<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml"
	schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title>
            <title type="sub">Frankfurt a. M. 5. Januar 1837, Nro. 2</title>
            <title type="short">Universal-Kirchenzeitung</title>
          <respStmt>
               <resp>Neu hrsg. von</resp>
               <persName ref="http://d-nb.info/gnd/1046474146"><forename>Beata</forename><surname>Mache</surname></persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         
         <publicationStmt>
            <publisher>Steinheim-Institut</publisher>
            <pubPlace>Essen</pubPlace>
            <date type="publication">2014</date>
            <publisher>
               <email>mac@steinheim-institut.org</email>
               <orgName role="hostingInstitution"> Steinheim-Institut</orgName>
               <address><addrLine>Edmund-Körner-Platz 2, 45127 Essen</addrLine>
<country>Germany</country>
</address>
               <orgName role="project">DISS</orgName>
            </publisher>
            <availability>
               <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/de/">
                  <p>CC by-nc-sa</p>
               </licence>
            </availability>
            <idno>
               <idno type="URL">http://www.deutsch-juedische-publizistik.de/pdf/universal-kirchenzeitung_002.pdf</idno>
               <idno type="URN">nbn:de:0230-20090410960 </idno>
            </idno>
         </publicationStmt><seriesStmt><title>Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands</title></seriesStmt>
         <sourceDesc>
            <bibl type="J">
               Universal-Kirchenzeitung
            </bibl>
            <biblFull>
               <titleStmt>
                  <title level="j" type="main">
                     Unparteiische Universal-Kirchenzeitung für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, katholischen und israelitischen Deutschlands
                  </title>
                  <title level="j" type="issue" n="2">
                     5. Januar 1837, Nro. 2
                  </title>
                  <editor>
                     <persName ref="http://d-nb.info/gnd/187133182">
                        <forename>Julius Vinzent</forename>
                        <surname>Hoeninghaus</surname>
                     </persName>
                  </editor>
               </titleStmt>
               <editionStmt>
                  <edition n="1"/>
               </editionStmt>
               <extent>
                  <measure type="column">16</measure>
               </extent>
               <publicationStmt>
                  <publisher><name>Varrenkamp</name> </publisher>
                  <pubPlace>Frankfurt am Main</pubPlace>
                  <date type="publication">1837-01-05</date>
                  
               </publicationStmt>
            </biblFull>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <encodingDesc>
         <editorialDecl><p>Offensichtliche Setzerfehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Original-Orthographie wurde ansonsten beibehalten.</p></editorialDecl>  
      </encodingDesc> 
      <profileDesc>
         <langUsage>
            <language ident="deu">German</language>
            <language ident="heb">Hebrew</language>
            <language ident="grc">Ancient Greek</language>
            <language ident="lat">Latin</language>
         </langUsage>
      </profileDesc>
   </teiHeader>
   <facsimile>
      <graphic url="http://www.deutsch-juedische-publizistik.de/pdf/Univ.-Kirch.-Ztg_002.pdf"/>
   </facsimile>
   <text>
      <body>
         <div>
         <head>
           Unparteiische Universal-Kirchenzeitung <lb/>
            für die Geistlichkeit und die gebildete Weltklasse des protestantischen, <lb/>katholischen, und israelitischen Deutschland's.
           <lb/>Frankfurt a. M., den 5. Januar 1837. Nro. 2.
         </head>
         </div>
        <div type="inhalt">
         <head>
           Inhalt: 
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">Personal-Chronik der Univ.-K.-Ztg. — </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Rückblick auf die wichtigsten kirchlichen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit.</hi> A. <hi rend="italic">Asien</hi>. 2. <hi rend="italic">China</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchliche Nachrichten</hi>
            <hi rend="italic">. Asien; Palästina</hi>; die Kirche des h. Grabes in <hi rend="italic">Jerusalem</hi> betr. — <hi rend="italic">Afrika; Algier</hi>, Toleranz der Regierung. — Rom; Gesundheit des heil. Vaters; Audienz des mexikanischen Gesandten. — <hi rend="italic">Polen</hi>; trauriger Zustand der armen evangel. Gemeinden, und Aufruf zur Unterstützung. — <hi rend="italic">Deutschland</hi>. Correspondenzbericht aus <hi rend="italic">Stadt Lengsfeld</hi>, das Synagogengebet betr.; <hi rend="italic">Freiburg</hi>; Rüge eines Art. der Hannöv. Zeitung; Corresp.-Bericht aus Augsburg, statist. Inhalts. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Theologische Akademie. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Prot. Abth.</hi> Welchen wissenschaftlichen Gewinn darf sich unsere Kirche von dem von Dr. Strauß herausgegebenen „Leben Jesu“ versprechen? Vom Kirchenrath Dr. <hi rend="italic">Stephani</hi> in Gunzenhausen. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kath. Abth.</hi> Ueber das Wesen der kathol. Kirche und die Stellung derselben zum Protestantismus und zum Judenthum. Vom Prof. Dr. <hi rend="italic">Staudenmaier</hi>, Forts. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Israel. Abth.</hi> Thesen über den Talmud. Von Dr. <hi rend="italic">Creizenach</hi>. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Literatur. </hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">K. A.</hi> 1) Franz. Lit.: Zwei Kanzler von England. 2) <hi rend="italic">Lorenzo</hi> etc. Rez. vom k. Appellationsgerichts-Assessor K. <hi rend="italic">Samhaber</hi> in Aschaffenburg. — </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Anzeigen.</hi> |Sp. 0017|
         </p>
        </div>
       <div type="pch">
         <head>
       Personal-Chronik der Universal-Kirchenzeitung.
         </head>
         <p>Se. Majestät, der allverehrte König <hi rend="italic">von Griechenland</hi>, <hi rend="italic">Otto</hi> l., haben allergnädigst geruht, Sich zum Leser unseres Blattes zu erklären, mittelst eines an den Herausgeber gerichteten, von Oldenburg aus erlassenen, huldvollen Schreibens, worin es heißt:</p>
         <p>
            <hi rend="italic">„Ich habe mit Vergnügen ersehen, daß viele Gelehrte zusammengetreten sind, um für eine demnächst zu erwartende Universal-Kirchenzeitung thätig zu seyn, und daß Sie sich an die Spitze dieses Unternehmens gestellt haben, welches den edeln Zweck hat, für Eintracht der Völker und für Verbreitung und Befestigung der Herrschaft religiöser Wahrheiten zu wirken. Ich habe Meinen Kabinets-Referenten bereits beauftragt, auf ein Exemplar dieser Universal-Kirchenzeitung zu subscribiren.“</hi>
         </p>
         <p>Der ganze Verein unseres literarischen Instituts wird sich mit dem Herausgeber durch diese allergnädigste königliche Würdigung unseres wohlgemeynten Strebens eben so sehr geehrt, als in demselben ermuntert fühlen, weßwegen wir diese werthvolls Mittheilung nicht vorenthalten wollten.</p>
         <p>Auch Se. königl. Hoheit, der regierende Großherzog von Oldenburg, August, nunmehriger Schwiegervater Sr. königl. Majestät von Griechenland, hatten bereits im verflossenen Sommer die Gnade, in einer dem Herausgeber huldreich gewährten persönlichen Audienz, die Aufwartung mit einem Exemplare unsers dadurch geehrten Blattes zu genehmigen.</p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Mitarbeiter </hi>
            <hi rend="bold">und</hi>
            <hi rend="italic bold"> Correspondenten</hi>
            <hi rend="bold">:</hi>
         </p>
         <p>4) <hi rend="italic">Johann Lorenz Studach</hi>, Apostolischer Vikar von <hi rend="italic">Schweden </hi>und <hi rend="italic">Norwegen</hi>, Beichtvater I. kön. Hoheit, der Kronprinzessinn von <hi rend="italic">Schweden</hi>, in Stockholm.</p>
         <p>5) Freiherr <hi rend="italic">von Eckstein</hi> in Paris.</p>
         <p>6) Dr. H. N. <hi rend="italic">Clausen</hi>, Consistorial-Assessor, Professor an der königl. Universität zu Kopenhagen. </p>
         <p>7) Dr. <hi rend="italic">Michael Sachs</hi> in Prag. </p>
         <p>8) Dr. <hi rend="italic">Anselm</hi>, königl. griech. Direktor, in Athen.</p>
         <p>(Wird fortgesetzt). |Sp. 0018|</p>
          
       </div>
          <div type="mantel">
         <head>*Rückblick auf die wichtigsten kirchlichen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit
         </head>
         <p>2. Das Kaiserreich <hi rend="italic">China</hi>.</p>
