</hi> in wissenschaftlicher Folge und Darstellung vollständig, tief und umfassend entwickelt und begründet. Zuerst nämlich wird das Verhältniß des menschlichen Geistes zur Wahrheit in seiner Entwickelung im <hi rend="italic">Selbstbewußtseyn</hi> auf den Stufen der Unmittelbarkeit, dann des Verstandes, und endlich der Vernunft besprochen. Darnach handelt der Verf. über die <hi rend="italic">Offenbarung</hi> der Wahrheit selbst im Heidenthum, im Judenthum und vor Allem im Christenthum, über die Wahrheit in ihrer absoluten Wirklichkeit, über den Ursprung des Bösen in der Schöpfung und über die Erlösung durch die Inkarnation des Logos, der der Weg die Wahrheit und das Leben. Der <hi rend="italic">dritte</hi> und letzte Theil endlich stellt die geistige Entwickelung des <hi rend="italic">erlöseten</hi> Menschen dar in seinem Verhältnisse zur geoffenbarten Wahrheit, in seiner Verbindung mit der <hi rend="italic">Kirche</hi> und in der Aneignung der ihm hier sich bietenden Gnaden, behufs seiner Integration zur reinen und vollendeten Ebenbildlichkeit.</p>
         <p>Schon aus dieser kurzen Inhaltsanzeige erhellt bei dem anerkannten |Sp. 0446| und den es namentlich noch freuen wird, hier eine eben so schön geschriebene und verständliche, als gewandte und tief eingehende Kritik und wahrhaft <hi rend="italic">katholische</hi> Würdigung der neuern philosophischen Systeme von <hi rend="italic">Kant</hi> bis <hi rend="italic">Hegel</hi> anzutreffen, und auf das Gute wie auf das Mangelhafte derselben aufmerksam gemacht zu werden.</p>
         <p>(25) So eben ist in unserm Verlage erschienen, und an alle soliden Buchhandlungen versandt:</p>
         <p>die dritte, sehr verbesserte und stark vermehrte Auflage des allbeliebten und verbreiteten Gebetbuches: </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Der betende katholische Christ, oder Gebetbuch für katholische Christen die sich ihrer Bestimmung gemäß, beeifern, Gott im Geiste und in der Wahrheit anzubeten von A. C. Dauer</hi>.</p>
         <p>Mit bischöflicher Augsburgischer Approbation. Geziert durch vier ganz neue, herrliche Stahlstiche. Gr. Duodez. 16 Bogen. In farbigen Umschlag broschirt. Ausgabe auf schönem weißem Druckpapier mit 2 Stahlstichen 1 fl. rhn. oder 16 gGr. Ausgabe auf Druckvelinpapier mit 4 Stahlstichen 1 fl. 36 kr. rhn. Oder 1 Thlr. 2 gGr. Ausgabe auf feinstem Postpapier mit 4 Stahlstichen 2 fl. 24 kr. rhein. oder 1 Thlr. 12 gGr.</p>
         <p>Ein Gebetbuch, wie dieses vorbenannte, welches in <hi rend="italic">sechs</hi> Jahren <hi rend="italic">drei Auflagen</hi> erlebte, bedarf eigentlich keiner weitern öffentlichen Anpreisung. Bei der großen Menge von Gebetbüchern, mit denen in neuerer Zeit das Publikum überschwemmt, und unter welchen manches Mittelmäßige unter den auffallendsten Titeln und mit emphatischem Wortschwall als das <hi rend="italic">Beste</hi> angepriesen wird, halten wir es für Pflicht, <hi rend="italic">dieses in neuer</hi>, <hi rend="italic">sehr verbesserter und vermehrter Auflage so eben erschienene Gebetbuch</hi>, <hi rend="italic">der ganz besondern Aufmerksamkeit</hi> derjenigen des katholischen Publikums, die solches noch nicht besitzen, anzuempfehlen. Es geradezu <hi rend="italic">das Beste </hi>nennen wollen, hieße andern anerkannt trefflichen Werken zu nahe treten, aber es <hi rend="italic">als eines der allervorzüglichsten