         <p>Zu diesem, einem der größten Reiche der Welt gelangt, stellen wir an die Spitze unserer Mittheilungen eine Nachricht, die vielleicht weniger bekannt, doch sicherlich das allgemeine Interesse anspricht Das Evangelium Jesu Christi empfängt in diesem Augenblicke seine Huldigung selbst inmitten der, seit der Mitte des 17. Jahrhunderts das chinesische Reich beherrschenden, Tataren-Dynastie <hi rend="italic">Tatsching</hi>. Ein kaiserlicher Prinz von <hi rend="italic">China</hi> hat sich schon seit zwanzig Jahren von den groben Irrthümern des Lamaismus abgewandt, und die römisch-katholische Religion angenommen Er entsagte seinem Rang, seinen Würden, und seinem Vermögen, um seine Religion zu erhalten. Von dem über seine Standhaftigkeit im Bekenntnisse des Christenthums erzürnten Kaiser, tief in das Innere der Tatarei, tausend Stunden weit von seiner Heimath verbannt, hat er dort achtzehn Jahre zugebracht, in der Gesellschaft eines andern Glaubensbekenners, eines zu derselben Strafe verurtheilten chinesischen Priesters. Nach dieser Zeit hat der Fürst die Freiheit erhalten, in seine Heimath zurückzukehren. Allein derselbe hat sich nun aus freiem Antriebe zu dem Apostolischen Vikar von <hi rend="italic">Xan-Si</hi> begeben, und sich von diesem Bischofe unter die Zahl seiner Katecheten aufnehmen lassen, ein Amt, wozu die unterrichtetsten, eifrigsten und ausgezeichnetsten Christen jeder Gemeinde zur Unterstützung den Missionspriester gewählt werden, und welchen namentlich obliegt, den gottesdienstlichen Versammlungen vorzustehen erbauliche Lesungen und vertraute Ermahnungen zu halten, Taufen zu vollziehen, Kranke zu besuchen, bei Begräbnissen auf die Fernhaltung heidnischer abergläubischen Ceremonien zu achten, auch Unwissende zu unterrichten, und überhaupt den Geistlichen zur Hand zu gehen. So traf den gottseligen Fürsten, als er nach <hi rend="italic">Xan-S</hi>i gelangte der Apostolische Vikar von Korea, Bischof Bruguière, der in seinem Schreiben vom 6. Juni 1834 davon Nachricht ertheilt „Der Fürst, schreibt dieser Prälat, „hat es sich als eine Gnade bei dem Herrn Bischof von <hi rend="italic">Xan-Si</hi> ausgebeten, unter die Zahl seiner Katecheten aufgenommen zu werden, um den Trost zu genießen, alle Tage der heiligen Messe beizuwohnen und die Sakramente öfter zu empfangen. Es ist eine Freude für ihn, einem Priester dienen zu können. Ich kann nicht sagen, was ich em- |Sp. 0019| pfinde, wenn ich einen Fürsten, einen Abkömmling des Kaisers <hi rend="italic">Kang-Hi</hi> sehe, wie er einen armen Missionar, wie ich bin, bei Tische bedient; indeß lasse ich ihn gewähren, um ihn nicht seines frommen Verdienstes zu berauben. Ich konnte es von ihm nicht erlangen, daß er sich in meiner Gegenwart niedersetze. So sieht der, welcher Ansprüche auf einen der ersten Throne der Welt hätte, wenn er die Demuth des Kreuzes nicht dem kaiserlichen Zepter vorgezogen hätte, es als eine Ehre an, eigenhändig einen armen Priester zu bedienen, den Diener Jesu Christi, auf den sein Glaube gerichtet ist.“</p>
         <p>Wenden wir uns nun zu dem Reiche selbst. Dieser weite, auf einen Flächenraum von ungefähr 60,000 Quadrat Meilen und 200 Millionen Einwohner geschätzte, Staat im Osten von Asien ist Jahrhunderte lang und so zu sagen noch bis auf den heutigen Tag der Erforschung seines innern Zustandes durch andere civilisirte Nationen entgangen. Beharrlich verschloß seine Regierung jedem Fremden den Eingang, wenn nicht etwa unglücklicher Krieg das Eindringen mächtiger Nachbarn unabweislich machte. Aber auch der Sieger befolgte das alte System, und die Nation muß sich wohl dabei befunden haben, weil sonst innere Erschütterungen fremde Hilfe von einer oder der andern Seite, und dadurch eine um sich greifende Annäherung, wenn auch nur unter Nachbarn, würden herbeigeführt haben.</p>
         <p>Ehe wir weiter gehen, bemerken wir hier beiläufig, daß das chinesische Volk seine Zeitrechnung viele tausend Jahre vor Christi Geburt datirt, eine offenbar um so fabelhaftere Erfindung, als selbst in ihren eigenen Annalen steht, daß China im J. 1400 vor Christus noch fast ganz öde gewesen, und seine Einwohner als Nomaden in Hütten oder Felshöhlen wohnten. Soviel ist indeß gewiß, daß bei den Chinesen in hoher Vorzeit Künste bereits sich vorfanden, deren erste Erfindung die neuere Zeit sich beimißt.</p>
         <p>Aus dieser strengen Zurückgezogenheit von allen Nationen folgte, daß der christliche erste Glaube spät Eingang fand; die Wissenschaften waren es, welche die Hand dazu boten; gelehrte Jesuiten erlangten Zugang als Lehrer der Mathematik und der ihr angehörigen Astronomie und Chronologie, und so bot sich ihnen von selbst die Gelegenheit dar, die Lehre Christi auszubreiten.<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn1" n="1">
                     <p>  Der nach <hi rend="italic">China</hi> abgehende Jesuit — sagt <hi rend="italic">Chateaubriand</hi> schön und wahr in seinem Genie du Christianisme — bewaffnete sich mit Compaß und Telescop, und in seinem Gefolge traten Künste und Wissenschaften auf. Er lehrte den erstaunten Mandarin den wahrhaften Gestirnlauf, und den wahrhaften Namen desjenigen, der die Gestirne in ihren Kreisen regiert. Er drehte Weltkugeln um, entrollte Karten, bezeichnete die Sphären, und verbarg unter diesem materiellen Gerüste des Weltalls die große geistige Welt, welche der materiellen zur Grundlage dient. Er verscheuchte die Irrthümer in der Naturlehre nur, um die moralischen Irrthümer mit sichererm Erfolge anzugreifen. Er stellte im Herzen — ihrem wahren Sitze C die Einfalt wieder her, welche er aus dem Verstande vertrieb.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> So lange sie dort wirksam blieben stieg die Zahl der Bekenner nach ungefähren Angaben auf eine Million Seelen. Glieder des kaiserlichen Hauses, Mandarine etc. schlossen sich ihnen an, stifteten Kirchen, Bethäuser und Brüderschaften, und ließen Religionsschriften in beträchtlicher Zahl in die Landessprache übertragen. Ja, die regierenden Kaiser, wenn auch hin und wieder zu Verfolgungen geneigt, waren zu jener Epoche den frommen und gelehrten Vätern meistens günstig gesinnt, und einer Iieß sogar zu Anfang des 18. Jahrhunderts in seiner Residenzstadt <hi rend="italic">Peking </hi>eine katholische Kirche erbauen.</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
          </div>
       
          <div type="kn">
         <head>
            Kirchliche Nachrichten.
         </head>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Asien.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Palästina</hi>
            <hi rend="italic">.</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Jerusalem</hi>. Da der Theil der Kirche des heiligen Grabes zu Jerusalem, wo gewöhnlich die Armenier den Gottesdienst nach ihrem kirchlichen Ritus verrichten, der Ausbesserung bedarf, so haben sie durch einen Ferman die Erlaubniß erhalten, auf ihre Kosten das Nöthige ausführen zu lassen. Der griechische Patriarch jedoch, welcher die Kirche als |Sp. 0020| sein Eigenthum betrachtet, und in dessen Augen der Gottesdienst der Katholiken und Armenier in derselben nur als ein geduldeter erscheint, hat gegen den Ferman protestirt, und sich an den russischen Botschafter in Konstantinopel, Herrn von Butenieff, um Unterstützung gewendet. Auf die von diesem gemachten Vorstellungen nahm die Pforte den Ferman zurück, so daß jetzt Rußland die Mittel in den Händen hat, jene beiden Confessionen ihres Anrechtes auf die Kirche des heiligen Grabes, in dessen Besitze sie seit undenklicher Zeit sind, zu berauben.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(La Charte de 30.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Afrika</hi>
            <hi rend="italic">.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Algier</hi>
            <hi rend="italic">.</hi>
         </p>
         <p>Der <hi rend="italic">Moniteur Algerien</hi> vom 10. Nov. meldet die Ankunft des Herzogs <hi rend="italic">von Nemours</hi> und des Marschalls <hi rend="italic">Clausel</hi> in <hi rend="italic">Algier</hi>. Der Prinz wurde feierlich empfangen, sicherte den Eingebornen wiederholt den Schutz der franz. Regierung für den muselmännischen Cultus zu, besuchte mehrere Moscheen, und zuletzt auch die Synagoge der Juden, die prächtig geschmückt war.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Fränk. Merkur)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Kirchenstaat</hi>
            <hi rend="italic">.</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic bold">Rom</hi>. Einige französische und diesen folgende deutsche Zeitungen haben das Gerücht verbreitet, der heilige Vater sey gefährlich krank geworden. Diese Angabe, welche Viele beunruhigt haben wird, widerlegen sich dadurch, daß aus dem Diario di Roma vom. 17. Dez. ersichtlich ist, daß S. Heiligkeit am 13. der Predigt in der sixtinischen Kapelle beigewohnt hatte. (D. R.) — Am 9. Dez. hat der von dem Freistaate <hi rend="italic">Mexiko</hi> hierher geschickte Don <hi rend="italic">Diaz de Bonilla</hi> die Ehre gehabt, Sr. Heiligkeit vorgestellt zu werden und sein Beglaubigungsschreiben als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister beim heil. Stuhle dem Papste zu überreichen. Wer nun als Nuntius nach Mexiko geht, ist noch nicht ausgemacht. Für die Kirche ist die Anerkennung von Mexiko durch den Papst von großer Wichtigkeit; ein großer Theil der dort entstandenen Irrungen und Drohungen ist wohl darin zu suchen, daß die Geistlichkeit keinen Repräsentanten hatte, der sie gegen die Ansprüche der weltlichen Macht vertreten konnte. 			</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Hannöv. Ztg.)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Polen</hi>
            <hi rend="italic">.</hi>
         </p>
         <p>In diesem Königreiche leben gegenwärtig, in volkreichen Dorfschaften zerstreut, 300,000 Deutsche, welche sich zur evangelischen Kirche bekennen. Nur 40 Pfarrer sind für den Dienst des Worts und der Seelsorge unter ihnen angestellt. In manche Gemeinde kommt der Geistliche kaum 2-3 mal des Jahres; daher wird der sonntägliche Gottesdienst, der dann in Vorlesung einer Predigt, in Gebet und Gesang besteht, gewöhnlich vom Schullehrer besorgt; fast eine jede deutsche Gemeinde hat einen Schullehrer; aber dieselben sind meistens sehr unwissend, denn sie werden von Jahr zu Jahr von der Gemeinde gemiethet und so dürftig besoldet, daß in der Regel nur Leute, welche auf keine andere Weise ihr Brod zu verdienen wissen, sich mit Schulhalten abgeben; und doch läge unter den vorwaltenden Umständen ungemein viel daran, daß man vorzüglich tüchtige, wahrhaft fromme und rechtschaffene Schullehrer hätte. Leute, wie man sie jetzt in den meisten Orten trifft, vermögen kaum die Kinder nothdürftig im Lesen zu unterrichten, und ihrem Gedächtnisse den Katechismus und einige Sprüche einzuprägen; vom Schreiben und Rechnen ist bei vielen keine Rede, von einem zweckmäßigen Religionsunterricht noch weniger. Der Gottesdienst aber wird von ihnen auf eine Weise gehalten, daß Geist und Herz der Zuhörer gleich leer ausgeht, und bald Gleichgiltigkeit und Ueberdruß, bald todte Werkheiligkeit überhand nimmt, die Unwissenheit aber bei den Erwachsenen je länger, je größer wird. Ein beklagenswerther Stumpfsinn nimmt unter dem heranwachsenden Geschlechte überhand, noch befördert durch die Sitte des frühen Heirathens. Auf diese Weise droht der deutschen evangelischen Kirche Polen's ein baldiger Untergang, ein völliges inneres Absterben. Sollte es da nicht Pflicht der Glaubensbrüder und Volksgenossen seyn, Hilfe darzubieten? Wir erbarmen uns der fernen Heiden und senden ihnen Bibeln und Missionare; sollten wir nicht auch etwas für |Sp. 0021| unsere Brüder in Polen thun, die — da so viele auch aus dem südlichen Deutschland dorthin einwanderten, zum Theil unsere nahen Anverwandten sind, und in ihrer kümmerlichen Armuth sich selbst nicht helfen können? Als es galt, die Polen zur Erkämpfung einer falschen Freiheit zu unterstützen, öffneten sich so viele Herzen und Kassen; sollte Niemand sich finden, der bereit wäre, etwas aufzuopfern, um ihnen zur rechten Freiheit, zur Freiheit von Unwissenheit und Sünde, zu verhelfen? Sollte der unglückliche Pole nur bei den Revolutionsmännern, nicht auch bei den Kindern Gottes, theilnehmende Liebe finden? — Wie könnte aber diese Liebe am zweckmäßigsten sich erweisen? Wir haben oben gesehen, daß im gegenwärtigen Augenblick das dringendste Bedürfniß die Versorgung der deutschen polnischen Schulen mit gut unterrichteten christlichen Schullehrern wäre, welche am füglichsten aus den Eingebornen selbst erzogen werden könnten. Um dieses zu bewerkstelligen, hat sich in <hi rend="italic">Pinne</hi> im Großherzogthum Posen ein Verein gebildet, welcher die Bildung eines Schullehrer-Seminars unternehmen will. Pfarrer <hi rend="italic">Seegmund</hi> in <hi rend="italic">Zirke</hi>, und die Herren <hi rend="italic">von Massenbach</hi> und <hi rend="italic">von Rappard</hi> stehen an der Spitze dieses Vereins. Einen tauglichen Vorsteher für die Anstalt glauben sie, bereits gefunden zu haben, und suchen nun auch noch einen Hilfslehrer. Dabei bedürfen sie zur Unterstützung der Lehrschüler, zur Wohnungsmiethe und zur Anschaffung von Lehrmitteln jährlich 7-800 Thlr. Sie hoffen diese Summe, unter dem Beistände des HErrn, von christlichen Freunden zu erhalten, und bereits hat der Aufruf, den sie erlassen haben, nicht allein in Preußen, sondern auch in Würtemberg manche Theilnahme gefunden, und würde sie vielleicht noch in höherem Maße gefunden haben, wenn er allgemein bekannt geworden wäre. In letzterm Staate nehmen Beiträge an, in Stuttgart: I. J. <hi rend="italic">Häring</hi>, Kaufmann, und Julius Freiherr <hi rend="italic">von Gemmingen</hi>; in Groß-Bottwar: Stadtpfarrer <hi rend="italic">Burk</hi>. </p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Der Christen-Bote)</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic bold">Deutschland</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         <p>* <hi rend="italic bold">Stadt Lengsfeld</hi>, im Großherzogthum <hi rend="italic">Sachsen-Weimar,</hi> den 23. Dezember 1836. Die nachstehenden neuen Verordnungen, das Synagogen-Gebet betreffend, werden nicht bloß für die israel. Glaubensgenossen unseres Staates von Interesse seyn:</p>
         <p>I. Großherzogl. hochpreisliche Landesdirektion in Weimar hat unter den 15. Okt. / 17. Nov. d. J. dem Unterzeichneten die erforderliche Anzahl Exemplare nach der neuen Gottesdienstverordnung abgefaßter Gebetbücher, sowohl der mit deutschen, als, für die, welche der deutschen Sprache nicht kundig sind, mit rabbinischen oder jüdischdeutschen Lettern gedruckten, zugehen lassen, und für die letztern den Preis eines Exemplars, obgleich dasselbe über 1 Thaler zu stehen kommt, mit Rücksicht auf die geringen Vermögensverhältnisse eines Theils der Juden im Großherzogthum, zu 16 ggr. pr. E. bestimmt, während für das mit deutschen Lettern gedruckte der bisherige Preis zu 30 kr. rhein. bleibt. In dem betreffenden hohen Rescripte heißt es unter anderm: „Da nunmehr allen Israeliten des Großherzogthums die Gelegenheit dargeboten ist sich das nach der neuen Liturgie abgefaßte Gebetbuch zu verschaffen, so ist dies <hi rend="italic">vom 1. Jan. 1837 an</hi> mit aller Gewissenhaftigkeit und Strenge in Vollzug zu setzen. Indem wir den Dr. <hi rend="italic">Heß</hi> deshalb besonders verantwortlich machen, weisen wir ihm zugleich an, ausführlichen Bericht über die geschehene Ausführung zu erstatten.“ - Indem ich nun der israel. Gemeinde dahier vorstehende hohen Bestimmungen eröffne, erwarte ich zugleich, daß Jeder, eingedenk, daß das Beten in einer andern, als der hebräischen Sprache, nach jeder vernünftigen Ueberzeugung gestattet ist, daß ferner die größten jüdischen Gelehrten sich hiefür ausgesprochen, und daß das Staatsgesetz, dem jeder fromme Israelit Gehorsam schuldig ist, es fordert, der fraglichen Bestimmung mit aller Bereitwilligkeit nachkommen, und die erforderlichen Gebetbücher sich ankaufen werde. Stadt Lengsfeld, den 1. Dezember 1836. Der großh. Landrabbiner: Dr. <hi rend="italic">Heß</hi>.</p>
         <p>II. Zweites Dekret, ausgefertigt den 22. Dezember 1836. Mit Beziehung auf die Bekanntmachung vom 1. Dezember, eröffne ich der israelitischen Gemeinde dahier, daß der erste feierliche deutsche Gottesdienst, so wie ihn das Gesetz vom 7. Mai 1833 vorschreibt, Freitag den 6. Januar 1837 mit dem Maarib resp. |Sp. 0022| Lechu nerannena gebet seinen Anfang nimmt, und daß nur der Vorbeter die Gebete laut vorzutragen, die Gemeinde aber <hi rend="italic">ganz leise</hi> nachzubeten hat. Stadt <hi rend="italic">Lengsfeld</hi>, am 22. Dez. 1836. Der großherzogliche Landrabbiner: Dr. <hi rend="italic">Heß</hi>.</p>
         <p>Freiburg, 25. Dezember. Die päpstliche Bestätigungs-Bulle für unsern neugewählten Erzbischof ist vor wenigen Tagen hier eingetroffen. Gestern Vormittag wurde Herr Dr. <hi rend="italic">Ignaz Demeter</hi> durch den Herrn Regierungs-Direktor Freiherrn <hi rend="italic">von Reck</hi>, in Folge höchsten Auftrags, als kirchlich bestätigter Erzbischof dem versammelten hohen Domkapitel feierlich vorgestellt, und es ist derselbe somit zu allen jenen oberhirtlichen Funktionen berechtigt, welche ohne die Consecration verrichtet werden können. — Dem Vernehmen nach soll die feierliche Weihe auf den 22. Januar 1837 angeordnet werden.</p>
         <p>Die „Hannöver’sche Zeitung“, welche von Zeit zu Zeit Mittheilungen aus dem Badischen enthält, brachte vor wenigen Tagen ebenfalls die Nachricht aus Karlsruhe vom 16. d. M, daß die päpstliche Bestätigung für Herrn Domkapitular <hi rend="italic">Demeter</hi>, als Erzbischof von <hi rend="italic">Freiburg</hi>, endlich eingetroffen sey und bemerkt dabei, daß dieß für die Anhänger <hi rend="italic">Wessenberg's</hi>, die immer noch eine geheime Hoffnung nährten — Hr<hi rend="italic">. von Wessenberg </hi>befinde sich gegenwärtig in Italien — eine nicht eben erfreuliche Nachricht gewesen. — Abgesehen davon, daß dieser Artikel einen edlen, in der öffentlichen Meinung so hochstehenden Mann auf eine sehr unzarte Weise hereinzieht, ist er auch ganz und gar unrichtig, so daß man fast glauben sollte, er sey in Hannover geschrieben worden. Denn bei uns weiß Jedermann, so sollte man wenigstens annehmen dürfen, daß es sich zur Zeit nicht mehr um die Frage handelte, ob <hi rend="italic">Hr. von Wessenberg</hi> oder ein anderer Kleriker Erzbischof werde, daß also von getäuschten Hoffnungen der Freunde des erstem nicht mehr die Rede seyn kann.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">(Freib. Zeit.)</hi>
         </p>