Gebetbücher</hi> bezeichnen, ist volle Wahrheit, die wir durch nachstehende Zeugnisse belegen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Die bischöfliche Approbation</hi> lautet wörtlich also: „Das Gebetbuch: <hi rend="italic">der betende kathol</hi>. C<hi rend="italic">hrist</hi> etc. von A. C. <hi rend="italic">Bauer</hi>, 3te Auflage, enthält nicht nur <hi rend="italic">nichts</hi> gegen die kath. Glaubens- und Sittenlehren, sondern ist ganz geeignet, einen frommen Christen in seinen Gebetsübungen <hi rend="italic">so</hi> zu unterstützen, auf daß er im Geiste und in der Wahrheit bete, <hi rend="italic">daher wir dasselbe in jeder Beziehung auch der Empfehlung würdig erachten.</hi>" Augsburg, den 16. März 1836. Das bischöfl. Ordinariat. C. <hi rend="italic">Kiechle</hi>, Domdekan und Generalvikar. Aus einer Recension in der <hi rend="italic">Sion</hi> entheben wir folgende Stelle: Einen ganz eigen-thümlichen Werth gibt diesem Andachtsbuche jener Ton der Gebete, in welchem man ganz den Wiederhall der Gebete der Mutterkirche vernimmt, und in welchem die Herzenseinfalt, der heil. Ernst und das Feuer der Liebe eine so glückliche Mischung der Andachtsgefühle hervorbringen. Gott scheint hier dem Verfasser einen besondern Beistand gewährt zu haben, weßwegen zu wünschen, daß aus seiner Hand unter Gottes Gedeihen noch mehrere ähnliche Produkte hervorgehen möchten.</p>
         <p>Wir können nicht umhin, auch eine Stelle der Rezension in dem Literaturblatt No. 10 der geschätzten Katholischen Kirchenzeitung von 1830 auszuheben: „Es enthält dieses Gebetbuch des Vortrefflichen so viel, daß es mit vollem Rechte <hi rend="italic">eine Krone der Gebetbücher unserer Zeit</hi> genannt werden darf. Obgleich <hi rend="italic">Alles</hi> vortrefflich ist, so möchten wir doch als auf eine köstliche Perle darin aufmerksam machen: auf die Gebete am Beicht- und Kommunionstage, denen allgemeine geistigen Berufe des Verf. die hohe Wichtigkeit dieses ausgezeichneten Werkes für jeden, der auf <hi rend="italic">christliche Bildung</hi> Anspruch macht, insbesondere für den <hi rend="italic">christlichen Philosophen</hi> und den <hi rend="italic">Priester</hi>, dem ja die Verteidigung der Wahrheit vor Allem obliegt, die <hi rend="italic">Gebete</hi> am <hi rend="italic">Beicht</hi>- und <hi rend="italic">Kommuniontage</hi>, denen allgemeine Betrachtungen, als: eine Vorbereitung zur <hi rend="italic">würdigen Beichte</hi>, bessern Christumserfüllung und zu einer <hi rend="italic">würdigen Kommunion</hi> vor ausgeschickt werden. Wer das Heilsgeschäft nach <hi rend="italic">dieser</hi> Anleitung vornimmt, wird nicht leicht wieder in eine schwere Sünde fallen. <hi rend="italic">Schon um dieses Einen willen sollte dieses Gebetbuch in den Händen aller Katholiken seyn</hi>."</p>
         <p>Zu größerer Bequemlichkeit der Käufer ist dieses Gebetbuch auch gleich in den geschmackvollsten Einbänden zu haben.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Augsburg</hi>, am 1. März 1837. <hi rend="italic">K. Kollmann</hi>'sche Buchhandlung.</p>
         </div>
         <div>
            <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber: Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und R</hi>
            <hi rend="italic bold">ohm</hi>
            <hi rend="bold">. (Maschinendruck.)</hi>
         </p>
         </div>
      </body>
   </text>
</TEI>