         <p>* <hi rend="italic bold">Augsburg</hi>, im Dezember 1836. Ich genüge Ihrem Wunsche, indem ich Ihnen einige statistische und literarische Notizen über unsere Diöcese mittheile. Sie ist die größte in <hi rend="italic">Bayern</hi> und ohne Zweifel eine der größten in <hi rend="italic">Deutschland</hi>. Sie umfaßt den ganzen Oberdonau-Kreis und mehrere Theile des Isar-, Rezat- und Regen-Kreises. In dem erstern erstrecket sie sich über 3 Stadt-, 32 Land- und 7 Herrschafts-Gerichte — so heißen in Bayern die größern, den Landgerichten, die königlicher Gerichtsbarkeit sind, gleichkommenden Gerichte adeliger Gutsherrn C, im Isar-Kreise über 9 Land-, im Rezat-Kreise über 5 Land- und 5 Herrschafts-Gerichte, im Regen-Kreise über 1 Pfarrei des k. Landgerichts Eichstädt. Die vorzüglicheren Städte des Bisthums sind: Augsburg, Kempten, Memmingen, Aichach, Dillingen, Donauwörth, Hochstädt, Kaufbeuern, Lauingen, Lindau, Mindelheim, Neuburg, Landsberg, Schongau, Weilheim, Dinkelsbühl, Monheim, Nördlingen, Oettingen. Die Seelenzahl betrug am Schlusse des Jahres 1835 mit Ausschluß des Militärs und der Nichtkatholiken 573,205. Die Gesammtzahl der Kleriker betrug damals 1493. Das Bisthum ist in 1 Stadtdekanat (Augsburg), 1 Archidiakonat (die Umgegend von Augsburg) und in 37 Land-Dekanate oder Kapitel eingetheilt, deren jedem ein von der Geistlichkeit des Kapitels aus der Zahl ihrer Pfarrer gewählter Dekan vorsteht. Die Stadt <hi rend="italic">Augsburg </hi>zählt 5 Pfarreien, in welchen am Schlusse des Jahres 1835 — 17,113 Katholiken gezählt wurden. Die Zahl der protestantischen Einwohner Confess. August. beträgt beiläufig das Drittel der Katholiken. — Bischof ist Herr <hi rend="italic">Dr. Peter Richarz</hi>, am 21. November d. J. zu Rom zum Bischof präconisirt, früher Bischof von <hi rend="italic">Speyer</hi>. Se. Maj., der König hat ihn zugleich mit der Versetzung nach Augsburg zum Reichsrathe erhoben, in welcher Würde er in der ersten Kammer der Stände sitzt. Das <hi rend="italic">Dom-Kapitel</hi> besteht aus einem Dompropste, Herrn Joseph Freiherm <hi rend="italic">von Willi</hi>, Ritter des Maltheser-Ordens, geboren zu Villa, Bisthums Trient, aus einem Domdekan, Herrn Karl <hi rend="italic">Kiechle</hi>, Archidiakon und Bisthums-Theologen, gegenwärtig Capitel-Vicar; aus 8 Domcapitularen, 6 Dom-Vicaren, 1 Domprediger, 1 Dom-Altarminister, 1 Dom-Subcustos, 1 Dom-Capellmeister, 1 Dom-Organisten. Die Geistlichkeit des Bisthums bestand am Schlusse 1835 aus 776 Pfarrern (es sind der Pfarreien 817), 230 Beneficaten (316 Beneficien), 69 Vicaren, 226 Kaplänen und Hilfspriestern, 36 Benediktinern, 7 Franziskanern, 10 Kapuzinern, 3 Barmherzigen Brüdern und 139 andern Geistlichen; unter letztern ist |Sp. 0023| die höhere Geistlichkeit, sind die Vorstände verschiedener Anstalten, die Professoren, Pensionäre etc. miteingerechnet.</p>
         <p>An der Spitze der <hi rend="italic">wissenschaftlichen Anstalten</hi> der Diöcese steht das <hi rend="italic">Lyceum</hi> zu <hi rend="italic">Dillingen</hi>, einem Städtchen mit 3000 Einwohnern, in angenehmer und fruchtbarer Gegend an der Donau, der ehemaligen Residenz des Fürstbischofs von Augsburg, oben an. Mit den zwei Jahreskursen der philosophischen Studien, der sogenannten Logik und Physik, woraus jedes vollständige Lyceum besteht, ist ein vollständiger theologischer Kurs verbunden, für welchen 1 Professor für Dogmatik, 1 für Kirchengeschichte und Kirchenrecht, 1 für Moral- und Pastoraltheologie, 1 für Hermeneutik, Exegese und Pädagogik, angestellt sind. Dort befindet sich auch das Klerikalseminar des Bisthums, in welchem alle Candidaten der Theologie die letzten 2 Jahre ihrer Studien zubringen müssen. Die Stiftung reicht leider noch nicht für so viele Candidaten hin, als die Diöcese jährlich bedürfte; im vorigen Jahre befanden sich dort 64, in diesem nur über 40. Außerdem befinden sich aber auch jährlich viele Candidaten, welche in diese Diöcese gehören, im Jahre 1836 waren es 29, im Klerikalseminar zu München. Zu Dillingen befindet sich ferner auch ein Gymnasium, eine lateinische Schule und ein Schullehrer-Seminar. </p>
         <p>Auch die Stadt <hi rend="italic">Augsburg</hi> besitzt ein Lyceum, ein Gymnasium und eine lateinische Schule nebst einem Studenten-Seminar, welche seit dem Schlüsse des Jahres 1835 unter der Leitung der <hi rend="italic">Benedictiner</hi> stehen, deren mehrere aus Oesterreich berufen worden. Diese Lehranstalt ist sehr stark besucht. Am Anfange des Frühjahres 1835 waren 745 Schüler inscribirt worden, am Ende des Jahres waren verblieben 692. In diesem Jahre hat die Schülerzahl noch zugenommen. An der Spitze der vereinten Lehranstalten steht als Rektor Hr. Benedict <hi rend="italic">Richter</hi>, aus dem Stifte Rhaygern in Mähren, Dr. der Philosophie, Senior des philosophischen Instituts zu Brunn, Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, zugleich Professor der Philosophie und Pädagogik am Lyceum, ein tüchtiger, gelehrter und unermüdet eifriger Schulmann. Unter den übrigen Professoren zeichnen sich durch Gelehrsamkeit und wissenschaftliche Gewandtheit besonders aus: der Prior des Stiftes, Hr. P. Ulrich <hi rend="italic">Hartenschneider</hi>, aus dem Stifte Kremsmünster in Oesterreich, Professor der Naturgeschichte am Lyceum, so wie der Subprior Hr. Meinrad <hi rend="italic">Kälin</hi> aus dem Stifte Maria-Einsiedeln in der Schweiz, Mitglied der Gesellschaft der Naturforscher in der Schweiz und der Linne'schen in Paris, Professor der Anthropologie, Chemie und französischen Sprache. Wegen der großen Schülerzahl sind die 4 Klassen der lateinischen Schule, so wie die untern 2 Klassen des Gymnasiums, welches im Ganzen ebenfalls 4 zählt, jede in 2 Abtheilungen abgetheilt, deren jede einen eigenen Professor hat, so daß an diesen beiden Lehranstalten allein 14 Professoren sich befinden. Dazu kommen außer den 3 genannten Professoren am Lyceum noch 1 für Philologie und Geschichte, 1 für die Religion, 1 für Mathematik, 1 für Physik, sodann 2 für Mathematik am Gymnasium, 1 Direktor und 2 Präfekten des Seminars, so daß die 3 Lehranstalten nebst dem Seminar 26 Individuen in Anspruch nehmen, von denen 1 aus der Schweiz, 20 aus den österreichischen Staaten sind. An der Spitze des Stiftes als Abt steht Hr. Barnabas <hi rend="italic">Huber</hi>, Conventual der vormaligen Reichs-Abtei Ottobeuren.</p>
         <p>(Schluß folgt.)</p>
          </div>  
             
       <div type="ta">
         <head>
           Theologische Akademie.
         </head>
          <div type="tapr">
         <head>
          Protestantische Abtheilung.
         </head>
         <p>
            <title><hi rend="bold">* Welchen wissenschaftlichen Gewinn darf sich unsere Kirche von dem von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Strauß</hi>
            <hi rend="bold"> herausgegebenen </hi>
            <hi rend="italic bold">Leben Jesu</hi>
            <hi rend="bold"> versprechen?</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Vom Kirchenrath Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">Stephani</hi>
            <hi rend="bold">, in Gunzenhausen.</hi>
         </p>
         <p>Noch nie wurde der Versuch, unsere Kirchenlehre in ihrer Grundfeste zu erschüttern, so weit getrieben, als in dieser Schrift, welche auch bei Laien allgemeines Aufsehen erregt, und zum Ver- |Sp. 0024| fasser einen Mann hat, dem selbst seine Gegner ungemeinen Scharfsinn und viele Sprach- und wissenschaftliche Bildung zugestehen. Er stellt die kühne, jedoch unhaltbare Behauptung auf, das Leben Jesu in unsern vier Evangelien sey durchaus <hi rend="italic">Mythe </hi>dem als historisches Faktum das Einzige zu Grunde liege: es habe einst ein Jesus gelebt, der wahrscheinlich ein Schüler Johannes des Täufers gewesen sey, sich nach seines Meisters Tode als Messias geltend zu machen gesucht habe, und deßwegen von den jüdischen Obern hingerichtet worden sey.</p>
         <p>Schwache am Geiste haben zur jetzigen Zeit, wo so Viele ohnehin schon durch das <hi rend="italic">junge Deutschland</hi> noch mehr zum Unglauben angereizt werden, davon einen Untergang des Christenthums befürchtet, und deßhalb auf ein <hi rend="italic">Verbot</hi> dieser Schrift angetragen. Allein es wurde dieß durch den hellsehenden <hi rend="italic">Neander</hi> verhindert, welcher sein Gutachten dahin abgab, daß freimüthige Forschungen auf dem wissenschaftlichen Gebiete niemals untersagt werden dürfen. Gewiß hat auch unsere Kirche bei diesem durch obige Schrift veranlaßten literarischen Streite keinen Nachtheil, sondern selbst großen Gewinn sich zu versprechen, indem nur hiedurch unsere Kirchenlehre zu immer größerer Reinheit und Festigkeit gebracht werden kann, was sie befähigen wird, künftig immer noch besser als bisher, dem großen, heilsamen Zwecke ihres göttlichen Stifters zu entsprechen.</p>
         <p>Diesen Gewinn setze ich hauptsächlich darin, daß durch die Straußische Schrift unsere theologische Welt sich genöthigt sieht, theils ihren Fleiß dem zuzuwenden, was von unserer Kirchenlehre allein vor dem <hi rend="italic">Gerichtshofe historischer Kritik </hi>als <hi rend="italic">ewige Wahrheit</hi> sicher gestellt werden kann; theils dem zu entsagen, was in unserer Kirchendogmatik Irriges und <hi rend="italic">Unheilbringendes</hi> noch aus frühem Zeiten stehen geblieben ist.</p>
         <p>Soll erstlich das Christenthum in seiner Grundfeste fortbestehen, so darf nur die <hi rend="italic">kirchliche Echtheit</hi> der vier Lebensbeschreibungen Jesu, die <hi rend="italic">historische Glaubwürdigkeit ihrer ursprünglichen Verfasser</hi>, und das ehemalige <hi rend="italic">wirkliche Vorhandenseyn</hi> eines <hi rend="italic">solchen Lehrers der, alles Heil der Menschheit umfassenden, Wahrheit</hi> auf die rechte Weise klar nachgewiesen werden, um des Letztern Ausspruch zu bethätigen: die Pforten der Hölle werden dasselbe nicht überwältigen können. Daß dieses möglich zu machen ist, darüber in der Kürze nur folgende Andeutungen.</p>
         <p>An der <hi rend="italic">kirchlichen Echtheit</hi> der vier Evangelien kann Niemand zweifeln, dem zu Gemüthe geführt wird, wie viel den ersten christlichen Gemeinden daran gelegen seyn mußte, sich <hi rend="italic">echt apostolische Nachrichten</hi> von dem Anfänger und Vollender ihres Glaubens zu verschaffen; und daß die Apostel selbst dabei nicht hinderlich, sondern beförderlich waren, was sich wohl von selbst versteht. 2) Welche Sorgfalt jene angewendet haben, leuchtet aus der Verwerfung der vielen unechten Evangelien hervor, welche sie in dem Canon ihrer h. Schriften aufzunehmen, verweigerten. Wenn auch die vier darin aufgenommenen Evangelien nicht aus der Feder der Apostel und ihrer Gehilfen selbst unmittelbar flossen, so lagen ihnen doch deren mündliche und schriftliche Berichte zu Grunde, wie das griechische Beiwort kata beweiset. Einen weitern Beweis ihrer Echtheit liefert nicht nur ihre Ueber-einstimmung in der Hauptsache, sondern selbst auch die geringen Abweichungen in unerheblichen Dingen, welche sich so leicht aus der verschiedenen Auffassungsweise der Menschen erklären lassen.</p>
         <p>Eben so einleuchtend kann die <hi rend="italic">Glaubwürdigkeit der ursprünglichen Erzähler</hi> des Lebens Jesu, der Apostel, jedem Unbefangenen und Wahrheitliebenden dargethan werden. Daß sie bezeugen konnten, <hi rend="italic">was sie selbst gesehen und gehört haben</hi>, wird doch wohl keinem Vernünftigen zu bezweifeln einfallen. Ihre <hi rend="italic">Ehrlichkeit</hi> aber leuchtet aus zwei Umständen unwiderstehlich hervor. Einmal daraus, daß sie als treue Berichterstatter nicht unterließen, selbst <hi rend="italic">Familien</hi>- und <hi rend="italic">Volkssagen</hi> über die frühere Lebensgeschichte Jesu aufzunehmen, deren Würdigung sie der Nachwelt überließen. Selbst das fromme Stadtgerede findet sich aufgenommen, es seyen zur Zelt des Wiedererwachens Jesu im Grabe, die Leichname mehrerer längst verweseten Heiligen wieder lebend erschienen. Wer wird die römische Geschichte von <hi rend="italic">Livius</hi> deßwegen für lauter Fabelwerk erklären, weil er auch einige Mythen oder Volkssagen über den Ursprung Rom's in solche aufgenommen hat? In noch höherem |Sp. 0025| Glanze erscheint die historische Ehrlichkeit der Evangelisten, wenn man die <hi rend="italic">Unbefangenheit</hi> in's Auge faßt, mit welcher sie mitunter religiöse Meinungen zur Schau ausstellten, welche nur das Gepräge ihres Zeitalters trugen. Dahin gehört z. B. ihr Teufelglaube, der sie verleitete, das Stummseyn, epileptische Krankheiten, den Wahnsinn, dem Besessenseyn von bösen Geistern zuzuschreiben; ferner die Erklärung der wunderbaren Mitwirksamkeit Gottes bei den Thaten Jesu durch die Annahme einer gewissen Zauberkraft, welche sie ihrem Meister, so wie dessen Gegner dem Beelzebub zuschrieben. Wie ehrlich berichten nicht auch die Apostel, wie unmöglich es ihnen gefallen sey, den jüdischen Wahn aufzugeben, der Messias müsse durchaus ein weltliches Reich errichten. Ebenso verschweigen sie nicht, daß sie öfters ihren großen Meister nicht begriffen, und selbst falsch verstanden haben, wie z. B., als er sagte; `Brechet diesen Tempel — diesen Priesterbau C“ welche Worte die Hohenpriester doch so richtig aufgefaßt hatten. Wären die Lebensbeschreibungen Jesu von diesen Färbungen ihres echten Ursprungs frei geblieben, ich würde dann erst an der historischen Ehrlichkeit dieser heil. Schriftsteller zu zweifeln anfangen.</p>
         <p>Doch das <hi rend="italic">Allerwichtigste</hi> für die Christenheit bleibt die über allen Zweifel erhabene Thatsache, daß <hi rend="italic">wirklich einst ein solcher</hi> in den Evangelien beschriebener <hi rend="italic">Jesus</hi> lebte, der nach allen seinen Aeußerungen die Absicht hatte, die <hi rend="italic">Menschheit von der Knechtschaft der Sünde, der Quelle ihres innern und äußern Elendes</hi> zu erlösen, das <hi rend="italic">einzig wahre Mittel</hi> hierzu, die Verbreitung der von ihm so richtig aufgefaßten Offenbarung des väterlichen <hi rend="italic">Erziehungsplanes Gottes</hi>, die <hi rend="italic">Menschen</hi> zu veredeln und <hi rend="italic">zu beseligen</hi>, so gemein verständlich angab, und seinen Aposteln den <hi rend="italic">Auftrag</hi> ertheilte, lediglich <hi rend="italic">für diesen hochheiligen Zweck der Menschheit </hi>einen<hi rend="italic"> brüderlichen Verein</hi> unter allen Völkern der Erde zu gründen, welcher auch von diesen <hi rend="italic">in Folge dieses Auftrages </hi>wirklich in Ausführung gebracht wurde. Alles andere in den Lebensbeschreibungen Jesu könnte von der Christenheit eher der mythologischen Erklärung Preis gegeben werden, weil es nur <hi rend="italic">Neben</hi>- und nicht <hi rend="italic">Hauptsache</hi> ist. Rein unmöglich bleibt es, daß durch den Hang des damaligen Zeitalters zu mythischen Erzählungen ein Menschensohn, als bloßes Gebilde der Einbildungskraft, erzeugt werden konnte von so tiefer göttlichen Einsicht von dem, was die Schuld von dem so niedern, höchstelendem Zustande der Menschheit trug, und was diese nur allein hiervon zu erlösen vermochte. Ein solcher Jesus, der durch seine Einsicht sich so hoch über seine Zeitgenossen erhob, und noch jetzt von den wenigen durch ihn wahrhaft Erleuchtete in seiner ganzen Größe aufgefaßt werden kann, durfte sich das Licht der Welt nennen, und berechtigen seine Apostel, den Völkern zu sagen, daß sie durch keinen andern selig werden oder zu dem von uns ersehnten höchsten Gute gelangen könnten. Darum hat ihm Gott auch in der Geschichte einen so hohen, über alle andere Menschenkinder gestellten Namen gegeben, und so lange die Menschheit suchen wird, <hi rend="italic">diese seine große Erlösungsidee</hi>, von seinem Geiste der Wahrheit geleitet, wissenschaftlich immer klarer aufzufassen, wird sie ihn nächst Gott als ihren größten Wohlthäter kniebeugend verehren.</p>
         <p>Daß diese historische Würdigung des Christenthums nunmehr besser an das Licht gefördert werden wird, ist ein unaussprechlich großer Gewinn, welchen wir uns von der durch das Straußische Leben Jesu hervorgebrachten wissenschaftlichen Anregung sicher versprechen dürfen.</p>
         <p>Der zweite Gewinn, welcher hieraus noch weiter für die Christenheit sich ergeben wird, besteht darin, daß sie sich genöthigt sieht, allem zu entsagen, was dem göttlichen Zwecke Jesu Nachtheiliges früherhin in unsere Kirchendogmatik aufgenommen worden ist. Ich will davon nur drei wichtige Stücke namhaft machen und ihnen einige Erörterungen wieder beifügen.</p>
         <p>Das erste ist die <hi rend="italic">Inspirationslehre</hi>, in dem Sinne gefaßt, als habe sich Gott nicht des uns dazu verliehenen und völlig ausreichenden natürlichen Organs, der Vernunft, bedient um uns das Nöthige von sich und unserer Bestimmung zu offenbaren, sondern den Verfassern unserer heiligen Schriften alle Worte auf eine davon gänzlich abweichende Weise gleichsam eingehaucht. Da dem <hi rend="italic">Dr. Strauß</hi> nach seinem so gründlichen Nachweise durchaus eingeräumt werden muß, daß jene heiligen |Sp. 0026| Schriften wirklich viel Mythologisches enthalten, so werden die Theologen, welche sich zu dieser Inspirationslehre noch gehalten haben, sich nunmehr genöthigt sehen, solche über Bord zu werfen. Die weitere ersprießliche Folge davon wird seyn, daß sie sowohl der Vernunftoffenbarung Gottes, der über allen Zweifel erhabenen, besser nachforschen, als auch der weitern Vermengung des so gänzlich auf fromme Mythen erbaueten Judenthumes mit dem reinen Christenthume entsagen werden. Der Gewinn, welchem letzteres sich davon versprechen darf, ist wahrhaft unaussprechlich zu nennen.</p>
         <p>Zweitens wird sich unsere Kirchendogmatik bedeutend umgestalten und aus einer <hi rend="italic">Lehre von Christo</hi> immer mehr einer <hi rend="italic">Lehre Christi</hi> annähern müssen. Das erstere war sie bisher bloß, und stellte dadurch nur ein Gebilde von der hochheiligen Person unseres Heilandes vor, welches aus jüdischen, heidnischen und in frühern Zeiten eigens erfundenen Mythen zusammengesetzt ist. Jetzt steht zu hoffen, daß unsere Kirchenlehre künftig nur treulich darstellen wird, <hi rend="italic">auf welche Lehren</hi> Jesus seinen Plan gegründet hat, die Menschen von ihrem moralischen Elende zu erlösen und sie zur Erlangung eines nicht sinnlich ausgeschmückten und ausschließlich in die andere Welt verlegten, sondern auf dieser Erde schon möglichen höchstseligen Daseyns hinzuleiten.</p>
         <p>Drittens endlich erwarte ich von dieser wissenschaftlichen Fehde auch <hi rend="italic">den</hi> Gewinn, daß man nun Hand an das große uns von Jesu hinterlassene Werk legen wird, seine Kirche zu einer <hi rend="italic">wirklichen Erlösungsanstalt von der Knechtschaft der Sünde</hi> herzustellen. Nach unserer, nicht auf die reine Lehre Jesu, sondern auf die theologischen Ansichten der symbolischen Bücher gebauten Dogmatik blieb auch unsere protest. Kirche, nach der ihr aus frühern Zeiten verbliebenen Entstellung der Lehre Christi, eine <hi rend="italic">Pfleganstalt</hi> solcher schmählichen und unheilbringenden Knechtschaft, indem sie, nach jenem Paulinischen Ausdrucke, Jesum zu einem Sündediener macht, der nur deßwegen von Gott in die Welt gesandt worden sey, die wegen gänzlicher Verdorbenheit ihrer Natur zu solcher Knechtschaft determinirten Menschen durch den bloßen Glauben an die stellvertretende Kraft seines heiligen Lebens und die versöhnende Kraft seines blutigen Opfertodes der Gewalt des Satans zu entreißen, und sie in den Himmel, den Sitz der Seligkeit, dereinst einzuführen<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn2" n="2">
                     <p>  Der <hi rend="italic">bloße Glaube</hi>, den nach der Angabe des Hrn. Verf. die Bekenntnißschriften der ev. luth. Kirche predigen sollen, läßt sich mit den Aussprüchen derselben nicht wohl vereinigen. So heißt es, um nur einige wenige anzuführen, die uns eben entgegenkommen, in der <hi rend="italic">Apologie der Augsburger Confession</hi>: Gute Werks müssen gethan werden auf Gottes ausdrückliche Gebot, desgleichen zur Bewährung des Glaubens; in der <hi rend="italic">Concordienformel</hi>, wo von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott die Rede ist: Wir glauben, lehren und bekennen, daß, obwohl vorgehende Reue und nachfolgende gute Werke nicht in den Artikel der Rechtfertigung vor Gott gehören, doch <hi rend="italic">nicht ein solcher Rechtfertigungsglaube erdichtet werden soll</hi>, der bei und neben einem bösen Vorsatz, zu sündigen und wider das Gewissen zu handeln, seyn und bestehen könnte; ferner: Also ist ein wahrer, seligmachender Glaube nicht in denen, die ohne Reu' und Leid sind, und den Vorsatz haben, in Sünden fortzufahren und zu beharren. Denn wahrhafte Reue geht voran und <hi rend="italic">der rechtfertigende Glaube ist in denen, die aufrichtige, nicht erheuchelte Reue hegen</hi>. — Und die Liebe ist eine Frucht, die dem wahren Glauben auf das gewisseste und nothwendig folgt. Denn <hi rend="italic">wer nicht liebt, von dem kann man mit Recht das Urtheil fällen, daß er nicht gerechtfertigt, sondern noch im Tode befangen sey oder die Gerechtigkeit des Glaubens wiederum verloren habe, wie Johannes bezeugt.</hi> (l,3-14). So wird in der Belehrung von den guten Werken versichert: Dieß ist unser Glaube, Lehre und Bekenntniß, daß gute Werke dem wahrhaften Glauben, wenn derselbe nicht ein todter, sondern lebendiger ist, gewiß und unbezweifelt folgen müssen, wie die Früchte eines guten Baumes. Und wir glauben, lehren und bekennen, daß alle Menschen, vorzüglich aber die, welche durch den heiligen Geist wiedergeboren und erneuert sind, <hi rend="italic">schuldig sind</hi>, gute Werke zu thun. Endlich ebendaselbst: Was daher die Nothwendigkeit oder Freiwilligkeit in guten Werken betrifft, so kann nicht geläugnet werden, daß in der Augsburger Confession und in der Apologie derselben die Worte oft gebraucht und wiederholt werden, daß gute Werke nöthig seyen u.s.w. 	K.<ref>ADVANCE \d6</ref>
                     </p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>. Welchen unaussprechlichen Nachtheil letzteres der Menschenwelt gebracht hat, sieht man aus dem noch fortdauernd niedern moralischen Zustande, in welchem sich jene noch nach 1800 |Sp. 0027| Jahren befindet. Dieses entstellte Christenthum darf immerhin untergehen, dagegen wird sich nun das reine Christenthum, bis jetzt nur der Antheil von Wenigen, immer segensvoller verbreiten, und sich durch seine Früchte ausweisen, daß sie würdig sey, mit der Zeit <hi rend="italic">Weltreligion</hi> zu werden.</p>
          </div>
             
           <div type="taka"> 
             <head>
          Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="bold">* Ueber das Wesen der katholischen Kirche und die Stellung derselben zum Protestantismus und zum Judenthum.</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. F. A.</hi>
            <hi rend="italic bold"> Staudenmaier</hi>
            <hi rend="bold">, Professor an der kathol. theol. Facultät der Universität Gießen.</hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung.)</p>
         <p>Nun entsteht die Frage, wie es mit jener <hi rend="italic">Verständigung </hi>sich verhalte. Werfen wir, um sie zu beantworten, vor der Hand einen kurzen Blick auf das Verhältniß der Confessionen zu einander, und jeder Confession zu sich selbst.</p>
         <p>Das Judenthum bildet bis zur Stunde seinen alten Widerspruch gegen das Christenthum, also gegen Katholizismus und Protestantismus fort, und ebenso stehen diese jenem gegenüber. Dem christlichen Bewußtseyn erscheint das wahre Judenthum als ein schon vor achtzehnhundert Jahren vollendete Religion, weil Christus, wie das Ziel, so das Ende des Gesetzes war. Der Jude bestreitet die Wahrheit dieses Bewußtseyns selbst durch die That seiner Existenz; und, nicht genug, das neuere Judenthum ist in seinem Widerspruche gegen das Christenthum selbst so weit fortgegangen, daß es die <hi rend="italic">Messiasidee</hi> als wirkliches und inneres Element des Judenthums aufs lebhafteste bestritt, wie aus folgender wichtigen Stelle deutlich genug hervorgehen wird: `Vielleicht könnte Einer oder der Andere auf den Gedanken kommen, es wäre dennoch ein politisches Centrum der Volkserhaltung (im Judenthume) vorhanden, und zwar in der Messiasidee, welche dem Volke in's Exil folgte, und sich bis auf eine gegenwärtige Zeit zu halten wußte. Wenn aber auch Vielen, und bis auf eine gewisse Zeit, dieser Messiasglaube die Ansicht auf eine politische Wiedervereinigung in den Tagen der Zukunft entgegenhielt, und somit für die Gegenwart ein Bindemittel und Mittelpunkt des Volkes abgeben mochte: so war es dieses in der That doch keineswegs. Schon die nächsten Vorfahren der gegenwärtigen Generation, die jetzt im Greisenalter stehenden Menschen, können davon zeugen. Dieser so unsichere, so im Schwanken mit guter Absicht erhaltene Mittelpunkt ist schon über ein Säculum unter jene Lehrverirrungen verwiesen, die man bloß ihres Alters und ihrer Unschädlichkeit halben noch schont. Auch gab er sich gewiß nur noch hin und wieder bei dem <hi rend="italic">rohern Theile</hi> des Volkes in heimlichen Seufzern nach Befriedigung von einem zu rohen und zu jammervollen Zustande kund, keineswegs aber als eine bestimmte Erwartung, mit der es Ernst war, oder zum deutlichen Wunsche kam. Zudem haben schon längst die Väter der Synagoge selbst, gewarnt durch die vielen Pseudomessiasse mit ihren traurigen Folgen für's Volk seit <hi rend="italic">Barcochba</hi> bis auf <hi rend="italic">Sabatai Zebi</hi>, den leichtsinnigen politischen Messiasglauben, so viel sie konnten und durfte, in die weiteste Ferne gestellt. Sie haben in dieser Absicht die Erscheinung des Messias an so außerordentliche Vorzeichen geknüpft, mit so übertriebenen Erscheinungen in Verbindung gebracht, daß ein Jedweder leicht einsieht, wie es ihnen mehr darum zu thun war, diesen politischen Mittelpunkt des Volles zu verwischen, als ihn zu befördern und zu beleben. Selbst an den Propheten ward diese Maßregel — wenn wir sie so nennen dürfen — befolgt, indem auch diese die Erscheinung des Messiasreiches an einen großen, bisher noch an's Unmögliche gränzenden Friedensakt der gesammten Natur, der uns einem Untergange derselben ähnlich erscheinen muß, gebunden haben, wie das Weiden des Lammes neben dem Wolf, auch wenn wir dieß nur parabolisch auslegen wollen. Diese höchste Unwahrscheinlichkeit bei der Messiaserwartung ist denn auch so sehr in die Denkart des ganzen Volkes übergegangen, daß man sprichwörtlich ruft: <hi rend="italic">das ist Zeichen des Messias</hi>, wenn |Sp. 0028| etwas ganz Unerwartetes, Wunderbares vorfällt, was ungefähr dasselbe ausdrückt, als jenes: <hi rend="italic">nun fällt der Himmel ein</hi>.“<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn3" n="3">
                     <p>  
                        <hi rend="italic">Steinheim: Die Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge, ein Schiboleth</hi>. Frankfurt a. M. 1835. S. 55-56.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>Wie nun, wenn diese härteste Negation des Messiasglaubens dem neuen Judenthum eigen seyn sollte, eine Verständigung mit ihm von Seiten des Christenthums, für welches der erschienene Messias als Erlöser nicht nur der Mittelpunkt des Glaubens, sondern auch der Mittelpunkt der ganzen Weltgeschichte ist, noch möglich sey, ist schwer zu begreifen. Wir brauchen nur einen einzigen hiehergehörigen Satz aus der Dogmatik, sey diese katholisch oder protestantisch, in's Auge zu fassen, ja nur anzuführen, um das Verhältniß zu erkennen. Denn z. B., um nur Einen von den vielen zu nennen, <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> sich anschickt, das Christenthum seinem eigenthümlichen Wesen nach darzustellen, macht er mit dem Satze den Anfang: `Das Christenthum ist eine, der teleologischen Richtung der Frömmigkeit angehörige monotheistische Glaubensweise, und unterscheidet sich von anderen solchen <hi rend="italic">wesentlich</hi> dadurch, daß Alles in derselben bezogen wird <hi rend="italic">auf die durch Jesum von Nazareth vollbrachte Erlösung</hi>.“<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn4" n="4">
                     <p>  
                        <hi rend="italic">Glaubenslehre</hi> I. Thl. S. 74. 2te Aufl.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>Nicht viel anders verhält es sich, wenn wir in's Innere des Judenthums hineingehen, und hier die vielen und großen Dissonanzen in's Auge fassen. Auch hier können wir uns, um nicht parteiisch zu erscheinen, selbst auf Israeliten berufen. Zwar sucht M. <hi rend="italic">Creizenach</hi> die Behauptung aufzustellen, daß man im Judenthume die traurigen Spuren des Sektengeistes nicht wahrnehme; allein er selbst ist es doch, der uns, um der Wahrheit das Zeugniß zu geben, sagt: `Die kleinste jüdische Gemeinde hat jetzt ihre Orthodoxen und ihre Neologen, ihre Verehrer und ihre Gegner des Talmuds, ihre strengen Beobachter der Ritualgebote und ihre Aufgeklärten, die alte Religionsformen mit wenigen Ausnahmen für unwesentliche und dem Einflusse der Zeit heimgestellte Bestandteile der Religion halten.“<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn5" n="5">
                     <p>  
                        <hi rend="italic">Thariag, oder Inbegriff der Mosaischen Vorschriften nach talmudischer Interpretation.</hi> Frankf. a. M. 1833. S. VI.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>Gehen wir zum <hi rend="italic">Verhältniß des Katholizismus zum Protestantismus</hi> über, so wird es nicht viel anders beschaffen seyn. Diejenigen Kirchen, die sich von der katholischen im sechzehnten Jahrhundert losgetrennt haben, sind von ihr noch getrennt, und beharren, wenigstens vor der Hand, in dieser Trennung, und mit der Trennung im Widerspruch gegen dieselbe. Obschon die protestantische Kirche in mehrere Kirchen zerfallen ist, wovon jede ihre eigenen Bekenntnißschriften hat, so ist doch bei aller wirklichen Verschiedenheit das Gemeinsame derselben der <hi rend="italic">Widerspruch gegen die katholische Kirche</hi>, wie uns <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> längst versichert hat.<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn6" n="6">
                     <p>  In der Abhandlung über <hi rend="italic">das bindende Ansehen der symbolischen Bücher</hi>, mitgetheilt im Reformationsalmanach.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi> Wie sehr dieser Widerspruch noch fortdauere, und wie wenig die Gemüther der Verständigung und dem Frieden sich hinneigen, das scheint der jüngste Symbolikenstreit deutlich genug an den Tag gegeben zu haben. Ja, in diesem Punkte ist die <hi rend="italic">Friedenssache</hi> ohne Zweifel gegenwärtig viel schlechter daran, als zu den Zeiten des <hi rend="italic">Bossuet</hi>, <hi rend="italic">Leibnitz</hi> und <hi rend="italic">Molanus</hi>, und selbst in der jüngstvergangenen des <hi rend="italic">Plank</hi> und <hi rend="italic">Prechtl</hi>.</p>
         <p>Sollten aber dennoch die katholische und die protestantische Kirche auf gegenseitige Verständigung sich einlassen, so wäre die erste Frage die, durch wen die protestantische Kirche bei diesem Friedensakte repräsentirt werden solle. Denn, abgesehen von den zahllosen Sekten, in welche sie zerfallen ist, ist selbst in der <hi rend="italic">unirten</hi> keine Einheit zu finden, was unumwunden genug von <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> in den Worten ausgesprochen worden ist; `In der gegenwärtigen Lage des Christenthums dürfen wir nicht als allgemein eingestanden voraussetzen, was in den frommen Erregungen der Christenheit das Wesentliche sey oder nicht. Der Streit hierüber ist in der protestantischen Kirche so groß, daß, was Einigen die Hauptsache im Christenthum scheint, Andere für bloße Hülle halten, und daß, was diese wiederum für das Wesentliche ausgeben, jenen dürftig erscheint, so daß sie meynen, es lohne nicht, das Christenthum um deßwillen für etwas zu halten.<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn7" n="7">
                     <p>  
                        <hi rend="italic">Glaubenslehre</hi>, l. Thl. S. 15-16. 1te Aufl.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>|Sp. 0029| So hätten wir denn, auf das Verhältniß hingesehen, in welchem Katholizismus, Protestantismus und Judenthum gegenwärtig zu einander stehen, wenig Hoffnung, daß von der jetzigen Generation das <hi rend="italic">große Friedenswerk </hi>mit Begeisterung und Liebe ergriffen werde. Ohne Begeisterung aber und ohne Liebe ist noch nie das Hohe zu Stande gekommen, denn die Kraft zum Vollbringen des Großen ist nur in Begeisterung und in Liebe. Scheint aber etwas nicht an der Zeit zu seyn, und wird es dennoch, d. h. zur Unzeit, unternommen, dann ist Gefahr, daß das Nichtzeitgemäße der Sache der erste Grund des gänzlichen Mißlingens derselben werde. Und in der That sehe ich nicht ein, warum ich meine Besorgniß nicht offen äußern sollte, diese Gefahr drohe dem gegenwärtigen, wenn auch noch so großartigen Unternehmen, und gerade seiner Großartigkeit wegen; — denn unsere Zeit ist kleinartig, und die kalte Selbstsucht der Einzelnen hat die höhern allgemeinen geistigen Interessen verschlungen. Allein, so berechtigt wir auch sind, von der unmittelbaren Gegenwart für die Sache des religiösen Friedens wenig zu hoffen, so ist doch die Hoffnung selbst nicht auch für die Zukunft aufzugeben. Denn wenn es wahr ist, was <hi rend="italic">Johannes von Müller, </hi>dem der Geist der Zeiten kein Geheimniß war, einst schön gesagt hat, <hi rend="italic">daß es zwar unempfängliche Zeiten gebe, daß aber das, was ewig sey, immer seine Zeit finde; </hi>so möchte dieß auch in Absicht auf das Friedenswerk gesagt seyn, denn der <hi rend="italic">Friede ist göttlicher Art, </hi>und es liegt in ihm ein <hi rend="italic">Sinn des Ewigen. </hi>Und so mögen denn auch in der Summe der jetzt Lebenden Manche gefunden werden, die empfänglich sind für's Ewige und Göttliche, das voll innerer Harmonie und voll tiefen Friedens ist. Die so Gesinnten nun, so wenig ihrer auch seyn mögen, sind die, welche zum Werke des Friedens innerlich berufen sind, und sie mögen in heiliger Liebe und Begeisterung es versuchen, was in der Gegenwart für das göttliche Reich aufgerichtet werden können könne. Für einen Gewinn indeß können wir auch schon dieß ansehen, daß selbst unter den Gleichgiltigen, Kalten und Selbstsüchtigen nicht leicht Einer ist, der es offen ausspricht, die alte Trennung solle bestehen; denn Keiner möchte gern den Weheruf über sich ergehen lassen, den einst der edle <hi rend="italic">Leibnitz </hi>in den denkwürdigen Worten ausgesprochen: „Wehe denjenigen, die durch ihre eigensinnige Hartnäckigkeit die Trennung unterhalten, den Vernunftgründen kein Gehör schenken, und in der Trennung für immer beharren wollen<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn8" n="8">
                     <p>  Seine eigenen Worte lauten: Malheur à ceux, qui entretiennent le schisme par leur obstination, à ne vouloir écouter raison, et à vouloir en avoir toujours. <hi rend="italic">Leibnitz </hi>an<hi rend="italic"> Pelisson</hi>, Second mémoire. Otium Hanoveranum, pag. 300.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>. Diesen Weheruf, dessen innerer Kraft wohl Keiner ganz widerstehen mag, fügen wir die Worte eines anderen Mannes bei, der, wie Leibnitz, für die Herstellung des Friedens viele Mühe sich gegeben hat; sie lauten: „Immer schien mir die Trennung der christlichen Parteien mit dem Interesse der Wahrheit, der Religion und der Menschheit zu streiten; sie schien mir Abartung vom Christusgeiste, Aerger für die Nichtchristen, und Beweis menschlicher Schwäche zu seyn; es mag sich diese Schwäche auf was immer für einer Seite, oder B auf beiden vorfinden.<hi rend="footnote_reference">
               <seg rend="superscript">
                  <note place="foot" xml:id="ftn9" n="9">
                     <p>  
                        <hi rend="italic">Max Prechtl</hi>: <hi rend="italic">Friedensworte an die katholische und protestantische Kirche für ihre Wiedervereinigung</hi>. Vorrede zur 1. Aufl.</p>
                  </note>
               </seg>
            </hi>
         </p>
         <p>(Fortsetzung folgt)</p>
           </div> 
           <div type="tais">  
         <head>
           Israelitische Abtheilung.
         </head>
         <p><title><hi rend="bold">* Thesen über den Talmud.</hi></title>
            
         </p>
         <p>
            <hi rend="bold">Von Dr. </hi>
            <hi rend="italic bold">M. Creizenach</hi>
            <hi rend="bold">, in Frankfurt a. M.</hi>
         </p>
         <p>Bereits im Jahr 1831 hat der Verfasser der hier folgenden Thesen, durch die Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt eine kleine anonyme Schrift unter dem Titel: `32 Thesen über den Talmud“ herausgegeben und zum Schlusse alle isr. Theologen aufgefordert, seine Sätze, im Falle sie dieselben nicht für wahr halten sollten, |Sp. 0030| öffentlich zu bestreiten. Er hat noch die Ueberzeugung, daß die Wahrheit über diesen wichtigen Punkt durch eine offene und redliche, wenn auch etwas lebhafte Polemik gewonnen hätte, und ergreift freudig die Gelegenheit, welche die Universal Kirchenzeitung darbietet, den früher nicht gelungenen Versuch zur Herbeiführung einer solchen Polemik zu erneuern. Es ist dringend Zeit, daß die Juden mit sich selbst über das, was der Talmud für sie ist und seyn soll, in's Reine kommen; nicht bloß, weil dadurch allein schädliche Mißverständnisse in der christlichen Welt beseitigt werden können, sondern vorzüglich, damit endlich eine zweckmäßige und den Forderungen der Zeit entsprechende Gestaltung des isr. Ritualwesens zu Stande kommen könne.</p>
         <p>1) Es hat nie ein authentischer Codex des Talmuds existirt.</p>
         <p>2) Der Talmud ist nie für abgeschlossen erklärt worden.</p>
         <p>3) Die Mischnah ist ein unvollendetes Werk.</p>
         <p>4) Die Gemara ist ein unvollständiges Werk.</p>
         <p>5) Der Talmud enthält nur eine geringe Anzahl traditioneller Bestimmungen.</p>
         <p>6) Der nicht traditionelle Theil des Talmuds wird von den Verfassern selbst für Menschensatzung ausgegeben.</p>
         <p>7) Es besteht unter den Israeliten keine priesterliche Ordination.</p>
         <p>8) Eine solche Ordination kann und darf nie wieder eingeführt werden.</p>
         <p>9) Es ist nie ein Synodalbeschluß auf ewige Zeiten gefaßt worden.</p>
         <p>10) Alle Synodalbeschlüsse haben bei'm Aufhören der Ordination ihre Giltigkeit verloren.</p>
         <p>11) Die Talmudisten haben Gebote eingeführt und abgeschafft.</p>
         <p>12) Die Glaubenslehren des <hi rend="italic">Maimonides </hi>sind nicht in dem Talmud begründet.</p>
         <p>13) Der Talmud ist nie nach seinem Geiste befolgt worden.</p>
         <p>14) <hi rend="italic">Moses</hi> hat keine Ordination in dem gewöhnlichen Sinne eingeführt.</p>
         <p>15) Viele orthodoxe Zeitgenossen der Talmudisten können als ihre Gegner betrachtet werden.</p>
         <p>16) <hi rend="italic">Maimonides</hi> zeigt sich in seinem Buche More Nebuchim als Gegner des Talmuds.</p>
         <p>17) Die Entscheidungen der Rabbiner über casuistische Fragen haben selbst für die eifrigsten Anhänger des Talmuds keine Verbindlichkeit.</p>
         <p>18) Gar viele Erschwerungen im Ceremonialwesen, welche den Israeliten drücken, rühren nicht vom Talmud, sondern vom hyperascetischen Geiste der spätern Rabbiner her.</p>
           </div> 
       </div>
         
         <div type="lit">
         <head>
            Literatur.
         </head>
            <div type="litka">
         <head>
         Katholische Abtheilung.
         </head>
         <p>
            <hi rend="bold">I. Französische Literatur.</hi>
         </p>
         <p>† <hi rend="italic">Paris</hi>, bei Debécourt und bei Périsse frères: Deux Chanceliers d'Angleterre, <hi rend="italic">Bacon de Verulam</hi> et <hi rend="italic">Thomas de Cantorbery</hi>. Un Vol. en 8. Preis: 5 Fr. (<hi rend="italic">Zwei Kanzler von England, Baco von Verulem und Thomas von Canterbury</hi>.)</p>
         <p>Unter diesem Titel erschien im Laufe des verflossenen Sommers eine sehr ausgezeichnete Schrift von Herrn <hi rend="italic">Ozanam, </hi>einem Mitarbeiter der Pariser Zeitschrift l'Université catholique, worüber dieses Blatt vorläufig berichtet, unter der Verheißung, ausführlicher noch darauf zurückzukommen.</p>
         <p>Der Gegenstand ist von besonderem Interesse und er wurde dadurch in Anregung gebracht, daß der Verfasser, als er bei dem Studium der Geschichte <hi rend="italic">Baco's</hi> auf die unglaublichen Schwächen stieß, durch welche dieser, als Kanzler von England, mit den wichtigsten politischen Functionen bekleidete große Philosoph sich in Schatten gestellt hat, sich erinnerte, daß <hi rend="italic">Thomas Becket</hi>, Erzbischof von <hi rend="italic">Canterbury</hi>, der ebenfalls mit einem hohen Geiste, aber zugleich mit einer unerschütterlichen Tugend begabt war, dieselbe Würde inne gehabt hatte, und nun den Weltweisen und den Heiligen mit einander verglich, um inne zu werden, |Sp. 0031| in welchem von beiden die menschliche Natur sich am meisten erhoben , und mit mehr Ruhm gekrönt habe. Diese Vergleichung ist nicht unbillig: <hi rend="italic">Baco</hi> ist nicht der geringste unter den Weisen der Erde, und in der katholischen Kirche gibt es Köpfe, die von einer glänzendern Glorie umstrahlt sind, als der des heil. <hi rend="italic">Thomas</hi>. Er ist auch nicht willkürlich; der h. <hi rend="italic">Thomas</hi> und <hi rend="italic">Baco</hi> haben beide das große Siegel desselben Reiches bewahrt; sie haben auf demselben Boden gelebt. Zur Zeit des Erstern ward dieser Boden die Insel der Heiligen genannt; zu jener des Zweiten hatte er es vorgezogen, das Land der Freidenker zu heißen; es ist also natürlich, zu untersuchen, ob man bei dem Wechsel gewonnen habe. Die Leser der Revue européenne werden sich zweier Artikel erinnern, die gewissermaßen die Grundlage und den Entwurf dieser Schrift ausmachten; abgesehen von den Verbesserungen und Zusätzen, durch die der Verfasser sein Werk berichtigt und vervollständigt hat, und wodurch es einen ganz neuen Zuwachs erhalten, hat er es mit Noten und Belegen vom höchsten Interesse bereichert; wie z. B. die Anklage-Akte gegen <hi rend="italic">Baco</hi>, dessen Stammbaum der Wissenschaften etc., und in Beziehung auf den heil. <hi rend="italic">Thomas</hi>, Legenden, voll Anmuth und Poesie, von denen wohl sonst noch nirgend eine Uebersetzung besteht. Was das philosophische und literarische Verdienst des Autors betrifft, so ist dieses Buch voll geistreicher und von tiefer Einsicht zeugenden Bemerkungen über das Leben und Wirken der beiden Männer, die es mit einander vergleicht, mit großem Talent, abgefaßt, und vorzüglich gut geschrieben. Die Bescheidenheit, mit der die Université catholique aus der Rücksicht, daß Herr <hi rend="italic">Ozanam</hi> ihr Mitarbeiter ist, dieß nicht weiter ausführt, kann gewiß kein Minderungsgrund seyn, eine Übertragung dieser für jeden Gebildeten interessanten Schrift aus geübter Feder zu wünschen. H.</p>
         <p>
            <hi rend="bold">II.</hi>
         </p>
         <p>
            <hi rend="italic">Lorenzo oder die Macht der Religion</hi>. Von einem katholisch gewordenen schottischen Nicht-Conformisten. Aachen, 1836. Verlag der Cremer'schen Buchhandlung. (F. Cazin.) 8. II. u. S. 144. (mit Umschlag geheftet.)</p>
         <p>Beurtheilt vom k. bayer. Appellationsgerichts-Assessor K. <hi rend="italic">Samhaber</hi> in Aschaffenburg.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Sidney</hi>, ein Mündel des Marquis Arthur von Roslin, welcher auf dem Schaffotte seine Treue für die katholische Religion und seine Königinn (Maria Stuart) mit seinem Blute besiegelte, stellt uns in den hier mitgetheilten Nachrichten von dem Leben seines Freundes <hi rend="italic">Lorenzo</hi> (Arthur's Bruder) ein Beispiel vor Augen, zu welchen Heldenthaten der Glaube beseelen kann. Wir erblicken in Lorenzo ein Ideal eines Katholiken, vor dessen Andenken, wenn er wirklich existirt hat, wir verehrungsvoll uns beugen müssen. Beruht aber die ganze Erzählung auf dichterischer Erfindung, so bleibt ihrem Urheber das Verdienst, mit Scharfsinn den Knoten geschürzt, und so glücklich gelöst zu haben, daß er vollkommen seinen Zweck, die katholische Religion in den Tugenden ihrer Anhänger zu verherrlichen, erreicht hat. Sich für Freunde aufopfern, ist edel; — Feinden verzeihen — groß, aber es gehört eine an das Ueberirdsche gränzende Thatkraft dazu, sich um des Feindes willen aller Reize des Lebens zu berauben, Freiheit und Augenlicht hinzugeben, um den Feind zu retten, — ja es ist ein unbegreiflicher Kampf, wenn es sogar gilt, Kindes- und Bruder-Liebe zu verläugnen, damit verborgen bleibe, was man Großes an seinem Feinde gethan! Ein solches Schauspiel gewährt es uns nun Lorenzo's Geschichte. Sie ist äußerst anziehend und so rührend, daß wenige Leser dieselbe ohne Thränen aus den Händen legen werden. Lorenzo ist ein Glanzpunkt in den Reihen der Märtyrer des Katholizismus. Gemeine Seelen werden seine Größe nicht begreifen; nur der Fromme vermag diesen ganz zu erfassen; aber auch der Bösewicht wird ihn mit einer stummen Verehrung anstaunen. Beispiele reißen hm, während Worte nur ermahnen, und in dieser Beziehung kann es |Sp. 0032| nur zur Förderung des Katholizismus dienen, wenn Bücher der Art häufig verbreitet werden. Referent, als Katholik, kann Solches nur herzlich wünschen, und empfiehlt daher oben angezeigtes Schriftchen aus voller Ueberzeugung. Um so empfehlenswerter erscheint ihm dasselbe, als es in die Erzählung so manche Lehren der katholischen Kirche auf eine klare ungeschminkte Weise miteinzumischen wußte, ohne mit dogmatischen Spitzfindigkeiten das Ganze zu überfüllen. Eine besondere Zierde dieser literarischen Erscheinung ist es endlich, daß beleidigende Ausfälle, wie man sie nicht selten bei Werken dieser Art findet, gegen Andersdenkende derselben ganz fremd sind, und sohin der Katholizismus nicht auf Kosten Anderer erhoben wird. Er glänzet nur durch die <hi rend="italic">Tugenden</hi> seiner Anhänger! — Möchte der Wunsch des Herausgebers in Erfüllung gehen, und durch diese Schrift allen, welche auf dem Meere menschlicher Meinungen umhergetrieben werden, beseligende Ruhe der Seele aus dem Borne ewiger Gnade zufließen.</p>
            </div>
         </div>   
           
         <div type="anz">
         <p>
            <hi rend="bold">Anzeigen.</hi>
         </p>
         <p>(1) <hi rend="italic">Hildesheim</hi>, in einer anmuthigen Umgebung liegend, besitzt einen Dom, der wegen seiner alter-thümlichen Kunstdenkmale längst entschwundener Jahrhunderte vor vielen herrlichen Dom-Kirchen Deutschlands, besonders aber auch wegen seines schönen, Herz und Gemüth einnehmenden, Innern vorzugsweise sich auszeichnet.</p>
         <p>Ob nun gleich oftmals unter <hi rend="italic">Waffen</hi> und <hi rend="italic">Feuer</hi> in verhängnißschweren Zeiten diese altehrwürdige Mutterkirche Hildesheim's nicht allem ein Opfer der Habsucht, Raubgier und Zerstörungslust, sondern auch sogar <hi rend="italic">ein Mal</hi> ein Opfer der Flammen ward, wodurch sie gänzlich eingeäschert worden ist; so hat sie doch unter der Obhut der allwaltenden Vorsehung in ihrem Schooße uns seltene  Ueberreste, sogar aus den Zeiten <hi rend="italic">Karl's des Großen</hi> und <hi rend="italic">Ludwig's des Frommen</hi>, <hi rend="italic">den Stiftern derselben</hi>, bewahrt, ja sie hat uns mehre Denkmale von Kirchenfürsten des Morgen- und Abendlandes hinterlassen, und zeigt uns überhaupt viele werthvolle kunstalterthümliche Kostbarkeiten, welche aber entweder wenig oder gar nicht wissenschaftlich bekannt sind.</p>
         <p>Da nun schon oft von Kunst- und Alterthumsfreunden, sowohl des In- als auch des Auslandes der Wunsch geäußert worden ist, daß in Abbildung und Beschreibung die seltenen Schätze und Kunstwerke des Doms der Oeffentlichkeit übergeben werden möchten, so erlaubt sich der Unterzeichnete hiedurch die Ankündigung, daß er ein Werk unter dem Titel:</p>
         <p>	„<hi rend="italic">Der Dom von Hildesheim</hi>, <hi rend="italic">seine Merkwürdigkeiten und seine Denkmäler</hi>“</p>
         <p>nächstens erscheinen lassen werde, dessen Inhalt sich</p>
         <p>a) auf historische Nachrichten über die Domkirche;</p>
         <p>b) auf eine Beschreibung und urkundliche Erörterung der Merkwürdigkeiten und Kostbarkeiten, und, <hi rend="italic">als Zugabe</hi>
         </p>
         <p>c) auf eine vervollständigte Lebensbeschreibung der beiden ausgezeichnetsten Hildesheimischen Bischöfe, <hi rend="italic">Bernward</hi> und <hi rend="italic">Godehard</hi>, vorzüglich bezieht.</p>
         <p>Das Werk, welchem etwa <hi rend="italic">dreißig bis vierzig Abbildungen </hi>beigefügt werden, wird ungefähr <hi rend="italic">achtzehn bis zwanzig Bogen </hi>umfassen, und der Preis desselben nicht 3 Rthlr. übersteigen.</p>
         <p>Der Herausgeber wünscht nur noch, daß dasselbe, dem Zwecke der Gemeinnützigkeit entsprechend, mit gefälliger Nachsicht aufgenommen werde, und sich nicht nur des Beifalls und der Unterstützung einheimischer und ausländischer Kunst- und Aterthums-Freunde erfreuen möge; sondern er schmeichelt sich auch mit der ermunternden Hoffnung, daß namentlich die Bewohner seiner Vaterstadt Hildesheim und das gesammte kunstliebende Königreich Hannover durch eine wohlgefällige Subscription zur Veröffentlichung eines <hi rend="italic">aus alten Documenten, Urkunden und überhaupt seltenen Handschriften mühsam gesammelten, mit Kostenaufwand verbundenen Werkes</hi> beitragen, und so durch die öffentliche Anerkennung und Würdigung desselben die geringen Verdienste des Herausgebers belohnet werden.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Hildesheim</hi>.</p>
         <p>
            <hi rend="italic">Der Verfasser, </hi>Dr. J. <hi rend="italic">Krätz</hi>, ordentliches Mitglied der Deutschen Gesellschaft zu Erforschung vaterländischer Sprachen und Alterthümer in Leipzig.</p>
         <p>Die Namen der Subscribenten werden dem Werke vorgedruckt. </p>
         <p>* Die Redaction der Univ.-K.-Ztg. ist, auf Ersuchen des Herrn Verfassers, mit Vergnügen bereit, Subscriptionen, die kostenfrei bei ihr gemeldet werden, an denselben gelangen zu lassen.</p>
         </div>
         <div>
            <p>
            <hi rend="bold">Buchhandlung: F. </hi>
            <hi rend="italic bold">Varrentrapp</hi>
            <hi rend="bold">. — Herausgeber Dr. J. V. </hi>
            <hi rend="italic bold">Hoeninghaus</hi>
            <hi rend="bold">. — Druckerei: </hi>
            <hi rend="italic bold">Heller</hi>
            <hi rend="bold"> und </hi>
            <hi rend="italic bold">Rohm</hi>
            <hi rend="bold">.</hi>
         </p>
         </div>
    
      </body>
   </text>
</TEI>

